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Full text of "Geologisches Jahrbuch"

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SRANNEH 
GHOLOGICAL   LIBRARY    1 


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Jahrbuch 


der 


Königlich  Preussischen  geologischen 
Landesanstalt  und  Bergakademie 


zu 


Berlin 


für  das  Jahr 


1900. 


Band  XXI. 


*    ♦    »   I 


•  in-  •        c  ,     I  ^  .1  ^t  .    *• 


•  ■  « 


Berlin. 

Im  Vertrieb  bei  der  Simon  ScHROPF^schen  Hof-Landkartenhandlung 

(J.  H.  Neümann\ 

1901. 


•  •  •  •   • 

•  •      • 
»       •      • 


Inhalt 


I 

Mittheilnngen  ans  der  Anstalt. 

Seit« 

1.  Bericht  über  cli(>  Thätigkoit   der  König),  geologischen  Landesanstalt 

im  Jahre  190() 7 

2.  Arbeitsplan  der  Konigl.  goologischon  Landesanstalt  für  das  Jahr  1901  19 

3.  Mittheilungen  der  Mitarbeiter  der  Konigl.  geologischen  Landesanstalt 

über  Ergebnisse  der  Aufnahmen  im  Jahre  19(X) i 

A.  Denckmann:  Ueber  das  Oberdevon  auf  Blatt  BaWe  (Sauerland.)  i 

Erich  Kaiser:   Mittheilung  über  die  Revision  auf  Blatt  Lengenfeld 

im  Sommer  1900 xix 

A.  Klautzsch:  Bericht  über  die  Aufnahme  des  Blattes  Rastenburg 

im  Sommer  1900 XXI i 

H.  Stille:  Mittheilungcn  aus  dem  Aufnahmegebiete  am  südliohen 

Teutoburger  Walde  (Eggegebirge) xxxix 

0.  Tiktze:  Bericht  über  die  Aufnahme  der  Blätter  Lebus,  Seelow, 

Köstrin  und  Sonnenberg , Li 

W.  Weissermkl:    Bericht    über    di<'  Aufnahmen    auf   den  Blättern 

Grabow,  Balow  0  ^ind  Karstadt lv 

WiLH.  Wolff:    Aufnahmeergebnisse  in  der  nordöstlichen  Kassubei 

(Blatt  Prangenau  und  Gr.  Paglau) LXiii 

Paul  Gustaf  Krause:  Bericht  über  die  Ergebnisse  auf  Blatt  Kutten 

(Ostpreussen)   HKK) LXXi 

A.  Jbntzsch:  Bericht  über  Aufnahmen  in  Westpreussen  ....  LXXXi 
J.  Korn:  Ueber  Aufnahmen   auf  den  Blättern  Massin,  Hohenwatde 

und  Költschen  in  den  Jahren   189^) — 1900 LXXXV 

M.  Schmidt:  Unteroligocän  von  Vardeilsen LXXXVIii 

A.  Denckmann   und  H.  Potoni^c:    Bericht    über  eine  in   das  Gom- 

memer  Quarzit  •  Gebiet    ausgeführte  gemeinsame  Excursion         XCIV 

4.  Nekrolog  auf  W.  Hauchixormk xcvi 

'>.  Personal -Verhältnisse cxv 

')  In  der  Textüberschrift  steht  irrthümlich  »Rambow<'  statt  »Balow<. 

A* 


GA-a.^^ 


IL 

Abhandliinjs:en  von  Mitarbeitern  der  Rönigl.  geologischen 

Landesanstalt. 

Seit« 

Zur    Altersfrage    der    N.—S.-Störungen    in    der    Kreide    von    Lünebarg. 

Von  Herrn  Gotfribd  Müller  in  Berlio 1 

Ueber  grosse  flache  Ueberschiebungen  im  Dillgebiet     Von  Herrn  Emanukl 

Katskr  in  Marburg  in  Hessen.     (Hierzu  Tafel  I.) 7 

Die    geologischen    Verhftltnisse    des    Kleinen    Deislers,   Nesselberges    und 

Osterwaldes.      Von    Herrn    Wilhelm    Wunstorp    in    Berlin.      (Hierzu 

Tafel  XVn.) 26 

Ueber  Steinkohlen  im  Mittleren  Keupur  am  Teutoburger  Walde  bei  Neuen- 

heerse.    Von  Herrn  Hans  Stillk  in  Berlin 5S 

Pentamerus -  Quarzit    und    Greifensteiner    Kalk.     Von    Herrn    H.  Lotz    in 

Berlin 64 

Ueber  Wallberge  auf  Blatt  Naugard.     Von  Herrn  M.  Schmidt  in  Berlin         Sl 
Ueber  Endmoränen    in   Wostprousstin    und    angrenzenden  Gebieten.     Von 

Herrn  G.  Maas  in  Berlin.     (Hierzu  Tafel  XVIII — XXI.) 93 

Fauna   einer   Tien)ohrung    in   jungen    Küstcnbildungen   zu  Dar-cs-Sal&m. 

Von  Herrn  W.  Wolkf  in  Berlin 148 

Ueber  das  angebliche  Tertiär  von  Ang<Tburg  und  Lotzen  in  Ostpreussen. 

Von  Herrn  C.  Gagel  in  Berlin 158 

Ueber    drei    Aufschlüsse    im    vortertiaren    Untergrund    von    Berlin.      Von 

Herrn  C.  Gagkl  in  Berlin 167 

Ueber   einen    neuen    Aufscliluss    im    pommerschen   Tertiär.      Von    Herrn 

C.  Gaoel  in  Berlin 183 

Zwei  neue  Aufschlösse  von   marinem  Ober-Oligocän   im   nördlichen  Han- 
nover.    Von  Herrn  W.  Kobkt  in  Berlin 187 

Ueber  Triasgeschiebe.     Von  Herrn  <  >.  v.  Linstow  in  Berlin 2(X) 

Die  Lagern ngs Verhältnisse    des   Oberdevon   und  Culni    am  Kalkberge    bei 

Ebersdorf  in  Schlesien.     Von  Herrn  E.  Dathk  in  Berlin 214 


Abhandlungen  von  auHserbalb  der  Königl.  geologischen 
Landesanstalt  stehenden  Personen. 

Die    Fauna    des    Senon    von    Biewende    bei    Wolfenbuttel.      Von    Herrn 

A.  Wollemann  in  Braunschweig 1 

Ueber  einige  Coleopteren- Flügel  decken  aus  der  präglacialen  Braunkohle 
und  dem  interglacialen  Torflager  von  Lauenburg  (Elbe).  Von  Herrn 
FsRNAMD  Meumiek  iu  Bfüssel 31 

Der  Sandstein  von  Kieslingswalde  in  der  Grafschaft  Glatz  und  seine  Fauna. 

Von  Herrn  Fkiedbich  Sturm  in  Breslau.     (Hierzu  Tafel  H— XL)  ...        3J> 

Die  Fauna  der  oberdevonischen  Tuffbreocie  vor  Langen aubach  bei  Haiger. 
Von  Herrn  Fritz  Drevermann   in  Marburg   in   Hessen.     (Hierzu  Tafel 

xn— XVI.) •  .   .   .      jn) 


Seite 
Diluviale  Schichten  mit  SfisswaBserfaana  an  der  üntertraye.     Von  Herrn 

R.  Struck  in  Lübeck 208 

lieber  Mastodon  im  Werragebiet.    Von  Herrn  Johammbs  Walthbb  in  Jena. 

(Hierzu  Tafel  XXII.) , 212 

Sach-Register 222 

OrtsRegisier •    .    .  285 

Druckfehler  und  Berichtigungen 289 


I. 


Mittheilungen  aus  der  Anstalt. 


1. 

Berieht  ttber  die  Thätigkeit 
der  Königliehen  geologischen  Landesanstalt 

im  Jahre  1900. 


I.   Die  Aufhahmen  im  Gebirgslande. 

Landesgeologe  Professor  Dr.  KoOH   setzte  im  Mittelharz  die  i.  Der  Han. 
Aufnahme  des  Blattes  Wernigerode  (G.  A.  56;  9)  ^)  fort    Im  Ober- 
harz   wurden    von    demselben    gegen    Schluss    der   Aufuahmezeit 
Revisionsbegehungen  im  stkd westlichen  Antheil  des  Blattes  Zeller- 
feld  (G.  A.  56;  7)  ausgefilhrt. 

Bezirksgeologe  Dr.  Beushausen  setzte  die  Aufnahme  des 
Blattes  St.  Andreasberg-Braunlage  (G.  A.  56;  u)  fort  und  filhrte 
ausserdem  im  Bereiche  der  Blätter  Seeseu,  Osterode  und  Riefens- 
beek  (G.  A.  55;  12,  I8  und  G.  A.  56;  is)'llevi8ionsbegehungen  aus. 

Derselbe  führte  auf  Ersuchen  des  Königl.  Oberbergamtes  zu 
Clausthal  eine  Studie  aus  zum  Zwecke  der  Nachweisung  der 
etwaigen  Fortsetzung  des  Rammelsberger  Erzlagers. 

Geheimer  Bergrath  Professor  Dr.  von  Koenen    beendete   mit    2.  proTini 
Hülfe   des  Bezirksgeologen    Dr.  Müller    und    des   Geologen  Dr. 
Schmidt    die  Aufnahme    der    Blätter  Alfeld,   Dassel  und   Lauen- 
berg  (G.  A.  55 ;  .%  9,  lö)  bis  auf  kleine  Revisionen:  ferner  den  öst- 
lichen und  nördlichen  Theil  des  Blattes  Hardegsen  (G.  A.  55;  21) 

1)  Oradabtheilaiig  56,  BlaU  9. 

9 


und  setzte  die  Aufnahme  der  Blätter  Hildesheim,  Salzhemmendorf, 
Gronau,  Sibesse,  Bockenem,  Eschershausen  und  Lamspringe 
(6.  A.  41 ;  53,  66,  57,  58,  59  Und  G.  A.  55 ;  2,  5)  fort,  besonders  durch 
Untersuchung  der  Aufschltksse  bei  dem  Bau  der  neuen  Bahnstrecken 
Duingen-Deliigsen  und  Vorwohle-Bodenwerder. 

Bezirksgeologe  Dr.  MOller  bearbeitete  einen  Theil  des 
Blattes  Alfeld  (G.  A.  55;  3). 

Hülfsgeologe   Dr.   Schmidt    kartirte   einen   Theil  der  Blätter 
Eschershausen  und   Alfeld  (G.  A.  55 ;  2,  3),  führte  Revisionen  auf 
dem  Blatte  Dassel  (G.  A.  55;  9)  aus  und  setzte  alsdann  die  Auf- 
nahme auf  dem  Blatte  Lauenberg  (G.  A.  55;  15)  weiter  fort. 
X  prorioB  Bezirksgeologe  Dr.  Zeise  brachte  die  Aufnahme   der   Blätter 

^  **"*     Berlingerode,    Heiiigenstadt   und    Kella  (G.  A.  55;  86,  41,  47)  zum 
Abschluss. 

Hülfsgeologe  Dr.  Kaiser  überarbeitete  und  beendete  die  von 
Dr.  Pröscholdt  begonnene  Aufnahme  des  Blattes  Lengenfeld 
(G.  A.  55;  48). 

Hülfsgeologe  Dr.  Naumann  begann  die  Revision   des  Blattes 
Dingelstädt  (G.  A.  55;  42). 
4.  ThfiriDgen.  Laudesgcologe  Dr.   Zimmermann  beendete  die  Aufnahme  des 

preussischen,  thüringischen  und  bayerischen  Theils  des  Blattes 
Gefell  (G.  A.  71;  34),  brachte  die  Revisionen  auf  dem  Blatt  Hirsch- 
berg a.  S  (G.  A.  71;  33)  dem  Abschlüsse  nahe  und  führte  den 
Hülfsgeologen  Dr.  Kaiser  in  die  Aufnahme  des  ihm  überwiesenen 
Theilcs  von  Blatt  Mielesdorf  (G.  A.  71 ;  28)  und  den  Hülfsgeologen 
Dr.  Siegert  in  die  Aufnahme  des  ihm  überwiesenen  Blattes 
Schön bach-Kauschwitz  (G.  A.  71;  29)  ein. 

Hülfsgeologe  Dr.  Kaiser  vollendete  die  Aufnahme  des  ihm 
überwiesenen  Schleizer  Waldes  und  der  angrenzenden  Gebiete 
auf  dem  Blatte  Mielesdorf  (G.  A.  71;  28). 

Hülfsgeologe  Dr.  Siegert  vollendete  den  grössten  Theil  des 
Reussischen  Antheils  von  Blatt  Schön  bach-Kauschwitz  (G.  A.71 ;  29). 

Professor  Dr.  Beyschlag  fahrte  einige  Revisionen  auf  den 
Blättern  Eisenach  und  Salzungen  (G.  A.  69;  6,  12)  aus. 

Professor  Dr.  BüCKING  unterzog  das  Blatt  Schmalkalden 
(G.  A.  70;  18)  einer  Schlussrevision. 

10 


Professor  Dr.  Scheibe  fthrte  einige  Schlnssbegehungen  auf 
den  Blftttero  Brotterode  und  Tambach  (G.  A.  70;  7,  u)  aus,  wo- 
durch dieselben  zum  endgültigen  Abschluss  gelangten. 

Bergrath  Frantzen  setzte  die  Aufnahme  auf  Blatt  Kreuzburg 
(G.  A.  55;  6o)  fort. 

Im  Regierungsbezirk  Cassel  setzte  Professor  Dr.  BOCKING  5.  nie  ProTini 
unter    zeitweiser  Hülfeleistung    des  Assistenten  Dr.  Söllner   die 
Bearbeitung  des  Blattes  Kleinsassen  (G.  A.  69;  28)  fort. 

Major  a.  D.  von  Setfribd  filhrte  die  Aufnahme  des  Blattes 
Schlüchtern  (G.  A.  69;  2»)  weiter. 

Im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  vollendete  Professor 
Dr.  Katser  unter  Hülfeleistung  des  Hülfsgeologen  Dr.  LoTZ  die 
Aufnahme  des  Blattes  Herborn  (G.  A.  67;  24).  Ausserdem  ver- 
wandte der  Genannte  noch  ungefähr  14  Tage  zur  Begehung  einiger 
besonders  wichtiger  Theile  des  erst  im  Spätsommer  1900  neu  er- 
schienenen Messtischblattes  Dillenburg  (G.  A.  67;  is). 

Landesgeologe  Dr.  Leppla  fahrte  die  Aufnahme  des  Blattes 
Pressberg  (G.  A.  67 ;  68)  zu  Ende ,  begann  im  Verein  mit  Herrn 
VON  Rein  ACH  diejenige  des  Blattes  Homburg  v.  d.  H.  (G.  A.  68;  44). 
Ausserdem  fdhrte  derselbe  in  Gemeinschaft  mit  Landesgeologen 
Professor  Dr.  Wahnschaffe  die  geologisch-agronomische  Unter- 
suchung der  näheren  Umgebung  von  Geisenheim  im  Interesse  des 
dortigen  Obst-  und  Weinbaues  zu  Ende. 

Professor  Dr.  Holzapfel  beendete  die  Schlussrevision  der 
Blfttter  Caub,  Algenroth  und  St.  Goarshausen  (G.  A.  67;  57,  62,  61). 

Landesgeologe   Dr.  Loretz  setzte  die  Aufnahme  der  Blätter   e.  ProTim 
Lüdenscheid  und    Altena  (G.  A.  53;  44,  45)  fort    und  machte  Re-  . 
Visionsbegehungen    auf  den  Blättern   Hohenlimburg  und  Iserlohn 
(G.  A.  53;  88,  89). 

Bezirksgeologe  Dr.  Denckmann  nahm  unter  theilweiser  Halfe- 
leistung des  Hülfsgeologen  Dr.  LoTZ  die  Kartirung  der  Blätter 
Neheim,  Balve  und  Plettenberg  (G.  A.  53;  84,  40,  46)  in  Angriff 
und  machte  Instructions  -  Begehungen  zu  Vergleichszwecken  auf 
den  benachbarten  Blättern. 

11 


7.  Die  Rhein- 
pro vi  ni. 


8.  Provins 
Schlesien. 


HQlfsgeologe  Dr.  Lorz  Dahin  an  den  Orientirungs-Begehungen 
des  Dr.  Dengkmann  Theil  und  begann  mit  der  Aufnahme  der 
NO.-Ecke  des  Blattes  Balve  (G.  A.  53;  4o). 

HQlfsgeologe  Dr.  Stille  kartirte  den  grössten  Theil  der 
Blätter  Altenbeken  und  Lichtenau  (6.  A.  54;  16,  22)  und  einen 
kleinen  Theil   des  Blattes  Willebadessen  (G.  A.  54;  2s). 

Professor  Dr.  Holzapfel  vollendete,  vorbehaltlich  einer 
Schlussreyision,  das  Blatt  Stolberg  (G.  A.  65;  is),  kartirte  den 
paläozoischen  Theil  der  Blätter  Eschweiler  und  DQren  (G.  A.  65;  12 
und  G.  A.  66;  7),  um  namentlich  die  hier  auftretenden,  den  Ge- 
birgsabbruch  begleitenden  grossen  Störungszonen  festzulegen. 

Landesgeologe  Dr.  Dathe  führte  die  Aufnahme  der  Blätter 
Rudolfswaldau,  Laugenbielau,  Wünschelburg  und  Neurode  (G.  A. 
76 ;  19,  20,  2Ä,  26)  zu  Ende,  wobei  besonders  die  specielle  Gliede- 
rung des  Obercarbons  und  des  Rothliegenden  der  erstgenannten 
beiden  Blätter  durchgeführt  wurde. 

Landesgeologe  Dr.  Leppla  begutachtete  im  Auftrage  des 
Ministeriums  ft\r  Handel  und  Gewerbe  eine  grössere  Anzahl  von 
Stauprojecten  im  Flussgebiet  der  oberen  Oder. 


II.   Die  Aufnahmen  im  Flachlande 

mit   besonderer   Berücksichtigung  der  agronomischen 

Bodenverhältnisse. 

9  Provin»  Landesgeologe  Dr.  Schroeder  kartirte  Blatt  Lamstedt  (G.  A. 

und  schieiwig-  23;  23)    uud    begann  Blatt   Kadenberge  (G.  A.  23;  n\    ausserdem 

Holstein,     erledigte .  er    Theile     der    Blätter    Himmelpforten    uud    Harsefeld 

(G.  A.  23;  24  und  G.  A.  24;  32),    so  dass   beide   in  der  Aufnahme 

fertig  vorliegen. 

Hülfsgeologe  Dr.  Monke  revidirte  die  Blätter  Horneburg 
und  Hagen  (G.  A.  24;  26,  25),  kartirte  einen  Theil  von  Blatt 
Himmelpforten  (G.  A.  23;  24)  und  schloss  Blatt  Harsefeld  (G.  A. 
24 ;  82)  ab. 

Bezirksgeologe  Dr.  Müller  beendete  die  Aufnahme  der  Blätter 
Lüneburg  und  Lauenburg  (G.  A.  25;  48,38)  und  begann  Blatt 
Hittfeld  (G.  A.  24;  4o). 

12 


Hülfsgeologe  Dr.  Koert  beendigte  die  Aufnahme  des  Blattes 
Winsen  (G.  A.  24 ;  42)  und  kartirte  alsdann  einen  Theil  des  Blattes 
Hittfeld  (G.  A.  24;  40). 

Hülfsgeologe  Dr.  Krusch  begann  und  vollendete  die  Auf- 
nahme des  Blattes  Lingen  und  kartirte  alsdann  einen  Theil  des 
Blattes  Lohne  (G.  A.  38;  so,  se). 

Bezirksgeologe  Dr.  Gagel  kartirte  einen  Theil  des  Blattes 
Pötrau  (G.  A.  25;  32). 

Landesgeologe  Professor  Dr.  Wahnschaffe  kartirte  das  Blatt  ^^  provin« 
Bäk  (G.  A.  26;52),  welches  mit  Hülfe  des  Hülfsgeologen  Dr.  »"°«*•"^"«• 
Schulte  bis  auf  einen  kleinen  Theil  vollendet  wurde. 

Hülfsgeologe  Dr.  Weissermel  nahm  den  preussischen  Antfaeil 
der  Blätter  Grabow  und  Balow  auf,  die  nahezu  vollendet  wurden 
und  begann  die  Aufnahme  dos  Blattes  Karstfidt  (G.  A.  26;  44,  45,  51). 

Hülfsgeologe  Dr.  Schulte  beendete  die  Aufnahme  des  Blattes 
Daunenwalde  (G.  A.  27;  60),  betheiligte  sich  an  der  Aufnahme  des 
Blattes  Bäk  (G.  A.  26;  02)  und  kartirte  alsdann  den  grössten  Theil 
des  Blattes  Hülsebeck  (G.  A.  26 ;  46). 

Landesgeologe  Professor  Dr.  Keilhack  beendete  gemeinsam 
mit  dem  Hülfsgeologen  Dr.  Tietze  die  Aufnahme  der  Blätter 
Seelow  und  Lebus  (G.  A.  46;  25,  82),  mit  den  Hülfsgeologen  Dr. 
Korn  und  Dr.  Tietze  diejenige  des  Blattes  Sonneburg  (G.  A. 
46;  27),  mit  den  Hülfsgeologen  Dr.  KoKN  und  Dr.  von  Linstow 
diejenige  des  Blattes  Drossen  (G.  A.  46;  34),  bearbeitete  und  been- 
dete allein  die  Aufnahme  des  Blattes  Frankfurt  (G.  A.  46;S8). 
Ausserdem  führte  derselbe  die  neu  eingetretenen  Hülfsgeologen 
Dr.  Tietze  und  Dr.  Wünstorf  in  die  Arbeiten  ein  und  hielt 
einen  Cursus  fbr  Landwirthschaftslehrer  ab,  an  welchem  auch 
noch  ^der  Hülfsgeologe  Dr.  Kaiser  Theil  nahm. 

Hülfsgeologe  Dr.  Tietze  bearbeitete  Theile  der  Blätter  Seelow, 
Küstrin,  Sonnenburg  und  Lebus  (G.  A.  46;  25,  26,  27,  32). 

Hülfsgeologe  Dr.  von  Linstow  kartirte  den  nördlichen  Theil 
des  Blattes  Drossen  (G.  A.  46;  84),  nahm  Blatt  Alt  -  Limm ritz 
(G.  A.  4Ü;  2S)  auf  und  bearbeitete  einzelne  Theile  der  Blätter 
Küstrin  und  Sonnenburg  (G.  A.  46;  26,  27). 

13 


Hülfsgeologe  Dr.  Korn  beendete  die  Aufnahme  der  Blätter 
Hohenwalde  und  Költscben  (G.  A.  46;  17,  23)  stellte  sodann  gemein- 
schaftlich mit  Dr.  Kbilhack  die  Resthälfte  von  Blatt  Drossen 
(6.  A.  46;  u)  fertig  und  nahm  schliesslich  den  von  Blatt  Sonnen- 
burg (G.  A.  46;  27)  noch  übrig  gebliebenen  Theil  auf. 

Kulturtechniker  Dr.  Woblfbr  bearbeitete  die  nordöstliche 
Hälfte  des  Blattes  Küstrin  (G.  A.  46;  26),  so  dass  die  Aufnahme 
des  Blattes  abgeschlossen  vorliegt. 

11.  ProTins  Hülfsgeologe   Dr.  Schmidt   kartirte    den   ostlichen  Theil  des 

Pommaro.    g,^^^  Naugard  (G.  A.  29;  28). 

Hülfsgeologe  Dr.  Wünstorf  kartirte  den  westlichen  Theil 
des  Blattes  Naugard  (G.  A.  29;  23)  und  setzte  alsdann  die  Auf- 
nahme auf  dem  Blatte  Bassenthin  (G.  A.  29;  22)  fort. 

11  Provini  Landesgeologe   Professor  Dr.  Jentzsch  stellte  die  Aufnahme 

der  Blätter  Schwetz  und  Sartowitz  (G.  A.  33;  31,  82)  fertig  und 
begann  alsdann  die  Aufnahme  der  Blätter  Laskowitz,  Warlubien 
und  Kulm  (G.  A.  33;  20,26,37).  Ausserdem  wurden  grössere  Re- 
visionstouren in  der  Gegend  von  Danzig  ausgeführt  und  die 
7  Blätter  umfassende  Lieferung  dieser  Gegend  zum  Druck  ab- 
geschlossen. 

Professor  Dr.  Grüner  brachte  das  im  Vorjahre  begonnene 
Blatt  Jablonowo  (G.  A.  33;  41)  zum  AbschUiss  und  fährte  Revisions- 
touren auf  dem  Blatte  Bahrendorf  (G.  A.  33;  47)  aus. 

Hülfsgeologe  Dr.  Maas  fahrte  eine  Schlussbegehung  des 
Blattes  Lindenbusch  (G.  A.  32;  29)  aus  und  beendete  sodann  die 
Aufnahme  der  Blätter  Zalesie  und  Dritschmin  (G.  A.  32;  23,  so). 
Ferner  wurden  die  Aufschlüsse  der  neuen  Eisenbahn  von  Kulm 
nach  Unislav  untersucht. 

Hülfsgeologe  Dr.  Kuhn  stellte  Blatt  Carthaus  (G.  A.  15;  42) 
fertig,  führte  die  Aufnahme  des  Blattes  Zuekau  (G.  A.  16;  s?)  zu 
Ende  und  ging  sodaun  auf  Blatt  Quaschiu  (G.  A.  16;  81)  über,  das 
zum  grössten  Theil  kartirt  wurde. 

Hülfsgeologe  Dr.  Wolff  beendete  die  Aufnahme  des  Blattes 
Prangenau  (G.  A.  16;  43)  und  ging  dauu  auf  Blatt  Gr.  Paglau 
(G.  A.  16;  49)  über,  welches  etwa  zur  Hälfte  fertig  gestellt  wurde. 

14 


Landes^eologe  Professor  Dr.  Klebs  stellte  die  Aufnahme  der  is.  Provin» 
Blätter  Cabienen,  Seehesten,  Sorquitten,  Sensburg  und  Ribben(G.  A.  '  p'«""*" 
3»;  5,  6,  11,  12,  17)  bis  auf  einige  kleine  Theile  fertig. 

Hülfsgeologe  Dr.  Klautzsch  vollendete  die  Aufnahme  des 
Blattes  Rastenburg  (G.  A.  19;56)  und  begann  die  des  Blattes 
Wenden  (G.  A.  19;  49). 

Hülfsgeologe  Dr.  Krause  ftlbrte  die  Aufnahme  des  Blattes 
Kutten  (G.  A.  19;  62)  bis  auf  einen  kleinen  Rest  in  der  S W.- 
Ecke aus. 

Hülfsgeologe  Dr.  Kaünhowbn  begann  und  beendete  die  Auf- 
nahme des  Blattes  Gross-Barten  (G.  A.  19 ;  48),  vollendete  diejenige 
des  Blattes  Gross  -  Stürlack  (G.  A.  19;  56)  und  stellte  den  geolo- 
gischen Anschluss  der  inzwischen  in  ihrer  Grenz-Topographie  be- 
richtigten Blätter  Drengfiirth  und  Rosengarten  (G.  A.  19;  44,  so)  her. 

Hülfsgeologe  Dr.  Michael  begann  und  vollendete  die  Auf- 
nahme das  Blattes  Gilgenburg  (G.  A.  34;  85)  und  ging  alsdann  auf 
das  Blatt  Geiers walde  (G.  A.  34;  29)  über. 

Landesgeologe  Professor  Dr.  Wahnschaffe  fnhrte  auf  Ver-  u.  Provin« 
anlassung  der  deutschen  Landwirtschat'ts-Gesellschaft  als  Mitglied 
einer  Commissiou  eine  vierzehntägige  Bereisung  der  Provinz  Posen 
zur  Feststellung  der  dortigen  Obstbauverhältnisse  aus.  Es  war 
ihm  die  Aufgabe  zuertheilt,  die  dortigen  Bodenverhältnisse  zu  be- 
gutachten. 

III.   Anderweitige  Arbeiten. 

Landesgeologe  Professor  Dr.  Keilhack  ftihrte  die  geologisch- 
agronomische  Untersuchung  der  Königlichen  Domäne  Altkloster 
(Kreis  Bomst),  Hülfsgeologe  Dr.  Maas  diejenige  der  Domäne 
Althöfchen  (Kreis  Schwerin  a.  W.),  Hülfsgeologe  Dr.  Schmidt 
diejenige  der  Domäne  Steiuhagen  hei  Stralsund,  Hülfsgeologe 
Dr.  Klautzsch  diejenige  der  Domäne  Fiddichow  (Kreis  Greifen- 
bagen),  Hülfsgeologe  Dr.  Michael  diejenige  der  Domäne  Gross- 
Saabor  (Kreis  Neumarkt)  und  Kulturtechniker  Dr.  Wölfer  die- 
jenige der  Domäne  Bärenklau  (Kreis  Osthavelland)  aus. 


Posen. 


15 


stand  der        Im  Laufc  des  Jahres  sind  zur  Veröffentlichung  gelangt : 

Yeröffent- 
Ilchangen. 

A.    Karten. 

1.  Lief.  LXXIX,  enthaltend  die  Blätter  Wittlich, 
Bemkastel,  Sohren,  Neumagen,  Morbach  und 
Hottenbach 6  Blätter. 

2.  Lief.  LXXXVI,  enthaltend  die  Blätter  Neuen- 
bürg, Garnsee,  Feste  Courbiäre,  Roggenhausen         4        » 

3.  Lief.  XC,  enthaltend  die  Blätter  Neumark, 
Schwochow,  Uchtdorf,  Wildenbruch,  Beyers- 
dorf             5       » 

4.  Tiief.  XCII,  enthaltend  die  Blätter  Wilhelms- 
höhe, Cassel,  Besse,  Oberkaufungen     ...         4        » 

5.  Lief.  XCIX,  enthaltend  die  Blätter  Obornik, 
Lukowo,  Schocken,  Murowana-Goslin,  Dom- 
browka  und  Gurtschin 6        » 


zusammen       25  Blätter. 
Es  waren  veröffentlicht 451        » 


Mithin  sind  im  Ganzen  veröffentlicht  .     .     476  Blätter. 

Was    den    Stand    der    noch    nicht    herausgegebenen    Karten- 
arbeiten betrifft,  so  ist  derselbe  gegenwärtig  folgender: 

1.    In  der  lithographischen  Ausführung  sind  nahezu  beendet: 

Lief.  LXIV,  Gegend  von  Suhl  ....         6  Blätter. 
Lief.  LXXXIV,   Gegend  von  Orteisburg         6        » 
Lief.  XCIV,  Gegend  von  Königsberg  i.  N, 
Lief.  XCVI,  Gegend  von  Gülzow  .     . 
Lief.  XCVII,  Gegend  von  Graudenz  . 
Lief.  XCVIII,  Gegend  von  Liebenberg 
Lief.  CI,  Gegend  von  Dillenburg    .     . 
Lief.  CIV,  Gegend  von  Passenheim 


6  » 

6  » 

4  » 

6 

4  » 

6  y> 


zusammen       44  Blätter. 


16 


2.  In  der  lithographischen  Ausführung  begriffen 
sind: 

Lief.  LXXXI,  Gegend  von  Freienwalde 
Lief.  LXXXVII,  Gegend   von  Gandenitz 
Lief.  XCV,  Gegend  von  Neudamm 
Lief.  C,  Gegend  von  Zellerfeld  . 
Lief.  CII,    Gegend  von  Soldin    .     . 
Lief,  cm,  Gegend  von  Briesen 
Lief  CV,  Gegend  von  Perleberg     . 
Lief.  CXVI,  Gegend  von  Kellerwald 

Zusammen   1.  und  2 

3.  In  der  geologischen  Aufnahme  fertig,  jedoch 
noch  nicht  zur  Veröffentlichung  in  Liefe- 
rungen abgeschlossen 

4.  In  der  geologischen  Bearbeitung  begriffen  . 
Es  sind  mithin  einschliesslich  der  herausgege- 
benen Blätter  in  der  Anzahl  von    .     .     .     . 

im  Ganzen " 

zur  Untersuchung  gelangt. 


5  BlÄtter. 
3 


6 
4 
5 
5 
4 
4 


» 


80  Blätter. 


108 
77 

476 


» 


741  Blätter 


B.    Abhandlungen. 

1.  Neue  Folge.    Heft  30.    Beüshaosen,    Das    Devon    des    nörd- 

lichen Oberharzes  mit  besonderer  Be- 
rücksichtigung der  Gegend  zwischen 
Zellerfeld  und  Goslar.  Mit  11  Abbil- 
dungen im  Text  und  einer  Karte. 

2.  Neue  Folge.    Heft  32.    A.  Leppla,  Geologisch-hydrographische 

Beschreibung  des  Niederschlagsgebietefs 
der  Glatzer  Neisse  (oberhalb  der  Steine- 
mündung). Mit  7  Tafeln  und  einem 
Atlas. 

3.  Neue  Folge.    Heft  34.    A.  Denckmann,    Der  geologische  Bau 

des  Kellerwaldes.  Hierzu  eine  Ueber- 
sichtskarte  1  :  100000  und  2  Special- 
karten 1  :  25000. 


17 


Jahrlmflh  1900. 


ß 


Ausserdem  sind  noch  folgende  Abhandlungen  im  Druck  und 
in  der  Lithographie  befindlich: 

1.  Neue  Folge.    Heft    9.    Beyschlag  und  Potonie,    Ueber  das 

liothliegende    des    Thüringer    Waldes 
Theil  I. 

2.  Neue  Folge.    Heft  18.    H.  Schröder,  Die  Säugethierfauna  des 

Mosbacher  Sandes. 

3.  Neue  Folge.    Heft  24.    A.   von  Koenen,   Die  Mollusken   des 

Norddeutschen  Neocoih. 

C    Jahrbücher. 

Jahrbuch  der  Königlich  Preussischen  geologischen  Landesanstalt 
und  Bergakademie  für  das  Jahr  18^)9,  CXVI  und  379 
Seiten  Text  und  16  Tafeln. 

Ferner  ist  das  Jahrbuch  für  1900  im  Druck  befindlich. 

D.    Sonstige  Karten  und  Schriften. 

A.  Schneider,  Einführung  in  die  Benutzung  des  Messtisch bliltter. 

K.  Keilhack,  Einführung  in  das  Verständniss  der  geologisch- 
agronomischen Specialkarten  des  norddeutschen  Flach- 
landes. 

Ueber  den  Nach  dem  Berichte  für  das  Jahr  1899  betrug 

^*^\fnJ  die  Gesammtzahl  der  verkauften  Kartenblätter      .     42849  Blätter, 
scbrifteu.  j^  Jahrc  1900,    und  zwar   vom  1.  April  bis 

31.  December,  wurden  verkauft: 

von  Blättern  des  Gebirgslandes  1057  Exempl. 
»  »  »     Flachlandes         959        » 

Zusammen     ...       2016       » 
so  dass  im  Ganzen  verkauft  sind     .     .     44805  Blätter. 

Von   den    Abhandlungen    zur  geologischen   Special- 
karte etc.  sind  verkauft  worden      .     .     .     .  215  Exempl. 

Von  den  Jahrbüchern  der  Anstalt 75 

und  von  den  sonstigen  Karten  und  Schriften      .     .  63 


» 


18 


2. 

Arbeitsplan 
der  Königliehen  geologischen  Landesanstalt 

für  das  Jahr  190L 


I.    Die  Aufnalimen  im  Gebirgslande. 

I.    Der  Harz. 

Landesgeologe  Professor  Dr.  Koch  wird  auf  Blatt  Wernigerode 
(G.  A.  56;  9)  ^)  liegenden  Antheil  des  BrockengraDits  und  seiner 
basischen  Randzone  kartiren  und  alsdann  die  bereits  früher  be- 
gonnenen Aufnahmen  auf  Blatt  Harzburg  (G.  A.  56;  s)  zeitweise 
unter  Hülfeleistung  des  neu  eintretenden  Hülfsgeologen  Dr.  Bode 

fortsetzen. 

Liquidationsort:  Harzburg. 

Prof.  Dr.  Beushausen  wird  die  zum  Abschlüsse  der  Erläute- 
rungen der  Oberharzblätter  erforderlichen  Grubenbefahningen, 
zugleich  mit  einigen  Schlussbegehuugen  der  Blätter  Osterode  und 
Seesen  (G.  A.  55;  I8,  12)  unternehmen;  demnächst  wird  er  die 
Aufnahme  des  Blattes  St.  Andreasberg-Braunlage  (G.  A.  56;  u) 
zeitweise  unter  Hülfeleistung  des  neu  eintretenden  Hülfsgeologen 
Dr.  Bode  weiterführen.  Ausserdem  werden  die  Vorgenannten  in 
Gemeinschaft  mit  den  Landesgeologen  Prof  Dr.  Wahnschaffb 
und  Keilhack  eine  Begehung  der  fraglichen  Glacialablagerungen 
im  Brockengebiete  ausführen. 

Liquidationsorte:  Clausthal  und  Brauulage. 

0  Gradabtheilung  56,  Blatt  9. 

B* 


2.  Provinz  Hannover. 

Geheimer  Bergrath  Prof.  Dr.  v.  Koenen  wird  die  Aiifuahme 
der  Blätter  Hardegsen,  Lauenburg,  Dassel,  Alfeld  und  Eschers- 
hauseu  abschliessen  (G.  A.  55;  21,  15,  9,  s  und  2). 

Liquidationsort:  Eschershausen. 

3.  Provinz  Sachsen. 

Landesgeologe  Prof.  Dr.  Wahnschaffe  wird  unter  Hülfe- 
leistuug  der  Hülfsgeologen  Dr  Siegert  und  Dr.  Weissermel  die 
Blätter  Landsberg,  Halle  a.  S.,  Gröbers,  Merseburg,  Kötzschau, 
Weissenfeis  und  Lützen  (G.  A.  57;  29,  S4,  35,  40,  41,  46,  47)  geologisch- 
agronomisch  flberarbeiteu.  Ausserdem  wird  er  die  neu  eintretenden 
Hülfsgeologen  Dr.  Picard  und  Dammer  dabei  in  die  geologischen 
Aufnahme- Arbeiten  einfiihren  und  beschäftigen. 

Liquidationsort :  Weissenfeis. 

Bezirksgeologe  Dr.  Kaiser  wird  unter  Holfeleistung  des 
Hülfsgeologen  Dr.  Naumann  die  Blätter  Langula,  Langensalza, 
Berka  und  Henningsleben  revidiren  (G.  A.  56;  49,  50,  55  und  56). 

Liquidationsort:  Berka. 

Hülfsgeologe  Dr.  Naumann  wird  ausserdem  die  Revision  des 
Blattes  Dingelstedt  zu  Ende  führen  (G.  A.  55;  42). 

Liquidationsorte:  Dingelstedt  und  Berka. 

4.    Thüringen. 

Landesgeologe  Dr.  Zimmermann  wird  die  Aufnahme  der 
Blätter  Schleiz,  Mielesdorf  und  Gefeil  (G.  A.  7 1 ;  27,  28,  34)  beenden 
und  eine  Schlussrevision  der  Blätter  Lehesten,  Lobenstein  und 
Hirschberg  (G.  A.  71;  31,  32,  83)  ausfahren.  Derselbe  wird  die 
Bahnlinien  Blankeuburg-Katzhütte  und  Probstzella-Wallendorf  be- 
gehen. Ausserdem  werden  Prof.  Dr.  Scheibe  und  Laudesgeologe 
Dr.  Zimmermann  gemeinschaftlich  die  Aufschlüsse  der  im  Bau 
befindlichen  Eisenbahnlinie  Schleusingen-Ilmeuau  kartiren. 

Liquidationsorte:  Schleiz  und  Lehesten. 

20 


Hülfsgeolo^e  Dr.  Siegert  wird  unter  Leitung  des  Landes- 
geologen Dr.  Zimmermann  die  Aufnahme  des  Thüringischen  Theiles 
von  Blatt  Schönbach  beenden  (G.  A.  7 1 ;  29). 

Liquidationsort:  Scfaönbach. 

Prof.  Dr.  Scheibe  wird  die  Revision  des  Blattes  Schwarza 
(G  A.  70;  20)  ausführen. 

Liquidationsort :  Schwarza. 

Bezirksgeologe  Dr.  Kühn  wird  die  Aufnahme  der  Blätter 
Meuselwitz  und  Windischleuba  (G.  A.  57;  60  und  G.  A.  58;  55)  be- 
ginnen. 

Liquidationsort:  Windischleuba. 

Dr.  Blankenhorn  wird  die  Aufnahme  der  Blätter  Hühnfeld 
und  Ostheim  zu  Ende  führen  und  die  zugehörigen  Erläuterungen 
verfassen  (G.  A.  69 ;  21,  sc). 

Liquidationsorte:  Hühnfeld  und  Ostheim. 

Bergrath  Frantzen  wird  die  Blätter  Treffurt  und  Kreuzburg 
(G.  A.  55;  54,  60)  zum  Abschluss  bringen. 

Liquidationsort:  Kreuzburg. 

5.    Provinz  Hessen-Nassau. 

Prof.  Dr.  BOCKING  wird  die  Aufnahme  der  Blätter  Kleinsassen, 

Hilders,   Gersfeld  und   Sondheim   (G.  A.  69;  28,  29,  34,  3ö)  fertig  zu 

stellen  suchen. 

Liquidationsort:  Gersfeld. 

Major  a.  D.  v.  Seyfried  wird  das  Blatt  Schlüchtern  beenden 
und  die  Aufnahme  auf  den  Blättern  Ober-Zeil  und  Steinau(G.A.  69; 
38,  39,  37)  fortsetzen. 

Liquidationsort:  Schlüchtern. 

Dr.  Lang  wird  die  Aufnahme  der  Blätter  Schwarzenhorn, 
Felsberg  und  Homberg  beginnen  (G.  A.  69;  1  und  G.  A.  55;  49,  00). 

Liquidationsort:  Schwarzenhorn. 

Prof.  Dr.  Kayser  wird  die  Aufnahme  der  Blätter  Buchenau 
(Caldern),  Gladenbach  und  Rodheim  beginnen  (G.  A.  68;  8,  14,  20). 

Liquidationsort:  Rodheim. 

21 


Landesgeologe  Dr.  Lrppla  wird  in  Gemeinschaft  mit  Herrn 
T.  Reinach  die  Bearbeitung  des  Blattes  Homburg  v.  d.  H.  (G.  A.  68 ; 
44)  fortsetzen  und  die  im  vorigen  Jahre  unterbliebene  Revision  der 
Alteren  Aufnahmen  im  Taunus,  behufs  Erlangung  einer  gleich- 
massigen  Auffassung  der  Taunus-Schichten,  ausfahren;  insonderheit 
wird  er  die  vortertiftren  Bildungen  auf  den  Blättern  Wiesbaden 
und  Hochheim  (G.  A.67;  60  und  G.  A.  68;  bb)  einer  Revision 
unterziehen. 

Liquidationsort:  Homburg,  Wiesbaden  und  Hochheim. 

6.   Provinz  Westftilen. 

Landesgeologe  Dr.  Denckmann  wird  unter  Hülfeleistung  des 
Hülfsgeologeu  Dr.  Loxz  die  Aufnahme  der  Blätter  Balve  und 
Neheim  (G.  A.  53;  40,  34)  tortsetzen,  sowie  eine  Revision  der  Blätter 
Schwerte,  Menden,  Hohenlimburg  und  Iserlohn  (G.  A.  53;  32,  33, 
88,  39)  vornehmen. 

Liquidationsorte:  Balve,  Hohenlimburg. 
Landesgeologe  Dr.  Müller    wird    die  Aufnahme  der  Blätter 
Kamen,  Unna  und  Werl  (G.  A.  53;  26,  27,  23)  beginnen. 

Liquidationsort:  Unna. 
Bezirksgeologe  Dr.  KrüSCH  wird   die    Aufnahme   der   Blätter 
Dortmund  und  Witten  (G.  A.  53;  25,  31)  beginnen. 

Liquidationsort:  Dortmund. 
Hülfsgeologe  Dr.  Stille  wird  die  Aufnahme  der  Blätter  Alten- 
beken  und  Lichtenau  (G.  A.  54;  I6,  22)  zum  Abschlüsse  bringen 
und  das  Blatt  Kleinenberg  (G.  A.  54;  28)  beginnen;  ferner  wird  er 
eine  geologisch-hydrologische  Untersuchung  der  Paderquelleu  und 
des  Gebietes  südlich  und  südöstlich  von  Paderborn  ausführeu. 

Liquidationsort :  K  leinenberg. 

7.    Rheinprovinz. 

Prof.  Dr.  Holzapfel  wird  die  Aufnahme  der  Blätter  Aachen, 

Stolberg,    Herzogenrath  und  Eschweiler  (G.  A.  65;  17,  I8,  11,  12)  zu 

Ende   führen  und   die   Aufnahme  des   Blattes   Lendersdorf  (G.  A. 

66 ;  13)  fortsetzen. 

Liquidationsort:  Lendersdorf. 

22 


Landesgeologe  Dr.  Leppla  wird  eine  Untersuchung  der 
Wasserverhältnisse  der  periodisch  vom  Typhus  heimgesuchten  Ge- 
biete der  Eifel  und  des  Hohen  Venn  ausführen. 

Ein  noch  zu  bestimmender  Geologe  wird  geologisch-agronomische 

Aufnahmearbeiten  in  Angriff  nehmen. 

8.    Provinz  Schlesien. 

Laudesgeologe  Dr.  Dathe  wird  die  Aufnahme  der  Blätter 
Reichenbach  und  Waidenburg  (G.  A.  76;  14  und  G.  A.  75;  is)  ab- 
schliessen  und  diejenige  des  Blattes  Carlottenbrunn  (G.  A.  76;  is) 
beginnen.  Er  wird  den  neu  eintretenden  Hülfsgeologen  Dr.  Erd- 
M ANNSDÖRFER  dabei  in  die  Kartirung  einflihren. 

Liquidationsorte:   Keichenbach  und  Waidenburg. 

Landesgeologe  Dr.  Zimmermann  wird  die  A ufoahme  der 
Blätter  Freiburg  und  Ruhbank  (G.  A.  75;  ii,  12)  beginnen. 

Liquidationsort:  Freiburg. 

Prof.  Dr.  GÖRICH  wird  das  Blatt  Jauer  (G.  A.  61 ;  60)  aufnehmen. 

Liquidationsort :  Jauer. 


II.   Die  geologisch-agronomischen  Aufnahmen  im  Flacblande. 

Landesgeologe  Prof.  Dr.  Wahnschaffe  wird  in  seiner  Eigen- 
schaft als  Abtheilungsdirigeut  für  die  Aufnahmen  im  Flachlande 
iu  der  nicht  durch  Aufnahmearbeiteu  in  Anspruch  genommenen 
Zeit  Revisionsarbeiten  im  Gesammtgebiete  des  norddeutschen 
Flachlandes  ausfahren. 


9.   Provinz  Ostpreussen. 

Landesgeologe  Professor  Dr.  Klebs  wird  eine  Schlusshegehung 
der  Blätter  Cabienen,  Seehesten,  Sorquitten,  Seusburg,  Ribben  und 
Aweyden  ausführen  (G.  A.  35;  5,  6,  11,  12,  17,  is).  Sodann  wird  er 
die  Aufnahme  der  Blätter  Seeburg  und  Teistimmen  beginnen 
(G.  A.  35;  8,  4). 

Liquidationsort:  Sensburg. 

23 


Halfsgeologe  Dr.  Krause  wird  das  Blatt  Kutteu  beeudigen 
und  zeitweise  unter  Hülfeleistung  des  neu  eintretenden  Hülfs- 
geologen  Bergreferendar  Schneider  das  Blatt  Buddern  in  Angriff 
nehmen  (G.  A.  19;  63,  46). 

Liquidationsort:  Buddern. 

Hülfsgeologe  Dr.  Klautzsch  wird  die  Aufnahme  des  Blattes 
Wenden  beenden  und  zeitweise  unter  Hülfeleistung  des  Hülfs- 
geologen  Bergreferendar  Schneider  diejenige  der  Blätter  Schmo- 
lainen,  Raunau  und  Landsberg  beginnen  (G.  A.  19;  49  und  G.  A. 
18;  66,  49,  4s).  Dabei  wird  er  den  neu  eintretenden  Bergreferendar 
Schneider  in  die  Aufnahmen  einführen  und  bei  denselben  be- 
schäftigen. 

Liquidationsorte:  Wenden  und  Schmolainen. 

Bezirksgeologe  Dr.  Kaünhowen  wird  die  Blätter  Benkheim, 
Kerschken  und  Orlowen   in  Angriff  nehmen  (G.  A.  19;  47,  öm,  69). 

Liquidationsort:  Benkheim. 

Hülfsgeologe  Dr.  Michael  wird  das  Gut  Gross-Kirsteinsdorf 
und  die  angrenzende  Königliche  Forst  Giballen  in  Bezug  auf  das 
Vorkommen  von  Kalk  untersuchen. 

Liquidationsort :  Gross-Kirsteinsdorf. 

Landesgeologe  Prof.  Dr.  Wahnschaffe  wird  unter  Hinzu- 
ziehung der  Herren  Prof.  Dr.  Klebs,  Bezirksgeologen  Dr.  Gagel, 
Dr.  Schulte  und  Dr.  Kaünhowen  eine  Schlussrevisiou  der 
Blätter  Schöndamerau,  Theerwisch,  Babienten,  Jedwabno,  Ortels- 
burg,  Olschienen,  Schweutainen,  Malga,  Schiemanen,  Liepowietz, 
Liebenberg  und  Leschienen  ausführen  (G.  A.  35;  22,  23,  24,  27,  28,  29, 

80,  83,  84,  86,  4l). 

10.    Provinz  Westpreussen. 

Landesgeologe  Prof.  Dr.  Jentzsch  wird  zeitweise  unter  Hülfe- 
leistung des  Hülfsgeologen  Schücht  die  Aufnahme  der  angefan- 
genen Blätter  Warlubien  und  Laskowitz  fortsetzen  (G.  A.  33;  26,  25); 
derselbe  wird  ferner  eine  Revision  der  Blätter  Golhib  und  Bahren- 
dorf (G.  A.  33 ;  68,  47)  ausfahren.     Es    wird    ausserdem    eine    Be- 

24 


gehung  der  im  Bau  beurriffeuen  Eiseubahnliuie  Czersk -  Lasko witz 
mit  Dr.  Maas  —  jeder  auf  dem  in  seinem  Arbeitsgebiet  liegenden 
Theile  —  ausföhren. 

Liquidationsorte:  Warlubien  und  GoUub. 

Bezirksgeologe  Dr.  Kühn  wird  die  Aufnahme  des  Blattes 
Quaschin  zu  Ende  führen  (G.  A.  l(i;  31).  Ausserdem  wird  er 
geeignetenfalls  eine  Begehung  der  im  Bau  begriffenen  Bahnlinie 
Cart  haus- Lauen  bürg  ausführen. 

Liquidationsort :  Quaschin. 

Hnlfsgeologe  Dr.  Wolff  wird  eine  Schlussbegehung  des 
Blattes  Prangenau  ausführen,  das  Blatt  Paglau  fertigstellen  und 
Blatt  Sobbowitz  in  Angriff  nehmen  (G.  A.  16;  4S,  49,  00).  Ausser- 
dem wird  er  eine  Begehung  der  im  Bau  begriffenen  Eisenbahn- 
linien Carthaus-Berent,  Berent-Bütow  und  Schöneck-Pr.  Stargardt 
ausführen.  Zum  Vergleich  sowie  zur  Beurtheilung  der  in  seinem 
Aufnahme-Gebiete  vorkommenden  Endmoränenzüge  wird  er  unter 
Führung  des  Herrn  Dr.  Maas  eine  Begehung  des  Endmoränen- 
gebietes der  Umgebung  von  Tuchel  ausführen. 

Liquidationsort:  Trockenhütte. 

Bezirksgeologe  Dr.  Maas  wird  die  bereits  angefangenen 
Blätter  Lonsk,  Lubiewo,  Bromke,  Schirotzken  (G.  A.  32;  24,  36, 
36, 41)  weiter  führen,  und  das  Blatt  Lubiewo  fertig  zu  stellen 
suchen.  Dabei  wird  er  den  neu  eintretenden  Hülfsgeologen  Dr. 
Menzel  in  die  Aufnahmen  einführen  und  bei  denselben  beschäf- 
tigen. Dr.  Maas  wird  ferner  eine  Revision  der  Blätter  Schönsee, 
Briesen  und  Szewo  ausfahren  (G.  A.  33 ;  02,  46,  68).  Ausserdem 
wird  er  eine  Begehung  der  im  Bau  begriffenen  Eisenbahnlinie 
Konitz-Lippusch  ausfahren. 

Liquidationsorte:  Lubiewo  und  Schönsee. 

II.   Provinz  Pommern. 

Bezirksgeologe  Dr.  Michael  wird  die  Blätter  Pyritz,  Werben, 
Kollin  und  Prillwitz  in  Angriff  nehmen  (G.  A.  29;  02,  46,  47,  53). 

Liquidationsort:  Pyritz. 


Landesgeologe  Prof.  Dr.  Kbilhack  wird  unter  Hülfeleistung 
des  Herrn  Dr.  Korn  die  Blätter  Langenhagen,  Gützlaffshagen, 
Kolberg  und  Gross-Jestin  zu  Ende  ftlhren  (G.  A.  13;  49,  55,  50^  56). 

Liquidationsort:  Gützlaffshagen. 

Hülfsgeologe  Dr.  Wünstorf  wird  unter  Leitung  des  Bezirks- 
geologen Dr.  Zeisb  das  Blatt  Basenthin  fertigstellen  und  die 
Aufnahme  der  Blätter  Speck  und  Eichenwalde  beginnen  (G.  A.  29; 

32,  28,  29). 

Liquidationsort:  Basenthin. 

Bezirksgeologe  Dr.  Zeisb  wird  die  Aufnahme  der  Blätter 
Farbezin,  Daher,  Schönebeck  beginnen  (G.  A.  29;  24,  so,  se).  Dabei 
wird  er  den  neu  eintretenden  Hülfsgeologen  Dr.  Hess  von  WiCh- 
DORFF  in  die  Aufnahmen  einführen  und  in  seinem  Gebiete  be- 
schäftigen. 

Liquidationsort:  Daher. 

12.    Provinz  Brandenburg. 

Hülfsgeologe  Dr.  Weissermel  wird  eine  Schlussbegehung  der 
Blätter  Grabow  und  Balow  ausführen  und  die  Aufnahme  des 
Blattes  Karstedt  zu  Ende  führen  (G.  A.  26 ;  44,  46,  5i). 

Liquidationsort:  Karstedt. 

Bezirksgeologe  Dr.  Schulte  wird  die  Aufnahme  der  Blätter 

Halsebeck    und    Bäk    zu    Ende    führen  (G.  A.  26;  46,  02)  und  die 

Aufnahne   der  Blätter  Gorlosen   und  Lenzen  beginnen  (G.  A.  26 ; 

49,  55). 

Liquidationsorte:  Hülsebeck  und  Lenzen. 

Landesgeologe  Dr.  Schroeder  wird  die  Blätter  Zehden,  Bär- 
walde, Quartschen,  Fürstenfelde,  Neudam  und  Tamsel  druckfertig- 
stellen (G.  A.  45;  12  und  G.  A.  46;  13,  20,  14,  16,  21). 

Liquidationsort:  Zehden. 

Landesgeologe  Prof.  Dr.  Keilhack  wird  eine  Revision  der 
Blätter  Alt-Limmritz  und  Drossen  ausführen  und  eine  Eintragung 
der  bergbaulichen  Aufschlüsse  bewirken  (G.  A.  46;  28,  84).  Zur 
Hülfeleistung  ist  ihm  Hülfsgeologe  Dr.  von  Linstow  zugewieseo, 
der  die  Nordhälfte   des  Blattes  Drossen  überarbeiten  wird.     Prof. 

26 


Dr.  KbiLiHACK  wird  ferner  unter  Hülfeleistung  des  Dr.  v.  Linstow 
die  Blätter  Görzke,  Beizig,  Brück  und  die  drei  südlich  daran- 
stossenden  Blätter  in  Angriff  nehmen  (G.  A.  44 ;  49,  60,  6i,  55,  56,  67). 

Liquidationsort:  Alt-Limmritz  und  Görzke. 

Hülfsgeologe  Dr.  Korn  wird  die  Aufnahme  der  westlich 
anstossenden  zwei  Blätter  Schweinitz  und  Loburg  in  Angriff 
nehmen  (G.  A.  43;  64,  6o). 

Liquidationsort:  Schweinitz. 

Bezirksgeologe  Dr.  Zbisb  wird  die  Blätter  Thomsdorf  und 
Hammelspring  fertigstellen  (G.  A.  28;  4S  und  66). 

Liquidationsort:  Thomsdorf. 

13.  Provinz  Hannover. 

Landesgeologe  Dr.  Schroeder  wird  die  Aufnahme  des  Blattes 
Kadenberge  zu  Ende  f&hren  (G.  A.  23;  17). 

Liquidationsort:  Kadenberge. 

Hülfsgeologe  Dr.  Monke  wird  zeitweise  unter  Hülfeleistung 
des  Hülfsgeologen  SchüCHT  die  Blätter  Mulsum  und  Ebersdorf 
kartirten  (G.  A.  23;  30,  29). 

Liquidationsort:  Mulsum. 

Hülfsgeologe  Dr.  Koert  wird  die  Aufnahme  des  Blattes  Hitt- 
feld  zu  Ende  führen  und  diejenige  der  Blätter  Stelle,  Harburg 
und  AUermöhe  beginnen  (G.  A.  24;  40,  41,  34,  35). 

Liquidationsort:  Hittfeld. 

Hülfsgeologe  Dr.  Koert  wird  die  im  Bau  begriffene  Eisen- 
bahn Buchholz- Soltau  begehen.  Mit  Dr.  Monke  wird  er  die  im 
Bau  begriffene  Eisenbahnlinie  Buchholz  -  Geestemünde  begehen, 
und  zwar  jeder  der  Herren  in  dem  ihm  zugewiesenen  Aufnahme- 
gebiete. 

Liquidationsort:  Mulsum. 

Hülfsgeologe  Dr.  Tietze  wird  nach  voraufgegangener  Ein- 
führung durch  den  Bezirksgeologen  Dr.  Krusch  die  Aufnahme 
des  Moorgebietes  an  der  Ems  bei  Lingen  und  Meppen  ausführen. 
Damach   wird   er  das  angefangene  Blatt  Lohne   fertigstellen   und 

27 


die  Aufnahme  der  Blätter  Wietmarschen,    Veldhausen,  Itterbeck 
und  Hesepertwist  in  Angriff  nehmen  (G.  A.  38 ;  86,  29,  28,  27, 23). 

Liquidationsort:  Lingen. 

14.  Provinz  Schleswig-Holstein. 

Bezirksgeologe  Dr.  Gagel  wird  die  Bearbeituug  der  Blätter 
Crummesse,  Ratzeburg,  Nüsse,  Moelln,  Schwarzenbeck  und  Sieben- 
eichen sowie  die  Preussischen  Antheile  auf  den  Blättern  Carlow, 
Seedorf,  Gudow,  Zarrentin,  Pötrau  und  Gresse  beginnen  (G.  A.  25; 

14,  16,  16,  20,  21,  22,  25,  26,  27,  28,  82,  SS). 

Liquidationsort:  Ratzeburg. 

15.  Braunschweigiscfie  Enclave  Calvörde. 

Landesgeologe  Prof.  Dr.  Wahnschaefe  wird  die  Braun- 
schweigischen und  Preussischen  Antheile  der  Blätter  Calvörde, 
Mieste,  Letzlingen,  Uthmöden  in  Angriff  nehmen  und  dabei  die 
neu  eintretenden  Holfsgeologen  Dr.  Wiegers  und  Dr.  Picard  in 
die  Aufnahme  einfuhren  und  beschäftigen  (G.  A.  42;  42,  S6  und 
G.  A.  43;  81,  87). 

in.   Anderweitige  Arbeiten. 

Geheimer  Bergrath  Prof.  Dr.  Bbtsghlag  wird  zusammen 
mit  Bezirksgeologen  Dr.  Mighael  eine  Untersuchung  der  för  die 
Wasserversorgung  des  oberschlesischen  Industriebezirkes  wichtigen 
Gegenden  ausftlhreo. 

Von  den  Landesgeologen  Dr.  Keilhack,  Dr.  Sghroeder,  Dr. 
Müller  und  dem  Bezirksgeologen  Dr.  Zbise  wird  ein  Cursus  zur 
EinfbhruDg  von  Landwirthschaftslehrern  und  neu  eingetretenen 
Hülfsgeologen  in  die  Methoden  der  geologisch-agronomischen  Auf- 
nahme und  die  diesbezügliche  Darstellungsweise  in  den  Karten  ab- 
gehalten werden. 

Von  einigen  noch  zu  bestimmenden  Geologen  wird  vom 
1.  August  ab   ein   vierwöchentlicher  Cursus   zur  Einführung   von 

28 


Bergassessoreu  und  Bergrefereudaren  in  die  Methoden  der  geolo- 
gischen Aufnahmen  und  die  bezügliche  Darstellungsweite  in  den 
Karten  abgehalten  werden. 

Von  dem  Landesgeologen  Dr.  Leppla  wird  die  Königliche 
Domäne  Klein-Schwalbach,  von  den  Bezirksgeologen  Dr.  Zeise, 
Kaunhowen  und  Dr.  Maas  werden  die  Domänen  Kasimirsburg, 
bezw.  Klostermansfeld,  Holzzelle,  Fischhausen  und  Heiligenwalde, 
bezw.  Wogeleben,  von  den  Hülfsgeologen  Dr.  Koert,  Dr.  Siegert, 
Dr.  Klautzsch  und  Dr.  Monke  die  Domänen  Königshorst, 
Schladebach,  Viehof  und  Mecklenhorst  geologisch  -  agronomisch 
untersucht  werden. 

Landesgeologe  Prof.  Dr.  Potonie  wird  die  Untersuchung  der 
Bohrkerne  der  fiskalischen  Tiefbohrungen  im  Saargebiete  und  in 
Oberschlesien  auf  ihren  pflanzlichen  Inhalt  fortsetzen. 

Holfsgeologe  Dr.  Wünstorf  wird  im  Frühjahr  auf  Ersuchen 
der  Landwirthschaflskammer  für  die  Provinz  Pommern  eine  Be- 
reisung der  Kreise  Schlawe,  Bublitz  und  Lauenburg  zur  Auf- 
suchung nutzbarer  Kalklager  ausflihren. 

•  Zum  Zwecke  übereinstimmender  Auffassung  des  westdeutschen 
Diluviums  wird  eine  gemeinschaftliche  Begehung  der  betheiligten 
Geologen  mit  denjenigen  der  benachbarten  geologischen  Landes- 
anstalten Hessens  und  Badens  versucht  werden. 


29 


B. 

Mittheilungen 

der  Mitarbeiter  der  Königlichen  geologischen 

Landesanstalt  über  Ergebnisse  der  Aufnahmen  im 

Jahre  1900. 


A.  Denckmann:  lieber  das  Oberdevon  auf  Blatt  Balve^) 
(Sauerland). 

Wie  in  den  Oberdevon-Gebieten  des  Oberharzes,  des  Keller- 
waldes, des  Dillenburgischen  und  des  Lahngebietes,  so  zeigt  sich 
auch  im  Sauerlande  das  Oberdevon  in  zwei  verschiedenartigen 
Ausbildungen  der  Profile,  deren  Unterschiede  darin  bestehen,  dass 
die  rothen  Schiefer  mit  ihren  sandigen  oder  sandigtuffigen  oder 
diabasischen  Begleitgesteinen  entweder  einem  vollständigen  Profile 
von  Adorfer  Kalk  und  Clymenienkalk  auflagern,  oder  dass  sie 
bis  auf  das  Mitteldevon  transgrediren. 

Eine  grosse  Bedeutung  für  unser  Verständniss  der  Oberdevon- 
Stratigraphie  hat  die  nach  ersterer  Art  entwickelte  Zone  des 
Auftretens  von  devonischen  Kalken,  deren  räumliche  Ausdehnung 
im  Sauerlande  nach  unseren  bisherigen  Kenntnissen  durch  folgende 

^)  In  dem  Nachfolgenden  ist  das  im  nordöstlichen  Viertel  des  Blattes  Balve 
gelegenen  Oberdevon- Gebiet  nur  soweit  berücksichtigt,  als  es  sich  um  allgemeine 
Verhältnisse  handelt  Eine  specielle  Beschreibung  des  dort  vorhandenen  Ober- 
devon ist  von  Herrn  Dr.  Lotz  zu  erwarten,  der  mit  der  Kartirung  dieses  Ge- 
bietes beauftragt  ist. 

Jabrboch  1900.  a 


n 

Punkte  (von  Osten  her  gerechnet)  bezeichnet  wird:  Martenberg 
und  Webbel  bei  Adorf,  Grube  Charlottenzug,  Padberg,  Eukeberg, 
Burg,  Altenbüren;  Gegend  zwischen  Kallenhardt,  Ruthen,  Belecke 
und  Warstein;  Gegend  von  Hachen,  EflPenberg,  Ainghausen, 
Estinghausen;  Hövel,  Koland  hei  Bechum,  Wettmarsen,  Albringen, 
Ebberg  und  Beuel  Ober  dem  Asbecker  Thale. 

So  weit  sich  die  Sache  nach  den  wenigen  bisher  nach  W. 
bin  vorgestossenen  Excursionen  beurtheilen  lässt,  scheint  der 
letztere  Punkt  die  äusserste  Verbreitung  der  oberdevonischen 
Ammonitidcnkalke  nach  W.  hin  zu  bezeichnen.  Schon  im 
Hönnethal-Profile  fehlen  auf  dem  linken  Ufer  des  Flusses  die 
drei  Clymenienkalke,  während  auf  dem  rechten  Ufer  der  Adorfer 
Kalk  nur  noch  in  Resten  vorhanden  zu  sein  scheint. 

Im  Gebiete  des  Blattes  Balve  wird  die  Auffindung  der 
unteren  Grenze  des  Oberdevon  durch  drei  Umstände 
erleichtert.  Einmal  dadurch,  dass  hier  das  obere  Mitteldevon 
bis  oben  hin  als  derber  Massenkalk  beobachtet  wird,  dessen 
oberste  Lagen  von  einem  Crinoiden-  und  Brachiopoden  -  Kalke 
gebildet  werden.  Sodann  beobachtet  man  in  verschiedenen  Ge- 
genden, besonders  in  der  weiteren  Umgebung  der  Stadt  Balve, 
über  dem  Massenkalke  einige  geringmächtige  Bänke  von  theils 
dunklem  feinkörnigen,  theils  hellem  dichten  Kalke,  dessen  Fauna 
derjenigen  der  Prolecaniteu-Schichten  des  Dillenburger  Gebietes 
entspricht.  Endlich  tritt  im  Gebiete  des  Blattes  Balve,  ebenfalls 
in  weiter  Verbreitung  im  tiefsten  Oberdevon  ein  z.  Th.  in  Diabas- 
Porphyrit  übergehender  Diabas-Mandelstein  mit  seinen  Schalsteinen 
auf,  der  uns  jedes  Zweifels  darüber  enthebt,  dass  wir  uns  bereits 
im  Oberdevon  befinden. 

Schwieriger,  als  in  unserem  Gebiete,  scheint  sich  die  Frage 
nach  der  unteren  Grenze  des  Oberdevon  auf  dem  westlich  an- 
stossenden  Blatte  Iserlohn  zu  gestalten.  Beispielsweise  löst  sich 
in  der  Gegend  von  Hemer  der  massige  Stringocephalenkalk  nach 
oben  hin  in  flinzartige  Bänke  auf,  die  ihrem  allgemeinen  petro- 
graphischen  Habitus  nach  recht  wohl  schon  Oberdevon  sein  könnten, 
die  aber  zum  Theil  noch  erfüllt  sind  von  Stringocephalus  Burtini 
Defr.      Diese    Verhältnisse  erheischen    natürlich    eine    besondere 


m 

Sorgfalt  und  Beachtung  der  in  den  Kalken  eingeschlossenen  Faunen, 
falls  man   überhaupt  Werth  darauf  legt. 

Die  Sediment-Folge  im  Oberdevon  ist: 

1.    Aeiteres  Oberdevon. 

a.    Prolecaniten-Kalk. 

lieber  den  Prolecaniten  -  Kalk  habe  ich  in  der  Deceniber- 
Sitzung  der  deutschen  geologischen  Gesellschaft  ausführlicher  ge- 
sprochen.    (Siehe  das  Protocoll  der  December-Sitzung  1900.) 

b.    Horizont    des    Diabas  -  Mandelsteins,     des    Diabas- 

Porphyrit  und  des  Schalsteins. 

Im  Hangenden  des  Massenkalke»  und  im  Liegenden  des 
Flinz  beobachtet  man  in  der  weiteren  Umgebung  der  Stadt  Balve 
den  Diabas  mit  seinen  Schalsteinen  in  grösserer  Verbreitung. 
Die  von  mir  bis  jetzt  beobachteten  Vorkommen  sind  folgende: 
Die  Feldmark  nordwestlich  des  Schlosses  Wocklum;  der  Wasser- 
riss  oberhalb  Peterburg  bei  Wocklum ;  der  Weg,  welcher  südlich 
der  Wocklumer  Mühle  nach  der  ehemaligen  Eisenhütte  führt; 
der  hohle  Stein  östlich  und  südöstlich  der  Balver  Höhle;  das 
Gebiet,  welches  nördlich  und  nordöstlich,  nordwestlich  und  west- 
lich an  den  Husenberg  angrenzt;  eine  Anzahl  Punkte,  die  zwischen 
Balve,  Frühlingshausen  und  dem  Galgenberge  liegen;  die  weitere 
Umgebung  der  Langenholthäuser  Ziegelei. 

Die  Aufschlüsse  im  Diabas -Mandelstein  des  Blattes  Balve 
sind  in  der  Regel  schlecht.  Sein  Gestein  ist  meist  so  stark 
durch  Druckschieferung  entstellt,  dass  es  schwer  ist,  das  Eruptiv- 
gestein von  seinen  Schalsteinen  zu  unterscheiden.  In  dem  oben 
erwähnten,  oberhalb  Peterburg  gelegenen  Wasserrisse,  sowie  be- 
sonders an  dem  Fusswege,  der  von  Balve  nach  Benkamp  führt, 
finden  sich  dem  Schalsteine  Kalkgerölle  von  Massenkalk  eingebettet. 

Die  weiteren  Untersuchungen  müssen  ergeben,  wie  weit  sich 
eine  Trennung  der  Diabase  von  ihren  Schalsteinen  durchführen 
lässt.      Nach  den  bisherigen,    in  dieser  Beziehung  gemachten  Er- 

a* 


IV 

fabruDgeD  bat  es  den  Anschein^  dass  eine  solche  TrennuDg  nur 
mit  Hülfe  werthloser  Constructiouen  möglich  sein  wird. 

Eine  grössere  Bedeutung  in  wirthschaftlicher  Beziehung  ge- 
winnen die  diabasischen  Gesteine  des  Blattes  Balve  dadurch, 
dass  der  an  ihrer  Basis  auftretende  Massenkalk  vielfach  zu  Roth- 
eisenstein umgewandelt  ist.  Diese  Erfahrung  haben  sich  die 
älteren  Bergleute  der  Gegend  von  Balve  zu  Nutzen  gemacht  und 
haben  den  Contact  des  Massenkalkes  mit  den  Diabas-Mandel- 
steinen und  dessen  Schalsteinen  ausgiebig  durch  Schürfarbeiten  ver- 
folgt. An  einigen  Stellen,  so  besonders  in  der  Grube  Husenberg  bei 
Balve,  welche  vom  sogen.  Baumhofe  aus  durch  einen  Stollen  er- 
schlossen ist^  hat  Abbau  stattgefunden.  Die  hier  gewonnenen 
Erze  wurden  auf  der  Wockluuier  Hütte  verhüttet. 

Der  genannte  Stollen  ist  leider  zur  Zeit  unfahrbar,  weil  das 
Stollen-Mundloch  vermauert  worden  ist.  Da  nun  von  der  Halde  eines 
Lichtschachtes  der  Grube  Husenberg  meine  Prolecaniten-Funde 
stammen,  so  wäre  es  von  Wichtigkeit,  dass  der  Stollen,  der  nach 
Angabe  älterer  Bergleute  im  Uebrigen  voraussichtlich  fahrbar  ist, 
zum  Zwecke  der  Untersuchung  geöffnet  würde. 

c.    Flinz. 

Bänke  eines  hellen  oder  duuklen  körnigen  Kalkes,  Lagen 
von  Linsen  eines  duuklen  körnigen  Kalkes,  die  mit  milden, 
mergeligen  Thonschiefern  wechsellagern,  treten  unmittelbar  über 
den  Criüoidenkalken  auf,  welche,  wie  unten  ausgeführt,  als  höchster 
Horizont  des  Massenkalkes  beobachtet  werden  —  sofern  nicht 
die  Gesteine  des  vorigen  Horizontes  dazwischen  liegen. 

Im  Gebiete  des  Blattes  Balve  spielt  der  Flinz  nur  eine 
untergeordnete  Rolle.  Zwischen  dem  Asbecker  Thale  und  dem 
Dorfe  Eisborn  fehlt  er  überhaupt.  Südlich  von  Eisborn,  bis  in 
die  Gegend  des  Dasberges  ist  der  Contact  des  Oberdevon  mit 
dem  Massenkalke  zweifellos  V^erwerfungscontact.  Es  ist  also 
nicht  zu  entscheiden,  ob  der  Flinz  hier  entwickelt  ist,  oder  nicht. 
Am  NW.- Hange  des  Dasberges  und  südlich  vom  Dasberge,  rechts 
von  dem  Wege,  der  nach  Beckum  führt,  treten  die  Schichten 
des  Flinz  unter  der  nächstfolgenden   Zone   stellenweise    zu  Tage. 


Weiterhin  findet  sich  der  Flinz  östlich  vom  Husenberge  bei 
Beckum  sowie  in  dem  zwischen  Koland  und  Wocklum  gelegenen 
Gebiete.  In  der  weiteren  Umgebung  der  Stadt  Balve  tritt  der 
Flinz  besonders  häufig  als  Hangendes  des  Diabas  zu  Tage;  so 
Dördlii'h  und  südlich  des  Schlosses  Wocklum,  an  der  Wocklamer 
MQhle,  am  Wocklumer  Hammer,  am  Husenberge,  am  nordwest- 
lichen Schieberge,  im  südlichen  Theile  der  Stadt  Balve  und 
südlich  der  Stadt,  am  rechten  Ufer  der  Hönne  oberhalb  Balve 
bis  über  Hammerwerk  Röthloh  hinaus.  Endlich  findet  sich  der 
Flinz  nördlich  von  Langenholthausen,  in  der  Gegend  der  Grube 
Fossloh,  anscheinend  jedoch  in  äusserst  geringer  Mächtigkeit. 

Im  grossen  Ganzen  tritt  die  Entwickelung  des  Flinz  auf 
Blatt  Balve  gegenüber  seiner  Mächtigkeit  auf  dem  benachbarten 
Blatte  Iserlohn  ganz  erheblich  zurück.  Am  Beuel  über  dem 
Asbecker  Thale  keilt  er  sich  vollkommen  aus,  im  Profile  der  Grube 
Fossloh  ist  seine  Mächtigkeit  äusserst  gering.  Mächtiger  wird  er 
nur  in  der  Umgebung  der  Stadt  Balve. 

Was  die  stratigraphische  Stellung  des  Flinz  anbetrifilt,  so 
fehlen  bis  jetzt  die  Faunenfunde,  die  eine  sichere  Bestimmung 
seines  specielleren  Horizontes  ermöglichen,  namentlich  auch  seines 
Verhaltens  gegen  die  Büdesheimer  Schiefer.  Auch  ist  es  nach 
allen  von  mir  bis  jetzt  gemachten  Beobachtungen  nicht  ein- 
fach zu  entscheiden,  wie  weit  der  Flinz  local  durch  Tbonschiefer 
vertreten  wird.  So  viel  scheint  jedoch  sicher,  dass  man  in  allen 
von  mir  beobachteten  Profilen,  so  weit  überhaupt  dem  Flinz 
analoge  Gesteine  in  Frage  kommen,  den  derbe  Kalkhänke  und 
Kalklinsen  ftihrenden  Flinz  von  dem  dichte  Plattenkalke  führenden 
üächstfolgenden  Horizonte  schon  nach  der  Gesteiubeschaflenheit 
leicht  unterscheiden  kann. 

Der  Flinz  kann  dem  entsprechend  vorläufig,  d.  h.  so  lange 
nicht  Faunenfunde  zu  Hülfe  kommen,  nur  nach  folgenden  Gesichts- 
punkten im.Sauerlande  auf  der  Karte  fixirt  werden:  1.  Nach 
unten  hin  wird  durch  specielle  Untersuchungen  festzustellen  ge- 
sucht, wie  weit  dem  Flinz  petrographisch  gleichartige  Bänke  noch 
als  Mitteldevon  aufzufassen  sind.  Hierbei  wird  man  besonders 
feststellen  müssen,  ob  der  Prolecaniten-Horizont,  der  an  manchen 


VI 

Stellen  ftir  die  Grenze  der  beiden  Formations-Abtheilungen  leitend 
ist,  in  seiner  Eigenschaft  als  dichter  Kalk  durchgeht,  und  ob 
man  ihn  im  gegebenen  Falle  dem  entsprechend  als  Leithorizont 
benutzen  kann.  2.  In  dem  mächtigen  Systeme  von  dunklen 
Thonschiefern  mit  Kalkeinlagerungen  des  unteren  Oberdevon  wird 
man  zunächst  rein  petrographisch  einen  tieferen  Flinz-Horizont 
von  einem  höheren  (reinen,  splittrigen,  plattigen  Kalk  führen- 
den) Horizonte  unterscheiden.  Durch  Aufsuchung  von  Faunen 
ist  dann  festzustellen,  wie  weit  etwa  die  so  petrographisch  ge- 
trennten Sedimente  einerseits  den  Schichten  der  Rhynchonella 
cubaides^  andererseits  den  Büdesheimer  Schiefern  bei  Büdeshcim 
zu  identificiren  sind. 

Es  ist  wohl  kaum  nöthig  hier  zu  erwähnen,  dass  meine  Auf- 
fassung des  Flinz  nicht  unwesentlich  von  derjenigen  der  üeber- 
sichtskarte  (Blatt  Lüdenscheid)  abweicht. 

d.    Büdesheimer  Schiefer. 

Mächtige  dunkle,  milde  Thonschicfer,  die  namentlich  nach 
ihrer  oberen  Grenze  hin  Bänderung  und  Flammung  zeigen, 
nehmen  auf  Blatt  Balve  einen  grossen  Theil  des  Gebietes  ein, 
welches  östlich  von  der  Entwickelung  des  Massenkalkes,  zwischen 
diesem  und  dem  Culm-Kieselschiefer  liegt.  Der  Thonschiefer  ist  viel- 
fach lagenweise  von  Pyritknollen  durchschwärmt,  ganz  wie  solche 
in  den  Büdesheimer  Schiefern  der  Eifel  und  des  Kellerwaldes  auf- 
treten. Von  Versteinerungen  enthält  der  Büdesheimer  Schiefer 
Cypridinen  und  Tentaculiten,  vielfach  in  grosser  Häufigkeit  der 
Individuen  das  Gestein  erfüllend;  selten  scheinen  verkieste  Torno- 
ceraten  und  Gephyroceraten  zu  sein,  wie  ich  solche  au  dem  von 
Langenholthausen  nach  Garbeck  führenden  Wege  in  dem  nord- 
östlich des  Hahnberges  dicht  über  der  Wasserscheide  liegenden 
Hohlwege  aufgefunden  habe.  Das  Gestein  enthält  ausser  den 
Goniatiten  noch  Kerne  von  Gastropoden,  Zweisehaleru  (Posidonta) 
und  Brachiopoden  (Cavmrophoria),  Dieselbe  verkieste  Fauna, 
mit  Ausnahme  der  Goniatiten  beobachtete  ich  an  dem  gleichen 
Wege,  etwa  400  Meter  von  den  letzten  Häusern  des  Dorfes 
Langenholthausen  entfernt. 


VII 

£8  ist  nicht  uDwahrscheiDÜch,  dass  maa  durch  methodisches 
Sammeln  in  unseren  Schiefern  eine  reiche  Fauna  zu  Tage  fördern 
wird.  Ich  selbst  konnte  mich  nur  in  beschränktem  Maasse  dieser 
Aufgabe  widmen^  um  so  mehr,  da  der  Beweis  für  die  strati- 
graphische  Stellung  der  oberdevonischen  Thonschiefer  durch  oben 
genannte  Goniatiten-Funde,  in  Verbindung  mit  anderen  strati- 
graphischen  Thatsachen,  relativ  früh  während  der  Aufnahme  des 
vorigen  Sommers  erbracht  wurde. 

Unter  den  Finlagerungen  in  den  Büdesheimer  Schiefern  ist 
im  Gebiete  des  Blattes  Balve,  abgesehen  von  vereinzelten  Linsen- 
und  Knollen -Lagen  dichten  Kalkes,  ein  Horizont  bemerkens- 
werth.  £s  ist  dies  eine  im  Durchschnitt  nicht  über  6  Meter  mächtige 
Folge  von  Plattenkalken,  die  mit  Kuollenkalk-Lagen  wechsel- 
lagern. Der  dünnplattige  Plattenkalk  sowohl,  wie  der  Knollen- 
kalk sind  hell  gefärbt,  dicht,  splittrig.  Sie  zeigen  eine  grosse 
Aehnlichkeit  mit  dem  Adorfer  Kalke,  werden  aber  durch  das 
Fehlen  des  schwarzen  Kellwasser-Kalkes  mit  seinen  bituminösen 
schwarzen  Schiefern,  der  sich  im  Adorfer  Kalke  nirgends  ver- 
leugnet, von  ihm  unterschieden. 

Mit  Ausnahme  von  Einzelkorallen,  die  ich  in  einem  verlassenen 
Steinbruche  des  Schieberges  bei  Balve  in  unserem  Plattenkalke 
auffand,  haben  sich  bis  jetzt  keine  Versteinerungen  in  ihm  gefunden. 
Die  stratigraphische  Bedeutung  unseres  Plattenkalkes,  wenigstens 
fiir  den  südlichen  Theil  des  Gebietes,  geht  besonders  daraus 
hervor,  dass  seine  Verbreitung  die  genauere  Feststellung  des 
Verlaufes  von  Querverwerfungen  in  dem  betreflPenden  Oberdevon- 
Gebiete  gestattet. 

Eine  höchst  auffällige  Erscheinung  ist  im  Bereiche  des  Blattes 
Balve  das  Fehlen  der  Büdesheimer  Schiefer  und  ihrer  FHnz- 
Unterlage  zwischen  dem  Dorfe  Eisborn  und  dem  Asbecker  Thale 
(bezw.  dem  rechten  Ufer  de»  Hönnethales).  Nach  den  immerhin 
am  nordwestlichen  Hange  des  Beuel  relativ  günstigen  Aufschlüssen 
hat  es  den  Anschein,  als  lagerten  hier  die  Plattenkalke  des 
Adorfer  Kalkes  direct  auf  mitteldevonischem  Massenkalke.  Obwohl 
eine  derartige  Lagerung  nach  den  im  Briloner  Gebiete  gemachten 


VIII 

Erfahrungen  nichts  Auffälliges  hat,  so  ist  doch  das  schnelle  Aus- 
keilen von  Tentaculiten-  und  Cypridinen-  führenden  Thonschiefern 
auf  eine  relativ  kurze  Strecke  aufi&llig.  Schon  auf  dem  linken 
Hönne-Ufer  setzen  die  Büdesheimer  Schiefer  wieder  mit  grösserer 
Mächtigkeit  ein. 

Nach  den  immerhin  wenigen  bisher  von  mir  im  Sauerlande 
ausgeführten  Orieutirungstouren  lässt  bich  schon  jetzt  Einiges 
sagen,  das  die  bisherigen  Auffassungen  und  Darstellungen  von 
diesem  Theile  des  Rheinischen  Schiefergebirges  zu  ergänzen  im 
Stande  ist. 

Zunächst  erreichen  die  Büdesheimer  Schiefer  nach  W.  hin, 
im  Gebiete  der  von  Herrn  Dr.  Loretz  bearbeiteten  Blätter 
eine  beträchtliche  Mächtigkeit.  Hier  nehmen  auch  die  Ein- 
lagerungen dichter  Plattenkalke  an  Stärke  gewaltig  zu.  In  den 
Plattenkalken  iindet  man  nicht  selten  (so  am  Bahnhofe  Hemer, 
nördlich  von  Bilveringsen,  nördlich  von  Letmathe  etc.)  bituminöse 
Schiefer  und  Platten  oder  Linsen  schwarzen,  bituminösen  Kalkes 
eingelagert.  Wie  weit  es  sich  hier  um  das  Auftreten  von  Adorfer, 
bezw.  von  Kellwasserkalk  handelt,  bedarf  noch  der  Untersuchung. 

Herr  Loretz  scheidet  im  genannten  Gebiete  eine  Zone 
harter,  kieselschieferartiger  Schiefer  aus. 

Im  grossen  Ganzen  hat  Verfasser  von  seinen  bisherigen,  west- 
lich des  Blattes  Balve  ausgeführten  Excursionen  den  Eindruck 
erhalten,  als  sei  die  Ausscheidung  eines  einzigen  Plattenkalk- Hori- 
zontes hier  nicht  in  der  Weise  durchführbar,  wie  im  südwest- 
lichen Viertel  des  Blattes  Balve. 

Im  Lennethale  wird  das  als  dichter  Schwerspath  zu  Tage 
Ausgehende  der  Meggener  Schwefelkieslagerstätte  von  Prolecaniten 
führendem  Knollenkalke,  dieser  von  dunklen  Thonschiefern  über- 
lagert, in  denen  verkieste  Goniatiteu  (Tomoceras  simplex  etc.) 
ziemlich  häufig  sind.  Wir  haben  es  hier  wohl  mit  Büdesheimer 
Schiefern  zu  thun,  die  transgredirend  von  den  rothen  und  grünen 
Thonschiefern  des  Fossley  überlagert  werden.  Dem  gleichen 
stratigraphischen  Niveau,  wie  die  Büdesheimer  Schiefer  von 
Meggeu  scheinen  die  Lenne  abwärts  am  rechten  Ufer  des  Flusses 


IX 

gelegenen,  in  alten  Tagebau-Pingen  aufgeschlossenen  Dachschiefer 
anzugehören. 

In  der  Gegend  von  Nuttlar  folgen  auf  die  dort  in  einer  An- 
zahl von  Tagebauen  und  von  unterirdischen  Betrieben  gewonnenen 
Flinz- Dachschiefer,  die  entweder  dein  unteren  Oberdevon,  oder 
dem  obersten  Mitteldevon  angehören,  reine  milde  dunkle  Thon- 
schiefer,  die  wiederum  von  Fossley  mit  hangendem,  das  Devon 
nach  oben  hin  abschliessendem  Wocklumer  Kalke  unterteuft  ^) 
werden.  Auch  hier  sprechen  Gestein  und  Lagerungsverhältuisse 
daf&r,  dass  in  der  betreffenden  Gegend  die  Büdesheimer  Schiefer 
vorhanden  sind  und  durch  die  genannten  reinen,  dunklen  Thon- 
schiefer  vertreten  werden. 

e.    Adorfer  Kalk. 

Die  ersten  Funde  von  Versteinerungen  im  Adorfer  Kalke 
des  Hönnethal-Gebietes  machten  Herr  Dr.  LoTZ  und  ich  am 
gleichen  Tage,  unabhängig  von  einander  am  Beuel  über  dem 
Asbecker  Thale.  Hier  ist  besonders  ein  Steinbruch  bemerkens- 
werth,  aus  dessen  Profile  hervorgeht,  dass  im  Adorfer  Kalke  der 
betreffenden  Gegend  sich  zwischen  die  Plattenkalke  eine  wohl 
5  Meter  mächtige  Zone  von  rothem  Knollenkalke  oder  Kramenzel- 
kalke  einschiebt,  die  übrigens  keineswegs  selten  Gephyroceras  intu- 
m^scens  und  andere  leitende  Versteinerungen  führt.  Erst  über 
diesem  rothen  Knollenkalke  lagert  diejenige  Gesteinsfolge  von 
theils  schwarzen  bituminösen,  theils  hellröthlichen  dichten  Kalken, 
welche  von  Petrefacten  geradezu  erfüllt  ist,  und  welche  sich  durch 
riesige  Exemplare  von  Geph.  intumescejis  sowie  durch  schön  er- 
haltene Stücke  von  Beloceras  mvltilobatum  auszeichnet.  Wie  an 
allen  übrigen  Punkten,  so  tritt  auch  hier  der  Kellwasserkalk  in 
Form  von  Linsen  in  dünnen  Lagen  eines  schwarzen  bituminösen 
Thonschiefers  oder  Mergelschiefers  auf.  Der  Zug  des  Adorfer 
Kalkes  ist  am  Beuel  in  seiner  ganzen  streichenden  Erstreckuug 
(bis    zur    Verwerfung,    die    ihn    im  0.  abschneidet)    theils  durch 

0  Bei  überkippter  Lagerung. 


Steinbrüche,     theils    durch    natürliche    Entblössungen    vorzüglich 
aufgeschlossen. 

Ein  weiteres  Gebiet  der  Verbreitung  des  Adorfer  Kalkes  im 
Hönnethal-Revier  liegt  in  der  Gegend  von  Hövel,  westlich  der 
grossen  Einbruchs-Zone,  auf  welcher  hier  die  Sedimente  der 
Steinkohlenformation  gegen  das  Devon  nach  O.  hin  abschneiden. 
Die  erste  Cardiola  anguli/era  fand  ich  in  diesem  Gebiete  an  dem 
Wege,  welcher  vom  Dorfe  Hövel  nach  dem  Dasberge  führt.  Eigen- 
thümlich  ist  hier  für  den  Adorfer  Kalk  das  Zurücktreten  der 
reinen  Plattenkalke  gegenüber  mehr  plattig- schief  rigen 
Sedimenten,  die  mit  dichten  Plattenkalken  wechsellagern.  Derartige 
abweichende  Gesteinsausbildungen  können  irre  führen.  Immerhin 
bewahrt  den  aufmerksamen  Beobachter  das  nirgends  zu  verkennende 
Auftreten  der  Kellwasserkalke  vor  der  Verwechslung  dieser  mehr 
schiefrigen  Sedimente  des  Adorfer  Kalkes  mit  den  mehr  kalkigen 
Sedimenten  der  Büdesheimer  Schiefer. 

Auffällig  ist  das  Auftreten  des  Adorfer  Kalkes  in  Platten  auf 
den  Büdesheimer  Schiefern,  eine  Erscheinung,  die  auf  sehr  flache 
Lagerung  des  Devon  in  dem  fraglichen  Gebiete  schliessen  lässt. 
Die  Gegend  von  Hövel  zeigt  übrigens  in  besonders  schöner  Weise 
die  Bänderung  und  Flammung  der  Thonschiefer  des  vorigen  Hori- 
zontes in  der  Nähe  der  Basis  des  Adorfer  Kalkes. 

Sehr  wichtig  war  für  mich  die  Auffindung  von  Adorfer  Kalk 
in  einem  kleinen  Steinbruche,  welcher  unmittelbar  westlich  des 
Dorfes  Langenholthausen  über  dem  Garbecker  Wege  liegt,  und 
der  in  seiner  räumlichen  Ausdehnung  einer  im  Streichen  nach 
beiden  Seiten  sich  aushebenden  Mulde  von  Adorfer  Kalk  im 
Büdesheimer  Schiefer  entspricht.  Der  Adorfer  Kalk  selbst,  in 
dem  ich  u.  A.  Belocevas  7mdtilobaium  und  Gephyroceras  intumescena 
fand,  ist  hier  in  der  speciell  Petrefacten  führenden  Lage  dunkel 
geflammt,  ähnlich,  wie  sich  dies  schon  am  Dasberge  östlich  von 
Hövel  beobachten  lässt. 

Das  genannte  Vorkommen  von  Langenholthausen  ist  besonders 
deshalb  wichtig,  weil  dadurch  die  stratigraphische  Selbstständigkeit 
der  (in  der  Nähe  verkieste  Gouiatiten  führenden)  mächtig  ent- 
wickelten Büdesheimer  Schiefer  bewiesen  wird. 


XI 

Endlich  ist  noch  ein  Vorkommen  des  Adorfer  Kalkes  hier 
zu  besprechen,  das  etwas  jenseits  der  SW.  -  Ecke  des  Blattes 
Balve,  unweit  der  von  Balve  nach  Neuen  rade  fahrenden  Strasse 
bei  dem  Wirthshause  Kuschert  liegt,  ein  Vorkommen,  das  ge- 
legentlich von  Herrn  Dr.  Lotz  und  mir  gemeinsam  entdeckt 
wurde.  Hier  zeichnen  sich  speciell  die  schwarzen  Linsen  des 
Kellwasserkalkes  durch  vorzügliche  Erhaltung  der  in  ihnen  zahl- 
reich eingeschlossenen  Petrefacten  aus.  Der  Adorfer  Kalk,  der 
hier  ausser  genanntem  Kellwasserkalke  auch  aus  dünnplattigen, 
dichten  Kalken  sowie  aus  Kalkbänken  von  kramenzliger  Structur 
besteht,  lagert  auf  Büdesheimer  Schiefern  und  wird  von  Fossley 
(vorwiegend  rotheu  Thonschiefern)  überlagert.  Der  Adorfer  Kalk 
ist  an  der  Kuschert  in  zahlreichen  kleinen  Steinbrüchen  Gegen- 
stand der  Gewinnung  von  Strassenmaterial  gewesen. 

Dem  Gestein  nach  zweifelhaft  ist  mir  das  Kalkvorkommen 
geblieben,  dessen  westliches  Abschneiden  an  einer  Verwerfung  von 
dem  Feldwege  getroffen  wird,  der  vom  Hahnenberge  nach  Langen- 
holthausen  führt.  Da  ich  indess  hier  keine  Versteinerungen  ge- 
funden habe,  so  habe  ich  mich  entschlossen,  das  betreffende 
Gestein  auf  der  Karte  als  Kalkeinlagerung  in  den  Büdesheimer 
Schiefern  darzustellen. 

2.  Jüngeres  Oberdevon  oder  Clymenlen-Schlchten. 

Durch  die  Auffindung  eines  neuen,  Clymenien  führenden 
Kalk-Horizontes  über  den  rothen  Thonschiefern,  Sandsteinen  etc., 
des  Fossley,  fallt  die  scharfe  Trennung  fort,  welche  nach  unseren 
bisherigen  Kenntnissen  zwischen  dem  als  Ammonitidenkalk  ent- 
wickelten Oberdevon  (Adorfer  Kalk,  Clymeuienkalk)  einerseits 
und  dem  Fossley  andererseits  bestand.  Jedenfalls  ist  das  Auf- 
treten von  Clymenien  in  den  devonischen  Sedimenten  etwas  so 
Auffälliges,  dass  die  Zusammeufossung  der  Clymenien  führenden 
Sedimente  zu  einer  grösseren  Gruppe  wohl  kaum  der  Recht- 
fertigung bedarf.  Eine  andere  Frage  ist  die,  ob  mau  F.  Frech's 
Vorschlage  entsprechend  einen  bestimmten  Horizont  von  Chiloceraa 
und  Toimoceras  führenden  Gesteinen  (die  er  mit  den  Goniatiten- 
Schiefem    von  Nehden   identificirt),    der    auch    im  Sauerlande   als 


XII 

tiefstes  Glied  des  Enkeberger  Kalkes  beobachtet  wird,  als 
mittleres  Oberdevon  ausscheiden  soll.  Ich  muss  zunächst 
diese  Frage  verneinen.  Denn  erstens  fallt  das  ganze  mittlere 
Oberdevon  in  sich  zusammen,  in  dem  Falle,  dass  Frech's  Iden- 
tiJBcation  seines  mittleren  Oberdevon  mit  den  Nehdener  Schiefern 
sich  als  unrichtig  erweist.  Zweitens  findet  sich  der  grösste  Theil 
der  im  »mittleren  Oberdevon«  auftretenden  Goniatiten-Gruppen  im 
Clymenienkalke  —  auch  im  Wocklumer  Kalke  wieder,  so  dass  eine 
scharfe  paläontologische  Grenze  nicht  zu  bestehen  scheint.  Drittens 
spielt  der  von  F.  Frech  als  mittleres  Oberdevon  angesprochene 
Horizont  in  den  wichtigsten  Oberdevou-Gebieteu,  die  wir  genauer 
kennen,  eine  so  minimale  stratigraphische  Rolle,  dass  es  nicht 
lohnt,  ihn  als  besondere  Formations- Abtheiluug  auszuscheiden.  Ich 
setze  natürlich  voraus,  dass  man  die  durch  Gon,  delphinus,  Bran- 
coceras  aulcatum^  Sporadoceras  Bronni  etc.  ausgezeichneten  höheren 
Bänke  des  Enkeberger  Kaikos,  die  von  den  Clymenienschichten  nicht 
zu  trennen  sind,  und  in  denen  Clymenien  vorkommen,  von  der 
Benennung  »mittleres  Oberdevon«  von  vorn  herein  ausnehmen 
würde. 

a.    Enkeberger  Kalk. 

Die  tiefsten  Bänke  des  Enkeberger  Kalkes  sind  am  besten 
in  dem  kleinen  Steinbruche  aufgeschlossen,  der  an  der  Asbecker 
Strasse  am  NW.-Hange  des  Beuel  wohl  zur  Gewinnung  von 
Strassenmaterial  angelegt  worden  ist.  Während  noch  am  Eingänge 
des  Steinbruches  die  Schichtenköpfe  von  Adorfer  Plattenkalk  und 
von  Kellwasserkalk  zu  Tage  treten,  bestehen  der  südliche  und  der 
südöstliche  Stoss  des  Steinbruches  schon  ganz  aus  Knollenkalken, 
die  in  Bänke  abgesondert  sind,  und  die  in  manchen  Lagen  reich 
sind  an  Individuen  von  Tornoceras-  und  C/nloceras- Arien,  Nach 
oben  hin  nehmen  die  Kalke  unseres  Horizontes  mehr  bankige 
bis  dickplattige  Beschaffenheit  an,  indem  die  Knollenkalk-Structur 
zurücktritt.  Diese  Kalkbänke  sind  erfüllt  von  einer  schön  er- 
haltenen und  reichen  Fauna,  besonders  von  Orthoceniteu,  Gompho- 
ceraten,  Goniatiten  und  Zweischalern.  Wichtige  Leitfossilien 
dieser  Kalke  sind  u.  A.  Gonialite^  dflphinus^  Kochia  dispar. 


XIII 

Von  weiteren  Vorkommen  des  Enkeberger  Kalkes  ist  zu- 
nächst dasjenige  des  Wettmarser  Steinbruches  zu  erwähnen. 
Der  betreffende  Steinbruch  selbst  Hegt  in  mächtigen  Knollen- 
kalken, die  als  Bausteine,  als  Flursteine  und  als  Prellsteine 
gewonnen  werden.  Die  über  dem  Steinbruche  zu  Tage  tretenden 
Klippen  zeigen  die  mehr  plattigen  bis  bankigen  Gesteine  unseres 
Horizontes,  die  auch  hier  eine  reiche  Fauna  enthalten. 

Weiterhin  ist  der  untere  Clymenienkalk  besonders  an  der 
linken  Seite  der  von  Hövel  nach  Sanssouci  führenden  Strasse, 
zwischen  Hövel  und  dem  Ballberge,  sowie  diesem  Vorkommen 
gegenüber,  unter  dem  Radeberge  erschlossen.  An  letztgenannter 
Stelle  findet  man  die  Goniatiten  des  tieferen  Enkeberger  Hori- 
zontes. 

Femer  konnte  ich  das  Auftreten  des  Enkeberger  Kalkes 
im  Zuge  des  Roland  bei  Beckum  an  einer  Reihe  von  Punkten 
durch  glückliche  Petrefactenfunde  uachweiseu. 

b.    Zone  der  Clymenia   annulata. 

Verfolgt  man  von  der  Asbecker  Strasse  aus  die  untere  Kiesel- 
schiefergrenze am  N. -Hange  des  Beuel,  so  stösst  man  zunächst 
im  Hochwalde  auf  einen  kleinen,  alten  Steinbruch,  in  dem  unter 
der  Kieselschiefergrenze  Clymenienkalke  zu  Tage  treten.  In 
diesen  Kalken  fand  ich  u.  A.  ein  grosses  Exemplar  von  Clymenia 
annulata.  Weiter  oben,  etwa  auf  der  Mitte  des  Berghanges  findet 
sich  an  der  Grenze  des  Hochwaldes  gegen  die  daranstosseude 
Fichtenschonung  ein  kleiner,  verlassener  Steinbruch,  in  dem  die 
KnoUeukalke  des  Enkeberger  Kalkes  gewonnen  sind.  Ueber 
diesem  Steinbruche  findet  sich  eine  Klippe,  an  der  gleichfalls  die 
Versuche  zur  Anlagre  eines  Steinbruches  zu  erkennen  sind.  Die 
oberen,  plattig  entwickelten  Schichtenköpfe  der  an  dieser  Klippe 
zu  Tage  tretenden  Kalke  enthalten  eine  mergelige  Zwischenlage, 
welche  von  Petrefacten  erfüllt  ist.  Ebenso  reich  an  Fossilien  ist 
diejenige  Platte,  welche  zunächst  über  der  mergeligen  Zwischen- 
lage vorhanden  ist.  Besonders  häufig  sind  hier  Clymenien,  Gonia- 
titen und  Zweischaler.  Namentlich  die  Deckplatte  des  Mergel- 
schiefers zeichnet  sich  neben  vielen  Schalentrümmeru  von  Clymenien 


XIV 

durch  relativ  riesenhafte,  vollständige  Exemplare  der  Clymenia 
annulata  aus,  die  bis  über  150  Millimeter  Durchmesser  erreichen. 

Von  Interesse,  wenn  auch  für  den  Kenner  der  Cephalopoden, 
speciell  der  Animonitiden  nicht  überraschend  ist  die  Beobachtung, 
dass  die  grossen  Exemplare  der  Clymenia  annulata  ihre  Sculpturen 
verlieren  und  glatt  werden,  so  dass  die  grösseren  Stücke  gewissen 
Aegoceraten  des  Lias  in  der  äusseren  Form  ähnlich  werden. 

Im  Interesse  einer  cxacten  Stratigraphie  ist  es  von  Wichtigkeit 
zu  constatiren,  dciss  der  nirgends  sehr  mächtige  Horizont  der 
Clymenia  annulata  sich  so  weit  nach  Westen,  bis  in  die  unmittel- 
bare Nähe  des  Hönne-Flusses  hat  verfolgen  lassen. 

c.    Dasberger  Kalk. 

Der  Dasberger  Kalk  (=  oberer  Clymenienkalk  meiner 
früheren  Publicationeu)  wurde  in  dem  speciell  kartirten  Gebiete 
im  Wesentlichen  in  einer  zwischen  dem  Dasberge  und  dem  Gute 
Wettmarsen  gelegenen,  nicht  sehr  breiten  Zone  von  mir  beobachtet. 
Vielleicht  treten  seine  tiefsten  Schichten  auch  in  den  Aufschlüssen 
des  Oberdevon-Kalkes  zu  Tage,  welche  au  der  von  Hövel  nach 
Sanssouci  führenden  Strasse  liegen.  Die  reichsten  Fundstellen  in 
dem  oben  näher  bezeichneten  Gebiete  sind:  die  nordöstlich  und 
nördlich  des  Dasberger  trigonometrischen  Punktes  gelegenen,  mit 
Fichten  bestandenen  Waldflächen  und  die  davor  gelegenen  Feld- 
flächen. Ferner  die  von  obigem  Gebiete  nach  Wettmarsen  zu 
führende  Depression,  drittens  das  System  von  kleinsten  Thälern, 
welches  sich  östlich  bis  nordöstlich  der  Haar  nach  Wettmarsen 
zu  erstreckt.  An  allen  drei  Punkten,  besonders  an  den  drei  erst- 
genannten, ist  der  typische  Knolleukalk  unseres  Horizontes  erfüllt 
von  grossen,  z.  Th.  riesenhaften  Clymenien.  Besonders  häufig  ist 
Clymenia  laevigata. 

Nicht  selten  findet  man  Exemplare  der  Clymenia  speciosa^  die 
(ohne  Wohnkammer)  einen  Durchmesser  bis  zu  250  Millimeter 
erreichen.  Daneben  gehören  Cl.  undulata^  CL  striata  (letztere  bei 
Wettmarsen  mit  Muudrand)  und  eine  Anzahl  theils  neuer,  theils 
noch  nicht  bestimmter  Clymenien-Formen,  ferner  Brancoceras  sul- 
catum,  Sporadoceraif  Bronni  keineswegs  zu  den  Seltenheiten. 


Ein  glimmerig  sandig  kalkiges,  plattig  abgesondertes  Gestein, 
in  dem  eine  eigen thümliche,  anscheinend  zum  Thcil  neue  Cly- 
menieu-Fauna  auftritt,  wechsellagert  in  geringer  Mächtigkeit  mit 
dem  typischen  Knollenkalke  unseres  Horizontes. 

d.    Fossley. 

Fossley  (==  Fuchsfelsen  =  rothe  Felsen)  ist  in  einigen  Gegenden 
des  nördlichen  Sauerlandes  die  locale  Benennung  für  die  Klippen, 
welche  durch  die  rothen  und  grünen  Thonschiefer  des  Oberdevon 
sowie  durch  die  diesen  eingelagerten  rothen  Kalkknotenschiefer 
gebildet  werden. 

Mit  dem  Fossley  kommen  wir  in  diejenigen  oberdevonischen 
Sedimente  des  Sauerlandes,  welche  den  Auenberger  Schichten 
des  Kellerwaldes  entsprechen,  und  welche  gleich  diesen  über 
ältere  Bildungen  des  Oberdevon  hinweg  transgrediren. 

Wie  im  Kellerwalde,  so  bestehen  auch  im  Sauerlande  die 
hierher  gehörigen  Gesteine  hauptsächlich  aus  rothen  und  grünen 
Thonschiefern,  denen  entweder  Knotenkalke  und  Kalkknoteu- 
schiefer,  oder  Sandsteine  eingelagert  sind.  Diabase  und  die 
durch  deren  Auftreten  bewirkte  schalsteiuartige  bezw.  arkosische 
Abänderung  unserer  Sedimente  fehlen  im  Sauerland  scheinbar 
ganz.  Speciell  im  Gebiete  des  Blattes  Balve  spielen  auch  Sand-» 
steine  und  sandige  Einlagerungen  im  Fossley  nur  eine  unter- 
geordnete Rolle.  Ich  beobachtete  sie  u.  A.  am  Südfusse  des 
Dasberges,  sowie  auf  den  beiden  Ufern  des  Hönnethales.  Ihr 
Auftreten  ist  jedoch  in  beiden  Fällen  ein  so  untergeordnetes,  dass 
es  nicht  verlohnt,  sie  auf  der  Karte  auszuscheiden.  Auf  dem 
von  Herrn  LiORETZ  kartirten  Blatte  Iserlohn  ist  das  Verhalten 
des  Sandsteins  ein  völlig  anderes.  Hier  schwillt  er  nach  W.  hin 
sehr  schnell  zu  erheblicher  Mächtigkeit  an,  so  dass  es  nöthig 
wird,  ihn  besonders  auszuscheiden.  Andererseits  sind  die  Kalk- 
kuotenschiefer  auf  dem  Blatte  Balve  in  grösseren  zusammen- 
hängenden Gebieten  derartig  mächtig  entwickelt,  dass  es  nöthig 
wird,  sie  besonders  auszuscheiden,  ja  dass  vor  ihnen  die  rothen 
und  grünen,  z.  Th.  an  Cypridinen  reichen  Thonschiefer  fast  ganz 
zurück    treten.      Das   Auftreten    der   Kalkknotenschiefer    und  der 


XVI 

Knotenkalke  im  Fossley  ist  in  der  Regel  ein  derartiges,  dass  es 
uicht  möglich  ist,  ihre  speeiellea  Bänke  einzeln  auszuscheiden. 
Man  muss  sich  damit  beguflgen,  durch  die  Farben  und  die  Signa- 
turen das  Vorwiegen  der  einen  bezw.  der  anderen  Gesteiusart  zum 
Ausdrucke  zu  bringen. 

Wo  es  indes  möglich  ist,  Beides  auszuscheiden,  da  vertheilen 
sich  die  beiden  Gesteinsarten  in  der  Regel  so,  dass  die  rothen 
und  grünen  Thonschiefer  (ev.  mit  Sandsteinen)  ein  tieferes  Niveau 
einnehmen,  als  die  gleichfalls  roth  oder  grün  oder  auch  wohl 
weiss  gefärbten  Knotenkalke  und  Kalkknotenschiefer.  Dies  be- 
obachtet man  in  unserem  Blattgebiete  besonders  in  der  Gegend 
von  Langeuholthausen  am  Boberge  und  am  Schieberge,  femer 
auf  der  linken  Seite  des  Hönnethales  bei  Ober-Rödiughausen. 
Ganz  besonders  aber  ist  diese  Scheidung  der  beiden  Sediment- 
gruppen nach  W.  hin,  in  der  Gegend  von  Hemer,  Iserlohn,  Let- 
mathe,  Hohenlimburg  entwickelt.  Da  in  letztgenannten  Gegenden 
das  Fossley  zumeist  direct  ältere  oberdevonische  Bildungen  (Büdes- 
beimer  Schiefer)  transgredirend  überlagert,  so  ist  es  nicht  immer 
einfach,  die  Transgressionsgrenze  haarscharf  anzugeben.  Man  hat  im 
Wesentlichen  darauf  zu  achten,  wo  nach  unten  hin  sandige  oder 
glimmerführeude  Lagen  beginnen,  und  wo  nach  oben  hin  die 
Einlagerungen  von  dichten,  splitterigen  Plattenkalken  in  den 
Büdesheimer  Schiefern  aufhören. 

Beim  Abschlüsse  dieser  stratigraphischen  Ausführungen  über 
das  Fossley  ist  es  wohl  nöthig  zu  begründen,  weshalb  ich  einen 
neuen  Namen  einführe,  während  man  ev.  mit  der  alten  Bezeichnung 
»Cypridinenschiefer«  sich  begnügen  könnte.  Hier  ist  zunächst  zu 
bedenken,  dass  der  Name  Cypridinenschiefer  deshalb  nicht  zweck- 
mässig erscheint,  weil  die  rothen  und  grünen  Thonschiefer  des 
Fossley  keineswegs  immer  faciell  dasjenige  sind,  was  man  als 
Cypridinenschiefer  bezeichnet.  Die  Cypridinenschiefer  pflegen  in 
dem  grössten  Theile  der  Fossley-Sedimente  selten  zu  sein  oder  doch 
nur  in  bestimmten  Lagen  aufzutreten.  Das  vorherrschende  Gestein 
des  Fossley  ist  —  abgesehen  von  den  Knotenkalken  und  den 
Kalkknotenschiefern  —  sandig  glimmerig  und  führt  in  den  sandigen 
Zwischenlagen    Reste    von   Landpflanzen.        Sodann    ist    das 


XVII 

liauptsächlichste  Vorkommea  vou  Cypridiiicu  führenden  Thon- 
schiefern  im  Oberdevon  keineswegs  an  den  Horizont  des  Fossley 
gebunden.  Vielmehr  sind  in  den  meisten  Fällen  die  mftchtig 
entwickelten  BQdesheimer  Schiefer,  sowie  die  local  dem  Adorfer 
Kalke  eingelagerten,  dunklen  Thonschiefer  »Cypridinenschicfer«  im 
reinsten  stratigraphischen  Sinne  des  Wortes. 

e.    Wocklumer  Kalk. 

Ueber  der  petrographisch  in  der  Kegel  scharf  ausgeprägten 
Entwickelung  des  Fossley  stellt  sich  gewöhnlich  eine  Aenderung 
in  der  Gesteinsentwickelung  ein,  die  dem  aufmerksamen  Beobachter 
nicht  leicht  entgeht.  Bunt  gefärbte  Thonschiefer  verschwinden  ganz 
oder  treten  sehr  zurück.  An  ihrer  Stelle  iinden  sich  dunkle, 
milde  Thonschiefer  ein,  die  im  grossen  Ganzen  den  Thonschiefern 
des  unteren  Oberdevon  und  der  Nehdener  Schiefer  ausseror- 
dentlich ähnlich  sind.  In  diesen  Thonschiefern  finden  sich  zunächst 
noch  Sandsteine,  die  indes  nur  local  entwickelt  zu  sein  scheinen, 
und  die  sich  im  Fortstreichen  rasch  auskeilen.  Sehr  schnell  stellen 
sich  hingegen  im  Gebiete  des  Blattes  Balve  und  weit  über  dessen 
Gebiet  hinaus  Bänke  eines  dunklen,  dichten  Knollenkalkes  ein, 
der  von  den  übrigen  Kalksedimenten  der  Clynienien  -  Schichten 
im  Aufschluss  so  gut  unterscheidbar  ist,  dass  mau  ihn  nicht 
leicht  verkennt.  Dieser  dunkle  Knollenkalk  ist  das  charak- 
teristische Gestein  des  Wocklumer  Kalkes.  Er  fuhrt  in 
ziemlich  grosser  Individuen-Zahl  namentlich  Goniatiten,  Clymenien 
und  Segmente  von  Phacops- Arten.  Die  im  Wocklumer  Kalke 
entwickelte  Fauna  erscheint  dem  oberflächlichen  Beobachter  zu- 
nächst wenig  von  derjenigen  des  Dasberger  Kalkes  abzuweichen. 
Bei  genauerer  Betrachtung  erkennt  man  jedoch,  dass  im  Wock- 
lumer Kalke  die  häufigsten  Arten  des  Dasberger  Kalkes,  z.  B. 
C7.  speciosa  nicht  vertreten  sind,  und  dass  diejenigen  Formen 
unseres  Horizontes,  welche  der  67.  laevigata^  Cf,  undulafa,  CL  striata^ 
CL  a?iffusti8eptata  etc.  der  tieferen  Clymenien  -  Schichten  zu  ent- 
sprechen scheinen,  von  den  typischen  Vertretern  der  genannten 
Arten  nicht  unerheblich  abweichen.  Weiterhin  scheint  für  den 
Wocklumer  Kalk  eine  Art  bezeichnend  und  leitend  zu  sein,  die  im 

Jahrbacb  1900.  b 


xvin 

tieferen  Clymenieu-Niveau  fehlt  oder  sehr  selten  ist.  Es  ist  dies 
Clymenia  subarmata  Münst.  Eine  genauere  paläontologische  Identi- 
fication der  Fauna  des  Wocklunier  Kalkes  lässt  sich  zur  Zeit 
nicht  ausführen,  da  eine  solche  von  einer  umfassenden  kritischen 
Bearbeitung  der  Clymenien  und  der  oberdevonischen  Goniatiten 
untrennbar  ist. 

Eine  stratigraphiscb  merkwürdige  Wechsellagerung  von  Go- 
niatiten führenden  Knollenkalkeu  mit  Bänken  eines  Landpflanzcu 
führenden  Sandsteins  hat  H.  LoRETZ^)  bereits  von  Oese  (Blatt 
Menden)  her  erwähnt.  Die  betreffenden  Knollenkalke  gehören 
zweifellos  zum  Wocklumer  Kalke.  Ein  ähnliches  Vorkommen 
wurde  von  H.  LoTZ  in  einem  zwischen  Deinstrop  und  Albringen 
gelegenen  kleinen  Steinbruche  beobachtet  und  von  mir  später  als 
dem  Wocklumer  Kalke  angehörig  festgestellt. 

Was  die  stratigraphische  Wichtigkeit  des  Wocklumer  Kalkes 
anbetrifft,  so  ergiebt  sich  diese  besonders  daraus,  duss  durch  sie 
ein  Clymenien  führender  Horizont  noch  über  denjenigen  Gesteinen 
vertreten  wird,  die  von  mir  im  Kellerwalde  als  Auenberger  Schichten 
bezeichnet  worden  sind,  und  dass  dieser  Horizont  einen  faunistisch 
durchaus  selbstständigen  Charakter  zeigt.  Eine  weitere  Wichtig- 
keit unseres  Horizontes  ergiebt  sich  aus  seiner  ausserordentlich 
grossen  Verbreitung.  Auf  dem  Blatte  Balve  wurde  der  Wock- 
lumer Kalk  fast  überall  da  nachgewiesen,  wo  die  Culmkiesel- 
schiefer  zweifellos  normal  auf  dem  Oberdevon  lagern,  wo  die  An- 
nahme einer  Verwerfung  für  die  betreffende  Grenze  ausgeschlossen 
ist.  Der  Wocklumer  Kalk  lässt  sich  verfolgen  von  Benkamp  über 
Langenholthausen,  Kasberg,  Boberg,  Schieberg,  Burg  bis  an  den 
Koland  heran. 

Zwischen  Roland  und  dem  Asbecker  Thale  fehlt  bis  jetzt 
der  Nachweis  des  Wocklumer  Kalkes.  Die  weitere  Untersuchung 
muss  noch  festseilen,  ob  hier  die  Culmkieselschiefer  transgredirend 
die  Kalkbänke  der  älteren  Clymenienschichten  überlagern,  oder 
ob  sich  der  Wocklumer  Kalk  zwischen  beiden  Bildungen  zum 
Theil  noch  einschiebt  als  directe  Unterlage  des  Culmkieselschiefers. 

')  Dieses  Jahrbuch  1897,  S.  XXIX. 


XIX 

Letztere  Deutung  scheint  für  das  Profil,  welches  an  dem  von 
Wettmarsen  nach  der  Haar  führenden  Wege  zu  Tage  tritt,  nicht 
ausgeschlossen. 

Nach  W.  hin  wurde  der  Wocklumer  Kalk  vom  Hönnethale 
aus,  wo  er  auf  beiden  Ufern  typisch  entwickelt  ist,  über  Hemer, 
Iserlohn,  Lethmathe  bis  an  das  Ruhrthal  unterhalb  Hoheulimburg 
verfolgt,  und  zwar  hat  es  den  Anschein,  als  ob  seine  Kalkbänke 
und  seine  Petrefactenftihrung  nach  W.  hin  eher  zunehmen  als 
abnehmen.  Nach  O.  hin  gehört  das  von  mir  vom  Stillenberge 
bei  Warstein  (dieses  Jahrb.  1893,  S.  38)  erwähnte  Clymenien- 
Vorkommen  dem  Gestein,  wie  der  Fauna  nach,  hierher. 

Noch  weiter  nach  O.  hin  nimmt  der  Gehalt  an  kalkigen 
Einlagerungen  in  dem  unter  dem  Culm  auftretenden  dunklen 
Thonschiefer  erheblich  ab.  Die  Kalkbänke  werden  dünner  und 
lösen  sich  in  Lagen  von  Kalkknollen  auf.  Gleichwohl  bleibt  auch 
bei  dieser  Entwickelung  die  potrographische  Eigenart  unseres 
Horizontes  die  gleiche.  Derselbe  dunkle,  in's  Grünliche  spielende, 
zur  Bildung  von  Griffelschiefer  neigende  Thonschiefer,  dieselben 
dunklen,  dichten  Knollenkalke.  In  dieser  Ausbildung  habe  ich 
den  Wocklumer  Kalk  über  das  Nuttlarer  Querthal  bis  in  die 
Umgebung  von  Scharfenberg  bei  Brilon  verfolgt.  Damit  beträgt 
seine  Verbreitung  in  der  Längenausdehnung  seines  Vorkommens 
bis  jetzt  rund  90  Kilometer. 

Erich  ELa^iser.  Mittheilung  über  die  Revision  auf 
Blatt  Lengenfeld  im  Sommer  1900. 

An  dem  geologischen  Aufbau  des  Blattes  Lengenfeld  (Eichs- 
feld) nehmen,  wie  schon  von  Proescholdt  i)  mitgetheilt  worden 
ist,  die  Schichten  der  Trias  vom  Mittleren  Buntsandstein  bis  zum 
Mittleren  Keuper  und  quartäre  Ablagerungen  theil. 

Ueber  den.  Buntsandstein  ist  den  PROESCHOLDx'schen  An- 
gaben nichts  Neues  hinzuzufügen. 

Der  Wellenkalk  besitzt  eine  Entwickelung,  die  von  der  in 
dem  Gebiete  nördlich  des  Thüringer  Waldes  etwas  abweicht,  indem 


»)  Dieses  Jahrbuch  1894,  S.  LXI— LXII. 


nämlich    der    Uutere    W'elleukalk    auf  Blatt  Leugenfeld   im  All- 
gemeinen   eine    geringere  Mächtigkeit  besitzt    wie    anderwärts  iu 
dem  Vorlande  nördlich  des  Thüringer  Waldes,   während  bei  dem 
Oberen   Wellenkalke   eine   solche   Verschiedenheit  nicht  zu  beob- 
achten ist.      Die    petrographische    Ausbildung    der    Muschelkalk- 
schichten gleicht    der  sonst    nördlich   des  Thüringer  Waldes  auf- 
tretenden. Mehrfach  sind  festere,  meist  »oolithische«  oder  schaumige 
Bänke  dem  Muschelkalk  eingeschaltet.     Diese  lassen  sich  in  ver- 
schiedenen   Horizonten   über  das    ganze   Messtischblatt  verfolgen, 
soweit  sie  nicht  durch  (xehäugeschutt   und  abgerutschte  Muschel- 
kalkpartien verdeckt  oder  unter  einer  intensiven  Waldcultur  ver- 
steckt sind.      Nachdem    ich    die  Ausbildung  des  Muschelkalks  in 
der   Umgebung    von    Eisenach     unter    der    Führung   von    Herrn 
Zimmermann    kennen    gelernt    hatte,    war  mir  die   Ausscheidung 
der  Zone  der  Oolithbänke,  der  Terebratelbänke  wie  der  Schaum- 
kaikzonc  auf  Blatt  Lengenfeld   möglich.      Am   ungleichmässigsteii 
verhält  sich  auf  Blatt  Lengenfeld  die  Zone  der  Schaumkalkbänke. 
Sie   besitzt    in    den   verschiedenen,    meist   guten  Aufschlüssen   au/* 
Blatt    Lengenfeld    eine    Mächtigkeit    von    1,8    bis    ca.   11    Meter. 
Während  an  vielen  Stellen   nur  zwei  Schaumkalklager  mit  einem 
Wellenkalkzwischenmittel  auftreten,   finden  wir  an  anderen  Stellen 
drei  Schaumkalkluger  in  dieser  Zone. 

In  dem  Oberen  Muschelkalke  zeigt  sich  ausser  den  festen 
Kalken  der  Trocliitenscliichten  noch  eine  0,4 — 0,G  Meter  mächtige 
Bank  harter,  blauer,  oft  auch  oolithisclier  oder  schaumiger  Kalke. 
Diese  Bank  tritt  etwa  in  der  Mitte  der  Zone  der  Nodosenschichten 
auf  und  ist  ebenso  wie  die  Zone  der  Trochitenschichten  im 
Gelände  durch  eine  Kante  bemerkbar.  Sie  zeichnet  sich  durch  einen 
besonderen  Reichthum  an  Fossilien  aus.  Wahrscheinlich  haben 
wir  es  hier  mit  einer  weithin  anhaltenden  Bank  zu  thun,  die 
einer  auch  anderwärts  im  Vorlande  des  Thüringer  Waldes  beob- 
achteten Bank  entspricht. 

Blatt  Lengenfeld    bildet    einen    Ausschnitt    aus    der    grossen. 
Trias-Mulde,     die    zwischen    Thüringer    Wald    und    Harz    liegt^^ 


0  Vgl.  £.  Zimmermann,      Erläuterung  zu  Blatt  Stadt-Ilm    der  geologischer 
Specialkartc  Ton  Proussen  und  den  Thfir.  Staaten.,  S.  45  u.  f. 


i 


XXI 

und  zwar  gehört  Blatt  LeDgeufeld  der  westlichen  Theihnulde 
^ünstrutmulde)  an.  Demzufolge  zeigen  «ämmtliche  Schichten 
ein  schwach  Ostnordost! iches  Einfallen;  die  Oberen  Muschelkalk- 
schichten senken  sich  ungefähr  mit  dem  Gehänge  gegen  das 
Unstruttbal  hin.  Durch  das  Blatt  Lengenfeld  hindurch  ziehen 
zwei  von  SO.  nach  NW.  verlaufende  Störungszonen,  wo- 
durch die  gleichmässigen  Lagerungsverhältnisse  theilweise  er- 
heblich geändert  werden.  Die  eine  Störungszone  ist  schon  von 
F.  MoestaO  und  H.  Proescholdt^)  mit  dem  Gotha-Eichenbergcr 
Grabenzug  identificirt  worden  (besser  Saalfeld  -  Eichenberger- 
Störuugszone).  Diese  Störungszone  durchschneidet  das  SW.- 
Viertel  des  Blattes  in  der  Richtung  von  Hildebrandshausen  nach 
Willbich  und  ist  im  Bereiche  des  Blattes  Lengenfeld  ribcrall  als 
[jrraben  ausgebildet  (Willbicher  Graben).  Er  wird  von  einer 
Vfuschelkalk  -  Keuper  -  Mulde  ausgeflQllt  und  an  seiner  Südwest- 
leben  Seite  von  muldenförmig  gelagerten  Muschelkalkschichten 
begleitet.  Nordöstlich  von  dem  Graben  ziehen  sich  mehrere 
^tafielbrüche  hin.  Einen  guten  Ueberblick  über  den  Aufbau  des 
Yrabens  gewinnt  man  von  der  Eisenbahn  südlich  von  (iross- 
tartloff,  von  wo  aus  man  an  dem  Verlaufe  der  festen  Bänke  des 
»luschelkalkes  am  jenseitigen  Gehänge  des  Lutterthales  das 
taffelförmige  Einfallen  an  der  nordöstlichen  Seite  des  Grabens 
ind  die  muldenförmige  Ausbildung  des  Grabens  selbst  genau 
erfolgen  kann.  Eine  Störung  hat  dieser  Graben  dadurch  erlitten, 
lass  er  durch  einige  ungefähr  N.-S.  verlaufende  Störungen  ver- 
rorfen  ist. 

Die  zweite  Störungszone  durchzieht  das  Blatt  von  Büttstedt, 
ih>er  Küllstedt  nach  Wachstedt  hin  (Küllstedter  Störungszone). 
>ie  entspricht  wahrscheinlich  einem  Zuge  von  Störungen,  welche 
lordöstlich  von  Gotha  die  Saalfeld  -  Eichenberger  Störungszonc 
«gleiten. 

Von  besonderem  Interesse  ist  auf  Blatt  Lengenfeld  noch  die 
rhalbildung.  Durch  Erosion  wurden  in  den  verhältnist>mässi^ 
^3.rten    Muschelkalkschichten    nur    schmale    Kinnen    eingegraben. 

0  Dieses  Jahrbach  1883,  S.  66. 
»)  Dieses  Jahrbuch  1894,  S.  LXII. 


XXII 

während  in  den  weicheren  Schichten  des  Buntsandsteins  sich 
ebenso  wie  anderwärts  breitere  Flussthäler  ausbilden  mussten. 
Waren  die  Fhissrinnen  bis  in  die  weichen  Köthschichteu  einge- 
schnitten, so  musste  eine  seitliche  Erosion  einsetzen.  Dabei 
wurden  die  Muschelkalkschichten  unterwaschen  und  die  Thäler 
auch  in  ihren  Anfangen  verbreitert.  Am  auffälligsten  ist  dies  bei 
dem  Lutterthale,  unterhalb  von  Gross-Bartloff.  Bei  diesem  zeigt 
sich  deutlich  die  Abhängigkeit  der  orographischen  Ausbildung  von 
dem  lithologischeu  Aufbau  und  durch  diesen  von  dem  geologischen 
Aufbau.  Bei  Gross- Bartlofi*  hat  sich  durch  seitliche  Erosion  in 
dem  Buntsandstein  ein  weites  Becken  gebildet.  Unterhalb  von 
Gross-Bartloff  aber  treten  die  Gehänge  dieses  Beckens  immer 
mehr  an  einander,  je  mehr  wir  uns  dem  Willbicher  Graben 
nähern,  und  die  engste  Stelle  des  Thaies  liegt  dort,  wo  die 
Muschelkalkschichten  des  Graben zuges  bis  in  die  Tbalsohle 
reichen  und  hier  eine  Thalschwelle  bildeten  und  bilden,  hinter  der 
das  Gross- Bartlofier  Becken  ausgearbeitet  wurde,  das  wohl  einst  von 
einem  Stausee  ausgefüllt  gewesen  ist,  der  sich  heute  noch  in  Kalk- 
tuffablagerungen rund  um  Gross-Bartloff  herum  zu  erkennen  giebt. 
Die  Thäler  auf  Blatt  Lengenfeld  setzen  quer  durch  den 
Willbicher  Graben  (Saalfeld  -  Eichenberger  Störungszone)  hin- 
durch, ohne  dass  durch  den  Graben  eine  Ablenkung  der  Thäler 
erfolgt  ist. 

A.  Klaützsch:  Bericht  über  Endmoränen  und  Tief- 
bohrungen im  Grundmoränen  gebiete  des  Blattes  K  asten - 
bürg  (Ostpreusscn). 

Das  Gebiet  des  Blattes  Kastenburg  liegt  am  N.  -  Abfall  des 
masuri sehen  Höhenrückens,  den  man  am  besten  mit  der 
300  Fuss-Curve  anfangen  lässt.  Topographisch  erscheint  das  Ge- 
lände aus  zwei,  im  SW.  resp.  NO.  gelegenen  Höhentheilen  be- 
stehend, die  durch  einen  in  ca.  325  Fuss  Höhe  liegenden  schmalen 
Pass  bei  Friedrichswalde  mit  einander  in  Verbindung  stehen.  Von 
W.  her  greift  der  Ü.-Flügel  der  auf  dem  Nachbarblatt  Heiligelinde 
gelegenen  Deinetlut>j?seuke  in  das  Gebiet  ein,  von  SO.  her  die 
weite  Alluvialfläche  des  G Überflusses. 


Das  geologische  Bild  ergiebt  eich  aus  dem  Verlauf  eiues  Ead- 
inor^neuzuges,  der  im  nordöstlichen  Theil  des  Blattes,  von  Blatt 
(rr    StOrlack  her  westwärts  ziehend,  nordlich  des  Weges  von  der 


llllll    NV^^  ^5^ 


Btrttl        EniJmorjnt  Ob  Sand  (IbTIioiimef^el         Alluv  um 

1       10OOOO 
Die    EndmoriDC   iwitchen  Qaeden  und  Potcbel"  i  t  v  rsebentli  h  nicht  ecngezeichnd 

Oberföreterei  Görlitz  nach  Pirtich,  iniierhilb  der  Rastenburger 
Stadiforst  Görlitz  verläuft  In  diesem  Muck  tritt  die  Liidmorane 
topographisch  nur  weni^j  hervor,  "le  erscheint  als  stiirke  Block 
Packung  mit  Gesthiebemergel  als  Zwis»  henmasse      Gleichfalls  aK 


XXIV 

BlockpackuDg,   aber  als  Stein miiS(>eu   mit  kiesigem  Zwischeuinittel 
und  angelagerten    steinigen  Kiespartien  zieht    sie    von    der  Ober- 
fSrsterei  Görlitz  süd westwärts  zum   Sierczesee,  der  sie  als  Rinncu- 
see  durchbricht,  setzt  sich  westwärt«  als  lehmig- mergelige  Block- 
packung und  grobe  Kiesanhäufung    in    gleicher  Richtung    bis    zu 
dem  am  N.-Ufer  des  Quedensees  gelegenen,  zu  Schwarzstein  ge- 
hörigen Ausbau  fort    und    schickt    alsdann  längs  des  Weges  von 
diesem    Ausbau    nach  Schwarzstein    gen    NO.    einen  Sporn,    aus 
Blockpackung    und    grobem  Grand    bestehend,    vor.     Eine   Fort- 
setzung   desselben    nach  W.  sind  vielleicht  die    zum  Theil    gran— 
digen    Sande    zwischen  Krausendorf   und  Rastenburg,   die    z.   B— 
am  Ausgang  der  Stadt  beim  Gestüt  durch  mehrere  Gruben  schöim 
erschlossen    sind.    Auch    erscheint    der    unmittelbar   nördlich   sicL^ 
anschliessende  Geschiebemergel    hier    sehr    stein-   und  blockreich. 
Von  Schwarzstein  aus  verläuft  die  Endmoräne  dann  weiterhin  süd- 
wärts wieder  zum  W.-Ufer  des  Quedensees.   Jenseits  des  Sees,  au 
seinem    SO.  -  Ufer,  verbreitert   sich    die    Endmoräne    dann    sehr 
stark    und     bildet    östlich     des    Vorwerks    Waldhaus     bis     zum 
Quedener  Wald    die    höchsten  Erhebungen    des    ganzen  Gebieten 
(bis  zu  440  Fuss).      Sie    erscheint    hier   als    ein    stark    coupirtes 
Gelände,    aufgebaut    aus    Oberen    schwach  grandigen,    geschiebe- 
reichen Sauden    oder  Granden,    nur    unmittelbar    an    der   Grenze 
des  Sandes    und    der    Grundmoräno    wurden    zwei    kleine   Block- 
packungeu  festgestellt.     Die   topographisch   schon  hervortretenden 
Höhen  zwischen  Queden  und   Pohiebels,    die  erst  nördlich,    dann 
südlich   die  Chaussee    begleiten    und   stellenweise  Steinbestreuung 
zeigen,  verbinden  den   auf  Blatt  Gr.  Sturlack  verlaufenden,   west- 
lich Mertenheim    auf   unser    Blatt    ftbertreteuden    Endmoränenzug 
mit    der    sich    nunmehr  westlich  Quodeu    weiter    nach  SW.  fort- 
setzenden Endmoräne.     In  derselben  Ausbildungsweise,  als  Obere 
Sand-  und  Grandaufschüttuuijeu,  erscheint  sie  nach  Ueberschreiteu 

Cr* 

der  Chaussee  Kastenburg-Lötzen  am  Bahnübergang  nach  Wilhelnis- 
dorf  und  länjjs  der  Bahnlinie  nach  SO.  hin,  erleidet  dann  inner- 
halb  der  Gubersenke  zwischen  (Queden  und  Glubenstein  eine 
Unterbrechung  und  setzt  dann  nördlich  des  Gutes  Glubenstein  als 
Geschiebesand     mit     kleineu     Graudpartien      über     aufgepressten 


Unteren  Sanden  westtjüd westlich  auf  Friedrichswalde  zu  fort,    er- 
scheint   dann    unweit    des    zu    Weischnurcn-Fricdrichswalde    ge- 
hörigen Friedhofes  an  der  Strasse  Eichniedien-Rastenburg  in  Foi^m 
von  Blockpackung  und  oberflächlicher   Blockanhäufung  und   zieht 
in    gleicher  Weise    westwärts    ungefähr    längs    der    Grenze    Dorf 
Weischnuren-Reimsdorf.     Ihr    zuzureclmen    sind  in  diesem  Stück 
das  coupirte,    stark  bestreute  Obere  Sandgebiet    und    die  Kleinen 
Grandpartien,  die  östlich   und  westlich  der  Grenze  zwischen  Gut 
Weischnuren  und  Domäne  Keinisdorf  liegen.     Dicht   bei  der  Do- 
mäne selbst,    an    der  Strasse    nach    Gr.  Bürgersdorf,    unweit    des 
Teiches,    sind   durch  Äbgrabung    eine  Unzahl  grosser  Blöcke  aus 
iler   dortigen   Geschiebepackung    freigelegt.     Daran    anschliessend 
folgen  grobe  Grande   und   geschiebereiche  Sande.     Unter  den  an 
dieser  Stelle  gesammelten  Geschieben  erscheint   als   auffallend  ein 
ausgezeichnet     schöner,    rothbrauner,     schlierenartig    stellenweise 
dunkler    gefärbter  Quarzporphyr     mit    2  —  5   Centimeter    grossen, 
schön  idiomorph  ausgebildeten  röthlichen  Orthoklas-Einsprenglingen 
"nd  schwärzlichen  Quarzen  in  Tropfenform,  sowie  grosse,  äusserst 
versteinern ngsreiche    Platten    grauen   Orthoceren kalkes    mit    zahl- 
''^ichen    Exemplaren    von    Orthoceras    (30 — 50  Centimeter    lang), 
'^'^tuitea^    Asap/ius^    Lichas^    Euomphalusy    Phurotomana  etc.     Die 
^«•thoklaskrystalle    des  erst  genannten  Gesteins  zeigen  eine,    viel- 
"^cli    allerdings    undeutliche    Umwachsung    durch  Oligoklas:    Der 
^  orphyr    dürfte    also    einer    porphyrischen   Facies    des  Rapakiwi- 
%^^x\\is  von  Aland  angehören.    Von  Reimsdorf  ab  wird  der  weitere 
^  Erlauf  der  Endmoräne  ein  undeutlicher.     Zunächst  zieht  sie  etwa 
"^^     zum    Forsthaus    Neuendorf    nach    S.     als     geschiebereicher, 
''^•^rk    kuppiger  Oberer  Sand    und  Grand,    erleidet    alsdann    aber 
'^'^    südlich    des  Bahnhofes    Reimsdorf  -  Thurwaniren    eine  Unter- 
"•"^chung,   um    weiterhin    erst    wieder    mit    schmalem,    nach    SO. 
vorgelagertem   Sandr    als    blockreicher    und    stark   blockbcstreuter 
^^schiebemergel    in  der  Richtung    auf  Thurwangen    zu  verlaufen. 
**'©r  erhebt  sie  sich  noch  westwärts  des  Gutes  als  mächtige  Auf- 
^^'hüttung  bis  zu  425  Fuss  Höhe  und  tritt  dann  auf  das  südliche  An- 
^^hlussblatt  Bosemb  Ober. 

Dieser,  in  seinem  Verlauf  eben  geschilderte,  das  Blatt  ziemlich 


diagonal  von  NO.  nach  SW.  durchquerende  Endnioränenzug  um- 
fa88t  2  Endmoränen  verschiedenen  Alters.  Die  ältere  zieht  von 
Thurwangen  von  NO.  bis  Queden  und  biegt  dann  nach  O.  um, 
um  südlich  Pohiebels  sich  auf  das  Nachbarblatt  nach  Mertenheim 
hin  fortzusetzen.  Die  jüngere  umfasst  das  Stück  Schwarzstein- 
Görlitz,  der  Theil  Schwarzstein-Quedcn  stellt  eine  Verbindung 
zwischen  beiden  her. 

Dahinter  liegt  nun  das  Gebiet  der  Grundmoräne,  ein  in  seinen 
Landschaftsformen  völlig  un regelmässiges  Terrain,  in  welches  aber 
doch  eine  Reihe  tief  eingesenkter,  länglicher,  mit  Alluvium  erfüllter 
Senken  eine  gewisse  Gliederung  hineinbringt.  Der  Verlauf  dieser 
Kinnen  ist  ein  nord-südlicher  bis  nordwest  südöstlicher.  Eine  derar- 
tige Kinne  verbindet  den  vertorften  sog.  ßlindensee  und  den  Ober- 
teich bei  Rastenburg,  setzt  sich  südlich  der  Stadt  fort,  umzieht  das 
Gut  Georgenberg  auf  Weischnuren  zu  und  findet  ihren  weiteren 
Verlauf  in  dem  grossen  Bruch  zwischen  KI.Neuendorf-Weischnuren- 
Reimsdorf  und  in  der  südlich  der  Domäne  bis  zum  Bahnhof 
Reimsdorf  reichenden  Rinne.  Von  ihr  zweigt  sich  nördlicli 
Weischnuren  eine  zweite  Rinne  ab,  die  über  Weischnuren- 
Friedrichswalde  nach  SO.  zum  heutigen  Guberthal  bei  Eicb- 
medien  verläuft.  Eine  dritte  von  Woplaucken  ausgehende  mündet 
über  Karlshof-  Luisenthal  -  Wilhelmsdorf-  Queden  -  Glubensteiu 
südlich  des  Gutes  Schäferei  ebenfalls  in  das  Guberthal  bei  Eich- 
medien. Eine  vierte  entwässerte  den  Moy-See  und  Sierczesee 
durch  den  ehemaligen,  beim  Gute  Görlitz  gelegenen  Weisssee 
zum  Gr.  Tauchelsee,  um  sich  auf  dem  anstossenden  Blatt  Gr.  Stflr- 
lack  durch    den  Kerstinowskisee    zum  Verschmintsee  fortzusetzen. 

Vor  der  Eudmoräne,  also  nach  SO.  zu,  breitet  sich  nun  der 
Sandr  aus.  Er  umschliesst  zwei  im  gleichen  Niveau  gelegene, 
also  wohl  während  jener  Stillstandslage  des  Eises  noch  mit  Eis 
bedeckte  Inseln  Oberen  Geschiebemergels,  deren  eine  vom  Siercze- 
see aus  sich  südlich  bis  zum  Gr.  Tauchelsee  ausdehnt,  während 
die  andere  um  Pohiebels  liegt.  Diese  bildet  den  geringen,  zu 
Tage  liegenden  Rest  der  zu  jeuer  älteren  Endmoräne  gehörigen 
Grundmoräne.  Auch  von  ihr  zieht  ziemlich  längs  der  Blattgrenze 
von   N.    nach    S.    eine    endmoränenartige  Verbindung    zur  nächst 


XXVII 

Iteren  Endmoräne,  die  schon  im  Wesentlichen  auf  Blatt  Gr.  Stür- 
kck  Terläufl  und  nur  noch  in  einzelnen  Particen  auf  Blatt  Kasten- 
jrg  übergreift:  so  östlich  Mertenheim  an  der  Blattgrenze  südlich 
*r  Eisenbahn  in  Form  geschiebereicher  Oberer  Grande  und  nörd- 
jh  der  Rastenburg-Sensburger  Kreisgrenze,  sowie  am  Wege  nach 
allau  als  kleine  Block packungen  oder  Grandaufschüttungen.  Nörd- 
?h  Ballau  tri£^  sie  die  von  Salpkeira  kommende  nächst  ältere  End- 
oräne,  die  hier  in  südöstlichem  Verlauf  auf  Blatt  Rastenburg  über- 
itt,    wo  sie  längs  der  Strasse  Ballau -Eichmedien  grobe  steinige 
Bind-   und  Grandaufschüttungen  bildet,    deren  Schichten  z.  B.  in 
&ni  Aufscbluss    der  Bahnkiesgrube    an    der  Eichmedieu-Ballauer 
irenze  mit  ca.  30^  nach  S.  einfallen.     Von   hier  aus  geben   wohl 
lie  Aufpressungen  Unterer    Sande    und    Mergelsande  nach  S.  zu 
Jine   Andeutung  des  weiteren  Verlaufes  dieser  Endmoräne  südlich 
Eichmedien  nach   W.  hin  in  der  Richtung  auf  Lauganken    (Blatt 
Bosemb).     Der    ganze   südliche  Theil    d('s  Blattes  gehört  zu  dem 
Grundmoränengebiet  dieses  Endmoränenzuges;    er  war  wohl  auch 
noch  bei  der    nächst  jüngeren,    oben  bereits    geschilderten   Still- 
iitandslage  des  Inlandeises  von  Eis  bedeckt,  da   um  ihn  der  Sandr 
jener  Endmoräne  ausbiegt.     Bei  seinem  definitiven  Freiwerden  von 
Eis  und  dem  Abfliesseu  seiner  Schmelzwasser  nach  der  nun  schon 
frei  liegenden    nördlichen  Senke    entstanden    hier    an   der  Grenze 
^es  Grund moränengebietes  zum   Sand    stellenweise    auch    endmo- 
räoenartige  Bildungen,  wie  geschiebereiche,  grandige  Sande,  kleine 
^Landpartien,  Blockpackungen  und  Blockanhäufungen  (z.  B.  nörd- 
lich Gr.  Bürgersdorf). 

Interessante  Bildungen  des  Grundmoränengebietes  sind  die 
^ü  einzelnen  Stelleu  vorkommenden  Deckthone,  die  in  weiter 
Fläche  das  Gebiet  zwischen  Rastenburg,  Muhlack,  Georgenfelde 
und  Prangeuau  erfi[\llen  oder  in  Form  von  Hauben  oder  Decken 
i/e  obersten  Partieen  grösserer  Berge  oder  Hochflächen  bilden, 
:.  B.  zwischen  Georgenberg  und  Luisenthal,  zwischen  Wei- 
L'hnuren,  Wilhelmsdorf  und  Glubensteiu  oder  um  Eichmedien 
ad  zwischen  Hinzenhof  und  Kl.-Bürgersdorf  Stelleuweise 
igen  diese  Thone  eine  bis  2,  auch  5 — 7  Decimeter  tief  reichende 
;hwarzerdebilduug,    die    ihre    Fruchtbarkeit    uicht    unwesentlich 


XXVIII 

erhöht    und    die  ganze   Gegend    als    das  Land    der   Rastcnbiirger 
Schwarzerde    iu    Ostpreusseu    weit    berühmt    gemacht    hat.      Die 
Ablagerung  dieser  Thoue  ist  an  keine  Höhencurve  gebunden,  ihre 
Mächtigkeit  reicht  wohl  durchschnittlich  nicht   viel  Ober  2  Meter, 
vielfach  ist  sie  auch  geringer,  so  dass  der  sie  unterlagernde  Obere 
Geschiebemergel  oder  Sand    noch    erbohrt    werden    konnte.     Ihre 
liildung  spricht  für  eine  Ablagerung  in  eingeschmolzenen  Löcheru 
der    noch    die    Grundmoräne    bedeckenden    Eishülle:    die    im  Eis 
circulireuden,  zum  Eisrand  strömenden,  mit  Gletscherschlamm  er- 
füllten Wassermassen    deponirten    hier,    in    solchen  Löchern    sich 
sammelnd,  den  mitgeführten  Detritus,  ehe  sie  sich  durch  die  Eis- 
wände weiterfresseu  und  abfliessen  konnten'). 

Die    Entwässerung    des    gesammten    Gebietes    erfolgt    heutfe^ 
durch  die,    das  Blatt    von  SO.  nach  NW.  durchfliesseude  Guber — 
Von  Senke    zu    Senke    herabfliessend,    durchbricht    sie    in  z.  Th  — 
landschaftlich  sehr  schönen,  bis  zu  20  Meter  hohen  Steilschluchtei 
die     trennenden     Diluvialhöheii,     ohne    jedoch    irgendwie    tiefer 

Diluvialschichten  anzuschneiden.     Ihre  ganze  Entstehung  ist  natüi 

lieh  eine  sehr  jugendliche,  konnte  doch  überhaupt  erst  eine  nact* 
N.  gehende  Entwässerung  nach  dem  Abschmelzen  des  Inlandeise 0 
erfolgen.  Am  Wege  Glubenstein  -  Queden  verursachte  hier  docI^ 
liegendes  Eis  während  der  Abschmelzperiode  ein  Aufstauen  de^ 
Guberwassers,  so  dass  hier  die  mitgefohrten  Sande  und  Thonezii*" 
Ablagerung  kamen  und  eine  deutliche  Terrassenbildung  eintrat 

Dem  freundlichen  Entgegenkommen  des  Herrn  Dr.  SCHELLWIBI»^'? 
Leiter    des  physikalisch-ökonomischen    Provinzialmuseums  zu  K^^ 
nigsberg  in  Preussen,  verdanke  ich  die  persönliche  Einsicht  zahl-' 
reicher  Tief  bohrproben,    die  über    die  tieferen  Untergrund  Verhält- 
nisse  der  Stadt  Rasteuburg    und    ihrer  Umgebung  willkommenen 
Aufschluss  geben.     Schon  zuvor  war  ich  durch  die  beim  Magistrat 
zu  Kastenburg  befindlichen  Acten    des    Bohruuteruchmers    BiKSKB 

0  cf.  K.  Keilhack:    Der    baltische    Höhenrücken    in    Hinterpommem    und 
Westpreussen.     Dieses  Jahrbuch  1889,  S.  165.     Berlin  1890. 

Ib.:  Erläuterungen    zu  Bl.  Wurchow    der  geologischen    Specialkarte  Ton 
Preussen  etc.    Lief.  59.    Berlin  1895. 

F.  Wahnschaffe:  Die  Ursachen  der  Obertlächcngestaltung  des  norddeut- 
schen Flachlandes,  S.  168.     2.  Aufl.     Stuttgart  1901. 


^ 


XXIX 

SU  Köuigsberg  Ober  die  Ergebuisse  einzeloer  Bohrungen  unter- 
richtet, späterhin  stellte  mir  dann  Herr  Prof.  Jentzsoh  die  von 
ihm  seiner  Zeit  angefertigten  Bohrregister  zur  Verfügung,  die  ich 
bei  den  folgenden  Angaben  mit  freundlicher  Erlaubniss  und 
bestem  Danke    gleichfalls  benutze. 

Aus  den  Bobrungen  ergiebt  sich,    zum  Theil  wenigstens,  för 
Rastenburg   eine    recht    bedeutende,    bisher   wohl    überhaupt    nur 
selten    beobachtete  Mächtigkeit    des   Diluviums    und    speciell    der 
oberdiluvialen  Bildungen^),    wenigstens   giebt  Jentzsoh  1896  als 
die  grössten  bisher  beobachteten  Mächtigkeiten  diluvialer  Ablage- 
rungen in  Ostpreussen  für  Weedern  bei  Darkehuien  151  Meter 2) 
uind  Oür  Domäne  Dinglauken    im  Kreise  Darkehmen   150  Meter  *'^) 
£in,  während  hier  in  der  Bohrung  am  Bahnübergaug  von  Krausen- 
dorf  und  Georgenberg  eine  Tiefe  von  160  Meter  erreicht  wurde,  ohne 
dass  das  Diluvium  schon  dnrchsunken  ist.     Des  Weiteren  ergeben 
diese  Bohrungen   zur  Evidenz,  dass  man  nicht  jede  kleine  Sand-, 
Grand-,  Mergelsand-  oder  Thonbank,  die  unter  Oberem  Geschiebe- 
mergel  folgt,  als  unterdiluvialen  Alters   auffassen  darf,    denn  ent- 
sprechend den  steten  Schwankungen  des  Eisrandes  während  der  Ab- 
schmeizperiode  (Rastenburg  liegt  nur   ca.   4  Kilometer  hinter  der 
Endmoräne)  konnte  f&r  eine  Zeit  die  Grundmoräne  freiliegen  und 
Konnten    auf  ihr  fluviatile  Bildungen    zum  Absatz  kommen,    über 
Welche  dann  bei  erneutem  Vorrücken  des  Eises  sich  wiedor  neues 
^laterial    derselben  Grundmoräne    aufschob.     Der    trennende  Ho- 

• 

•"izont,  die  sog.  Unteren  Sande,  müssen  ja  schon  ihrer  Genese 
^^tsprechend,  in  den  meisten  Fällen  eine  grössere  Mächtigkeit  als 
^  oder  2  oder  auch  noch  mehr  Meter  haben,  ausserdem  sind 
^'^  es  zumeist,  in  denen  sich  der  wassergebende  Grundwasser- 
^troin   bewegt,    der    sie    also    auch    in    den    einzelnen  Bohrungen 

')  F.  Wahxschafke:    1.  c.,  S.  66  u.  G7,  giebt  eine  ZusammenstelluDg  der  im 
Boreich   des    Dorddoatschen    Flachlandes   aafgefülirten    Tiefbohrungen    und    der 
Ibciitigkeiten  der  darchsankcnen  Quartärschichten.     Nur  ca.   15  übertreffen   die 
hier  erreichte  Mächtigkeit. 

^  A.Jkntzsch:    Masenmsbericht    f.   1888  u.  Sitz.  -  Ber.  Phys.-ökon.  Ges.  f. 
1889,  S.  4. 

^  Ib.:    Nene   Gesteinsaafschlüsse   in   Ost-    und    Wcstpreussen    1893—1895. 
Dieses  .Jahrbuch  1896,  S.  72.    Berlin  1897. 


XX 

nämlich  der  Uutere  Welleukalk  auf  Blatt  LeDgenfeld  im  All- 
gemeinen eine  geringere  Mächtigkeit  besitzt  wie  anderwärts  in 
dem  Vorlande  nördlich  des  Thüringer  Waldes,  während  bei  dem 
Oberen  Wellenkalke  eine  solche  Verschiedenheit  nicht  zu  beob- 
achten ist.  Die  petrographische  Ausbildung  der  Muschelkalk- 
schichten gleicht  der  sonst  nördlich  des  Thüringer  Waldes  auf- 
tretenden. Mehrfach  sind  festere,  meist  »oolithische«  oder  schaumige 
Bänke  dem  Muschelkalk  eingeschaltet.  Diese  lassen  sich  in  ver- 
schiedenen Horizonten  über  das  ganze  Messtischbl.itt  verfolgen, 
soweit  sie  nicht  durch  Gehäugeschutt  und  abgerutschte  Muschel- 
kalkpartien verdeckt  oder  unter  einer  intensiven  Waldcultur  ver- 
steckt sind.  Nachdem  ich  die  Ausbildung  des  Muschelkalks  in 
der  Umgebung  von  Eisenach  unter  der  Führung  von  Herrn 
Zimmermann  kennen  gelernt  hatte,  war  mir  die  Ausscheidung 
der  Zone  der  Oolithbäuke,  der  Terebratelbänke  wie  der  Schaum- 
kalkzone auf  Blatt  Lengcnfeld  möglich.  Am  uugleichmässigsten 
verhält  sich  auf  Blatt  Lengenfeld  die  Zone  der  Schaumkalkbänke. 
Sie  besitzt  in  den  verschiedenen,  meist  guten  Aufschlüssen  auf 
Blatt  Lengenfeld  eine  Mächtigkeit  von  1,8  bis  ca.  11  Meter. 
Während  an  vielen  Stellen  nur  zwei  Schaumkalklager  mit  einem 
Wellenkalkzwischen mittel  auftreten,  finden  wir  an  anderen  Stellen 
drei  Schaumkalklager  in  dieser  Zone. 

In  dem  Oberen  Muschelkalke  zeigt  sich  ausser  den  festen 
Kalken  der  Trochitensciucliten  noch  eine  0,4 — 0,G  Meter  mächtige 
Bank  harter,  blauer,  oft  auch  oolithischer  oder  schaumiger  Kalke. 
Diese  Bank  tritt  etwa  in  der  Mitte  der  Zone  der  Nodosenschichten 
auf  und  ist  ebenso  wie  die  Zone  der  Trochitenschichten  im 
Gelände  durch  eine  Kante  bemerkbar.  Sie  zeichnet  sich  durch  einen 
besonderen  Reichthum  an  Fossilien  aus.  Wahrscheinlich  haben 
wir  es  hier  mit  einer  weithin  anhaltenden  Bank  zu  thun,  die 
einer  auch  anderwärts  im  Vorlande  des  Thüringer  Waldes  beob- 
achteten Bank  entspricht. 

Blatt  Lengen feld  bildet  einen  Ausschnitt  aus  der  grossen 
Trias-Mulde,     die    zwischen    Thüringer    Wald    und    Harz    liegt ^) 


')  Vgl.  E.  Zimmermann,      Erläuterung  zu  Blatt  Stadt-Ilm    der  geologischen 
Specialkartc  von  Preussen  uod  den  Thür.  Staaten.,  S.  45  u.  f. 


XXI 

uüd    zwar    gehört    Blatt    Leugenfeld    der    westlichen    Theihnidde 
(ünstrutmulde)    an.      Demzufolge    zeigen     sämmtliche    Schichten 
ein  schwach   ostnordöstliches  Einfallen;    die  Oberen  Muschelkalk- 
schichten   senken    sich    ungefähr    mit    dem    Gehänge    gegen    das 
Unstrutthal    hin.     Durch    das    Blatt   Lengcnfeld   hindurch  ziehen 
zwei      von     SO.     nach     NW.     verlaufende    Störungszonen,     wo- 
durch   die    gleichmässigen     Lagerungsverhältnisse    theilweise    er- 
heblich  geändert  werden.      Die  eine   Störungszone   ist  schon  von 
F.  MOESTA^)  und  H.  Proescholdt^)  mit  dem  Gotha-Eichenberger 
Grabenzug     identificirt     worden    (besser    Saalfeld  -  Eichenberger- 
Störuugszone).      Diese    Störungszone    durchschneidet    das     S W.- 
Viertel des  Blattes  in   der  Richtung  von  Hildebrandshausen  nach 
Willbich   und  ist  im  Bereiche  des    Blattes  Lengenfeld  nberall  als 
Graben    ausgebildet    (Willbicher    Graben).       Er   wird   von   einer 
Muschelkalk -Keuper- Mulde   ausgefällt    und    an    seiner  südwest- 
lichen   Seite    von    muldenförmig    gelagerten  Muschelkalkschichteu 
begleitet.      Nordöstlich    von     dem    Graben    ziehen    sich    mehrere 
Staffelbrüche  hin.     Einen  guten  Ueberblick  über  den  Aufbau  des 
Grabens    gewinnt    man    von    der    Eisenbahn    südlich    von  (iross- 
Bartloff,  von  wo  aus  man  an  dem  Verlaufe  der  festen  Bänke  des 
Muschelkalkes     am     jenseitigen     Gehänge     des    Lutterthales    das 
staffeiförmige    Einfallen  an   der    nordöstlichen   Seite    des   Grabens 
und    die    muldenförmige    Ausbildung    des    Grabens    selbst    genau 
verfolgen  kann.    Eine  Störung  hat  dieser  Graben  dadurch  erlitten, 
dass   er  durch  einige  ungefähr   N.-S.    verlaufende  Störungen  ver- 
worfen ist. 

Die  zweite  Störungszone  durchzieht  das  Blatt  von  Bttttstedt, 
über  Küllstedt  nach  Wachstedt  hin  (Küllstedter  Störungszone). 
Sie  entspricht  wahrscheinlich  einem  Zuge  von  Störungen,  welche 
nordöstlich  von  Gotha  die  Saalfeld  -  Eichenberger  Störungszone 
begleiten. 

Von  besonderem  Interesse  ist  auf  Blatt  Lengenfeld  noch  <lie 
Thalbildung.  Durch  Erosion  wurden  in  den  verhältnissmässi<; 
harten    Muschelkalkschichten    nur    schmale    Kinnen    eingegraben. 

0  Dieses  Jahrbach  1883,  S.  66. 
*}  Dieses  Jahrbach  1894,  S.  LXII. 


XXII 

während  in  den  weicheren  Schichten  des  Buntsandsteins  sich 
ebenso  wie  anderwärts  breitere  Flussthäler  ausbilden  mussten. 
Waren  die  Flussrinnen  bis  in  die  weichen  ßöthschichten  einge- 
schnitten, so  musste  eine  seitliche  Erosion  einsetzen.  Dabei 
wurden  die  Muschelkalkschichten  unterwaschen  und  die  Thäler 
auch  in  ihren  Anfängen  verbreitert.  Am  auffalligsten  ist  dies  bei 
dem  Lutterthale,  unterhalb  von  Gross-Bartloff.  Bei  diesem  zeigt 
sich  deutlich  die  Abhängigkeit  der  orographischen  Ausbildung  von 
dem  lithologischen  Aufbau  und  durch  diesen  von  dem  geologischen 
Aufbau.  Bei  Gross-Bartloff  hat  sich  durch  seitliche  Erosion  in 
dem  Buntsandstein  ein  weites  Becken  gebildet.  Unterhalb  von 
Gross-Bartloff  aber  treten  die  Gehänge  dieses  Beckens  immer 
mehr  an  einander,  je  mehr  wir  uns  dem  Willbicher  Graben 
nähern,  und  die  engste  Stelle  des  Thaies  liegt  dort,  wo  die 
Muschelkalkschichten  des  Graben/uges  bis  in  die  Thalsohle 
reichen  und  hier  eine  Thalschwelle  bildeten  und  bilden,  hinter  der 
das  Gross-Bartloffer  Becken  ausgearbeitet  wurde,  das  wohl  einst  von 
einem  Stausee  ausgefüllt  gewesen  ist,  der  sich  heute  noch  in  Kalk- 
tuffablagerungen rund  um  Gross-Bartloff  herum  zu  erkennen  giebt. 
Die  Thäler  auf  Blatt  Lengenfeld  setzen  quer  durch  den 
Willbicher  Graben  (Saalfeld  -  Eiehenberger  Störungszone)  hin- 
durch, ohne  dass  durch  den  Graben  eine  Ablenkung  der  Thäler 
erfolgt  ist. 

A.  Klautzsch:  Bericht  über  Endmoränen  und  Tief- 
bohrungen im  Grundmoränengebiete  des  Blattes  Kasten- 
burg (Ostpreussen). 

Das  Gebiet  des  Blattes  Rastenburg  liegt  am  N.  -  Abfall  des 
masurischen  Höhenrückens,  den  man  am  besten  mit  der 
300  Fuss-Curve  anfangen  lässt.  Topographisch  erscheint  das  Ge- 
lände aus  zwei,  im  SW.  resp.  NO.  gelegenen  Höhentheilen  be- 
stehend, die  durch  einen  in  ca.  325  Fuss  Höhe  liegenden  schmalen 
Pass  bei  Friedrichswalde  mit  einander  in  Verbindung  stehen.  Von 
W.  her  greift  der  O.-Flügel  der  auf  dem  Nachbarblatt  Heiligelinde 
gelegenen  Deiueflusssenke  in  das  Gebiet  ein,  von  SO.  her  die 
weite  Alluvialfläche  des  Guberflusses. 


Das  geologische  Bild  ergiebt  sich  aus  dem  Verlauf  eitles  Eud- 
inoräneuzuges,  der  im  nordöstlichen  Tlieil  des  Blattes,  von  Blatt 
Gr.  Stflriack  her  westwärte  zielicud,  üördlicb  des  Weges  von  der 


RASTEN  BURt^cliwqri SU,, 


',d}mj^^^ä^Im:iM 


Oh.Gttch  lirjil.        Endmoräne. 


Ob.  Sand 


^fl^"' 


Die  Eadmoränc  zwifchen  Qaeden 


versehentlich  uicbt  ciogezeichut: 


Oberfbrsterei  Görlitz  nacb  Partsch,  innerbalb  der  Kastenburger 
Stadtforst  Görlitz  verläuft.  In  diesem  Stück  tritt  die  ICndinoritue 
topographisch  nur  wenig  hervor,  sie  erscheiut  als  starke  Bluck- 
packung  mit  Geschiebemergel  als  Zwisrhenmasse.     Gleichfalls   als 


XXTV 

BlockpackuDg,  aber  als  Stein masseu  mit  kiesigem  Zwischeumittel 
und  angelagerten  steinigen  Kiespartien  zieht  sie  von  der  Oher- 
försterei  Görlitz  südwestwärts  zum  Sierczesee,  der  sie  als  Rinnon- 
see  durchbricht,  setzt  sich  westwärts  als  lehmig- mergelige  Block- 
packung und  grobe  Kiesanhäufung  in  gleicher  Richtung  bis  zu 
dem  am  N.-Ufer  des  Quedeusees  gelegenen,  zu  Schwarzstein  ge- 
hörigen Ausbau  fort  und  schickt  alsdann  längs  des  Weges  von 
diesem  Ausbau  nach  Schwarzstein  gen  NO.  einen  Sporn,  aus 
Blockpackung  und  grobem  Grand  bestehend,  vor.  Eine  Fort- 
setzung desselben  nach  W.  sind  vielleicht  die  zum  Theil  gran- 
digen Sande  zwischen  Krausendorf  und  Rastenburg,  die  z.  B. 
am  Ausgang  der  Stadt  beim  Gestüt  durch  mehrere  Gruben  schön 
erschlossen  sind.  Auch  erscheint  der  unmittelbar  nördlich  sich 
anschliessende  Geschiebemergel  hier  sehr  stein-  und  blockrcich. 
Von  Schwarzstein  aus  verläuft  die  Endmoräne  dann  weiterhin  süd- 
wärts wieder  zum  W.-Ufer  des  Quedensees.  Jenseits  des  Sees,  au 
seinem  SO.  -  Ufer,  verbreitert  sich  die  Endmoräne  dann  sehr 
stark  und  bildet  östlich  des  Vorwerks  Waldhaus  bis  zum 
Quedener  Wald  die  höchsten  Erhebungen  des  ganzen  Gebietes 
(bis  zu  440  Fuss).  Sie  erscheint  hier  als  ein  stark  coupirtes 
Gelände,  aufgebaut  aus  Oberen  schwach  grandigen,  geschiebc- 
reicheu  Sanden  oder  Granden,  nur  unmittelbar  an  der  Grenze 
des  Sandes  und  der  Grundmoräne  wurden  zwei  kleine  Block- 
packungeu  festgestellt.  Die  topographisch  schon  hervortretenden 
Höhen  zwischen  (^ueden  und  Pohiehels,  die  erst  nördlich,  dann 
südlich  die  Chaussee  begleiten  und  stellenweise  Steinbestreuuug 
zeigen,  verbinden  den  auf  Blatt  Gr.  Stürlack  verlaufenden,  west- 
lich Mertenheiui  auf  unser  Blatt  übertretenden  Endmoränenzug 
mit  der  sich  nunmehr  westlich  Quodeu  weiter  nach  SW.  fort- 
setzenden Endmoräne.  In  derselben  Ausbild uugsweise,  als  Obere 
Sand-  und  Grandaufsehüttungen,  erscheint  sie  nach  Ueberschreiten 
der  Chaussee  Rastenburg-Lötzen  am  Bahnübergang  nach  Wilhelms- 
dorf und  längs  der  Bahnlinie  nach  SO.  hin,  erleidet  dann  inner- 
halb der  Gubersenke  zwischen  (Jueden  und  Glubenstein  eine 
Unterbrechung  und  setzt  dann  nördlich  des  Gutes  Glubenstein  als 
Geschiebesand     mit    kleineu     Grandpartien      über     aufgepressten 


XXV 

Unteren  Sandeu  west^fldwestlich  auf  Friedrichswalde  zu  fort,  er- 
8cheiut  dann  unweit  des  zu  Weischnuren-Friedrichswalde  ge- 
hörigen Friedhofes  an  der  Strasse  Eichmedien-Rastenburg  in  Form 
Ton  ßlockpackung  und  oberflächlicher  Blockanhäufung  und  zieht 
in  gleicher  Weise  westwärts  ungefähr  längs  der  Grenze  Dorf 
Weischnuren-Reimsdorf.  Ihr  zuzureclinen  sind  in  diesem  Stftck 
das  coupirte,  stark  bestreute  Obere  Sandgebiet  und  die  Kleinen 
Grandpartien,  die  östlich  und  westlich  der  Grenze  zwischen  Gut 
Weischuuren  und  Domäne  Reimsdorf  liegen.  Dicht  bei  der  Do- 
mäne selbst,  an  der  Strasse  nach  Gr.  Bürgersdorf,  unweit  des 
Teiches,  sind  durch  Abgrabung  eine  Unzahl  grosser  Blöcke  aus 
der  dortigen  Geschiebepackung  freigelegt.  Daran  anschliessend 
folgen  grobe  Grande  und  geschiebereiche  Sande.  Unter  den  an 
dieser  Stelle  gesammelten  Geschieben  erscheint  als  auffallend  ein 
ausgezeichnet  schöner,  rothbrauner,  schlierenartig  stellenweise 
dunkler  gefärbter  Quarzporphyr  mit  2  —  5  Centimeter  grossen, 
schön  idiomorph  ausgebildeten  röthlichen  Orthoklas-Einsprenglingen 
und  schwärzlichen  Quarzen  in  Tropfenform,  sowie  grosse,  äusserst 
versteinerungsreiche  Platten  grauen  Orthocerenkalkes  n)it  zalil- 
reichen  Exemplaren  von  Orthoceras  (30 — 50  Centimeter  laug), 
LituiteSj  Asaphus^  Lichas^  Euoniphalusy  Pleurotomaria  etc.  Die 
Orthoklaskrystalle  des  erst  genannten  Gesteins  zeigen  eine,  viel- 
fach allerdings  undeutliche  Umwachsung  durch  Oligoklas:  Der 
Porphyr  durfte  also  einer  porphyrischen  Facies  des  Rapakiwi- 
;:;ranits  von  Aland  angehören.  Von  Reimsdorf  ab  wird  der  weitere 
Verlauf  der  Endmoräne  ein  undeutlicher.  Zunächst  zieht  sie  etwa 
liis  zum  Forsthaus  Neuendorf  nach  S.  als  geschiebereicher, 
^tark  kuppiger  Oberer  Sand  und  Grand,  erleidet  alsdann  aber 
Ms  südlich  des  Bahnhofes  Reimsdorf  -  Thurwaniren  eine  Unter- 
brechung,  um  weiterhin  erst  wieder  mit  schmalem,  nach  SO. 
vorgelagertem  Sandr  als  blockreicher  und  stark  blockbcstreuter 
Geschiebemergel  in  der  Richtung  auf  Thurwangen  zu  verlaufen. 
Hier  erhebt  sie  sich  noch  westwärts  des  Gutes  als  mächtige  Auf- 
schüttung bis  zu  425Fuss  Höhe  und  tritt  dann  auf  das  südliche  An- 
schlussblatt Bosemb  über. 

Dieser,  in  seinem  Verlauf  eben  geschilderte,  das  Blatt  ziemlich 


XXXYI 


Bohrung  XIV. 
Abbau  Krausendorf:  96  Meter.     Von  -H  94  Meter  N.  ^ 


—  2  Meter 


0- 

80 

80,6- 

75- 

76- 
80 


-30     Meter  Geschiebemergel 
-30,5      »       Kalk.     .     .     . 
-75         »       Geschiebemergel 
76         »       Sand.     .     .     . 
80         »       Geschiebemergel 
96 -f-    »       Sand.     .     .     . 


8m 

Ök 

Om 

Os 

c)m 

ds 


Oberes  C 
80  A4 


Wasserauftrieb  bis  4  Meter  unter  Tage. 

Bohrung  XV. 

Rastenburg,  Brauerei-Äctiengesellschafl:  42  Meter. 

36  Meter. 


0- 

3- 

10 

32- 

35- 


Von  -f-  78  Meter  N.  N.  bis 

'3     Meter  Alter  Brunnenschacht 

10       »       Grand 9g 

-32       »       Geschiebemergel  ....  dm 

35       »       Thonmergel dh 

42  4-  »       Sand ds 


OberesD 
32  M 


Bohrung  XVI. 

Blindcnsee,  nördlich  Rasteuburg:  75  Meter.    Von  -f- 84 

N.  N.  bis  -f-  9  Meter. 

0—3  Meter  Torf t 


3-5 
5—33 
33-35 
35 -3Ü 
36-46 
46—47 
47-69 
69—70 
70—75 


» 


» 


» 


» 


Kalk k 

Geschiebemergel    ....  öm 

Sand ÖS 

Mergelsand 8ms 

Geschiebemergel    ....  Om 

Sand ds 

Geschiebemergel    ....  8m 

Saud ds 

Mergelsand dms 


OberesD 
64  M 


?  da  I 
wasserg 


Nach  den  Magistratsacten  folgt  noch  bis  77  Meter  Sa 


XXVII 

älteren  EDdmoräue,  die  schon  im  Wesentlichen  auf  Blatt  Gr.  Stür- 
lack  Terläufl  und  nur  noch  in  einzelnen  Partiocn  auf  Blatt  Kasten- 
bui^  übergreift:  so  östlich  Mertenheim  an  der  Blattgrenze  südlich 
der  Eisenbahn  in  Form  geschiebereicher  Oberer  Grande  und  nörd- 
lich der  Rasten burg-Sensburgcr  Kreisgrenze,  sowie  ain  Wege  nach 
Ballau  als  kleine  Blockpackungen  oder  Grandaufschöttuugen.  Nörd- 
lich Ballau  tri£^  sie  die  von  Salpkeim  kommende  nächst  ältere  End- 
moräne, die  hier  in  südöstlichem  Verlauf  auf  Blatt  Rastenburg  über- 
tritt, wo  sie  längs  der  Strasse  Ballau -Eichmedien  grobe  steinige 
Sand-  und  Grandaufschüttungen  bildet,  deren  Schichten  z.  B.  in 
dem  Aufscbluss  der  Bahnkiesgrube  an  der  Eichmedieu-Ballauer 
Grenze  mit  ca.  30^  nach  S.  einfallen.  Von  hier  aus  geben  wohl 
die  Äufpressungeu  Unterer  Sande  und  Mergelsaude  nach  S.  zu 
eine  Ändeutunnr  des  weiteren  Verlaufes  dieser  Endmoräne  südlich 
Eichmedien  nach  W.  hin  in  der  Richtung  auf  Lauganken  (Blatt 
Bosemb).  Der  ganze  südliche  Theil  des  Blattes  gehört  zu  dem 
Grundmoränengebiet  dieses  Endmoränenzuges;  er  war  wohl  auch 
noch  bei  der  nächst  jüngeren,  oben  bereits  geschilderten  Still- 
standslage des  Inlandeises  von  Eis  bedeckt,  da  um  ihn  der  Saudr 
jener  Endmoräne  ausbiegt.  Bei  seinem  definitiven  Freiwerden  von 
Eis  und  dem  Abfliessen  seiner  Schmelzwasser  nach  der  nun  schon 
frei  liegenden  nördlichen  Senke  entstanden  hier  an  der  Grenze 
des  Grundmoränengebietes  zum  Sand  stellenweise  auch  cndmo- 
räuenartige  Bildungen,  wie  geschiebereiche,  grandige  Sande,  kleine 
Grandpartien,  Blockpackungen  und  Blockanhäufungen  (z.  B.  nörd- 
lich Gr.  Bürgersdorf). 

Interessante  Bildungen  des  Grundmoränengebietes  sind  die 
au  einzelnen  Stellen  vorkommenden  Deckthone,  die  in  weiter 
Fläche  das  Gebiet  zwischen  Rastenburg,  Muhlack,  Georgenfelde 
lind  Prangenau  erfüllen  oder  in  Form  von  Hauben  oder  Decken 
die  obersten  Partieen  grösserer  Berge  oder  Hochflächen  bilden, 
z.  B.  zwischen  Georgenberg  und  Luisenthal,  zwischen  Wei- 
schnuren,  Wilhelmsdorf  und  Glubenstein  oder  um  Eichmedien 
und  zwischen  Hinzenhof  und  Kl. -Bürgersdorf.  Stellenweise 
zeigen  diese  Thone  eine  bis  2,  auch  5—7  Decimeter  tief  reichende 
Schwarzerdebildung,    die    ihre    Fruchtbarkeit    nicht    unwesentlich 


XXVIII 

erhöht  und  die  ganze  Gegend  als  das  Land  der  Rabtenbiirger 
Schwarzerde  in  Ostpreusseu  weit  berühmt  gemacht  hat.  Die 
Ablagerung  dieser  Thoue  ist  an  keine  Ilöhencurve  gebunden,  ihre 
Mächtigkeit  reicht  wohl  durchschnittlich  nicht  viel  Ober  2  Meter, 
vielfach  ist  sie  auch  geringer,  so  dass  der  sie  unterlagernde  Obere 
Geschiebemergel  oder  Sand  noch  erbohrt  werden  konnte.  Ihre 
liildung  spricht  für  eine  Ablagerung  in  eingeschmolzenen  Löchern 
der  noch  die  Grundmoräne  bedeckenden  Eishülle:  die  im  Eis 
circulirenden,  zum  Eisrand  strömenden,  mit  Gletscherschlamm  er- 
füllten Wassermassen  deponirten  hier,  in  solchen  Löchern  sich 
sammelnd,  den  mitgeführten  Detritus,  ehe  sie  sich  durch  die  Eis- 
wände weiterfressen  und  abfliessen  konnten^). 

Die  Entwässerung  des  gesammten  Gebietes  erfolgt  beute 
durch  die,  das  Blatt  von  SO.  nach  NW.  durchfliessende  Guben 
Von  Senke  zu  Senke  herabfliessend,  durchbricht  sie  in  z.  Th. 
landschaftlich  sehr  schönen,  bis  zu  20  Meter  hohen  Steilschluchteu 
die  trennenden  Diluvialhöhen,  ohne  jedoch  irgendwie  tiefere 
Diluvialschicbten  anzuschneiden.  Ihre  ganze  Entstehung  ist  natür- 
lich eine  sehr  jugendliche,  konnte  doch  überhaupt  erst  eine  nach 
N.  gehende  Entwässerung  nach  dem  Abschmelzen  des  Inlandeises 
erfolgen.  Am  Wege  Glubenstein  -  Queden  verursachte  hier  noch 
liegendes  Eis  während  der  Abschmelzperiode  ein  Aufstauen  des 
Guberwassers,  so  dass  hier  die  mitgeführteu  Sande  und  Thone  zur 
Ablagerung  kamen  und  eine  deutliche  Terrassenbildung  eintrat. 

Dem  freundlichen  Entgegenkommen  des  Herrn  Dr.  Schellwien, 
Leiter  des  physikalisch-ökonomischen  Provinzialmuseums  zu  Kö- 
nigsberg in  Preussen,  verdanke  ich  die  persönliche  Einsicht  zahl- 
reicher Tiefbohrproben,  die  über  die  tieferen  L^ntergruudverhält- 
nisse  der  Stadt  Rastenburg  und  ihrer  Umj^ebung  willkommenen 
Aufschluss  geben.  Schon  zuvor  war  ich  durch  die  beim  Magistrat 
zu  Rastenburg  befindlichen  Acten    des    Bohruuternehmers    Bieske 

0  cf.  K.  Keilhack:  Der  baltische  Höhenrücken  in  Hintcrpommem  und 
Westpreussen.     Dieses  Jahrbuch  1889,  S.  165.     Berlin  1890. 

Ib.:  Erläuterungen  zu  Bl.  Wurchow  der  geologischen  Spocialkarte  von 
Preusaen  etc.     Lief.  59.    Berlin  1895. 

F.  Wahnschaffe:  Die  Ursachen  der  Obortlächengestaltung  des  norddeut- 
schen Flachlandes,  S.  168.     2.  Aufl.     Stuttgart  1901. 


XXIX 

zu  Köuigsberg  über  die  Ergebnisse  einzelner  Bohrungen  unter- 
richtet, späterhin  stellte  mir  dann  Herr  Prof.  «Teni^zsoh  die  von 
ihm  seiner  Zeit  angefertigten  Bohrregister  zur  Verfügung,  die  ich 
bei  den  folgenden  Angaben  mit  freundlicher  Erlaubniss  und 
bestem  Danke    gleichfalls  benutze. 

Aus  den  Bobrungen  ergiebt  sich,    zum  Theil  wenigstens,  flßr 
Rastenburg    eine    recht    bedeutende,    bisher   wohl    überhaupt    nur 
selten    beobachtete  Mächtigkeit    des   Diluviums    und    speciell    der 
oberdilavialen  Bildungen^),    wenigstens    gieht  Jbntzsch  1896  als 
die  grössten  bisher  beobachteten  Mächtigkeiten  diluvialer  Ablage- 
rungen in  Ostpreussen  flir  Weedern  bei  Darkohmen   151  Meter^) 
und  Ar  Domäne  Dinglauken    im  Kreise  Darkehmen   150  Meter  ^) 
an,  während  hier  in  der  Bohning  am  Bahnübergang  von  Krausen- 
dorf und  Georgenberg  eine  Tiefe  von  160  Meter  erreicht  wurde,  ohne 
dass  das  Diluvium  schon  durchsunken  ist.     Des  Weiteren  ergeben 
diese  Bohrungen   zur  Evidenz,  dass  man  nicht  jede  kleine  Sand-, 
Grand-,  Mergelsund-  oder  Thonbank,  die  unter  Oberem  Geschiebe- 
mergel folgt,   als  uuterdiluvialen  Alters   auAassen  darf,    denn  ent- 
sprechend den  steten  Schwankungen  des  Eisrandes  während  der  Ab- 
schmelzperiode (Rastenburg  liegt  nur   ca.   4  Kilometer  hinter  der 
Endmoräne)  konnte  fQr  eine  Zeit  die  Grundmoräne  freiliegen  und 
konnten    auf  ihr  fluviatile  Bildungen    zum  Absatz  kommen,    über 
welche  dann  bei  erneutem  Vorrücken  des  Eises  sich  wieder  neues 
Material    derselben  Grundmoräne    aufschob.     Der    trennende  Ho- 
rizont,   die  sog.  Unteren  Sande,    müssen    ja    schon    ihrer   Genese 
entsprechend,  in  den  meisten  Fällen  eine  grössere  Mächtigkeit  als 
1  oder  2    oder    auch    noch    mehr   Meter    haben,    ausserdem    sind 
sie    es    zumeist,   in   denen   sich    der  wassergebende  Grundwasser- 
strom   bewegt,    der    sie    also    auch    in    den    einzelnen  Bohrungen 

0  F.  WAnxscHAFFE:  ].  c,  S.  66  a.  G7,  f<iebt  eine  Zusammenstellung  der  im 
Boreich  des  norddoatschen  Flachlandes  aufj^eführten  Tiefbohrungen  und  der 
M&cLtigkeiten  der  dnrchsankcnen  Qu^rtärschichten.  Nur  ca.  15  übertreffen  die 
bier  erreichte  Mächtigkeit. 

*)  A.Jkmtzsch:  Moseumsbericht  f.  1888  u.  Sitz.  -  Ber.  Phys.-ökon.  Ges.  f. 
1889,  3.  4. 

^  Ib.:  Nene  Gesteinsaafschlüsse  in  Ost-  und  Wcstpreussen  1893—1895. 
Dieses  Jahrbuch  1896,  S.  72.    Berlin  1897. 


diagüosticirt.  Wollte  mau  andererseits  (bei  den  Bohrungen  II, 
V,  IX  und  XVIII)  an  eine  Ausquetschung  des  trennenden  Un- 
teren Sand- Horizontes  denken,  so  dass  die  grosse  Mächtigkeit  der 
Geschiebe mergelablagerungen  durch  Uebereinanderlagerung  von 
Oberem  und  Unterem  Geschiebemergel  zu  erklären  wäre,  so  er- 
gäbe das  Profil  der  Bohrungen  1 — VII  in  II  und  V,  wie  das 
der  Bohrungen  VIII — XI  in  IX  eigenthOmliche  Horste  von  Un- 
terem Geschiebemergel,  deren  Existenz  eine  weit  grössere  Unwahr- 
scheinlichkeit  hat,  als  die  Annahme  oberdiluvialer  Ausfbllungen. 
Für  das  Obere  Diluvium  ergeben  sich  so  hier  Mächtigkeiten  von 
z.  B.  59  Meter  (Infanteriekaserne),  85  Meter  (Zuckerfabrik), 
137,5  Meter  (Galgenberg  bei  Rastenburg),  157  Meter  (Bahn- 
übergang bei  Krausendorf  nach  Georgenberg). 

Im  Einzelnen  zeigen  die  Bohrungen  folgende  Schichtenfolge : 


Bohrung 

I. 

Georgenberg  bei 

Kastenbiirg:  138  Meter.     Von  H-  93  Meter  N.  N. 

bis  —  45  Meter  1). 

0     45 

Meter  Goschiebemergel 

.     .     Om    \ 

45     46 

» 

Mergelsand    .     . 

.     .     9ms  r 

OberesDihivinin 

40-47 

» 

Thonmergel  .     .     . 

.     .     Oll     } 

48  Meter. 

47     48 

» 

Geschiebemergel 

.     .     ()m    ) 

48—50 

» 

Thonmergel  . 

.     dh 

50—51 

» 

Mergelsand   .     .     , 

.     dms 

51—65 

» 

Sand 

.     .     ds 

65     68 

y> 

Mergelsaud    .     .     . 

.     dms 

68     74 

» 

Saud 

.     ds 

74—79 

» 

Viergelsaud    .     . 

.     dms 

79—85 

» 

Sand 

.     ds 

85—133 

» 

Mergeli?and    .     .     . 

.     dms 

133     134 

» 

Geschiebemergel  (?^ 

)     .     dm  (?) 

134     138 

» 

Grand .     .     .     .     . 

.     dff 

Das  Filter  steht  bei   135 — 138  Meter.     Wasserauftrieb  bis 

8  Meter  unter  Tage. 


»)  Ib.:  J.  c.  S.  73. 


XXXI 


Bohrung  II. 

Zuckerfabrik  Rasteuburg:    87,5  Meter.     Von 

bis  —  10  Meter. 


77,5  Meter  N.  N. 


0-26 
26—28 
28—61 
61—62 
62—63 
63—71 
71—72 
72—85 
85-87,5 


Meter  Geschiebemergel 
»  Grand  .  .  .  . 
»       Geschiebemergel 

Sand     .     .     .     . 

Thonmergel  .     . 

Geschiebemergel 

Thonmergel  .     . 

Geschiebemergel 


» 


» 


OberesDiluvium 
85  Meter. 


»       Grand 

Das  Filter  steht  bei  83 — 86  Meter,    mit  überlaufendem  Wasser^). 
Nach    Mittheilung    des    Bohruntemehmers     entströmte     dem 
Wasser    bei    ca.  80  Meter  Tiefe    der    Bohrung    brennbares    Gas. 
Dasselbe  entstammt  wohl  den  tiefer  liegenden  Grandschichten. 


Bohrung  III. 

Herr  Wilke,  Kastenburg:  35  Meter.     Von 

bis  -h  43  Meter. 

0 — 3       Meter    Abraum    und    Aufschüttung 

3—8  »       Grand c)g 

8 — 25         »       Geschiebemergel     .     .     9m 
25-35+    »       Sand ds 


78  Meter  N.  N. 


OberesDiluvium 
25  Meter. 


Bohrung  IV. 

Rastenburg,   Schlachthof:    73,6  Meter.     Von 

bis  4-  10  Meter. 

0 — 40     Meter  Geschiebemergel     .     .     Om 

40—73         »       Sand ds 

73 — 73,6-H- »       Geschiebemergel     .     .     dm 


83,6  Meter  N.  N. 

OberesDiluvium 
40  Meter. 


*)  Dass  dieser  Brunnen  artesisches  Wasser  ergiebt,  zeigt  sich  unmittelbar  aus 
dem  Vergleich  mit  den  benachbarten  Bobrungen  I  und  III.  Bei  der  ersten  liegt 
der  Beginn  des  wasserführenden  Horizontes  in  +  43  Meter  Höhe,  bei  der  an- 
deren bei  4-  53  Meter,  während  hier  derselbe  Horizont  bei  —  7,5  Meter  Höhe  liegt. 


xxxn 


86  Meter  N.  N. 


OberesDiluviuni 
140  Meter. 


Boliriiiig  V. 

Rasteubiirg,  Stadtschule:   147,7  Meter.     Von 

bib  —  61,7  Meter. 
Meter  Alter  Bniuuenschaelit 
Grand 

Geschiebemergel 
Mergelsaud  . 
Sand    .... 
Mergelßand  .     . 
Geschiebemergel 
Thonmergel . 
G  eschiebeniergel 
Thonmergel  .     . 
Geschiebemergel 
Thoumergel . 
Goschiebemergel 
Mergelsaud  . 
Thoumergel  . 
Mergelsand  .     . 
Sand    .... 

Bei  dieser  Bohrung  könnte  man  mit  einem  gewissen  Hecht 
das  Untere  Diluvium  schon  bei  27  Meter  beginnen  lassen,  da  hier 
bis  38  Meter  Sand  {ohrt.  Da  diese  Sande  aber  nicht  wasser- 
führend  waren,  so  werden  sie  und  die  folgenden  Schichten  noch 
zum  Oberen  Diluvium  gezogen. 


0-10 

10-11 

11-27 

27—28 

28-  38 

38-41 

41—1^0 

•JÜ- !)  1 

91  —  115 

115—116 

116—124 

124-126 

126—140 

140—141 

141  —  143 

143—144 
144—147,7 


» 


» 


» 


» 


» 


» 


» 


» 


» 


» 


» 


» 


» 


» 


» 


» 


dm 

Oms 

Ds 

Dms 

Om 

Oh 

c)m 

ü\i 

Dm 

Oh 

Om 

dms 

dh 

dms 

ds 


Bohrung  VI. 

Uastenburg,  Brauerei  Schrempf:  70  Meter. 

bis  4-  13  Meter 

0 — 39     Meter  Geschiebomergel 

39-41  »       Thonmergel 

41 — 49  »       Mergelsand  . 

49-59         »       Sand  . 
59  -  60 
60-64 


» 
» 

» 
» 


Thonmergel 
Sand  . 


Von -f- 83  Meter  N.  N. 


..^       {  OberesDiluviuni 


dh 

dms 

ds 

dh 

ds 


l        39  Meter. 


xxxni 

64—65    Meter  Mergelsand dms 

65—68        »       Sand ds 

6S~7Ü4-    »       Geschiebe  ine  rgel  .     .     .     dm 

Bohrung  VII. 

Rastenburg,  Infanteriekaserne:  75  Meter.     Von  H-  94  Meter  N.  N. 

bis  -\-  19  Meter. 

0-59    Meter  Geschiebemergel    .     .     .     dm    \         »iQ  M  f 

59-60        »       Mergelsand dms 

60-75 -h    »       Sand ds 

VoD  G3— 72  Meter  sehr  viel  Wasser,   das  aber   nur  bis  18  Meter 

unter  Tage  aufsteigt. 


Karlsb 


erg 


Bohrung  Vlll. 

bei  Rastenburg:   68  Meter.      Von 

bis  4-  19,5  Meter. 


0-^2 

Meter 

Geschiebemergel 

2-^3 

» 

Grand     .     .     . 

3-28 

» 

Geschi  ebe  mergel 

28^30 

» 

Grand      .     .     . 

30^36 

» 

Geschiebemergel 

36-38 

» 

Thon  mergel 

38-55 

» 

Geschiebemergel 

55-56 

» 

Thon  mergel 

56-^03 

» 

Geschiebemergel 

63-68 

» 

Sand  .... 

87,5  Meter  N.  N. 


\  OboresDiluvium 
63  Meter. 


Bohrung  IX. 

^^'genberg  I,  westlich  Kastenburg:   142  Meter.     Von 

N.  N.  bis  —  72  Meter. 


0-18 

Meter  Geschiebemergel   . 

.     .     Om 

18-19 

» 

Thonmergel      .     . 

.     Öh 

19-20 

» 

Geschiebemergel 

.     <)m 

20-22 

» 

Sand  .... 

.       .       ÖS 

22-24 

» 

Mergelsand .     .     . 

.     .     Dms 

J«hrb«eli   ] 

L900. 

70  Meter 


OberesDiluvium 
137,5  Meter. 


XXXIV 


24 — 26       Meter  Geschiebemersel 


26- 

28- 

58- 

61- 

104,5- 

105,5- 

137,5- 


28 

58 

61 

104,5 

105,5 

137,5 

142 


» 


» 


Thonmergel  .  . 
Geschiebemergel  . 
Thonmergel  .  . 
Geschiebemergel  . 
Sand 


Gesch  iebeme  rgel 


» 


Sand 


dm 

Öh 

dm 

mi 

dm 
Os 
Om 
ds 


OberesDiluvium 
137,5  Meter. 


Bohrung  X. 
Gnlgenberg  II,  westlich  Kastenburg:  72  Meter.    Von  +  G2,ö  Meter 

N.  N.  bis  —  9,5  Meter. 


0-3 

Met( 

ir  Sand 

8 

3-8 

» 

Thonmergel      .     .     . 

.    dh 

\ 

8     24 

» 

Geschiebemergel   .     . 

.     dm 

f  OberesDiluvium 

24     30 

» 

Thonmergel      :     .     . 

.    dh 

/         57  Meter. 

30    (;o 

» 

Geschiebemergel  .     . 

.     dm 

) 

60     64 

» 

Grand 

.     Jg 

64-72-4- 

» 

Sand 

.     ds 

Bohrung  XI. 

Muhlack,  Dorfstrassc,  östlich  der  Chaussee:  21  Meter. 

Von  4-  78  Meter  N.  N.  bis  +  57  Meter. 

0—2    Meter  Thonmergel dh 

2 — 15      »       Geschiebemerjjel      .     .     .     dm 

15  —  17      »       Grand )  p 

17  —  21       »       Sand \' 

Sowohl  die  Grand-,  wie  die  Sandschichten  sind  nicht  wasser- 
gebend. Ihrem  Alter  nach  sind  sie  wohl  oberdiluvial,  da  bei  An- 
ordnung der  Bohrungen  VIII  — XI  zu  einem  Querprofil  in  den 
vorhergehenden  Bohrungen  die  wassergebenden  Unteren  Sande 
erst  bei  weit  bedeutender  Tiefe  sich  einstellen  und  in  Bohruntf  VIII 
sich  etwa  in  gleicher  Höhenlage  (ca.  +  60  Meter)  2  Meter  Grand 
linden.     Bei  Weiterführung    der   Muhlacker  Bohrung    würde  sich 


XXXV 


wohl  bald  wieder  Oberer  Geschicbemergel  eingestellt  haben,  wie 
es  nach  Aussage  eines  dortigen  Besitzers  sogar  der  Fall  gewesen 
sein  soll. 


0—13,5  Meter  Alter  Brunnenschacht 


Bohrung  XII. 
Karlshof,  ostlich  Rastenburg:  85  Meter.     Von 

bis  -f-  10  Meter. 


c)s 

c°)m 

9h 

Om 

üs 

9m 

ds 


95  Meter  N.  N. 


13,5-21 
21-22 
22-55 
55—56 
5G-75 
75-76 
76-77 
77-85 


» 


OberesDiluvium 
77  Meter. 


Goschiebemergel . 

Sand 

Geschiebemergel  . 
Thouniergel  .  . 
Geschiebemergel  . 

Sand 

Geschiebemergel  . 
Sand 

Das  Filter  steht    bei  82—85  Meter.     Wasserauftrieb    bis  2  Meter 

unter  Tage. 


Bohrung  Xlll. 
Kraiisendorf,  östlich   Rasteuburg,   Epileptische  Austalt:    97  Meter. 

Von  -h  92  Meter  N.  N.  bis  —  5  Meter. 

0-  30  Meter  Geschiebemergel     .     .     .  9m 

30-32  *  Grand 9g 

32—62  »  Geschiebemergel     .     .     .  9m 

62 — 63  »  Sand 9s      \  OberesDiluvium 

63—66  »  Thonmergel 9h     /         75  Meter. 

66—67  »  Sand 98 

67 — 70  »  Thonmergel 9h 

70—75  »  Geschiebemergel     .     .     .  9m 

75 — 77  »  Sand ds 

77  —  78  »  Thonmergel dh 

78-97+    »  Sand ds 

Filter  ist  unten  eingesetzt,  Wasserauftrieb  bis  4  Meter  unter  Tage. 

c* 


XXXVI 


Bohrung  XIV. 

Abbau  Krausendorf:  96  Meter.     Von  +  94 

—  2  Meter. 

0—30    Meter 

Geschiebemergel  .     .     .     dm 

80-30,5      » 

Kalk dk 

30,5—75         » 

Geschiebemergel  .     .     .     öm 

75—76         » 

Sand Os 

76—80         » 

Geschiebemergel .     .     .     c)m 

80-96-+-    » 

Sand ds 

94  Meter  N.  N.  bis 


Oberes  Diluviun 
80  Meter. 


Wasserauftrieb  bis  4  Meter  unter  Tage. 

Bohrung  XV. 

Rastenburg,  Brauerei-Actiengesellschaft:  42  Meter. 

36  Meter. 


0- 

3- 

10 

32- 

35- 


Von  4-  78  Meter  N.  N.  bis 

3     Meter  Alter  Brunnenschacht 

10       »       Grand Ög 

-32       »       Geschiebemergel  ....  dm 

35       »       Thonmergel dh 

42  H-  »       Saud ds 


OberesDiluvium 
32  Meter. 


Boh  rung  XVI. 

Blindensee,  nördlich  Rastenburg:  75  Meter.    Von  -f- 84  Meter 

N.  N.  bis  -h  9  Meter. 

0—3  Meter  Torf t 


3-5 
5—33 
33-35 
35-3G 
36—46 
46-47 
47-69 
69—70 
70—75 


» 


» 


» 


» 


Kalk k 

Geschiebemergel    ....  8m 

Sand 8s 

Mergelsand dms 

Geschiebemergel    ....  8m 

Sand 8s 

Geschiebemergel   ....  8m 

Sand ds 

Mergelsand dms 


OberesDihivium 
64  Meter. 


?  da  nicht 
wassergebeud. 


Nach  den  Magistratsacten  folgt  noch  bis  77  Meter  Sand. 


xxxvn 


Bohrung  XVII. 

Torfbnich,  södlich  Langenberg  bei  Rastenburg:   70  Meter. 
Von  4-  81  Meter  N.  N.  bis  4-  5  Meter. 

0-1  Meter  Torf    .... 


1-10 
10-16 
16-21 
21-23 
23-39 
39-41 
41-76 


Geschiebemergel 
Mergelsand  .  . 
Geschiebemergel 
Sand  .... 
Geschiebemergel 
Sand  .... 
Geschiebemergel 


t 

dm 

dms 

dm 

Os 

dm 

9s 

am 


OberesDiluvium 
75  Meter. 


» 


OberesDiluvium 
157  Meter. 


y> 


Bohrung  XVIII. 

BahDübergang  von  Krausendorf  nach  Georgenberg:  160  Meter. 

Von  H-  81  Meter  N.  N.  bis  —  79  Meter. 

0-3 
3-31 

31-32 

32-80 

80-82 

82-121 
121  — 12Ü 
129—145     » 
145—146     » 
1 4  6—  1 60     »       Geschiebemergel 

Yen  82 — 83  Meter  und  von  149 — 150  Meter  aufgearbeitete  Braun- 
kohleuletten,   von  151  Meter  ab  glaukouitisch,    von  156  Meter  ab 

sehr  sandig. 

Zu  diesen  Bohrungen,  die  ihrer  Lage  nach  genau  bekannt 
sind  und  oben  zu  vier  Gruppen  angeordnet  worden  sind,  so  dass 
die  Bohrungen  I— VII,  VIII— XI  und  XII-XV  auf  ungefähr  je 
einer  Geraden  liegen,  während  XVI— XVIII  ohne  Beziehung  zu 
einander  sind,  treten  noch  auf  dem  Terrain  der  Infanteriekaserne- 
ments  folgende  vier  Bohrungen: 


Meter  Aufschüttung 
»  Geschiebemergel 
Thonmergel  .  . 
Geschiebemergel 
Grand  .  .  .  . 
Geschiebemergel 
Sand  .  .  .  . 
Geschiebemergel 
Sand     .     .     .     . 


xxxvrii 


1.    69,4  Meter. 

0  —  30     Motor  (Toschicbemergel  .  . 

30—36         »       Tlioninorgel     .     .  .     , 

36—46         »       Geschiebemergel  .  . 

46 — 52,4      »       Fayencemergel     .  . 

Thonmergel     .     .  .     . 

Sand , 

Geschiebemergel .  .     . 


52,4-64 
64-69,4 
69,4 


» 


» 


Dm 

Oh 

9m 

dms 

dh 

d8 

dm 


0 

39- 
40 
63 
70 


39 
40 
63 
70 
72,5 


2.    72,5  Meter. 

Meter  Geschiebemergel 
Thonmergel 
Geschiebemergel 
Sand  .... 
Geschiebemergel 


y> 


» 


3.    Kaserne  I. 


Öm 

Ml 

<)m 

ds 

dm 


89  Meter. 


0 

m 

o- 

ly- 

21- 

37 

43 

77 

78- 

84 

86- 

88 


5  Meter  fehlt,  sicher  aber  Geschiebemergel 


19 
21 
37 
43 

77 
78 
■84 
86 
■88 
89 


» 


» 


» 


» 


» 


» 


y> 


» 


» 


Geschiebemergel 

Thonmergel .     . 

üeschiebemergol 

Thonmergel . 

Goschiebemergel 

Thonmergel . 

Gesell  iobemergel 

Gnind 

Sand  mit  Lignit 

Thonmergel  .     . 


dm 

Oh 

9m 

9h 

9  m 

9h 

9m 

dg 
ds 

dh 


OberosDiluvii 
46  Meter. 


OberesDiluvii 
63  Meter. 


OberesDiluvi 
84  Meter. 


0- 


9._ 

30- 
37,5- 


4.    Kaserne,  Brunnen  III:  7G  Meter. 

2      Meter  fehlt,   sicher  aber  Geschiebe- 
mergel 
30        »       Geschiebemergel.     .     .     9m 
37,5     »       Mergclsand     ....     9ms  \ 
45         »       Geschicbcmergel      .     .     9m 


OberesDiluvi 
66  Meter. 


45--47    Meter  Thonmergel    .     . 

47— 5J,6     »  Geschiebemergel 

5I,ß-53,7     »  Grand  .     .     .     . 

oÜ,7— 56        »  Fayencemergel    . 

56—58        »  Geschiebemergel 

58-58,25  »  Sand     .     .     .     , 

58,25—61        »  Geschiebemergel 

61—64        »  Fayencemergel    , 

64—66        »  Geschiebemergel 

66—76+  »  Sand     .     .     .     . 


Oberes!)  iluviu  m 
66  Meter. 


II.  Stille.  Mittheilungen  aus  dem  Aufnahmegebiete 
am  södlichen  Teutoburger  Walde  (Eggegebirge). 

Die  Aufnahmen  im  Sommer  1900  auf  Blatt  Altenbeken, 
dem  südlich  hieran  angrenzenden  Blatte  Lichtenau  und  im  süd- 
westlichen Theile  des  nach  O.  auf  Lichtenau  folgenden  Blattes 
Willebadessen  umfassen  den  nord-südlich  verlaufenden  Haupt- 
zug des  Teutoburger  Waldes,  das  sogenannte  Eggegebirge,  zwischen 
Willebadessen  und  der  lippeschon  Enklave  Grevenhagen  nördlich 
Altenbeken,  das  benachbarte  östliche  Vorland  des  Eggegebirges  und 
einen  Theil  der  westlich  an  die  Egge  sich  anschliessenden  Pläner- 
hochflächen. 

Trias  und  Jura  im  Vorlande  der  Egge  nehmen  im  östlichen 
Theile  der  Blätter  Altenbeken  und  Lichtenau  nur  schmale  Zo- 
nen ein;  der  ganze  übrige  Theil  der  Blätter,  die  Egge  und  ihr 
festliches  Hinterland,  gehören  schon  zur  westphälischen  Kreide- 
mulde. 

In  Bezug  auf  die  Gliederung  des  Wellenkalkes,  der  auf 
Blatt  Altenbeken  am  östlichen  Abfall  der  Egge  zum  Driburger 
Thale  in  seiner  ganzen  Mächtigkeit,  im  nordöstlichen  Theile  von 
Blatt  Lichtenau  nur  in  seiner  oberen  Abtheilung  entwickelt  ist, 
haben  sich  einige  bemerkenswerthe  Resultate  ergeben.  Grössere 
Profile  fehlen  am  O. -Hange  der  Egge;  seine  Gliederung  musste 
deshalb  vornehmlich  auf  den  anschliessenden  Blättern  Driburg, 
Sandebeck  und  Steinheim,  namentlich  entlang  der  Bahnstrecke 
Himmighausen  -  Bergheim,    bei  Sandebeck,    im  Bahneinschnitt  am 


XL 

Lilienberge   östlich  Driburg,   am  Schweinsberg   nordwestlich    Dri- 
burg u.  8.  w.  untersucht  werden  ^). 

Alle  aufgenommenen  Profile  zeigen,  dass  dünnere  feste  Bänke 
oolithischen  oder  krystallinischen,  auch  wohl  etwas  schaumigen 
Kaikos  in  jedem  Niveau  die  eigentlichen  Wellenkalke  unterbrechen 
können;  im  Allgemeinen  schwanken  diese  aber  sehr  in  Bezug  auf 
Besch.'ifiVnheit,  Mächtigkeit  und  seitliche  Ausdehnung,  wie  schon  der 
Vergleich  der  beiden  kaum  1  ^2  Kilometer  auseinanderliegenden  Profile 
von  Station  Himmighausen  (Blatt  Sandebeck)  und  Dorf  Himmig- 
hauseu  (Blatt  Steinheim)  zeigt;  vielfach  handelt  es  sich  nur  um 
dünne,  lager-  oder  linsenartige  Einschaltungen,  die  sich  bald  aus- 
keilen. Danei^en  kehren  dann  gleichmässig  Zonen  fester  Bänke 
wieder,  die  wohl  als  die  Vertreter  der  auch  sonst  überall  im 
Wellenkalke  des  nordwestlichen  Deutschlands  ausgeschiedenen 
Zonen  anzusehen  sind,  wenn  auch  ihre  petrographische  Ausbildung 
zum  Theil  von  der  in  weiter  östlich  gelegenen  Gegenden  recht 
abweicht.  —  Ob  die  an  der  Egge  durchführbare  Wellenkalk- 
gliederung  auch  für  das  weitere  östliche  Westphalen  Gültigkeit 
hat,  oder  ob  es  sich  hier  um  ganz  locale  Ausbildungen  handelt, 
müssen  spätere  Untersuchungen  zeigen. 

Die  tiefste  dieser  gleichmässig  wiederkehrenden  Zonen  fester 
Bäuke  im  Wellenkalke  liegt  gleich  im  Hangenden  des  Roth.  Sic  ist 
charakterisirt  durch  rothbraune,  krystallinische,  harte,  dolomitisclie 
Kalke,  bei  deren  Verwitterung  sich  die  einzelnen  Kryställchen 
isoliren  und  das  Gestein  mit  einer  sich  sandig  anfühlenden, 
mürben  (»Kalksand«-)  Kruste  umhüllen.  Am  Steilhang  oberhalb 
der  Quelle  »Bollerwien«,  am  Waldrande  südöstlich  des  Stellberges 
bei  Driburg,  wurde  Profil  I,  600  Meter  weiter  nördlich  im  »Katz- 
hohl« Profil  II  aufgenommen:  ,  ,. 

Hangendes:  normale  Wellenkalke; 

1.  blaugraue,   feste,  etwas  oolith.  Kalk- 

bank       0,12  0,06 

2.  normaler  Wellenkalk 0,24  0,28 

')  Der  Auffassung  Fhaxtzln's  über  die  Hinimighausencr "  Profile  (dieses 
Jahrbuch  f.  1889,  S.  457-4(>7)  kanu  ich  mich  in  mancher  Beziehung  nicht  an- 
schliessen,  da  einzelne    in  ihnen  enthaltene  Störungen    nicht  berücksichtigt  sind. 


0,26 

0,78 

0,42 

\    nur  sehr 

0,44 

1     unvoll- 

'   kommen 

1,G0 

aufge- 

m 

schlossen 

XLI 

1.  IL 

Meter  Meter 

3.  wie  1 0,12  0,15 

4.  rothbrauner,    krystallinischer,  harter, 

dolomitischer  Kalk  mit  mQrber,  aus 
£inzelkrystallchen  bestehender  Ver- 
witterungskruste       1,70  1,07 

5.  graublaue,  bei  Anwitterung  bräunlich 

gesprenkelte^  harte  Kalkbank   .     . 

6.  wie  4 

7.  graue,  mürbe,  stark  mergelige  Kalke 

8.  eigelbe  Kalke,  durchzogen  von  Kalk- 

spathschnüren,  z.Th.  zellenkalkartig 

9.  wie  7.    noch    0,20    Meter    aufgeschlossen 
Liegendes:  rothe  Thone  des  Roth. 

Etwa  35  Meter  oberhalb  der  Röthgrenze  liegt  eine  weitere 
2iOne  festerer  Bänke,  die  sich  als  mehr  oder  weniger  deutlicher 
erster  Absatz  im  Welleukalkanstiege  entlaug  der  O.-Seite  der 
Egge  hei  Driburg  verfolgen  lässt.  Nach  den  Lagerungsverhält- 
nissen entspricht  sie  wohl  der  Oolithzone,  wenn  auch  ihre  petro- 
graphische  Entwickclnng  recht  abweicht  von  der  der  Oolithzonen 
anderer  Gegenden. 

Profil     der    Oolithzone     aus     dem     Bahneinschnitt     am 

Lilienberge  westsüdwestlich  Driburg. 
Hangendes:  normale  Welleukalke, 

0,11  Meter  festerer,  gleich  massigerer,  grauer  Kalk, 

0,12       »      normaler  Wellenkalk, 

0,04        »      blaugrauer,  oolithischer  Kalk. 

3,00       »  a)  festere,  gelbe  bis  gelbgraue  Kalke  0,90  Meter. 

b)  dünnschichtige,  gelbe  Kalke  .     .  0,80      » 

c)  festere,  gelbe  bis  gelbgraue  Kalke  1,30      » 
2,60        »  Zone  fester  Bänke  von  gleichmässigem,  grauem, 

z.    Th.  etwas    oolithischem    bis    schaumig- 
oolithischem  Kalke,   der  vielfach    in   echte, 
dann  aber  immer  dickbankige  Wellenkalke 
überfjeht. 
Liegendes:  normale  Welleukalke. 


XLII 


Profil  der  Oolithzone  vom  Schweinsberg,   uordwestlich 

Driburg. 

(800  Meter  östlich  O.-Rand  von  Blatt  Altenbeken.) 


Hangendes : 
1.  3,15  Meter 


2.  2,53     » 


Liegendes  : 


Wellenkalke. 

a)  festere,   eigelbe  Kalke  von  sehr 

gleichmässigem  Geflttge  .     .     .   1,25  Meter. 

b)  dünnschichtige,  graue  Kalke  .     .0,10      » 

c)  festere,     gleichmässigere,    grau- 

gelbe  bis   braungelbe  Kalke    .  1,80      » 

Zone  fester  Bänke  eines  gleichmässigeren 
Kalkes,  der  in  Wellenkalk,  gewöhnlich 
dann  recht  dickbankigen,  übergeht.  Ein- 
gelagert enthält  sie  eine  etwa  ^2  Meter 
starke  Bank  von  festem,  blauem  bis  blau- 
grauem, bei  Auwitterung  rostfarbenem  Kalke 
von  etwas  oolithischer  Structur;  in  diese 
wieder  eingeschaltet  dünne,  bald  sich  aus- 
keilende Wellenkalklagen. 
Wellenkalke. 


Die  Oolithzone  ist  danach  an  der  Egge  bei  Driburg  vertreten 
durch  eine  im  Terrain  sich  deutlich  abhebende  Folge,  fester,  ho- 
mogener, zum  Theil  auch  etwas  oolithischer,  blaugrauer  bis  grauer 
Kalke,  die  in  echte,  dann  aber  dickbankige  Wellenkalke  über- 
gehen können,  und  über  denen  3  Meter  gelbe  Kalke  folgen;  die 
Mächtigkeit  der  ganzen  Zone  beträgt  gegen  6  Meter.  Als  Decke 
des  Plateaus  der  Iburg  und  des  Bergrückens  zwischen  Iburg  und 
Driburger  -  Pforte  tritt  sie  in  etwas  grosserer  Breite  zu  Tage, 
während  sie  sich  sonst  als  schmales  Band  am  Hange  hinzieht  und 
hier  an  den  verschiedensten  Stellen  zwischen  Frauenthalsgrund 
und  Schweinsberg  zu  beobachten  ist. 

Etwa  25  Meter  über  der  Oolithzone  liegt  eine  dieser  petro- 
grnphisch  ähnliche  Folge  festerer  Bänke,  ebenfalls  begleitet  von 
gelben  Kalken,  die  nach  ihren  Lagerungsverhältnissen  der  Zone 
der  Terebra telbänke  entsprechen  dürfte.     Im  Terrain  ruft  sie 


XLIII 

eine  deutliche  Kante  hervor;  etwa  von  derlbnrg  bis  zum  Klüsen- 
berge  am  östlichen  Hange  der  Egge  bildet  sie  den  oberen  Ab- 
8chlusd  des  steilen  Wellenkalkhanges  Ober  dem  Dribnrger  Thale. 
üeberall,  wo  genauere  Profile  zu  beobachten  waren,  so  bei  Sande- 
beck, Himmighausen,  Driburg  und  Neuenheerse,  fanden  sich  in 
ihrem  Liegenden  mehrere  Meter  sehr  mftrber,  stark  mergeliger, 
dönnschichtiger  Kalke,  auf  die  wohl  zum  Theil  auch  das  deutliche 
Hervortreten    der  Terebratelzone   im   Terrain   zurückzuführen   ist. 

Auch  in  der  Terebratelzone  liegen  zu  unterst  sehr  feste, 
dickbankige  Wellenkalke,  die  in  blaue  bis  blaugraue,  dichte,  zum 
Theil  etwas  schaumige,  zum  Theil  auch  oolithische  Bänke  über- 
sehen. Hierüber  folgen  nach  einer  geringen  Wellenkalkzwischen- 
lagerung  etwa  3  Meter  ziemlich  fester,  eigelber  Kalke. 

Die  durchschnittliche  Mächtigkeit  der  Terebratelzone  au  der 
Egge  beträgt  etwa  7  Meter. 

Profil  der  Terebratelzone  vom  Bahnhofe  Himmighausen. 

Hangendes:  Wellenkalke,  unterbrochen  von  einigen  dünnen, 

festeren,  etwas  oolithischeu  Bänkchen. 

3,25  Meter     \  ^J^  ^**«'-  Sl'-^b'-aune,      )   ^.^^^^ 

l   2,90       »       eigelbe,  ) 

0,85       »  dünnschichtiger  Wellenkalk, 

1,80       »  feste  Wellenkalkbänke,   übergehend  in  blaue  bis 

blaugraue,  wenig  schaumige,  zum  Theil  auch 
etwas  oolithische  Kalkbänke  (bilden  die  Kante 
des  »Vossberges«,  beim  Bahnhofe. 

Uegendes:  mürbe,  dünnschichtige  Mergelkalke. 

Die  Mächtigkeit  des  noch  über  den  Terebratelbänkeu  folgen- 
den Unteren  Muschelkalkes  beträgt  gegen  50  Meter,  damit  die 
des  gesammten  Wellenkalkes  etwa  120  Meter. 

Die  obersten  20—25  Meter  des  Wellenkalkes  sind  an  der 
Egge  charakterisirt  durch  schaumige  Bänke,  sowie  durch  feste 
Knorpelkalke  von  grösserer  Mächtigkeit,  die  an  zahlreichen 
Stellen  als  Werkstein  oder  zur  Wegebeschotterung  gebrochen  wer- 
den.     Dieser   obere  Theil  hebt  sich  im  Terrain  deutlich  von  den 


xuv 

liegenden  Schichten  ab;  östlich  Driburg,  am  Stellberge  und  weiter 
nördlich,  bezeichnen  stellenweise  förmliche  kleine  Klippen  seinen 
Beginn.  Die  Knorpelkalke  können  sich  in  den  verschiedensten 
Horizonten  dieser  obersten  Abtheilung  finden;  in  einem  tiefen 
Niveau  liegen  sie  am  Stellberg  östlich  der  Oekonomie  »Lachenichtc 
und  weiter  nördlich,  wo  sich  folgendes  Profil  ergab: 

Hangendes:         Wellenkalke,  noch  1  Meter  aufgeschlossen, 

0,04  Meter  feste,  graue  Kalkbank, 

0,06       »  normaler  Wellenkalk, 

0,19       »  grauer  Schaumkalk, 

0,80       »  feste,  graue  Knorpelkalke, 

0,40       »  normaler  Wellenkalk. 

Liegendes:  dickbankiger,    fester,    grauer    Wellenkalk,     noch 

0,75  Meter  aufgeschlossen. 

In  den  Profilen  von  Himmighausen  finden  sich  die  Knorpel- 
kalke etwa  16  Meter  unter  dem  Mittleren  Muschelkalke,  und 
einen  ähnlichen  Horizont  mögen  sie  auch  zwischen  Hausheide 
und  Klusenberg  einnehmen,  während  sie  weiter  südlich  bis 
Neuenheerse  hin  bedeutend  höher  liegen  dürften.  Bald  unter  der 
Grenze  gegen  Mittleren  Muschelkalk  werden  Knorpelkalke  zur 
Beschotterung  der  fiskalischen  Waldstrasseu  südöstlich  des  Dübels- 
nackens  (zwischen  Altenbekeu  und  Driburg)  gebrochen.  Gelbe 
Kalke  finden  sich  im  oberen  Wellenkalke  in  der  Gegend  des 
Bodenthaies  und  Nethenberges  (Blatt  Lichtenau)  in  geringer 
Mächtigkeit;  weiter  nördlich  auf  Blatt  Altenbeken  scheinen  sie 
zu  fehlen. 

Die  Lage  der  Schaumkalkbänke  im  obersten  Wellenkalke 
ergiebt  sich  für  das  gleich  nördlich  Altenbeken  folgende  Gebiet 
aus  dorn  Profile  im  Bahneinschnitte  900  Meter  westlich  Dorf 
Himmighausen: 

Hangendes:  Mergel  des  Mittleren  Muschelkalkes, 

1.   14,48  Meter  Wellenkalke,    die  obere  Hälfte   sehr  mürbe  und 

stark  mergelig,  mit  b  zwischen  2  und  5  Centi- 
meter  schwankenden,  schaumigen  Bänkchen, 


XLY 

2.  0,35  Meter  grauer    Schaum  kalk    mit    Uebergängen    zu 

Wellenkalk,  ganz  erföllt  von  Steinkernen  und 
Abdrücken  von  Myopharia^  Gervillia^  Pecten^ 
Turbo  u.  8.  w. 

3.  1,38      »       Wellenkalke,  die  obere  Hälfte  fester  und  dick- 

bankiger, 

4.  1,20      »       feste  Bänke  knorpeligen  Kalkes, 

5.  0,50      »       festerer^    grauer,    einigermaassen  ebenschichtiger 

Kalk, 

6.  6,28      »       Wellenkalke,    zu     oberst    etwas    mergelig    und 

dünnschichtig,    mit   drei  dünnen,  schaumigen 
Bänkchen, 

7.  0,13      »       Schaumkalk,    in     Folge    eingelagerter,   gelb- 

grauer Thonb rocken    von   conglomeratischem 
Aussehen. 

Liegendes:  mürbe,      stark     mergelige,      darunter     normale 

Wellenkalke. 

Es  sind  also  bei  Himmighausen,  abgesehen  von  einer  Reihe 
döoner  schaumiger  Bänkchen,  zwei  stärkere  Schaumkalkbänke 
vorhanden,  die  wir  vielleicht  mit  der  unteren  und  mittleren 
Schaumkalkbank  des  südlichen  Hannovers  u.  s.  w.  in  Vergleich 
bringen  können.  Die  obere  Schaumkalkbank  dürfte  möglicher- 
weise irgendwie  durch  die  dünneren  ßaiikchen  unter  1.  in  obigem 
Profile  vertreten  sein. 

Nach  dem  Auftreten  der  Schaumkalkbänke  gehören  wohl 
die  ganzen  oberen  24  Meter  des  Himmighausener  Wellenkalkes 
der  Schaumkalkzone  au.  Vergleichen  wir  allerdings  das  Himmig- 
hausener Profil  mit  den  von  W.  Frantzen  und  A.  von  Koenen  ^) 
publicirten  Wellenkalkprofilen,  speciell  mit  dem  nicht  sehr  fern- 
gelegenen Warburger  Profile,  in  dem  die  Schaumkalkzone  fol- 
gendermaassen  gegliedert  ist: 

0  W.  FeANTzifif  und  A.  von  Koemkn,  Ueber  die  Gliederung  des 
Wellenkalkes  im  mittl.  u.  nordwestl.  Deutschland.  Dieses  Jahrbuch  1888, 
S.  440-452. 


LVI 

tlioil weise  wohl  durch  A  iifschQttuog  noch  beträchtHch  erhöht, 
laufen,  theilwi  ise  danimartig  scharfen  Zügen  zusammen 
nehmen  stellen wi'iso  den  Charakter  einer  echten  Endmoräne 
Besonders  der  Schncckonberg  bei  Garlin,  der  sich  als  lai 
dammartiger  Rücken  bis  zur  Seehöhe  von  66  Metern,  2G  M 
über  der  Umgebung  erhebt,  bietet  mit  den  aufgesetzten  Gra 
und  Steinkuppen«  die  an  einer  Stelle  den  Charakter  einer  Bl< 
|>ackung  annehmen,  das  Bild  einer  echten  Endmoräne  dar. 
Während  die  Endmoräne  im  südwestlichen  und  mittleren  Tl 
von  Blatt  Kambow  durch  einen  Zug  grosser,  flacher  Du 
raijunjjen  vertreten  wird,  theilt  sie  sich  schon  im  nord- 
liehen  Theile  dieses  Blattes,  viel  deutlicher  aber  im  diesjähri 
Gebiete,  in  mehrere  (3  bis  4)  hinter  einander  liegende  Zf 
Während  der  Eisrand  im  ersteren  Gebiet  längere  Zeit  still 
(unterdessen  wurden  die  grossen  Sandrflächen  der  Damniro 
Forsten  uud  des  Stavenow-Dargardter  Waldes  gebildet  und  entsi 
die  grosse  Ausstrudeluug  des  Rambower  Sees),  zog  er  siel 
seinem  weiter  nordöstlichen  Verlaufe  ruckweise  in  kurzen  Etap 
ein  Stück  weit  zurück,  jedesmal  eine  mehr  oder  weniger  ^ 
artige  Aufpressuug  (theils  auch  Aufschüttung)  und  ein  di 
entsprechendes  System  von  Schmelzwasserrinnen  hinterlass< 
Die  Hauptsanmielrinne  bildete  dabei  stets  das  kurz  vor 
äussersteu  Etappe  verlaufende  Löcknitzthal. 

An  dorn  die  mecklenburgische  Grenze  bildenden  Thal  br 
die  Endnioräue  kurz  und  unvermittelt  ab  und  findet  in  den  flac 
Laiulschaftsformeu  jenseits  derselben  keine  deutliche  Fortsetzu 
Ihre  VerlänjjeruuiX  würde  fast  rechtwinklich  auf  die  gn 
mecklenburgische  Endmoräne  tier  Kühner  Berge  stossen.  Um 
Endmoräne  scheint  also  einen  vorgeschobenen  Bogen  zu  die: 
grossen  Endmoräueuzuge  zu  bilden.  An  Grossartigkeit  sind  d 
verhältnissmässig  niedrigen  Höhenzüge  allerdings  nicht  mit 
zwei-  bis  dreimal  höheren  Kühner  Beriten  ver<;leich!)ar. 

Der  vorderste  Zug  unserer  Endmoräne  besteht  aus  ziem 
breiten  Durchragungsberijen,  der  »Markscheide«  südlich  Street 
der  Höhe  56  bei  Bootz.  dem  >Bootzer  Berjje«.  Die  wen 
deutliche  Fortsetzung    dieses   Zuges    dürfte    der  Höhenrückeu 


XLvn 

Als  zusammenhängendes  Band  verläuft  der  Neocomsandstein 
entlang  der  Kante  des  Eggegebirges.  Er  wird  unterlagert  vom 
N.-Rande  des  Blattes  Altenbeken  bis  zum  Rehberge  von  Lias, 
am  südlichen  Rehberge  von  Gypskeuper,  Trochitenkalk,  Wellen- 
kalk und  Mittlerem  Muschelkalke,  von  hier  an  bis  zur  »Klus- 
weide«  auf  6  Kilometer  nord-südlicher  Erstreckung  von  Mitt- 
lerem Muschelkalke,  in  der  Gegend  der  Försterei  Klusweide 
vou  Unterem,  Mittlerem  und  Oberoin  Muschelkalke,  von  der  Klus- 
weide bis  zum  Netheberge  nordwestlich  Neuenheerse  von  Oberem 
Welleukalke,  vom  Netheberge  an  bis  Aber  Willebadessen  hinaus 
von  Keuper,  und  zwar  im  Allgemeinen  von  Mittlerem  Keuper, 
nur  in  der  Gegend  des  grossen  Neuenheerser  Bahneinschnittes 
auch  von  Rhätkeuper.  Auf  den  südlich  an  das  diesjährige 
Aufnahmegebiet  anschliessenden  Blättern  Peckelsheim  und  Klei- 
nenberg liegt  der  Neocomsandstein  bis  in  Höhe  der  Teutonia- 
Hütte  bei  Borlinghausen  auf  Gypskeuper,  von  hier  bis  etwa 
zur  Chaussee  Kleinenberg  -  Scherfedo  (Blatt  Kleinenberg)  auf 
Wellenkalk,  südlich  Kleinen berg  auf  Roth  und  weiter  west- 
lich auf  Mittlerem  Buntsandstein  (siehe  unten  folgendes  Profil 
vou  Marschallshngcn).  Im  engsten  Zusammenhange  mit  dem 
Wechsel  im  Liegenden  des  Neocoms  stehen  die  orographischen 
Verhältnisse  am  O.-Abfall  des  Eggezuges:  hohe,  steil  abfallende 
Hänge  dort,  wo  mächtige^  inürbe  Schichten  des  Keupers  oder 
Lias  den  Sandstein  unterlagern  —  so  nördlich  Altenbeken,  ferner 
zwischen  Neuenheerse  und  Teutonia-Hulte,  am  Benten-Berge  süd- 
lich Kleinenberg  — ;  dagegen  nur  verhiiltnissmässig  schwache 
Entwickelung  des  Hanges  unter  dem  Neocomsandstein,  wo  die 
festeren  Schichten  des  Muschelkalkes  ihn  unterlagern  —  so  im 
sudlichen  Theilc  des  Blattes  Altenbeken,  bei  Borlinghausen  u.s.w. — . 
Der  Gaultsand stein  hat  am  N.-Rande  von  Blatt  Alten- 
l»eken  nur  geringe  Mächtigkeit;  wenig  weiter  nördlich,  im  süd- 
lichsten Theile  des  Blattes  Sandebeck-Horn,  keilt  er  sich  ganz 
aus;  dagegen  schwillt  er  nach  S.  mächtig  an  und  besitzt  im 
Altenbekener  Tunnel  z.  B.  schon  eine  Mächtigkeit  von  40  Metern. 
Am  westlichen  Abfalle  der  Egge  tritt  er  bei  flachem  Einfallen  im 
Allgemeinen  sehr    breit    zu  Tage.     Etwa   von   Schwauey  an  nach 


xLvm 

S.  werden  Fossilien  in  ihm  häufiger,  namentlich  Inoceramen  und 
Pecten- Arien  ^  dann  auch  Hoplites  auritua  Sow.,  mehrere  Pelecy- 
poden  der  Gattungen  Gryphaea^  Pinna^  AvünUay  Modiola^  femer 
Seeigel,  Spongien  u.  s.  w. 

Der  Flammen  mergelnder  am  ganzen  nördlichen  Teutoburger 
Walde  und  auch  am  Eggegebirge  bis  südlich  Altenbeken  vertreten 
ist,  fehlt  südlich  Schwaney  vollständig,  ist  also  auf  Blatt  Lichtenau 
überhaupt  nicht  mehr  vorhanden,  im  Zusammenhange  mit  der  über- 
greifenden Lagerung  des  Cenomans,  das  von  Altenbeken  an 
nach  S.  immer  ältere  Horizonte  überlagert:  von  Altenbeken  bis  nörd- 
lich Büke  die  obere,  glaukonitische  Stufe  des  Flammenmergels,  von 
Büke  bis  Schwaney  die  normalen,  gclblich-weisseu  Vertreter  der 
Flammenmergelzone,  von  Schwaney  durch  das  ganze  Blatt  Lich- 
tenau hindurch  bis  iu  den  nördlichen  Theil  des  Blattes  Kleinen- 
berg   den  Gaultsandstein,    und    noch    weiter    südwestlich,    so   bei 

N.  — S.     Profil  zwischen  Glashütte  Marschallshagen  und  Holtheim 

(Blatt  Kleinenberg)  1  :  5000. 


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Marschallshagen,  den  Neocomsandsteiu.  Der  Bergrücken  zwischen 
Glashütte  Marschallshagen  und  Holtheim  zeigt  in  Folge  der  über 
greifenden  Lagerung  des  Neocoms  und  des  unteren  Cenomans 
folgendes  Profil: 

Cenomanpläner  (COl,^) 

Cenomanmergel  COl«)?  trausgredirend  über 
Neocomsandstoin  (CUl),  trausgredirend  über 
Mittlerem  Buntsaudstein  (sm). 

Der  Hauptzug  des  Eggegebirges  besteht  also,  abgesehen  vom 
Jura  und  der  Trias  an  seinem  O.-Abfall,  aus  den  sandigen 
Schichten  des  Neocom  und  Gault;  seine  ost-westlichc  Breite 
schwankt  mit  dem  Einfallswinkel  der  Kreideschichten. 

Westlich  von  ihm  schliesst  sich   das  weite  Plänergebiet  der 


XLIX 

westphälischen  Kreidemiilde  an.  Das  Ceuomau  beginnt  mit  grauen 
Mergeln  in  40 — 50  Meter  Mächtigkeit;  diese  werden  überlagert 
von  rund  80  Metern  fester,  cenomaner  Planer,  auf  die  nach  einer 
Zwischen  läge  rung  von  3  Metern  Rothpläner  der  zweite  Mergel- 
horizout  mit  Lioceramus  mytüoides  Mant.  in  etwa  25  Meter  Mäch- 
tigkeit folgt;  hierfiber  liegen  wieder  festere  Pläner  mit  Inoceramus 
Brogniard  Mant.  In  Folge  der  Mergelzwischenlagerungen  ist  das 
«•iu  den  Hauptzug  der  Egge  zunächst  anschliessende  Plänergebiet, 
bei  ungestörten  Lagerungs Verhältnissen,  in  zwei  Etagen  aufgebaut, 
deren  gewöhnlich  steiler  östlicher  Abfall  von  den  Mergeln  einge- 
nommen ist,  während  ihr  langsam  nach  W.  abfallender  Rucken 
vom  Plänerkalke  gebildet  wird. 

Im  aufgenommenen  Gebiete  weit  verbreitet  ist  der  sogenannte 
»Hotten stein«,  ein  graues  oder  gelbliches,  specifisch  sehr  leichtes, 
tlioniges  Gestein,  das  durch  Auslaugung  des  Kalkgehaltes  aus  dem 
Pläner  hervorgeht.  Die  Structurverhältnisse  des  Pläners  bleiben 
dabei  im  Allgemeinen  gewahrt;  die  Versteinerungen  sind  in  ihm 
als  Steinkerne  oder  Abdrücke  gewöhnlich  in  scharfen  Umrissen 
enthalten.  Gerade  die  festesten  unteren  cenomanen  Pläner  werden 
am  weitgehendsten,  in  manchen  Bezirken  sogar  ausschliesslich, 
von  der  Entkalkung  ergriffen.  Daneben  scheint  auch,  wenn  auch 
in  geringerem  Maassc,  die  Hottensteinbildung  von  Verwerfungen 
u-  8.  w.  abhängig  zu  sein. 


Die  Kreideschichten  im  aufgenommenen  Gebiete  streichen 
"^örd-sudlich,  ganz  local  etwas  mehr  nordnordwestlich,  und  treten 
^'6  einzelnen  Horizonte  bei  der  geringen  Neigung,  mit  der  sie 
nach  W.  einfallen,  durchweg  in  ziemlicher  Breite  zu  Tage. 

N. —  S.- Brüche  finden  sich  auf  Blatt  Lichtenau,  nament- 
l'^'h  im  südlichen  Theile.  Am  O.-Hange  der  Egge  liegen  hier 
"ord- südlich  streichende  Einbrüche  von  Unterem  Lias  im 
^ypskeuper.  Oestlich  des  Hauptkammes  verlauft  am  W.- Abfall 
der  Egge  eine  streichende  Verwerfung,  die  etwa  bei  Gut 
^chönthal  beginnt  und  von  hier  an  nach  N.  bis  in  Höhe 
^on   Asseln    eine    Wiederholung    von    Neocomsandstein,    stellen- 

Jakitaeli  1900.  d 


weise  auch  von  (jypskeuper,  hervorruft.  Auf  diese  Weise  bildet 
sich  hier  ein  zweiter  Neocomsandsteinkamm  heraus,  der  westlich 
der  »Paderborner  Berge«  den  eigentlichen  Eggekanini  sogar  etwas 
an  Höhe  ttbertriflFt.  In  südlicher  Verlängerung  dieses  Bruches 
liegt  in  der  Unteren  Kreide  der  breite  Kleinenberger  Cenoman- 
leinbruch.  —  Weiter  westlich  zwischen  der  Egge  und  Lichten«iu 
finden  sich  noch  eine  Reihe  von  N.— S.-Brftchen,  welche  die 
Grenze  zwischen  Conomanmergel  und  Cenomanpläner  oft  erheblich 
verschieben  und  dadurch  im  Terrain  sehr  deutlich  hervortreten. 
Westlich  eines  dieser  Brüche  kommt  unter  dem  Cenoinanmergel 
der  Gaultsandstoin  wieder  hervor  und  legt  sich  als  nord-südlich  ver- 
laufende Barre  quer  durch  das  Odenheimer  Thal  und  die  Niede- 
rung nördlich  der  Sauer  westlich  Bühlheim.  Südwestlich  Hakon- 
berg  ist  an  N. — S. -Brüchen  eine  schmale  Parthie  unterer  Turon- 
schichten  in  die  (unteren)  Cenomanpläner  eingesunken.  Weiter 
nördlich  liegen  N. — S.-Brüche  von  geringer  Sprunghöhe  im  Gebiete 
der  Unteren  Kreide. 

In  der  Kreide  des  Blattes  Altenbeken  finden  sich  N.  —  S.- 
Brüche in  der  Gaultsandstein  -  Flammenmergel  -  Partie  nord- 
östlich Schwauey ,  in  deren  Verlängerung  bei  Büke  eiu 
grabenartiger  Einbruch  von  Ceiiomaumergeln  den  Flammen- 
mergelrückeri  nord  -  südlich  durchzieht.  Was  an  Dislocationeu 
in  der  Kreide  sonst  noch  auftritt,  sind  im  Wesentlichen 
Querbrüche,  die  meist  unbeträchtliche  Verschiebungen  der  For- 
mationsgrenzen hervorrufen  und  besonders  scharf  dort  hervor- 
treten, wo  Terrainkanten  über  den  cenomanen  und  turonen  Mer- 
geln an  ihnen  absetzen.  Durch  Querbrttche  geradezu  aufgelöst  in 
lauter  einzelne,  durch  kleine  Dellen  getrennte  Rücken,  die  in  der 
Richtung  des  Scliichtenstreichens  an  einander  gereiht  sind,  er- 
scheint der  Zug  der  obersten  cenomanen  Pläner  unterhalb  der 
Mytiloides-Zone.  Dasselbe  hebt  von  Koenen^)  für  die  (ironauer 
Kreidemulde  hervor. 

Auf  ost-westliche  bis   ostsüdost-westnordwestliche  Querbrüche 


')  V.   Koenen:    lieber    die    wissenschaftlichen    Ergebnisse    der   geolojijischen 
Aufnahmen  im  Jahre  ISüS.     Dieses  Jahrbach  181)8,  S.  LVI. 


LI 

ist  auch  wohl  die  erste  Anlage  der  Qnerthäler  zurückzuführen, 
die  südlich  Altenbeken  in  den  WesUibfall  des  Eggegebirges  ein- 
geschoittcu  sind  und  diesen  in  lauter  einzelne  Kücken  zerlegen, 
zwischen  denen  die  Triasschichten  des  Vorlandes  stellenweise 
weit  nach  W.  vorrücken. 

Die  Verhältnisse  am  Kreiderande  werden  namentlich  dort 
recht  complicirt,  wo  hier  südost-nordwestliche  Störungs- 
zonon  an  die  Kreide  herantreten  und  auch  in  sie  hineiusetzen. 
So  siud  die  Trias-  und  Liasschichten  auf  Blatt  Lichtenau  nördlich 
von  Neuenheerse,  auf  Blatt  Altenbeken  in  der  Gegend  der  Försterei 
Klub weide  und  im  ganzen  nördlichen  Thcile  vom  Dübelsnacken  an 
vorwiftrend    in   der  SO. — NW.-RicIitung  gefaltet  und  verschoben. 

Berlin,  den  13.  Januar  1901. 

0.  TiETZE:  Bericht  über  die  Aufnahme  der  Blätter 
Lebiis,  Seelow,  Küstrin  und  Sonnenburg. 

Der  grössere  Theil  der  Blätter  Lebus,  Seelow  und  Küstrin 
wird  von  den  Bildungen  des  Oderstromes  ausgefüllt;  diese  greifen 
auch  noch  von  Blatt  Küstrin,  von  dem  ich  jedoch  nur  die  beiden 
westjiclien  Achtel  aufnahm,  auf  Blatt  Sonnenburg  über,  wo  sie  sich 
niit  den  AUuvionen  der  Warthe  vereinigen. 

Die   betreffenden  Bildungen  bestehen    meist  aus  Oderschlick, 
der  bisweilen  von  grösseren  oder  kleineren  Sandinseln   und  Sand- 
'^ü^en  unterbrochen   wird.     Diese  für   den  Landvvirth  äusserst  un- 
iingeaehmeu   Sandvorkommnisse    (im    Volksmund    »Schrinde«    ge- 
uunat)    sind    theils    durch    Ueberschwenimungen    der    Oder    ent- 
Jitanden,    theils   stellen   sie   vielleicht   ;ilte   Betten   von   Oderarmen 
dar.     Ich  habe    hier  besonders  die    auf  Blatt  Seelow  (vergl.   die 
beigeftigte   Karte) ^)    die   Ebene   von  O.    nach  W.   durchziehenden 
Saudrücken  im  Auge,  von  denen  der  südliche  sich  durch  Sachsen- 
dorf zieht^   der  nördliche  die  Chaussee  Küstrin -Seelow   zu  beiden 
Seiten  begleitet.    Vielleicht  stellen  die  im  NO.  des  Blattes  Lebus 

')  Ich  habe  die  von  mir  nicht  aufgenommenen  Tlieilo  von  Blatt  Küstrin  er- 
gänzt nach  den  Feldbl&ttern  der  Herren  v.  Lin^tow  und  Wülfek,  die  sich  in 
die  Aufnahme  des  übrigen  Theiies  des  bei  reffenden  Blattes  theilteD. 

d* 


iim  das  Vorwerk  Werder  auftretenden  SandioselD  die  Erste  eines 
dritten  sitdlichsten  Bettes  eines  Oderanncs  dar.  Auf  Blatt  Seelow 
biegen  diese  SaudzQge,  ehe  sie  den  westlicheD  Tlialrand  erreichen, 
nacli  NW,  um  und  endigen,  der  efldliclie  in  Sandstreifen,  die  dem 
W.-Ufer  parallel  uacli  NW.  laufen,  der  nördliche  in  ein  sich  nach 


N.  verflachendps  Thälclien,  das  jetzt  noch  mit  Torf  gefrdit  ist. 
Nördliili  des  Dammes  der  Osthaliii  frift't  man  mir  mehr  selten 
Sand  in  kleinen  Inselclieu  an,  meist  erreitlit  sogar  die  Suhlickdecke 
eine  Mächtigkeit  von  2  Metern 

Der  Schlick  zeigt  im  Allgenieini'n  flborall  die  gleiche  Bcschaffrn- 
heit.  Seine  Mächtigkeit  schwankt  von  wenigen  Decimetern  l)is  /,u 
2  Metern  und  mehr.  Au  vielen  Pnukten,  wo  er  nach  seiner 
Ahlagernng  von  Saud  fiberdeckt  worden  war,  ist  er  durch  Uigolon 


LHI 

wieder  an   die  Oberfläche  gebracht  worden.     Er   ist   kalkfrei,  mit 
Ausnahme  einiger   Gebiete,  die  sich   iiin  die   Zuckerfabriken  aus- 
dehnen,  und   eines  bis   zu   2  Kilometer  breiten  Streifens,   der  die 
vom  Reitweiner  Sporn  gebildete  Bucht  innen  umsäumt.     Während 
in  jenem   Fall   der  Kalkgehalt  künstlich  durch  den  zur  DOngung 
verwandten    Scheideschlamm    von    der    Rübenzuckerfabrikation   in 
den  Tbon  gelangt,  ist  er  hier  durch  einen  natürlichen  Process  er- 
zeugt: der  Kalk  wird  durch  die  Niederschlags-  und  Schmelzwässer 
aus  dem  die  Bucht  bildenden  Geschiebemergelplateau  herausgelöst, 
in  die  Ebene  hinabgeführt  und  scheidet  sich  dort  beim  Verdunsten 
des  Wassers  wieder  aus.     Deshalb  findet  sich  auf  jenen  künstlich 
gekalkten  Feldern  der  Kalkgehalt  selten  bis  zu  1  Meter  Tiefe,  wäh- 
rend er  iu  dieser  Kalkzone,    die   auf  Blatt  Lebus  beginnt,   über 
Blatt  Libbenicheu,   welches  aber  noch  nicht  aufgenommen  wurde, 
sich   voraussichtlich   fortsetzt   und  auf  Blatt  Seelow  den  Thalrand 
noch  bis   zum   Seelower  Bahnhof  begleitet,   sich  noch  in  2  Meter 
Tiefe  leicht  nachweisen  lässt.    Dieser  kalkige  Schlick  verräth  durch 
seine    tiefschwarze   Farbe   zugleich   einen   etwas   höheren    Humus- 
gehalt.    Solch  schwarzer  Schlick    —    die   Färbung  ist  gewöhnlich 
auf  die   obersten   Decimeter  beschränkt    —   findet  sich  überhaupt 
meist   dort,  wo  in  Folge  der  tieferen  Lage  der  Grundwasserstand 
ein    sehr    flacher   und    deshalb    die    Vegetation   eine   üppigere   ist. 
An   besonders  tief  gelegenen   Punkten   mögen   sich   wohl    Sümpfe 
das   ganze   Jahr  hindurch  gehalten   haben,   so  dass  sich  in  ihnen 
eine     vollkommene    Sumpffauna     entwickeln     konnte.       Ich    fand 
wenigstens    südlich    der    Chaussee   Küstrin  -  Seelow,    4  Kilometer 
von  Seelow  (der  Punkt  ist  auf  der   Karte   durch   ein   Kreuz   be- 
zeichnet),   Aecker  mit   Diatomeeuerde^)   bestreut,  die   der   Bauer 
beim    Auswerfen   eines   Grabens   in    nicht  1  Meter  Tiefe  gefunden 
hatte.     Die  Mächtigkeit  der  Schicht  beträgt  ungeföhr  1  Decimeter. 
Nächst  dem  Schlick   spielt  der   Torf  eine   wichtige  Rolle  auf 
Blatt  Lebus,  wo  er  vom  Blatt  Frankfurt  a.  O.  kommend  sich  auf 
der  östlichen  Seite  der  Thalniederung  hinzieht  und  südlich  Oetscher 

•)  Es  gelang  Herrn  Dr.  Kört,  der  die  Freundlichkeit  hatte,  die  mitgebrachte 
Probe  zn  untersuchen,  in  derselben  EpWiemia,  Melosira,  Navicvin,  Fragilaria^ 
Sgnedra  und  andere  Formen  festzustellen. 


LIV 

ondigt.  Er  stellt  mit  den  ihn  l)cgleitenden  Sandbänken  wohl  einen 
der  letzten  Hauptanne  der  Oder  dar,  der  sieh  mit  dem  jetzigen 
Oderlauf  nördlicii  Octscher  wieder  vereinigte. 

Der  grössere  Theil  dos  Blattes  Sonnenburg  wird  von  Torf- 
ablagernngen  eingenommen.  Sie  reichen  im  S.  bis  an  den 
Thalsnnd  der  jüngsten  Stufe  heran  und  füllen  die  Buchten  zwischen 
den  bei  Tschernow  gelegenen  Thalsandrücken  aus.  Diese  Rücken 
verlaufen  in  ost  -  westlicher  Richtung  und  tragen  fast  särauitlich 
an  ihrem  nördlichen  Saume  Dünen,  die  auf  einer  Wanderung  nach 
N.  begriffen  sind;  denn  am  Nordrande  der  Sandstreifen  wurde  Torf 
unter  dem  Sande  erbohrt.  Der  nördlichste  dieser  Sandzüjxe  trägt 
einen  Theil  der  Chaussee  Küstrin-Sonnenburg,  deren  Damm  zugleich 
die  Ueberschwemmungsgebiete  der  Oder  und  Warthe  trennt.  Der 
Torf  zwischen  und  nördlich  dieser  Sandzüge  ist  zum  Theil  so 
kalkreich,  dass  sich  kleine  Wiesenkalklager  gebildet  haben. 

Im  SW.  des  Blattes  geht  der  Torf  in  Schlick  über,  der  durch 
die  Hochwasser  der  Oder  dort  abgesetzt  wurde. 

Die  Grenze  zwischen  beiden  Bildungen  ist  natürlich  eine  sehr 
unregelmässige;  Verschlungene  Sandzüge  sind  dem  Schlick  zum 
Theil  aufgelagert,  theils  ragen  sie  als  Rücken  aus  ihm  hervor  und 
^eheu  dann  in  das  Gebiet  der  Torfablaijerungen  über,  bis  zur 
Küstriner  Chaussee  hin,  woselbst  der  Torf  eine  Mächtigkeit  bic 
zu  6  Metern  besitzen  soll.  Dort  ist  denn  auch  der  Damm  bei 
Ueberschwemmungen  am  meisten  gefährdet  und  des  Oeftern  aucli 
unterspült  und  durchbrochen  worden,  wie  die  zu  seinen  beiden 
Seiton  gelegenen  Kolke,  tiefe  in  den  Torf  eingerissene,  jetzt  mit 
Wasser  gefüllte  Löcher  beweisen.  Die  nördlich  der  Chaussee 
gelegenen  Kolke  sind  vom  Oderhochwasser,  die  südhch  liegenden 
vom  Warthehochwasscr  aus<xehöhlt  worden. 

Nach  der  Warthe  hin  nimmt  die  Zahl  der  Sandinseln  wieder 
zu,  bis  sie  schliesslich  zu  einem  voUständiojen  Bande  länjrs  dos 
Wartheufers  worden.  Auch  das  nördliche  Ufer  wird  von  einem 
ähnlichen  Sandstreifon  gchildet.  Betrachtet  man  den  Uferabfall 
nach  dorn  Flusse  zu,  so  sieht  man,  dass  er  sich  aus  lauter  horizon- 
talen Händern  von  weisser  und  schwarzer  Farbe  zusammensetzt 
erstere  aus  Sand,  den  die   Warthe  bei  Ueberschwemmungen  übei 


LV 

den  Flussrand  gespült,  letztere  aus  humosem  Sand  bestehend,  der 
die  Vegetationsrinde  darstellt,  die  sich  jedesmal  zwischen  zwei 
aufeinander  folgenden   Ucberschwemmungen  bildete. 

Id  liuiger  Entfernung  endlich  vom  südlichen  Wartheufer  wurde 
an  verschiedenen  Stellen  Schlick  unter  dem  Torfe  erbohrt.  Auch 
sind  bisweilen  die  obersten  Decimeter  Torf  von  so  thoniger  Natur, 
dass  der  Boden,  namentlich  wenn  er  etwas  ausgetrocknet  ist,  eine 
bläuliche  Farbe  bekommt.  Immerhin  ist  aber  der  Schlickgehalt 
noch  nicht  so  gross,  dass  man  von  einer  Schlickdecke  sprechen 
könnte. 

W.  Weissermel:  Bericht  über  Aufnahmen  auf  den 
Blättern  Grabow,  Rambow  und  Karstadt  (Westpriegnitz). 

Die  diesjährigen  Aufnahmen  bewegten  sich,  von  dem  im 
Vorjahre  bearbeiteten  Blatt  Rambow  ausgehend,  durch  die  preussi- 
schen  Ant heile  der  Blätter  Grabow  und  Balow  der  mecklen- 
burgischen Grenze  folgend  nach  O.  und  dann  auf  Blatt  Kar- 
stadt nach  S.  —  Das  Aufnahmegebiet  wird  durch  das  breite 
Löcknitzthal  in  zwei  Theile  getheilt,  die,  genetisch  von  einander 
abweicheud,  gesondert  behandelt  werden  müssen. 

Das  Löcknitzthal  entsteht  auf  Blatt  Balow  aus  dem  von  der 
grossen  mecklenburgischen  Endmoräne  der  Ruhner  Berge  her- 
kommenden Thale  der  eigentlichen  Löcknitz  und  den  die  preussisch- 
inecklenburgische  Grenze  bildenden  Thälern  der  Taruitz  und 
Karwe.  Es  durchzieht,  etwa  2V2  Kilometer  breit,  das  Blatt 
Karstfidt  bis  zu  seiner  südwestlichen  P^cke. 

Das  Gebiet  westlich  der  Löcknitz  umfasst  winklich  den  N. 
"öd  0.  des  Blattes  Rambow;  seine  Aufnahme  brachte  eine 
wesentliche  Erweiterung    der    auf  diesem   gewonnenen   Resultate. 

Bei  der  Aufnahme  von  Blatt  Rambow  im  Vorjahre  wurde 
^•"kannt,  dass  eine  dasselbe  in  der  Diagonale  von  SW.  nach  NO. 
""rchziehende  Zone  von  Durchragungen,  eine  Scheide  zwischen 
ebener  Grundmoränenlandschaft  und  Saudr  bildend,  Vertreter 
^^^^r  Endmoräne  ist.  In  dem  in  diesem  Jahre  aufgenommeneu 
^achbargebiet  schliessen  sich  die,  schon  im  NO.  von  Blatt  Ram- 
bow scharf  aus  der  Umgebung  heraustretenden  Durchraguugszüge, 


LVI 

theilweise  wohl  durch  Aufschüttung  noch  beträchtlich  erhöht,  zu 
laugen,  theilwi  Ise  dammartig  scharfen  Zügen  zusammen  und 
nehmen  stellen wim'so  den  Charakter  einer  echten  Endmoräne  an. 
Besonders  der  Sehncckonberg  bei  Garlin,  der  sich  als  lauger 
dammartiger  Rücken  bis  zur  Seehöhe  von  66  Metern,  2G  Meter 
über  der  Umgebung  erhebt,  bietet  mit  den  aufgesetzten  Grand- 
und  Steinkuppen,  die  an  einer  Stelle  den  Charakter  einer  Block- 
packung annehmen,  das  Bild  einer  echten  Endmoräne  dar.  — 
Während  die  Endmoräne  im  südwestlichen  und  mittleren  Theile 
von  Blatt  Rambow  durch  einen  Zug  grosser,  flacher  Durch- 
ratjunijen  vortreten  wird,  theilt  sie  sich  schon  im  nord-öst- 
liehen  Theile  dieses  Blattes,  viel  deutlicher  aber  im  diesjährigen 
Gebiete,  in  mehrere  (3  bis  4)  hinter  einander  liegende  Züge : 
Während  der  Eisrand  im  ersteren  Gebiet  längere  Zeit  still  lag 
(unterdessen  wurden  die  grossen  Saudrflächen  der  Dammrower 
Forsten  und  des  Staveuow-Dargardter  Waldes  gebildet  und  entstand 
die  grosse  Ausstrudelung  des  Rambower  Sees),  zog  er  sich  in 
seinem  weiter  nordöstlichen  Verlaufe  ruckweise  in  kurzen  Etappen 
ein  Stück  weit  zurück,  jedesmal  eine  mehr  oder  weniger  wall- 
artige Aufpressung  (theils  auch  Aufschüttung)  und  ein  dieser 
entsprechendes  System  von  Schmelzwasserrinnen  hinterlassend. 
Die  Hauptsammeirinne  bildete  dabei  stets  das  kurz  vor  der 
äussersteu  Etappc  verlaufende  Löcknitzthal. 

An  dem  die  mecklenburgische  Grenze  bildenden  Thal  bricht 
die  Endmoräne  kurz  und  unvermittelt  ab  und  findet  in  den  flachen 
Landschaftsformeu  jenseits  derselben  keine  deutliche  Fortsetzung. 
Ihre  Verlängerung  würde  fast  rechtwinklich  auf  die  grosse 
mecklenburj^ische  Endmoräne  der  Ruhner  Berge  stossen.  Unsere 
Endmoräne  scheint  also  einen  vorgeschobenen  Bogen  zu  diesem 
grossen  Endmoränenzuge  zu  bilden.  An  Grossartigkeit  sind  diese 
verhältnissmässig  niedrigen  Höhenzüge  allerdings  nicht  mit  den 
zwei-   bis  dreimal  höheren   Rnhner  Bergen  vergleichbar. 

Der  vorderste  Zug  unserer  Endmoräne  besteht  aus  ziemlich 
l)reiten  Durchragungsbergeii,  der  »Markscheide«  südlich  Streesow, 
der  Höhe  56  bei  Bootz,  dem  »Bootzer  Berge«.  Die  weniger 
deutliche  Fortsetzung    dieses  Zuges    dürfte    der  Höhenrücken  des 


LVII 

Dorfes  Dargardt  und  die  Höhe  47  westlich  derselben  bilden, 
während  einige  kleinere  Höhen  im  nördlichen  Theile  des  Dar- 
gardter  Waldes  und  die  Diirchragungshöhe  53  südlich  Seetz  ant 
Blatt  Rambow  den  Anscbluss  an  die  grosse  Durchragungsfläche 
bei  Boberow  und  Meilen  bilden  dürfte,  in  der  sich  die  ver- 
schiedenen von  NW.  kommenden  Einzelzüjjc  sammeln. 

Die  zweite,  zunächst  zurückliegende  Etappe,  in  der  der  End- 
nioränenchanikter    am    besten   hervortritt,    wird   gebildet  von  dem 
über  3   Kilometer    langen,    schmalen    Höhenzuge,    der    sich    von 
GarlJD  bis  fast  nach  Reckenzien  hinzieht,  und  dem  schmalen  Berg- 
Züge,  der,  zunächst  grossentheils  von  Gescliiebemergel  Oborkleidet, 
zuerst  von  Sargleben  nach  Garlin  in  west-östlicher  Richtung  ver- 
läuft, dann  scharf  nach  N.  umbiegt  und  als  Schneckenberg  einen 
echten    sandigen  Endmoränen  wall   mit    aufgesetzton  Grandkuppen 
und    vielfach    gegcngelagerten  Lehmpartiron    dnrstellt.      Die  Ver- 
Diittelung  dieses  Zuges  zu  der  grossen  Boborow-Mellener  »Sammel- 
durchragung«    könnte    die    runde  Durchragungskuppe  beim  Dorfe 
Seetz  bilden. 

Während  der  ersten  Phase  eilten  die  Schmolzwässer  in 
uichreren  kurzen,  jetzt  meist  von  Äbschlämmmassen  erfüllten 
Schluchten  dem  nahen  Löcknitzthale  zu,  den  kurzen  Hang  bis  zu 
demselben  mit  Sand  überschüttend.  Während  der  zweiten  Etappe 
benutzten  die  Schmelzwässer  theils  noch  einige  dieser  schlucht- 
artigen  Rinnen,  theils  suchten  sie  sich  in  zwei  Thälern  hinter 
den  Höhen  der  ersten  Etappe,  einerseits  nach  N.  (bei 
Reckenzien),  andererseits  nach  S.  (bei  Garlin)  den  Weg  zum 
Löcknitzthale.  —  Hervorgehoben  sei  hier  gleich,  dass  die  Thäler 
zwischen  den  Endmoränen  -  Durchragungen  nicht  etwa  junge 
Erosionsgebilde,  sondern  älter  als  das  Obere  Diluvium  sind,  wie 
später  ausführlicher  dargelegt  werden  soll. 

Der  letzten  und  hauptsächlichsten  Stillstandsphaso  des  Eis- 
randos entspricht  eine  ausgedehnte,  aus  zahlreichen  Rücken  und 
Kuppen  gebildete  Fläche  Unteren  Sandes,  der  am  Pröttliner 
Walde  aus  dem  Geschiebemergel  hervortretend,  in  schmalem, 
orographisch  nicht  hervortretendem  Zuge  auf  Blatt  Grabow  über- 
gebt und  sich   hier  schnell  zu   einem    breiten,    ziemlich  coupirten 


LVIII 

Gebiet  ausdehnt,  um  bei  Gut  und  Bahuhof  Wendisch- Warnow 
wieder  unter  den  Gesehiebemergel  unterzutaucheu.  Ein  vor- 
geschobener Sporn  dieser  grossen  Durchragung,  vielleicht  einer 
kurzen  Zwischenphase  entsprechend,  ist  der  zunächst  breite,  dann 
sich  verschniälernde  Bergzug  des  »Koggerberges«. 

Den  Anschluss  dieser  Phase  an  den  Durchragungsknoten  bei 
Meilen  dürfte  der  Höhenrücken  bei  Düdow  bilden. 

Die  Abflussrinnen  dieser  letzten  Stillstandslage  sind :  zunächst 
im  SW.  die  Verlängerung  der  Rinne,  die,  im  weiteren  Verlaufe 
subglacial,  vom  Pröttliner  Walde  bei  Düdow  aus  die  Geschiebe- 
mergellandschaft von  Blatt  Rambow  zum  Eldethal  hin  durch- 
zieht (cf.  Bericht  zu  diesem  Blatt),  ferner  die  Thäler,  die  zu 
beiden  Seiten  des  Koggerberges  nach  Reckeuzien  zu  verlaufen, 
sowie  die  von  Colonie  Wendisch- Waruow  gleichfalls  nach  N.  zum 
Tamitzthal  führende  breite  Senke,  und  endlich  das  grosse  Sammel- 
becken zwischen  Sargleben  und  dem  Schneckenberge,  aus  dem 
sich  die  hier  zunächst  aufgestauten  Schmelzwässer  einen  Ausweg 
beim  Dorf  Sargleben  in  einem  schmalen  Thale  suchten,  das  beim 
Dorf  Garlin  mit  einem  ältorou  zusammentraf. 

Was  den  petrographischen  Charakter  der  Endmoräne  betriflY, 
so  wird  dieselbe  ganz  vorwiegend  aus  Sand  gebildet,  und  zwar 
grösstentheils  aus  durchrageutlem  unteren  Sand.  Bei  Bildung 
der  lan«Ten  Wälle  des  Sclmeckenberjres  und  des  östlich  benach- 
harten  namenlosen  Berffzuges  und  des  Roire:erl)er<res  dürfte  aller- 
dings  auch  aufgeschüttetes  Oberes  Diluvium  eine  Rolle  spielen. 
Doch  ist  es  bei  dem  Fehlen  guter  Aufschlüsse  in  diesen  Bergen 
nicht  möglich,  mit  dem  Bohrer  zu  entscheiden,  was  Aufpressung, 
was  Aufschüttung,  oder  was  Oberes,  was  Unteres  Diluvium  ist. 
Grandkuppen  und  -Lager  nehmen  in  der  Regel  die  höchsten 
Punkte  ein.  Der  Obere  Geschiebemergel  findet  sich  in  den 
Thälern  nud  an  den  Hängen  der  Berire  gegrenffelafjert.  Wenn  er 
ausnahmsweise  einmal  auf  die  Höhen  hinaufgebt,  so  bildet  er  fast 
stets  nur  eine  dünne  Decke.  In  den  Thälern  dagegen  erreicht 
er  seine  bedeutendste  Mächtigkeit.  In  der  Grube  der  zu  Streesow 
gehörigen  Ziegelei  am  Wege  (jarlin-Reckenzien  soll  er  nach  An- 
gal)e    des    Zieglers    bei    56   Fuss   (augeblich   kalkfrei  [?])    nicht 


LIX 

"'^rchsunken    sein,    und    bei    Dargardt    soll    eine    Bohrung    von 
^ö   Fuss  im  Mergel  geblieben  sein.      Bei  dem  tiefgelegenen  Dorf 
^aJJmin    soll   ein  Brunnen   erst   bei  20  Meter   den  Mergel  durch- 
^^tiken    haben.      Es    ergiebt    sich    daraus,    dass   die  vorhandenen 
öerge  und  Thäler   älter  sind  als  das  Obere  Diluvium,    und  diese 
Auffassung    findet    eine    weitere    Stütze    in    dem  Auftreten    von 
Tertiär  an    zwei   Stellen    im  Kern   der   Durch raguugsberge.      Bei 
Wendisch- Warnow,   wo   in  den  60er  Jahren  Braunkohlenbergbau 
betrieben  wurde,   liegt  es,  als  Sand   mit   Braunkohlenflötzen  ent- 
wickelt,   unter    wenigen  Metern    Unteren    Sandes,    auf  dem    der 
Obere    Geschiebemergel   auskeilt,     so   dass    an    einer    Stelle    der 
2- Meter- Bohrer  Braunkohlen  fasste.     Ferner  ist  Tertiär  erschlossen 
durch  einen  tiefen  Bahneinschnitt  am  Streesower  Walde,  und  zwar 
als  Wechsel    von    schwarzen,    theilweise    kalkhaltigen  Letten    mit 
Sanden    und  Kohlenschmitzchen.      Ueberlngort    wird   es   hier  von 
Unterem  Geschiebemergel  und  Unterem  Sand,  auf  dem  dicht  da- 
bei der  Obere  Mergel  auskeilt.     Wir  sehen  hier  das  ganze  Dilu- 
vium auf  eine  Mächtigkeit  von  wenigen  Metern  zusammengedrängt, 
während  bei  Wendisch- Warnow  beide  Geschiebemergel  ftber  dem 
Tertiär  fehlen.     Es  zeigt  dies,  im  Vergleich    mit  der  bedeutenden 
Mächtigkeit  des  Gescliiebemergels  in  den  Thälern,    dass  die  erste 
Anlage  der  jetzt  von  Endmoränen- Durchragungen  gebildeten  Höhen 
eine  sehr  alte  ist,    und  dasselbe  gilt  für  die  Thäler,    unter  denen 
in    unserem  Gebiete    ausnahmslos    der  Obere   Mer-^el    durchzieht. 
Krosionsprofile   giebt    es   in   unserem    Gebiete  nicht,    sondern  das 
Untere  Diluvium    tritt    nur    in    Durchraorungen    zu   Ta^e.      Auch 
imter    den    Thalsand    des    Löcknitzthalos    taucht  der  Geschiebe- 
mergel   von    beiden    Seiten    aus    unter.      Während    er    auf  dem 
Schnecken-  und  Koggerberg,  wenn  auch  nur  in  seinen  Ausläufern, 
bis  zu  60  Meter  Höhe  hinaufsteigt,  ist  er  im  Löcknitzthale  unter 
Thalsand  noch  in  28  Meter  Seehöhe  nachgewiesen. 

Das  Hinterland  der  letzten  Durchragungszone  wird,  ebenso 
wie  es  auf  Blatt  Rambow  die  Kegel  ist,  von  Geschiebemergel 
eingenommen,  der  langsam  zur  Durchraguugshöhe  des  Hilgen- 
berges  aufsteigt  und  hier  auf  den  Sand  hin  auskeilt,  um  um 
jenseitigen  Hange  dieses  Berges,  sowie  stellenweise  in  den  Senken 


LX 

und  an  den  ILängen  des  weiteren  kuppigen  Sandgebietes  in  ein- 
zelnen Partieen  auf  dem  Sande  wieder  aufzutreten.  Besonders 
schön  ist  die  Auflagerung  des  Geschiebe  mergeis  auf  den  theil- 
weise  stark  zusammengeschobenen  und  aufgerichteten  Unteren 
Sand    in   den  Gruben   bei  Pinnow    und   Warnow   zu   beobachten. 

Zur  Bildung  einer  grösseren  Sandrfläche,  wie  auf  Blatt 
Rambow,  konnte  es  im  diesjährigen  Gebiet  natürlich  nicht  kommen, 
da  unmittelbar  vor  der  äussersten  Etappe  der  Endmoräne  das 
Löcknitzthal  verläuft,  das  Schmelzwässer  und  Sand  dem  Elb-Ur- 
strom  zuführte.  Der  Zwischenraum  zwischen  den  einzelnen  Berjr- 
Zügen  wird  von  Sand  eingenommen,  aus  dem  der  Oliere  Geschiebe - 
mergel  nur  in  einzelnen  Kuppen  herausragt. 

Der  Untere  Geschiebemergel  tritt,  ebenso  wie  auf  Blatt 
Rambow  in  sehr  thoniger  Entwickelung,  ausser  in  dem  geschil- 
derten Eisenbahneinschnitt  bei  Streesow,  an  einigen  Stellen  auf 
der  vom  Eisrande  abgelegenen  Seite  der  Durchragungen  hervor 
(bei  Neu-Pinnow  und  am  O.-Hange  des  Schneckenberges,  sowie 
am  Bootzer  Berg).  Er  tritt  steil  aufragend,  kuppenförmig  im 
Unteren  Sande  auf,  wahrscheinlich  unter  dem  Druck  des  auf  der 
anderen  Seite   der  Durchragung  liegenden    Eises   emporgequollen. 


Ausserdem  dürfte  er  noch  einen  gewissen  Antheil  an  dem  Aufbau 
des  Endmoräuenzuges  westlich  Garlin,  am  Dorfe  selbst  und  an 
der  Höhe  49  nehmen,  ohne  dass  er  sich  bei  dem  Fehlen  von 
guten  Aufschlüssen  in  diesem  wahrscheinlich  sehr  complicirt  ge- 
bauten Höhenzuore  auf  der  Karte  ausscheiden  Hesse.  —  Er  ist  ein 
sehr  gesuchtes  Material,  als  Ziegelthon  wenn  entkalkt,  andernfalls 
als  Meliorationsmaterial. 

Das  vom  Tarnitzthal  auf  Blatt  Balow  durch  Blatt  Grabow 
und  Rambow  die  inocklenburgische  Grenze  bildende  Thal  des 
Meyngrabcns  bietet  ein  Beispiel  einer  Bifurcation,  was  bei  der 
relativen  Seltenheit  dieser  Erscheinung  wohl  Erwähnung  verdient. 


LXXI 

SO  liegt  es  uahe,  in  unseren  Plateaugebieten  den  glacialen  Unteren 

SsLni  als  Sediment  dieser  letzteren  anzusprechen,  und  auch  darauf 

deutet  die    sehr  gewöhnliche  Erscheinung,  dass  er  gerade  in  den 

tieferen    Niveaux  der   die   Plateaux  durchziehenden    »subglacialen 

^I5limelzwas8er«-Rinnen  zu  Tage  zu  treten  pflegt. 

In  den  stark  coupirten  Endmoränengebieten   aber,    wozu  die 
I^I Otter  Prangenau  und  Gr.  Paglau   zu  rechnen  sind,    besteht  das 
Obere  Diluvium  an   manchen  Stellen    aus   mehreren   durch  Sande 
getrennten  Geschiebemergeln.     Nach  dem  Vorhergehenden  müsste 
DTiaD  sich  diese  Thatsache   durch   die  Annahme  erklären,    dass  in 
I^olge  des  Eisstillstandes  die  subglaciale  Entwässerung  schwieriger 
Änd  oft  unterbrochen  gewesen  sei,    und   dass  bei  stockender  Ent- 
^^Ässoning  auch  unter  dem  Eise  Geschieberaergel   abgelagert  sei. 
t>ie  gegenwärtig  gangbarste  Erklärung  führt  indess  die  Wechsel- 
lagerung von  Sand-,  Grand-  und  Geschiebemergelbänken  lediglich 
a-uf  Oscillationen  des  Eisrandes  zurück.     Ich  möchte  dem  gegen- 
über  hervorheben,    dass    für    grössere    Gebiete    mindestens    eine 
Combination    beider  Erklärungen  nothwendig  ist,    da  die  Verbin- 
dung kleiner  und  kleinster  Lehm- , und  Sandbänke  meist  eine  viel 
XU  innige  und  ungestörte  ist,   um  die  Annahme  von  Oscillationen 
gerechtfertigt  erscheinen  zu  lassen. 

Paul  Gustaf  Krause:  Bericht  über  die  Ergebnisse  der 
Aufnahme  auf  Blatt  Kutten  (Ostpreusseu)  im  eTahre  1900. 

Das  topographisch  wie  geologisch  ausserordentlich  vielgestal- 
tige Bild  des  im  Angerburger  Kreise,  auf  der  Höhe  der  Masurischen 
^enplatte  gelegenen  Blattes  Kutten  ist  durch  verschiedene  End- 
^oränenbogen,  die  es  am  S.-,  O.-  und  N.- Rande  umrahmen,  be- 
^^Dgt.  Der  älteste  dieser  Züge  bildet  am  S.-Rande  des  Blattes  west- 
nchvom  Goldapgar  See  die  Fortsetzung  der  von  Herrn  C.  Gagel ^) 
'^feits  geschilderten  Kruglanker  Endmoräne.  Sie  zieht  in  ihrem 
heiteren  Verlaufe  nach  Pieczarken  zu  als  Sandmoräne  mit  den  be- 
zeichnenden Wall-  und  Hügelformen  nebst  abflusslosen  Kesseln 
^^«  Senken   in    ansehnlicher   Breite,  aber   auffalliger  Steinarmuth 

')  Bericht  über  die  Aufnahmearbeiten  auf  den  BUttorn  Lötzen,  Steinort 
^^  Kruglanken.     Dieses  Jahrbuch  f.  1898,  S.  CCLXVI  f. 


LXit 

kieiues  Thal,  iu  dem  das  Vorwerk  Tiefcuthal  Hegt,  führte  die 
Schmelzwässer  während  derselben  dem  Löcknitzthale  zu. 

Eine  zweite  kleinere  Aufpressiing  ist  der  üerstenberg  nördlich 
Dallinin.  Man  würde  in  dem  unbedeutenden  runden  Hügel  nicht 
den  complicirten  Bau  vermuthen,  wie  ihn  der  glücklicherweise 
sehr  günstige  üruhenaufschluss  zeigt.  Ueber  stark  gestörten, 
theilweise  senkrecht  stehenden  Schichten  Unteren  Sandes  liegt 
ein  wildes  Gemenge  von  Sand,  Grand  und  Mergel,  und  auf  der 
S.-Seite  der  Grube,  also  der  Stossrichtung  des  Eises  abgekehrt, 
ist  eine  losgerissene  Scholle  sehr  thonigen  Unteren  Mergels  im 
Sande  eingerollt.      Der  einrenthümliche    Hügel   dürfte   zunächst  in 

DO  O 

einer  Höhlung  unter  dem  Eise  durch  Aufpressung  entstanden, 
und  der  complicirte  Bau  durch  Fortschiebung  der  aufgequollenen 
Kuppe  mit  dem  Eise  erzeugt  sein. 

So  einheitlich  das  Gebiet  östlich  der  Löcknitz  in  geologischer 
Beziehung  ist,  so  wechselnd  ist  seine  petrographische  Beschaffen- 
heit. Die  Grundmoräne  besteht  aus  einem  ziemlich  regellosen 
Wechsel  von  Lehm,  bezw.  Mergel,  der  bald  mehr  sandig,  bald 
als  schwerer  Lehm  entwickelt  ibt,  und  Sand.  Beide  Facies 
sind  vollkommen  stellvertretend;  nur  selten  legt  sich  der  Sand 
in  normaler  Weise  an  den  Uändern  auf  den  Lehm  auf,  meist 
gehen  beide  Bildungen  durch  plötzliches  Zu-  respective  Abnehmen 
der  thonigen  Theilc  in  einander  über,  oder  sie  greifen  wechsel- 
lagernd  in  einander  ein.  Auch  enthält  der  Lehm  vielfach  Nester 
und  Einlagerungen  von  Sand.  Da  ausserdem  der  Sand  vielfach 
oberflächlich,  oft  bis  zu  1  Meter  Tiefe,  lehmig  ist,  ist  die  Ab- 
grenzung beider  Bildungen  ziemlich  mühsam,  stellenweise  will- 
kürlich. Es  muss  hier  eine  starke  Wassercirculation  unter  dem 
Eise  stattgefunden  haben,  die  die  Grundmoräne  vielfach  zu  Sand 
auswusch;  es  spricht  dafüv  eine  iu  Aufschlüssen  vielfach  zu  beob- 
achtende Schichtung  des  Sandes  und  der  Umstand,  dass  der 
Sand  besonders  in  den  Senken  vorkonunt,  ohne  jedoch  an  diese 
gebunden  zu  sein.  Die  Auswaschung  kann  eine  sehr  tiefgehende 
sein;  so  wurde  in  dem  schmalen  Saudstreifeu  an  der  Postliner 
Windmühle  in  einer  Grube  unter  3,5  Meter  Sand  der  Mergel  er- 
bohrt;    in    einem  Brunnen    am    Strehleaer   Kirchhofe    wurde    nach 


LXIII 

Angabe  des  Herrn  Brunneubauer  ANDRES-Perleberg  erst  unter 
5  Metern  Sandes  Lehm  gefunden,  dem  nach  3,3  Meter  wieder 
Sand  (ob  Unterer  oder  nur  eine  Einlagerung?)  folgte. 

Erwähnt  sei  noch  filr  das  ganze  bearbeitete  Gebiet,  dass, 
ebenso  wie  es  fflr  Blatt  Kambow  dargethan  wurde,  die  Entkalkung 
des  Mergels  im  Allgemeinen  sehr  tief  auf  den  Bergen,  sehr  gering 
ia  den  Thälern  ist.  In  niedrig  gelegenen  Gebieten,  so  am  Rande 
des  Meynthales  und  im  (lebiot  dos  Gutes  Dallmin,  erreicht  fast 
jedes  Bohrloch  den  Mergel,  während  in  höheren  Gebieten  Ent- 
talkunffcn  von  einigen  Metern  die  Regel  sind.  Eine  Ausnahme 
«lacht  nur  ein  Gebiet  an  der  Grenze  der  Feldmarken  Kribbe, 
öallmin  und  Karwe,  wo  auch  auf  der  Höhe  der  Mergel  häufiger 
^«"bolirt  wird.  In  den  Thälern  scheint  stellenweise  direct  eine 
^Anreicherung  mit  Kalk  stattgefunden  zu  haben,  da  hier  häufig 
direct  unter  dem  Alluvium  (Torf,  Moorerde,  Alluvialsand)  Mergel 
folgt. 

WiLH.  WoLFF:    Aufnahmeergebnisse   in   der  nordöst- 
lichen Kassubei  (Blatt  Prangenau  und  Gr.  Paglau). 

Das    kassubische    Hochland    westlich    und    südwestlich     von 
r^anzig,    welches   grossentheils    etwa   200  Meter  fiber  dem  Meere 
'iegt  und  mit  seinen  tiefen  Thalzfigen,  Seen  und  Waldhöhen  eine 
^ivr    kraftigst    modellirten   Landschaften  Norddcutschlands    ist,  er- 
hebt sich  erst  etwa  zwei  Meilen  hinter  dem  Rande  der  Weichsel- 
Gliederung    mit    einer    theil weise    sehr    scharf  ausgeprägten  Stufe. 
Zwischen  dieser  Stufe  und  dem  Niederungsrande   liegt  im  Gebiet 
^er    unteren    Radaune   (Blatt  Praust)    ein    flachwclliges    Vorland, 
'Welches  wenig  mehr  als  100  Meter  Höhe  erreicht  und  durch  den 
Niaugel    von    Seen    und    ausgeprägten    Thalrinueu    charakterisirt 
^ird.       Die   Blätter   Prangenau    und   Gr.  Paglau,    von   denen  das 
oi-stere  nunmehr  vollständig,  das  zweite  zur  Hälfte  untersucht  ist, 
Umfassen    gerade    den    schärfst    ausgeprägten    Theil    der  inneren 
Stufe    und   das    unmittelbar   westlich    und   südwestlich   davon   se- 
legene  Hochland.      Die  Gliederung  dieses  Gebietes  beruht  haupt- 
sächlich   auf   dem  Einsetzen    tiefer  Thaiungen,    welche    auf  Blatt 
Praogenau    vorwiegend   gegen   SW.,    auf  Blatt   Gr.  Paglau   theils 


LXIV 

JD  der  gleichen  Richtung,  theils  gegen  SSO.  verlaufen.  In  dieser 
letzteren  Richtung  streicht  auch  die  Stufe,  mit  welcher  sich  das 
gesammte  westliche  Gelände  von  seinem  Vorlande  erhebt.  Dieselbe 
beginnt  in  der  Stangenwalder  Forst,  Jagen  44,  begleitet  anfangs 
unmittelbar,  weiterhin  in  einiger  Entfernung  den  Weg  Czapielken- 
Ober-Buschkau  und  erreicht  bald  eine  Höhe  von  uncrefahr  40  Meter. 
Von  dort  läuft  sie  weiter  an  Domachau,  Saskoschin  und  Czerniau 
vorbei  nach  Lamenstein,  wo  sie,  bereits  völlig  verwischt,  das 
Gebiet  des  Blattes  Gr.  Paglau  verlässt.  Ihre  gröbste  Höhe  er- 
reicht sie  bei  Saskoschin,  wo  dem  bis  zu  217  Meter  aufragenden 
Waldgebiete  des  W.  ein  welliges  Ackerland  gegenüber  liegt, 
welches  nur  ca.  135  Meter  Höhe  hat.  In  ihrer  tranzen  Er- 
Streckung  wird  die  Stufe  von  einer  Thaluug  begleitet,  welche  im 
N.  mit  isolirten  Depressionen  beginnt  und  von  Domachau  an  als 
geschlossene,  durch  wog  vertorfte,  schmale  Wiesensenke  fortzieht, 
in  der  ein  Graben  nach  SSO.  zum  Rothfliess  geht. 

Dass  diese  Stufe  aber  nicht  bloss  orographische,  sondern  eine 
hohe  geologische  Bedeutung  hat,  beweist  die  weitere  Erscheinung, 
dass  in  geringer  Entfernung  westlich  von  ihr  meist  über  die 
nächsten  dominirenden  Punkte  ein  auffälliger  Geschiebestreifen 
läuft,  der  etwa  50—200  Meter  breit  ist  und  stellenweise  eine 
mächtige  Packung  grosser  Blöcke  darstellt.  Die  Richtung  dieses 
Streifens  ist  von  Ober-Buschkau  an  zunächst  nordsQdlich,  geht 
aber  nach  Durchquerung  des  Kladau-Thales  östlich  von  Meisters- 
walde in  eine  södsüdöstliche  über.  Den  Saskoschiner  und  Czer- 
niauer  Wald  durchzieht  er  als  fast  lückenlose  Kette  von  Block- 
bestreuungen  und  Packungen,  selten,  wie  im  Steinberg,  selbst- 
ständig Hügel  bildend,  oft  kleine  Brücher  umsäumend.  Bei  und 
in  Grenzdorf  ist  er  grössteutheils  abgetragen,  erst  südöstlich  da- 
von in  Jagen  109  der  Kgl.  Forj>t  setzt  er  wieder  in  unversehrter 
Frische  ein,  gekennzeichnet  durch  steile,  blockbesäte  Kuppen  mit 
tiefen  Kessellöchern.  Au  Breite  etwas  zunehmend,  an  Steiu- 
reichthum  aber  abnehmend,  streicht  er  dann  auf  Kl.  Mirau  zu  bis 
an  die  Forstgrenze,  jenseits  deren  ich  ihn  noch  nicht  verfolgt 
habe.  Aus  dem  von  A.  Jentzsch  in  seinem  Aufsatz  über  das 
Profil    der  Eisenbahn   Hohensteiu-Berent   (dieses   Jahrbuch    1885, 


LXV 

S.  413)  mitgetheilten  Material  glaube  ich  aber  schliessen  zu 
dQrfeo,  dass  der  Geschiebestreifen  noch  diese  ßahuliuie  bei 
Station  362,2 — 65,6  zwischen  Golmkau  und  Schöneck  in  unver- 
ändertem Streichen  kreuzt.  Es  ist  für  mich  kein  Zweifel,  dass 
derselbe  eine  Röckzugsmoräue  darstellt,  die  somit  in  einer 
Länge  von  15  Kilometer  festgelegt  wäre  und  von  Danzig  aus  die 
erste  Etappe  im  SW.  ist.  Es  sei  beiläufig  bemerkt,  dass  der 
grosse,  namentlich  bei  Buschkau,  Meisters walde  und  Greuzdorf 
nutzbare  Steinreichthum  derselben  bereits  von  einer  prähistorischen 
Bevölkerung  zur  Anlage  zahlreicher  Hünengräber  verwerthet  wurde. 
Die  Häufigkeit  gerade  der  grossen  Blöcke  ist  eins  der  Haupt- 
merkmale der  Moräue  auch  dort,  wo  sie  nur  in  Form  weniger 
intensiver  Bestreuung  auftritt;  Steine  von  1  Meter  Länge  sind 
zahlreich,  einzelne  erreichen  2  Meter  und  darüber.  Der  grösste 
bisher  aufgefundene  ist  im  Jahre  1892  vom  Steinmetz  Fribmer 
in  Grenzdorf  verarbeitet  und  besass  nach  dessen  Mittheilung  eine 
Länge  von  6  Meter,  bei  2,5  Meter  Höhe  und  ebensolcher  Breite. 
Gegenwärtig  dürfte  der  grösste  erratische  Block  dieser  Gegend 
ein  Gneissblock  im  Jagen  142  der  Kgl.  Forst  Sobbowitz  (Belaut 
Prausterkrug)  sein,  welcher  ca.  4  Meter  lang,  2,50  Meter  breit 
und  2,25  Meterhoch  ist;  einige  andere  hervorragend  grosse  Blöcke 
liegen  im  nordwestlichen  Theil  des  Saskoschiner  Waldes  und  auf 
Jer  ancrrenzenden  Meisters  walder  Feldmark. 

Höchst  eigenthümlich  ist  der  Verlauf  der  Moräne  und  die 
<]araus  sich  ergebende  Lage  des  Eisrandes,  vorausgesetzt,  dass  die 
Moräne  eine  Endmoräne  ist.  Es  ist  mir  bisher  nicht  gelungen, 
*^it  Sicherheit  festzustellen,  ob  während  des  durch  sie  bezeichneten 
^^^diums  das  eisfreie  Land  westlich  oder  östlich  von  ihr  lag,  ob 
also  ein  Inlandeis-Lobus  in  der  Weichselniederung  oder  auf  dem 
^Ässubischen  Hochlande  lag;  doch  scheint  mir  Manches  für  die 
Abnahme  zu  sprechen,  dass  das  Vorland  im  W.  zu  suchen  ist. 
^enn  einerseits  ziehen  sich  die  Oberen  Sande  und  Grande,  welche 
in  der  Nachbarschaft  des  Geschiebestreifens  auftreten,  hauptsächlich 
*ö  der  W.- Seite  desselben  entlang  (z.  B.  bei  Meisters  walde, 
^renzdorf  und  Postelau),  andererseits  treten  auf  der  O.-Seite 
tiesselben    viele   Durchragungskuppen    auf,    wie    sie    in    anderen 

Jahrbacb  1900.  6 


LXVI 

Moränengebieten  als  Hinterlandcharaktere  gelten.  Dieselben  ver- 
theilen  sich  hauptsächlich  auf  zwei  (iebiete :  ein  der  Moräne  un- 
mittelbar benachbartes  bei  Grenzdorf,  und  ein  entfernteres  zwischen 
Johannisthai  und  Wartsch.  Das  letztere  liegt  der  Moräne  jenseits 
einer  sanderfüllten  Thalung  als  selbstständige  Erhebung  von  etwas 
geringerer  Höhe  gegenüber.  Die  Überfläche  desselben  besteht  aus 
oberem  üeschiebemergel,  aus  welchem  kleine  Mergelsandflecken 
hervortreten.  Dieser  Mergelsand  erweist  sich  an  einer  Stelle 
durch  Führung  einer  temperirten,  marineu  Fauna  als  nichtglacial, 
wahrscheinlich  iutergiacial.  Es  ist  dies  in  dem  165  Meter  hohen 
»Toten berg«  am  Wege  zwischen  Domachau  und  Mallentin, 
über  den  ich  hier  einiges  einfügen  will. 

Bereits  A.  Jeni^sch  hat  auf  Section  Dirschau  der  geologischen 
Karte  der  Provinz  Preussen  diesen  Punkt  augegeben  und  mit 
einer  Signatur  für  »gemischte  oder  sichtlich  verschleppte  Diluvial- 
fauna« versehen.  In  seiner  Arbeit:  »Beiträore  zum  Ausbau  der 
Glacialhypothese  in  ihrer  Anwendung  auf  Norddeutschland« 
(Dieses  Jahrbuch  1884,  S.  505)  hat  er  den  damaligen  Aufschluss 
auch  kurz  beschrieben  uud  aus  Schlieren  in  eiuem  von  Spathsand 
uuterteufton  üeschiebemergel  folgende  Coiichylien  aufgezählt: 
i  Cyin'ina^  Tapes,  Cardiuin  edule  und  echinatum^  Scrobicularia, 
(erithium^    Nassa^  ?  Paludina» 

Inzwischen  hat  sich  der  Aufschluss  erheblich  vergrössert  und 
bietet  nun  folgendes  Bild:  eine  flache,  der  Gesammterhebung  des 
Höhenrückens  aufgesetzte  Kuppe  ist  etwa  zur  Hälfte  abgegraben. 
Ihre  Rinde  ist  etwa  0,75  Meter  mächtiger  Geschiebemergel 
mit  einigen  grösseren  Blöcken  und  vielen  Conchylienfragmenten. 
Unter  demselben  liegt  anscheinend  horizontal  geschichteter,  ziem- 
lich feinkörniger,  gelbgrauor  Mergelsand,  der  eine  feste  und 
trockene  Masse  bildet  und  zahlreiche,  meist  kleine  Conchylien 
führt.  Etwa  3  Meter  unter  der  Oberfläche  folgt  dann  eine  un- 
regelmässig  gelagerte  Schicht  gröberen,  lehmigen  Sandes  mit 
vielen  Schalen  von  lapes  virginea^  (ardiuni  eJule  und  echinatuni 
und  Nassa  reticulata  vermischt;  dieselbe  ist  ca.  1  Meter  mächtig 
und  wird  von  feinerem,  in  der  Bohrprobe  schalenfreien  Spath- 
sand   unterteuft.     Nach    ().    und    W.    verschwinden    die   Schalen- 


LXVII 

ftihrenden  Schichten  unter  Geschiebemergel,  und  wo  in  der  Nach- 
barschaft noch  Sand  durchragt,  ist  derselbe  schalenfrei.  Die 
Gesammtfauna  der  Ablagerung  besteht,  soweit  bisher  festgestellt, 
aus  folgenden  Arten:  Cyprina  islandica  L.,  Tapea  virginea  L., 
Mytilus  edulia  L.,  Cardium  edule  L.,  C.  echinatum  L.,  TeUina 
baltica  L.,  Corbtda  gibba  Ol.,  Lucina  divaricata  L.,  Litorina  litorea 
L.,  Cerithium  acabrum  Ol.,  Nassa  reiiculata  L.  Die  von  A.  Jentzsch 
ausserdem  angefahrten  Genera  Scrobicularia  und  Paludina  habe  ich 
nicht  wieder  auffinden  können. 

Von  diesen   Conchylien  fand   ich    TeUina  baltica   und  Lucina 
(liearicatiLf  erstere  in  mehreren  Exemplaren,  mit  beiden  unversehrt 
aufeinander  schliessenden  Klappen  vor.      Da    gerade    diese  Arten 
sehr  zart  sind,   so  sehe  ich   in  diesem  Befund   einen  sicheren  Be- 
weis dafi\r,   dass  sie  in  dem  sie  jetzt  umschliessenden  Mergelsand 
auf  primärer  Lagerstätte    liegen.     Die  Lucina  divai^icata,  die 
meiues  Wissens    bisher   noch   nicht  fossil  gefunden  wurde,    giebt 
femer  einen  Hinweis  darauf,    dass  der  Mergclsand   in  mindestens 
10  Faden  Tiefe  abgelagert   sein  muss.      Da    sie    in    der  gröberen 
Schicht  an  der  Basis  des  Aufschlusses  fehlt  und  letztere  zahlreiche 
Lit4>rina-'^  Nassa-  und  derbe  Pelecypoden-Schalen  führt,    so  nehme 
ich  an,  dass  diese  gröbere  Schicht  ein  Flachwasser-  oder  Strand- 
grus ist.     Man  hätte  also  an  eine  Transgression  zu  denken,   über 
deren    beide    erste    Phasen    die    Ablagerungen    des    Totenberges 
Aufschluss    geben,    deren    weitere  Entwickelung    aber    in   Folge 
muthmaasslicher  glacialer  £rosion    der   Deckschichten   nicht    mehr 
ersichtlich  ist.      Wahrscheinlich    war   diese    marine  Transgression 
interglacial.      Der  Mergelsand    führt   nämlich    einzelne    Spath- 
körner,    und    in    der    groben   Basalschicht    fand    ich    ein    buntes 
Gemisch   nordischer  Gerolle,  z.  B.    Silurkalkstückchen   mit  Rliyn- 
choneüa  nuctda  und  Favositen,  Feuersteine,  Granitbrocken  u.  s.  w. 
Die    grössten    Gerolle    hatten    Wallnussgrösse.      Ein    so    grobes 
Material   setzt  eine   ursprüngliche  Ablagerung  aus   stark   iliessen- 
dem    Wasser    und    zwar    seinem    bunten   Gemenge    nach    aus 
Gletscherwasser  voraus.     Fände  man  nämlich  nur  eine  beschränkte 
Anzahl    nordischer    Gesteine    darin    vertreten,    so    Hesse   sich    die 
Anwesenheit   derselben    immer    noch    durch    die    Annahme    eines 


präglacialen  von  N.  kommeDden  Flussnetzes  mit  entsprechenden 
Ablagerungen  erklären,  die  das  Material  filr  eine  nachfolgende 
marine  Ablagerung  geliefert  hätten,  und  es  könnte  somit  die 
Fauna  von  Domachau  auch  als  präglacial  angesehen  werden. 
FOr  eine  solche  Annahme  wäre  das  Feld  frei,  da  man 
bis  jetzt  nicht  weiss,  ob  während  oder  vor  der  gemässigten 
Phase  der  präglacialen  Quartärzeit  eine  ableitende  oder  aufneh- 
mende Depression  (dr  die  von  N.  kommenden  Gewässer  nördlich 
unseres  Gebietes  bestanden  habe.  Ich  halte  indessen  die  Ab- 
lagerung eher  fikr  interglacial  und  möchte  sie  als  den  äusserslen 
nordwestlichen  Punkt  jener  grossen,  vornehmlich  das  untere 
Weichselgebiet  umfassenden  interglacialen  Meerestransgression 
betrachten,  zu  welcher  die  von  A.  Jentzsch  beschriebenen  Vor- 
kommen von  Dirschau,  Marienburg,  Mcwe,  Neudeck  u.  s.  w. 
zu  rechnen  sein  durften,  und  welche  andererseits  auch  im  innem 
Ostpreussen  bei  Kiwitten  u.  s.  w.  nachgewiesen  ist  Allerdings 
liegt  keines  dieser  Vorkommen  in  so  grosser  Meereshöhe  wie 
Domachau,  doch  halte  ich  das  för  unmaassgehlich,  da  die  Ab- 
lagerung am  Totenberge  wohl  emporgeschoben,  vielleicht  gar 
eine  ganz  aus  ihrem  ursprtlnglichen  Zusammenhang  herausgerissene 
riesiore  Scholle  im  Glacialdiluvium  ist. 

Die  Unteren  Sande  in  den  übrigen  Durchragungen  des 
Saskoschiner  Endmoräuengebietes,  wenigstens  in  den  Grenzdorfer 
Durchragungen,  sowie  in  den  Abschnittsprofilen  der  ganzen 
Gegend  zeigen  keine  Spur  einer  primären  Fauna  und  dürften  zu- 
meist «rlaciai  sein.  Zwar  findet  mau  in  ihnen  hin  und  wieder 
auch  ahgorollte,  marine  Conchylien,  aber  solche  Funde  beschränken 
sich  nicht  auf  den  Unteren  Sand  und  weisen  zunächst  nur  auf 
zerstörte  primäre  Lagerstätton  hin.  Bemerkenswerth  ist,  dass 
während  im  Interglacial  bei  Domachau  boreale  Formen  fehlen, 
solche  auf  secuudärer  Lagerstätte  auch  in  dieser  Gegend  vor- 
koiunien.  So  fand  ich  bei  Lamenstein  (Blatt  Gr.  Paglau)  in 
Unterem  Sand  Astarte  borealus  und  in  der  ZiEHM'schen  Kiesgrube 
bei  Lappin  in  Unterem  Grand    Yoldia  arctica 

Was  die   Durchrajiunjjen  nahe  der  Endmoräne  bei  Grenzdorf 
angellt,    so    fällt    es    auf,    dass    im    Gebiet    derselben    der   Obere 


LXIX 


Geschiebemergel  eine  von  der  gewöhnlichen  oft  sehr  abweichende 
Zusammensetzung    zeigt.       Er     enthält    weniger    grandiges    und 
sandiges,    dagegen   mehr   feines,    sowohl  thoniges  als  feinsandiges 
Material;    in    dieser  Zusammensetzung    kommt    ihm    der   Untere 
Sand  ebenfalls  durch  Anreicherung  mit  thonigcm  und  feinsandigem 
Material  entgegen,  sodass  zuweilen  die  Entscheidung  schwer  fällt, 
ob  eio  thoniger  Mergelsand  oder  ein  feinsandig-thoniger  Geschiebe- 
mergel   vorliegt.       Wenn    man    in    diesen    Durchragungen    nicht 
einfach  A  ufschüttungen  von  Mergelsand  erkennen  will,  welche 
mit  einem    hauptsächlich     an    den    Flanken    haften    gebliebenen 
hehmbrei    übergössen    sind,    so    muss    man    dies   Gebiet  als  ein 
kuppig  aufgetriebenes  Sediment  auffassen,   das   in  sandiger  Facies 
hegann  und  in  lehmiger  endigte,  sicher  aber  ohne  Unterbrechung 
abgelagert  wurde.     Es  läge  dann  unter  Berücksichtigung  der  an- 
genommenen  Stauchung    nahe,    dies   Sediment    für    subglacial    zu 
halten,    zumal    wenn    die    O.-Seite    der    Grenzdorfer    Endmoräne 
deren  Rückseite    gewesen    wäre.      Es   liessen   sich   dann   die  ver- 
einzelten kleinen,  discordanten  Grandflecken  auf  den  Durchragungen 
am  besten    als  späteste  Schmelzrückstände  des  Eises  deuten,    das 
sich  seines  feineren  Detritus-Inhalts  in  dieser  Gegend  hauptsächlich 
subglacial,    und   nur  des  gröberen   oberflächlich,    nämlich  zumeist 
in  der  nahen  Endmoräne  entledigt  hätte. 

Aehnlich  liegt  die  Sache  bei  den  Sauden,  welche  in  den 
Abschnittsprofilen  des  Endmoränengebietes,  z.  B.  am  O.-Rande 
des  Saskoschiner  Waldes  unter  dem  Oberen  Geschiebemergel  her- 
vortreten. Die  intime  Entstehungsgeschichte  der  glacialen  Ab- 
lagerungen ist  ja  leider  noch  sehr  wenig  aufgeklärt.  Nach  der 
gangbarsten  Anschauung  besteht  das  Obere  Diluvium  (als 
Sediment  der  letzten  Vergletscherung  begriflfen)  in  ausgedehnten 
Plateaugebieten  Norddeutschlands  im  Wesentlichen  aus  einem 
Geschiebemergel  und  einem  Sand  darunter.  Wenn  nun  auch, 
abgesehen  natürlich  von  interglacialen  Sauden,  dieser  Saud  zum 
Theil  als  Vorsand  des  herannahenden  Eises  zu  deuten  ist,  so 
weisen  doch  zahlreiche  Beobachtungen  darauf  hin,  ihn  zum 
grössten  Theil  als  unmittelbar  glaciale  Ablagerung  zu  betrachten 
und  anzunehmen,  dass  bei  normalem  Abschmelzen  eines  ebenen 


LXX 

Inlandeises  gewöhnlich  zu  unterst  Sand  und  zu  oberet  Geschiebe- 
mcrgel  gebildet  werde.  Da  bei  uns  der  Untere  Geschiebemergel 
meist  als  Grundmoräne  einer  älteren  Vereisung  gedeutet  wird, 
so  lasse  ich  hier  die  Hypothese,  dass  zu  jeder  Eiszeit  gesetzmässig 
zwei  Geschiebemergel  gehörten,  ausser  Acht,  und  wende  mich 
zunächst  nur  den  weiteren  Folgerungen  der  oben  erwähnten  Beob- 

achtunff  zu.    Man  könnte  die  Folge  -,—  auf    zwei    Ursachen    zu- 

°  °      ds 

rückfiihren:  entweder  verschiedenartige  Ablagerung  während  des 
Vorrückens  und  während  des  Stillstandes  der  Eismasse  (Hypothese 
von  J.  Martin),  oder  verschiedenartige  Sedimentbildung  auf  und 
unter  dem  Eise.  Die  erste  Ursache  würde  mir  als  die  weniger 
wahrscheinliche  dünken,  da  nach  den  neuesten  Forschungen  in 
jedem  mächtigeren  Eisfeld  innere  Strömungen  fast  bis  zum  letzten 
Augenblick  seines  Daseins  herrschen  und  in  diesem  Sinne  selbst 
todtliegende  Eispartieen  noch  nicht  vollkommen  still  liegen. 
Auch  scheint  mir  der  meist  etwas  grössere  Gehalt  der  Unteren 
Sande  an  secundären  Diluvialfossilien  auf  durchgehende  Isolirunc' 
der  Ablagerung  der  beiden  Hauptglieder  des  oberen  Diluviums 
zu  deuten.  Es  wäre  also  zu  bedenken,  ob  nicht  an  den  meisten 
Stellen  eine  sehr  wesentliche  Verschiedenheit  zwischen  ober- 
flächlichor  und  basaler  Abschmelzung  des  Eises  auch  hinsichtlich 
der  ScdimentbilduHiX  wahrscheinlich  ist,  und  zwar  umorekehrt  wie 
sie  gewöhnlich  dargestellt  wird.  Denn  meist  gilt  der  Geschiebc- 
mergel  als  Grund-,  nicht  Inncnuioräue.  Wo  zwischen  den  End- 
moräuenetappen  des  norddeutschen  Flachlandes  mit  ihren  Vor- 
sanden  das  Eis  ruhig  abgeschmolzen  ist,  breiten  sich  meistens 
ebene  (leschiebeniergelplateaux  aus.  Hier  ist  normaler  Geschiebc- 
mergel  ganz  sicher  das  letzte  und  z.  Th.  oberflächliche,  sicher 
nicht  subglaciale  Sediment  des  Eises.  Auch  wo  v.  Toll  und 
RrssELL  in  den  unserem  hypothetischen  Inlandeise  ähnlichsten 
Eisgebieten  der  Gegenwart  die  Entstehung  obersten  Geschiebe- 
mergels beobachten  konnten,  war  derselbe  mehr  Oberflächen-  als 
Grundmoräne,  wofern  man  den  Unterschied  zwischen  beiden  in 
super-  oder  subglacialer  Entstehung  begründet  sieht.  Da  nun 
gewiss    eine    intensive    subglaciale   Schmelzung  stattgefunden  hat. 


LXXI 

80  liegt  es  nahe,  in  unseren  Plateaugebieteu  den  glacialen  Unteren 
Sand  als  Sediment  dieser  letzteren  anzusprechen,  und  auch  darauf 
deutet  die  sehr  gewöhnliche  Erscheinung,  dass  er  gerade  in  den 
tieferen  Niveaux  der  die  Plateaux  durchziehenden  »subglacialen 
Schmelzwasser  «-Rinnen  zu  Tage  zu  treten  pflegt. 

In  den  stark  coupirten  Endmoränengebieten   aber,    wozu  die 
Blätter  Prangenau   und   Gr.  Paglau    zu  rechnen  sind,    besteht  das 
Obere  Diluvium  an   manchen  Stellen    aus   mehreren   durch  Sande 
getrennten  Geschiebemergeln.     Nach  dem  Vorhergehenden  müsste 
man  sich  diese  Thatsache   durch   die  Annahme  erklären,    dass  in 
Folge  des  Eisstillstandes  die  subglaciale  Entwässerung  schwieriger 
und  oft  unterbrochen  gewesen  sei,    und   dass  bei  stockender  Eut- 
wägficning  auch  unter  dem  Eise  Geschiebemergel   abgelagert  sei. 
Die  gegenwärtig  gangbarste  Erklärung  führt  indess  die  Wechsel- 
lagerung von  Sand-,  Grand-  und  Geschiebemergelbänken  lediglich 
auf  Oscillationen  des  Eisrandes  zurück.     Ich  möchte  dem  gegen- 
über   hervorheben,    dass    für    grössere    Gebiete    mindestens    eine 
Combination    beider  Erklärungen  nothwendig  ist,    da  die  Verbin- 
dung kleiner  und  kleinster  Lehm-  ,und  Sandbänke  ineist  eine  viel 
zu  innige  und  ungestörte  ist,   um  die  Annahme  von  Oscillationen 
gerechtfertigt  erscheinen  zu  lassen. 

Paul  Gustaf  Krause:  Bericht  über  die  Ergebnisse  der 
Aufnahme  auf  Blatt  Kutten  (Ostpreussen)  im  Jahre  1900. 

Das  topographisch  wie  geologisch  ausserordentlich  vielgestal- 
tige Bild  des  im  Angerburger  Kreise,  auf  der  Höhe  der  Masurischen 
Seenplatte  gelegenen  Blattes  Kutten  ist  durch  verschiedene  End- 
moränenbogen,  die  es  am  S.-,  O.-  und  N.- Rande  umrahmen,  be- 
dingt. Der  älteste  dieser  Züge  bildet  am  S.- Rande  des  Blattes  west- 
lich vom  Goldapgar  See  die  Fortsetzung  der  von  Herrn  C.  Gagel  ^) 
bereits  geschilderten  Kruglanker  Endmoräne.  Sie  zieht  in  ihrem 
weiteren  Verlaufe  nach  Pieczarken  zu  als  Sandmoräne  mit  den  be- 
zeichnenden Wall-  und  Hügelformen  nebst  abflusslosen  Kesseln 
und  Senken   in   ansehnlicher   Breite,  aber   auffalliger  Steinarmuth 

0  Bericht    über   die   AufnahmearbeiteD    auf   den  BUttern  Lötzen,  Steinort 
und  Kmglanken.    Dieses  Jahrbuch  f.  1898,  S.  CCLXVI  f. 


in  NNW. -Richtung  auf  Willudden  zu  bis  in  die  Nähe  dieses 
Dorfes.  Da  die  Kartirung  des  Gebietes  westlich  davon  noch 
nicht  abgeschlossen  ist,  so  gehe  Ich  auf  diese  westliche  Fort- 
setzung hier  nicht  weiter  ein.  Aus  dieser  stldlichen  Stillstands- 
lage zog  sich  nun  der  Eisrand  in  einem  grossen  Bogen  welter 
zurück  und  zwar  im  westlichen  Theil  des  Kartengebictcs  in  S.-N.-, 
im  östlichen  Theile  dagegen  in  W.-O.  -  Richtung.  Es  entstanden 
dadurch  zwei  weitere  Eudmoränenbögen ,  die  aber  eine  kürzere 
Stillstandsphase  bezeichnen  als  jener  südliche  Bogen.  Das  östliche 
Theilstück  schliesst  sich  an  den  Theil  der  Kruglanker  Endmoräne 
an,  der  zwischen  Kruglanken  und  dem  Büfke-See  gelegen  ist. 
Es  beginnt  am  Kartenrande  als  ein  schmaler,  niedriger  Rücken 
unfern  des  Seeufers  und  zieht  sich,  allmählich  höher  und  breiter 
werdend,  in  NO. -Richtung  über  Jesiorowsken  und  Zabinken  zum 
Zabinker  See.  Diese  Endmoräne  hebt  sich  als  ein  schmaler  Wall 
aus  dem  Gelände  heraus  und  grenzt  sich  auf  ihrer  fast  geradlinig 
verlaufenden  Innenseite  scharf  von  der  östlich  sich  anschliessenden, 
an  Hohlformen  reichen  Grundmoränenlandschafb  des  Oberen  Ge" 
Schiebemergels  ab.  Auf  ihrer .  Aussenseite  wird  sie  von  einem 
schmalen,  nach  N.  allmählich  sich  verbreiternden,  saumartigen 
Sandr  begleitet,  der  allerdings  erst  am  N.-Ende  von  Jesiorowsken 
beginnt,  während  er  srullich  davon  wohl  auch  vorhanden  gewesen, 
aber  durch  Erosion  und  Abrasion  weggewaschen  sein  wird.  Dieses 
eben  geschilderte  Endmoräneustück  setzt  sich  im  Wesentlichen 
aus  Aufschüttungsformen  des  Oberen  Sandes  zusammen,  dem  sich 
einzelne  Grandkuppen  und  noch  spärlichere  Partien  von  Block- 
packung zugesellen. 

Durch  die  Kinne  des  Zabinker  Sees,  die  durch  die  Aus- 
mündunir  eines  Gletschorbachcs  geschaffen  ist  und  in  ihrer  rück- 
wärtigen  Verlängerung  weit  in  die  Grundnioränenlandschaft  des 
Nachbarhlattes  Kerschkeu  eingreift,  erfährt  die  Endmoräne  dann 
eine  ziemlich  breite  Unterbrochung.  Erst  nördlich  vom  Purwin- 
See  findet  sich  die  Fortsetzung  des  Zuges,  die  nun  von  hier  in 
fast  nördlicher  Richtung  an  und  über  Jakunowken  weiterstreicht. 
Gleich  nach  Ueberschreitung  jener  Gletscherrinne  wird  der  End- 
moränenzug höher  und  massiger,  so  dass  er  z.  B.  in  der  Umgebung 


Lxxin 

des  Uöllenberges    als    ein    imposanter    Kiesenwall    erscheint.     Er 
erhält  nämlich    von   SO.,  von   dem   bereits  auf  dem  Nachbarblatt 
Kerschken   gelegenen  Jakiinowkenberg   her  eine  wesentliche  Ver- 
stärkung.    Während    der    bisher    geschilderte,    auf   Blatt    Kutten 
belegene  Bogen  nur,  wie  gesagt,  eine  ältere,  schwächere  und  nie- 
drigere* Staffel  desselben  Eisrandes  darstellt,  ist  die  Hauptphase 
des  Stillstandes    in    dem    weiter    östlich    gelegenen,     von    Herrn 
C.  Gagel  (a.  a.  O.,   S.  CCLXI)    in    seiner  Richtung  verfolgten 
Bogen  zu  suchen,  der  etwa  in  SO.-Richtung  von  Jakunowkenbcrg 
über  Teufelsberg  zur  Gonza  Gora  verläuft.    Mit  diesem  verschweisst 
sich  unser    Jesiorowsker    Bogen    kurz    vor    dem    Höllenberg    bei 
Munowken.     Auf    der    N.-Seite    des    Höllenberges    findet   sich 
wieder  ein  Durchbruchsthor  durch  den  Endmoränenwall,  das  zwar 
im   Verhältniss  zu   dem  vorhin  genannten  nur  schmal  und   klein, 
aber  womöglich  noch  typischer  ausgebildet  ist.    Unmittelbar  vor  der 
Durchbruchsstelle  an  der  Aussenseite  des  Walles  liegt  ein  kleines 
Wasserbecken,    das    die    herausstärzenden    Wasser    ausstrudelten, 
ehe   sie   sich   nach   Jakunowken   in    nördlicher  Richtung  wandten, 
um  weiterhin  westlich  abzubiegen  und  in  die  Krumme  Kutte  sich 
zu  ergiessen. 

Zwischen  Zabinkcn  und  Jakunowken  betheiligen  sich  an  dem 
Aufbau  der  Endmoräne  neben  Sauden  auch  Blockpackung  und 
Kieskuppen  in  grösserem  Maassstabe  als  im  südlichen  Theil  des 
Bogens.  Nördlich  von  Jakunowken  löst  sich  die  Endmoräne 
dann  in  mehrere,  annähernd  parallele,  niedrige  Eiscubahudamm- 
artige  Wälle  auf,  die  streckenweis  abwechselnd  aus  Saud  und 
Kies  bestehen  und  unter  S-förmiger  Biegung  eine  nördliche 
Richtung  einhalten.  Etwa  in  der  Höhe  von  Kutten  stösst  diese 
Endmoräne  dann  an  die  nördliche  Pillacker.  Die  Geläudeformen 
werden  in  dieser  Gegend  höher  und  unregelmässiger  luid  es  be- 
ginnt ein  Umschwenken  in  die  östliche  Richtung.  Kieskuppen 
und  -Wälle  nehmen  hier  in  besonders  starkem  Maasse  an  dem 
.Aufbau  Theil,  und  es  findet  ein  allmähliches  Aneinandersch weissen 
dieser  beiden  Bögen  statt. 

Dieser  östliche  Bogen  findet  aber  auch  zugleich  hier  seinen 
Aoschluss  an  den  westlichen  Zwischenbogen,  auf  den  schon  oben 


LXXIV 

hingedeutet  wurde.  Beide  stossen  fast  im  rechtea  Winkel  auf 
einander.  Das  westliche  Theilstöck  ist  allerdings,  im  Gegensatze 
zu  dem  östlichen,  wenig  in  die  Augen  fallend.  Es  tritt  nur 
morphologisch  ein  wenig  hervor,  dagegen  nicht  petrographisch. 
Von  diesen  beiden  Zwischenbögen  und  dem  südlichen  Hauptbogen 
eingeschlossen  liegt  nämlich  ein,  noch  weiterhin  zu  schilderndes 
Gelände,  das  als  eine  Platte  mit  hochflächenartigem,  annähernd 
gleich  bleibendem  Oberflächenniveau  sich  etwa  zwischen  375  und 
385  Fuss  bewegt.  Am  nördlichen  Rande  dieses  Gebietes  erhebt  sich 
nun  in  der  Gegend,  sQdlich  von  Kl.  Strengein  beginnend,  ein 
schmaler,  flacher,  aus  Sauden  bestehender  Röcken,  der  zunächst 
nach  SO.  streicht  und  bis  zu  dem,  zum  Dorfe  Przytullen  ge- 
hörigen Torfbruch  reicht.  Jenseits  desselben  setzt  in  der  Fort- 
setzung ein  zweiter  Rücken  ein,  der  nach  NO.  zum  Gut  Przy- 
tullen zieht,  dann  in  dem  ziemlich  bewegten  Gelände  südlich  der 
Tiefen  und  Schwarzen  Kutte  eine  breitere  Fortsetzung  findet^  um 
südlich  vom  östlichen  Kuttener  Torfbruch  nach  O.  weiterzuziehen 
und  sich  darauf  mit  dem  östlichen  Bogen,  noch  ehe  dieser  in 
eine  östliche  Richtung  umzuschwenken  beginnt,  zu  vereinigen. 
Dieser  so  beschriebene  Zug  zeichnet  sich  nur  dadurch  aus,  dass 
er  jeue  ebene,  südlich  vorgelagerte  Fläche  als  ein  niedriger  Rücken 
überragt,  indem  seine  Höhen  die  400  Fusscurve  überschreiten. 
Sonst  ist  er  nicht  weiter  bemerkenswerth,  da  er  nur  aus  Sauden, 
die  sich  durch  Steinarmuth  auszeichnen,  aufgebaut  ist,  so  dass 
immerhin  die  Endnioränennatur  dieses  Bogens  zweifelhaft  er- 
scheinen  könnte.  Als  seine  (irundmoränenlandschaft  würde  das 
üeschiebemergelgebiet  zwischen  Kutten  und  Kl.  Strengein  anzu- 
sehen sein,  das  er  beträchtlich  überragt  und  mit  steil  abfallendem 
Innenrande   begrenzt. 

Die  zwischen  den  3  Bögen  wie  ein  Tuch  im  Rahmen  aus- 
gebreitete Hochfläche  verdient  jedoch  noch  eine  weitere  Erwähnung. 
Sie  wird  nämlich  cutlang  einer  Linie  Kutten -Przerwanken  in 
zwei  verschiedene  Theile,  einen  westlichen  und  einen  östlichen, 
zerlegt.  Der  letztere  ist  ein  typischer  Sandr,  der  eine  reine,  fast 
ebene,  nur  in  der  unmittelbaren  Nähe  der  Endmoräne  etwas 
hügelige  Saudfläche    bildet.      In   diese   ist   das  grosse   Staubecken 


LXXV 

des  Goldapgar    Sees    und    seiner    Anhängsel,    die    angrenzenden 
Brüchen  und  Seen  einerseits,  andererseits,  in  etwas  höherer  Lage, 
die  zahlreichen    hecken-    und    riunenartigcn    Hohlforinen    in    der 
UingebuDg  der  Weissen   und  Krumuien  Kutte  eingesenkt.      Dass 
der  Sandr     eine    Grund moränenlandschafl     des     südlichen    End- 
inoränenbogens  überfluthet  hat,  geht  aus  dem  Auftauchen  des  Oberen 
Geschiebemergels    an   verschiedenen  Stellen   am   nördlichen  Gold- 
apgar,  wie    am    Ufer    des   Wilkus-Sees  hervor,     wo    die    spätere 
Erosion    bezw.    Abrasion    ihn    wieder    in    einzelnen   Partien    frei- 
gelegt hat.     Der  westliche  Theil  der  Hochfläche,  die  hier  geschlos- 
JJener  auftritt,    und    in    die    als    Fortsetzung    des  Goldapgar    der 
Wilcus-,    Brzuns-,    Possessern-   und   Spitzing-See    eingetieft  sind, 
ist  geologisch  mannichfaltiger.    Es  handelt  sich  hier  oflFenbar  um  eine 
Gnindmoränenlandschaft,     die    in    der    Hauptsache    sandig    aus- 
gebildet, aber  durch  einen  mehrfachen  Facieswechsel  ausgezeichnet 
ist.      Auch    hier    ergeben    die    Bohrungen    stellenweis    eine    Auf- 
lagerung des  Sandes  auf  Geschiebemergcl,   aber   auf  dem  Oberen 
Sande  liegt  dann  noch  wieder  in  einzelnen  kleineren  und  grösse- 
ren Lappen    eine    als    obere  Bank    des  Oberen  Gcschiebemergels 
anzusprechende  Lehmdecke,  deren  Mächtigkeit  meist  nicht  1,2  Meter 
übersteigt,  selten  einmal  2  Meter  Oberschreitet.    Diese  oberste  Bank 
des  Oberen  Geschiebemergels  muss  schon  im  Wesentlichen  die  heu- 
tigen Oberflächenformen  vorgefunden  haben,  da  sie  von  der  Hoch- 
fläche u.  A.  bis  unter  den  Spiegel  des  Posscsscrn-Sees  hinabzieht. 
Der  nördliche    Pillacker-Gembalkcr    Endmoränenbogeu,     der, 
wie   schon  von   C.  Gagel  erwähnt   wurde  (a.  a.  O.  S.  CCLXI), 
aus  der  Richtung   von  Grodczisko  herkommt,    bildet  in  der  NO.- 
Ecke  unseres  Blattes  bei  OW. -Streichen  eine  breite,  massige  Er- 
hebung  und   Anschwellung   im  Gelände,   die   weithin    dominireud 
in   der   Landschaft  hervorsticht.      In   der  Hauptsache   ist  es  auch 
hier  der  Obere  Sand,   der  die  hohen  Rücken   und  Kuppen  dieses 
stark  bewegten  Gebietes  aufbaut.    Einer  dieser  HauptrOcken,  der 
uns  Oberen  Sauden  aufgeschüttet   ist  und  als  ein  mächtiger  Wall 
mit  steilem,  inneren  (Nord-)Abfall  und  flacherem,  äusseren  (Süd-) 
Hang  die  Pillacker  Berge  durchzieht,  giebt  die  umstehend  folgende 
Abbildung  nach  einer  photographischen  Aufnahme  von  mir  wieder. 


Auf  der  InDenseite  und  besondere  in  den  westlichen  Ausläu- 
fern der  Pillacker  Berge  nehmen  Kies-  und  BlockanhäuFuDgen  tn 
Gestalt  vou  RQcken  und  Kuppen  an  der  Zusammensetscung  des 
Zuges  Theil.  Etwa  halbwegs  Kutten-Gembalken  ändert  sich  dieses 
Bild,  indem  die  Kndmoräne  bedeutend  schmaler  und  niedriger 
wird  und  mit  NW.-Ricbtung  als  ein  mehr  einheitlicher  Rnuken 
ober  Gembalken  auf  Krzywiensken  (Krummendorf)  zu  verläuft. 
Hier  sind  nur  gauz  vereinicelte  kleine  Kieskuppeu,  während  Oberer 
Geschiebemergel,  Oberer  Sand  und  Durchragungen  des  Unteren 
Sandes  an  dem  Aufbau  betheihgt  sind. 

Hinter    diesem   nördlichen  Bogen    findet    sich    ebenfalls  eine 


Grundmoräuenlandschaft  von  Geschiebemergel,  von  der  jedoch 
auf  Bktt  Kutten  selbst  nur  noch  ein  schmaler  Saum  liegt.  Diese 
Griiudmoräne  yJeht  sich  in  den  »Pillacker  Bergen«,  dem  massigen 
Centnim  des  nfirdlichen  Bogens,  an  vier  verschiedeneu  Stellen  in 
den  Pässen  zungeuartig  bis  fast  auf  die  Wasserscheide.  Eiuige  kleine 
Gcschiebcmergel  -  Partien  auf  der  S. -Seite  dieser  Berge  zeigen, 
dass  hier  wolil  noch  längere  Zeit  vereinzelte  Eispartten  gelegen 
haben,  uach  dercu  Abschmelzen  jene  isolirtcu  Flecken  und  Lappen 
zurückbliebcn.  Mit  dem  Rückzuge  des  Eises  zum  nördlichen 
Endnioränenbogeu  wurde  fftr  die  durch  den  südlichen  und  Öst- 
lichen Endmoränen  wall  iin  S.  unseres  Gebietes  aufgestauten 
Wassermasseu  nach  NW.  ein  Abzug  frei.      Es  bildeteu  sich  nun 


Lxxvii 

zwei,  einaDder  fast  parallele  Hauptrinnen  heraus.  Die  südliche 
entwässerte  das  grosse  Becken  des  Goldapgar  und  seiner  An- 
hängsel einerseits  Qber  den  Possessern -See,  andererseits  über  den 
Wilkus-,  Brzuns  und  Spitziug-See  durch  das  Sapinen -Thal, 
dessen  Durcblegung  wohl  jetzt  begann,  zum  Gr.  Strengeln-See. 
Die  nördliche  Rinne  nahm  ihren  Anfang  in  den  langgestreckten, 
heute  vertorflen  Senken  östlich  und  südlich  von  Kutten,  setzte 
eich  dann  in  der  Schwarzen  und  Tiefen  Kutte  ^),  in  dem  Przytuller 
Fliess,  dem  grossen  Przytuller  Torfbruch^)  fort  und  trat  an  und 
Ober  Kl.  Strengein  weg  ebenfalls  in  das  Sammelbecken  des  Gr. 
Strengeln-Sees,  von  dem  der  heutige  Kl.  Strengeln-See  nur  ein 
erst  in  später  Zeit  abgeschnürtes  Glied  darstellt.  In  diese 
nördliche  Rinne  zogen  aber  auch  alle  die  aus  dem  nahen  nörd- 
lichen Endmoränenbogen  abfliessenden  Schmelzwasser  ab,  drängten 
die  übrigen  Wasser  der  Rinne  gegen  deren  S.-Rand  und  schufen 
dadurch  den  hohen,  steilen  Erosionsrand,  der  in  so  hervorstechender 
Weise  von  Przytullen  bis  über  Kl.  Strengein  hinaus  das  S.-Ufer 
dieser  alten  Stromrinne  bildet 

In  ausgezeichnet  klarer  Weise  werden  diese  Verhältnisse 
dnrdi  die  zum  Theil  modellartig  schön  ausgeprägten,  diluvialen 
Terrassen,  die  dieses  ganze  Gebiet  umziehen  und  begleiten,  er- 
kennbar. Es  lassen  sich  2  solche  Terrassen  unterscheiden,  eine 
höhere,  die  ungefähr  von  9  Meter  bis  15  Meter  reicht,  und 
eine  tiefere,  die  im  Allgemeinen  zwischen  3  und  G  Meter 
über  dem  heutigen  Seespiegel  liegt,  vereinzelt  aber  auch  noch 
etwas  höher  hinaufsteigt.  Namentlich  die  erstere  ist  ganz  be- 
sonders schön  auf  weite  Strecken  hin  und  zum  Theil  in  ansehn- 
licher Breite  entwickelt.  Auf  der  ganzen  Linie  vom  S.-Rande  des 
Kartenblattes  an  umsäumt  sie  das  O.-  und  N.-Ufer  des  Goldapgar, 
dringt  in  die  westliche  Hälfte  des  Zabiuker  Sees,  begleitet  den 
ganzen  O.-Rand  des  Wilkus-Sees  und  das  N.-Ufer  des  Brzuns, 
während  sie   auflälligerweise  auf  den  W.-Ufern   dieser   Gewässer 

')  Darch  Lothangen  wurde  hier  eine  grössto  Tiefe  von  über  20  Meter  er- 
mittelt ond  überhaupt  ein  schneller  Abfall  dieses  sich  auch  hierdurch  als  Erosions- 
becken kennzeichnenden  kleinen  Sees  festgestellt. 

^  Die  Längsachsen  aller  dieser  Becken  liegen  übrigens  auch  in  der  Strom- 
richtnog  dieser  Rinne. 


Lxxvin 

nur  ganz  vereinzelte  Marken  in  Gestalt  der  sonst  überall  vor- 
handenen alten  Steilufer  und  Strandlehnen  hinterlassen  hat.  Eine 
Ausnahme  hiervon  macht  allerdings  der  Possessern-See.  An 
seinem  W.-Ufer  finden  sich  solche  Marken  wieder  als  Abrasions- 
kehle im  Geschiebemergel  bezw.  auf  der  Sandterrasse.  Auch  auf 
der  damaligen  kleinen  Insel,  die  südwestlich  vom  Gut  Przerwanken 
aus  dem  einheitlichen  Wasserbecken,  das  jetzt  in  die  schon  ge- 
nannten drei  Seen  zergliedert  ist,  herausragte,  ist  ein  solch  altes 
Steilufer  erhalten. 

Aus  dem  Possessern-See  zieht  die  höhere  Terrasse  dann  in  das 
Thal  des  Sapinen-Flusses  sowohl  in  dessen  westlichen  Arm,  der 
über  den  Jes-See  wohl  nur  einmal  vorübergehend  eine  Verbindung 
nach  W.  bei  höchstem  Wasserstande  vermittelte,  wie  auch  in  den 
östlichen  Hauptarm  zum  Gr.  Strengeln-See.  Sie  begleitet  auch  den 
S.-Rand  der  schon  geschilderten  nördlichen  Stromrinne.  Hier  ist 
sie  besonders  westlich  von  Kl.  Strengelu  wieder  schön  ausgeprägt. 

Zur  Zeit  des  Wasserstandes  der  höheren  Terrasse  haben  wieder- 
holt Versuche  der  Wasser  stattgefunden,  den  trennenden  Wall  zwi- 
schen den  beiden  Kinnen  zu  durchbrechen.  An  zwei  Stellen  östlich 
von  der  NO. -Ecke  des  Wilkus-Sees  haben  die  Wasser  aus  dem 
Sammelgebiet  der  nördlichen  Rinne  den  schmalen  Riegel,  der  sie 
von  der  südlichen  trennte,  durchschnitten.  Sie  haben  sich  wohl 
nur  ganz  kurze  Zeit  und  in  nicht  nenneuswerthem  Maasse  in  das 
südliche  Recken  ergossen,  denn  es  sind  sowohl  diese  Durchbrüche 
nur  schwach  wie  auch  die  beiden  in  ihrer  F'ortsetzunjT  auf  der  höhe- 
ren  Terrasse  liegenden  Rinnsale.  Wahrscheinlich  ist  es  hier  bald  zur 
Bildung  einer  auf  der  höheren  Terrasse  lieucenden  Wasserscheide  tre- 
kommen.  An  anderen  Stellen  sind  es  dagegen  zweifellos  die  südlichen 
Wassermassen  gewesen,  die  gegen  N.  vorstiessen  und  z.  B.  Ober 
das  heutige  PrzytuUer  Torf  bruch  bis  unmittelbar  au  das  Rittergut 
PrzytuUeu  vordrangen,  ohne  jedoch  ganz  durchzubrechen.  Die 
zweite  Stelle,  an  der  ein  solcher  Durchbruch  ebenfalls  nahezu 
vollendet  ist,  liegt  südlich  von  Kl.  Strengein  und  reicht  bis  an 
den  Friedhof  dieses  Dorfes.  Einen  von  N.  her  erfolgten  Durch- 
bruchsversuch l)o/eichnet  die  südliche  Ausl)uchtun«2C  des  jjcrossen 
zum  Dorfe  Przytulloii  gehörigen  Torfbruclies. 


LXXIX 

In  Verbindung  mit  dieser  höheren  Terrasse  findet  sich  dann  auch 
überall  die  niedere  Terrasse.     Sie   zeigt  allerdings  bei  weitem 
nicht  eine  so  scharf  ausgeprägte  Entwickelungsform  wie  jeue.     Drei 
Stellen  sind  es  jedoch,    wo   sie   auch   ganz  besonders  typisch  zur 
Ausbildung  gelangt  ist.     Die  eine  liegt  am  O.-Ufer  des  Wilkus- 
Sees,  etwas  nördlich  von  der  Wilkus-Mühle,   die   beiden  anderen 
*öi  N.-   und  S.-Ufer  des  westlichen  Zabinker  Sees.      Aus  dieser 
»^ertheilung  und  Verbreitung  der  oberen  Terrasse,  die  bis  in  das  Ge- 
hiet  des  Gr.  Strengeln-Sees  hineinreicht,  der  seinerseits  in  breiter, 
offener  Verbindung   mit  dem  Mauerseebecken  stand,  ergiebt  sich 
Jliit   zwingender  Nothwendigkeit,    dass    auch    im    Bereiche    jenes 
Reckens  die  Wassermassen  jenen  hohen  Stand  von  15  Meter  über 
dem   heutigen   gehabt  haben   müssen.      Es  müssen  demnach  auch 
am  Mauersee    und    den    ihm   angegliederten  Seebecken   von  jener 
höheren  Terrasse   Spuren    vorhanden   sein.     In    der  That    gelang 
es    auch,    wie    ich    einer    freundlichen    Mittheilung    von    Herrn 
L.  Schulte  verdanke,  solche  Marken  bei  der  Aufnahme  auf  Blatt 
Gr.  Steiuort    am    Schwenzait  -  See    aufzufinden.       Sie    schneiden 
nach    oben    mit    der    350  Fuss-Curve  ab.      Es    bliebe    daher   die 
weitere  Aufgabe  übrig,  die  Terrasse  auch  im  Bereich  des  übrigen 
Mauersee-Gebietes  nachzuweisen.      Als   eine  derartige   Terrassen- 
fläche   glaube    ich  die   ebene  Sandbarre  auffassen   zu  dürfen,    die 
den  Dsrall-See  vom  Mauersee    trennt.      Nach    einer    freundlichen 
Mittheilung   von  Herrn    Fr.  Kaünhowen  hat  er  ebenfalls  in  der 
gleichen  Höhe  von  ungeföhr  350  Fuss  ein  Paar,  wenn  auch  örtlich 
wenig  ausgedehnte  Terrassenmarken  auf  der  W.-Seite  des  Mauer- 
seegebietes festgestellt.     Die  eine  liegt  auf  Blatt  Rosengarten  beim 
gleichnamigen    Vorwerk.      Die   andere   findet  sich    am   westlichen 
Ufer    des    Deiguhn-Sees    auf  Blatt   Gr.  Stürlack^).      Die  weitere 
Verfolgung   dieser  Frage    scheint  mir   nicht  ohne  Belang  zu  sein. 
Der  Umstand,    dass    die   vou    Herru    C.  Gagel-)  nachgewiesene 
330  Fuss-Terrasse  im   N.  des   Mauersees    bei   Angerbnrg    keinen 


0  F.  Kaünhowen:  Wiss.  Ergeb.  der  Aufnahme  auf  Blatt  Gr.  Stürlack. 
Dieses  Jahrbuch  f.  1898,  S.  CCLXXXIV. 

*)  Bericht  über  die  Aufoahmearbeiten  auf  den  Blättern  Angerburg  und 
Krugiaoken  1899.     Dieses  Jahrbuch  f.  1899,  S.  LXVI  f. 


LXXX 

Abschluss  findet,  wird,  wie  mir  scheint,  von  ihm  mit  vollem  Rechte 
so  gedeutet,  dass  die  £ismassen  hier  damals  noch  den  Abfluss 
der  Wasser  sperrten  und  dieser  nach  S.  zum  Weichselgebiet  hin 
erfolgte.  Diese  Fragen  Ober  das  Mauerseegebiet  hinaus  weiter 
nach  S.  zu  verfolgen,  wird  erst  möglich  sein,  wenn  die  Auf- 
nahmen in  jenen  Gebieten  vorliegen  werden. 

In  Verbindung  mit  den  beiden  Terrassen  findet  sich  auf  ihrer 
Oberfläche  an  einer  ganzen  Reihe  von  Punkten  sowohl  auf  der 
westlichen  Goldapgar-Seite  wie  um  den  Brzuns-  und  Wilkus-See 
herum  eine  Ablagerung  von  Seekreide.  Sie  tritt  in  einzelnen 
Lappen  und  Flecken,  meist  in  dünnen  Lagen  auf.  Ihre  Mächtig- 
keit scheint  30  Centimeter  nicht  zu  überschreiten,  bleibt  jedoch 
meist  darunter.  Es  ist  ein  stellenweise  mehr  oder  weniger 
mergeliger,  bisweilen  auch  etwas  sandiger  Kalk.  Von  Organismen- 
Resten  fand  ich  nur  an  einer  Stelle  ein  Bruchstück  einer  Schnecken- 
schaale  (vielleicht  Limnaeus),  Ob  etwa  eine  Mikrofauna  in  dem 
Sediment  enthalten  ist,   niuss  erst  noch  die  Untersuchung  lehren. 

Nicht  ohne  Belaug  ist  weiter  der  Umstand,  dass  es  mir  ge- 
lang, an  zwei  Stellen  auf  der  höheren  Terrasse  die  sog.  »Furchen- 
steine« aufzufinden.  Die  eine  liegt  südöstlich  von  Przytulleu,  die 
andere  südöstlich  von  Karlsberg,  in  der  Nähe  des  Trig.  Punktes 
3H3.  Diese  Furcheusteine  sind  ein  Beleg  dafür,  dass  zur  Zeit 
jenes  hohen  Wasserstandes  bereits  jene  »steinfressenden«  Algen 
hier  lebten,  als  deren  Werk  man  wohl  die  Sculptur  dieser  Steine 
anzusehen  berechtigt  ist.  Solche  Gebilde  recenter  Entstehimg 
sind  ja  bereits  von  Herrn  (j.  Müller^)  aus  ostpreussischen  Seen 
beschrieben,  dagegen  sind  sie  meines  Wissens  aus  diluvialer  Zeit 
noch  nicht  bekannt. 

Auf  eine  wichtige  Eigenschaft  der  Terrassen  möge  hier 
noch  hingewiesen  werden ,  nämlich  auf  ihre  Beziehungen 
zu  den  prähistorischen  Siedelungen.  Durch  eine  ganze  Reihe 
von  Funden  (Urnenscherben,  Feuersteinmesser  und  -Scherben, 
sowie  gebrannte  Knochen)  gelang  es  mir  nachzuweisen,  dass  auf 
beiden  Seiten  des  Goldapgar-,   wie  des  Wilkus-  und    Brzuns-Sees 

0  Ueber  Furchensteine  au&  Masuren.  (Zeitsclir.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.,  Bd.  49, 
1897,  Verhandl.  S.  27.) 


LXXXI 

und  im  Sapinen-Thal  besonders  die  obere  Terrasse  von  den  da- 
maligea  Menschen  bevorzugte  Stätten  für  ihre  Siodelungen  bezw. 
Friedhöfe  waren.  Ueber  die  gemachten  Funde,  die  dem  Ost- 
preusfiischen  Provinzialmuseum  überwiesen  wurden,  wird  von  dort 
eine  Mittheilung  erfolgen. 

Ausser  den  beiden  Diluvial  -  Terrassen  findet  sich  dann 
noch  eine  alluviale,  bis  3  Meter  über  dem  heutigen  See- 
spiegel liegende,  als  Ufersaum  der  heutigen  Wasserfluthen. 
Sie  besteht,  mit  Ausnahme  der  Gr.  Eschenortcr  Halbinsel,  immer 
aus  Sand.  Dort  dagegen  ist  es  ein  Thon  bezw.  Thonmergel, 
der  auch  unterseeisch  nach  O.  noch  weiter  fortzusetzen  scheint 
und  wohl  als  der  Rest  einer  grösseren  Beckenbildnng  angesehen 
werden  muss. 

Ä.  Jentzsch:  Beobachtungen  über  Kreide,  Tertiär, 
Diluvium  und  Alluvium  Westpreussens. 

lu  den  Jahren  1899  und  1900  wurden  im  Weichselgebiete 
die  Blätter  Seh  wetz  und  Sartowitz  (Gr.  A.  33,  No.  31,  32)  kartirt, 
und  Blatt  Okonin  (Gr.  A.  33,  No.  34)  vollendet.  Ausserdem  wur- 
den Revisionen  bei  Danzig  und  eine  geologische  Erforschung  von 
^rundwasserverhältnissen  des  Elbinger  Landkreises,  sowie  eine 
geologisch-agronomische  Kartirung  der  Domäne  Rehden,  Kreis 
^'^raudenz  (Gr.  A.  33,  No.  40)  im  Maassstabe  1  :  10000  aus- 
gefthrt. 

V^ortertiäre  Schichten  wurden  hierbei  nirgends  an  der  Ober- 
fläche beobachtet.  Wohl  aber  wurde  der  in  Seh  wetz  und  Grau- 
^^Dz  früher  erbohrte  kreideähnliche  Mergel,  der  in  Ermangelung 
^OQ  Versteinerungen  bisher  nur  nach  seiner  Ueberlagerung  durch 
^^rtiär  und  seiner  petrographischen  Aehnlichkeit  mit  der  Ver- 
^*^^nerungen  ftihreuden  Kreide formation  von  Thorn  zu  letzterer 
8*2ogea  worden  war,  dem  Kreidegebiete  des  nördlichen  West- 
P^'^ussens  durch  einen  in  die  bisherige  Lücke  fallenden  Bohr- 
^^^fschluss  angenähert.  Zu  Marienwerder  traf  eine  in  der  Artillerie- 
•^aserne  (nahe  dem  Bahnhofe)  angesetzte  Brunnenbohrung  von 
^^^*a   150 — 247,35   Meter    Tiefe     Kreidemergel,    welche    einzelne 

•Ithrhnch    1900.  f 


txxxit 

VersteineruDgeu  lieferten.  Unter  letzteren  ist  ein  Ananchytes 
ovatus  aus  232,50  Meter  Tiefe  zu  nennen.  Obwohl  diese  Art 
eine  erhebliche  verticale  Verbreitung  besitzt,  genügt  sie  doch,  um 
den  Charakter  dieser  Schichtengruppe  als  Obere  Kreide  zu  be- 
stätigen. 

Im  Tertiär  wurden  die  schon  früher  beschriebenen  Auf- 
schlüsse des  Schwarzwasserthaies  bei  Seh  wetz  durch  neue  Beob- 
achtungen vermehrt  und  vom  S.-Rande  dieses  Blattes  bis  über 
den  N.-Rand  desselben,  sowie  weiter  nördlich  auf  Blatt  Laskowitz 
in  fast  ununterbrochener  Kette  verfolgt.  Es  sind  vorwiegend 
sandige  Süsswasserbildungen,  die  nach  Alter  und  Beschaffenheit 
als  Braunkohlenbilduug  zu  bezeichnen  sind,  jedoch  bisher 
nur  geringfügige,  unbauwürdige  Kohlenflötze  gezeigt  haben.  Ihrem 
Alter  nach  entsprechen  sie  der  »Posener  Braunkohlenbildung«,  da 
sie  —  gleich  dieser  —  weiter  südlich  von  Posener  Thon  über- 
lagert und  von  »Thorner  Thon«  unterteuft  werden.  Letzterer  ist 
ein  durch  Kohlenstaub  braungefärbter,  staubiger,  glimmerhaltiger, 
fester  Letten,  der  in  erheblicher  Mächtigkeit  die  Unterlage  der 
sandij^en  Braunkohlenbild  unc:  bei  Seh  wetz  und  Graudenz  bildet 
und  dort  über  dem  erwähnten  Kreidemergel  liegt.  Zwischen  den 
gleichen  Schichten  wurde  dieser  »Thorner  Thon«  ostwärts  bis 
Hermannshöhe  hei  Hi.schoföWenler,  südwärts  bis  Thorn,  und  von 
dort  südwestlich  bis  Sc-hönfelde  bei  (inesen  und  Obornik  in  der 
Provinz  Posen  durch   Bohrprofile  nachgewiesen. 

Von  Interesse  ist  die  Auffindung  bernsteinführenden 
Tertiärs  auf  Blatt  Oxhöft  (Gr.  A.  16,  No.  26).  Nahe  der  S.- 
Grenze  dieses  Blattes,  bei  Johanniskrug,  westlich  der  Danziger 
Chaussee,  beoba'htete  Verfasser  in  der  Grube  einer  kleinen  Zie- 
gelei von  oben  nach  unten  folgende  Schichten: 

0,8      Meter  Geschiebelehm 
0,4  »        Diluvialsand  J 

3—4  »        irelblichen   Geschiebemergel  ^  Diluvium 

0,6  »       gelben,  thonähnlichen  Geschiebe-        etwa  6  Meter. 

mergel  \ 

0,8  »        ziegelrothen  Geschiebemergel 


LXXXIII 

KO     Meter  groben,   aber  durch  Staubn^ehalt 

bindigen  Quarzsaud,   welcher 

in    den   obersten    0,2   Metern 

nussgrosse  Gerolle  von  Quarz 

und  Quarzit  enthält  3,6—3,8  Meter 

0,8—1,0      »       grünlichen,  feinen  Sand  Tertiär. 

1,8         »       bräunlichen,  feinsandigen  Letten 

mit  einem  Bernsteinstück,  an 

der    Grubenwand   mit  gelben 

Ausbiübungen 

Die  Grenze  zwischen  Dihivium  und  Tertiär  lag  in  der  Grube 
auDäbernd  horizontal.  Der  Fund  eines  Bernsteiubtückchens  im 
Jortigen  Tertiär  würde  wenig  bemerkenswerth  sein,  wenn  nicht 
etwa  7  Kilometer  nordnordwestlich  auf  demselben  Blatte  im  Dorfe 
Pogorsch  an  der  Basis  des  Tertiärs  bei  150  Meter  Tiefe,  nahe 
über  der  bei  159  Meter  getroffenen  Kreide,  ein  bernsteinführender 
Sand  erbohrt  worden  wäre. 

Im  Diluvium  wurde  der  Untere  Geschiebemergel, 
<les8en  Zu-Tage-Treten  für  die  Danziger  Gegend  bisher  zweifel- 
haft war,  auch  dort  in  mehreren  Aufschlüssen  nachgewiesen.  So 
zu  Halbe  Allee  bei  Danzig,  nördlich  der  Zoppoter  Brauerei  und 
am  Seestrande  bei  Hoch-Redlau  (Adlershorst).  Am  letzteren  Orte 
wird  er  von  unterdiluvialem  Yoldiathon  überlagert  und  von  einem 
!iuf  Tertiär  ruhenden,  Blöcke  führenden  Diluvialgrande  unterteuft 

Auch  bei  Schwetz  konnten  mehrere  Geschiebemergelbänke 
^lüterschieden  werden,  deren  unterste  auf  Tertiär  liegt  und  von 
Thonmergel  bedeckt  wird. 

Die  Thalstufen  des  Schwarzwasserthaies  enthalten  —  insbe- 
sondere zwischen  Bedienken  -  Mühle  und  Groddeck  —  gewaltige 
*^'ockanhäufungen,  welche  unter  Benutzung  einer  Feldbahn 
•^"gebaut  werden.  Sie  erscheinen  zunächst  als  Auswaschungs- 
""^ckstand  des  in  der  dortigen  Thalsohle  grösstentheils  zerstörten 
^duviums,  dürften  aber  auch  Beziehungen  zu  einer  dort  verlau- 
^**oden  Endmoräne  haben. 


LXXXIV 

Die  Sandr  der  letzteren  treteu  stelleDweise,  zumal  bei  Sarto- 
witz,  biß  hart  au  das  Steilgehänge  dos  Weicliselthales  heran.  Ihre 
geschiebefflhrendeii  Sande  (Os)  werden  bei  Sartowitz  flächenhaft 
von  geschiebefreieni  Thoninergel  uuterhigert,  der  zweifellos 
jungglacial  ist,  aber  nach  der  bisherigen  Bezeichnungsweise  *  als 
oberste  Schicht  des  Unteren  Diluviums  darzustellen  war.  Ver- 
fasser möchte  ihn  als  Absatz  eines  Stausees  der  Kückzugsperiode 
des  letzten  Inlandeises  auffassen.  Die  Geschiebefiihrung  der  ihn 
bedeckenden  Sande  dürfte  kein  Hinderniss  f))r  diese  Auffassung 
sein,  sondern  eher  auf  ein  gesetzmässiges  Verhältniss  hindeuten, 
wie  es  entsteht,  wenn  Seenspiegel  gesenkt  und  die  bisher  stein- 
armen Binnenseo-Böden  von  flacherem,  zeitweise  Eisschollen  fah- 
rendem Wasser  Oberflossen  werden. 

Für  die  Verbreitung  I  nterglacialer  Schichten  ist  er- 
wähnenswerth,  dass  das  im  vorigen  Berichte  ^)  aus  den  Bohr- 
profilen des  Graudenzer  Wasserwerkes  beschriebene  Süsswasser- 
Interglacial  im  gleichen  geologischen  Horizonte  neuerdings  zu 
Stremotzin  erbolirt  wurde.  Seine  unterirdische  Erstreckuu«:  ist 
dadurch  auf  etwa  1300  Meter  nachgewiesen.  Näheres  darüber 
berichten  die  Erläuterungen  /u  Blatt  Graudenz  und  die  denselben 
beigegebene   Bohrprofil-Tafel. 

Im  Alluvium  wurden  die  aus  den  Nachbarblättern  beschrie- 
beneu Verhältnisse  wiedergefunden.  Dünen  treten  hin  imd 
wieder  in  Sandgebieteu  der  Platte,  sowie  (als  »Obere  Stufen- 
dünen«)  an  der  Oberkante  der  Thalgehänge  auf,  wo  sie  z.  B.  im 
Jagen  17  der  königlichen  Oscher  Forst  an  der  Prallstelle  des 
Schwarzwassers  unterhalb  der  Laskowitz  -  Tucheier  Eisenbahn, 
Scherben  ans  heidnischer  Vorzeit  überdecken.  Etwas  flächenhafter 
sind  sie  auf  den  Thalsanden  entwickelt,  und  in  Einzelhügeln,  wie 
in  langen,  in  der  Längsrichtung  des  Weichseithaies  angeordneten 
Kücken  tauchen  sie  aus  dem  Schlick  und  Plusssand,  dem  Torf 
und  Moormersrel  der  rechtsseitigen   Weichselniedernnff  auf. 

Neben  Sand,  Wieseulehm,  Schlick,  Moorerde  und  Torf  ist 
im    Alluvium    auch    Kalk    recht    verbreitet.     Er    findet    sich    als 

>;  l)ioso>  Jahrbuch   f.    1898,  S.  CC. 


LXXXV 

Wipbcükalk  im  Untergrund  zahlreicher  Torflager  der  Höhe  und 
Niederung,  sowie  als  Moormergel  unter  weiten  Wiesenflächen 
der  Weichselniederung,  wie  an  Gehängeböden  der  Höhe,  wo  er 
(z.  B.  bei  Rehden)  einen  reichen  Ackerboden  liefert. 

J.KoRN:  Ueber  Aufnahmen  auf  den  Blättern  Massin, 
Hühenwalde  und  Költschen  in  den  Jahren   1899 — 1900. 

Die  Massiner  Platte,  von  der  ich  in  meinem  früheren  Be- 
richte*) schon  gesprochen  habe,  zeigt  dieselbe  Ausbildung  der 
Oberfläche  wie  die  Liebenower  und  Zorndorfer  Platte.  Der 
Obere  Geschiebemergel  ist  kuppenförmig  entwickelt;  die  Senken 
zwischen  den  Kuppen,  die  oft  einen  thalähulichon  Charakter  an- 
»ehiucD,  sind  häufig  vom  Oberen  Sande  ausgofnllt.  Abschnitts- 
profile zeigen  sich  nur  am  Sodrande  der  Platte.  Die  Dolgeubcrge 
fec  ich  jetzt  als  Aufschüttungen  auf,  da  ich  die  beiden  kleinen 
Jetzeii  von  Oberem  Geschiebemergel ,  die  zu  der  Auffassung  als 
J^nrchragungen  Veranlassung  gegeben  hatten,  nicht  mehr  für 
«"chte  Gnindmoräne  halte. 

Was    die  Liebenower  Platte   anlangt,    die    noch    einen  Theil 
^^es  Blattes  Költschen  und  den  grössten  Theil  des  Blattes  Hohen- 
^alde    einnimmt    —    ein    schmaler  Streifen    am  N. -Rande    dieses 
ö/attes  wird  vom  Sandr  eingenommen  — ,  so  beruht  deren  Höhen- 
f*nt Wickelung    (bis    140,2  Meter,    während    der  Sandr    bei    50  bis 
60  Meter,    das  Warthethal   bei  20  Meter    Meereshöhe  lie<]ren)    anf 
dem   Aufragen  der  märkischen  Braunkohlenformation,  die  in  ihrer 
hangenden    und    liegenden  Abtheilung  ausgebildet  ist.     Seit  1853 
i^eht    hier    ein  (freilich    unbedeutender)  Braunkohlenbergbau    um; 
Von  den  drei  Flötzen  der  oberen  Abtheilung  und  dem  einen  bisher 
bekannten  der  unteren  wird  nur  das  hängendste  Flötz  der  oberen 
in  einer  Mächtigkeit  von   1,5  —  2  Meter  abgebaut.    Die  Flötze  sind 
in  Falten  gelegt,    die   in  der  Richtung  des  Warthethalrandes  auf 
dem  Blatte,    also  etwa    von  WSW. — ONO.  streichen;    das   nörd- 
liche Einfallen  der  Sättel,  das  sich  bis  zur  Ueberkippung  steigern 
kann,    ist  meist    steiler  als    das   südliche.     Beruht  das  horstartige 

•)  Dieses  Jahrbuch  f.  1898,  S.  CLXXXII. 


LXXXVI 

Aufragen  des  Tertiärs^  das  eine  absolute  Höbe  von  über  130  Meter 
erreicht,  wohl  unzweifelhaft  auf  tektonischen  Ursachen,  so  möchte 
ich  doch  fbr  die  Specialfaltung  das  Inlandeis  als  wirkenden 
Factor  in  Anspruch  nehmen.  Und  zwar  sehe  ich  als  die  wirk- 
same Kraft  den  Druck  des  Inlandeises  au,  das  durch  einseitige 
Belastung  in  die  weichen  Schichten  einsinkend  vor  seinem  Rande 
ein  wallartiges  Aufwölben  mit  steilerem,  nördlichen  Einfallen  der 
Sättel  bewirken  muss.  während  Schubwirkuug  gegen  Hindemisse 
ein  steileres,  südliches  {Einfallen  der  Sättel  erzeugen  müsste  ^). 
Auf  Blatt  Hohenwalde  findet  sich  ein  schöner  Aufschluss,  der 
das  Gesagte  illustrirt,  in  der  Thougrube  am  Fusse  der  Wurzel- 
berge nördlich  vom  Wege  nach  Christinenhof.  Hier  wird  ein 
glacialer  Bänderthou  unmittelbar  vom  Oberen  Geschiebemergel 
überlagert;  der  Bänderthou  ist  in  nach  N.  überkippte,  etwa  O. — W. 
streichende  Falten  gelegt,  die  der  Gesehiebemergel  horizontal  ab- 
schneidet. 

Das  Diluvium  ist  auf  der  Höhe  der  Platte  sehr  wenig  mächtig, 
oft  ist  das  Tertiär  nur  von  einem  5 — G  Meter  mächtigen  Oberen 
Geschiebemergel  überlagert  und  es  fehlen  alle  anderen  diluvialen 
Bildungen;  an  vereinzelten  Stelleu  tritt  das  Tertiär  auch  zu  Tage. 
Sodlich  von  der  höchsten  Aufragung  des  Tertiärs  wird  das  Dilu- 
vium immer  mächtiger;  in  den  eolossalen  Abschnittsprofileu  des 
zersägten  Warthethalraudes  ist  oft  der  Untere  Gesehiebemergel 
zu  beobachten,  der  indess  nicht  als  zusammenhängende  Schicht, 
sondern  nur  in  linsenförmigen  Partien  auftritt. 

Die  Liebenower  Platte  zeigt  eine  vom  Oberen  Gesehiebe- 
mergel gebildete,  kup})ig  -  wellige  Oberfläche,  in  deren  zuweilen 
thalartigen  Senken,  die  ich  als  subglaciale  Rinnen  auflasse,  häufig 
Oberer  Sand  abgelagert  ist.  Zwei  von  diesen  Senken,  von  denen 
die  eine  durch  Stennewitz  und  Liebenow  hindurchzieht,  die 
andere  nordöstlich  von  Katzdorf  durch  die  Ratzdorfer  Haide 
nach  Hohenwalde  zu  verläuft,    durchziehen    in   der  Richtung  von 

*)  Die  schöne  Beobachtung,  die  Wahnschaffe  in  der  Zcitschr.  d.  Deatsch. 
geol.  Ges.  1882,  Bd.  34,  S.  577,  veröffentlicht  hat,  zeigt,  in  welcher  Weise  eine 
einseitig  belastend«'  Wirkung  auf  <Mn<Mi  iiachp;iobi^»»n  Untergrund  in  Krsohei- 
nun»<  trilt. 


LXXXVII 

NW.- SO.  die  ganze  Platte;  der  sie  ausfiilleude  Saud  setzt  sich 
aus  den  Rinneu  der  Hochfläche,  in  denen  er  noch  vom  Oberen 
Geschiebeniergel  unterlagert  wird,  fort  in  die  tief  eingeschnittenen 
Seiteuthälchen  des  Warthethales,  die  vom  Duhringshöfer  Mühlen- 
fliess  und  dem  Klingefliess  durchflössen  werden.  Da  die  allu- 
vialen Kinnen  dieser  Thäler  mit  einem  Absatz  von  mehreren 
Metern  Höhe  gegen  die  ebene  Sandfläche  des  Thaies  abschneiden, 
so  möchte  ich  diesen  Sand  für  diluvial  halten. 

In  dem  Oberen  Sande  des  Sandrs  am  nördlichen  Rande  von 
Blatt  Ilohenwalde  finden  sich   in  der  Gegend   der  Försterei  Mar- 
witz   häufig    thonige    und    feinsandige    Partien,     die    bei    Zanzin 
j>ich  zu  grösseren  Mergelsandflächen  zusammenschliessen,  die  viel- 
fach noch  auf  Oberem  (ieschiebemergel  auflagern.     Im  NW.  des 
Blattes  Landsberg    geht    dieser  Mergelsand    in    einen  Bänderthon 
ober,   der    in    dem    die    Liebenower   Platte    östlich    begrenzenden 
Kladowthale   zwischen  Landsberg    und  Ilimmelstädt    in   mehreren 
Zieoreleien  abgebaut  wird.     Es    ist    dieser  Bänderthon    das  feinste 
"nd  danim  am  weitesten  verschwemmte  Material    der    durch    das 
Abschmelzen    des   Inlandeises,    das    an    der    Endmoräne    nördlich 
davon  noch   festlag,    erzeugten  Aufbereitungsproducte.      Mit    dem 
Bänderthone   des  Kladowthales  stelle    ich  völlig    in  Parallele    den 
ßänderthon  des  Vietzethales,  den  ich  ebenfalls  für  ein  Erzeugniss 
der  Al)schmelzung  des  letzten  Inlandeises  halte. 

Südlich  von  Zanzin  liegt  östlich  vom  Neuendorfer  Wege  an 
der  Mündung  einer  südlich  von  Marwitz  entspringenden,  etwa 
4—5  Kilometer  langen,  heute  trockenen  Rinne,  deren  Boden 
keineswegs  gleichsinniges  Gefälle  zeigt,  ein  Schuttkegel  von  typi- 
scher Form  in  einer  Grösse  von  etwa  200  Morgen,  der  in  die 
Eintiefung  des  Sandrs  hineingeschüttet  ist  und  auf  die  oben  er- 
wähnten Mergelsande  noch  randlich  übergreift.  Ein  alluviales 
Alter  för  dieses  Gebilde  anzunehmeü,  erscheint  nicht  angängig. 
Erstens  ist  die  Rinne  vollständig  trocken,  dann  spricht  auch  die 
Bescbaflfenheit  des  Sandes,  aus  dem  der  Schuttkegel  aufgebaut  ist, 
dagegen;  es  ist  ein  völlig  reiner  Sand  ohne  jede  thonige  oder 
lehmige  Beimengung,  die  wohl  sonst  nicht  fehlen  würde,  da  die 
Wände    der  Rinne    grösstenthoils    aus   Geschiebemergel   bestehen. 


LXXXVIII 

Kiidlich  zeigte  der  Bodeu  der  Rinuc  ein  wechselndes  Gefälle,  wie 
es  subglacialen  Rinnen  häufig  eigen  zu  sein  pflegt.  Ist  aber  der 
Schuttkegel  diluvial,  so  war  bei  seiner  Ausbildung,  die  nur  in  die 
Abschmelzperiode  fallen  könnte,  das  Inlandeis  von  den  Theilen, 
die  heute  der  Sandr  dort  erfüllt,  schon  zurtickge wichen.  Ich  bin 
darum  der  Ansicht,  dass  hier  ein  Argument  vorliegt  für  das  Fort- 
bestehen einer  Eisbedeckung  auf  der  Liebenower  Platte,  nachdem 
in  dem  tiefer  liegenden  Sandr  das  Eis  bereits  abgeschmolzen  war. 

2  Kilometer  südlich  vom  Dorfe  Hohen walde  liegt  400  Meter 
westlich  vom  Wege  Hohenwalde-Liebenow  dem  Oberen  Geschiebe- 
mergel aufgelagert  eine  völlig  ebene  Platte  aus  sehr  feinkörnigem 
bis  thonigem  Sande,  die  5 — (>  Meter  mächtig  wird  und  nach  allen 
Seiten  (mit  Ausnahme  der  NW.-Seite)  ziemlich  steil  abfällt  Ufer 
sind  filr  diese  Ablagerung,  die  der  petrographi sehen  Beschaften- 
heit  des  Sandes  nach  zweifellos  in  einem  Becken  sich  gebildet  hat^ 
nicht  vorhanden;  man  wird  das  Eis  als  ehemaliges  Ufer  voraus- 
setzen müssen,  und  ich  stehe  nicht  an,  das  Gebilde  mit  dem  aus 
Ostpreussen  und  sonst  vielfach  bekannten  Deckthon  in  Parallele 
zu  stellen. 

In  Bezug  auf  krystalline  Geschiebe  sei  erwähnt,  dass  ich  diMu 
Oberen  Gescliiebemergel  bei  Massin  ein  Basaltgeschiebe  ent- 
nommen habe,  das  zweifellos  aus  Schonen  stammt.  Es  ist  das 
mit  einem  b(*i  ürossen  von  mir  aufgefundenen  Basaltgeschiebe 
das  östlichste  bisher  bekannte  Vorkommen  von  vSchonenscheni 
Basalt. 

M.  Schmidt:  Unteroligocäu  von  Vardeilsen  bei  Ein- 
beck. 

Nordwestlich  von  dem  Dorfe  Vardeilsen  (Blatt  Dassel  der 
Landesaufnahme)  befindet  sich  an  dem  auf  Avendshausen  zu 
führenden  Wege,  300  Meter  vom  Ausgange  des  Dorfes  entfernt, 
seit  lange  ein  Aufschluss  in  schiefrigem  Thon  des  Unteren  Lias, 
in  dem  SchJotheimia  angulata  ziemlich  häufig  vorgekommen  ist. 
Es  wurde  hier  früher  für  einen  kleinen  Ziegeleibetrieb  Thon  ge- 
wonnen. Jetzt  findet  auch  noch  ein  Abbau  in  der  Grube  statt, 
aber  auf  tertiären  F  o  r  m  s  a  n  d ,  der  der  schiefen  Abrasionsfläche 


LXXXIX 

des  Thoues  von  N.  her  aufgelagert  i«!  und  für  die  Alfelder  Eisen- 
hfitteu  gewonnen  wird. 

Das  Vorkommen  liegt  als  flache  Insel  in  dem  Lösslehm  des 
Thaies,  ohne  ihn  wesentlich  zu  überragen.  Die  untere  Hälfte  der 
zur  Zeit  etwa  5  Meter  mächtig  aufgeschlossenen  Schichten  besteht 
aus  losem,  feinem  Sand  von  gelblicher  Farbe,  der  nach  oben  auf 
etwa  Ya  Meter  in  mürben  Sandstein  übergeht;  die  obere  Hälfte 
des  Aufschlusses  zeigt  mehr  graugrünliche,  verwittert  bräunliche 
Farben.  Dieser  Farbenwechsel  wird  veranlasst  durch  Auftreten 
von  Glaukonit  und  von  dunkelgrauer  thoniger  Substanz,  die  den 
Schichten  ein  wenig  mehr  Festigkeit  verleiht.  Dieser  beigemischte 
Thon  ist  nicht  homogen  vertheilt,  sondern  durchwirkt  den  Sand 
in  feinen  Flocken  und  Ballen,  als  ob  ihn  eine  schwache  Strömung 
bei  der  Ablagerung  rollend  bewegt  hätte.  Ausserdem  sind  der 
^^anzeo  Ablagerung  kleine  gerollte  Stückchen  von  wohl  liassischeni 
Tbouschiefer  eingestreut,  der  ja  in  der  Eiubeck-Markoldeudorfer 
Mulde  weit  verbreitet  ist.  Das  Tertiärvorkommen  ist  von  dem 
schon  erwähnten  Lösslehm  umhüllt,  aber  meistens  von  ihm  durch 
eiue  Geröllschicht  geschieden,  die  in  dieser  ganzen  Gegend  sehr 
vielfach  die  Basis  der  Lössablagerungen  bildet  i).  Das  Material 
der  Geröllmassen  bildet  hier  Muschelkalk,  der  die  nächstbeuach- 
barten  Höhen  fast  ausschliesslich  zusammensetzt.  Die  unmittelbar 
unter  der  Gerölldecke  folgende  Schicht  des  Formsandes  ist,  viel- 
leicht auf  Kosten  der  kalkrcicheu  Decke,  in  eine  an  Lösspuppen 
sehr  reiche,  hochprozentige  Mergelschicht  verwandelt. 

Der  Formsand  ist  durchweg  ziemlich  fossilarm,  und  die 
Fossilien  sind  ausserordentlich  mürbe,  sodass  es  nicht  wenig  Mühe 
gekostet  hat,  die  unten  aufgeftUirte  Fauna  zum  Theil  durch  vor- 
sichtiges Schlemmen,  zum  Theil  durch  Herausschneiden  aus  dem 
Anstehenden  zu  erhalten.  Keine  der  beiden  Methoden  reichte 
aus,  um  sehr  zarte  Formen  zu  gewinnen,  auf  die  ich  also  ver- 
zichten musste,  und  die  iu  dem  Verzeichniss  der  Fauna  fast  gänz- 
lich fehlen.  Aber  auch  von  den  übrigen  Fossilien  sind  viele 
mangelhaft  erhalten,  viele  liegen  nur  in  Bruchstücken  vor,  sodass 

0  Emjcrsoit,  Die  Liasmuldo  von  Markoldendorf  bui  Einbeck,  1870  S.  7,  Anm. 


xc 

die  Bestimmuugen  nicht  säninitlich  mit  gleicher  Sicherheit  erfolgeu 
kounten.  Indessen  hat  ein  Theil  derselben  Herrn  Geh.  Kath 
V.  KoENEN  vorgelegen,  der  mir  Gelegenheit  gab,  die  Bestimmungen 
gelegentlich  im  Geologischen  Institut  der  Universität  Göttingen 
auszuflQhren.  Es  ist  mir  eine  angenehme  Pflicht,  dem  genannten 
Herrn  fl\r  diese  Freundlichkeit  meinen  besten  Dank  auszusprechen. 

Fossilliste. 

Balanophyllia  subcylindnca  Phil.  sp. 

Argiope  multicostata  BOSQÜ. 

Cistella, 

Terebratula  gi^andia  Blümenb. 

Terebratulina  aspet'ula  v.  KOEN. 

»  multistriata  Dkr.  var. 

Anomia  asperella  Phil. 
Pecten  pictus  Gdf.  var.  microta  v.  KOEN. 
Pecten  bellicostatas  S.  WoOD. 
Spondylua, 
Perna^)  sp.  iud. 
Ijtma  e.riniia  GlEB. 

»       fdrplanafa  v.   KoEK. 
Dimjia  fragilü  v.  KoEN. 
NuculeUa  lamellosa  v.  Koen. 
Liniopsis  retifera  v.  Koen. 
Pectunculua  lunulatus  Nyst. 
Area  decu'^safa  Nyst. 

»       incomposita  v.  Koen. 

»      dactylns  v.  Koen. 

»      lamellosa  Desh. 
Nucula  sulcifera  v.  Koen. 
Leda  crispata  v.  KoEN. 
Chama  monstrosa  Phil. 
Cardium  semilineatum  v.   KoEK. 
Crassatella  seynirugosa  v.   KOEN. 

')  Bisher  Id  norddeutsclioiu  Unteroligocäu  Doch  nicht  gefunden. 


XCI 

Astarte  Boaqueti  Nyst. 
Cardita  tumida  v.  KoEN. 

»       suborbicularis  Sandb. 
Cytkerea  porrecta  v.  KoEN. 
Syndoamya  protensa  v.  KoEN. 
Corbula  descendens  v.  Koen. 

»        subaequioalvts  v.  Koen. 
Pholadomya  alata  V.  KOEN. 
Murex  fusiformü  Nyst. 
Pleurotoma  fusifoi'mis  GlEB. 

»  cf.  Ewaldi  V.  Koen. 

Pseudotoma  conifoi^mis  v.  KoEN. 
Raphitoma  cf.  ^r^c^a  v.  KoEN. 
Natica  cf.  hantoniensis  Phil. 

»       cf.  achatensü  Recluz. 
Cerithium  cf.  sajconicum  v.  Kokn. 

Xenophora  petrophora  v.  Koen. 
Pleurotomaria  Sismondai  GoLDF. 
Margarita  nitidüsima  Phil. 
Turbo  Cef.   Bundemü  v.  Koen..^ 
Emarginvla  cf.   Nystiana  BoSQU. 
Scutum  (cf.  turgidum  v.  KOEN. /) 
Calyptraea  striatella  Nyst. 
Tornatella  aimulata  Solander  sp. 
Ringkula  cf.  aperta  v.  Koen. 
Dentalium  acutum  Hebert. 
Otolithua  (Raniceps)  latisulcalu^  Koken. 

»  (Gadun)  siniplex  KoKEN. 

»  »        äff.  elegana  KoKEN. 

(Perddaruin)  plebejus  Koken. 
(Penstedion)  sp.  md^^. 


» 
» 


Vorstehende  Liste  würde  sich  beim  Weiterführen  des  sehr 
mühsamen  Sammeins  zweifellos  noch  wesentlich  vermeinen  lassen, 
da  jetzt  schon   von    einer   ganzen  Reihe   von    ferneren  Arten    sich 


XCIl 

Spuren  vorgefunden  haben,  die  für  eine  auch  nur  annähernde  Be- 
stimmung nicht  ausreichten.  Ferner  habe  ich  auf  die  Einreihung 
einiger  ganzen  Thiergruppen,  wie  Echinodet^men^  Bryozoen^  Ostra- 
Coden  und  Foramimfereti  ^  von  denen  immerhin  einiges  mit  ge- 
funden wurde,  vorläufig  verzichtet. 

Der  unteroligocäne  Charakter  der  Fauna  kann  mit  Rück- 
sicht auf  mehrere  leicht  kenntliche  und  sehr  bezeichnende  Formen 
nicht  zweifelhaft  sein.  Im  Speciellen  besteht  eine  augenscheinliche 
Verwandtschaft  mit  dem  Vorkommen  an  der  Brandhorst  bei  Bünde. 
Dieser  Fundort  zeichnet  sich  freilich  vor  dem  von  Vardeilsen 
durch  viel  grösseren  Kcichthum  an  Organismenresten  aus,  deren 
vielfach  zertrümmerte  und  auch  wie  abgeriebene  Beschaffenheit 
den  Gedanken  an  Strandbildung  und  Wellenthätigkeit  nahegelegt 
hat.  Doch  ist,  wie  A.  v.  Koenen  bemerkt^),  das  Vorkommen 
von  recht  frisch  erhaltenen  Exemplaren  von  Pleurotomaria 
fSiamondai  GoLDF.  dann  darin  immerhin  auffallend.  Man  könnte 
daran  denken,  dass  die  zum  Theil  zertrümmerte  und  corrodirtc 
Beschaffenheit  der  Fossilien  auf  Rechnung  der  Gebisse  und 
Verdauuugssäfte  von  Fischen  zu  setzen  sei.  Wenigstens  ist 
nouerdinors  durcli  die  Untorsuchunocen  der  biolon^ischen  Station 
auf  IleltToland  die  roecnte  Hildun<r  solcher  trümnierreicher 
Ablagerungen,  sogen.  Muscholschilles,  unter  fischreichen  Grün- 
den des  Meeres  festgestellt.  Die  von  den  Fischen  herbei- 
gebrachten  Bestandtheile  können  dann  mit  einer  dem  Meeres- 
l)oden  eigenthümlichen  Fauna  in  l)eliebiger  Mischung  abgelagert 
werden. 

Zu  den  auffallenderen  Formen,  die  auch  für  die  Hrandhorst 
l)ezeichnend  sind,  gehört  grade  die  oben  erwähnte  Pleurotomaria 
Sismondai\  neben  der  vor  allem  noch  die  verirlcichsweise  häufio^e 
Terebratuhi  (/raftdis  Blumenu.  zu  nennen  ist.  Sonst  ist  für  Var- 
deilsen bezeichnend  die  Häufigkeit  der  zierlichen  Diinya  fragüu 
v.  KoEN.,  die  sich  zu  Hunderteu  von  Kxemplaren  sammeln  lässt. 
Üebertroffen  wird  sie  an  Häufigkeit  nur  durch  die  als  var. 
mlcrota  v.   Koen,  bekannte   Form    des   IW-ten   picfufi  GoLDF.      Die 

')   Da^  Dorddeiitsche  Untern ligocan  und  seine  Mollusken fauna,  S.   1430. 


XClIt 

in  Vardeiisen  vorkoinmendeu  erwachsenen  Exemplare  der 
leicht  kenntlichen  Form  zeigen  regelmässig  eine  starke  Ein- 
biegung des  Randes  der  im  Uelirigen  flachen  Muschel,  durch 
die  ohne  wesentliche  Vergrösseruug  der  Schalenfläche  eine 
bedeutende  Vergrösserung  des  Innenraumes  der  Schale  erzielt 
wird. 

Wenn    nun    der    neue    Fundort   Vardeiisen    auch    filr    unsere 
Kenntniss    der    unteroligocänen   Fauna  in   Norddeutschland    neue 
Thatsachen  kaum  erbracht  hat,  so  ist  er  för  die  Kunde  von  deren 
Verbreitung  immerhin  von  einiger  Bedeutung,  da  er  ihre  Grenze 
ober  die   bekannten  Vorkommen   von  Helmstedt   und   der  Brand- 
Qorst    bei     Bünde     weit     nach    S.    in    das     Leine  -  Wesergebiet 
''orschiebt,    in    eine   Gegend,    wo    zunächst    vorwiegend   jQngere 
'ilieder     der     tertiären     Schichten  reihe,     bis     zum     Oberoligocän 
'^inab    bekannt    geworden     sind.      Von    Älteren     Bildungen     wäre 
^tii    Solling    nur    das     problematische    Vorkommen    von    Rupel- 
^lon    zu    nennen,    das   Graul    anführt  i),    ohne    es     durch     ent- 
scheidende  Fossilfunde    belegen    zu  können.     Die  Richtigkeit  der 
liestinimung  wird  aber  durch   den  nunmehrigen  Nachweis  zweifel- 
losen,  marinen  Unteroligocäns   in  so   naher  Nachbarschaft  wesent- 
lich wahrscheinlicher. 

Es  ist  nun  in    dieser  Gegend    noch   an    einer   anderen  Stelle, 
nur    wenige    Meilen    von    dem    Fundpunkte   Vardeiisen    entfernt, 
^'benfalls  marines  Unteroligocän  gefunden  worden,  das  in  dem  be- 
treffenden Aufschlüsse  sogar  von  fossilführendem  Rupelthon  über- 
lagert  wird.     Es   wird   über   dasselbe   etwa   gleichzeitig    mit   dem 
Erscheinen  vorliegender  Notiz   in   dem  Rahmen    einer  Arbeit  be- 
richtet, die  von  einem  grösseren  Abschnitt  dieser  Gegend  eine  zu- 
sammenfassende  Darstellung   bietet.     Drittens   ist   marines  Unter- 
oligocän, wie  ich  von  competenter  Seite  erfahren  konnte,  noch  an 
einer  Stelle   festgestellt,    die   allerdings   mehr  als  halbwegs    nach 
Hannover  zu  gelegen   ist.     Eine    nähere  Mittheilung   bleibt  abzu- 
warten. 


0  J.  Graul:   Dio   tertiären    Ablagerungen    des   Sollings.     Diss.    Göttingen 
1885,  S.  37. 


i} 


XCIV 


A.  Denckm.vnn  und  H.  Poix>N1E:  Bericht  ober  eine  in 
das  Gomuierner  (^uarzit-Gehiet  ausgeführte  gemeinsa^*^ 
Excursion. 

Die   gemeinsame   Begehung    des   Gommemer   Quarzits  bat^'^^ 
zunächst  den  Erfolg,  dass  der  bei  Pretzien  an  den  Plötzkyer  Bc?  ^' 
gen  gelegene  Fundpunkt  von  Sphenopteridtum  von  Einem  von  u 
(Dexckmank)   wiedergefunden   wurde.     Die  an   dieser  Stelle  v» 
uns  niQhsani  aufgesammelten,  wenn  auch  nur  spärlicheu  Reste  sin^ 
immerhin   besser  erhalten,    als   das  seiner  Zeit   von    Herrn   Koc 
gefundene  Restchou   und  irt'statten  nunmehr  die  Feststellung,  das^  ^ 
es  sich   nicht   um  das  i^phefwpteridium  düsectum  des  Culm  haii^ 
delt.     Die    von    Einem   von   uns   (Potonie)  schon    früher  an  au-^ 
deren   Stellen    beobachteten    »allochthonen   S^i^wiflrna-Narbeu  und  ' 
Epidermal-(ie\vebe-Fetzen     wurden  in  grösserer  Häufigkeit  get'im- 
den.     Die    ausserdem    vorkommenden    Stamm-Keste   waren   leider 
auch  hier  unbestimmbar. 

Eine  weitere  relativ  günstige  Fundstelle  fiir  die  genaunteu 
Reste,  namentlich  iilr  SphenopteHdium  fanden  wir  in  dem  Stein- 
bruche auf.  welcher  südwi'stlicli  des   Dorfes  Dauningkow   liegt 

Das  Muttoriresteiii  iler  Pflanzenreste  ist  ein  den  Quarzitbäuken 
einsrelatrerter,  dnnkler.  milder  Granwacken  -  Schiefer  bis  Tlion- 
Schiefer,  (hu^  auf  den  Schichten tlächen  jrrosse,  weisse?  (Ilimnier- 
blättchen  zeigt. 

Hei  der  ausserordentlichen  Seltenheit  bestimmbarer  Pflan/.en- 
reste  wird  sich,  wie  sich  nnnmehr  immer  mehr  ergiebt,  die  Fest- 
stellung des  Niveau's  der  Gonunerner  (^uarzite  mit  Hülfe  der 
Pflanzentbssilien  kaum  lösen  lassen.  Immerhin  ist  es  bemerkens- 
werth,  dass  sich  paläobotanisch  die  westlich  von  Magdeburg  ge- 
legenen, als  Culm  erkannten  Granwacken  von  dem  Quarzit  da- 
durch unterscheiden,  dass  im  Westen  das  oben  genannte  Sphf- 
noptendiuni  ganz  fehlt,  und  dass  andererseits  in  den  (^uarzit-Stein- 
brttchen  des  Ostens  die  Cnlin-Pflanzeu  der  westlichen  Vorkommen 
nicht  beobachtet  sind. 

In  den  am  Gaigenfeldo  hei  Gommern  gelegenen  Steinbrüchen 
zeichnen    sich    manche    conglomeratische    Lagen    des  Quarzits    in 


xcv 

besonders  gut  zu  beobachtender  Weise  durch  diejenige  eigen- 
thömliche,  löcherige  Beschaffenheit  des  (losteins  aus,  welche  zu 
den  charakteristischst  en  Erscheinungen  und  zu  den  wich- 
tigsten Merkmalen  des  Wöstegarten-Quarzits  im  Kellerwalde  und 
des  Bnichberg-Quarzits  im  Oberharze  gehört.  Das  aus  der  älteren 
Literatur  bekannte  Vorkommen  der  Hohldrücke  von  Crinoiden- 
stieleu  im  löcherigen  Quarzite  von  Gommern  wurde  auch  von  uns 
an  letztgenannter  Stelle  beobachtet. 

Berlin,  den  26.  April  1901. 


Gedächtnissrede 

Wilhelm  Hancheoome 

lier  Knthulluug  seiner  Büste 

iB  d«r 

A«l«  4<«  K«mi|rL  l^f^^toirütkM  Lu4Mustmlt  ud  Bergmkadeai« 

Fr. 


a;o   K.  ;•*  X-  .   -^  \\  V  :-.viX'  H  \l  vHKA  r.NE   w.^rh/urufen,  >o  ver- 

x'.».:*.^     >•....       .     .        ..-:        :;:..    Ii.-i.r   rinrr   l>*iikespflicht  7M 

.[.\\..^\'\\    ^'sii'.  :.     .\:  .     \l         ,     .;• :    .:.->ts   Hj:.>-    dir-sr*   Aostalt   R^' 
*;u^;..i;',    ;iv,:  :-       ;    -       >  i:   JjihrY     i.>  :r^r.er    fiir^orgender 

l  o u  <"  *    >  i ;  ;* ;    ,•  h  ^-tr  ^*  s  *.  ^  *      .-  A     "  r:  •.    ,'1:  *  I*c  r  :>   r ;;  zrt   .^t  / 1  e n   Atheni- 

^\aV*.1  0 :v:x  V>.^'  iA  .  M  -.  i-  f>  .:s>,  sf:r^«i  G^hilteo  und  Be- 
«;',U*i',  •.,..' 10 -N>, .  <>  >*  * .  vf  .:f:  :^;Ofr.  a;^:  ie  -  wir  bis  dthio 
*v>^  ,  \N*.  x/'X  -''^  ^^'  *  "  .'>  ^>  >^-  ->»?-  >ci::ü'?:a,  das  er  ge- 
X*, ,' , : ,*5  *, ^  ;-  o ,  \' '^  ^  "  V  •  ■  \x  ^'  1«  .  -i  f -v  r*i  i  r^"^. rev'ir:  kia;  uds  mit 
.$<r  \^5\\v>  '/x  \  ,'  ^  ^,  v:  -  ^.-s  :«*.:r',-ifr »  ije  Grösse  seiner 
V\iv<<v  :      -/   >>."  :".  X.;    .    vf- *    :  ^  r    Ttj^...fi    Bf w\:s<5-tse:D. 

\,  ,'   >     /   X,-  ,/.         ;■    * .  »  -       :  >   *,  J3«i    i^hCfcs^Cf-     —    Die  uu- 


xcvn 

haben  die  klaffende  Lücke  verscbliessen  gemacht.  Die  lindernde 
Thätigkeit  der  Zeit  hat  den  Schmerz  um  den  Heimgang  des  ge- 
liebten Führers  gestillt,  aber  um  so  reiner  und  klarer,  um  so 
freier  von  allem  kleinen  Beiwerk  tritt  uns  der  bleibende,  un- 
sterbliche Theil  seiner  Persönlichkeit  verklärt  vor  die  Seele. 

Freunde  und  Schüler  des  Verewigten  haben  sich  vereinigt, 
als  dauerndes  Zeichen  ihrer  Liebe  und  Verehrung  das  Abbild 
seiner  äusseren  Erscheinung  an  der  Stätte  seiner  Lebensarbeit  zu 
errichten. 

Das  soll  uns  Anlass  sein,  uns  seines  Werdens  und  inneren 
Wesens  zu  erinnern,  nicht  nur,  um  auszusprechen,  was  Alles  wir 
ihm  verdanken,  sondern  auch  um  aus  der  Betrachtung  seines  vor- 
bildlichen Lebens  und  Wirkens  eine  Stärkung  eigenen  Strebens 
und  Arbeiteus  zu  empfangen. 

Heinrich  Lambert  Wilhelm  Haughecorne,  geb.  zu  Aachen 
am  13.  August  1824  als  zweiter  Sohn  des  Steuerraths  Wilhelm 
Hauchboorne  und  seiner  Ehefrau  Amalie  Angelica  geb. 
Dautzbnberg  entstammt  einer  französischen  Refugies-Familie,  die 
zu  Anfang  des  18.  Jahrhunderts  nach  Berlin  kam.  Sein  Gross- 
^ater  Friedrigh  Wilhelm  HaüChegorne  war  erster  Prediger  an 
der  Friedrichstädtischen  Kirche  in  Berlin,  zugleich  Professor  der 
Mathematik  und  Director  eines  Erziehungsinstitutes. 

Mit  drei  Schwestern  —  zwei  Brüder  starben  im  zarten  Kindes- 
*lter  —  wuchs  Wilhelm  Haughecorne  im  Elternhause  zu  Aachen 
heran,  absolvirte  hier  das  Gymnasium  und  folgte  der  frühzeitig 
erwachten  Neigung  zur  Beschäftigung  mit  der  Natur  und  seinen 
auf  praktische  Bethätigung  zielenden  Anlagen,  indem  er  im  Spät- 
herbst 1847  als  Bergwerks  -  Beflissener  beim  Oberbergamt  Bonn 
eintrat. 

Nach  zurückgelegtem  praktischen  Probejahr  studirte  er  auf 
der  Universität  Berlin  und  der  Bergakademie  Freiberg.  Am 
nachhaltigsten  dürfte  in  Berlin  Christian  Samuel  Weiss  auf 
den  in  Sonderheit  fbr  die  mineralogischen  Wissenschaften  empfäng- 
lichen Jüngling  gewirkt  haben.  Auch  Gustav  Rose  und  sein 
späterer  Amtsgenosse  Ernst  Beyrigh  gehörten  damals  zu  seinen 
Lfebrem  und  Freunden.  —  Nach  6^/3Jähriger  Lehrzeit,  ein  halbes 

Jakrboeb  1900.  g 


JLCVUl 

Jabr  vor  Ablauf  der  reglemeotsmiasigeo  Ausbüdongsfirist,  bitte 
er  den  Mini&ten  ihn  zum  Referendariats-EIxamen  zuzulassen  an< 
das  Oberbergamt  befürwortet  i»eioe  Bitte  mit  den  Worteo:  »Nac 
den  Personalakten  und  Zeugnissen  des  Hacchboorns,  so  wie  Bse 
unserer  eigenen  Kenntniss  können  wir  ihm  nur  ein  durchau 
gutes  Lob  ertheilen.  Er  ist  recht  strebsam  und  ist  ihm  ein  gute 
Talent  sehr  zuzutrauen«.  Die  zu  dieser  Prüfung  eingereicht 
geognostiscfae  Arbeit  über  die  Grube  St.  Josephsberg  in  der  Rheii 
provinz  bezeichnet  VON  Dechbn  als  »sehr  gelungen  und  würdig  i 
der  Zeitschrift  der  Deutschen  Geologischen  Gesellschaft  abgedrucl 
zu  werden«,  während  gleichzeitig  die  Veröffentlichung  der  »vc 
vorzüglichen  Kenntnissen  und  praktischem  Blick  des  Examinandc 
zeugenden  technischen  Arbeit«  in  der  Zeitschrift  des  Berg 
Hütten-  und  Salinen -Wesens  im  Preussischen  Staate  befitrworf 
wird. 

Liest  man  das  ausführliche  Prüfungs-Protokoll,  so  erken 
man  daraus  sofort  die  besondere  Befähigung  Hauchbcornb's  ; 
den  mineralogischen  und  geologischen  Disciplinen.  —  Das  best 
Prädicat  ertheilt  ihm  NögGERath  in  der  Mineralogie,  wo  er  siel 
über  die  Modiiicationen  der  Krystallform  des  Rothgiltigerz  voi 
den  verschiedenen  Fuudorteu  desselben  verbreitet. 

In  Folge  seiner  trefflichen  Prüfuugsarbeiten,  die  sich  sämmt- 
lich  auf  die  St.  Josephs-Kupfergrube  am  Firneberg  bei  Rhein- 
breitbach bezogen,  erhält  er  sogleich  nach  bestandenem  Examei 
den  Antrag,  die  fernere  Leitung  dieses  gewerkschaftlichen  Be 
triebes  zu  übernehineu  ,  was  er  um  so  freudiger  ergreift,  als  ihn 
damit  das  Glück  des  eigenen  häuslichen  Herdes  erblüht.  Ar 
19.  Juli  1855  vennälilte  er  sich  mit  Henriette  Alwine  Althanj 
der  Tochter  des  Geh.  Bergraths  Carl  Ludwig  Althaks,  d( 
Leiters  der  Sayuer  Hütte. 

In  jener  Zeit  des  gewerkschaftlichen  Dienstes  hat  Hauchi 
COKNE  seine  Zukunft  wohl  in  der  Praxis  des  Bergbaus  gesehe 
denn  am  (>.  Januar  1856  wurde  er  auf  seinen  eigenen  Antn 
aus  dem  Staatsdienst  entlassen. 

Al)er  schon  am  9.  August  1858  nimmt  ihn  der  Minister  a 
seine  vom   Rheinischen   Oberbergamt  warm     empfohlene   Bitte   l 


XCIX 

wieder  in  den  StaatsdieDst  auf  und  überträgt  ihm  am  1.  November 
1858  die  Stelle  eines  Berggeschworenen  im  Revier  Mayen.  Hier 
scbeidet  er  nach  etwa  zweijähriger  Thätigkeit  aus,  wird  ein  Jahr 
laog  behufs  Vorbereitung  zur  zweiten  Prüfung  beim  Collegium 
des  Oberbergamts  Bonn  beschäftigt,  wird  18S2  zum  Bergassessor 
eroaont,  am  1 1 .  Februar  des  folgenden  Jahres  mit  der  Bearbeitung 
der  Handelsabtheilung  der  Bergwerksdirectiou  Saarbrücken  be- 
auAragt  und  am  1.  Januar  1865  zum  Berginspector  ernannt. 

In  all'  dieser  Zeit  bleibt  er  seinen  naturwissenschaftlichen 
Interessen  treu  und  in  steter  Fühlung  mit  einem  unter  von  Db- 
CBSn's  Leitung  stehenden  Kreise  von  Männern,  die  die  Geognosie 
der  Rheinprovinz  pflegen.  Andererseits  erweitert  sich  seine  ge- 
schäftliche Gewandtheit  durch  die  mit  zahlreichen  Reisen  ver- 
bundene Saarbrücker  Thätigkeit. 

Da    erfolgt    der   nachhaltigste    und    ftkr    die   weitere  Lebens- 
gestaltung Hauchegornb's    entscheidende    Eingriff,    indem   Ober- 
berghauptmann Krug  von  Nidda    den   jungen  Berginspector  zur 
Ministerialabtheilung  für  das   Berg-,    Hütten-  und  Salinen -Wesen 
einberuft,    um  daselbst   die   Redaction   der   Zeitschrift  für  Berg-, 
Hütten-    und    Salinen- Wesen    sowie    die    Stellvertretung    des    er- 
krankten   Bergrath    Lottnbr   in    dem  Amte   als   Lehrer    an    der 
Bergakademie  zu  übernehmen.    So  tritt  er,  Anfangs  zwar  zaghaft, 
aber    gestützt    durch    das  Vertrauen    seiner  Vorgesetzten,   ausge- 
rüstet mit  reichen  Kenntnissen,  eiserner  Arbeitskraft  und  starkem 
Pflichtgefühl    mit  Beginn    des  Jahres  1866    in    den  Kreis    seiner 
amtlichen    Thätigkeit,    dem    er    bis    zu    seinem    Tode,    34  Jahre 
lang,  mit  ebensoviel  Hingebung,  Treue  wie  Erfolg    angehört    hat. 
Nach    dem    im  Frühjahr  1866    erfolgten  Ableben    Lottner's 
wird  er    am    22.  September    desselben  Jahres    zum    Director    der 
Bergakademie  ernannt.  —    Die  nächsten  Jahre  verfliesseu    in    an- 
gestrengter aber  stiller  Thätigkeit,  aus  der   ihn    die  Unruhen  des 
deutsch-ft'anzösischen  Krieges  plötzlich  herausreissen ,    indem    der 
Civil-Kommissar  VON  KOhlwetter  im  Elsass  den  Handelsminister 
Grafen  Itzbnplitz  telegraphisch   ersucht,  den  Bergrath  Hauche- 
OORNB  sofort  zu  seiner  Assistenz  nach  Hagenau  zu  schicken.    Am 
nächsten  Tage  reist  HauohboORNE  ab,  bleibt  aber  nur  kurze  Zeit 


in  Hagenau,  geht  vielmehr  zur  Civil- Verwaltung  nach  Strassburg, 
wo  er  die  Kaiserliche  Tahaks-Manufactur  in  vortrefflicher  Weise 
leitet  und  hier  wie  in  so  vielen  anderen  Fällen  seine  Fähigkeit 
bekundet,  sich  rasch  in  den  verschiedenartigsten  Aufgaben,  die 
ihm  das  Leben  stellt,  zurechtzufinden.  —  Aber  damit  ist  seine 
Thätigkeit  bei  der  durch  den  Krieg  geschaffenen  Situation  nicht 
erschöpft.  Am  31.  März  1871  wird  er  vom  Bundeskanzler  zum 
Mitgliede  der  im  Präliminar-Friedens vertrage  vorgesehenen  inter- 
nationalen Commission  zur  Feststellung  der  neuen  Deutschen 
Reichsgrenze  und  zur  Theilung  des  Vermögens  der  von  der 
Grenze  durchschnittenen  Gemeindeverbände  ernannt.  Maassge- 
bend  für  diese  Wahl  ist  seine  Vertrautheit  mit  der  französischen 
Sprache,  die  er  voa  Jugend  auf  beherrscht,  seine  Kenntniss  der 
französischen  Verwaltung  und  sein  vielfach  erprobtes  praktisches 
Geschick.  Wenn  er  nun  auch  den  Abschluss  dieser  Arbeiten 
nicht  abwartet,  vielmehr  nach  einiger  Zeit  auf  die  Nothwendigkeit 
seiner  Anwesenheit  in  Berlin  zur  Leitung  der  noch  jungen  Berg- 
akademie und  der  eben  in's  Leben  tretenden  geologischen  Landes- 
anstalt mit  Erfolg  hinweist,  so  nimmt  er  doch  noch  Theil  an  der 
Grenzregulirung,  welche  zwischen  der  Luxemburgischen  Grenze 
und  der  Mosel  nach  dem  Stande  der  damaligen  Kenntnisse  den 
Haupttheil  der  gewaltigen  Eiseuerzlagerstätten  jenes  Gebietes  für 
Deutschland  sichern  wollte.  Die  Verleihung  des  eisernen  Kreuzes 
am  weissen  Baude  bekundete  auch  äusserlich  die  Anerkennung, 
die  seine  Wirksamkeit  während  des  Krieges  gefunden  hatte. 
Hauchecorne's  Verdienste  um  diese  auf  die  Stärkung  der  natio- 
nalen Industrie  zielende  Arbeit  bleiben  ungeschmälert  auch  gegen- 
über den  neuerdings  von  einem  französischen  Chauvinisten  unter- 
nommeneu Versuch,  den  durch  und  durch  national  -  deutsch 
erzogenen  und  gesonnenen  Mann  um  seines  Namens  willen  als 
einen  französischen  Renegaten  zu  denunciren. 

In  das  Ende  der  60er  und  den  Beginn  der  70er  Jahre  fallt 
die  wichtigste  und  erfolgreichste  Lebensthätigkeit  HaüCHECORNE's, 
die  Organisation  der  Geologischen  Landesanstalt.  Hatte  Ernst 
Beyrich  in  jahrelanger  mühevoller  geologischer  Aufnahme  thätigkeit 
erst  in   Niederschlesien,  dann    am  Sodharz  und   in  Thüringen  die 


Ol 

Ueberzeugung  gewonnen,  daes  die  Untersuchung  und  Kartirung 
^<^8  Landes  erst  in  dem  grossen  Maassstabe  1 :  25  000  die  Mög- 
lichkeit der  Darstellung  einer  wissenschaftlich  befriedigenden  Glie- 
derung der  Geologischen  Formationen,  ihrer  Verbreitung  und 
ihres  Baues  verbürge,  so  war  es  Haughrcorne's  klarem  Verstände 
einleuchtend,  wieviel  mit  einer  solchen  detailirten  Aufnahme  auch 
ftr  die  Culturzwecke  des  Landes,  för  Bergbau,  Forst-  und  Land- 
^rtbschaft  und  fbr  alle  auf  Bodennutzung  angewiesenen  Gewerbe 
und  öffentlichen  Arbeiten  gewonnen  war.  Mit  der  Bearbeitung 
«er  Geschäfte  der  geologischen  Landesaufnahme  in  der  Ministerial- 
>ei]gwerksabtheilung  betraut,  gelingt  es  ihm  in  Gemeinschaft  mit 
^ETRiGH  den  damaligen  Oberberghauptmann  Krug  von  Nidda 
OD  dem  ungleich  höheren  wissenschaftlichen  Werthe  und  der  Ver- 
reodbarkeit  der  von  Bbtrich  im  Maassstabe  1  :  25000  auf- 
eoommenen  Probeblätter  der  Umgegend  von  Ilfeld  am  Harz  zu 
berzeugen,  so  dass  der  Handelsminister  Graf  Itzenplitz  in  dem 
«riass  vom  12.  Dezember  1866  sich  damit  einverstanden  erklärt, 
ass  ibr  die  herauszugehende  Karte  der  Maassstab  1:25000  ge- 
wählt wird.  —  Damit  ist  die  Grundlage  ftlr  die  moderne  geolo- 
ische  Landesaufnahme  geschaffen.  —  Meine  Freunde,  es  ist  heute 
chwer  zu  schildern,  welch'  freudige  Genugthuung,  welche 
i^rmuthigung  die  beiden  ausgezeichneten,  weit  vorausschauenden 
Männer,  die  so  lange  in  segensreicher  Einmüthigkeit  neben  und 
Q^iteinander  trotz  ihrer  grossen  Charakter- Verschiedenheit  ohne 
Ambition,  jeder  nach  seinem  Können  und  seinen  Gaben,  nur  der 
gemeinsamen  grossen  Aufgabe  dienend  gearbeitet  haben,  in 
jenem  Augenblick  empfunden  haben.  —  Freilich,  sie  wussten 
^^^  nicht,  dass  sie  damit  ein  Werk  begannen,  das  bald  vor- 
Mldlich  fQr  fast  alle  deutschen  Staaten  und  über  die  Grenzen 
Deutschlands  hinaus  für  alle  Culturvölker  wurde,  ein  Werk,  das 
^it  einem  Schlage  die  bisher  mustergiltigen  älteren  geologischen 
Kartiruugsarbeiten  Oesterreich-Ungarns,  Englands,  Frankreichs 
8'eghaft  überholte.  —  Und  wie  trefflich  hatte  unser  HaüChe- 
C<^E  den  Beginn  der  grossen  Arbeit  vorbereitet.  Am  9.  und 
10.  Mitrz  1867  hatte  er  die  namhaftesten  an  der  Sache  inter- 
pssirten    norddeutsche^   Geologen  —  ich    nenne    nur    Ferdinand 


CII 

Römer,  Heinrich  Credner,  von  Seebach,  Dunker,  Schmid, 
Julius  Ewald,  Eck,  Laspetres  u.  A.  versammelt,  um  mit  ihnen 
den  Plan  der  Arbeit,  die  Methode  der  Untersuchung  und  Dar- 
stellung zu  besprechen,  die  GrundzQge  der  Farbengebung  und  der 
Form  der  künftigen  Veröffentlichung  festzulegen.  —  Weise  ver- 
einigte er  alle  Kräfte,  die  bisher  in  einzelnen  Landestheilen  der 
geologischen  Forschung  und  Kartirung  obgelegen,  ohne  doch  unter 
einander  Fühlung  und  Zusammenhang  gehabt  zu  haben,  zu  einer 
einheitlichen  Organisation.  VON  Dechen's  Erfahrung  und 
Arbeitskraft  wurde  nutzbar  gemacht,  indem  er  die  specielle  Lei- 
tung der  Arbeiten  in  Rheinland  und  Nassau  übernahm,  die  viel- 
fältigen Arbeiten  E.  E.  Schmidts,  Liebe^s,  Richtbr^s,  Emme- 
rich's,  von  Fritsch's  und  von  Seebach's  kamen  der  grossen 
Arbeit  zu  Gute,  nachdem  es  Haüchecorne  gelungen  war,  die 
Thüringischen  Staaten  zum  Abschluss  eines  Vertrages  zu  veran- 
lassen, der  die  Durchführung  der  geologischen  Aufnahme  dieser 
Bundesstaaten  und  die  Veröffentlichung  der  Ergebnisse  dieser 
Arbeiten  in  die  Hände  der  Preussiscben  Geologischen  Landes- 
anstalt legte.  —  Um  trotz  der  Geringfügigkeit  des  anfänglichen 
Personalbestandes  der  am  1.  Januar  1873  in's  Leben  getretenen 
Anstalt  möglichst  viel  zu  leisten,  verstand  es  HaüCHECORNE,  die 
Mehrzahl  der  Professoren  der  Geologie  an  den  Preussiscben 
Hochschulen  als  Mitarbeiter  zu  gewinnen.  Damit  schuf  er  dem 
jungen  Unternehmen  einen  festen  Rückhalt  in  den  Kreisen  der 
bewährten  Facbgeuossen  und  lenkte  deren  Arbeiten  vielfach  in 
die  zum  Endziel  führenden  Bahnen.  —  Dieser  Ausbau  durch 
freie  Angliederung  zahlreicher  Fachgenossen,  die  dem  jungen 
Unternehmen  als  Helfer,  Mitarbeiter  und  Freunde  zur  Seite 
traten,  und  mit  denen  HaüCHECORNE  fruchttragende  freundliche 
Beziehungen  gerne  pflegte,  ist  in  gleichem  Maasse  seiner  persön- 
lichen Liebenswürdigkeit  wie  seiner  geschäftlichen  Gewandtheit 
zu  verdanken. 

Daneben  wurde  aber  der  Ausbau  einer  inneren,  straffen  Or- 
ganisation keineswegs  vernachlässigt.  Die  Verfassung  der  Anstalt, 
welche  auf  Grund  allerhöchster  Ordre  am  6.  März  1875  durch  den 
Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  Dr.  Achen- 


cm 

Bach  id   dem  Statut  vom   8.  April    1875   geregelt  wurde,   ist  im 
besten  Sinne  Haugheoornr's   eigenstes  Werk.   —   Mag  die  fort- 
^hreitende  Vergrösserung  der  Aufgaben  und  die  erfreuliche  Ver- 
mehrung des  Personals  auch  das  unabweisbare  Bedürfniss  gezeitigt 
iiaben,   dieses  Statut  auszubauen  und  zu  erweitem,   so  wird  doch 
Jeder  mit  den  Verhältnissen  näher  Vertraute  dieses  in  nur  4  Para- 
Srapbeo   gefhgte  Statut  als  ein  HAUGHECORNS^sches  Meisterwerk, 
als  ein  dauerndes  Zeugniss  seines  organisatorischen  Talents,  seines 
klaren  Geistes  bewundem  müssen,  als  ein  Werk,  das  voraussicht- 
lich   noch    auf  viele  Jahrzehnte   hinaus   das  Fundament  und  die 
Pfeiler  aller  erweiterten  Organisation  bilden  wird. 

Die    organische,    beiden    Theilen    zum    Nutzen    gereichende 
AT^erbindnng  der  Geologischen  Landesanstalt  mit  der  Bergakademie, 
<3ie  Vereinigung  bis  dahin  getrennter  und  die  Neuschaffung  grosser 
Seol<^scb-  mineralogischer  und  technischer  Sammlungen  zu  einem 
Sluseum,  die  Uebernahme  und  Erweiterung  der  Ministerial-Berg- 
'^rerksbibliotbek    und    endlich   die   Schöpfung  eines  durch  Zweck- 
Kiiässigkeit  und  Schönheit  gleich  ausgezeichneten,  für  die  damalige 
Zeit  eine  Fülle  von  Raum  bietenden  Dienstgebäudes  fQr  die  ver- 
einigten Anstalten,  zu  denen  später  auch  noch  die  chemisch-tech- 
nische Versuchsanstalt  trat,   sind  Thaten  Hauchbcorne's,   die  die 
Zeit  nicht  vergessen  machen  wird.  — 

Schon  bald  nach  ihrer  definitiven  Constituirung,  im  Sommer 
1873  nahm  Haochecorne  eine  neue,  grosse  und  umfangreiche 
Au%abe  der  Landesaufnahme  in  Angriff,  die  geologisch -agro- 
nomische Untersuchung  und  Kartirung  des  Norddeutschen  Flach- 
landes. In  4  auf  die  Jahre  1873  bis  1878  sich  vertheilenden 
Conferenzen  wurden  unter  Zuziehung  sachverständiger  Vertreter 
der  Land-  und  Forstwirthschaft  die  auf  dem  Gebiete  der  Boden- 
erforschung liegenden  Bedürfnisse  dieser  Gewerbe  festgestellt,  die 
Methode  der  Kartirung  erörtert  und  versuchsweise  ausgeführte 
Karten  der  Kritik  der  Sachverständigen  unterworfen. 

Wer  meint,  dass  der  unermüdliche  Mann  nach  dieser  organi- 
satorischen Thätigkeit  weiterhin  ruhige  Jahre  genossen  habe,  der 
irrt.  —  Zwar  vollzieht  sich  sein  äusserer  Lebensgang  weiterhin 
verbältnissmässig  still,  aber  um   so   thätiger  finden  wir  ihn  beim 


civ 

ioDeren  Ausbau,  der  B'^ortentwickelung  und  Festigung  seiner 
Schöpfungen. 

Eine  Reihe  grosser,  geognostischex  Sammlungen,  die  er 
erwirbt,  bilden  den  Grundstock  zum  heutigen  Geologischen  Landes- 
museum, für  dessen  Ausgestaltung  er  sich  dauernd  bemQht.  Fast 
jedes  neue  Stuck  geht  durch  seine  Hand  und  mit  rührender  Freude 
und  bewunderungswürdigem  Verstandniss  sehen  wir  ihn  an  stillen 
Sonntagen  sich  in  diese  stummen  Schätze  vertiefen.  Ein  ganz 
besonders  freudiges  Interesse  und  ein  weitgehendes  Verstandniss 
zeigt  er  stets  für  die  Mineralien.  Seine  eigene  bedeutende 
Sammlung  hat  er  der  im  Anbeginn  noch  ziemlich  bescheidenen 
Mineralien-Sammlung  einverleibt,  um  so  bald  als  möglich  deren 
öffentliche  Ausstellung  zu  ermöglichen. 

Besonderes  Interesse  und  viele  Mühe  sehen  wir  Haüchecornb 
verwenden,  um  über  die  verschiedenen  Verfahren  graphischer 
Kunst  sich  bis  in^s  Einzelne  zu  unterrichten.  Der  ihm  eigenen 
Gründlichkeit  entspricht  es,  dass  er  in  jenen  Jahren  häufig  die 
mit  der  Herstellung  der  «geologischen  Karten  und  sonstigen  bild- 
lichen Darstellungen  der  wissenschaftlichen  Veröffentlichungen 
betrauten  lithographischen  Anstalten  besucht,  dort  eigenhändig  die 
Farben  mischt  und  sich  über  die  Wirkung  und  Vorzüge  der 
Farbencombiuationen  und  der  verschiedenen  graphischen  Verfahren 
belehrt.  So  entwickelt  sich  auf  diesem  Gebiete  bei  ihm  eine 
freilich  seltene  Urtheilsfahigkeit,  die  im  Zusammenhange  mit 
seinem  echt  künstlerischen  feinen  Geschmack  und  Empfinden  in 
der  internationalen  geologischen  Farbeuskala  der  Formationen,  die 
Hauchecorne's  Werk  ist,  ihre  schönste  Frucht  gezeitigt  hat. 

Obwohl  Hauchecorne  sich  entsprechend  der  ihm  eigenen 
weisen  Beschränkung  auf  die  eigentlichen  Aufgaben  seines  Amtes 
niemals  an  geologischen  Kartirungsarbeiten  im  Gelände  betheiligt 
hat,  erwarb  er  sich  doch  eine  ungewöhnliche,  man  kann  sagen,  oft 
verblüffende  Fähigkeit  der  Beurtheilung  geologischer  Karten  und 
Profile.  Er  sah  und  bezeichnete  in  einer  ihm  vorgelegten  geolo- 
gischen Karte  schnell  die  Stelleu,  wo  zu  viel  Construction,  wo 
etwa  unzulängliche  Darstellung  und  Beobachtung,  wo  Unklarheit 
über  Lagerung  und  Tektonik  bestand. 


cv 

Hatte  Betrich  seine  Aufgabe  in  der  thunlichst  vollendeten 
Aufklämng  der  stratigraphischen  und  tektonischen  Verhältnisse 
einer  Landschaft  erblickt,  so  suchte  Hauchecornb  die  treue  Sorg- 
falt und  Mühe  des  Geologen  zu  entlohnen,  indem  er  mit  Hülfe 
seiner  vortrefflichen  Kenntnisse  graphischer  Darstellungskunst  bei 
der  Drucklegung  jeder  Beobachtung  des  Aufnehmenden  in  thun- 
lichst klarer,  und  schöner  Weise  zum  Ausdruck  zu  verhelfen 
suchte.  —  Er  hat  lange  Jahre  hindurch  jeden  Probe-  und  Correctur- 
Andruck  eines  geologischen  Blattes  persönlich  durchgeprüft  und 
gemustert.  Kein  Wunder,  dass  unter  solchen  Verhältnissen  manches 
Nachbarland  sich  bezüglich  des  Kartendruckes  an  Preusseu  an- 
t^hloss,  an  den  hier  gemachten  Erfahrungen  lernte  und  sie  ver- 
'^erthend  die  Methode  weiter  entwickelte. 

Kein  Wunder  aber  auch,  dass  damit  die  Aufmerksamkeit  der 
ausländischen  Fachgenossen   rege   wurde   und   dass  das  Vertrauen 
^ur  Tüchtigkeit  deutscher    Wissenschaft   und   Technik,   deutschen 
^leisses    und   Geschickes    in    der   UebertraguDg    der  Ausführung 
^iner  geologischen  Karte   von  Europa  im  Maassstabe  1  :  1500000 
^iirch    den    internationalen    üeologen-Congress    zu    Bologna    an 
ftAUGHECORNB   und  Beyrich   seinen   schönen  Ausdruck  fand.     In 
*der  Lösung  dieser  Aufgabe,   der  sich  Hauchecorne  Anfangs  mit 
^em   ihm   eigenen  Eifer   und   ganzer  Hingebung   widmete,   hat  er 
sich  ein  zwiefaches,  bleibendes  Verdienst  erworben.    Seiu  Vorschlag 
i^r     die     anzuwendenden     Formationsfarben    ist    ein    ästethisches 
Kunstwerk,   das   sich    im  Laufe   der  Jahre  nicht  nur  (dr  die  geo- 
logische  Karte    von    Europa    bewährt  hat,    das  vielmehr  insofern 
von    bleibender,    allgemeiner   Bedeutung    geworden    ist,    als    viele 
Länder    auch    für    ihre    eigenen    Karten    nunmehr    diese    Farben 
anwenden,    und   damit  das    Lesen    dieser   Karten   ausserordentlich 
erleichtern.  —  Liegt   diese    Leistung    Hauchecorne 's    mehr   auf 
künstlerischem    Gebiet,    so    ist    die    zweite    eine   Wirkung    seines 
organisatorischen    Talentes.        Indem    er    die     Aufbringung     der 
auf    schätzungsweise    100000  Mark    sich    belaufeuden    Kosten  der 
Herstellung  dieser  Karte  nicht  auf  schwer  zu  erlangende,  besondere 
Beitragsleistungen  der  einzelnen  Staaten,  sondern  lediglich  auf  die 
Bedingung  des  Abonnements  auf  eine  Anzahl  der  in  Lieferungen 


CVI 

erscheiDenden  und  dementsprechend  ratenweise  zu  bezahlenden 
Karten  basirte,  brachte  er  thatsächlich  eine  allgemeine  und  aus- 
nahmslose Betheiligung  der  Europäischen  Staaten  zu  Stande  und 
ermöglichte  damit  ein  Werk,  das,  wie  wir  hoffen,  der  Wissen- 
schaft zum  Nutzen,  der  ausführenden  preussischen  geologischen 
Landesanstalt  zur  Ehre,  der  deutschen  graphischen  Kunst  zur 
Zierde  und  dem  Namen  Hauchegorne^s  zum  Ruhme  gereichen 
wird. 

Das  erste  Blatt  dieser  Karte,  das  Ergebniss  zahlreicher  Ver- 
suche, konnte  Hauchecx)RNE  auf  dem  III.  internationalen  6eo- 
logen-Congress  zu  Berlin,  dessen  Generalsecretär  er  war,  im 
Jahre  1885  vorlagen.  Man  sagt  nicht  zu  viel,  wenn  man  be- 
hauptet, dass  der  schöne  Erfolg  dieser  internationalen  Vereinigung 
in  erster  Linie  Hauchecorne^s  Verdienst  war.  Seine  unvergleich- 
liche Geschicklichkeit  bekundete  sich  damals  bei  der  Vorbereitung 
einer  grossen  Ausstellung  geologischer  Karten  und  Versteinerungen, 
bei  der  Vorbereitung  der  Sitzungen  und  Ausfldge,  seine  Gewandt- 
heit bei  der  Leitung  der  französisch  geführten  Verhandlungen  über 
die  Grundlagen  der  Formations-Eintheilung  und  ihre  Benennung, 
seine  persönliche  Liebenswürdigkeit  in  der  bezaubernden  Form 
seiner  geselligen  Talente,  sein  unermüdlicher  Fleiss  in  der  Re- 
daction  und  Herausgabe  eines  umfangreichen  Bandes  der  Congress- 
Berichte. 

Wenn  unser  verstorbener  Freund  gelegentlich  launig  äusserte: 
»Ein  echter  Bergmann  muss  Alles  können,  was  ihm  aufgetragen 
wird«,  so  hatte  das  Scherzwort  seine  Wahrheit  in  der  Anwendung 
auf  ihn  selbst. 

Wahrlich,  mannigfaltig  waren  die  Aufgaben,  die  das  Leben 
ihm  stellte  und  die  er  löste! 

War  auch  seine  Mitarbeit  an  der  Redaction  der  Zeitschrift 
ftir  das  Berg-,  Hütten-  und  Salinen-Wesen  im  Preussischen  Staate, 
die  er  gleich  bei  seiner  Uebersiedlung  nach  Berlin  hatte  über- 
nehmen müssen  und  als  deren  Frucht  er  eine  Reihe  von  Jahren 
hindurch  die  Berichte  über  Versuche  und  Verbesserungen  im 
fiscalischen^  Bergwerksbetriebe  veröffentlichte ,  allmählich  zurück- 
gedrängt vv|orden    durch    die    zuuehmende  Last    der    Vorlesungen 


cvu 

über  Bergbau-  und  SaliDenkuude  an  der  Bergakademie,  durch  die 
stetig  zunehmende  Verwaltungsarbeit    bei    der  Leitung    der   ver- 
einigten Anstalten,  durch  den  Vorsitz  in  der  Commission    für  die 
Bergreferendariats-Prüfung,  so    blieb    er    doch  von   gelegentlichen 
groÄsen  Nebenaufgaben    nicht  verschont.  —  In   der  Schlagwetter- 
Commission  war  er    nicht    nur  Mitglied,  sondern  Verfasser    eines 
Theiles    der  Referate.  —  Als    im  Jahre  1890  Seine  Majestät  der 
Kaiser  eine  internationale  Conferenz  zur  Erörterung  des  Schutzes 
gewerblicher  Arbeiter  nach  Berlin  zusammenrief,  wurde  Haughe- 
^RNE    zum    Bevollmächtigten    und    Leiter     der    Verhandlungen 
Ernannt. 

Ganz  besonders  aber  hat  sein  Interesse,  aber  auch  seine  Zeit 
^od  Kraft  die  Theilnahme  an  den  Verhandlungen  der  vom  Minister 
4^  Handel  und  Gewerbe  im  Jahre  1894  zusammengerufenen  so- 
^nannten  »Silber  -  Commission«  in  Anspruch  genommen.  —  In 
derselben  legte  er  eine  werthvolle  und  sorgsame  kritische  Arbeit 
Aber  die  damalige  Lage  der  Edelmetallgewinnung  der  Erde  vor, 
die  in  den  Verhandlungen  gedruckt  ist  und  Zeugniss  von  der 
umfassenden  Orientirung  und  dem  gewissenhaften  Fleisse  des  Ver- 
fasserb ablegt. 

Ferner  war  Haugheoorne  Mitglied  des  Central-Directoriums 
der  Vermessungen  und  des  Ausschusses  zur  Abwehr  der  Ge- 
fahren in  den  besonders  vom  Hochwasser  bedrohten  Landes- 
theilen. 

Es  entsprach  ebenso  Hauchbcorne^s  hingebender  Art  wie 
seiner  Begeisterung  flQr  die  Wissenschaft,  wenn  er  neben  diesen 
zahlreichen  amtlichen  Aufgaben,  sich  auch  noch  der  Erfüllung 
freiwillig  übernommener  Arbeiten  widmete,  die  seiner  Ueber- 
zeugung  nach  ein  nobile  officium  seines  Berufes  und  Amtes 
waren. 

So  trat  er  am  6.  Juni  1868  von  Beyrich,  Rose  und 
Ewald  vorgeschlagen  der  Deutschen  Geologischen  Gesellschaft 
bei,  benutzte  jede  sich  ihm  bietende  Gelegenheit,  ihm  zugehende 
interessante  Mineralfunde  und  Nachrichten  über  neue  geologische 
Aufschlüsse,  in  Sonderheit  solche  durch  Tief  bohrungen  in  Deutsch- 
land erzielte,  mitzutheilen,  und  bekleidete  lange  Zeit  hindurch  eia 


cvm 

Vorstandsamt.  Schon  am  7.  November  1866  wurde  er  an  Stelle 
des  verstorbenen  Bergrath  Lottner  zum  Cassirer,  später  zum 
Schriftführer,  dann  zum  stellvertretenden  Vorsitzenden  und  schliess- 
lich zum  ersten  Vorsitzenden  erwählt.  Als  solcher  hat  er  sich 
trotz  der  ihm  obliegenden  schweren  Arbeitslast  mit  Hingebung 
und  Aufopfierung  den  Aufgaben  der  Gesellschaft  gewidmet. 

Auf  seinem  arbeitsreichen  Lebensweg  hat  es  dem  tief  be- 
scheidenen Manne  an  äusserer  Anerkennung  nicht  gefehlt.  Die 
begeisterte  Verehrung  und  Liebe  seiner  Untergebenen  hat  ihn, 
wie  er  dankbar  empfand,  getragen.  Ich  wQsste  keinen  unter 
seinen  Beamten,  dem  es  nicht  eine  Freude  gewesen  wäre,  dem 
verehrten  Manne  eine  Arbeitslast  erleichtern  oder  abnehmen 
zu  können  .  .  das  war  freilich  nur  zu  selten  der  Fall!  .  . 

Nachdem  er  am  29.  September  1876  zum  Geh.  Bergrath  er- 
nannt, ihm  auch  am  16.  März  1881  der  Rang  der  Käthe  dritter 
Classe  verliehen  worden,  ehrte  ihn  die  philosophische  Facultät  der 
Universität  Heidelberg  gelegentlich  der  Feier  ihres  500jährigen 
Bestehens  durch  die  Verleihung  des  Doctorgrades  honoris  causa. 
Am  1.  Juni  1891  ernannte  ihn  Seine  Majestät  zum  Geh.  Ober- 
horgrath  mit  dem  Range  der  Käthe  zweiter  Classe. 

Am  9.  Juli  1896  verlor  Hauchkcorne  seineu  getreuen  Mit- 
arbeiter Ernst  Beyrich,  den  Mitbegründer  der  Geologischen 
Laudesanstalt,  nachdem  dieser  in  den  letzten  Jahren  bereits  mehr 
und  mehr  durch  die  Last  des  Alters  gebeugt  von  den  Geschäften 
sich  zurückgezogen  hatte.  —  Man  konnte  es  verstehen,  wenn 
Hauchecorne  sich  nicht  mehr  entschliessen  konnte,  an  die  durch 
Beyrich's  Tod  verwaiste  Stelle  einen  neuen  Helfer  zu  berufen. 
So  übernahm  er  die  grosse  Last  der  Leitung  beider  Anstalten 
allein  und  ist  ihr  trotz  seiner  bewunderungswürdigen  körperlichen 
und  geistigen  Spannkraft  leider  nur  zu  früh  erlegen.  —  So  schloss 
der  Lebensgang  eines  hochbegabten  Mannes,  dessen  Wirken  in 
der  mannigfaltigsten  Weise  segensreich  geworden  ist  nicht  nur 
für  eine  ixrosse  Zahl  anhäufflioher  Schüler  und  die  stattliche  Reihe 
der  seiner  Leitung  unterstellten  Beamten,  sondern  vor  allem  für 
die  Weiterbildung  und  Entwickelung  der  Culturaufgaben,  deren 
Lösung  den  von  ihm  geleiteten  Schwesteraustalten  anvertraut  ist. 


Wollen  wir  aber,  meine  Freunde,  Haüchecorne's  Thätigkeit 
Dach  ibrom  wahren  Werth  würdigen  und  schätzen,  so  müssen  wir 
vor  allem  seine  Persönlichkeit  in^s  Auge  fassen,  denn  die  mensch- 
liche Seite  seines  edlen  Charakters  ist  untrennbar  verknüptt  mit 
seinem  Wirken  im  Amte. 

Schlichtheit,  Einfachheit  und  ein  hohes  Maass  von  Be- 
scheideuheit  gaben  seinem  Auftreten  in  der  Oeffentlichkeit,  wie 
im  privaten  Kreise  etwHS  aussergewölinlich  Sympathisches.  Dazu 
gesellte  sich  eine  Vornehmheit  der  Gesinnung,  die  ihn  von  vorn- 
herein von  jedem  seiner  Mitmenschen  und  namentlich  seiner  Be- 
amten und  Mitarbeiter  immer  nur  das  Beste  annehmen  Hess.  Wie 
oft  hat  er  seiner  Freude  darüber  Ausdruck  gegeben,  dass  durch 
d^n  grossen  Kreis  seiner  Beamten  ein  gemeinsamer  idealer  Zug 
oindurchgehe  und  dass  jeder  an  seinem  Platze  sein  Bestes  zu  ge- 
l^n  sich  bestrebe!  —  Wenn  er  hohe  Anforderungen  an  seine 
Untergebenen  stellte,  btets  sind  sie  weit  übertroffen  worden  von 
denen,  die  er  an  sich  selbst,  an  seine  Arbeit,  seine  Gründlichkeit, 
^eine  Geduld  machte. 

Betrachten  wir  Hauchecorne  als  akademischen  Lehrer,  so 
wird  mir  jeder,  der  wie  ich  zu  seinen  Füssen  gesessen  hat,  be- 
stätigen, dass  es  nicht  glänzende  Beredsamkeit,  nicht  die  Pro- 
duction  speculativer  Ideen  war^  was  uns  sein  Wesen  und  seinen 
Vortrag  so  anziehend  machte,  aber  die  Wärme  und  Ueberzeugungs- 
treue,  der  ausserordentliche  Eifer  und  der  tiefe  Frnst,  die  ihn 
ständig  beseelten.  Und  dazu  kam  eine  eigene  väterliche  Art, 
sich  den  Studirenden  gegenüber  zu  geben,  sie  bei  Einrichtung 
ihres  Studiums  zu  berathen  und  das  zur  grössten  Nachsicht 
neigende  Wohlwollen  selb^it  in  den  Prüfungen,  sobald  nur  irgend 
erkennbar  war,  dass  ßerufsfroudigkeit  und  Ernst  in  dem  Schüler 
lebten. 

So  manchen  von  Ihnen  wird  in  der  Erinnerung  sein,  wie  er 
es  bei  festlichen  Gelegenheiten  studentischer  Art  meisterlich  ver- 
stand durch  die  Wärme  seiner  Rede  die  jungen  Berufsgenossen 
zu  begeistern  und  wie  sein  Auge  leuchtete,  wenn  er  dann  seiner 
eigenen  Jugend  gedachte.  Zwei  Dinge  waren  os  dann  meist, 
die  er    den  jungen   Freimden    als  das  Fundament,    als  die  Quelle 


künftigen  erspriesslichen  Wirkens  und  Erfolges  hinstellte,  die 
ganze  freudige  Hingabe  an  deu  idealen  Bergmannsberuf  und 
treue  aufopfernde  Vaterlandsliebe. 

Als  Zeuge  und  Helfer  bei  den  grossen  Thaten,  die  zur  natio- 
nalen Wiedergeburt  Deutschlands  f&hrteQy  war  er  ein  begeisterter 
Verehrer    unseres    ersten    grossen  Kanzlers,    ein  schwärmeriscber 
Bewunderer    des    greisen    Heldenkaisers.    —    Als    das    National' 
denkmal  für  diesen  enthüllt  wurde,  verschm&hte  er  es,  auf  eioec^ 
Tribünenplatz    der  Feier    beizuwohnen.      Es    trieb    ihn    unwidei 
Stehlich  im  Zuge    der  zahlreichen  Vereine,    die    dem  Gedächtni^^ 
des    alten  Kaisers    huldigten,    mitzugehen,     leb    meine    ihn  doc^^ 
leibhaftig    vor    mir    zu    sehen,    wie    er    entblössten    Hauptes  a^^ 
Standbild  vorüberzog,  indess  ihm  Thränen  über  Bart  und  WaDg^  ^ 
rannen. 

Ja,  dass  Verstand  und  Herz,  Geist  und  Gemüth  in  ihm  ^^ 
einem  harmonischen  Ganzen  gefügt  war,  das  trat  besonders  K  ^ 
demjenigen  Theile  seiner  Persönlichkeit,  die  man  seine  Künstle  ^ 
natur  nennen  kann ,  in  die  Erscheinung.  Zwar  hat  er  wobl  S  ^ 
seinen  höheren  Lebensjahren  die  Musik  nicht  mehr  selbst  au 
geübt,  aber  ein  tiefes  Verständniss  und  herzliche  Freude  an  i 
sich  bewahrt.  In  der  Beurtheilung  der  Malerei  und  aller  &^' 
Zeugnisse  graphischer  Künste  war  er  geradezu  ein  Meister.  Auc^'' 
die  innige  und  wahre  Freude,  die  ihm  aus  der  Betrachtung  d^^ 
Natur  in  ihren  wechselvoUeu  Erscheinungsformen  erwuchs,  eD^'' 
sprang  diesem  Zuge  seines  Wesens. 

Ob    es    die    Farbenpracht    der   Mineralien    und    die   Gesetz^ 
ihrer  Formen,  ob  es  die  Mannigfaltigkeit  der  Tracht  der  aus  aller 
Herren   Länder    gesammelten  Farne,    ob    es    das    stiumuingsvoUe 
Bild    einer    märkischen    Landschaft    oder    der    Zauber    deutscheu 
Hochwaldes  war,  der  ihn  ergriflP,  —  immer  hatte  er   die  Neigung 
und  das  Geschick,    seine    Mitmenschen  an  seiner  Freude,  seinem 
Genuss  theiluehmeu  zu  lassen,  ihrem  Auge  und  Verständniss  das 
nahe  zu  bringen,  was  ihn  selbst  erfreut  hatte.     So  erklärt  es  sich, 
dass  er  einer  der  thätigsten  Förderer    der  Gesellschaft    für  volks- 
thümliche  Naturkunde  wurde. 

Und  doch,  die  schönste  Seite  seiner  vielseitigen  Natur  haben 


sieber  nur  die  voll  erfassen  und  würdigeu  könneD,  die  ihm  im 
Lebeo  die  nächsten  und  theuersten  waren,  seine  Gattin,  seine 
Kinder  und  Enkel.  Sein  Haus  war  sein  Stolz,  seine  Zuflucht  aus 
Arbeit  und  Sorge,  sein  Heiligthum,  in  dem  er  höchstes  Glück 
empfing  und  gab. 

Wenn  der  Verstorbene  nun  ausruht  von  seiner  Arbeit,  wenn 

er  uns    nicht    mehr   leitet   mit   treuer  Fürsorge    und    erfahrenem 

Walten,    so    ist     er    doch    unser  geblieben.     Sein  Name   wird 

fernerhin  in  dankbarer  Liebe  und  Verehrung    von  allen,  die  ihm 

nahe  treten  durften,  genannt  werden. 

Aber  sein  Geist,  der  Geist  der  Menschenliebe,  der  Pflicht- 
erftllung  und  Treue,  der  lebe  und  walte  fürderhin  in  diesem 
Hause,  das  er  gebaut  und  bis  zum  letzten  Atemzuge  ge- 
leitet bat. 

Im  Namen  aber  aller  seiner  Schüler,  Freunde  und  Mit^ 
arbeiter,  die  geholfen  haben,  dies  Bild  zum  bleibenden  Gedäcbtniss 
an  Wilhelm  Hauchboornb  zu  errichten,  weihe  ich  seinem  An- 
denken den  Lorbeer  unvergänglichen  Ruhmes! 

(Redner  legt  einen  Kranz  an  der  Büste  nieder.) 

Und  so  übergebe  ich  dies  Denkmal  im  Auftrag  seiner  Stifter 
der  Geologischen  Landesanstalt  und  Bergakademie  in  Besitz 
und  Pflege. 

Ich  weiss,  sie  wird  es  hüten  und  in  £hren  halten! 


oxn 


Verzeiclmiss  der  Schriften  und  Vorträge. 


1863.  üeber  die  Ermittelang  der  yerhältnissinftssigeii  Bergwerksabgabe  in  Bel- 
gien.    Zeitschr.  f.  Bergrecht,  Bd.  4,  1863,  S.  390. 

1866.  Als  Mitglied  der  Deatschen  geologischen  Gesellschaft  beigetreten,  Yor- 
geschlagec  darch  die  Herren  Bbyiuch,  0.  Rose  und  Ewald  am  6.  Jani 
186G.    Zeitsohr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1866,  S.  384. 

1867.  An  die  Stelle  des  verstorbenen  Archivars  Lottnkk  wurde  Herr  Hauche- 
coRNB  am  7.  November  1 866  zum  Archivar  gewählt  Zeitschr.  d.  DeatAch. 
geol.  Ges.  1867,  S.  6. 

1867.  üeber  krystallisirte  Hüttenproducte,  Kupfererze  and  Robalterce  vom 
Kaukasus.   P.^)     Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1867,  S.  11. 

1868.  Pseudomorphosen  von  Weissbleierz  nach  Schwerspath.  P.  Zeitschr.  d. 
Deutsch,  geol.  Ges.  1868,  S.  461. 

1868.    Ein  Modell  von  Stassfurt  P.    Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1868,  S.  467. 
1868.     Steinsalzkrjstalle  von  Stassfurt.    P.     Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  G«s.  1868, 

S.  659. 
1868.     Geognostische    Karte    von    Deutschland.    P.     Zeitschr.  d.   Deutsch,   geol. 

Ges.  1868,  S.  747. 
1868.     Versuche    und  Verbesserungen    bei    dem    Berg  wer  ksbetriebe   in   Preussen 

während  der  Jahre  1863  -  1867,   I.  Theil.     Zeitschr.  f.  d.  Berg-,  Hütten- 

u.  Salinen -Wesen  im  preuss.  Staate  1868,  S  307. 

1868.  Mittlieilungen  aus  dem  Laboratorium  der  Königl.  Bergakademie  zu  Berlin. 
I.  Die  Eisenerze  von  Elbingerode.  Zeitschr.  f.  d.  Berg-,  Hütten-  u.  Sa- 
linen-Wesen im  preuss.  Staate   18()8,  S.  198. 

1869.  Die  Königliche  Bergakademie  zu  Berlin.  Zeitschr.  f.  d.  Berg-,  Hütten- 
u.  Salinen -Wesen  im  preuss.  Staate   1869,  S.  53 

1869.  Versuche  und  Verbesst^rungen  bei  dem  Bergwerksbetriebe  während  der 
Jahre  1803-1867.  IL  Theil.  Zeitschr.  f  d.  Berg,  Hütten-  u.  Salinen- 
Wesen  im  preuss.  Staate  18G9,  S.  57. 

1870.  üeber  bituminösen  Schiefer  ans  dem  Roth  liegenden  bei  Neurode.  P. 
Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.   1870,  S.  182. 

1870.  Meyn,  üeber  das  anstehende  Gebirge  bei  Staade  und  Lieth  in  Holstein.  P. 
Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1870,  S.  459. 

1871.  Kohlen  von  Moskau.    P.     Zeitschr.    d.  Deutsch,   geol.  Ges.   1871,   S.  470. 

1872.  üeber  Phosphoritknollen  vom  Samländer  Strande.  P.  Zeitschr.  d.  Deut>ch. 
geol.  Ges.  1872,  S.  175. 

1872.     üeber  die  geologische  Landesuntersuchung    in  Preussen.    P.     Zeitschr.  d. 

Deutsch,  geol.  Ges.  1872,  S.  795. 
1874.     üeber  diluviale  Vorkommnisse  bei  Magdeburg.    P.     Zeitschr.  d.  Deutsch. 

geol.  Ges.   1874,  S.  612. 
1874.     üeber  einen   Amethyst  von    Obf^rstein.     Zeitschr.    d.  Deutsch,    geol    Ges. 

1874,  S.  613. 

')  P.  =  Protokoll. 


cxni 

1875.    Vom  Rath's  ErinnerangSRchrift  an  HesseDberg.    P.     Zeitschr.  d.  Deatsch. 

jjeol.  Ge^.  1875,  S.  230. 
1375.    Die  kohlenführenden  Bildungen    in    der  Provinz    Schonen    und    aaf   der 

Insel    Bornholm.      Zeitschr    f.   d.   Berg-,   Hütten-   u.  Salinen -Wesen  im 

preuss.  Staate  1875,  S.  72. 
1*^76.    Ueber   die    Bohrlöcher   bei    Cammin    und    bei    Lieth.     P.      Zeitschr.    d. 

Deutsch,  geol.  Ges.  1876,  S.  423. 
IS76.   Ueber   das  Bohrloch    bei  Gammin.    P.     Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  G^s. 

1876,  S.  775. 
1877.    Ueber  Bohrlöcher    bei    Dobrilugk    und    bei    Purmallen.    P.    Zeitschr.  d. 

Deutsch,  geol.  Ges.  1877,  S.  425. 
1877.    Ueber  die  geognostische  Karte  der  Umgegend   von  Berlin.    P.     Zeitschr. 

d.  Deutsch,  geol.  Ges.   1877,  S.  638. 

1877.  Ueber  gediegen  Kupfer  aus  der  Grube  Calumet  and  Hecla-mine  in 
Keweenaw-County  im  Staate  Michigan.  P.  Zeitschr  d.  Deutsch,  geol. 
Ges.  1877,  S.  846. 

1^77.  Neue  Aufschlüsse  bei  dem  Steinkohlenbecken  an  der  Worm  bei  Aachen.  P. 
Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1877,  S.  846. 

1878.  Ueber  die  Bohrungen  am  Priorflies  und  zu  Gross-Ströbitz  bei  Gottbus.  P. 
Zeitechr.  d.  Deatsch.  geol.  Ges.  1878,  S.  682. 

1^79.  Ueber  Bleierze  ans  dem  Bautsandsteia  von  St.  Avold  in  Deutseh- Lothrin- 
gen.   P.     Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1879,  S.  20y. 

'•^^9.  Ueber  die  zu  Gross-Ströbitz  erbohrten  Kreidemergel.  P.  Zeitschr.  d. 
Deutsch,  geol.  Ges.   1879,  S.  215  u.  221. 

1879.  Ueber  ein  neues  Vorkommen  von  Steinsalz  und  Kainit  zu  Stassfurt.  P. 
Zeitschr.  d    Deutsch    geol.  Ges.  1879,  S.  635. 

1879.  Ueber  einen  Bohrkem  aus  dem  Bohrloch  bei  Cottbus.  P.  Zeitschr.  d. 
Deutsch,  geol.  Ges.  1879,  S.  79i). 

1879.  Fiskkxbb's  Analyse  des  Eisens  von  Bitburg  bei  Trier.  P.  Zeitschr.  d. 
Deutsch,  geol.  Ges.  1879,  S.  635. 

1880.  Ueber  einen  kupfernen  Trinkbecher.  P.  Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges. 
1880,  S.  216. 

'^    Gedenkrede   am  Tage    der  Feier    des    hundertjährigen  Geburtstages    von 

Chb.  S  Wbiss.    Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.   1880,  S.  XXII. 
^^1.    Modell  eines  Bohrers.    P.     Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1881,  S.  174. 
1^81.    Ueber  die  im  Congress  zu  Bologna  zur  Sprache  kommenden  Fragen.    P. 

Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1881,  S  515. 
1^81.    Ueber  den   internationalen  Geologen-Congress  in    Bologna.    P.     Zeitschr.« 

d.  Deutsch    geol.  Ges.  1881,  S.  699  u.  712. 
l'^^l.    Die  Gründung  und  Organisation  der  Köuigl.  Geologischen  Landesanstalt 

für   den    preu>sischen    Staat.      Jahib.  d.  Königl.  Geolog.  Landesanst.  u. 

Bergakademie  zu  Berlin  f.  d.  Jahr  1880.     Berlin  1881. 
1^1.    Ueber    schlagende    Wetter    in    Stein kohlen^ruben    und   Beseitigung    der 

schidlichen    Wirkungen    derselben    unter    Anwendung    von   Elektricitat. 

Vortrag,  gehalten  im  Elektrotechn.  Verein  am  24.  Mai  1881.    Elektrotechn. 

Zeitschr.  1881,  S.  270. 

JalU>baeh  1900,  h 


CXIV 

1882.    üeber  Kohlen  yod  Rjäsan  and  Tnla.   P.    Zeitschr.  d.  Deatsch.  geol.  Ges 

1882,  S.  201. 
1882.    Belgische  geologieehe  Landesanstalt.   P.    Zeitschr.  d.  Deotsch.  geol.  Gee 

1882,  S.  656. 
1882.    Vorlage   der   topographischen  Grundlage   zur   eorop&ischen  geologischei 

Karte.   P.    Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1882,  S.  656. 

1882.  üeber   die  Versammlang   französischer    Geologen  in  Foix.   P.    Zeitschr 
d.  Deutsch.  Reol.  Ges.  1882,  S.  814. 

1883.  Ueber  Anemometer.   P.    Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1883,  S.  632. 

1884.  üeber  Kupfererze  von  der  Walfisch* Bay.   P.    Zeitschr.  d.  Deatsch.  geol 
Ges.  1884,  S.  668. 

1884.  Lepidotus   aus   der   Wealdenkohle   von   Obemkirohen.    P.     Zeitschr.  d 
Deutsch,  geol.  Ges.  1S84,  S.  887. 

1885.  Vorlage   des  IV.  Bandes   des  Jahrbuchs   der  Geolog.    Landesanstalt.   P 
Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1885,  S.  217. 

1885.    Demonstration  von  mittels  Flusss&ure  herauspriparirteo  Versteinerungen.  P 

Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Gres.  1885,  S.  217. 
1885.    Torf  von  Lauenburg.    P.     Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Gee.  1885,  S.  549 
1887.    Ueber  Schwerspath  als  Absatz  in  Brunnenröhren  der  Grabe  »Güte  dei 

Herrn«.   P.    Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1887,  S.  224. 
1887.    Ueber    einen    scheinbar    vegetabilischen    Binschluss    in    Ghaloedon.    P 

Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1887,  S.  224. 

1887.  Ueber  einen  yermeint liehen  Petroleumfund   bei  Striegau.    P.     Zeitschr.  d 
Deutsch,  geol.  Ges.  1887,  S.  511. 

1888.  Vorlage  des  ersten  Aueschnittes  aus  der  geologischen  Karte  von  Europa 
P.    Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1888,  S.  373. 

1888.     Compte  rendu   de  la  3^""  session   da  congres  g^ologique  internationale 
Berlin  1888. 

1893.  Ueber  angeblicho  Steinkoblenfunde  in  der  Eifel.    P.     Zeitschr.  d.  Deutsch 
geol.  Ges.  1893,  S.  327. 

1894.  Carte  geologique  inti  mationale  de  TEurope.     Berlin,  Reimer,  1894. 
1894.     Die  gegenwärtige  Lage  der  Edelmetallgewinn ang  der  Erde.     Bericht  dei 

Silber-Commission.     1894. 

1896.  Ueber   die  Entdeckung    von   Kohlenlagern    am   Nyassa.    P.     Zeitschr.  d 
Deutsch,  geol.  Ges.  1896,  S.  990. 

1897.  Nekrolog    auf   Bkyrich.      Jahrb.   d.   Königl.   Geol.  Landesanst.  u.  Berg 
akademie  zu  Berlin  für  1896.     Berlin  1897. 

1898.  Begrüssungsrede    an    die    allgemeine  Versammlung  der  Deutschen  geolo 
gischen  Gesellschaft.    F.     Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.   1898,  S.  43. 

1899.  Schwefel    in    Brauneisensteindrusen    von    Bobrownik    bei    Tarnowitz.    F 
Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.   1899,  S.  26. 


Personal  -Verhältnisse 

bei  der  Königl.  Prenss.  geologischen  Landesanstalt 
und  Bergakademie  am  1.  December  1900. 


Curatorlum. 

y.  Vblsbn,  Ober-Berghauptmaiin. 
K.  Sghiobissbr,  Geheimer  Bergrath. 

Direction. 

K.  SCHMBISSBR,  Geheimer  Bergrath,  Erster  Director  der  Ge- 
sammtanstalt. 

A.  Geologische  Landesanstali 

Landesgeologen. 

!•  G.  Brrendt,  Dr.  phil. ,  Geheimer  Bergrath,  ausserordentl. 
Professor  an  der  Universität,  mit  der  Leitung  der  Flach- 
landsau&ahmen  beauftragt.     (Beurlaubt). 

2.  H.  LoRBTZ,  Dr.  phil. 

3-  F.  Wahnschaffe,  Dr.  phil.,  Professor,  Privatdocent  an  der 
Universit&t,  zugleich  Lehrer  der  allgemeinen  Geologie 
an  der  Bergakademie,  in  Vertretung  des  Geh.  Bergraths 
Prof.  Dr.  Berbndt  mit  der  Leitung  der  Flachlandsauf- 
nahme  beauftragt. 

*•  E.  Dathb,  Dr.  phil. 

'*■  K.  Keilhack,  Dr.  phil.,  zugleich  beauftragt  mit  Vorträgen 
über  Anleitung  zu  geologischen  Beobachtungen  und 
Quellen-  und  Grundwasserkuude  an  der  Bergakademie. 

^'  M.  Koch,  Dr.  phil.,  Professor,  zugleich  beauftragt  mit  Vor- 
trägen über  Petrographie  und  mikroskopische  Physiogra- 
phie  der  Mineralien  an  der  Bergakademie. 


CXVI 

7.  H.  ScHROBDVR,  Dr.  pbil.,  Redacteur  des  Jahrbuchs,  mit 

Leitung  der  geologischen  Landessammlung  beauftragt 

8.  A.  Jbntssoh,  Dr.  phil.,  Professor. 

9.  R.  Klbbs,  Dr.  phil ,  Professor  in  Königsberg  i.  Pr. 

10.  B.  ZuniBRMANN,  Dr.  phil. 

11.  A.  Lbppla,  Dr.  phil. 

Bezirksgeologen. 

1.  L.  BbüSHAUSBN,  Dr.  phil.,  Professor,  zugleich   beauftrag) 

Vorträgen    und    Uebuugen    über    Palaeontologie    an 
Bergakademie. 

2.  6.  MOller,  Dr.  phil. 

3.  H.  POTONii,    Dr.   phil.,    Professor,    zugleich    beauftragt 

Vorträgen  über  Pflanzenversteinerungskunde  an  der  I 
akademie. 

4.  A.  Dbngkmann,  Dr.  phil. 

5.  C.  Gaobl,  Dr.  phil. 

6.  O.  Zbisb,  Dr.  phil. 

Hülfsgeologen. 

1.  B.  Kühn,  Dr.  phil. 

2.  P.  Krusch,  Dr.  phil. 
.3.    R.  Michael,  Dr.  phil. 

4.  L.  Schulte,  Dr.  pliil. 

5.  F.  Kaünhowen,  Dr.  phil. 

6.  E.  Kaiser,  Dr.  phil.,  zugleich  beauftragt  mit  Vorträgen 

petrographische  Lehrgegeustäude  au  der  Bergakadeiiii 

7.  M.  Schmidt,  Dr.  phil. 

8.  G.  Maas,  Dr.  phil. 

9.  J.  Korn,  Dr.  phil. 

10.  P.  G.  Krause,  Dr.  phil. 

11.  W.  WOLFF,  Dr.  phil. 

12.  A.  Klaützsch,  Dr.  phil. 

13.  H.  MoNKE,  Dr.  phil. 

14.  W.  Weissermel,  Dr.  phil. 

15.  O.  VON  Linstow,  Dr.  phil. 


CXVII 

16,  W.  KoERT,  Dr.  phil. 

17,  0.  TiRTZE,  Dr.  phil 
IS.    H.  LoTZ,  Dr.  phil. 

19.    VV.  WüNSTORF,  Dr.  phil. 

20.  H.  Stille,  Dr.  phU.    . 

21.  L.  Siegert,  Dr.  phil. 

Nicht  angestellte  Mitarbeiter. 
1 .      K.  VON  Fritsch,  Dr  phil..  Geheimer  Regieruugsrath,  ordentl. 

Professor  ao  der  Universität  in  Halle  a.  S. 
2-       A.  VON  Koenen,  Dr.  phil.,  (leheimer  Bergrath,  ordentl.  Pro- 
fessor au  der  Universität  in  Göttingen. 
3.       E.  Katser,    Dr.    phil.,   ordentl.  Professor   an  der  Universität 

in  Marburg. 
4^-       H.  Grüner,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Land wirthschafUichen 

Hochschule  in  Berlin. 
^-     H.  BGCKING,  Dr.  phil.,   ordentl.  Professor  an  der  Universität 

in  Strassburg  i.  E. 
^>-     E.  Holzapfel,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  technischen  Hoch- 
schule in  Aachen. 
^-     W.  Frantzen,  Bergrath  in  Meiningen. 
^-    E   VON  Seyfried,  Dr.  phil..  Major  a.  D.  in  Strassburg  i.  E. 

Laboratorium  für  Gesteins-  und  Mineralanalyse. 
'•    V'oreteher:  11.  Finkener,  Dr.  phil.,  Geheimer  Bergrath,  Pro- 
fessor, Lehrer  der  Chemie  an  der  Bergakademie. 
Chemiker:  K.  KlüsS,  Dr.  phil. 


2. 


^'  A.  Lindner,  Dr.  phil. 


i 


1 


H.  WöLBLiNG,   Dr.  phil. 


H.  Winter,  Dr.  phil. 


Laboratorium  für  Bodeuanalyse. 

Vorsteher:  R.  Gans,  Dr.  phil. 
•    Chemiker:    C.  Radau,  Dr.  phil. 

0 

^  SCHÜCHT. 

*•  Böhm,  Dr.  phil. 


GXYin 

Zeichnerbfireaa  fflr  die  FlachlaDdsaofnahme. 

1.  Bureau  Vorsteher:  Th.  Wölfer,  Dr.  phil.,  Kultartechniker. 

2.  Zieichner:  J.  Nowak,  Hülfszeichner. 

3.  P.  Geyer,  » 

4.  F.  Sänge,  » 

5.  A.  Tessmar,  »  ,  Hauptmann  a.  D. 

6.  A.  Lehmann,  » 

Zeichnerbüreau  fOr  die  Gebirgslandsaufnahme. 

1 .  BOreau Vorsteher :  C.  Boenecke,  Secret&r,  Verwalter  des  Karten- 

archivs. 

2.  Zeichner:  J.  Vetter,  Hfll&zeichner. 

3.  G.  Hoffmann,       » 

4.  G.  Linke,  » 

5.  C.  Koch,  » 

Zeichn.erbüreau    für    wissenschaftliche 
Veröffentlichung  CD. 

1.  E.  Ohmann,  etatsmässiger  Zeichner. 

2.  W.  PöTZ  I,  » 

3.  M.  PöTZ  II,  »  » 


B.   Bergakademie. 

Ordentliche  Lehrer. 

1 .  R.  FiNKENER,  Dr.  phil..  Geheimer  Bergrath,  Professor,  s.  o. 

2.  H.  Wedding,  Dr.  phil.,  Professor,  Geheimer  Bergrath,  Lehrer 

der    Eisenhüttenkunde,    Eisenprohirkunst    und    Entwerfen 
von  Eisenhüttenanlagen. 

3.  A.  Hörmann,  Professor,  Lehrer  der  Mechanik,  der  Maschinen- 

lehre und  der  metallurgischen  Technologie. 

4.  A.  Schneider,  Professor,  Lehrer  der  Markscheide-  und  Mess- 

kunst. 


5.  F.  Bbtschlag,  Dr.  phil.,  Professor,  Lehrer  der  Geognosie 
uud  Lagerstättenlehre,  mit  der  Leitung  der  Gebirgs- 
landsaufiiahme  bei  der  geologischen  Landesanstalt  beauf- 
tragt. 
6.  G.  Franks,  Professor,  Lehrer  der  Bergbau-,  Salinen-  und 
Aufbereitungskunde. 

7-  R.  ScHBiBK,   Dr.   phiL,   Professor,    Lehrer  der  Mineralogie, 

zugleich  betheiligt  bei  den  geologischen  Aufnahmearbeiten 
in  Thüringen. 

8-  O.  PüFAHL,  Dr.  phil.,  Professor,  Lehrer  der  Allgemeinen  und 

Metall-Hüttenkunde,     Allgemeinen    und    Löthrohr-Probir- 
kunst,  chemischen  Technologie  und  technischen  Gasanalyse. 
^'     A.  Knbsbr,  Dr.  phil.,  Professor,  Lehrer  der  höheren  Mathe- 
matik. 


10. 
II. 


Ausserordentliche  Lehrer. 

A.  EsKENB,  Geheimer  Oberbergrath ,  Lehrer  des  Bergrechts. 
Post,  Dr.  phil..  Geheimer  Oberregierungsrath,  Professor,  be- 
auftragt mit  Vorträgen  über  Wohlfahrtspflege. 

'^-  Haselow,  Oberberg-  und  Baurath,  Lehrer  der  Bauconstruc- 
tionslehre. 

^3-      F.  Wahnscbaffb,  Dr.  phil,  Professor,  s.  o. 

^^-      Ü.  Keilhack,  Dr.  phil.,  s.  o. 

'^-        L.  Beushauben,  Dr.  phil.,  Professor,  s.  o. 

'"•       M.  Koch,  Dr.  phil.,  Professor,  s.  o. 

^^-        H.  P0TON16,  Dr.  phil.,  Professor,  s.  o. 

^^-       E.  Kaiser,  Dr.  phil.,  s.  o. 

^^'  G.  Brelow,  Regierungsrath ,  Lehrer  der  darstellenden  Geo- 
metrie, des  Zeichnens  und  Coustruirens. 

20-       ZiCKERMANN,  Dr.  phil.,  Lehrer  der  Electrotechnik. 

2^-  BisCHOFF,  Dr.  med.,  Stabsarzt,  beauftragt  mit  Vorträgen 
über  Gesundheitsgefahren  im  Bergbau  und  Hüttenwesen 
und  die  erste  Hülfe  bei  Unfällen. 

Ausserdem  hielt  Vorträge: 
Th.  Fischer,   Dr.  phil.,  Chemiker  über  Experimentalchemie. 


Mineralogisches  Institut. 

1.  Vorsteher:  R.  Scheibe,  Dr.  phil.,  Professor. 

2.  O.  Schneider,  Bergreferendar. 

Uebungslaboratorium  der  Studierenden. 

1.  Vorsteher:  R.  Finkener,  Dr.  phil.,  Professor,  s.  o. 

2.  Assistenten:  Th.  Fischer,  Dr.  phil.,  s.  o. 

3.  H.  Wölbung,  Dr.  phil. 

4.  H.  Winter,  Dr.  phil. 

Allgemeines  Probirlaboratorium. 

1.  Vorsteher:  Pufahl,  Dr.  phil.,  Professor,  s.  o. 

2.  Chemiker:   Krdg,  Assistent 

Eisen  probirlaboratorium. 

1.    Vorsteher:  H.  Wedding,  Dr.  phil..  Geh.  Bergrath,  s.  c 
'i.    Chemiker:  Krdo,  s.  o. 

C.   Chemisch -technische  Versuchsanstalt. 

1.  Direktor:  R.  FiNKENER,  Dr.  phil.,  Professor,  s.  o. 

2.  Chemiker:    Rothe,  Professor,  Stellvertreter  des  Directt 

3.  Th.  Fischer,  Dr.  phil.,  s.  o. 

4.  C.  ViRCHOW,  Dr.  phil. 

5.  R.  Wache,  Dr.  phil. 
().  A.  Franz. 

7.  F.  Soenderop,  Dr.  phil. 

8.  L.  Gerngross,  Dr.  pliil. 

Der  Gesammtanstalt  f2:e ineinsam: 

Bibliothek. 

Bibliothekar:  O.  Eberdt,  Dr.  phil. 

Casse. 

R.  Wernicke,  Rechnuugsrath,  Secretär  und  Rendant. 


OXXI 


Verwaltung. 

I.  W.  BoTTMER,  Secretär  und  Registrator. 

'l   Ä.  KiBGKBDSCH,  Secretär  und  Calculator. 

3.  Ä.  Dbbes,  Bergdiätar,  beschäftigt  in  der  Registratur. 

Kanzlei. 

1.  W.  Bbrglbik,  Kaüzlist. 

2.  P.  Bandte,  Kanzleigehülfe. 

3.  Hetdbn,  Kanzleigehülfe. 

Unterbeamte. 

^'  Beyer,  Castellan. 

'^'  £hrinG8HAU8EN,  Hauswart. 

3-  Hesse,  Heizer. 

^*  BoFFMANN,  Kassendiener. 

^*  Schreiber,  BQreaudiener. 

^-  Wehling,  Laboratoriumsdiener. 

^*  Schneider,  Laboratoriumsdiener. 

8-  Siebert,  Bibliotheksdiener. 

8-  Rademacher,  Wächter. 

^0.  RöTHE,  HOl&diener. 

^^-  Wünsche,  Hülfsdiener. 

^2.  Wolter,  Hülfsdiener. 

^^'  Krbtschmann,  Hülfsdiener. 

^*-  Ebsling,  Hülfsdiener. 

^^*  Menzel.,  Modellmeister. 


n. 


Abhandlungeo 


VOD 


Mitarbeitern 
der  Königlichen  geologischen  Landesanstalt 


Zup  Altersfrage  der  N. — S.- Störungen  in  der 

Kjpeide  von  Lüneburg. 

Von  Herrn  Gottfried  MOIIer  in  Berlin. 


Der  lebhafte  Aufschwung,   den   die  auf  die  Kreidekalke  bei 
^^^Deburg  begründete  Industrie  in  den  letzten  Jahren  genommen, 
^t  naturgemäss  auch  ein  rascheres  Vorschreiten  der  dortigen  Auf- 
^olftsse  als  bisher  erzielt.    In  Folge  dessen  konnten  die  Schichten- 
^■ge  und   die  Lagerungsverhältnisse  in  letzter  Zeit  besser  unter- 
geht werden,  als  dies  früher  der  Fall  war.     Ich  habe  drei  Jahre 
^^tidurch  die   Aufschlüsse  bei  Lüneburg  besuchen   und   in  jedem 
^^^^as  Neues  beobachten   können.     So  günstig  dies  rasche  Fort- 
schreiten  für  das  Verständniss  der  geologischen  Verhältnisse  von 
*^tineburg  ist,  so  ist  jedoch  damit  auch  ein  Uebelstand  verknüpft, 
^^ss  nämlich  nach  verhältnissmässig  kurzer  Zeit  bemerkenswerthe 
Profile  nicht  mehr  zu  beobachten  sind.     So  sind  z.  B.  die  Zech- 
steinrauchwacken  und  Aschen  fast  ganz  weggeräumt,  und  der  im 
V  oijahr  in   diesem  Jahrbuch   beschriebene  Aufschluss  im  Oberen 
Muschelkalk  nur  noch  mangelhaft  vorhanden.    Aus  diesem  Grunde 
"*^lt  ich  es  für  augebracht,  ein  fllr  die  Altersfrage  der  N. — S.-Stö- 
^*'^gen  wichtiges  Profil   an   dieser  Stelle   mitzutheilen,  damit  der 
^^^^  oder  andere  Fachgenosse  vielleicht  Veranlassung  nimmt,  das- 
selbe sich  anzusehen,  ehe  es  verschwunden. 

Wie  ich  in  dem  Bericht  über  die  wissenschaftlichen  Ergebnisse 
^^Qer  Aufnahmen  auf  Blatt  I-iOneburg  im  Sommer  1898  ^)  hervor- 


'^  Dieses  Jahrbuch  für  1S98,  S.  CKXXIX. 

''^rboeh  1900. 


2  GoTTPRiKD  MOllbr,  2ur  Altersfrags  der  N.— S.-Störangeii 

gehoben  habe,  zeigt  sich  jeder  grössere  Aufschluss  von  Störungen 
durchsetzt.  Wohl  am  gestörtesteu  ist  der  PiEPER'sche  Kalkbruch, 
welcher  westlich  der  Stadt  und  unmittelbar  südlich  von  der  neuen 
Irrenheilanstalt  liegt.  Dass  die  Lagerungsverhältnisse  im  Pibpbr'- 
schen  Kalkbruch  nicht  normal  entwickelt  sind,  geht  schon  aus 
dem  Umstand  hervor,  dass  während  am  Zeltberg  das  Cenoman  ca. 
HO  Meter  mächtig,  im  PiEPER'schen  Bruch  nur  30  Meter  Thon- 
mergel  und  mergelige  Kalke  vom  steil  aufgerichteten  Gypskeuper 
bis  zum  rothen  Labiatus  -  Pläner  vorbanden  sind.  Es  fehlen  hier 
auch  die  Steinmergelbänke  des  Gypskeupers,  an  denen  nach  Dames^) 
die  Transgression  des  Kreidemecres  haltgemacht  hat,  die  sonst  bei 
Lüneburg  sowohl  an  der  Basis  wie  auch  an  der  oberen  Grenze 
des  mittleren  Keupers  entwickelt  sind,  in  dem  PlEPBR^schen  Auf- 
schluss jedoch  bis  auf  einige  dünne  Bänkchen  fehlen. 

Die  bis  jetzt  erschlossenen  Schichten  gehören  ausser  dem  Ce- 
noman dem  Labiatus-  bis  Scaphiten- Pläner  an.     Versteinerungen 
sind    verhältnissmässig  selten.      Ausser  dem   häufigen    Inoceramus 
labiatus  sind  noch  /.  orbiculaiis  und  /.  Brogniarti  gefunden.     Diese 
Seltenheit   an    Fossilien    ist  mit  darauf  zurückzuführen,    dass    die 
Kreideschichten  ausserordentlich  stark  zerrüttet  sind.    Streichende 
Verwerfungen  (SW. — NO.)  allein  haben  jedoch  nicht  diese  starke 
Zerrüttung  hervorgerufen,  die  für  den  Abbau  zwar  ausserordentlich 
günstig,  für  die  Beobachtung  der  Schichtenfolge  und  der  Lagerungs- 
verhältnisse jedoch    sehr  hinderlich  ist,   so  dass  man  die  Verwer- 
fungen  selbst   nicht  in   ihrer  ganzen    Erscheinung   studiren   kanu. 
Dieses  trifft   im  gewissen  Sinne  auch  auf  die  Störungen  zu,  die  seit 
Herbst  1899  beim  Vorrücken  des  PiEPER'schen  Kalkbruches  nach 
\V.    sichtbar    geworden   sind.      Auch   diese    Dislocationen   würden 
kaum  in's  Auge  gefallen  sein,  wenn  nicht  ein  neues  Moment  hinzu- 
gekommen wäre. 

Herr  Pip:per  hatte  mir  gelegentlich  erzählt,  dass  ihm  Grand- 
und  Sandnester,  die  im  Kalke  steckten,  sehr  unbequem  beim  Ab- 
bau würden.  Da  mir  bekannt  war,  dass  in  der  Nordostecke  des 
Bruches    mit   Grand    ausgefüllte  Strudellöcher  vielfach   vorhanden 

0  Zoitschr.  d.  Deutsch.  Gcol.  Ges.  1895,  S.  560. 


in  der  Kreide  tod  Lünebnrg.  3 

lind,  lutte  ich  leider  versäumt,  diesem  Wink  oachzugeheD,  bis  mir 
in  diegem  FrUbÜDg  mein  Freund  Gagel  mittheilte,  daes  er  im 
PiEFBB'scbeti  Bruch  nordischen  Sand  uad  Grand  unter  bezw.  im 
Kreidekalk  liegend  geeebeu  habe.  Ein  gemeinschaftlicher  Besuch 
luaUtlgte,  dass  diese  Grand-  und  Sandnester  nur  durch  Disloca- 
tiaiKD  in  den  Kreidekalk  gelangt  sein  konnten. 


4  Gottfried  Müllkr,  Zar  Altersfrage  der  N.-  S.-StöniDgen 

Herr  Pieper  hatte  die  grosse  Freundlichkeit,  die  westlic 
Wand  des  Bruches  so  herrichten  zu  lassen,  dass  das  obenstehen 
Bild  aufgenommen  werden  konnte. 

Die  Höhe  des  Aufschlusses  betrug  zur  Zeit  9^2  Met 
Was  die  Grösse  der  Sand-  und  Grandnester  anbetrifft,  so  gab 
solche  von  wenigen  Decimetern  im  Durchmesser,  während  c 
bedeutendste  2  Meter  hoch  und  5  Meter  lang  war,  so  dass  man  fud« 
weise  den  störenden  Sand  hat  fortschaffen  müssen.  Es  zeigte  8U 
dass  die  saiger  fallenden  Verwerfungen  nahezu  S. — N.  streich 
mit  einer  Abweichung  von  ca.  5—6^  nach  W.,  also  dasse 
Streichen  haben  wie  die  Plattendolomite  des  Scbildsteins.  E 
PiEPKu'sche  Kalkbruch  Hegt  genau  im  Streichen  des  Schildite 
dolomits.  Durch  die  abgequetschten  Sandnester  konnte  man  ^ 
nau  den  Verlauf  der  Störungen  festlegen,  die  sonst  leicht  d 
Auge  entgangen  wären,  trotzdem  die  nördlichere  ausserdem  dui 
eine  2  —  8  Decinieter  starke  Reibungsbreccie  gekennzeichnet  wi 
Dadurch,  dass  thonige  und  reine  Kalkstflcke  durcheinander  g 
knotet  und  dann  wieder  verkittet,  und  letztere  theilweise  ansi»' 
lau^t  sind,  hat  die  Breccie  eine  Rauchwacke- ähnliches  Aussehe 
rrlaiiixt.  Ausser  den  auf  den  durch  Ketouche  hervorgehobene 
Verwertungen  lie^xendeii  Cirandnestern  mit  über  kopfgrossen  üc 
sehieben  sind  noch  mehrere  Sanduester  vorhanden,  bei  denen  ma 
kein  Zn/ainn^ontallen  mit  Di^locationen,  auf  die  man  die  Hau 
leiten  konnte,  feststellen  konnte.  Dass  jedoch  auch  diese  m 
dnreh  Storniiiien  an  ihr  iotzi^x^s  La«jer  ijelaufft  sind,  ist  selbs 
verstamllieli.  In  der  Nordwand  des  Kalkbruchs  ist  neuerdiui 
eine  linseatorniii;e  Kinsehaltunü:  von  Geschiebelehm  zu  sehen,  d 
dnrehaus  der  von  Stkinmann  ^]  vom  Bieler  See  beschrieben« 
^^  ra>v'hen-  ijleieht,  so  da>s  eine  Skiz/e  nur  die  Wiederholunir  d 
Sn  INM  vNN  ^ohen  soin  wurde. 

Ui  Im  Stauvie  des  Aufschlusses  war  die  genaue  Untersuchui 
der  r;:>ehe-  hv\  meinen»  lot/ton  Besuch  unmöglich;  doch  schi« 
>ii     a\:t     eine    l  ebersehiobuu:;    und   Aufreissnufi:    der    Kreidekali 


'  lobor  i^hulÄ*.     >:.iUvhuni:*t'T^oi.oiuuiij:i'n    ^m   Bieler  See.     N.  J.  f.  ISS 


in  der  Kreide  yon  Lüneburg.  5 

zurQckzufbhren   zu  sein,  die   man   auch   an  der  westlichen  «Wand 
beobachten  kann  und  auf  vorstehender  Figur  angedeutet  sind. 

Id  den  Au&chlüssen  am  Zeltberg  habe  ich  bis  jetzt  nirgends 
Beweise  quartärer  Verwerfungen   beobachten   können.     Die   Auf- 
l^niug  von   miocänem  Thon   auf  nordischem  Grand   kann   vom 
ßsdruck  herrühren,   obwohl   man  mit  ebensoviel  Recht  diese  auf 
eine  postglaciale  (d.  h.   postglacial  für  jene  Gebiete)  Ueberschie- 
f>ung  znrückföhren  kann.    In  der  Sammlung  des  Herrn  M.  Stömcke, 
die  jetzt  in  den  Besitz  des  naturhistorischen  Vereins  in  Lünei)urg 
Übergegangen  ist,  liegt  ein  nordisches  Geschiebe  (meiner  Erinnerung 
oach  Gneiss),    welches    tief   in   der   Kreide   eingebettet  gefunden 
forden    ist.     Ich    war    früher  geneigt,    dieses   Vorkommnis»   auf 
Wrift  zurückzuf))hren.     Jetzt   halte  ich  es  jedoch  nicht  für  ausge- 
schlossen,  dass   auch  dieses  Geschiebe  durch  eine  junge  Störung 
an    seine    Lagerstätte    gekommen    ist.      Ausserordentlich    schöne 
Harnische  mit  Frictionsstreifung  sind  mehrfach  blosgolegt  und  von 
Herrn    Stümcke     photographisch     aufgenommen    worden.      Dass 
Stolley    in  der   Kreide   des   Zeltberges   grosse   Störungen    nach- 
ge^viesen,  habe  ich  schon  früher  hervorgehoben. 

VON    KoENEN    hat    bekanntlich    seit   langer   Zeit  die    Ansicht 

^'^rtreten    und    dafür   Belege   angeführt,   dass  Krustenbeweguugen 

'>is    in    die  Jetztzeit    andauern.      Credner,   Cohen   und  Deecke 

liuboD    quartäre   Störungen   auf  der   Insel    Rügen    untersucht   und 

bc^ schrieben,  die  von  Wahnscfiaffe  der  luterglacialzeit  zugewiesen 

^'e?rdon.     Ebenso    hat    T.    Mellard   Keade  ^)   Verwerfungen    im 

^ÄÄiid  und  Kies  an  der  Küste  von  Cumberland  beschrieben.     Beüs- 

^  -^üSEN  2)    konnte    seiner    Zeit    eine    Schwierigkeit    in    der    Eut- 

^^  1  <;klungsgeschichte   der  Terrassen   und  Thäler   der  unteren  Oder 

"^•-Är  durch    postglaciale   Krustenbewegung    befriedigend    erklären. 

^  «1  selbst  habe  postglaciale  Verwerfungen  im  Bereich  der  Blätter 

^rswalde  und  Templin  in  der  Uckermark  '^)  nachgewiesen,  deren 

prunghöhe  bis  3  Meter  betrug. 


»)  Faulting  in  Drift,  Geol.  Magaz    1892. 

*)  Mitth.  über  die  Aufnahme  d.  Bl.  Polsson,  Passow  und  Cunow.     Dieses 
'^^brboch  für  1894. 

^  Dieses  Jahrbuch  für  1888,  S.  CXXXl  u.  CXXXII. 


6  Gottfried  Müller,  Zar  Altersfrage  der  N. — S.-Störungen  etc. 

lo  dem  Führer  ftir  die  Ausflüge  der  Deutschen  Geologische^  ^ 
Gesellschaft^)  (1898)  hatte  ich  die  bedeutende  Schichtenstöru 
am  Kuhgrunde  bei  Lauenburg  wieder  gegeben,  und  im  folgende 
Jahre   konnte   ich   den  Theilnehmern   des  Ausfluges  nach  Laue 
bürg  bei  Gelegenheit  des  VII.  Internationalen  Geographen -Co 
gresses  zeigen,  dass  die  Mehrzahl  der  dortigen  Trockenthfiler  un 
Schluchten  auf  Faltung  und  junge  Störungen  zurückzuführen  sin 

Zu   diesen   Beweisen   von   quartären   Stöningen  ^) ,    die    nie 
dem    Druck   des  lulandeises   ihre    Entstehung   verdanken,   kern 
das  oben   beschriebene  Profil.     Ich  muss  es  jedoch  unentschiede 
lassen,  ob  die  Störung  postglacial  im  strengen  Sinne  ist,  oder 
sie  einem  älteren  Zeitabschnitt  des  Quartärs  angehört,  da  ich  b 
Lüneburg   nur   eine   Grundmoräne   vorgefunden  habe,   die  jedoc 
gleichfalls  vielfach  Störungen  unterworfen  ist. 


<)  Dieses  Jahrbuch  für  1898,  S.  32. 

^  Da  ich  diese  Zeilen  während  der  Aufoahmezeit  niederschrieb,  sind 
zweifelsohne  eine  Reihe  Ton  Litteraturnachweisen  über  quartSre  Störungen  no 
entgangen. 


lieber  grosse  flache  Ueberschiebungen  im 

Dillgebiet. 

Von  Herrn  E.  Kayser  in  Marburg  in  Hessen. 
(Hierzu  das  Kärtchen  Tafel  I.) 


Je  weiter  die  geologische  Erforschung  der  alten  Faltengebirge 
M^est- Europas  fortschreitet,  um  so  wichtiger  erweisen  sich  für 
^^ren  Bau  Ueberschiebungen.  In  einem  unserer  Mittelgebirgs- 
*^erue  nach  dem  anderen  werden  sie  nachgewiesen,  zum  Theil 
^t^  solcher  Zahl  und  Grösse,  dass  man  sagen  könnte,  dass  nächst 
^ein  faltigen  Bau  der  Schichten  Ueberschiebungen  und  die  dadurch 
bedingte  Schuppenstructur  das  bedeutsamste  Element  in  der  Tek- 
*^onik  dieser  Gebirge  darstellen. 

Auch  im  Dillgebiete,  mit  dessen  Aufnahme  Verfasser  bereits 
^^it  einer  längeren  Reihe  von  Jahren  beschäftigt  ist,  hat  sich 
^  ieser  Satz  je  länger  desto  mehr  bestätigt.  Auf  Schritt  und  Tritt 
"tx-ifft  man  hier  Andeutungen  von  Ueberschiebungen.  Sie  äussern 
^ich  sowohl  im  Kleinen  als  auch  im  Grossen  und  spielen  mit- 
vinter  ftir  den  Gebirgsbau  die  Hauptrolle. 

Als    ein    sehr  lehrreiches   Beispiel  für  Ueberschiebungen 
^m   Kleinen   sei  hier  das   Bild   eines  Steinbruchs  unweit  Ober- 
^cheld  wiedergegeben,  das  auf  kleinem  Räume  ein  mindestens  vier- 
mal von  Ueberschiebungen  durchsetztes  oberdevonisches  Kalklager 


8  E.  Kaibek,  U«ber  grosse  fiftcha  üeberecbiebnngen  im  Dillgebiet. 

darstellt.  Alle  Uet^erschiebuagsklQne  fallen  mehr  oder  niiud< 
Bteil  gegen  SO.  ein,  und  auf  jeder  ist  die  hangende  Scholle  vt 
S.  her  Hilf  die  liegende  aiifgeGchobeu  worden. 

FiK.  1. 

Aiiucbt  des  Kalkatciabrache  -  bd  der  Beuerbach«  oDweit  der  ehemalig 

Grabe  Beiletein  nördlich  Oberscbeld  ■). 


Cl  =  oberdevonischer  Cephalopodenkalk.     t  ^  baDgeDde'Schieferzoiie, 
D  —  jaogoberdovonischer  Deckdiabas. 

Unter  den  Beispielen  tilr  grosse,  weit  fortsetzen) 
UehprschielHinj?en  in  der  Dilljre-end  ist  uu  erster  Stelle  dl 
jpniije  XU  nennen,  die  den  LiiiLTCn  Zns  siliirisclier  Gesteiui?,  d 
vom  Kellerw;dd  liis  zum  WestPrwald  reicht  hihI  eine  Art  P:itt. 
SL'lieide  zwischen  der  sfidlich  liegenden  Lahiimiilde  und  der  nör 
lieh  austossendcn  Oillnudde  bildet.  v,-.n  den  im  N.  angrenzend 
devonischen  luid  curbonisclien  AhLijiernnscii  trennt,  .\uf  uieüe 
weite  Erstreckun.i:  *iiid  hier  .lie  silnrisehen  Schichten  in  ilii 
(Tesaninitheit.  ehenf:ilU  von  S.  her.  auf  die  genannten  jflnf^er 
liildnniren  aiifixescholii>n.  Hie  KInft.  anf  der  stell  diese  IJewegn 
vollzogen  hat.  konnte  —  weni^-stens  im  Oillgehieto  —  an  kein 
Stelle   beobachtet    werden.     Man   darf  iudess  annehmen,   dass  : 


';  Ein  [TrCs*.- 
1.T  im  Frübiahr 

I8!>; 

liwhon   gei.|og.  ' 

t\T.>i 

■-ffoDtlicht   W.tJ.'1 

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id  \i>l!.'trni.iiporfg  Pholi.grtimm  dieses  schÖneii  Äufschliisä 
l'oi  lion  1  bi'ün.-liiiieni  an  dor  Vi>rssmm!ung  des  oberrh 
I*  ri  M.iil>i:rj  -ros,.,-  Inter^se  erfgle.  s..!l  in  den  ] 
1  .inii;-:- Z-i!  .r^diein,  iid,n  Messtiäcbblalte  Oberscheid  v 


S.  Katsbs,  Ueber  grosse  flache  üebcrschiebungeo  im  Dillgebiet.  9 

fine  ähnlich    steil   nach   S.   bezw.   SO.   einfallende    Lage   besitzen 
wird,  wie   bei  den  vier  oder  flQnf  Ueberschiebungen ,   die  auf  den 
Messtischblättem  Ballersbach  und  Oberscheid  die  in  Rede  stehende 
flauptüberschiebung   in   geringem  Abstände    und   mit  nahezu  pa- 
rallelem Verlauf  im  N.  begleiten.    Bei  diosen  ebenfalls  viele  Kilo- 
meter weit  zu  verfolgenden  Ueberschiebungen,  die  das  Mitteldevon 
und  stellenweise  sogar  das  Unterdevon  in's  Hangende  des  Ober- 
devoD  und  Culm  gebracht  haben,   hat  sich   die  Störungskluft  an 
zwei  Punkten  in  aller  Deutlichkeit  beobachten  lassen  und  als  eine 
ois  0,2  Meter   weite,    hauptsächlich   mit  schülferartigen   Schiefer- 
^^röckchen  erfüllte  Spalte  erwiesen. 

Zur  Erläuterung  dieser  Verhältnisse  diene  das  nachstehende 
Profil  Fig.  2,  das  dem  Gebiete  des  Messtischblattes  Ballersbach 
o^er  dem  nordwestlichen  Theile  des  begleitenden  Kärtchens 
(Taf.  I)  entnommen,  als  typisch  für  den  Gebirgsbau  im  südlichen 
Theile  der  Dillmulde  gelten  kann. 


Während  aber  die  besprochenen  Ueberschiebungen,  wie  alle 
^Di  Bereiche  der  Dillmulde  beobachteten,  sich  auf  mehr  oder 
Binder  steil  geneigten  Kluften  vollzogen  haben,  so  zeichnen 
sich  die  Ueberschiebungen,  die  ich  in  den  letzten  Jahren^im  S. 
^^8  grossen  Silurzuges  oder  mit  anderen  Worten  im  nördlichen 
theile  der  Lahnmulde,  zwischen  der  Dill  und  der  (unterhalb 
^'^ssen  in  die  Lahn  einmündenden)  Bieher  aufgefunden  habe, 
^^rch  mehr  oder  weniger  flach  einfallende  Klüfte  aus. 
^  sind  flache  Ueberschiebungen  ähnlicher  Art,  wie  sie 
^chon  seit  einiger  Zeit  aus  dem  belgischen  und  west- 
fälischen Kohlengebiete  und  einigen  anderen  Gegenden 
(Schottland,  Alleghanys  u.  s.  w.),  aber  noch  nicht  aus 
aen  inneren  und  südlichen  Theilen  des  rheinischen 
Schiefergebirges  bekannt  waren. 

Es  ist  sehr  bemerkenswerth  und  wohl  kein  Zufall,  dass  dieser 
iresentliche   Unterschied  Hand    in  Hand    geht    mit   der  verschie- 
denen Neigung  der  Schichten  in  beiden  Gebieten.    Denn  während 
in   der  Dillmulde   die   Gesteine   fiberall  steil  aufgerichtet  sind,   so 


E.  Katikh,  üeber  groM«  Sache  üebenchiebmig« 

/y  i. 


S.  Kaysbs,  üeber  grosse  flache  Uebenchiebniigen  im  Dillgebiet  1 1 

herrscht  in  dem  in  Rede  stehenden  Theile  der  Lahnmulde  auf 
weite  ErstreckuDg  eine  flache  bis  fast  schwebende  Lagerung  der 
Schichten. 

Die  erste   derartige  flache  Ueberschiebung,    auf  die 
man  tri£%,    wenn   man   im   Gebiete   des  Blattes   Ballersbach  vom 
grossen  Silurzuge,   der  hier  den  waldigen  Bergrücken  der  Hörre 
zusammensetzt,  nach  S.  wandert,   wird  von  der  ausgedehnten 
I^ecke    von   jung-oberdevonischem  (sog.   Deck-)  Diabas 
gebildet,  die  sich   im   O.   der  Dill  und  im  S.  des  Lemp- 
^hales    von    Ehringshausen     bis    Ober    Hohensolms    und 
*^öiiigsberg  hinaus  erstreckt.    Wie  das  begleitende  tektonische 
*^ärtchen  (Taf.  I)  zeigt,  hat  man,  bevor  man  die  grosse  Diabasmasse 
^'reicht,  eine  breite  Zone  von  Culm- Schiefern  und  -Grauwacken 
^Xi  durchschreiten,  die  abgesehen  von  kleinen  örtlichen  Stauungen 
^nd  Wellenbiegungen   in   ihrer  ganzen  Erstreckung  von  Kölsch- 
Hausen  bis  über  Erda  hinaus   eine   nahezu  wagerechte  Lagerung 
t)aben.     Die  im  S.  dieser  grossen  Culmausbreitung  folgende,  sich 
^nit  hohem  steilen  Anstieg  aus  der  breiten  Senke  der  Lempthäler 
Erhebende  Diabasmasse   stellt  eine   mächtige,  je  nach  dem  20  bis 
über  50  Meter  dicke,  zwar  durch  zahlreiche  NW.-streichende  Quer- 
brüche zerschnittene,  aber  doch  überall  zusammenhängende  Platte 
dar,  die  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  sanft  nach  SO.  abfällt.    So- 
wohl  die  an  mehreren  Punkten  —  so  besonders  am  S.- Abhänge 
des  Adlerhorstes   bei  Bechlingen  —  dem  Diabase  eingeschalteten, 
gleich   Niveaucurven    um    die   Berge    herumlaufenden   Lager    von 
Cypridinenschiefer   als   auch   die  zahlreichen   dem   Grünstein   auf- 
gesetzten flachen  Kappen  von  Culm-Kieselschiefer  lassen  an  dieser 
flachen  Lagerung  der  Diabastafel  keinen  Zweifel. 

Dass  diese  Tafel  in  der  That  eine  Ueberschiebungsdecke  dar- 
stelle, ist  mir  erst  im  Laufe  der  beiden  letzten  Jahre  allmählich 
klar  geworden. 

Der  Hauptbeweis  liegt  darin,  dass  die  flach  liegenden  Culm- 
schichten,  die  von  N.  her  überall  bis  hart  an  den  Diabas  heran- 
reichen, nach  S.  zu  mit  gleicher  Lagerung  auch  unter  der  Diabas- 
decke fortsetzen.  In  den  tiefen  Schluchten,  die  vom  N.- Rande 
der    Diabas- Decke    weit    in    deren    Inneres    einschneiden,     kann 


1*2         B.  KAYaBR,  Ueber  grosse  flache  üeberschiebnngen  im  Dillgebiei. 

man  sich  überzeugen,  dass  der  obere  Theil  der  Gehänge  ebenso 
wie  das  umgebende  Plateau  aus  Diabas  bestehen,  während  in 
den  Bachbetten  überall  Culmschiefer  zu  Tage  gehen.  So  in  dem 
steilwandigen  Thälchen  gleich  südlich  von  Breitenbach;  so  in  der 
km -langen  Schlucht,  in  welcher  der  Weg  vom  ebengenannten 
Dörfchen  nach  Werdorf  emporsteigt 

Sehr  deutlich  ist  ferner  die  Unterlagerung  der  Diabasdecke 
durch  Culm  bei  Hohensolms,  wo  ein  weit  nach  N.  vorspringendes 
Stück  der  Diabastafel,  das  nur  im  S.  durch  eine  schmale  Brücke 
mit  der  Hauptmasse  zusammenhängt,  fast  auf  allen  Seiten,  d.  h. 
im  W.,  N.,  O.  und  SO.,  von  Culmschichten  unterlagert  wird,  die 
an  den  steilen  Plateau abhäna:en  überall  in  ansehnlicher  Mächtisr- 
keit    und    mit  unzweifelhaft  flacher  Lagerung  aufgeschlossen  sind. 

Am  überzeugendsten  aber  durften  die  Verhältnisse  am  Mühl- 
berg    unweit    Bechlingen    sein,    einem   etwa   einen  Kilometer 
vom  N.- Rande  der   grossen  Diabasplatte   entfernten,   sich  50  bis 
{\0  Meter  über  die  Breitenbacher  Thalsenke  erhebenden  Berffkesrel. 
Dieser   bestehoht   nämlich   in    seinen  unteren  zwei  Drittheilen  aus 
Posidoniensohiefern    und    Cuhnixrauwaoken,    die    hier    wie    in   der 
ijan/en  l'niirt'buniX   l-ei    nahezu    horizontaler  Lagerung   zu    kleiueu 
tlaohwolliiTon    FalttMi  »;e>taut    siiul:    clas   ol»ore   Drittel  daLreijeu   i>e- 
stoht    aUv<    oiiuMii    um    don    ^ranzen    Ki-rir    herum    verfolnharen .    auf 
dosstMi  S.-Soito  in  oinom  Stoinbnuh  autiieschlossenen,  etwa  15  Meter 
uiäoliti:Xon    niaba>la:::or,    über    Ooin    oiue    flaohe   Kappe    von   Culm- 
kiosol>oluoter  l:o::i.      Ks   ruht   hier  al^^o   bei   alUeitiijeu   deut- 
liohou     A  utVi'hlüs>en     eine     kleine     flache    Scholle     von 
oberJe  von  is  oben)     DeekJiabas     und    Cu  1  m  k  i  es  el  schiefer 
unmittelbar   ant'  einer  Unterlatie   von  mäohtiiren,    eben- 
f a  11s  t"l  a  eh  1  i  e ;; e  u  J  e n  C  ;i  1  m  s o  h i o h t  e n. 


loh  habe  niieh  laiiire  ^reiTon  die  Annahme  einer  Ueberschie- 
bun^  lies  Diabases  aiit'  den  C*i!:n  gesträubt  und  habe,  um  ihr 
aus  vier.*  We^e  /n  i^ehe:. ,  ^o^ar  eir.e  Zeit  lauj  versucht,  die 
>vb.:iTVr  ur.d  lirai.u.ivken  vies  Lt ::.:  i'r.a'.es  beim  Mitteldevon  unter- 

« 

-Til  riiUtVi,     E:s:   al>  Mv-h  an   :;.ii.rt"rt::  ruiikten  iu  jenen  Gesteinen 


ä.  Kaysbr,  Uel>er  grosse  flache  Ueberschiebnngen  iin  Dillgebiet  13 

beweisende  Culm Versteinerungen  gefunden  hatten  und  mir  die 
Jede  Möglichkeit  einer  Täuschung  ausschliessenden  Verhältnisse 
am  Mühlberge  bekannt  geworden  waren,  habe  ich  meinen  Wider- 
stand au%egeben. 

Nur  ein  Umstand  hat  mich  lange  Zeit  immer  wieder  an  der 
Annahme  einer  Ueberschiebung  irre  gemacht.  Trotz  aller  Mühe 
war  es  mir  nämlich  nicht  möglich  gewesen,  an  der  Berührungs- 
linie  der  Diabasdeeke  mit  dem  Culm  irgend  welche  Zertrümme- 
rungsgebilde  oder  sonstige  Spuren  einer  mechanischen  Einwirkung 
zu  beobachten,  wie  eine  so  gewaltige,  nach  N.  fortgleitende  Ge- 
steinstafel  selbst  bei  äusserster  Langsamkeit  der  Bewegung  sie 
doch  nothwendigerweise  auf  ihre  Unterlage  ausgeübt  haben  musste. 
£r8t  im  letzten  Sommer  ist  es  mir  endlich  gelungen  eine  solche 
Beobachtung  zu  macheu  und  damit  auch  den  letzten  Einwurf 
gegen  jene  Vorstellung  zu  beseitigen. 

Auf  einem    neu  angelegten  Horizontalwege  nämlich,   der  am 
S.-Abhauge    des   Mühlberges    in    geringer  Höhe   unter  dem   oben 
erwähnten  Diabasbruch  verläuft,    fand  ich  die  in  einer  Höhe  von 
IV2 — 2  Meter  aufgeschlosseneu  Culmschiefer  in  auffälligster  Weise 
gefältelt  und  gestaucht,  stellenweise  förmlich  zerknittert,  und  von 
inneren  Gleitflächen   durchzogen,    so  dass  ich  sogleich  auf's  Leb- 
hafteste au  das  Füllmaterial  der  bekannten  Ruschein  von  Audreas- 
berg  im  Harz   erinnert  wurde.     Hier   hatte   ich   in   der  That 
die  lauge  gesuchten  Quetsch-  und  Umformungserschei- 
nungen im  Untergrunde  der  Ueberschiebungsdecke  vor 
mir;  und  das  war  um  so  wichtiger,  als  es  mir  nur  an  dieser  einen 
Stelle   gelungen   ist  etwas  derartiges  zu  beobachten,   während  im 
Uebrigen    die   Contactfläche   zwischen    Diabas  und  Culm  an  den 
waldigen    seh utt bedeckten   Abhängen   sich   überall   als   vollständig 
verhüllt  erwies. 

Ein  durch  den  Mühlberg  in  der  Richtung  von  N.  nach  S. 
gelegtes  Profil  würde  nach  diesen  Ausführungen  etwa  folgendes 
Bild  liefern: 


14         B-  Katsu,  Deber  gnMM  flmclie  tlabenchiebitiig«n  im  KUgatnet. 


Dorchicbnitt  dareh  den  HQhlbarg  b«i  Bechlingeu. 


0  ^  Schiefer  und  Gnuwackeo  dee  Culm.    R  =  Zone  mediuiiBclier  ümformuDg 

in  diesen  Schichten.     D  =  oberdevoDiicher   Deckdiabae.    KS  ^  Ca  1  tu  -  Kiesel - 

schiefer. 

Die  steil  stehenden  Lini^  im  Calmschiefer  tollen  die  secnndire  Sclüefernng 

andeuten. 

Nach  allem  im  Vorsteheuden  Mitgetlieilten  trage  ich  jetzt 
kein  Bedenken  mehr,  die  gesammte  Hobensolms-Ehriags- 
häuser  Oiabastafel  als  eine  grosse  Ueberscbiebungs- 
deckc  aufzufassen,  den  Mflhlberg  aber  als  ein  Denu- 
dationsrelict  jener  Decke,  die  ehemals  inindesteDa  bis 
in   diese   tiegeiid   gereicht   haben    niuss. 


Was  de»  feineren  Bau  der  grossen  Ueberschiebungsdecke 
betrifl't,  so  gestaltet  dieser  sich  dadurch  meist  ziemlich  verwickelt, 
dass  die  Oiabastafel  keine  einheitliche  Masse  ist,  sondern  aus 
einer  Mehrzahl  übereinander  geschobener  Schuppen 
bestellt.  Dass  dem  wirklich  so  sei,  beweist  nicht  nur  die  be- 
deutende, örtlitli  bis  gegen  60  Meter  anwachsende  Mächtigkeit 
der  Dtt'ibnftjilatte,  soudcrn  vor  allem  das  häufige  Vorkommen  mehr 
oder  minder  mächtiger  Zouen  von  Cnlm-Kieselschiefer  inmitten 
des  Diabas.  Steigt  man  z,  B,  von  der  alten  Dach  seh  iefcrgrube 
im  Lemptbaie  ciberlialb  Eliringäliauseu  zuiU  Lempberg  auf,  80 
trifft  man,  nachdem  man  das  die  Cidmschiefer  von  der  Diabas- 
decke trennende  Kieselschieferbaud  Qbersehritlen  hat,  im  Forst- 
orte 31  noch  zweimal  auf  grössere  dem  Diabas  eingelagerte 
Kieselschiefermasseu.  ehe   man   an  die  grosse  den  Gipfel  desi  Berges 


fi.  Katsbr,  tJeber  grosse  flache  Ueberschiebnngen  im  Dillgebiet  15 

^^^mmensetzende  Kieselschieferkappe  gelangt.     Diese  und  andere, 
unliebe  Kieselschiefereinlagerungen  können  aber  nach  ihrer  petro- 
^aphiscben  Beschaffenheit  nur  als  Culmkieselschiefer,  d.  h. 
^8  das   normale  Hangende  des   Deckdiabases  aufgefasst  werden, 
Während  das  abermalige   Erscheinefb   des  Diabas    in   ihrem   Han- 
genden  sich  nur  aus   der  Annahme  weiterer  kleiner  Ueberschie- 
^umgen  erklären  lässt. 

Eine  im  Diabasbruch  am  S.-Äbhang  des  Mühlberges  gemachte 

eobachtung  hat  auch  auf  diese  Verhältnisse  Licht  geworfen.    Wie 

^inlich  die  folgende,  von  meinem  ehemaligen  Assistenten,  Herrn 

r.  H.  LoTZ,  au  Ort  und  Stelle  angefertigte  Skizze  erkennen  lässt, 

^«tzt   mitten   durch   den  Diabas   eine  im  Allgemeinen  horizontale, 

^ber  überall  stark  gestauchte  und  im  Einzelnen  sehr  unregelmässig 

gestaltete  Kieselschieferzone   von  etwa    1  Meter  Mächtigkeit  hin- 

<lurcb,  während  über  ihr  eine  ungefähr  halb  so  starke,  verruschelte, 

^U8   Brocken  von  Diabas  und  Kieselschiefer  bestehende  Zone,  eine 

förmliche  Reibungsbreccie  folgt.     Diese  Breccie  kann  meines  Er- 

^.chtens,  ähnlich  wie  die  oben  beschriebene,  etwas  tiefer  am  Berg- 

^.bhange  aufgeschlossene  Zone  mechanisch  veränderter  Culmschiefer, 

nur  durch  Zermalmung  der  über  den   Kieselschiefer  fortgleitenden 

Diabasdecke   entstanden  sein.     Sie  muss  also  eine  hier  hindurch- 

^ebeude  Ueberschiebungsfläche  andeuten,  und  man  würde  demnach 

anzunehmen   haben,   dass  die   Diabasscholle   des    Mühlberges   aus 

acwei    Theilschollen   besteht:   einer  tieferen,   die   Culmschiefer  des 

i^interen  Theils  des  Berges  bedeckenden,  und  einer  oberen,  auf  die 

besprochene  Kieselschieferzone  aufgepressten.    Diese,  das  normale 

Hangende  der  unteren  Diabasscholle,  würde  durch  die  Bewegung 

c3er   oberen  Scholle   in   ihrem  hangenden  Theile   zermalmt  und  in 

clie  erwähnte  Breccie  umgewandelt  sein. 

Mit  wenigen  Worten  muss  ich  noch  auf  die  auffällige  That- 
Bache  eingehen,  dass  im  Contact  der  Diabastafel  mit  dem  unter- 
liegenden Culm  fast  immer  Kieselschiefer  auftritt.  So  verhält  es 
sich  am  ganzen  N. -Rande  der  Diabasplatte,  mit  Ausnahme  der 
nächsten  Umgebung  von  Breitenbach  und  einiger  Punkte  bei 
Oberlemp  und  Hohensolms,  wo  unter  dem  Diabas  allem  Anschein 
nach  Posidonienschiefer  und  Grauwacken  anstehen.    Dies  Auftreten 


^K»i"W. 


£.  Katsbb,  Üeber  grosse  flache  TJeberschiebangen  im  Dillgebiet         17 


des  Kieselschiefers  ist  nicht  ganz  leicht  zu  erklären.  Ich  möchte 
indess  glauben,  dass  auch  diese  Erscheinung  mit  dem  Vorhanden- 
sein weiterer  Ueberschiebungen  zusammenhängt,  durch  welche  der 
Kieselschiefer  ins  Hangende  der  stratigraphisch  jüngeren  Posidonieu- 
schiefer  gelangt  ist.  Diese  Anschauung  würde  durch  nach- 
stehendes Profil  erläutert  werden: 

Fig.  5. 

Idealprofil  vom  N.-Raode  der  grossen  Diabastafel  zwischen  Bech- 
lingen  und  Breitenbach  nach  dem  Muhlberge. 


^       9lUUU&«|g 


<^-^^^^ 


»{ 


^  Posidonienschiefer  und  Grauvracken.     KS  =  Culm-Kieselschiefer.    D  =  Deck- 

■  • 

diabas.     U  =■  üebcrschiebuDg. 

^^  steil  nach  rechts  einfallendeo,  die  Schichtung  unter  grossem  Winkel  schneidenden 
Linien  im  Gulmschiefer  deuten  die  transversale  Schieferung  an. 


An  die  besprochene  grosse  Ueberschiebungsdecke 
schliessen  sich  im  S.  noch  zwei  weitere  von  geringerem 
Umfange. 

Die  erste  umfasst  die  Cypridinenschiefer  der  Gegend 
von  Ehriugshausen  und  Werdorf,  die  zweite  die  mittel- 
devonischen Schalsteine,  die  sich  von  Ehringshausen  über 
Berghausen  und  Asslar  sowie  über  Blasbach  hinaus  erstrecken. 
Beide  Gesteine  setzen,  wie  man  an  vielen  Punkten  mit  aller  Be- 
stimmtheit beobachten  kann,  mächtige  Schichtenfolgen  von  flacher 
bis  horizontaler  Lage  zusammen,  die  in  sehr  bemerkenswerther 
Weise  nicht  mit  einer  dem  gewöhnlichen  Streichen  (ungefähr 
SW. — NO.)  folgenden  Linie,  sondern  mit  einer  W. — O.-Linie  an 
die  nördlich  anstossende  Decke  angrenzen  bezw.  auf  diese  aufge- 
schoben sind. 

jAhrbaOb  1900.  2 


18 


B.  Kat^bb,  üeber  grone  flache  Üebendiiebiiikgoa  im  Dülgebiet 


Bei  der  südlicheren  Ueberschiebungslinie,  die  den  Schalstein 
vom  Cypridinonschiefer  bezw.  vom  Deckdiabas  trennt,  tritt  dieser 
west- östliche  Verlauf  trotz  einiger  grosser  Verwerfungen  auf  der 
Karte  in  aller  Deutlichkeit  hervor.  Die  nördliche  Linie,  die  den 
Cypridinenschiefer  vom  Diabas  scheidet,  ist  in  dem  Maasse  zer- 
schnitten und  verworfen,  dass  bei  ihr  der  angegebene  Verlauf  nur 
im  N.  von  Ehringshausen  und  Asslar  klar  erkennbar  ist.  Nach 
O.  zu   reicht  diese  Linie  nicht  Ober  das  Bechlinger  Thal  hinaus. 

Dass  die  südliche  Linie  wirklich  eine  Ueberschiebung  dar- 
stellt, ergiebt  sich  aus  den  Aufschlüssen  in  der  Eisensteingrube 
Heinrichsseegen  bei  Ehringshausen  mit  aller  Bestimmtheit. 

Die  Begehung  der  Tagebaue  am  »Eisenberg« ,  ebenso  wie 
die  Grubenbilder  zeigen,  dass  das  Liegende  des  unteren  oder 
Haupt-Eisensteinlagers  aus  flach  lagerndem  Cypridinenschiefer, 
das  Hangende  aus  ebenfalls  flach  liegendem  älteren  (mitteldevo- 
nischen)  Schalstein  besteht,  der  in  höherem  Niveau  noch  ein 
zweites  Eisensteinlager  einschliesst.  An  der  Unterlage  des  Haupt- 
lagers aber  tritt  —  wie  ich  mich  unter  Führung  des  langjährigen 
Obersteigers  der  Grube  überzeugt  habe  —  eine  eisenschüssige 
Reibungsbreccie  auf. 

Diese  Verhältuisse   werden  durch  Eig.  6  verauschaulicht,  die 

Fig.  6. 
Qaerprofil  darch  die  Eisensteingrabe  Heinrichsseegen 

bei  Ehringshausen. 


9r^. 


se. 


tms  «^  älterer  Schalstein,     toc  =  Cypridinenschiefer.     Jf*  =  liegendes, 
Jc^  =  hangendes  (Fluss-)  Eisensteinlager.     R  =  Reibungsbreccie. 


fi.  Eatub,  TJeber  grosse  flache  UebenchiebangeD  im  Dillgebiet.         19 

eine  verkleinerte  Wiedergabe  ^ines  auf  der  Grube  aufbewahrten 
Profils  bildet  und  eine  so  beredte  Sprache  führt,  dass  sie  keiner 
weiteren  Erläuterung  bedarf^). 


Es  ist  endlich  noch  eine  letzte  kleine  Ueberschiebungs- 

scholle  zu   erwähnen,   nämlich   der  zwischen   zwei  sich  nach  S. 

zu    vereinigenden    Querverwerfungen    gelegene    Kalkklotz    des 

Schwanzberges    nördlich    Asslar.     Die   Hauptmasse    dieses 

^rges  besteht  aus  hellfarbigem,  schichtungslosem  Stringocephalen- 

^^Ik,  seine  Unterlage   aus  flach  liegendem,   hier  und  da  kalkige 

Einlagerungen  einschliessendem  Cypridinenschiefer.    Schon  daraus 

^Igt,  dass  der  Kalk  eine  überschobene  Scholle  bilden  muss.    Aus 

^cm  Umstände  aber,  dass  der  umgebende  Schalstein  älter  ist  als  der 

^^alk,  ergiebt  sich  zugleich,  dass  der  Berg  eine  gesunkene  Scholle 

darstellt.    Es  liegt  hier  also  ein  infolge  seiner  Einsenkung  erhalten 

gebliebener  Rest  einer  Ueberschiebungsdecke  vor. 

Wahrscheinlich    besass    diese   Decke    ehemals    eine    grössere 
Ausdehnung.     Denn    auch    der    gleich   über   der  Stadt   in   einem 
grossem  Steinbruch  aufgeschlossene  Kalk  von  Ehringshausen 
l:iat  trotz  dunklerer  Färbung  und  deutlicher  Schichtung  das  näm- 
liche Alter  wie   der  Kalk  des  Schwanzberges   und   grenzt   im  N. 
ebenfalls    mit    einer    Ueberschiebungslinie    an    Cypridinenschiefer. 
£s  liegt  daher  nahe,  beide  Kalkvorkommen  als  Ueberbleibsel  einer 
\iud    derselben    Ueberschiebungsdecke    aufzufassen,    die   demnach 
«ine   vierte  flache  Schuppe  zwischen  der  überliegenden 
Schalstein-  und  der  unterliegenden  Cypridinenschiefer- 
Tafel  darstellen  würde. 

Diese  Auffassung  würde  ihren  Ausdruck   im   nachstehenden, 
wie  ich  glaube,  in  seinen  Hauptzügen  zutre£Penden  Profil  finden: 


*)  Während  das  liegende  Lager  als  Contactlager  gelten  muss,  so  ist  das 
Kaogende  Flasslager  offenbar  aas  der  Umwandlang  kalkiger  Bänke  hervorge- 
gangen, wie  sie  im  Schalatein  dieser  Gegend  sehr  verbreitet  sind. 


20         B*  Katsbb,  TTeber  grosse  flache  Üebenchiebiiiigen  im  Dillgebiet 

Fig.  7. 
Schematische  Darstellang  der  hauptsächlichsten  Schuppen  (I,  IE  etc.) 

der  Gegend  östlich  Yon  Bhringshaosen. 

JA 


^^5^ 


•  =  mitteldeYonischer  Schalstein,     k  =  Stringocephalenkal k.    ti  =  Cjpridinen- 

schiefer.     D  =  Deckdiabas,    ks  =  Kieselschiefer.    e  =  Poaidonienschiefer  nnd 

Granwacken  des  Colm.    U  =  Ueberschiebongsebene. 


In  der  geologischen  Litteratur  ist  schon  wiederholt  aosgefbhrt 
worden,  dass  Ueberschiebungen  und  Faltungen  nahe  verwandte 
Erscheinungen  sind.  Beide  verdanken  ihre  Entstehung  dem  Be- 
streben eines  RindenstQckes,  sieh  in  einer  bestimmten  Richtung 
zu  verkürzen.  Dies  kann  entweder  durch  faltige  Zusammen- 
schiebung der  Scholle  oder  durch  dachziegelartige  Uebereinander- 
Schiebung  ihrer  Bruebstöcke  geschehen. 

Oft,  wie  in  der  Dillmulde,  sind  beide  Arten  von  Störunffen 
nebeneinander  vorhanden,  und  dann  erseheinen  die  Ueberschie- 
bungen meist  nur  als  eine  Steigerung  der  Faltung  —  eine  Wahr- 
nehmung, die  schon  ötter  gemacht  worden  ist  und  zum  Ersatz 
des  Ausdrucks  Ueberschiebuug  durch  die  Bezeichnung  »Falten- 
Verwertung:-  ^etuhri  hat.  lu  anderen  Fällen  aber  treten  die  Ueber- 
schiebunircn  iiauz  unabhäUiriiT  von  der  Faltuufir  auf.  So  verhält 
es  sich  in  dem  besproobeueu.  dem  nördlichen  Theile  der  Lahnmulde 
anj^ehöriireu  Gebiete,  wo  die  Schichten  —  wie  schon  die  wohl 
ent wickelte  transversale  Schieteruui::  und  ircle^rcntliche  kleine  Stau- 
chungen  beweisen  —  zwar  ebeuf:üls  stark  gepresst,  indess  nirgends 
zu  steilen  Falten  /usaniineugesohobeü  sind.  Gerade  desshalb  aber 
treten  warscheiulioh  die  Ueberschiebungen  hier  in  grösserem  Maass- 
stabe  auf  als  in  der  Dillmulde. 

Stellt  der  Mühlberg  in  der  Thai  nur  ein  Denudationsrelict 
der  grossen  Ehringshäuser  Diabassohuppe  dar,  so  muss  diese 
mindestens    um   ebenso   viel  nach  N.  lortbewetrt  worden  sein,   als 


B.  Eaysbr,  üeber  grosse  flache  üeberBchiebangen  im  Dillgebiet.         21 

der  genannte  Berg  von  ihrem  N.-Rande  entfernt  ist,  d.  h.  etwa 
«in  Kilometer.  Da  aber  die  Culmschichten  unter  der  Diabas- 
clecke  mindestens  noch  ein  weiteres  Kilometer  nach  S. 
fortsetzen,  so  muss  der  Betrag  des  Schubes,  in  der 
Jlorizontale  gemessen,  bei  der  in  Rede  stehenden 
Schuppe  allerwenigstens   2  Kilometer  betragen  haben. 


Auf  den  mechanischen  Vorgang  der  Schuppenbildung  selbst 
will  ich  nicht  näher  eingehen.  Ich  besitze  in  dieser  Sache  zu 
lYenig  eigene  Erfahrung,  und  die  Deutung  der  in  Frage  kommenden 
Jlrscheinungen  bei  anderen  Fachgenossen  ist  eine  sehr  verschiedene. 

Einer  der  auf  diesem  Gebiete  am  meisten  bewanderten  For- 
scher, Marcel  Bertrand,  fasst  in  einem  jüngst  erschienenen  Auf- 
satze über  das  südfranzösische  Kohlenbecken  von  Gard^)  die 
kleineren  Ueberschiebungen  dieser  Gegend  nur  als  Begleit-  und 
Folgeerscheinungen  der  grösseren  auf.  Infolge  der  Fortbewe- 
gung der  Hauptüberschiebungsdecke  sollen  in  den  unterliegenden 
Schichten  Loslösungen  und  Gleitungen  in  gleichem  Sinne  einge- 
treten sein.  Diese  Anschauung  scheint  mir  viel  für  sich  zu  haben 
und  liesse  sich  auf  Schuppen,  wie  die  im  Profil  Fig.  7  mit  I 
bezeichnete,  sehr  wohl  übertragen. 


In  Belgien,  im  Ruhrkohlengebiete,  in  den  Alpen  und  ander- 
wärts hat  man  beobachtet,  dass  die  Ebenen  der  Ueberschiebungen 
oftmals  in  Wellenlinien  auf-  und  absteigen.  Man  muss  in  solchen 
Fällen  annehmen,  dass  die  faltende  Krafl  auch  nach  Entstehung 
der  Ueberschiebungen  noch  fortgewirkt  hat. 

Im  Dillgebiete  habe  ich  ähnliche  Wahrnehmungen  nur  in 
sehr  beschränktem  Umfange  machen  können.  Am  auffälligsten 
sind  die  Spuren  einer  nachträglichen  Faltung  der  Ueberschiebungs- 
flächen  an  den  bekannten  Rotheisensteinlagern  der  Eisernen 
Hand  bei  Oberscheid. 


1}  C.  K  CXXX,  29.  Jan.  1900, 


22         B.  Ratsbk,  üeW  grone  flkcke  Üeberachiebaiigen  im  DillgobioL 

Diese  Lager  siod  gebunden  an  eine  inmitten  weit  ausge- 
dehnter Deckdiabas  Dl  assen  auftretende,  im  O.  und  W.  durch 
grosse  Querver werfungen  begrenzte  Partie  von  oberdeToniecbem 
Scbalstein.  In  ihrer  Ge&ammtbeit  eine  auf  den  genannten  Diabas 
aufgeschobene  Scholle  älteren  Gesteine  darstellend,  besteht  diese 
Schalst  ei  npartie,  wie  schou  das  örtliche  Erscheinen  von  mittel- 
devonischem  Schiefer  und  Kalk  innerhalb  der  herrscbenden  ober- 
derouischen  Gesteine  zeigt,  ihrerseits  aus  mindestens  zwei  Schuppen. 
Wfthrend  nun  in  der  Tiefe  ObentU  ein  steiles  Einfallen  der  Schichten 
und  der  sie  durchsetzendeu  Ueberscbiebungen  herrscht,  so  ver- 
flacht sich  die  Neigung  der  beiden  hangenden  Eisensteinlager  mit 
Annäherung  au  die  Oberfläche  in  aufßüliger  Weise,  und  das 
mittlere  Lager,  ebenso  wie  die  benachbarte,  die  Mittel  de  vonscbiefer 
zu  Tage  bringende  Ueberscbiebung,  beschreiben  schliesslich  eine 
flache  Doppelfalte,  die  in  den  alten  Tagebauen  am  Gipfel  des 
Berges  gut  zu  beobachten  ist. 

Diese  interessanten  Verhältnisse  lassen  sieb  durch  nachstehende 
Proflisitizze  erläutern,  der  neben  eigenen  ober-  und  unterirdischen 
Beobachtungen  besonders  eiue  neuere  Prüfungsarbeit  des  Herrn 
Bergassessor  Hippi  zu  Grunde  liegt. 


Fig.  ?. 


Prc-ril  durch  die  iE 


t  —  miitpl devonischer   ScLief.  r.     S  —   ol>erdpvoni8cher  ScbalsWin.     !■  =  obiT- 

devonisch.-r  ScbiffiT.     0    ^  DiiibaseiDlac.Tunij  im  S.'haljleio.    0  =  Deckdiahis. 

fr  =  EiseDsteiolager.    Ü  =  Uobenicbiebiing.    V  =  Verwerfung. 


E.  Katsbb,  üeber  grosse  flaehe  TTebenchiebüngen  im  Dillgebiet.         23 

Was  endlicb  die  Frage  Dach  den  Beziehungen  der  besprochenen 
üeberschiebungen  zu  den  zahlreichen  Verwerfungen  der  Dill-Gegend 
betrifft,  so  ist  hierüber  nur  wenig  zu  bemerken.  Wie  das  be- 
gleitende Kärtchen  lehrt,  werden  die  Ueberschiebungslinien  von 
zahllosen,  hauptsächlich  in  nordwestlicher  Richtung  verlaufenden 
QuerbrQchen  an  vielen  Stellen  in  auffälliger  Weise  zerschnitten 
und  verworfen.  In  einigen  Fällen  scheinen  sie  auch  an  diesen 
QuerbrQchen  endgültig  abzuschneiden.  Es  ergiebt  sich  daraus, 
dass  die  Üeberschiebungen  des  Dillgebietes  älter  sein 
mQssen   als   die  Quer-  und   Diagonalverwerfungen. 


2 4         £•  Katsbb,  üebw  grosse  flacbe  üebenchieboiigeii  im  Dülgelnet. 


Bemerkungen  zum  Kärtchen  Taf.  I. 


Das  begleitende  tektonische  Kärtchen  beruht  fast  in  seinem 
ganzen  Umfange  auf  sehr  genauen,  in  erheblich  grösserem  Maass- 
stabe (l  :  25,000)  durchgefahrten  Aufnahmen  des  Verfassers  auf 
den  Messtischblättern  Ballersbach,  Oberscheid  und  Rodheim.  Nur 
fiir  einen  schmalen  Streifen  am  S.- Rande,  der  den  Messtischblättem 
Braunfels  und  Wetzlar  angehört,  lagen  keine  zusammenhängenden 
Aufnahmen,  sondern  nur  Beobachtungen  längs  einzelner  Wege 
vor,  so  dass  hier  die  späteren  Specialaufnahmen  wahrscheinlich 
kleine  Aenderungen  des  Kartenbildes  zur  Folge  haben  werden. 

Zusammenhängend  mit  dem  kleinen  Maassstabe  der  Karte 
mussten  viele  Einzelheiten  der  Origiualaufnahme  weggelassen 
werden.  Aus  demselben  Grunde  sind  auch  in  zwei  Fällen  strati- 
graphisch  sieh  nahestehende  Stuten  zu  einer  einzigen  zusamniengefasst 
worden;  und  zwar  sind  1)  in  dem  Schichtonbande,  das  den  grossen 
Silurzug  am  S. -Rande  begleitet,  die  jüngsten  Obercoblenz-Sehiefer 
mit  den  petrographisch  sehr  ähnlichen  mitteldevonischen  Tenta- 
culitenschiefern  vereinigt  worden  und  ebenso  2)  die  wenigstens 
theilweise  schon  dem  Ibergor  Kalk  zufallenden  Kalkvorkommen 
der  Gegend  von  Königsberg  mit  den  dem  Striugocephalen-Niveau 
angehörigen  Kalken  von  Asslar  TSchwanzberg),  Werdorf  und 
Ehrinjjshausen. 

Die  Fortlassung  des  Alluviums  und  Diluviums  hatte  den  Zweck, 
den  Verlauf  der  Uebcjrschiebunjjslinien  möirlichst  klar  und  ununter- 
brochen  hervortreten  zu  lassen.  Allerdings  ist  durch  die  Ausfüllung 
der  von  jenen  Bildungen  eingenommenen  Flächen  einiges  Hypo- 
thetische in  die  Karte  hineingekommen ;  dies  gilt  indess  nur  fär 
das  Dill-  und  Ahrthal  und  deren  nächste  Umgebung,  da  die  ge- 


S.  Katskr,  üeber  groese  flacbe  Uebenchiebongen  im  Billgebiet         25 

nannten  Ablagerungen  allein  hier  eine  nennenswerthe  Verbreitung 

besitzen. 

Wie  ein  Blick  auf  die  Karte  lehrt,  setzt  die  südlichste,  den 
niitteldevonischen  Schalstein  von  den  oberdevonischen  Gesteinen 
trennende  Ueberschiebung  auch  auf  die  rechte  Dillseite  hinüber;  die 
weiter  nördlich  liegenden  Ueberschiebungslinien  dagegen  konnten 
nach  W.  nur  bis  ans  Lempthal  verfolgt  werden.  Es  ist  zwar 
möglich,  dass  auch  die  bei  Dillheim  und  Katzenfurt  auftretenden 
Diabasberge  nur  Theile  der  grossen  Ehriugshäuser  Ueberschiebungs- 
tafel  darstellen;  die  Aufschlüsse  sind  indess  infolge  der  stärkeren 
Diluvialbedeckung  in  dieser  Gegend  meist  unzureichend  und  der 
Gebirgsbau  so  gestört,  dass  von  einer  Verfolgung  der  Ueber- 
schiebungslinien über  das  Lempthal  hinaus  Abstand  genommen 
Verden  musste. 

Marburg,  Ende  März  1900. 


Die  geologischen  Verhältnisse  des  Kiemen 
Deisters,  Nesselberges  nnd  Osterwaldes. 

Von  Herrn  Wilhel«  Wunstorf  in  Berlin. 
(Hiena  Tafel  XYII.) 


Einleitung. 

Die  geologischen  Verhältnisse  des  Kleinen  Deisters,  Nesselberg^ 
und  Osterwaldes  wurden  schon  früher  in  einer  Reihe  von  Arbeit«^ 
erwähnt,  besonders  von  Dunker,  »Monographie  der  norddeutsch^^ 
Wealdenbildung,  1846«,    H.  Roemer,    »Geognostische   Karte  i^ 
südlichen  Theils    vom   Königreich  Hannover,    Section  Hildeshdf^ 
mit  Erläuterungen,  1851«,  Heinrich  Credner,   »Die  GliederniB^ 
der  oberen  Juraformation  und  der  Wealdenbildung  im  nordwes^ 
liehen  Deutschland,  1863«  und  »Geognostische  Karte  der  Umgegea^ 
von  Hannover,   1865«,   ton  Seebach,    »Der   hannoversche  Jor^ 
1864«,  Struckmann,  »Die  Wealdenbildungen  der  Umgegend  v9^ 
Hannover,   1880«  und   »Neue  Beiträge  zur  Kenntniss  des  oberei' 
Jura    und    der  Wealdenbildungen    der  Umgegend    von  Hannovefir 
1882«.    Einzelne  Arten  aus  diesem  Gebiet  fbhrte  auch  Braun8  ao 
in  seinem  Werk  »Der  obere  Jura  im  nordwestlichen  Deutschland, 
1874«.    Alle  diese  Arbeiten  gehen  aber  auf  den  geologischen  Bau 
nicht  spei'ieller   ein    und  behandeln  auch    die  Schichtenfolge  nur 
thoilweiso.     Es  erschien  daher  als  eine  lohnende  An%abe,  Rieses 
Gobiet  einer  iirenÄueren  Untersuchung  zu  unterziehen. 


WiLHBLM  WuvsTORp,  Die  geologischen  Verhältnisse  etc.  27 

Orographiscbe  Uebersicht. 

Der  Osterwald,  Kleine  Deisler  und  Nesselberg  bilden  einen  in 
^^r  Richtung  von  SO.  nach  NW.  in  einer  Länge  von  15  Kilo- 
'öetern  sich  erstreckenden  Gebirgsrücken,  welcher  durch  mehrere 
^lefe  Thäler  und  Schluchten  zerschnitten  ist  und  ringsum  von 
flachem  Gelände  begrenzt  wird,  in  welchem  die  fruchtbaren  Fluren 
▼on  Wülfinghausen,  Eldagsen,  Älvesrode,  Springe,  Altenhagen, 
BrüDDighausen,  Koppenbrügge,  Voldagsen,  Benstorf  und  Mehle 
gelegen  sind.  SW.  von  Koppenbrügge  erhebt  sich  dann  das  Nord- 
ende des  Ith,  während  nördlich  der  Bahnlinie  von  Hannover 
Dach  Hameln  der  Deister  selbst  aufsteigt,  welcher  orographisch 
Qnd  geologisch  mit  einzelnen  Theilen  des  Kleinen  Deisters  und  auch 
des  Osterwaldes  erhebliche  Aehnlichkeit  zeigt. 

Koppenbrügge  und  das  Nordwest-Ende  des  Kleinen  Deisters 
bilden  die  Wasserscheide  zwischen  Leine  und  Weser,  sodass  die 
breiten  Niederungen  von  Altenhagen,  Brünnighausen  und  Brullsen 
Dach  W.  hin  zur  Weser  entwässert  werden,  während  Voldagsen  und 
das  ganze  nördlich  vom  Kleinen  Deister  und  den  Bergen  der  Wül- 
fioghäuser  Klosterforst  liegende  Gebiet  dem  Flussgebiet  der  Leine 
angehören. 

Durch  ein  Querthal,  welchem  im  Wesentlichen  die  Landstrasse 
von  Koppenbrügge  nach  Eldagsen  folgt,  werden  der  Osterwald  und 
die  nordwestlich  anstossenden  Berge  der  Wülfinghäuser  Klosterforst 
▼om  Kleinen  Deister  und  Nesselberg  getrennt. 

Während  Koppenbrügge  in  130  Metern,  Eldagsen  in  rund 
100  Metern  Meereshöhe  liegen,  erhebt  sich  der  Kleine  Deister  in 
den  Wolfsköpfen  bis  zu  345  Metern,  der  Nesselberg  im  Grasberg 
bis  zu  378  Metern  und  der  Osterwald  in  seinem  mittleren  Theil 
bis  zu  41 9  Metern,  und  von  den  unregelmässigen  Köpfen  der  Wülfing- 
hinser  Klosterforst  erreicht  der  Holenberg  358  Meter. 

Der  Kleine  Deister  und  der  Nesselberg  bilden  zwei  parallele, 
lang  gezogene  Rücken,  welche  durch  ein  ziemlich  breites  Thal  ge- 
trennt werden.    Der  Kleine  Deister  enthält  neben  dem  Hauptrücken 
noch  wesentlich  niedrigere  Parallelrücken,  von  denen  der  Wettberg 
nnd  der  Webeisberg  mit  besonderen  Namen  belegt  worden   sind« 


28  Wilhelm  Wumstorp,  Die  geologischen  Verhftltniese 

Alle  diese  Bergrücken  haben  im  Allgemeinen  einen  Steilabfall  nach 
NO.  und  flacheres,  gleichmässigeres  Gehänge  nach  SW. 

Der  Osterwald  dagegen  bildet  nicht  eigentlich  einen  Bergkamm, 
sondern  senkt  sich  gleichmässiger,  obwohl  er  im  Grossen  und 
Ganzen  sich  auch  von  SO.  nach  NW.,  und  nur  in  seinem  öst- 
lichen Theil  mehr  nach  O.  hinzieht.  Eine  auffällige  Steilkantc 
zieht  sich  auf  seiner  südwestlichen  Seite  im  Waldrande  nördlicl 
Dörpe  oberhalb  der  oberen  Salzburg  entlang  bis  in  die  I*ähe  voi: 
Osterwald.  Im  O.  wird  er  durch  einen  ziemlich  hohen  Steilhang 
im  N.  und  NO.  dagegen  durch  unregelmässige  Einsenkungen  unc 
Kanten  gegen  die  Berge  der  Wülfinghäuser  Klosterforst  abgegrenzt 
Von  diesen,  welche  sämmtlich  sehr  unregelmässige  Formen  haben 
stehen  der  Rücken  des  Weissen  Steins  und  die  Nordkante  dei 
Blecken  noch  einigermaassen  im  Zusammenhang  mit  dem  östlichec 
Theil  des  Osterwaldes.  Ihnen  vorgelagert  finden  sich  in  bedeutenc 
tieferem  Niveau  der  Hainholzkopf,  die  Barenburg  und  der  nui 
wenig  aus  der  Thalniederung  hervortretende  Kattberg. 

Der  Holenberg  besteht  aus  einem  hufeisenförmig  gekrOmmtei 
Rücken,  dessen  offene  Schenkel  sich,  ebenso  wie  die  zwischenlie 
gende  Einsenkung,  nach  W.  hin  beträchtlich  senken.  Nördlicl 
vom  Holenberg  liegt  der  nordwestlich  verlaufende  Rücken  det 
Rotheu  Hengst  und  der  Mühlenbrink,  welche  noch  als  Fortsetzung 
des  Kleineu  Deislers  gelten  können.  Alle  diese  einzelnen  Berg- 
rücken und  Kuppen  werden  durch  tief  eingeschnittene  Schluchtei 
von  einander  getrennt.  Das  Gehlebach-Thal  trennt  die  Berge  de 
Wülfinghäuser  Klosterforst  in  ihrem  westlichen  Theil  vom  Oster 
wald  und  dem  Kleinen   Deisler. 

Geologischer  Theil. 

Im  Bereiche  unseres  Gebietes  finden  wir  als  älteste  Schichtei 
den  Keuper,  ferner  die  ganze  Juraformation,  den  Wealden  und 
das  marine  Neocom,  endlich  nordisches  und  einheimisches  Diluvium. 

Der  Keuper. 

Vom  Keuper  ist  nur  der  mittlere  Theil,  der  Gypskeuper,  sicht- 
bar, und  zwar  am  Ruhbrink  zwischen  Benstorf  und  Dörpe,  andrer- 


E 


dee  Kiemen  Bebten,  Nesselberges  und  Osterwaldes.  29 

seits  zwischen  der  Holzmüble  und  Eldagsen,  hier  schon  eigentlich 
aiusserhalb  unseres  Gebietes.     Der  Gypskeuper  besteht  aus  mäch- 
tigen rothen,    blauen   und  grauen,    mehr    oder  weniger  thonigen 
Mergelo,   welche   in   frischem   Zustande    ziemlich    dickbankig  sein 
tenneD,  durch  Verwitterung  aber  zu  Brocken   und  Grus  zerfallen 
und  endlich   einen   etwas  thonigen,  lehmartig  aussehenden  Boden 
liefern.     Der  Gypskeuper  enthält  zum  Theil   auch   festere  Bänke, 
^or  Allem  den  sogenannten  Schilfsandstein,  welcher  am  Uuhbrink 
'Q  einer  Länge  von  1200  Metern   den  höchsten  Rücken  einnimmt 
^od  aus  massig  feinkörnigen,  bräunlichen,   glimmerbaltigen  Sand- 
steinen besteht.     Dieselben  sind  nirgends  aufgeschlossen,   und   die 
'o^e  auf  den  Feldern   umher  liegenden  Blöcke  und  Brocken  sind 
^^rchweg  einigermaassen  verwittert  und  lassen  die  für  den  Schilf- 
^^ndstein    sonst    bezeichnenden,    weinrothen  Flecke    und    Streifen 
*^i<;ht    mehr    erkennen.     In    etwas    tieferem  Niveau    treten  östlich 
^  i^d  westlich  von  dem  Schilfsandstein  auf  dem  Kamm  des  Ruhbrinks 
^ch    sogenannte    Steinmergelbänke    auf,    harte,    helle    Gesteine, 
eiche  schwer  verwittern,  in   eckige  Brocken   zerfallen   und  einen 
emlich  dürren,  unfruchtbaren  Boden  liefern.    Aehnliche  Gesteine 
nd  auch  an   der  Strasse   von   der  Holzmühle  nach  Eldagsen  zu 
«obachten. 

Die  Jaraformation. 

Die  Juraformation   ist  vermuthlich    in    allen    ihren    einzelnen 
^^liedern  vertreten,  obwohl  diese  nur  theilweise  mit  Sicherheit  nach- 
^^ewiesen  werden  konnten.    Es  gilt  dieses  namentlich  von  den  ein- 
zelnen Zonen  des  Lias,  des  braunen  Jura  und   von  den  Ornaten- 
^chichten,    welche  alle  fast  durchweg  durch  Thone   vertreten  sind 
Und    sich    somit    nicht    durch    Gesteinsmerkmale     von     einander 
vinterscheiden  lassen,    zumal    da   Aufschlüsse    in   diesen  Schichten 
fast    ganz   fehlen.     Es    musste    daher    darauf    verzichtet    werden, 
auf  der  Karte    in    den    Gebieten    am     südlichen,    östlichen    und 
nördlichen    Rand    des    Osterwaldes   und    Kleinen    Deisters    irgend 
welche  Gliederung   dieser  Schichten    vorzunehmen,   deren    Unter- 
suchung im    Uebrigen    nicht    eigentlich    in    den    Rahmen    dieser 
Arbeit  gehörte. 


30  Wilhelm  Wusotobp,  Die  geologisckeo  Veriiiltaisse 

Nachgewiesen  konnten  werden:  Die  Schichten  mit  Am- 
monites  angulatus  v.  SCHLOTH.  in  dem  am  Bahnhof  Osterwald 
mündenden  Stollen  des  Kohlenbergwerks.  Dieser  Stollen  steht 
auf  mindestens  950  Meter  Länge  in  flach  nach  N.  einfallenden, 
dunklen,  schiefrigen  Thonen,  welche  dann  durch  eine  Verwerfung 
gegen  den  Wealdensandstein  abgeschnitten  werden.  Bei  800  Meter 
vom  Mundloch  kann  man  auch  jetzt  noch  zahlreiche  verkalkte 
Exemplare  von  Schlotheimia  angtUata  und  verwandten  Formen 
aus  dem  Schieferthon  herausnehmen.  Auf  der  Stollenhalde  fand  sich 
auch  ein  Exemplar  von  Gryphaea  arcuata  Lam. 

In  dem  Wasserriss  zwischen  den  Gehöften  und  der  Försterei 
der  oberen  Salzburg  fanden  sich  femer  in  Schieferthonen  Bruch- 
stücke von  vollständig  verdrückten  Ammoniten,  ähnlich  dem  Arietites 
geometricus  Phill.,  sowie  Lima  pectinoides  Sow.  (?).  Indessen 
kommen  immerbin  Amaltheen  vor  mit  glattem  Kiel  und  ziemlich 
geraden  Rippen,  sodass  schliesslich  die  Schichten  hier  auch  Amal- 
theen-Thone  sein  könnten. 

In  einem  Wasserriss  nördlich  Marienau,  im  Felde  östlich  von 
Dörpe  und  südlich  von  Osterwald  und  im  Walde  zwischen  Mehle 
und  Kloster  Wülfinghausen  stehen  schiefrig-mergelige  Thone  mit 
zahlreichen  Thoneisensteinknollen  an.  Fossilien  konnte  ich  in  die- 
sen Schichten  nicht  linden,  doch  ist  anzunehmen,  dass  sie  mindestens 
theilweise  dem  mittleren  Lias,  und  zwar  dem  oberen  Theil  der 
Amaltheen-Thone  angehören,  in  welchem  ja  Thoneisensteine  häutig 
aufzutreten  pflegen. 

Zum  mittleren  Lias  gehören  vermuthlich  auch  die  Schichten 
der  alten'Ziegelei-Tbongrube  am  Waldrande  nordöstlich  Voldagsen, 
in  welcher  sich  neben  Bruchstücken  von  Belemniten  auch  ein 
Stielstück  von  Pentacnnus  basaltiformis  MiLX..  fand. 

Dem  Gestein  nach  sicher  zu  erkennen  waren  Posidonien- 
schiefer  des  Lias  an  der  Strasse  IIolzmühle-Farrensen,  500  Meter 
östlich  der  Holzmühle,  und  an  der  Wegeböschung  unterhalb  des 
Ducksteinplatzos  am  Kattberg.  Aus  diesem  Horizont  stammt  wohl 
auch  eine  Schwefelwasserstoff^ haltige  Quelle  im  Felde  zwischen 
Farrensen  und  dem  Kloster  Wülfinghausen. 


des  Kleinen  Deisters,  Nesaelberges  and  Osterwaldes.  31 

Am  Nordost-Hange  des  Kleinen  Deislers  sind  alle  diese  Thone 
von  Abhangsschutt  verhüllt,  doch  führt  Roembr  Posidonienschiefer 
m  einem  Brunnen  der  Domäne  Springe  an  (Zeitschr.  d.  Deutsch. 
geol.  Ges-  1851,  S.  478). 

Der  braune  Jura  fehlt  anscheinend  am  S.-Uande  unseres 
Gebietes  gänzlich,  da  der  Lias,  beziehentlich  Gypskeuper,  durch 
eine  Verwerfung  gegen  Neocom,  Wealden,  oder  Münder  Mergel 
und  Serpulit  abgeschnitten  werden. 

Von  alten  Stollen-  und  Schachthalden  auf  dem  Mehler  Dreisch 

Qoterhalb  des  Waldes  sind  Fossilien  des  braunen  Jura  seit  langer 

Zeit  bekannt,  und  zwar  erstens  solche  aus  der  Zone  des  Ammonites 

f^arkinsoni  Sow.,  zweitens  aus  der  Zoue  der  Ostrea  Knorri  Voltz, 

^wie  drittens  aus  den  Ornatenthonen.     Von  den  Fossilien  dieser 

Horizonte    konnte    ich    noch    eine    ganze  Reihe    von  Exemplaren, 

^lerdings  meistens  nur  als  Bruchstücke  und  sehr  kleine  Formen, 

^mmeln.    Die  ParKiMom-Schichten  stehen  auch  an  in  der  Ziegelei- 

I'hbngrube  1  Kilometer  westlich  vom  Jagdschloss  Saupark. 

An  einem  neuen  Forstwege  am  Nordost-Hang  des  Kleinen 
'-^«isters  im  Jagen  53  fanden  sich  femer  bräunliche,  stark  eisen- 
^c^liüssige  Kalke  mit  Oolithkörnchen  und  Avicula  echinata  Sow. 

Die  Omatenthone  sind  am  Nordost-Hange  des  Kleinen  Deisters, 

"^    den  Bergen  der  Wülfinghäuser  Klosterforst  und  am  Oster wald 

^^^^  durchweg  als  graue,  mergelige  Thone  entwickelt,  in  denen  die 

^  C388ilien    meistens    sehr    schlecht    erhalten    sind.     Aufgeschlossen 

^^>X)d  ich   sie  in  dem  Thal  zwischen  dem  Weissen  Stein  und  dem 

"^^  lirensberg,  an  der  Barenburg  und  am  Kleinen  Deisler  im  Jagen 

^^.    Etwas  fester  sind   sie   in  der  Dracbenscblucht  in   einem  tief 

^angeschnittenen  Wasserriss.    Sie  enthalten  hier  ausser  verdrückten 

^^Tochstücken  von   Cosmoceras  Jason  Rein.,    besonders    zahlreiche 

'^ixemplare  von  Nueula  Caecüia  d'Orb. 

Alle  höheren  Schichten  des  weissen  Jura  lassen  sich  im 
vVesentlichen  schon  nach  ihrer  Gesteinsbeschaffenheit  erkennen  und 
bilden  namentlich  mit  die  Bergrücken  und  Steilhänge  des  Kleinen 
t)ei8terB,  der  Wülfinghäuser  Klosterforst  und  zum  Theil  auch  des 
Nesselberges  und  Osterwaldes.     Aus  diesen  Gründen  wurden   sie 


32  Wilhelm  WuHaroar,  Die  geologischen  YerEftltnisae 

auf  der  Karte  meist  speciell  unterschieden.  Es  sind  dieses  die 
Heersumer  Schichten,  der  Korallen-Oolith,  der  Kimmeridge,  die  so- 
genannten Gigas- Schichten,  die  Eimbeckhäuser  Plattenkalke,  die 
Münder  Mergel,  der  Serpulit  und  der  Purbeck. 

Die  HeersumerSchichten  bestehen  aus  dunklen,  unreinen, 
sandigen  Kalken,  welche  in  ihrem  unteren  Theile  mürbe  sind, 
nach  oben  hin  fester  werden  und  reich  an  Fossilien  sind.  Leider 
sind  sie  fast  überall  durch  Abhangsschutt  von  Korallen-Oolith  ver- 
hüllt; am  besten  waren  sie  zu  beobachten  an  einem  Forst  weg  am 
NO.-Hang  des  Drakenberges.  Hier  und  an  einigen  anderen  Stellen 
fanden  sich  folgende  Arten: 

Aspidoceraa  perarmaium  Sow. 
Perisphinctea  plicaiilis  Sow. 
Belenmitea  haatatus  Montf. 
Fleurotomana  Münsteri  Roemer 
Gryphaea  dilatata  Sow. 
Pecten  subßbrosus  d'Orb. 
Pecten  vitreus  A.  Koem. 
Pholadomya  sp. 
Goniomya  litterata  Sow. 
Pleuromya  sinuosa  RoEMER 
Trigonia  clavellata  Park. 
Cucidlaea  sp. 

Die  Mächtigkeit  der  HeersumerSchichten  mag  gegen  15  Mete 
betragen.    Sie  bedingen  im  Allgemeinen  einen  etwas  steileren  An 
stieg,  als  die  unter  ihnen  liegenden,  thonigen  Gesteine,  und  bilde 
den  untersten  Theil  des  Steilhangs,  welchen  vor  Allem  die  darüber* 
folgenden    Schichten    des    Korallen-Ooliths    einnehmen.     Vielfact» 
treten  an  der  Grenze  zwischen  den  Heersumer  Schichten  und  dea 
darunter  liegenden  Thonen  Quellen    zu  Tage,   durch  welche  gan^ 
häufig  auch  Rutschungen  herbeigeführt  sind. 

Der  Korallen-Oolith  bildet  den  Hauptsteilhang  des  Kleinen 
Deisters,  der  Berge  der  Wülfinghäuser  Klosterforst  und  des  Oster- 
waldes  vom  Hallerbrunnen  bis  Mehle,  namentlich  auch  an  den  vor- 
springenden Köpfen   der  Bareuburg,   des  Weissen  Steins    und  des 


des  Kiemen,  Deisten,  Kesselberges  und  Qsterwaldes.  33 

£aiiiholzkopfe8.  Besonders  bei  diesen  bildet  er  auch  vielfach  den 
Untergrund  der  Hochfläche. 

Er  besteht  im  Wesentlichen  aus  vorwiegend  ziemlich  fein- 
oolithischen,  grauen  bis  bräunlichen  Kalken,  welche  meist  in  3  bis 
S  Meter  mächtige  Bänke  abgesondert  sind  und  besonders  am 
Kleinen  Deister  mehrere  dolomitische  Lagen  einschliessen.  Solche 
Dolomitbänke  finden  sich  am  West-Ende  des  Kleinen  Deisters  und 
mn  der  Nähe  der  Holzmühle  an  der  oberen  Grenze  des  Korallen- 
Ooliths,  in  einem  Wegdurchbruch  bei  Homeisters  Loch  und  in 
«nem  Steinbruch  am  Mühlenbrink  östlich  der  Holzmühle  in  der 
^itte  der  Schichtenfolge. 

Am  Kleinen  Deister  wird  der  Korallen -Oolith  in  mehreren 
Steinbrüchen  als  Baumaterial  gewonnen. 

Besonders  die  dolomitischen  Gesteine  widerstehen  der  Ver- 
^^itterung  sehr  lange  und  finden  sich  deshalb  vielfach  in  grossen 
^Blöcken  auf  der  Oberfläche,  so  besonders  am  SW.-Hang  des 
Drakenberges  und  am  W.-Ende  des  Kleinen  Deisters  oberhalb  des 
iXlallerbrunnens.  Am  Ahrensberg,  an  der  Barenburg,  am  Weissen 
Stein  und  Hainholzkopf  scheinen  Dolomitbänke  zu  fehlen. 

An  Fossilien  fand  ich  am  Kleinen  Deister  in  einem  Steinbruch 
^Dberhalb  der  Holzmühle,  besonders  in  den  obersten  Schichten: 

Chemnitzia  Bronni  Roemer 
PhasianeUa  striata  Sow. 
Lima  sp. 

RhynchoneUa  pinguia  Roemer 
Cidaria  ßarigemma  Phill. 

Am  Ahrensberg  tritt  an  der  unteren  Grenze  eine  gelbliche 
Kalkbank  auf  mit  zahlreichen  Korallen,  Cidari8'SisLche\u  und  Rhyn- 
ehanella  pinffuis. 

In  einem  kleinen  Steinbruch  auf  dem  Ahrensberg  fand  ich  ein 
Stück  eines  Crinoiden-Stiels,  welches  zu  Millericnnus  conicus  d'Orb. 
gehören  könnte. 

Ein  loser,  aus  Korallen  bestehender  Block  am  N.-Abhange 
des»  Ahrensberges  enthielt  eine  Anzahl  zum  Theil  gut  erhaltene 
Exemplare  von  Lühophagua  gradattia  Buv.^  von  welchen  das  beste 

Jahrboch  1900.  3 


34  WnjBLM  WmmoBr,  Dia  gaologiBclifln  Veriiiltiiine 

noch  einmal  8o  gross  ist,  wie  das  von  Struckhann  aus  dem  nn 
teren  Korallen-Oolith  von  Völksen  abgebildete  (Neue  Beiträge  etc 
Taf.  17,  Fig.  24,  25,  S.  15). 

In  einem  Steinbruch  am  Hainholzkopf  fand  sich  auch  Turb 
princepa  RoBMBR  und  eine  grosse  Terebrhtula  von  5  Centimeter 
Länge,  welche  mit  der  von  Qubnstedt  (Der  Jura,  Ta£  91,  Fi( 
15,  S.  748)  und  Thdrmann  und  £tali/>n  (Lethaea  Bruntrutani 
Taf.  41,  Fig.  9,  S.  287)  gegebenen  Beschreibung  und  Abbildun 
von  Terebratula  insignü  SchObler  Qbereinzustimmen  scheint,  nicfa 
aber  mit  der  von  Brauns  (Der  obere  Jura  etc.,  Taf.  III,  Fig.  11 
bis  21,  S.  370)  unter  demselben  Namen  beschriebenen  und  abge 
bildeten  Form. 

Der  Kimmeridge  ist,  wenigstens  am  Kleinen  Deister,  ii 
allen  seinen  drei  Theilen  vertreten.  Die  Grenze  zwischen  deo 
Korallen-Oolith  und  dem  unteren  Kimmeridge  ist  in  zwei  Stein 
brüchen  am  W.-Ende  des  Kleinen  Deisters  südlich  Springe  un( 
am  kleinen  Drakenberg  oberhalb  der  HolzmQhle  aufgeschlossen 
£s  liegen  hier  über  dem  Korallen-Oolith  zunächst  dunkle,  dolo 
mitische  Mergel,  im  ersten  Steinbruch  3  Meter,  im  zweiten  1  Metei 
mächtig.  Sehr  häufig  ist  darin  Terebratula  humeralis  Roemer,  so- 
wie Steinkerne  von  Katica  turbinifonniß  Roemer,  Trigonia  sp.  unc 
Pronoe  nuculaefonnis  RoEMER.  Ueber  diesen  Mergeln  folgen  au 
einem  Forst  weg  am  SW.-Hang  des  Raherbergs  3  Meter  mächtige 
fossilarme,  mergelige,  graue  Kalke  und  4  Meter  hellgraue  Thone 
welche  auch  an  vielen  anderen  Stellen  sichtbar  werden.  Di( 
Gesammtmächtigkeit  des  unteren  Kimmeridge  in  diesem  Profil  be- 
trägt demnach  10  Meter.  Theil weise  sind  die  Schichten  diesem 
Horizontes  noch  zu  beobachten  an  dem  Weg,  der  bei  Homeister'j 
Loch  den  Koralleu-Oolith-Kamm  überschreitet,  und  am  SW.-Han^ 
des  Kleinen  Deisters  unterhalb  des  als  Wilhelmsblick  bezeichneter 
Aussichtspunkts.  Oestlich  von  der  Holzmühle  ist  der  unten 
Kimmeridge  nur  noch  am  Mühlenbrink  sichtbar. 

Der  mittlere  Kimmeridge  enthält  an  seiner  unteren  Grenze 
3  Meter  graue  Kalke,  in  etwa  ^  .> — 1  Meter  mächtige  Bänke  ab- 
gesondert, welche  meist  fein  oolithisch,  seltener  etwas  conglomera- 
tisch  und  dann  ein  wahresÄgglomeratvonMuschelbnichstücken  sind. 


des  Kleinen  Beisters,  Neeselberges  and  Osterwaldes.  35 

lo  eiDem  kleinen  Steinbruch  an  der  Strasse  vom  Jagdschloss  zum 
Kamm  enthält  der  Kalk  häufig  Pycnodonten-Zähne.  Am  mittleren 
und  östlichen  Theil  des  Kleinen  Deisters  liegen  über  diesen  grauen 
Kalken  bis  1/2  Meter  mächtige,  gelbe  Kalke  und  dann  8  Meter 
mächtige,  graue  Thone,  welche  in  ihrem  oberen  Theil  festere, 
fossilreiche  Lagen  enthalten.  Diese  werden  nach  W.  hin  mäch* 
tiger,  und  die  mürben,  mergeligen  Thone  nehmen  an  Mächtigkeit 
ab;  80  stehen  am  SW.-Hang  des  Raherberges  über  den  festen 
Binken  an  der  Basis  des  mittleren  Kimmeridge  an: 

graue  Thone 2, —  Meter, 

dichte,  feste  Kalkbank 0,80  y> 

oolithische  Mergel,  in  der  Mitte  mit 
einer  0,20  Meter  mächtigen  Kalk- 
bank       1,50  » 

graue,  mergelige  Thone 0,40  » 

dunkelgraue,  feste,  oolithische  Kalke  3, —  » 

Diese  festeren  Schiebten  lieferten: 

Cidaris  pyrifera  Ag. 
Pygurus  jurensis  Marcoü 
EchinobrUstis  sp. 
Terebratula  subseUa  Leym. 
Ceromya  eacentrica  Roemer 
Fronoe  nuctUae/o/^mis  Kobmer 
Pholadomya  multicoatata  Ag. 
Nucula  Menkei  Roemer 
Modiola  aequiplicata  v.  Stromb. 
Corbicella  Barrensis  Büv. 
Carbicella  Bayani  de  Loriol 
Pinna  lineata  Roemer 
Thracia  incerta  Roemer 
Nerita  hemisphaenca  Roemer 
Natica  sp. 
Nautilus  dorsatua  Roemer. 

An  manchen  Stellen  ist  besonders  häufig  in  diesen  Schichten 
Ceromya   orbicvlatis  Roembr;    Pterocevaa   Oceani  Brgt.   habe   ich 

3* 


36  WiLBBLH  WiMRour,  IHo  geologifoli«  Ymibaattame 

mit  obigen  Arten   zusammen  nur  ausserhalb  unseres  Gebietes  im 
Thalgrund  in  der  MQnder  Forst  westlich  Springe  gefunden. 

Ueber  den  festen,  oolithischen  Bänken  folgen  Thone,  erfüllt 
von  besonders  grossen  Exemplaren  von  Terebratula  mibsdla  Lbtm. 
Oestlich  der  Holzmühle  ist  der  mittlere  Kimmeridge  nur  noch 
am  Mohlenbrink  zu  beobachten;  er  scheint  am  mittleren  Theil 
des  Kleinen  Deisters  gegen  12  Meter,  am  westlichen  dagegen  min- 
destens 15 — 18  Meter  mächtig  zu  sein. 

Die  festeren  Gesteine  dieser  Gruppe  bedingen  natürlich  Kanten 
des  Geländes  und  bilden  an  den  Wolfsköpfen  über  der  Steilkante 
des  Korallen-Ooliths  eine  zweite,  niedrigere  Kante.  Wo  zwei 
Zonen  fester  Bänke  vorhanden  sind ,  wie  im  westlichen  Tbeil 
des  Kleinen  Deisters,  sind  dann  zwei  solcher  Terrainkanten  vor- 
handen, von  denen  die  obere  nach  dem  mittleren  Theil  des  Kleinen 
Deisters  zu  verschwindet. 

Der  obere  Kimmeridge  beginnt  mit  mergeligen  Kalken, 
reich  an  Exogyra  virgtUa  Defr.  und  Terebratula  mibseüa  Lbym. 
Darüber  folgen  am  mittleren  und  östlichen  Theil  des  kleinen 
Deisters  festere  Kalke,  welche  wiederum  eine  Terrainkante  bedin- 
gen. Ein  Steinbruch  am  SW.-Hang  des  Burgberges  oberhalb  de 
Körnungsplatzes  zeigte  folgende  Schichten: 

blaue,  mergelige,  wulstige  Kalke .     .     1,50  Meter, 

feste  Kalkbank 0,80 

graue  Mergel,  voll  von  Exogyra  vir- 

gula  Defr 1,15 

graue,   weiss    verwitternde,    uneben- 
plattige  Kalke  bis 2, —       » 

Dieselben  Schichten  sind  auch  an  einem  Forstweg  am  Webeis- 
berg, nahe  der  westlichen  Parkmauer,  und  an  einem  zweiten,  west- 
lich  der  Wolfijköpfe   im   Jagen  42,    und    in   ihrem   unteren  Theil 
noch  im  Jagen  33,   300  Meter  westlich   vom   östlichen  Körnungs- 
platz, aufgeschlossen.     In  den  dichten,  grauen  Kalken,  welche  die 
höchste  Kante  des  Steilhanges  bilden,  fanden  sich: 
Hemicidaris  Hoffmanni  Roemer 
Terebratula  subsella  Leym. 
Ostrea  mulüformü  Dkr.  u.  K. 


)» 


» 


des  Kleinen  Deisten,  Nesselberges  and  Osterwaldes.  37 

Exogyra  virffula  Defr. 

Modiola  aequiplicata  Y.  Stroikb. 

GermUia  tetragona  Ä.  RoEM. 

Perna  mbplana  Etallon 

Pinna  grantdata  Sow. 

Pecten  concentricus  Der.  u.  K. 

Mactr&mya  rugoaa  Roem. 

Pholadomya  multicoatata  Ag. 

Thracia  ineerta  Roem. 

Trigonia  papiüata  ÄG. 

Trigonia  Alina  CoNT.  besonders  häufig, 

Lucina  sp. 

Pronoe  nuctdae/ormia  RoEM. 

Chemnüzia  Bronni  RoEM. 

Natiea  dubia  RoEM. 

Natica  sp.  ind. 

Rirpurina  subnodoaa  RoEM. 

Neritopsis  undata  Cont. 

Bulla  suprajurensis  RoEM. 
Eine  ganz  ähnliche  Fauna  fährt  Strugemakn  zusammen  mit 
^^roceraa  Oceani  Brgt.  aus  der  Umgegend  von  Hannover  an; 
^^i  uns  liegt  sie  jedenfalls  über  Schichten,  die  besonders  reich  an 
^^ogyra  virgula  Defr.  sind.  Pteroceraa  Oceani  Brgt.  habe  ich 
*^^er  nicht  gefunden. 

Ueber  diesen  fossilreichen  Kalken  folgen  im  mittleren  und  öst- 
lichen Theil  des  Kleinen  Deisters  ziemlich  fossilarme,  fein  oolithische, 
in  frischem  Zustand    blaue,    grau  verwitternde  Kalke,    welche    im 
ganzen    Bereiche    des  Kimmeridge    und    des    Portland    das    beste 
Wegebaumaterial  liefern  und  in  mehreren  Steinbrüchen  gewonnen 
werden.    Ich  fand  darin  nur  Terehratula  subseUa  Letm.  und  Stein- 
keme  von  Trigonien.     Die  untersten  Lagen  sind  dunkler  gefärbt 
und  dolomitisch  und  werden  vielfach  an  der  unteren  Grenze  unserer 
Schichtenfolge  sichtbar.    Die  Mächtigkeit  der  oolithischen  Schichten 
°^%   g^g^i^    8  Meter   betragen ;    westlich    von    den    Wolfsköpfen 
habe  ich  sie  nicht  mehr  beobachtet.     Nach  O.  fand  ich  sie  noch 
»D  eioeiq  Foratwe^  am  SW.-Hang  des  »Rothen  Hen^stf, 


38  Wilhelm  Wuhstorf,  Die  geologischen  VerhiHiiisse 

Die  obersten  Schichten  des  oberen  Kimuieridge  bestehen  a 
15  Meter  mächtigen  Mergeln  und  Thonen.  Sie  sind  im  A 
gemeinen  arm  an  Fossilieq  und  enthalten  nur  in  einer  festere 
kalkigen  Einlagerung  in  ihrer  oberen  Hälfte  ssahirciche  Exempli 
von  Oatrea  multiformis  Dkr.  und  KoCH  imd  Steinkerne  von  Pror^.  * 
Brongniarti  Rokmer,  P,  nuculaeformis  RoEMBR  und  Pecten  concer^ 
tricus  Dkr.  und  K. 

Die  Portlandbildungen  umfassen  die  ^mm.^o^-Schicht^i 
die  Einbeckhäuser  Plattenkalke,  die  Münder  Mergel  und  de 
Serpulit. 

Die  Schichten  mit  Ammonttes  gigaa  K.  von  Serbach^ 
bestehen  aus  3  Zonen  fester  Kalkbänkr,  welche  durch  mergelig 
Schichten  von  einander  getrennt  werden.  Die  festen  Bänke  siek 
je  1—3  Meter  mächtig;  die  untere  und  die  obere  bestehen  ai.ij 
mehr  oder  minder  dickplattigen,  ziemlich  grob-oolithischen  Kalkei xi 
und  enthalten  zuweilen  zahllose  Schalentrümmer;  die  mittlere  ea't' 
hält  mehr  wulstige  Kalke.  Da  diese  Bänke  auf  grösseren  Fläche  ^ 
parallel  der  Tagesoberfläche  liegen,  so  wird  stets  nur  eine  de«** 
selben  gewonnen,  und  die  Steinbrüche  nehmen  bald  sehr  grosse  Au^' 
dehnuug  ein.  Am  SW.-Hang  des  »Rothen  Hengst«  fand  ich  ei  ^ 
verdrücktes  Exemplar  von  Ammonifes  gigas  aut. ;  häufiger  sind  ai^^* 
manchen  Schichtflächen  kleine,  mangelhaft  erhaltene  Arten,  namrn'^' 
lieh  Gastropoden,  die  zum  Theil  wohl  zu  Turriteüa  minuta  Dk^^* 
u.  K.  gehören. 

Zu  den  A.  ^2Y^a«-Sch ichton  gehört  wohl  auch  die  grösstenthei  1  * 
durch  Steinbruchsbetrieb  schon  abgetragene  Kalkscholle  im  obere^  ^ 
Theil  von  Osterwald,  in  welcher  ich  nur  Steinkerne  eiues  PecieT^' 
anscheinend   Pecten  concentricus  Dkr.  u.  K.  fand. 

Die  A,  ^i^os-Schichten  mögen  am  Kleinen  Deister  und  in  df*^ 
Bergen  der  Wülfinghäuser  Klosterforst  eine  Mächtigkeit  von  4^^ 
bis  45  Metern  haben. 

Die  Eimheckhäuser  Plattenkalke,  welche  an  einem  Forst- 
weg am  SW.-Hang  des  Rothen  Hengst  zu  beobachten  waren,  be- 
stehen hier  aus  2  je  3  Meter  mächtigen,  dünnschichtigen,  dunklen 
Kalken,  welche  durch  mehr  thonige  Lagen  von  einander  und  auch 
von  den  ^.^zjro^-Schichten  getrennt  sind.   Die  dünnachichtigen  Kalke 


d6B  Kleioen  Deisten,  Ndsselberges  and  Osterwaldes.  39 

«othalten  auf  ihren  Schichtflächen  bisweilen  Steinkerne  und  Ab- 
drücke von  Corbula  infiexa  ROEM.,  Gerviüia  arenaria  RoBM.  und 
.Modiola  lithodamus  Der.;  sie  verwittern  schwer  und  liegen  in  oft 
sehr  dQnnen  Schalen  an  der  Tagesoberfläche.  Faat  durchweg 
zeigt  sich  bei  ihnen  eine  Zerklüftung  senkrecht  zur  Schichtfläche, 
sodass  sie  in  Griffelschiefer -artige  Stücke  zerfallen.  Die  Grenze 
gegen  die  folgende  Gruppe  wird  von  dickplattigen,  grauen,  ver- 
steinerungsarmen, ^/^  Meter  mächtigen  Kalken  gebildet,  welche 
nicht  unähnlich  manchen  Gesteinen  der  A.  ^o^Schichten  sind.  Die 
Mächtigkeit  der  Eimbeckhäuser  Plattenkalke  am  Kleinen  Deister 
und  in  den  Bergen  der  Wülfinghäuser  Klosterforst  beträgt  gegen 
25  Meter.  Oestlich  von  der  Drachenschlucht  scheinen  sie  nicht 
mehr  vorhanden  zu  sein. 

Die  Münder  Mergel  bestehen  im  Wesentlichen  aus  rothen, 
blauen  und  grauen  Mergeln  und  enthalten  etwa  in  ihrer  Mitte 
festere,  braune,  dolomitische  Mergel,  welche  vielleicht  den  von 
KoERT  aus  der  Gegend  von  Ammensen- Streit  beschriebenen  Cor^ 
itiZa-Bänken  entsprechen,  Fossilien  aber  nicht  enthalten.  In  der 
oberen  Hälfte  der  Münder  Mergel  treten  Gypslager  auf,  welche, 
ebenso  wie  die  von  Koert  von  Ammenscn  beschriebenen,  sehr 
dünnscbichtig  und  in  einem  Erdfall  in  der  Mitte  des  Hanges,  süd- 
lich der  Wolfsbuche  in  einer  Mächtigkeit  von  6  Metern  auf- 
geschlossen sind;  nach  Aussage  der  Waldarbeiter  wurden  sie 
früher  auch  zum  Brennen  benutzt.  Vielleicht  sind  nicht  auf 
Auslaugung  von  Gyps  sondern  auf  eine  Verwerfung  die  Erdßllle 
zurückzuführen,  welche  die  Grenze  der  Münder  Mergel  gegen  die 
Eimbeckhäuser  Plattenkalke  begleiten. 

Die  Grenzschichten  gegen  den  Serpulit  stehen  an  dem  von 
der  Barenburg  zum  Osterwald  hinaufführenden  Forstweg  nahe  am 
Nordrand  der  Blecken  an  und  bestehen  hier  aus  festen,  rothen 
Mergeln,  welche  von  dem  Serpulit  überlagert  werden. 

Nach  Koebt  »Geologische  und  paläontologische  Untersuchung 
der  Grenzschichten  zwischen  Jura  und  Kreide  etc.«  und  von 
Koenbn  »Ueber  das  Alter  des  norddeutschen  Wälderthons«  ist 
der  Serpulit  noch  zum  Portland  zu  stellen.  Koert  beschreibt 
die  9e)ir  wechselnde  Gestejnsausbildung  des  Serpulit   im   QebM 


40  WiLHBLM  WüHSTORp,  Die  goologischeD  Yerliiltiiisae 

des  Seiter.  Am  Nesselberg,  in  den  Bergen  der  Wfllfinghäuser 
Klosterforst  und  am  Osterwald  besteht  er  aus  Conglomeraten, 
dichten,  oolithischen  und  schiefrigen  Kalken,  aus  Kalksandsteinen, 
Thonen  und  Mergeln. 

Da  bezeichnende  Fossilien  sehr  häufig  nicht  vorhanden  sind, 
so  wurden    die  über  den   eigentlichen  MQnder  Mergeln   folgenden 
festen  Gesteine    als   Serpulit    gedeutet.     Typischer  Serpulit,  2  bis 
3  Meter    mächtige    Kalke,    erfüllt    von    KöhrenbruchstQcken    von 
Serpula  coacervatu  Blum.,  sind  nur  am  Ahrensberg,  südlich  vom 
Weissen  Stein,  am  südlichsten  Theil  der  Barenburg  und  am  Holen- 
berg  vorhanden.     Am   Weg   von    der  Barenburg    zum   Osterwald 
stehen    die   tiefsten   Schichten    des    Serpulit   nahe  am   Rande  der 
Bleeken   an;  sie  bestehen  hier  aus  grauen,  splittrig  zerspringenden 
plattigen   Kalken.     An    der  Fortsetzung    des  Weges   stehen   dort,.^ 
wo  er  den  Rand  überschreitet,  graue  Mergel  mit  Kalkknauem  an,^ 
und  500  Meter  westlich   von   diesem  Aufschluss   in  einem  kleinen^ 
Steinbruch  folgende  Schichten  von  unten  nach  oben: 

graue  Kalke,  nach  oben  hin  mürbe  .     1,50  Meter, 
rothe  und  blaue  Mergel       ....     1, —        » 
gelblich-graue    Kalke    mit  Glimmer- 
blättchen  und  sehr  dünnen,  schwar- 
zen Zwischor.^chichten     ....      1, —        » 
Mergel  mit  Kalkknauern      ....     0,80        » 
grauer,  krystallinischer  Kalk    .     .    bis  1, —        » 
Die  von   dein    ersten  Aufschluss    erwähnten,    plattigen    Kalk^? 
bilden    den    ganzen    Nordrand    der    Bleeken    bis    zum   Holenberg  ^ 
auf  den   Bleeken,  auf  deren  Oberfläche  überall  Serpulit   in  geringer 
Tiefe    ansteht,    fehlen    Aufschlüsse    fast    ganz;    nur    an    einzelnen 
Stellen  werden  rothe  Mergel  sichtbar,    vermuthlich    dieselben    wie 
in    dem    zuletzt    angeführten    Steinbruch.       An    den    Gehlebach- 
quellen     und    an    der   von    hier    zum  Osterwald   hinauf  führenden 
Strasse  stehen  im   Wegegraben  dünne,    schiefrige  Kalke  an,    nicht 
unähnlich  den  Eimbeckhäuser  Plattenkalken.     Es  ist  dieses  jeden- 
falls ein  ähnliches  Vorkommen,  wie    es  KoERT   (I.  c.)  vom    Seiter 
aus  der  Nähe  von  Varrigsen  beschrieb.      Im  Gehlebachthal  liegen 
dort,   wo   sich   die   südliche  Steilkante     des  Holenberges     in    den 


d«f  Riemen  DeiBtera,  Ne^selbergea  und  Oeterwaldes.  41 

Thalgrand  hinabsenkt,  sandige  Platten,  auf  deren  Scbichtflächen 
neben  Serptda  coaeervata  Blum,  zahlreiche  Fischschuppen  und 
kleine  Knochenreste  sichtbar  sind.  Am  ganzen  Nesselberg  wird 
der  grösste  Theil  der  Gruppe  von  ebenplattigen,  sandigen  Kalken 
gebildet,  stellenweise  mit  Steinkernen  von  Cyrenen;  es  stehen 
diese  Schichten  in  alten  Steinbrüchen  an,  welche  bei  der  Erbauung 
der  Mauer  des  Sauparks  angelegt  worden  sind. 

Nur  in  einem  Steinbruch  oberhalb  der  Rothen  Kule  nördlich 
Marienau  und  in  einem  zweiten,  am  SW.-Hang  des  Nesselbergs, 
im  Jagen  160,  sind  die  obersten  Schichten  des  Serpulit  sichtbar. 
In  ersterem  war  folgendes  Profil  zu  beobachten: 

Kalksandstein,  auf  dessen  Bruchflächen 
undeutliche  Steinkerne  von  Fossilien 
zu  erkennen  sind,  bis      ....     0,30  Meter, 

blauer  Schluffsand 0,80       » 

sandige  Kalkschiefer,  in  einzelnen 
Schichten  völlig  in  Sandstein  über- 
gehend       1,20       » 

feste,  etwas  sandige,  blaue,  gelb  ver- 
witternde Kalke 1,20       » 

Conglomerate  mit  vereinzelten  Röhren- 

stflcken  von  Serpula  coaeervata  Blüm.     0,70       ». 

lieber  dem  Conglomerat,  in  dem  Kalkgerölle  durch  ein 
^^kles,  kalkig-sandiges  Bindemittel  verkittet  sind,  folgen  graue 
^^J^gel,  welche  ich  zum  Purbeck  stellen  muss. 

In  dem  alten  Steinbruch  am  Nesselberg  steht  eine  0,50  Meter 
"^^chtige,  conglomeratische  Kalkbank  an,  deren  Oberfläche  mit 
^^^a  1,5  Centimeter  dickem  Kalksinter  incrustirt  ist.  In  letzterem 
^^den  sich  zum  Theil  wohl  erhaltene  Exemplare  von 

Melania  harpae/ormis  Dkr.  u.  Koch 
Littorinella  Schustert  Roemer 
Lütortnella  elongata  Sow. 
Cyrena  parmrostria  Roembr 
Cyrena  aubtransoerearia  Roembe 
Serpula  coaeervata  Blum, 


42  Wn^HBLM  WoHvroRT,  Die  geologiachen  Verliiltiiisae 

In  dem  conglömeratiscben  Kalk  selbst  sind  Tielfach  Durch- 
schnitte von  Schalen  von  Gastropoden  und  Bivalven  sichtbar;  die 
letzteren  dürften  mindestens  theilweise  der  Gattung  Cyrena  an- 
gehören. 

An  einem  Forstwege,  der  am  N.-Hang  des  eigentlichen  Oster- 
waldes  entlang  f&hrt,  stehen  800  Meter  westlich  der  Meerpfbhle, 
im  Jagen  124,  8  Meter  mächtige,  zu  braunem  Sandstein  ver- 
witternde Kalksandsteine  an  mit  einer  dQnnen  Mergel-Lage  in 
ihrem  oberen  Theil.  Sie  fallen  mit  40®  nach  Westen  ein  und 
liegen  dicht  an  einer  den  Kamm  des  Osterwaldes  durchsetzenden 
Bruchlinie.  Der  oberste  Theil  dieser  Schichten  ist  wohl  schon 
als  Stinkkalk  des  Purbeck  anzusehen,  während  der  untere  Theil 
noch  zum  Serpulit  gehören  könnte. 

500  Meter  westlich  vom  Ort  Osterwald   stossen  Serpulit   und 
Purbeck-Schichten   an  die    grosse,    den     Osterwald     im    S.     ab- 
schneidende Verwerfung    und   sind  dort  stark   zerrüttet    und  zum 
Theil  dolomitisirt,   so  dass  Mergel  und  Kalkbftnke  nicht  mehr 
unterscheiden  sind. 

Erwähnt  sei   hier   beiläufig,  dass    ich   in  dem   KNlGGB^schenv 
Steinbruch    am  Speckenbrink,    dem  N.-Hang  des  Bielsteins,    alscv 
schon    ausserhalb  des  von  mir  näher  untersuchten  Gebietes,    au^ 
der  Oberfläche    des   von   iS^rpu/a- Röhren    erfällten   Serpulits    sehe" 
ausgeprägte   N.-S.    streichende    Wellenfurchen    beobachten   konnte* 
Es    ergiebt   sich    hieraus,    dass    auch    hier    der    Serpulit    in    gan^ 
flachem  Wasser  abgelagert  worden  ist,  ebenso  wie  die  vom  Oster- 
wald   erwähnten    Conglomerate,     und    wie     dieses    von    Koenen 
»Ueber   das   Alter  des   norddeutschen   Wälderthons,  S.  313«    er- 
wähnt hat. 

Kimmeridge   und    Portland  von   der  Barenburg   bis   zum 

Ostrand  des  Osterwaldes. 

Oestlich  vom  Holenberg  weichen  die  oberen  Jurabildungen 
vom  Kimmeridge  bis  zum  Serpulit  wesentlich  von  der  bisher 
beschriebenen  Entwiukelung  darin  ab,  dass  sie  mehr  oder  minder 
an  Mächtigkeit  abnehmen  und  sich  auskeilen. 


des  Kleineil  Deisten,  Nessel berges  und  Osterwaldes.  43 

Ueber  dem  Korallen-Oolith  auf  dem  Rücken  der  Barenburg,  am 
Weissen  Stein  und  am  Hainholzkopf  folgen  mergelige  Kalke  mit 
Terebratula  subsella  Lbtm.  und  dann  an  den  beiden  ersteren 
Paukten  in  der  zweiten  Terrainkante  dichte,  graue  Kalke,  welche 
dieselbe  Fauna  enthalten  wie  der  untere  Theil  des  oberen 
Eimmeridge  am  Kleinen  Deister.  An  der  Barenburg  und  am 
Weissen  Stein  sind  in  einer  dritten  Terrainkante  dickbankige,  zu 
Blöcken  zerfallende,  theilweise  fast  nur  aus  SchaltrQmmern  be- 
stehende Kalke  vorhanden,  welche  ihrem  Gesteinscharakter  nach 
wohl  zu  den  Schichten  mit  Ammonites  gigas  aut.  zu  rechnen  sind. 

Auf  dem  Ahrensberg  und  weiter  östlich  fehlen  letztere 
Schichten  vollständig.  In  dem  Thal  zwischen  dem  Ahrensberg 
und  dem  Weissen  Stein  folgen  über  dem  Korallen-Oolith  die 
dichten,  grauen  Kalke  des  oberen  Kimmeridge,  dann  graue, 
mergelige  Thone  und  darüber  Serpulit.  Die  Mächtigkeit  der 
Schichten  zwischen  dem  Korallen-Oolith  und  dem  Serpulit  beträgt 
hier  gegen  20  Meter. 

In  der  Elzer  und  Mehler  Stadtforst,  am  Ostrande  des  Oster- 
waldes, wird  der  Korallen-Oolith  von  blaugrauen  Mergeln  mit 
Kalkknauern  überlagert,  über  denen  graue,  feinoolithische  Kalke 
mit  sehr  schlecht  erhaltenen  Steinkernen  einer  Tereh^atula^  an- 
scheinend Terebf'atula  subsella  Letm.,  liegen.  Hierüber  folgt  sofort 
in  einer  zweiten  Terrainkante  der  Serpulit,  so  dass  die  Münder 
Mergel,  die  Eimbeckhäuser  Plattenkalke,  die  A,  ^igra^-Schichten  und 
ein  grosser  Theil  des  Kimmeridge  fehlen.  Die  blaugrauen  Mergel 
and  die  oolithischcn  Kalke  im  Hangenden  des  Korallen-Ooliths 
sind  noch  einmal  im  Walde  unweit  des  Mehler  Dreisches  in  zwei 
Steinbrüchen  aufjnreschlossen.  Die  Mächtigkeit  der  den  Korallen- 
Oolith  vom  Serpulit  trennenden  Schichten  beträgt  hier  nur  gegen 
15  Meter. 

Dieses  eigentbümliche  Verhalten  der  oberen  Jurabildungen 
lässt  sich  nun  entweder  durch  allmähliches  Auskeilen  der  ver- 
schiedenen Schichten,  oder  durch  Meeresabrasion  vor  oder  auch 
während  der  Ablagerung  des  Serpulits,  oder  endlich  durch  Ueber- 
schiebnng  des  Wealden  und  Serpulit  über  ejuen  Theil  der  oberen 
Jurabildungen  erklftreOf 


44  WiLBBLM  WuHSTOBT,  Die  geologischeii  YerikiltiuBte 

Am  Ostrande  des  Deislers,  bei  Völksen,  im  zweiten  Ste 
bruch  vor  dem  NO.-Ende  des  Dorfes,  liegen  nun  Ober  c 
obersten  Schiebten  des  Korallen-Oolith,  welche  hier  aus  grQnli^ 
grauen  Mergeln  mit  zahlreichen,  theil weise  abgerollten  Cida- 
Stacheln  bestehen: 

blaue  Mergel  mit  Kalkknauern     .     .  2, —  Meter, 

dichte,  graue,  gelb  verwitternde  Kalk- 
bank       1, —        » 

blaue,  sehr  thonige  Mergel      .     .     .  0,10       » 

fester,  grauer  Kalk 0,30       » 

plattiger,  gelb  verwitternder  Kalk- 
sandstein    0,20       » 

fester,  grauer  Kalk 0,10       « 

blaue  und  gelbe  Thone  mit  einer  Ein- 
lagerung von  krystallinischem  Kalk 

nahe  der  oberen  Grenze      .     .     .  3, —       » 

und  an  der  höchsten  Kante  des  Steinbruchs  gelbe  Kalkplatten  i 
Serpula-Röhren^  vermuthlich  Serpulit. 

Wir  haben  also  hier  zwischen  dem  Serpulit  und  dem  Koralh 
Oolith  im  Ganzen  nur  gegen  8  Meter  kalkige  und  thonige  Schicht« 
welche  jedenfalls  nur  einem  kleinen  Theil  des  Kimmeridge  u 
Portland  entsprechen  können,  so  dass  der  Haupttheil  diej 
Schichten  hier  fehlt.  Etwas  mächtiger  sind  die  oberen  Jui 
bildungen  entwickelt  in  einem  Steinbruch  westlich  von  Volks 
an  der  alten  hannoverschen  Strasse.  Ueber  dem  dort  oolithis 
entwickelten  oberen  Korallen-Oolith  folgen: 

dünne  Kalkbänke  mit  Thonschichten 

wechsellagernd 0,40  Meter, 

blaue,  schiefrige  Mergel       ....     0,75        » 
blaue  und  grünliche,   knollige  Kalke 

mit  Steinkernen  von   ProfiÖe  Bron- 

gniarti  RoEMER,    P,  nuculaeformü 

ROEMER,   Tngonia  sp 3, —        » 


dM  Kloiiiaa  Beiitten,  NesMlbergds  und  Osterwaldes.  45 

dunkelgraue,     mürbe     Mergel     mit 

Kohleresten  und  Kalkgeröllen  .  0,40  Meter, 

graue,  splittrige  Kalke 0,30       » 

Qod  an  der  oberen  Kante  gelbe,  schiefrige  Kalke. 

Der  Serpulit  folgt  bald  über  dem  Steinbruch  im  Felde.     Die 

-^^htigkeit    dieser    Schichten     beträgt    hier    nahezu    20    Meter. 

-^^  eine  üeberschiebung  ist  hier  nicht  wohl  zu  denken,   so  dass 

^iQe  solche    auch    am  Ostrande  des  Osterwaldes  nicht  wohl    an- 

^^Hehmen  ist,  und   es  scheinen  namentlich  die  A.  G^o^-Schichten, 

^^Icbe  ja  an  anderen  Stellen  öfter  als  eine  Art  Muschelsand,  also 

^^  Strandbildung  entwickelt  sind,  hier  zu  fehlen,  so  dass  wir  an^ 

^^hmen  mQssen,   dass  diese  Schichten  sich  hier  ausgekeilt  haben, 

^<id  es  kann  f&glich  hiermit  auch  eine  Abrasion  bereits  abgelagerter 

Schichten  verbunden  gewesen  zu  sein. 

Der  Purbeck.  In  dem  Steinbruch  oberhalb  der  Rothen 
'^^ihle,  nördlich  Marienau,  folgen  über  der  Conglomeratbank, 
^^Iche  ich  als  obersten  Serpulit  ansehe. 

blaugraue  Mergel,  nach  oben  sandig  1, —  Meter, 

graue,  plattige  Kalksandsteine      .     .  0,60       » 

blaugraue,  thonige  Mergel  ....  1,70       » 
graue,     bituminöse    Kalke,     an     der 

Basis  schiefrig 1,20       » 

Die   letzteren    sind    in   der   Regel   allein  im  Walde    an    der 
^-•t^erfläche  sichtbar. 

In  dem  Steinbruch  am  Süd-Hang  des  Nessel bergs  wird  die  an 

^rer  oberen  Schichtfläche  Kalksinter  -  ähnliche  Bank  des  Serpulit 

^ Verlagert  von  1  Meter  graublauen  Mergeln,    0,30  Meter    gelben, 

^ Endigen  Mergeln    und    gelben    Kalksandsteinen   an^der  höchsten 

^ante  des  Steinbruchs. 

Nur  hier  fand  ich  in  den  blaugrauen  Mergeln  über  dem 
Serpulit  stark  verdrückte  Steinkerne  von  kleinen  Gastropoden, 
Cyrenen,  Cffpris  und  Cypridea.  Mit  einiger  Sicherheit  bestimmen 
konnte  ich  wenigstens  Bythinia  Sautieri  de  Loriol.  Es  wird  hier- 
durch sowohl  als  durch  die  Lage  über  dem  Serpulit  hinreichend 
wahrscheinlich,  dass  hier  Vertreter  der  Purbeckschichten  vorliegen 


46  WiLRBLM  WuNSTOBF»  Die  goologisckeii  Veriiiitiiiase 

wie  sie  von  Kobrt  (1.  c.)  von  der  SW.-Seite  des  Seiter  beschrieben 
worden  sind. 

Die  G^sammtmächtigkeit  dieser  Schichten  am  Nesselberg  und 
am  Osterwald  beträgt  wohl  nur  gegen  6  Meter. 

Die  Kreideformatioii. 

Der  Wealden  nimmt  den  grössten  Theil  der  Oberfläche  des 
Osterwaldes,  des  Holenbergs  und  des  Nesselbergs  ein.  Er  wurde 
näher  beschrieben  von  Dukker  (Monographie  der  norddeutschen 
Wealdenbildung,  1846),  Heinrich  Crednbr  (Gliederung  der  oberen 
Juraformation  u.  s.  w.,  1863)  und  Strugkmann  (Die  Wealden- 
bildungen  der  Umgegend  von  Hannover,  1880).  Ein  genaueres 
Profil  fast  der  ganzen  Schichtengruppe  gab  Dükkeb  (1.  c.)  auf 
Grund  von  Belegstücken  der  einzelnen  Schichten,  ohne  jedoch  zu 
erwähnen,  woher  die  Belegstücke  stammen,  so  dass  sich  nicht 
übersehen  lässt,  in  wie  weit  sein  Profil  auf  Combination  beruht, 
und  eine  neue  Prüfung  und  Würdigung  desselben  nicht  möglich 
ist.  Dem  DuNKER'sehen  Profil  entspricht  das  von  Crednbr  ge- 
gebene^ während  Struckmann  in  seiner  vorwiegend  paläontolo- 
gischen Arbeit  auf  dasselbe  nicht  naher  eingeht. 

Von  der  Kgl.  Berg-Inspection  in  Osterwald  erhielt  ich  nun 
folgende  Protile  des  vor  20  Jahren  abgeteuften  Tief  bauschachtes  und 
zweier  Bohrlöcher  vom  Anhalt  und  vom  Steinbach,  welche  ich 
jetzt  mittheilen  möchte,  da  inzwischen  das  Steinkohlenbergwerb 
in  Privatbesitz  übergegangen  ist.  Gesteinsproben  der  Profil« 
standen  mir  nicht  zu  Gebote,  so  dass  ich  über  die  Bezeichnung 
der  Gesteine  kein  eigenes  Urtheil  habe. 

Tiefbau  Schacht. 

Lehm  mit  Sandstein^ierolleu          .     .  3, —  Meter, 

Blaue  Thoue  mit  Sandsteiuorerolleu  .  5, —  » 

Eiseuschüssiirer  Schiefer       ....  1,50  » 

Weisser,  klotziger  Schiefer      .     .     .  '2,50  » 
Hilsthou     mit     C'onirlomeniteu     und 

Verstoiueruugen 4, —  » 

1d,00  Meter, 


des  Kleinen  Deisten,  l^eeselbergea  nnd  Osterwalclee.  47 

Uebertrag     .     .  16,00  Meter, 

Weisser,  klotziger  Schiefer      .     .     .  4, —  » 

Schwärzlicher  Thonschiefer      .     .     .  2,40  » 

Fester  Kalkstein 0,60  » 

Cyrenenschiefer 0,40  » 

Graaer,  schwärzlicher  Thonschiefer  .  2,60  » 

Cyrenenschiefer 1,20  » 

Grauer,  schwärzlicher  Thonschiefer  .  8,20  » 

Kalkstein 0,60  » 

Sandiger,  grauer  Thonschiefer      .     .  1,10  » 

Sandstein 1,10  » 

Berg-taubes  Kohlenflötz 0,30  » 

Sandiger  Thonschiefer 1,20  » 

Sandstein 1, —  » 

Sandiger  Thonschiefer 2, —  » 

Taubes  Flötz 0,60  » 

Grober,  grauer  Sandstein    ....  1,20  » 

Weisser  Thonschiefer 0,50  » 

Grauer  Sandstein 5,60  » 

Grauer  Sandstein  mit  Kohlenadern  .  0,50  » 

Weisslicher,  thoniger  Sandstein   .     .  0,75  » 

Grauer  Sandstein 0,50  y> 

Weisslicher,  thoniger  Sandstein   .     .  0,85  » 

Grauer,  thoniger  Schiefer   ....  1,90  » 

Schwärzlicher  Schiefer 0,40  » 

Grauer  Sandstein 1,30  » 

Grrauer,  sandiger  Schiefer    ....  0,45  » 
Schwärzlicher  Schiefer    mit    kleinen 

Kohlenadem 0,20  » 

Kurzer,  klotziger  Schiefer  ....  0,75  » 

Schwärzlicher  Schiefer 0,30  » 

Hangendes  Flötz 0,44  » 

Quarziger  Sandstein  ......  0,30  » 

Liegendes  Flötz  (obere  Bank)      .     .  0,18  » 

Weisslicher^  seifenartiger  Schiefer    .  0,37  » 

54,79  Meter, 


48 


WiMBui  WmnTOBP,  Di«  gcoIogiMlMB  VtriiitteiiM 


54,79  Meter, 
0,33 
2,73 
1,40 
0,45 
0,90 
5,25 
0,75 
0,90 
4,60 

11,- 
0,40 


1,50 
0,05 

4,- 


» 
» 
» 

» 

» 
» 

» 
» 


Uebertrag    . 
Liegeudes  Flötz  (untere  Bank)   * 
Weisslich-grauer  SchieferthoD 
Grauer  Sandstein  .... 
Seh w&rzlich- grauer  Sandstein 
Weisslicher  Sandstein 
Grauer,  thoniger  Schiefer 
Weiss-grauer  Sandstein  . 
Grauer,  thoniger  Schiefer 
Grauer  Sandstein  .     .     . 
Weisslicb-grauer  Scbieferthon 
Grauer,  thoniger  Sandstein 
Schwärzlicher,  thoniger  Schiefer  (sehr 

knotig) 

Weisslich-grauer  Thonbesteg  (Letten) 
Grauer  Thonschiefer  (etwas  sandig) 
Grau-schwärzlicher  Thonschiefer  mit 

Kohlenadem 2,50 

Grauer,  sandiger  Thonschiefer  .  .  0,80 
Duukelgrauer,  saudiger  Schiefer  .  .  0,40 
Weisslich-grauer,  thoniger  Sandstein     0,15 

Kalkstein 0,60 

Schwarzer  Schiefer  mit  Kohlenadem  0,30 
Grauer,  thoniger  Schiefer    ....     1,80 

Grauer  Kieselschiefer 0,75 

Weisslich-graner  Thonschiefer      .     .     0,08 

Grauer  Sandstein 0,67 

Weiss-ffrauer  Thonschieter .  .     .     3,10 

Schwärzlich-brauner  Thonschiefer  0,35 

Grauer  Thonschiefer 1,10         > 

Taubes  Kohleufli^t2 0,15        » 

Schwarzer  Thonschiefer 0,85 

Duukelgrauer  Saudsteiu 0,35        > 

Grauer  Thonschiefer 0,75        » 

103,75  Meter, 


;> 


» 


» 


» 


>> 


.> 


6m  Kleinen  Deisters,  NesselbergeB  and  Osterwaldes.  49 

Uebertrag     .     .     103,75  Meter, 
Grauer  Sandstein    mit   Schwefelkies 

und  Kalkspathdrusen       ....     0,80       » 
Weicher,  grauer  Schieferthon  .     .     .     1, —        » 

Hellgrauer  Thonschiefer 1,40       » 

Grauer,  kalkiger  Sandstein  ....     1,35        » 

Schwarzer,  bituminöser  Schiefer  mit 

Schwefelkies  und  Kohlenadern      .     0,20  » 

Grauer,  milder  Schieferthon     .     .     .     1,80  » 

110,30  Meter. 

Bohrloch  am  Anhalt. 

Lehm  mit  Sandsteingeröllcn    .     .     .     2,35  Meter, 
Eisenschüssiger  Schieferthon    .     .     .     2,80        » 

Grauer  Schieferthon 3,90        » 

Gelber,  couglomeratischer  Sandstein      2,10        » 

Blauer  Schieferthon 2,9ß 

Sandsteinconglomerat 0,74 

Uöthlicher  Sandstein 1,(]0 

(Jraues  Sandsteinconglomerat  .     .     .     3,30 

Graublauer  Schiefer 0,90 

Grauer,  couglomeratischer  Sandstein     4,CG        » 
Weisslich-graucr  Schieferthon       .     . 
Grauer,  conglonieratischer  Sandstein 
Grauer  und  blauer  Schieferthon  .     . 
Weisser  und  schwärzlicher  Sandstein 

Bläulicher  Schieferthon 10,25 

Grauer,   conglonieratischer  Sandstein 
Weisslich-grauer  Sandstein 

Bergflötz        

Weisslich-grauer  Sandstein 
Grau-schwärzlicher  Sandstein 
Schwärzlicher  Schieferthon 
Grauer  und  weisslicher  Sandstein 


» 
» 
» 
» 
» 


Jabrbueh  1900. 


G,60 

» 

3,86 

» 

2,80 

» 

2,fi5 

» 

10,25 

» 

1- 

» 

10,28 

» 

0,81) 

» 

8,86 

» 

6,78 

» 

1,G2 

» 

3,33 

» 

84,23 

Meter, 

4 

io 


Uebflrtng    .    .  84,33  ] 

Hangendei  FlOtz 0^ 

Weisaer  und  schwlnlichn;  Sutdatmo     1,30 
Id^cDdes  FlStz . 0,50 


86,43  H«l«r. 


Bohrloch  am  Steinbach  (200  Meter  sQdlicb  der  Oiaanee) 

Lehm  mit  SandsteiDgeiflUen     .     .     .  1,00  Ifoter, 

Eiseaschiefer  mit  Coaglomeraten  .     .  3,50 

Bluier  SchiflferthoQ 2,— 

Botfaer,  Buidiger  Sdiiefer    ....  2,92 

Blaner,  sandiger  Schieferthon .     .     .  U,78 

Weisslioh-graaer  Sdüeferthon  :     .     .  7,04 
Schw&rzlich-graaes  Sandsteinconglo- 

merat    .     .« 9,lS 

Graner  Schiefer 2,78 

Crrobkfirniger,    grauer    und    gelber 

Sandstein 11,65 

Weisslicb-grauer  Schieferthon.     .     .  2,53 

GrobkSmiger,  grauer  Sandstein    .     .  2,30 

Schwärz  lieh- grauer  Schieferthon  .     .  2,59 

Bergflötz 0,50 

Grauer  Sandstein 0,78 

Schwarzer  Schieferthon 1,18 

Weisslicher,  eeifeoartiger  Schieferthon  3,22 

Grauer  Saudstein 3,07 

Schwarzgrauer,  sandiger  Schieferthon  6,43 
Schwärzlich  -  grauer,     grobkörniger 

Sandstein 7,28 

Weisslich-graiier  Schieferthou       .     .  24,68 

Grauer  Sandstein 2,85 

WeissHch-grauer  Schieferthon .     .     .  2,75 

Grauer,  grobkörniger  Sandstein    .     .  4,03 

Haugendee  Flötz 0,50 

Schwarzer  Sandstein 1,20 

Liegendes  Flötz 0,50 


116,19  Meter. 


des  Kloinen  Deislers,  Nesselberges  und  Osterwaldcs.  51 

In  dem  Tiefbauschacht  sind  unter  dem  Lehm  mit  Saudstein- 
S^röllen  (Wealdensandsteinschutt)  zunächst  17  Meter  Schichten 
^«8  marinen  Neocom  durchteuft,  dann  91  Meter  oberer  Wealden. 
Ueber  dem  hier  unbauwürdigen  obersten  Kohlenflötz,  dem  Berg- 
flötz,  liegen  wesentlich  Schiefer  nur  mit  1,10  Meter  Sandstein 
an  der  unteren  Grenze.  Unter  dem  Bergflötz  folgen  dann 
38,6  Meter  wesentlich  Sandsteine,  in  welchen  die  beiden  wenig 
mächtigen,  aber  doch  bauwürdigen  Flötze,  das  hangende  und 
das  liegende  Flötz,  liegen;  die  untersten  38  Meter  enthalten 
(ti&t  nur  Schiefer  ohne  nennenswerthe  Kohlenflötze. 

Es  fehlen  an  diesem  Profil  noch  rund  90  Meter  des  Dunker- 
schen  Profils. 

In  dem  Bohrloch  am  Anhalt  finden  sich  in  den  60  Meter  mäch- 
tigen Schichten  Ober  dem  Bergflötz  auffallend  viele  und  mächtige 
Sandsteine  und  couglome ratische  Sandsteine.  Welche  von  diesen 
Schichten  noch  dem  Neocom  zuzurechnen  sind,  entzieht  sich  voll- 
ständig meiner  Beurtheiluug. 

In    dem    Bohrloch    am    Steinbach    treten     dagegen     in    den 
Schichten  über  dem  Bergflötz   die  Sandsteine    mehr   zurück,    und 
das    Bergmittel    zwischen    dem    Bergflötz    und    dem    sogenannten 
bangenden  Flötz  schwillt  hier   bis  auf  56  Meter  an,    während   es 
au    den   beiden  anderen  Stellen,   zwischen  w^elchen  der  Steinbach 
Hegt,  höchstens  20  Meter  beträgt.    Eine  ähnliche  Mächtigkeit  gab 
auch  Dünker  an.     Diese    auffällige  Verschiedenheit    ist  vielleicht 
dadurch  zu  erklären,    dass    das  Bohrloch  am  Steinbach  eine  Ver- 
werfung oder  sonstige  Störung  durchteuft  hat. 

Nach  Dünker  und  Credner  ist  die  Mächtigkeit  des  ganzen 
Wealden   am  Osterwalde    rund    180  Meter.     Nach  den  von  ihnen 
Hngefiihrten  Profilen    sind    ausser  dem  Berg-,   dem  hangenden 
i4ud  dem    liegenden    Flötz,    welche   dem   oberen    Wealden  an- 
gehören, noch  drei  bauwürdige,  das  Ober-,  Mittel-  und  Unter- 
flötz  ,  in    den  untersten  Schichten    der  Gruppe   vorhanden.     Seit 
längerer  Zeit   wurden    am  Osterwald  nur    die  Flötze    des    oberen 
Wealden    angebaut;    an    vielen  Stellen,    wie    an    dem  Wege   von 
Osterwald  zum  Steinbruch  im  Jagen  83,  im  Thale  nördlich  Dörpe 
und  am  Ilolenberg  sind  in  früheren  Zeiten  auch  Versuchsbaue  in 


52  WiLHxui  WussTOBF,  Die  geologiKhen  Yerhftltnbse 

tieferen  Flötzen  angelegt  worden.  Ein  sehr  unreines  Kohlenflötz 
ist  an  vielen  Stellen  im  Ausgehenden  dicht  Ober  den  Purbeck- 
kalken  sichtbar. 

In  dem  ehemaligen  Bergwerk  am  Nesselberg  sind  anscheinend 
nur  die  unteren  Flötze  abgebaut  worden. 

Während  Struckmakk  am  Deister  bei  Barsinghausen  eine 
besondere,  nur  aus  Schieferthonen,  Cyrenen-  und  Melanienschichten 
bestehende  obere  Abtheilung  von  einer  fast  nur  aus  mächtigen 
Sandsteinbänken  gebildeten  unteren  abtrennte,  lässt  sich  am  Oster- 
wald  eine  solche  Trennung  nicht  durchfuhren,  wie  sich  aus  obigen 
Profilen  ergiebt,  und  wie  dieses  schon  Credner  (I.  c.  pag.  64) 
hervorhob,  und  es  schwankt  die  petrographische  Entwickehmg  am 
Osterwald,  selbst  auf  die  geringe  Entfernung  von  1200  Meter 
vom  Anhalt  bis  zum  Tiefbauschacht,  sehr  erheblich.  Schichten 
mit  Melania  strombi/ornm  ScHL.,  AI.  tricarinata  Dkr.  und  ver- 
drückten Cyroueuschalen  treten  am  Osterwald  ebenso  wie  am 
Deister  in  den  oberen  Wealdenschichteu  auf. 

In  Betreff  der  Kohlenflötze  unterscheidet  sich  die  Ent- 
wicklung des  Wealden  am  Deister  von  der  am  Osterwald  dadurch, 
dass  die  an  diesem  vorliandeiien  Kohlenflötze  der  oberen  Wealdeu- 
sc'hicliteii  an  jenem  fehlen. 

Die  Sandsteine  sind  zum  Thcil  ziemlich  feiukörni«j,  bestehtMi 
fast  ausschlie:^>lieh  aus  (^uarzkörnern  und  hal)eu  meist  ein  wichr 
rider  minder  kioselisjes  Bindemittel.  In  der  Kegel  sind  sie  hell- 
iXrau,  irelb  oder  auch  braun  ^efiul)t.  In  den  Saudsteinen  finden 
sich  <re] eigentlich  manirelhaft  erhaltene  Pflanzenreste  und  auf  ein- 
zelnen Schichtflächon  auch  wohl  Steinkernc  und  Abdrücke  von 
Cyrenon  und  (leri^leichen  mehr.  Im  obersten  Theil  des  Wealden 
treten  aber  auch  förmliche  Quarzconglomerate  auf,  in  denen 
(ierölle  von  Milchquarz  oder  irrauom  (^uarz  und  auch  von  Kiesel- 
schiofcr  in  einer  Orundmasse  von  ziemlich  <irobkörni«2:em  Sand- 
stein  lieüjen. 

Aehnlich  wie  am  Deister  werden  die  homogeneren  Sandsteine 
am  Osterwald  und  am  Nesscll)eror  an  zahlreichen  Stellen  als 
worthvolles  Baumaterial  ufc^wonnon   und  weithin  verschickt. 


''i'^ 


rhoniajj^en    zwischen     den    Sandsteinbänken     am    Nesselberjr 


des  Kleinen  Deislers,  Nesselbcrges  und  Osterwaldes.  53 

wordeil  vou  den  Töpfern  in  Brünnighausen  zur  Herstellung  von 
Steingut  verwendet,  ähnlich  wie  dies  in  früherer  Zeit  besonders 
in  Duingen  mit  den  Wealden-Thonen  in  grossem  Maassstabe  ge- 
schehen ist. 

Das  marine  Neocom  liegt  am  S.-Hang  des  Osterwaldes  in 
massiger  Ausdehnung  auf  dem  oberen  Wealden  und  wurde  durch 
verschiedene  Schächte  in  älterer  und  neuerer  Zeit  aufgeschlossen. 
In  dem  Wasserriss  des  Steinbachs  sind  300  Meter  südlich  der 
Strasse  zwischen  Thonen  graue  bis  braune,  eisenschüssige  Sandsteine, 
zum  Theil  mit  einzelnen  Quarzgeröllen,  sichtbar  und  enthalten 
neben  seltenen,  verdrückten  Ammoniten  (Olcostepha?ius  cf.  Keysev- 
^^^gi  Neüm.)  besondere  Steinkerne  von  Bivalveu, 

wie   Acicula  maa^optera  Roemer 
Aucella  Kejjserlingi  Lahusen 
Pecten  crassitesta  Roemer 
Thracia  Phillipsi  Roemer 
Thracia  elongata  Roemer 
Pholadomya  altemans  Roemer 
Heuromya  Rameri  Gent, 
Pinna  Robinaldiana  d'Orb. 

Welche  zum  Theil  schon  von  Roemer  (Versteinerungen  des  nord- 
deutschen Kreidegebirges,  1840)  angeführt  und  nach  seiner  An- 
gabe auch  im  Lichtschacht  I  angetroffen  worden  sind. 

Eine  etwas  reichere  Fauna  von  Ammoneen  aus  einem  älteren 
Schacht  wurde  von  Neumayr  und  UuLiG  in  ihrer  Arbeit  über 
die  Ammonitiden  aus  den  norddeutschen  Ililsbildungen  beschrieben 
(Palaeontographica  XXVII.). 

Aehnliche  Formen  aus  dem  neuen  Tiefbauschacht  sind  in 
den  Besitz  des  Göttinger  Museums  gelangt.  Diese  Schichten  ge- 
hören (von  Koenen,  lieber  die  Ergebnisse  der  Aufnahmen  im 
Jahre  1899,  Jahrbuch  der  geolog.  Landesanstalt)  dem  Valanginien 
und  dem  Hauterivien  der  schweizerischen  und  französischen 
Autoren  an,  dem  letzteren  auch  die  Thone  der  Ziegelei -Thon- 
grube  am  W.-Rande  des  Mehler  Dreischcs,  schon  jenseits  des  öst- 
lichen  Randes    des    Messtischblattes    Eldagsen.      Das    Göttinger 


54  \ViMiKi>M  Wlüstorf,  Die  geologischeo  Verhältnisse 

Miiscuui  besitzt  von   hier  Meieria  oitiata  Phill.,  Iloplites  radiatu 
Bkug.^  Hoplite«  umblygonius  Neum.   und  Uhlig,    Thracia  PhüUp^^ 
KOEMBRU    .  A.  m. 

Dilnvinm  and  AllQyinni. 

Das  Diluvium  besteht  sowohl  aus  nordischem  als  auch  aus. 
einheimischem  Diluvium  und  erreicht  in  den  EinsenkungeiM 
rings  um  alle  höheren  Erhebungen  eine  grössere  Verbreitung. 

In  der  WEDEMEYER'schen  Forst  im  Jagen  6,  300  Meter 
westlich  der  Chaussee,  findet  sich  nordischer  Schotter  und  Sand 
in  geringer  Ausdehnung  und  Mächtigkeit.  Ein  Block  von  nordi- 
schem Granit  Hegt  auch  am  Holenberg  noch  in  300  Meter  Meeres- 
höhe ;  zahlreiche  erratische  Blöcke  liegen  zerstreut  auf  den 
Feldern  nördlich  und  nordöstlich  der  Holzmühle.  Ausschliesslich 
nordisches  Diluvium  ist  sonst  wohl  weniger  verbreitet  als  ein- 
heimisches, in  welchem  freilich  umgelagertes  nordisches  Material 
in  grösserer  Menge  vcrtheilt  ist.  Durch  deutlichere  Schichtung 
scheint  sich  dieses  Diluvium  von  dem  eiorentlicheu  nordischen  zu 
unterscheiden. 

Zum  Diluvium  sind  aber  auch  wohl  mindestens  theilweise  zu 
rcchuen  die  Schuttmassen  von  Gesteinen  desWealden  und  von  solchen 
des  oberen  Jura,  welche  die  Abhänge  zum  Theil  weithin  bedecken 
und  sich  wohl  auch  heute  noch  thalwärts  bewegen.  Sie  verhüllen 
namentlich  an  flacheren  Gehängen  die  dort  anstehenden  milderen 
Gesteine  oft  auf  grössere  Erstreckung  vollständig,  wie  schou  oben 
erwähnt    wurde. 

Lösslehni  bedeckt  wohl  stellenweise  solche  Bildungen:  in 
ix'dciitcnderer  Mächtigkeit  nud  Ausdehnung  tritt  er  nur  auf  der 
8üd-Seite,  Südwest-Seite  und  Nord-Seite  des  Nesselbergcs  und 
Kleinen  Dt^isters  in  den  Geniarkungen  von  Altenhagen,  Brullsen 
und   Hrünniirhausen  auf. 

A  1 1  u  V  i  a  1  (^  K  a  1  k  t  u  ff  1  a  g  e  r  (  S  ü  s  s  w  a  s  s  e  r k a  1  k  e)  in  (i estalt 
von  krümeligen  oder  auch  lestereu  Kalken,  mitunter  durch  Eisen- 
ocker braun  gefärbt,  finden  sich  hauptsächlich  in  der  Wedemeier- 
schen  Forst  im  Jagen  (>  und  17,  im  Gehlebachthal  und  in  der 
Mitte    des    Nord- Hanges    des    llolenberges;  zum  Theil  mögen    sie 


des  KleiDGD  Deistors,  Nosäolberges  und  Ost«rwaldo8.  55 

^^•hoii  der  Diluvialzeit  angehören.  Sie  entstanden  durch  Absatz 
Vou  Kalk  aus  kalkhaltigen  Quellen  und  werden  noch  bis  zur  Jetzt- 
zeit gebildet.  Unbedeutende  Kalktufflagor  finden  sich  noch  an 
*-*iuer  ganzen  Reihe  von  anderen  Stellen,  wo  kleine  Quellen  aus 
Uüserem  Jurakalk  entspringen. 

Gewöhnlich  finden  sich  in  Verbindung   mit   solchen  Kalktuff- 
lagern   auch  sumpfige    und  moorige  Böden,    wie  sie  freilich   auch 
auf  thonigen   Schichten   bei    ungenügendem   Wasserabfluss    häufig 
auflreten,  so  namentlich  auf  dem  Metienfeld.    Hier  sind  förmliche 
Anschwellungen  von  Moor  und  Torf  vorhanden. 


Tektonischer  Theil. 

Geologisch  betrachtet  ist  der  Osterwald,  Nessel berg  und  der 
Kleine  Deister  eine  Synklinale,  welche  in  der  Mitte  zwischen 
Dörpe  und  Eldagsen  so  zerschnitten  ist,  dass  ihr  nordwestlicher 
Theil  um  etwa  1  Kilometer  gegen  den  südöstlichen  Theil  nach 
Südwesten  hin  verschoben  ist. 

In  diesem  nordwestlichen  Theil  sind  freilich  alle  Schichten 
nach  SW.  geneigt^  und  es  ist  hier  der  Gegenflügel  der  Synklinale 
tliatsächlich  nicht  vorhanden,  sei  es,  dass  er  durch  eine  Ver- 
werfung abgeschnitten,  sei  es,  dass  er  wenigstens  theilweise  durch 
die  mächtigen  Lehmmassen  der  Gemarkung  Brünuighausen  verhüllt 
wird. 

Ausserdem  tritt  eine  ganze  Reihe  von  Querbrüchen  auf, 
welche  indessen  nur  im  Gebiet  der  festeren  Gesteine  durch  Ver- 
schiebung der  Terrainkanten  mit  Sicherheit  nachgewiesen  werden 
können.  In  grösserer  Zahl  und  complicirter  sind  solche  Brüche 
namentlich  an  dem  südöstlichen  Ende  des  Kleinen  Deisters  in  der 
Gegend  der  Holzmühle  vorhanden  und  bedingen  hier  so  wie  auf 
der  O.-Seite    des  Gehlebaches  unregelmässigere  Bergformen. 

Am  NW. -Ende  des  Kleinen  Deisters  findet  sich  ein  stufenför- 
miges Absinken  des  ganzen  Bergzuges  nach  NW.  hin,  wie  auch  der 
ganze  Nesselberg  nach  NW.  absinkt.  Einzelne  Brüche  scheinen 
auch  die  Veranlassung  zur  Bildung  der  Thäler  gegeben  zu  haben^ 


56  WiLHEhM  WuNSTOitK,  Die  geologischeD  Vorhftltnisse 

welche  aDuäherud  im  Streichen  der  Schichten  im  Kleinen  Deister 
verlaufen. 

Am  Osterwald  ist  dagegen  die  Synklinale  deutlich  aus- 
gebildet ,  da  die  Wealdenschichteu  thatsächlich  muldenförmig 
liegen  und  sowohl  im  SW.,  als  auch  vielfach  im  NO.  von  den 
nächst  älteren  Bildungen,  den  Purbeck-Schichten,  dem  Serpulit 
und  den  Münder  Mergeln  uuterteuft  werden.  Freilich  werden 
diese  im  SW.  durch  eine  Hauptverwerfung  neben  Lias  gelegt, 
welche  weiterhin  nach  O.  umbiegt  und  den  Osterwald  selbst  nach 
S.  abschneidet.  Nach  S.,  nach  dieser  Verwerfung  hin,  senken 
sich  auch  alle  Schichten  des  Osterwaldes  ziemlich  steil  hinab. 
Auch  hier  sind  nordwestlich  streichende  und  vermuthlich  auch 
ost-westlich  verlaufende  Verwerfungen  vorhanden.  Solche  Bruch- 
linien bedingen  auch  eine  ganze  Reihe  von  Unregelmässigkeiten 
auf  der  NO.-Seitc  des  Osterwaldes.  So  tritt  in  den  Jagen  123, 
124  und  129  Münder  Mergel  hervor,  westlich  begrenzt  vom 
Serpulit  und  Purbeek,  und  durch  Verwerfungen  werden  grössten- 
theils  die  isolirten  Kücken  und  Kuppen  der  Blecken  und  des 
Ahreusberges,  sowie  auch  der  Ilolenberg  vom  Osterwald  selbst 
getrennt,  sind  aber  selbst  wieder  durch  zahlreiche  Brüche  zer- 
schnitten, wenn  schon  der  llolonherg  im  wesentlichen  eine  nach 
W.  vsicli  senkende  Synklinale  darbietet.  Weiter  nach  N.  folgen 
dann,  tiefer  abgesunken,  die  »hirabildungen  des  Kattbergs,  der 
Barenbiirg,  des  Weissen  Steins  und  des  Ilainholzkopfes,  welche  als 
mehrfach  verschobene  und  zerrissene  Fortsetzungen  des  Kleinen 
Deisters  anzusehen  sind,  während  im  O.  die  Jurabildungen  am 
Ahreusberg  hinaufspringen,  sich  dann  aber  nach  8.  umbiegen  und 
erheblich  herabsinken,  dabei  aber  von  mehreren  Querbrüchen  durch- 
schnitten werden. 

Namentlich  am  Osterwald  und  in  der  Wülfinghäuser  Kloster- 
forst treten  auf  den  Bruchlinien  vielfach  Erdfälle  auf,  so  nament- 
lich im  Jagen   123  und  von  hier  bis  zum  Ahreusberg. 

Im  Allgemeinen  haben  also  unsere  Bruchlinien  wie  die  ganzen 
Bergrücken  eine  südost-nordwestliche  Richtung,  ähnlich  wie  fast 
alle  Gebirgsrücken  des  nordwestlichen  Deutschlands,  und  die  Ent- 
stehung des  Kleinen  Deisters,  Osterwaldes  und  Nesselberges  dürde 


des  KleincD  Dei&ters,  Nessdberges  und  Osterwaldcs.  57 

daher  in  dieselbe  Zeit  fallen  wie  bei  jenen,  nämlich  in  die  jüngste 
Miocän-Zcit. 

Die    Verwerfung,    welche    den    Osterwald    im    S.    begrenzt, 
läuft  annähernd    parallel  derjenigen,    welche    ihn    vom  Nesselberg 
trennt,   und  gehört  wohl   in  die  Bruchzone,    welche  vom  N.-Rand 
des    Harzes    nach    dem  Wesergebirge    verläuft,    wie    dieses    von 
KoENRN   in   seiner  Abhandlung  »Ueber  das  Verhalten   von  Dislo- 
tionen  im  nordwestlichen  Deutschland,  1885,  S.  53«  beschrieben  hat. 
An  seinem  Ost-Rand  wird  der  Osterwald  dagegen  durch  süd- 
uördliche  Störungen    abgeschnitten,    welche    auf    der  Karte    nicht 
mehr  asur  Darstellung  gelangen  konnten,  aber  vermuthlich  zu  dem 
grossen    System     von   SN.- Brüchen    gehören,    welche    ein    wenig 
jünger  sind  als  die  SO. — NW. -Brüche.    Augenscheinlich  schneiden 
dieselben  Bruchlinien  weiter  nach  N.  auch  den  Deister  ab.     Viel- 
leicht sind  als  Parallelbrüche  hierzu  die  Verwerfungen  anzusehen, 
Welche     über    den    Rücken    des    Oster waldes    hinweg    verlaufen, 
einerseits  vom  Grenzschacht  nach  dem  Ahrensberg,  andererseits  von 
der  Hohen  Warte    bei    Osterwald    nach    dem    unteren  Theil    des 
Oehlebachs  und  der  Holzmünle. 

Berlin,  den  1.  Mai  1000. 


üeber  SfetakoUen  im  IfittlereB  Ke«|»er  i 
Teiitobiirg«r  W«l4e  bei  Meaeaheene. 


Am  Orthai^  des  Bgg^dnrgM,  et«m  l%KSkm&bar  ttiOOMA 
des  Dorfes  NeoMiheene,  bat  nch  im  Mittleren  Keiiper  Steia- 
koble  gefimden,  ww  nm  so  grOneres  Intercne  Terdisat,  aus  es  öeb 
hier  nm  das  bisher  einzig  bekannte  ^dilmvoilHHBBiniBS  im  Oyps- 
kenper  des  nordwestlidien  DfiilschkDdi-  litindela  dnrflc.  Schon 
im  An&nge  der  70er  Jahre  wareo  hier  Schilrfungeu  untornommen,  - 
aber  bald  wieder  eingestellt  worden;  189!)  wiirdo  dann  durch  den 
Scfaar&toUen  St  Maris  die  Steinkohl«  in  40  Centimeter  Mnuhtig- 
k^  etwas  südlich  des  grost^en  Npiienlieerser  Snodsteinbriiches 
nachgewiesen. 

Der  Gypskeupcr  nimmt  hier,  wie  flbeibaupt  am  ganiCD  Qebtrg« 
von  Neiicnheerse  bis  nber  Willcbadesseii  hinaus,  den  grSssten  Theil 
des  östlichen  Steilhanges  der  Egge  ein;  (tber  ihm  folgen  noch 
etwa  13  Meter  Rhätkeupor,  auf  den  sich  transgredirend  als  oberer 
AbscbluBs  des  Stci'hanges  der  Neocomsandstein  auflegt.  Sowohl  der 
Keuper,  als  auch  die  ihn  fiberlai^erodeD  Kreideschichten  streichen 
in  h.  II,  also  fast  nord-südlich,  uod  fallen  mit  geringer  Neigung 
nach  W.  ein. 

Unter  den  bunten  Keuperinergeln,  in  denen  der  Stollen 
St.  Maria  angesetzt  ist,  liegen  zunächst  18  Centimeter  schwarze 
Schieferthonc ;  diese  enthalten  iu  grosser  Menge  Pflanzen- 
reste,   besouders    gut   erbaltcuc   Equisctou,    die    den  Formen  des 


Hans  Stille,  Uobcr  Steinkohlen  im  Mittleren  Keapor  etc.  59 

LtiDzer    Sandsteines    sehr    niilic    stehen.       Im    Liegenden    dieser 
Soliieferthone  findet  sich  die  Steinkohle  in  40  Centimeter  Mächtig- 
keit.   Sie   ist  ausserordentlich   aschehaltig  und   dürfte   schon   des- 
wegen nicht  für  den  Abbau  in  Betracht  kommen;  sie  streicht  aus 
an   dem  zum  Neuenheerser  Sandsteinbruche  hinaufföhrenden  Wege 
wenig  östlich  des  Stollenmundloches  und  ist  hier  nur  noch  32  Centi- 
meter mächtig.     Das  Liegende  der  Kohle  bilden    wieder  schwarze 
Schiefert  hone,     die     petrograj3hisch     mit    den     Schieferthonen     im 
Hangenden  übereinstimmen,  auch  wie  jene  zahlreiche  Equisetenreste 
enthalten. 

Durch   (Kombination   mehrerer  kleinerer   Aufschlüsse   hat  sich 
^iür  den  Keuper  bei  St.  Maria  folgendes  Profil  ergeben  (Profil  I): 

1.  Hangendes:     Neocomsandstein, 

2.  i  in  Folge  dichter üeberrollung  mit  Neocom- 
ca.  30  Meter  \       sandsteinschutt  nicht  erschlossen, 

3.  ^  rother  Mergel, 

4.  0,25  Meter     blaugrüner  Mergel, 

rother  Mergel, 
blaugrüner  Mergel, 

mürber,    graugrüner,   glimmeriger   Sand- 
stein, 

blaugrauer  Mergel, 
rother  Mergel, 
hellgrauer  Mergel, 

blaugrauer     Mergel;      nach      dem     Lie- 
genden zu  schlecht  erhaltene  Pflanzen- 
reste und   zwei    etwa  zöllige  Kohlen- 
streifen, 
(Do)^)    12.    0,18       »         schwarze    Schieferthone    mit    zahlreichen 

Pflanzenresten, 
(K)         13.    0,40       »         Steinkohle, 
(Dl)        14.    noch  0,60  Meter  aufgeschlossen,  wie  12. 


5. 

0,90 

y> 

6. 

0,27 

» 

7. 

0,51 

y> 

8. 

1,00 

» 

i). 

1,35 

» 

10. 

0,23 

» 

11. 

3,00 

» 

0  Die  den  Zahlen  voranges^tzten  Buchstabon    beziehen  sich  auf  die  in  den 
beifolgeDden  Profilskizzen  angewandten  Bezeichnungen. 


(tO  Barn  Sntut,  Ünb^r  Sicinkolilon 


Etwa  85  Schritt  BQdlicb  des  StoUenB  8t.  Mari«  ist  beim  Bio 
der  Warburg-Altenbekener  Bahn  am  Ostliange  der  Kgge  folgendes 
Schichtenprofil  freigelegt  wordeo  (Pro6l  IV): 

1.  Hangendea:  Neocomsandatein. 
Rftth: 

2.  0,20  Meter  ziegelrotber  Tbon, 

3.  0,40       »  grauer  Thon, 

4.  0,04      >  idegelrother  Thoo, 

5.  2,00       »  graae,    zum  Theii  etwas  r&thliohe,  stark 

thonige  Mergel, 

6.  2^       »        schwarze    Sobiefertfaone   mit  uhlreicheia 

verdrOckten  PelecfpodeDateinkerucn 
(Cardium  dooemmn  QnBHsr.  und 
andere). 


7. 

0,80      . 

sandiger,  dunkler  Tbon, 

8. 

0,30       . 

stein. 

9. 

1,00       » 

schwarzer  Schieferthon, 

10. 

0,12       • 

mßrl,er,  bituminöser  Thonachiefcr, 

11. 

5,85       » 

scliwarzcr  Schieferthon, 

12. 

0,47       » 

dünnplattiger,  gelblichgrauer,  quarzi- 
tiücher  Sandstein, 

Oyp.l 

tcuper: 

13. 

3,00  Meter 

blänlichgrauer  Mergel, 

14. 

23,50       • 

vorwiegend  rothe,  daneben  auch  bläu- 
liche oder  gelbliche  Mergel,  zum  Ihcil 
zellig  in  Folge  von  Gjpsauslaugung, 

15. 

1,10       . 

mürber,  gelblicher  oder  röthlicher  Sand- 
stein, 

16. 

3,10       » 

bunte,  vorwiegend  rothe,  sandige,  etwas 
glimmerige  Mergel, 

17. 

0,50       • 

Sandstein  wie  15, 

18. 

8,00       . 

rothe  Mergel, 

am  Teatoburger  Walde  bei  Neaenheerse.  61 

19.  3,15  Meter   milrber,  glimmeriger  Sandstein^  in  Farbe 

schwankend  zwischen  roth,  grau,  violett, 
vielfach  gestreift  und  gefleckt, 

20.  8,00       »        grauer  Steinmergel, 

21.  4,35       »        Gyps, 

22.  5,06       y>        grauer  Stein mergel, 

23.  0,25       »        (^yps?  ^^il^  sicl^  bald  seitwärts  aus, 

24.  0,75       »        grauer  Steinmergel, 

25.  noch  1  Meter  aufgeschlossen.     Gyps. 

In  Profil  IV  fehlt  also  die  Kohle  gänzlich;  nach  ihrer 
*^agerung  bei  St.  Maria  war  sie  etwa  zwischen  14  und  18  zu 
^•"warten. 

25  Schritt  weiter  nördlich,  60  Schritt  südlich  St.  Maria, 
^fgab  am  Eggehang  ein  kleiner  Schürfgraben  folgendes  Profil 
Cl^rofil  III): 

1.  Hangendes:  rothe  Mergel, 

Co)  2.  0,60  Meter    dunkler,  mergeliger  Schieferthon, 

CC*)  3.  0,62       »        graugrüner,  mürber  Sandstein, 

(Ä)  4.  Liegendes:     graue  bis  graugrüne,  sandige  Mergel. 

Der  Sandstein  in  diesem  Profile  ist,  wie  sich  am  Eggehang 
Ununterbrochen  verfolgen  lässt,  der  Vertreter  des  Sandsteins  unter 
No.  15  in  Profil  IV;  seine  Mächtigkeit  hat  allerdings  fast  um  die 
Hälfte  abgenommen.  15  Schritt  weiter  nördlich  von  Profil  IH  — 
45  Schritt  südlich  St.  Maria  —  ist  dieselbe  Sandsteinbank  nur  noch 
0,20  Meter  mächtig.     Wir  finden  dort  (Profil  II): 

1.     Bangendes:  rothe  und  graue  Mergel, 
(D)  2.     0,86  Meter    schwarzer,   bituminöser  Thonschiefer  mit 

Pflanzenresten,     nach     oben     zu     mit 
kleinen  Kohlenschmitzen, 
(C)  3.     0,20       »        grauer,  mürber  Sandstein, 

(ß)  4.     Liegendes:    graue,  sandige  Mergel. 

Profil  II  und  III  liegen  genau  im  Fortstreichen  der  Kohle 
von  St.  Maria,  und  es  kann  keinem  Zweifel  unterliegen,  dass 
die  Pflanzenreste  und  Kohlenschmitzen  führenden  Thonschiefer 
45  Schritt  südlich  St.  Maria  die  seitlichen  Vertreter  der  im  Schürf- 


HAin  SriLuc,  Ü«W  8l«mkiili1«D  tm  llitU«f«B  KMfW 


Stollen  angetToS'eneu  Steinkohlen   sind.     Da  in  Profil  IV  jrgüct 
Andeutung    der     Kohle     feblt,    so    keilt    sich    diese     iiltto     sehe: 


fVofill 

SchÜpTstidlin  St  U» 


fVofilW 

SiSchrrHtudheh  St  Mana 


.^•^^e  . 


Prtiftia 

50!>chrlHtÜdlidiSt.U  J 


^-^y- 


=^^i-^ 


^m     ^S     E3E3     ^E     ^m     ^3     ^ 

Ntocomiindllnn.     RhilluuiMr        PUtrul  dii         Sindil««      0<inkeltScliri6r-     3»iiikii*ili  Gipi  4a 

c<ii  ko  Milllir»  Unipfri  thont  ttc      d»  Mittl.Kwpn.  MM  Kn» 

auf  85  Schritt  Eutfernung  sQdlich  St.  Maria  TOUig  aas.  Wie 
weit  sie  nach  N.  fortsetzt,  war  nicht  genau  zu  ermitteln. 
Jedenfalls  ist  sie  in   den   Keuperprofilen  entlang   der  Bahn,   etwa 


I 

am  Teutobnrger  Walde  bei  Noaenheorse.  63 

U)0  Meter  nördlich  8t.  Maria,  nicht  mehr  vorhanden,  sodass 
'S  sich  also  bei  der  Neuenheerser  Steinkohle  um  ein 
L*ager  von  nur  geringer  nord-südlichor  Erstreckung 
wandelt.  Ein  Vergleich  der  Profile  zeigt  ferner,  dass  die  Kohle 
'iura  27  Meter  unter  dem  Khät  und  40  Meter  unter  dem 
Meocomsandstein  h'egt,  in  einer  durch  mürbe,  buntgeförbte  Sand- 
»teinbäuke  charakterisirten  Zone.  Diese  Zone  hat  sich  an  der 
Sgge  in  der  Gegend  von  Neuenheerse  als  constanter  Horizont 
nachweisen  lassen,  wenn  auch,  wie  schon  die  angegebenen  Profile 
^oigeu,  die  Mächtigkeit  der  einzelnen  Sandsteiiibank  sehr  schwan- 
kend ist.  In  petrographischer  Beziehung  ist  der  Sandstein  dem 
^c^'hilfsandsteine  der  weiter  westlich  gelegenen  Gebiete  sehr  ähnlich. 

Berlin,  den  12.  December  1900. 


Pentamems-^Qoarzit«  und  GreifensteinerKalk. 

Von  Herrn  H.  Lotz  in  Berlin. 


Im  Sommer  1900  wurden  auf  Antrag  des  Herrn  Professor 
£.  Katsbr  in  Marburg  seitens  der  Direction  der  kgl.  geologischen 
Landesanstalt  Schürfarbeiten  im  Bereiche  des  bekannten  »Penta- 
merus-Quarzites«  und  des  Greifensteiner  Kalkes  zur  Aufklärung 
ihrer  Stratigraphie  angeordnet  und  dem  Verfitöser  die  Beaufsichtigung 
derselben  und  die  Gewinnung  der  Versteinerungen  aufgetragen. 
Im  Folgenden  wird  ein  Bericht  Ober  den  Erfolg  der  Arbeiten 
gegeben,  so  weit  dies  ohne  eingehende  Beschäftigung  mit  dem 
gewonnenen,  ausserordentlich  umfangreichen  Versteinerungsmaterial 
möglich  ist.  £8  lag  nahe,  dabei  auf  einige  in  der  letzten  Zei 
aufgedeckte  Vorkommen  derselben  Art  an  anderen  Orten  (Keller 
wald,  Harz)  einzugehen. 


I.  Pentamerus-Qluarait 

Nachdem  Denckmann  und  Beushausen^)  darauf  hingewiese 
hatten,    dass    das    in    Frage    kommende    Gestein    kein    echte  x 
Quarzit,    sondern    ein     verkieselter    Kalk    ist,     und    BeushaüSBB^ 
femer  gezeigt  hatte,    dass    der  Pentametus  rhenanus  F.  RoBMBir 
nur   von   Greifenstein    bekannt    ist    und    die    anderweitigen   Vor- 
kommen   auf   falsche    Bestimmungen    zurOckzufÜhren    sind,    war 


«.  i 


*)  Vgl.  Beushauskn,  Zar  Frage  nach  dem  geologischen  Alter  des  Plentamerw 

rhenanus  F.  Rokmu:.     Dieses  Jahrbuch  für  1898,  S.  G. 


H.  LoTz,  PeDtamerns-Quarzit  und  Greifensteiner  Kalk.  65 

«amit  auch    die    BeDeiinuDg    eines    stratigraphisclien    Horizontes 
wach  ihmi)  hiurälHg. 

Zum  Leitfossil    war   uämlich    der  Pentameinis  rhenanus   durch 
^li.  Frech  geworden,  nachdem  von  Maühkr,  C.  Koch  und  von 
Kühnen  sein  Vorkommen  in  den  Grenzschichten  von  Unterdevon 
und  Wissenbacher  Schiefern  und  in  letzteren  selbst  von  mehreren 
Puukten  angegeben  war,  —  irrthömlicher  Weise,  wie  BeüSHAüsen 
a.  a.  O.    nachgewiesen    hat.      Da    der   »Quarzit«    mit    Pentumerus 
f'henaftm  nach  E.  Kayser^)  ebenfalls  dem  Grenzhorizont  von  Unter- 
devon und  Mitteldevon  angehören  sollte,  so  glaubte  Fr.  Frech  be- 
rechtigt zu  sein,  das  oberste  Unterdevon  (oberste  Coblenzschichten) 
als  Zone  des  Spin/er  specio8us    und  Pentamerus  rhenanus    zu    be- 
zeichnen. 

Beushausen  hatte  ausserdem  darauf  aufmerksam  gemacht, 
dass  das  ganz  isolirt  vorkommende  Pentamerus-Gestein  mit  den  in 
der  dortigen  Gegend  weit  verbreiteten  silurischen  echten  Quarziten 
i^ichts  zu  thun  hat.  Da  die  Kartirung  des  Blattes  Herborn  vor 
ihrem  Äbschluss  stand,  so  war  die  Feststellung  des  wahren  Alters 
unbedingt  nothwendig. 

Von  dem  seit  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  bekannten  und 
^^ rühmten   Vorkommen    waren    nur    noch    spärliche   Reste   übrig, 
^■e  besseren  Stücke  sind  schon  lange  den  Sammlern  und  Händlern 
^^\m  Opfer  gefallen.     Vereinzelte,  nicht  allzugrosse  Blöcke  fanden 
^ich  noch  an  dem  Waldweg,  der  steil  vom  Plateau  hinunter,  dicht 
^^i  den  Resten  des  sogenannten  »Grün wieser  Schlosses«  (Lichten- 
^tein)   vorüber,   in  das   Thal    des  Ulmbaches  führt,   wo  dieses  aus 
^er  WO.-Richtung  nach   S.   umbiegt.     Der  Weg  läuft  an   einem 
Wasserriss  entlang,    der  zugleich  eine  auffällige  Störungszone  be- 
zeichnet.    Er  entblösst  Kalke,   Kiesel-  und  Alaun-Schiefer,   sowie 
Quarzite  des  Silur  in  höchst  verworrener  Lagerung  mit  zum  Theil 
Ungewöhnlichem  Streichen  und  Einfallen;  dazu  treten  noch  phylli- 
tisch    aussehende     Schiefer.      Den    Bergleuten     der    Gegend     ist 

0  Frech,  Lethaea  palaeozoica,  Bd.  II,  S.  154. 

*)  Kayser  und  Holzapfel,  Uebcr  die  stratigraphiscben  Bezicbungeii  der 
böhmischen  Stufen  F,  G,  H  Barbande^s  zum  rbelDischen  Devon.  Dieses  Jahrbuch 
für  1893,  S.  255. 

Jahrbaeh  1900.  5 


«Um  dM  nic^t  «ntgaagsn;  mit  mcbrereu  Stollcu  haben  sii  ver- 
sncht,  den  aUtuwcbiefisnu-tig^n  Gestehen  uueh^ugeben.  Audi 
rOM  lymoBrnK^  luanta  die  aiiaHlUge  Sebbicht,  rr  hielt  jedoch  die 
sii%eftfarlen  OMteine  ebeo^o  wie  deu  Peutumenis-Quarüiit  lilr. 
ettlmiioh,  den  GreifenMeiner  Kalk  für  oberdcvoni^cb.  g 

Leider  nuwiht  die  hier  ganz  beeonden  iiMi^ettwfta  TopogrefMe 
des  MentiBohbUttee  eine  genaae  KutiMing  und  Eiutragung  numSg- 
lich,  KDch  wiito  die  itarke  Uebenvlluug  mit  IMöcken  echtr>u, 
■ilariechen  Qowzitee  eradiwerend.  Bei^nglioii  der  Darstellung 
dieser  Gegend  auf  der  geolt^iscben  Kerle  inusg  an T  das  demnäohM 
ersdieineode  BUtt  Herbom  der  geolngisijheii  Hpet-iallcartc  von 
Prenuen  in  1 :  25  000  (ao^nommeo  tob  B.  Katsbb^  iwimu» 
werden. 

Die  von  dem  ■ilurisdien  Qnanöt  leioht  nntnMhiidlMMli  Alete 
des  Pentunems-GesteiDS,  deren  ongeflUire  Lege  «nf  dem  beüi^gMidM 
Plan  1 :  5000  (aiehe  8.  69)  daroh  StemdMo  ngedeatet  «t,  wwda 
•imintlich  anf  ihre  Jjagerang  hin  ontersadit  und  i<ii  ai  ihlagiai,  m>  «eil 
aie  brauchbare  yerateinerongen  enthielten.  Kmbmt  töm  ibnaa  war 
anstehend.  Ferner  wurde  eine  Beihe  von  8diflr%Hbea  ildfieh 
des  Weges  quer  zu  dessen  Bicbtnng  angelegt,  'Mder  Tergabeoai 
es  gelang  niubt,  das  Pentamems-Geatein 
sondern  wo  das  Ansteheode  erreicht  wurde, 
Grauwacke  (»Urfer  Schichten«  A.  Demokmanm's)*). 

Die  Lösuug  der  Frage  nach  dem  Alter  aoseres  GesteioB 
schelut  eich  aber  trotz  dicEes  Misserfolges  an  einer  anderen  Stelle 
befriedigend  finden  7.a  lassen. 

Bereits  vor  einigen  Jahren  hatte  Herr  E.  Katser  bei  aeioen 
Aufuahuiearbeiten  ein  kleines  Kalk  vorkommen  im  Forstort  Stecben- 
liell  zwischen  Grcifentlial  und  Elgersh&user  Hof  entdeckt,  das  er 
zunächst  als  Greifensteiner  Kalk  ansprach^).  Auf  einer  Ezcursion 
im  Herbst  1S99,  auf  der  Herr  E.  Kayseei  von  Herrn  Drevehhann 

')  V-0.1  DrCHHs  iD  ZdUchr.  d.  DeaUch.  gool.  Ow.  1975,  S.  730  (Frotocoll) 
und  S.  7G5. 

^  Vergl.  A.  Dexckm^xn-,  Bericht  a.  s.  w.,  dieses  JAhrbnch  fBr  1895, 
S.  XXXV,  ferner  Bericht  der  Honen  L.  Bedshaujibx,  A.  De^ckhakr,  E.  HoLurm. 
nod  E.  Katbbs  n.  s.  w.,  dieses  Jahrbuch  für  1896,  S.  379. 

>}  B.  K«tsBi<  uDd  E.  Holzapfel,  a.  a.  0.,  S.  35G. 


H.  LoTz,  Pentameras-Qaanit  und  GreifensteiDer  Kalk.  (>7 

und  dem  Verfasser  begleitet  wurde,  fanden  sich  Bruchstücke  eines 
dichtrippigen  Pentameriden,  die  Herr  E.  Katser  in  seinem  Bericht 
Über  die  Aufoahoien^)  als  zur  Peiitamems  rhenanus  gehörig  erklärte. 
Bei  den  diesjährigen  Schürfarbeiten  fand  ich  ausser  zahlreichen 
stark  yerqaetschten  Bruchstücken  derselben  Pentamenis- Art  Korallen- 
rote (Heliolites  porosua^   Favosites^    Cyatliophyllum)  und   zwar  lose 
iin  Schutt.     Der  nur  wenig  mächtige,   aber   anscheinend    ziemlich 
reine  Kalk  war  offenbar  schon  früher  Gegenstand  der  Gewinnung 
gewesen  oder  man  hatte  nach  Eisenstein  gesucht;  ich  stiess  beim 
Schürfen    sehr    bald    auf  das    Liegende,    einen    wohl    erhaltenen 
Diabas. 

Gesteinscharakter,  Lagerungsverhältnisse  und  Versteinerungen 
sprechen  dafür,  dass  das  kleine  Vorkommen  vou  Kalk  kein  Greifen- 
steiner  Kalk  ist,  wie  E.  Kayser  zuerst  annahm,  sondern  einem 
andeni  ähnlichen  zwischen  Greifeustein  und  Edingen  (3  Kilometer 
entfernt)  entspricht,  das  den  früheren  Autoren:  Dechen,  Koch 
u.  8.  w.  wohl  bekannt  war  und  u.  A.  Stringocephalus  Burtini  führt. 
Es  wird  ebenfalls  dem  Stringocephalenkalk  zugerechnet  werden 
BaOssen,  und  damit  gewinnt  eine  ältere  Vermuthung  des  Verfassers 
*D  Wahrscheinlichkeit,  die  er  gelegentlich  der  Bearbeitung  der 
l^'auna  des  Giessener  Massenkalkes  mehreren  Fachgenossen  mit- 
theilte, dass  nämlich  das  in  jener  Gegend  fast  gesteinsbildeud 
«'auftretende    (onclMium   haaaiacum   Fkank^)    und    der    Peiitamerua 


')  Dieses  Jahrbach  ffir  1899,  S.  XI. 

*)  Frank,  Beiträge  znr  (jeologie  des  südöstlichen  Taunusi.  In.-Diss.  Mar- 
^yg  1898,  S.  32,  Taf.  I,  Fig.  1-4,  und  Lotz,  die  Faana  des  Massenkalkes  der 
^^ener  Mark  bei  Giessen.  Sehr.  d.  Ges.  z.  Beförd.  d.  ges.  Naturwiss.  zu  Mar- 
H  Bd.  Xin,  B.  4,  S.  231,  Taf.  IV,  Fig.  1-3. 

Ich  beontze  die  Gelegenheit,  hier  einige  Borichtiguogeo  zu  dieser  meiner 
^^^  tVL  bringen,  zc(  denen  ich  durch  eine  gemeinsam  mit  Herrn  Bkushauren 
^<^eoommene  Revision  der  Originale  veranlasst  werde. 

Die   a.  a.  0.  S.  216    nnd    Taf.  I,  Fig.  8,  beschriebene  Modiomorpha  crassa 

^•ip.  moss  wegen  ihrer  Gestalt  und  des  Vorhandenseins  einer  kleinen  Ligamcnt- 

^  ZQ  Cardiomorpha  gestellt  werden.     Das  ebendort  von  mir  angeführte  Fossil 

^^nodus  sp.  ind,  Bkushausen,  Lamellibranchiaten  des  rhein.  Devons,  S.  27,  Taf.  II, 

%•  16,  das  ich  zu  Modiomorpha  epigona  Beushauskn  zog,  i&t,  wie  ich  mich  jetzt 

Qberzeogt  habe,  doch  von  dieser  Art  verschieden  und  bleibt  somit  an  der  Stelle 

Im  Sjstem,  die  ihm  Bbushauskm  als  Erster  zugewiesen  hat. 


H.Lon,t 

■  ItOEMElE  iMenliscli  seien.  Awf  diese  Vertnuthung  brachte 
wäA  der  Umstand.  da«s  beide  Formpo  zitfalreictie  dicbotODiireDill 
KpptB  aud  keinen  Sinus  aad  Sattel  haben,  und  das»  sie  beidJ 
t  auftretend  nur  mit  9pii^lich<^n  KoralleoreMen  lusaniiueL 
1  werden.  Auch  hatte  mich  Herr  A.  Dkkckuank  damaB 
nf  die  iti^prCnghche  Kalknatur  de«  Oretfeafiteiner  PeDtaja 
frin  |i^i»liili|,iitihn  Itiiir- 
baitnng  der  gemactte»  FbnJe,  JBe  rieh  HanrB..KATan'«HheMlBH 
tat,  wild  hoAntfieh  «im  «Jb  HrtiiAriilii^  »  diwarfti^  ki= 
bdfltbKn,  die  ao  nUreiohe  Oeologea  im  hdtrttnfimdm  'WiSmm 
hmchlftigt  luit 

WcBB  t»  Math  niete  gduigea  iak,   da*  fVwhwui  Oiii<ii  1 
aMtebeitd  ed  andtHeasai,  eo  eiBcheiat  nr  dodi  Sm  voa  BuiH 
»^  in  I 


dicgfsiige  cn  sdn,  die  das  VorinMuaea  am  bortaa  ciUbt.  : 
Qrafenatdner  Kalk,  anf  deaaui  atonlignipIriBdha'  SlalaiK  «i 
miten  in  aOer  KOne  eingcf;ai^eB  wecd—  aoB,  Kägt  fai 
800  Meter  n»  den  losen  NOclm  dea  PertaMiwa  OwtoMM  i 
imit,  and  jetit,  wo  beide  ToAonunoi  daai  HIlMldawon  nagaMtl 
werden  dOrften,  darf  man  wcAl  w3a  das  WaIrtAcnliehato  hmbI 
daaa  rie  einer  einzigen,  vei^lkniaanisi^  MaiMia,  ia  das  i 
gebende  Silnr  eingebrodienen  SdH^  jtngenr  Gesteiae  m 
hörten  >J. 


')  Bei's>iAi.fics,  t.  c  S.  6. 

*>  W&hrend  des  Druckes  leigt  mir  Herr  BratBADtKi  nn  St&ck  des 
mera*  rhaianu»    aus  der  Lchräammlmig    der   BergikadomiB,    desaen    uucban. 
Bchr  altas  Etikett  aasser  dem  SpodcsDamen  noch  «!•  HerkuaftsfoniiftlioD  >SL' 
gocephklenkalk*  uiführi.    Vielleicht    hat    hier  Jeinud   sckon  früher   die  wm 
Kalknatur  des  Gesteiiu  erkannt. 


/ 


U.  LoTx,  PoDtamcrus-Quarzit  uud  Greifcnstciner  Kalk. 


69 


Fig.  1. 

Lagepian 

des  Vorkommens  des  Greifensteiner  Ka/fcs  und  des 

Fentamerusquartites  im  Wald  N.W.  des  E/^ershäuser  Hofs 
(B/.Heröorn)  iSOOO. 


L.^^*^' 

H??' 


Schürf  graben  im  Gre/fenste/ner  Ka/k. 


^4tnk/e,  gt9n£€inf9  ScAiefer        H^ilfarb.  x.  T. grün f icher   Schichlm.  zaMr  fuemp/. 
^.Unsen  r.  quanif. ßr^uwacäe.    Kalk^  /v/'/s  dicht.feih     k  Pinacit^^  Jugltr»  u. 
(Sifur?)  körniff.  Aphfllites  sp.*p. 


■^ä^*» 


€Jnr /CoJkmTXmp/eMus  Rofer  Crinoidenka/k.       Dunk/eebenffäch/gerfio/t- 

hmrcynieu*.  schierer  (Mitfe/dewon  ?J. 

*■    *  ß/öcke  r.  fientamerusquart.it. 


70  H.  LoHBi  P6ntam«n»-Qaunit  und  OraifenftciDar  Kalk. 


2.  GreHtattiiiiar  Kalk. 

In  der  AuifassuDg  des  Greifensteiner  Kalkes  hat  sich  sei- 
Erscheinen  der  angefahrten  Arbeit  E.  Katsbr^s  und  Holzapfel'« 
in  der  ausser  einer  gedrängten  Litteraturübersicht  eine  genau« 
Versteincrnngsliste  gegeben  wird,  nichts  geändert  N.och  letsthia 
hat  Fkboh^)  die  Stellung  desselben  im  obersten  Unterdevon  ein 
gehend  zu  begrdnden  versucht,  während  jene  Forscher  ihn  an  dL 
Basis  des  Mitteldevon  stellen  und  ihn  filr  etwas  älter  wie  de 
»Ballersbacher  Kalk«^)  oder  ftlr  gleichaltrig  halten. 

Um  die  Lagerungsverhältnisse  des  Vorkommens  aufieukläreH 
wurde  ein  grosser  Querschurf  getrieben,  der  etwa  28  Meter  lais 
und  ziemlich  tief  (bis  zu  2,5  Meter)  angelegt  werden  mussb 
Die  Kalkbänke  streichen  im  Allgemeinen  in  h.  5  und  sind  siei= 
lieh  unregelmässig,  mit  wechselndem  Einlallen  nach  SO.  gelage^ 
auch  fanden  sich  grössere  Hohlräume,  um  nicht  zu  sagen  Höhloa 
darin.  Ohne  mich  zunächst  darüber  zu  äussern,  wo  sich  ^= 
eigentliche  Hangende  und  Li^ende  des  Kalkes  befindet,  sei  jess 
das  angetroffene  Profil  von  NW.  nach  SO.  kurz  augegeben: 

NW. 

1 .  Milde,  dunkle,  ebenflächige  Thonschiefer,  im  Schürf  4  M^ie 
entblösst. 

2.  Grobe,  duukelrothe  Criuoideukalkbänke   mit 
spärlichen  Versteiiierungeu  {Atri/pa  granulifera).  Dar- 
über in  weniger  grobkörnigem  Gestein  sehr  zahlreiche 
Capuliden,  gerippte  Spirifercn,  Pentamevus  und  zahl-  f        rother 
reiche  andere  Versteinerungen.   Die  bisher  am  meisten      Crinoiden- 
bekannten  und  gesammelten  Trilobiten  (Proetua^  Pha-  !        kalk, 
copify    Harpeft    u.    s.    w.)    finden    sich    neben    glatten  [     15  Mete 
Brachiopoden   u.  a.    am    meisten    in    den    bangenden 
Hanken.      Die   Kalkbänkc    werden   nach    oben    mehr 
dicht  und  plattig. 

0  Fkech,  Lethaea  palaeozoioa,  Bd.  II,  S.  166 ff.,  Tab.  X. 
^  a.  a.  0.  S.  259. 


H.  LoTz,  Pentameras-Quarzit  und  GreifcDtiteiner  Kalk.  71 

3.    Heller,  grünlicher,  zuweilen  auch  etwas  röth-  \  .    . 

'^her,  dichter  Kalk  mit  zahlreichen  Exemplaren  von  f 

''thoceras  %^.^  Pinacitea  Jugleri^  Aphyllites  sp.,  Spiri/er  i    ,  QRTi>r' 
/*a-j'»-  1   l*^öiVleter. 

^ciijferens  u.  s.  w.  ) 

4.  Hellfarbiger,    mehr    unreiner   Kalk   mit   ver-  \    hellfarbig., 
^'Uzelten     Lagen     von      weissem,     grobkrystallinem  r      unreiner 
C^rinoidenkalk     mit     sehr     spärlicher    P^auna     {Pro-  i       Kalk, 
^us  sp.).  )  2,50  Meter. 

5.  Unreiner,  weisslicher  Kalk,  ganz  erfüllt  mit  1  Amplea;u^' 
^mplexu»  hercyniais,  )  Kalk  1  Met. 

Kluft,  ausgeftkllt  mit  Kalkspath  und  Letten  0,25  Meter. 

Dunkle,  kurzschiefrige ,  glänzende  Schiefer  mit  j  im  Schürf 
f^inscii  von  feinkörniger,  quarzitischer  Grauwacke  ?  bis  3  Meter 
CSilur?)  )    entblösst. 

SO. 

Bei  weiteren  Schürfversuchen,  die  Herr  E.  Kayser  im  Sep- 
tember desselben  Jahres  im  Fortstreichen  der  Schichten  nach  O. 
5t\isfiihrcn  liess,  wurde  der  Goniatitenkalk  nicht  wieder  ange- 
trofteo,  sondern  der  rothe  Crinoidenkalk  war  beiderseits  von 
Schiefern  begrenzt. 

Wenngleich  durch  diese  Schürfarbeiten  die  Lagerungsverhält- 
i^isse  und  der  Schichtenverband  des  Vorkommens  immer  noch 
i:iicht  völlig  aufgeklärt  sind,  da  ja  Ober  die  Natur  der  angrenzenden 
Schiefer  nichts  Sicheres  ausgesagt  werden  kann,  so  sind  doch 
immerhin  einige  interessante  Ergebnisse  zu  verzeichnen. 

Zunächst  ist  die  geringe  Mächtigkeit  des  Kalkes  bcmerkens- 
xverth;  Maurer^)  schätzte  ihn  seiner  Zeit  nicht  mächtiger  wie  100 
Bieter. 

Dann  ist  vor  Allem  der  petrographische  und  faunistische  Un- 
tierschied  zwischen   dem  goniatitenreichen   hellen  Kalke   und  dem 
x-othen  Crinoidenkalke ,    in   dem    sich  Goniatitcu  anscheinend   nur 
spärlich    (Aphyllites  fidelis    Barr.,    Anarcestes   u.  a.)    finden,   auf- 

')  Maubkr,  Der  Kalk  bei  Greifenstein  N.  Jahrb.  f.  Min.,  Beilage-Bd.I,  H.1,  S.91. 


r   ist    bereite   von    ItilHntO    t—uifct    «wdeBj   i 

rair  ErUirnng  dendbrn  die  iiiiihiiiiliiw  iITImAbIiii  ivTlii 
benuttiefat'). 

NdMD  Oooiatitea  (tot  aUeai  PSmmekr'  Jn^lrri)  f%aA  eich 
dem  bdlen  Kalk  Spv^r  mtä^mm  Babe.  (=  Hjupü/tr  Sxdb.^  u 
L^ptaena  Ummiatma  BlSK.  in  grC— IBI  Menge,  M^rüta  Hau 
Babr^  ferner  Pondmüm  itpemäant  Bowilb  und  sehr  ii{>2rli 
Trih^tea  (firmteiia  jpMnmi*  Oqbda,  Ariifatpi*  p^ra  DaH 
AvefM  ip.). 

Der  rotbe  CriiuHdeiikalk,  der  hiehw  fint  wamiiämaJSA-  v 
den  Tenchiedensten  Sammlern  «oigebeatet  werden  iet,  hat  ban 
eine  «ehr  reiche  F«ni«  );e£elert:  Katrb  and  HoUAmb*)  dfti 
von  dort  nahe  an  60  Arten  ao^  von  denen  Ober  40  asA  am  di 
Kalk  TOD  Uneiüan  in  Btdunen  (Fi  BAMunnfi  i.  IV.)  bekn 
sind.  Oleidiwohl  gelang  es  dem  Verfamar  bä  ier  groeaelt  Maa 
des  TOD  ihm  and  Lehrer  ScHWALai-Obagmuebadi  veraHniM 
Materials  neoe  wichtige ,  Dir  die  BendHin|;en  von  Greift 
stein  ZD  Mnenian  interessante  and  «ach  Dir  die  BeartteOifng  i 
Horizontes  eveDtaell  in  Betracht  kommende  Formen  au&nfindi 
Bisher  waren  z.  B.,  obwohl  der  Greifensteiner  Kalk  ein  Grinoid« 
kalk  ist,  noch  keine  Crinoidenkclche  daraus  bekannt;  Maübbi 
beide  Arteo  toq  dort  sind  mir  auf  Stielglieder  gegrOndet. 
fand  sieb  jetzt  die  auch  für  dcu  Mueniaaer  Kalk  charakteristisc 
Cystidee:  Eucystites  (Proteocystitex)  ßacua  Barr,*)  in  einer  Rei 
von  Exemplaren.  Sehr  häufig  sind  in  deu  liegenden  (?)  Schicht 
Capuliden,  und  zwar  eine  gekrümmte,  grössere  —  etwa  dem  P< 
tifcera«  düjunctnm  GiEBEL  entsprechende  —  nnd  etwas  seltener  el 
gestreckte  kleinere  Form.    Damit  wird  eine  Bemerkung  Fbbgh'c 

I)  Uadrer,  a  a.O.  S.  91. 

*)  AntlerD  Forschem  scheint  nar  du  rothc  Geetan  bekumt  geweeea 
Ecio,  z.  B.  schreibt  Frech  in  seioer  Arbeit  lüber  die  pklioEoiaehen  Bildmii 
von  CsbriercBt  (Zeitscbr.  d.  DeulEch.  geol.  Gee.  1867,  S.  407}:  >Bs  ist  «■! 
schcinlich  nur  ein  ZaUl,  dftss  in  Böhmen,  bei  Greirenitun  nad  Citbiwres  < 
OoDi»tit«n  fast  durchweg  in  röthlichcni  Gcgteio  Torkomnien.« 

>)  a.  a.  0.  S.  256  f.  f. 

*]  Nach  der  frenndl.  Bestinunnng  des  Herrn  Fror.  Jabkkl. 

^  FucH,  Lethaea  pelMozoica  U,  S.  203. 


H.  LoTz,  Pentameras-Quarzit  und  Greifensteiner  Kalk.  78 

^Hbb  sdie  Capuliden  bei  Cabritlires  uud  Greifensteiu  iu  den  Hinter- 
grund   treten«,    hinfällig,    soweit  Greifenstein    dabei    in  Betracht 
kommt.   In  den  hangenden  (?)  Schichten  stellten  sich  dann  vor  Allem 
gerippte    Spiriferen   —    bisher    dort    unbekannt  —   ein,    darunter 
JD  grösserer  Zahl  Spiriftr  T/ietiJü  Barr.^),  der  dem  Spin/er  ele- 
gam  Stein,    sehr    nahe    steht    uud    Spirifer  aculeatus  Schnür    in 
einem  Exemplar,   das   allerdings   bei   seinem   mangelhaften  Erhal- 
tungszustand   keine    Papillcnskulptur    zeigte.      Damit    zusammen 
Wurde  in  zahlreichen    Exemplaren    eine    Pentamei^tM-Ari    aus    der 
Gruppe    des  mtUtiplicatua  F.  Koemer  gefiindeu.     Frech  hebt  bei 
Schilderung  der  »Greifensteiner  Facies«  das  »vollkommene  Fehlen« 
dieser  beiden  Typen  ausdrücklich  hervor^). 

Diese  wenigen  Hinweise  mögen  genügen;  die  Bearbeitung  des 
gesammten    Materials    wird     wohl    noch    mehr    Neues     bringen. 
^ur    auf    eines     möchte      ich     noch     hinweisen.        Obwohl     ich 
Mehrere    Wochen    auf    das    Sammeln     von    Versteinerungen    im 
^reifensteiner  Kalk  verwandt  habe,    gelang   es   mir  nicht,    irgend 
^inen  Rest  der  Gattung  Dalmanites  zu  finden,  von    der  nach  Fr. 
■Fhech's  Angabe^)    ein    Kopfschild    im    Hallenser   Museum    vor- 
'^^ndeu    sein    sollte.      Abgesehen    vom    Dalmanitensandstein    von 
Kloinlinden    bei    Giessen,    den    E.    Katser    wegen    einiger    der 
^2*^rin    enthaltenen    Versteinerungen    an    die    untere   Grenze    des 
^^itteldcvons  stellen    zu  müssen  glaubt,    dessen  Lagerungsverhält- 
^^>Bsc  aber  noch  gänzlich    unaufgeklärt  sind,   kommen  Dalmaniten 
**^>  deutschen  Palaeozoicum  sonst  nur  im  tieferen  Unterdevon  vor, 
^^Ud    ein    Dalmanitenrest    müsste    also    dem   Greifensteiner    Kalk 
^'^€n  etwas  alterthümlichen  Anstrich  verleihen.     Herr  Geh.  Keg.- 
"^^^th  Professor  Dr.  von  Fritsch  war  so   liebenswürdig,   mir  das 
^-^Ock  auf  meine  Bitte  zu   übersenden.     Ich   lasse   hier  zwei   ver- 
schiedene Ansichten  desselben  folgen. 


*)  Aus  dem  Greifenstoinor  Kalk  des  Sonnberges  bei  Günterod  bekannt. 
^^Tgl.  aach  Scupix,  Spiriferen  Deulschlands  (Palaeont.  Abb.  y.  Dames  u.  Kayskr 
^-  P.IV,  3)  S.  98. 

«)  a.  a.  0.,  S.  132. 

^  Fkbch,  üeber  d.  rbeinische  Unterdcvoo  und  die  StcUang  des  »HercjD«. 
^tschr.  d.  DeatscL  geol.  Ges.  1889,  S.  266. 


74 

D»  bagUtenda  BOaUe  bmf  ■Hiiiliiiiiii  im  A>(alle 
Fnoa'a  die  Anftdirift:  *Daimamlm  (Oilnmintet)  m.  tp-lMiSrnmi 
BUR.  I,  L  37,  C  18<. 

Tergkicbt  nnn  du  TOrliigaide  SMek  >it  dir  tiw  i^>- 
nigeiwii  Kgor  Babbakdi*«,    ao  OUt  M  aoftlt  aa^'  dan  as  «adar 


fv-t- 


ISfrl 


BE^      i^p 


die  dort  BogedeDteteii  gitMwn  Wai^enstadidii,  aoA  du« 
noch  diB  herrorquelleDden  Augen  dendbeD  hat,  äam  et  mtimm  Et^ 
aohioifl  aberhsu|)t  kein  Dalmanit  sein  kuuL  Die  gewfillite,  fareito 
GbbellA,  die  «bgerandeten  Wangen,  Iran  die  guse  OeeUlt  weiwB 
den  Kopfrest  vielmehr  zur  Gattung  Phaeop«,  etwa  in  die  Grappe  des 
I%./ecutuiu»  Barr.  Etwas  ungewSlialich  ist  allerdings  die  starke 
Ausbildung  des  vordersten  Seiteufurcbenpaares,  obne  dass  jedoch 
eigentliche  Seiteulappeu  vorbanden  sind.  Ich  halte  dies  aber  fttr 
eine  mehr  oder  weniger  uebeDESc bliche  Erscheinung,  die  vom 
Alter  des  Tbieres  und  vom  Erhaltungszustand  des  betreffenden 
Stückes  abhängig  sein  dflrfte.  Jedenfalls  dQrfle  das  Vorkommen 
von  Dalmanitenrcsten  im  Greifensteiner  Kalk  zunächst  noch  nicht 
bewiesen  sein. 

Es  liegt  nicht  im  Kabinen  dieses  Berichts,  auf  die  speciellen 
Beziehungen  des  aufgefundenen  goniatitenreichen  Kalkes  zu  andern 
ähnlichen  eiiiziigeheo.  Vorher  muss  eine  genaue  pal&ontologiache 
Bearbeitung  der  von  mir  getrennt  gesammelten  Faunen,  nament- 
lich aber  der  zahlreichen  Goniatiteu,  die  bisher  von  dort  sehr 
spärlich  in  den  Sammlungen  vertreten  sind,  zugleich  unter  Herau- 
ziehuug  anderer  etratigraphisch  sicher  festgelegter  Goniatitenfaunen 
stattfinden.  Sie  wird  zeigen  mflssen,  ob  beide  Faunen,  die  des 
hellen    und    des    rotben   Kalkes,    ein    zusanmiengeböriges  tiao^ 


H.  LoTZ,  Pentamenis-Qaarzit  und  GreifensteiDer  Kalk.  75 

fc/ideo  oder  nicht.  Die  Aufschlüsse  im  Schürf  scheinen  fllr  ein 
Joeinanderübergehen  ohne  eine  trennende  Störungszone  zu  sprechen. 

Bei  der  Behandlung  dieser  Frage  wird  man  vor  Allem  die 
Lagerungsverhältnisse  andrer  Vorkommen  von  Greifensteiner 
Kalk  berücksichtigen  müssen. 

Am  Krummberg  und  Sonnberg  bei  Günterod  sind  bis  jetzt 
überhaupt  noch  keine  Goniatiten  in  dem  dort  blaugeförbten 
Greifensteiner  Kalk  gefunden  worden^).  Am  erstgenannten 
Berg  bildet  er  eine  Linse  in  demselben  schmalen  Band  von 
»Teotaculitenschiefer« ,  dem  auch  der  klassische  Fundpunkt 
Rlr  »Günteroder  Kalk«  —  in  800  Meter  Entfernung  im 
Streichen  der  Schichten  gelegen  —  angehört;  am  Sounberg 
liegt  er  im  Tentaculitenschiefer  dicht  an  dessen  Grenze  gegen 
älteren  Schalstein  ^). 

Weiter  fand  M.  Koch  ^)  am  Schwengskopf  im  Harz,  zwischen 
Ilsenburg  und  Wernigerode^  dass  Goniatitenkalke  mit  PiiwcUes 
Jugleri^  Anarcesies  lateaeptaius  u.  s.  w.  von  körnigen  grauen,  stellen- 
weise rothen  Crinoidenkalkeu  mit  der  Greifensteiner  Fauua  (da- 
runter Aphyllites  ßdelis^  Mimocerm  gracile)  begleitet  wurden.  Die 
stratigraphischen  Verhältnisse  sind  hier  noch  nicht  völlig  sicher 
klargelegt  und  aufgeschlossen,  doch  glaubt  M.  KoCH  sie  wie  folgt 
auffassen  zu  können.  Vom  Liegenden  zum  Hangenden  folgen 
sich:  Wissenbacher  Schiefer,  Goniatitenkalk  mit  Pinaciten  Jitgleri^ 
Anarcestes  lateseptatus  und  darüber  schliesslich  Greifensteiner  Kalk 
mit  der  a.  a.  O.  aufgeführten  Fauna. 

Von  grösster  Bedeutung  für  die  Beurtheilung  der  stratigra- 
phischen Stellung  des  Greifensteiuer  Kalkes  scheint  mir  eine  Be- 
obachtung A.  Denckmanns  zu  sein,  die  bisher  unbeachtet  ge- 
blieben ist.  In  seiner  Arbeit  »Zur  Stratigraphie  des  Oberdevon  im 
Kellerwald  und  in  einigen  benachbarten  Gebieten«*)  beschreibt  er 
»das    linsenförmige  Auftreten    von    lichtgrauen   bis  gelblich-  oder 

')  Vgl.  die  Liste  bei  Kaysrr  und  Holzapfel,  a.  a.  0.  S.  256. 
*)  Beides    nach    den  Aufnahmen  E.  Kayser's    (B1.  Oberschcld    der    geolo- 
gischen Specialkarte  1:25000,  das  sich  im  Druck  befindet). 
3}  Zeitschr.  d.  DeuUcli.  geol.  Ges.  1898,  S.  25. 
*)  Dieses  Jahrbach  für  1894,  S.  U. 


76  B.  Um,  Pwti 

rStUidt-gnuitin  Criiioideiikalken,  du  aa  atoorStdle 
Mkobtigkeit  «iBchwilh,  in  den  Eudälkea«.  & 
peth^raphiscbe  IdentiUt  dieser  dinmdeokaBis  Mit  dam  Grdfim- 
•täner  Kalk  hin,  dessen  ptlftcmtologisdier  Ae^BtT^eoz  die  voc^ 
baodene  Fanoa  nicht  widerspridie. 

Im  Sommer  1900  iiat  mm  Herr  Lehret' Schwalm,  deaMaKJw 
^  Sammlnäg  der  geolc^fischen  LaadiwanstsH  tiAea  m>  maoob» 
wertliToUe  Bereioh«niDg  Terdmkt,  auf  Vetmnl— wag  des  Hena 
DmrCKiuini  abermals  in  diesen  Kalken  geaofaOrft  and  ^iniiiBiiiiilt 
Das  gnt  erhaltene  Material  stammt  ans  einem  irtlthlirtinn  Kalk 
nud  stellt  zwar  keine  so  rnche  Fanna  dar,  wie  öe  das  aägfoiV 
liebe  Greifensteiaer  Voricommen  endiiH,  aetgt  ^ber  dook  die 
diarakteristisdien  Arten  in  solcher  Ifenge,  daas  maa  an  der 
paliontologiscben  Uebereinstimmung  mit  dem  Orafeutniier  CM* 
noidenkalk  nicht  mehr  zweifeln  kann.  Bei  «ner  vorltafigcn 
Dui-duidit  dieses  Materials,  sowie  de«  ilteren,  ftm  A.  DmcKUm 
herrflhrenden  fimden  sich  folgende  Arten: 

Proettt»  crbitaiua  Babr.  sehr  Kahlreioh. 
>       eremüa         »       häufig. 
B       äff.  crasnmarffo  A.  Uobher. 
planicauda  Barr, 
l^acops  breciceps  BaRR. 

»       fecundtts  var.  major  Barr. 
Bronteua  (Thysanopeltü)  «peciosua  Corda. 
Dronteus  ap. 
Gonialites  sp.  &p.  (3  y^tmächst  nicht  weiter  bestimmhai 

Bruchstücke). 
Ort/iocera«  sp. 
Capulu«  sp. 
SpiHfer  indifferens  BakR.  ^  Hnguifer  SST>B.  häafig. 

»  B  war.  obesa  BaRR. 

Meriata  /iaucta  Barr.      • 

»      secuns       »  J     häufig. 

»      paaspf     /»  * 

»       ncalpi-uin  F.  RoEMER 
und  andre  glatte  Bracbiopoden  in  grosser  ^ahl. 


H.  Lorz,  Pentamerus-Quarait  and  Grcifensteiiier  KaIü.  7? 

Leptagoniu  rhomboidalis  Wahl. 

Leptaena  tenuUsima   BaRR. 

Tiaracrinue  (Staurosoma)  tetral'ih-a  ii.  sp.  JakKel^). 

Cladockotius  sp. 

Amplexus  sp. 
»teres  Nachforschen  wird  aicherlicli  uoch  mehr  gemeinsame 
m  Tilge  fördern.  Alle  bereits  geuaimten  sind  aber  iu 
(tein  sowohl  wie  in  Mnenian  charakteristisch  und  häufig; 
neu  beschriebene  Cystoidee  hat  eine  entsprechende  Ver- 
in  Maeuiau  durch  Tiaracrinus  (Utauiosoma)  rarus'RkjeR.^). 

■rt  Prof.  Jaekel  hntte  die  Liebenswürdigkeit,  das  Stück  zu  bestimmen  nnd 
ade  kurze  Artbeschreibung  znr  Verfügung  zu  stellen: 

dar  Theca  ist  nur  die  untere  Hälfte  mit  der  Basis  und  den  für  die 
ebr  charakteriitischeii  4  Porenrauten  —  übrigens  grösstentheils  als  Stein- 
trhkiten.  Hiemach  l.lsat  sich  zur  Definiüoo  der  Art  zunächst  nor  Fol- 
igeben:  Die  Theca  besteht  aas  einem  vierseitigen  Kegci,  dessen  untere 
rek  die  Basis  ängeuommcD  winl.  Die  letztere  ist  klein  nnd  l&sst  die 
jsetznng  ans  vier  Stücken  kaum  noch  nahniehmen.    Der  kegelfCrmige 

Thoca  ist  scharf  vierseitig,  seine  Seiten  nahezu  oben.  Die  die  letz- 
(•tEenden  Baul«n  eothalton  nur  (i  Faltenporen,  deren  Mundungen  nach 
ch  abgebrochene  Höcker  auf  dem  Steinkern  deutlich  hcirortretcn.  Aaf 
slen  Mittcllinia  der  Rauten  tritt  die  Plattongrcnze  als  erhabene  Linie 
ems  zwischen  den  beiderseili|{en  Kauten  hü  Iften,  auf  jeder  Platte  an  den 
es  Kegels  eine  flache  Leiste  hervar.  Die  Oberseite  der  Theca  über  den 
aien  Seitenflächen  war  eingesenkt,  ist  aber  zu  näheren  Feststellungen 
genug  erhalten.  Die  Grüsse  der  TOrlie^cnden  Theca  betr.lgt  m  der  Dicke 
)  Höhe  dürfte  etwa  10  mm  betragen  liaben.  Von  den  bisher  bekannton 
L  Jakkül,  Stammesgeichichte  der  Pclmatozoon,  Bd.  1,  S.  345)  nnter- 
tich  die  vorliegende  darch  die  geringe  Zahl  der  Porenfaltcn  in  den 
otz  stattlicherer  Grüase,  und  die  fast  ebene  Form  der  Rauten n Sehen.' 


Tiarnntnui  tvdraeilra  n.  sp.  Jabkei.. 
:1.  die  durch  Kavsrk  a.  Holzapj'ei,  a.  a.  0.  S.  äCS>  gegebene  Fossilliste 
ifiii,  sowie  Jakkbi.,  Stamme^eschichte  der  Pelmatozoen,  Bd.  I,  S.  34&, 


78  H.  LoTz,  PenUmerus-Q'iarxit  and  Groifenstoiner  Kalk. 

Aus    dem    Mitteldevon    ist    sonst    noch    Tiaracrinus    quadrifroM 
ScHULTZE  aus  der  Eifel  bekannt  geworden. 

Der  Crinoidenkalk  mit  der  oben  genannten  Fauna  tritt  nun, 
wie  bereits  erwähnt,  als  Linse  in  den  »Ensekalken«  A.  Dekck- 
mann's  auf  und  zwar  nahe  ihrer  oberen  Grenze.  Diese  selbst 
lagern  über  den  Orthoceras-  (Wissenbacher)  Schiefern.  .  Im  grossen 
Ganzen  dürften  die  Ensekalke  dem  Günteroder  Kalk  E.  Katser^s 
entsprechen,  jedoch  wird  man  einstweilen  an  dem  Namen  »Ense- 
kalk«  festhalten  müssen,  so  lange  das  Alters verhältniss  des  »Ballers- 
bacher  Kalkes«,  der  dem  Greifensteiner  ungefilhr  gleichaltrig  sein 
soll,  zum  Günteroder  Kalk  noch  nicht  sicher  festgelegt  worden 
ist.  Das  Crinoidenkalkvorkommen  der  Ense  liegt  jedenfalls  nicht 
an  der  unteren  Grenze  des  Mitteldevon,  da  ja  die  Wissenbacher 
Schiefer  unter  dem  Ensekalk  ebenfalls  noch  zum  Mitteldevon  ge- 
hören,  sondern  es  grenzt  bereits  an  den  »Odershäuser  Kalk<:, 
den  Denckmann  sowohl,  wie  Holzapfel  und  Katsbr  schon  in 
das  obere  Mitteldevon,  an  die  Unterkantc  des  Stringocephalen- 
kalkes  setzen. 

Burhenne  ^)  erwähnt   noch   das   Vorkommen   von  Crinoiden- 
kalken,    >anscheinend  Greifensteiner«,  in  den  Tentaculitenschiefern  ^ 

von  Tiefenb.ich  bei  Leun  a.  d.  Lahn,  ohne  jedoch  Näheres  darüber  'i* 

mitzutheilen. 

Auf  den  üreifensteiner  Kalk  von  Mnenian  und  Cabrieres-),  -r« 
aus  dem  Altai  •^)  und  von  anderen  Orten  hier  näher  einzugehen,  ^  * 
erübrigt    sich  für  mich  aus  leicht  hegreiflichen  Gründen. 

Nach  dieser,  wenn  auch  nur  kurzen  Uebersicht  scheint  mir  ^m  v 
die  Behauptung  Frech's*),  dass  die  Zweifel  über  die  Stellung  der  ^m:  v 
Greifensteiuer   Kalke    beseitigt    seien«,    entschieden  verfrüht.     Im    -mt  ji 

Gegentheil,  die  Lösung  der  Frage  steht  noch  dahin;  sie  wird  er 

Schwert  durch    den  Umstand,    dass    die    älteren  Goniatiten    einer-^*rr 
gründlichen,    zusammenfassenden  Durcharbeitung,    die  in  gleicher  ^w 

^)  Blhhesne,    Fauna    di*r    Tontaculitenscliiefer   im    Lahngebiet.    Abhdlg.  d    — 
geol.  J.andesaTist.,  N.  Folge,  H.  21),  S.  7. 

'-*)  Frech,  Letliaoa  palaeozoica  II,  S.  197. 
^)  ebendort  S.  1S7. 
*)  ob<»ndort  S.  202. 


U.  LoTz,  Pentameras-Quarzit  und  Greifensteiner  Kalk.  79 

Weise  stratigraphischen  und  paläontologischen  Gesiclitspuukten 
EiechnuDg  trägt,  noch  ermangelD,  was  zum  grössteu  Theil  daran 
liegt,  dass  gutes  Material  aus  sicher  festgelegten  Horizonten  selten 
ist.  Auch  muss  man  berücksichtigen,  dass  das,  was  man  als 
»»Greifensteiner  Kalk«  schlechthin  bezeichnet,  nicht  unbedingt 
gleichaltrig  zu  sein  braucht,  sondern  vielleicht  nur  derselben  Fa- 
zies  angehört.  Ich  wies  bereits  auf  die  Verchiedenartigkeit  in 
jer  Goniatiteuführung  der  einzelnen  Greifensteiner  Kalkvor- 
kommeu  und  besonders  auf  die  des  namengebenden  Vorkommens 
äelbst  hin.  Ehe  nicht  die  Goniatiten  desselben  einer  erneuten 
Revision  unterzogen  worden  sind,  kann  man  kein  endgiltiges  Ur- 
theil  fällen,  wohl  aber  darf  man  sagen,  dass  nachdem  Crinoideu- 
kalke  vom  Typus  des  echten  Greifensteiner  hoch  oben  im  unteren 
Mitteldevon  nachgewiesen  worden  sind,  das  mitteldevonische  Alter 
des  rothen  Crinoidenkalkes  von  Greifenstein  fester  als  zuvor  be- 
gründet erscheint.  Sollte  es  sich  nach  der  Verarbeitung  des  neuen 
Materials  herausstellen,  dass  er  (und  ebenso  der  rothe  Kalk  von 
Mnenian)  von  Kayser  und  Holzapfel  mit  Recht  an  die  Basis 
des  Mitteldevon  gestellt  worden  ist,  so  wird  man  in  Zukunft  mit 
der  Verwendung  des  Namens  »Greifensteiner  Kalk«  als  Ilorizont- 
bezeichnung  vorsichtiger  sein  mQssen;  derartige  Bildungen  hätten 
sich  dann  zur  Zeit  des  unteren  Mitteldevon  mehrfach  wiederholt. 
Hierauf  könnten  auch  die  Beobachtungen  Katzer's^),  E.  Kayser's 
und  Holzapfbl's ^)  hindeuten,  wonach  Mnenianer  Kalk  und 
Knollenkalke  des  6^  nirgends  in  deutlicher  Ueberlagerung  zu 
beobachten  sein  sollen,  sich  vielmehr  zu  vertreten  scheinen,  auch 
»nicht  selten  in  Mitten  typischer  G^-Kalke  röthliche,  dem  Mne- 
nianer Gestein  sehr  ähnliche  Kalke  auftreten«  ^). 

Andrerseits  könnte  uns  der  Erfahrungssatz,  dass  gewisse  Ge- 
steinsausbildungen in  unserem  Paläozoicum  auf  weite  Er- 
streckunsren  hin  aushalten  und  sich  als  äusserst  werthvoll 
für     die     Stratigraphie     erweisen,     veranlassen,     allen    den     er- 

')  Katzer,  Geologie  von  Böhmen  S.  1026. 
^  Kayser  und  Holzapfel,  a.  a.  0.  S.  27G. 
'0  Kaysbb  und  Holzapfel,  a.  a.  0.  S.  270. 


so  H.  LoTz,  PeDtamcros-Qoanit  and  GreifcnsteiDer  Kalk, 

wihnteu  Vorkommen  Greifensteiner  Kalkes  dieselbe  St( 
zuzuweisen,  wie  sie  das  des  Ensebergs  nach  den  An) 
A.  Dekckmanv^s  einnimmt  Dann  wikrde  so  manches  in 
Kalken  des  oberen  Mitteldevon  auftretende  Faunenelement, 
bisher  als  ^Superstit«  etwas  auffallig  war  und  seine  nac 
Verwandten  im  Greifensteiner  Kalk  hatte,  eine  ganz  natö 
Erklärung  finden.  Ich  bin  jedoch  weit  davon  entfernt.  < 
Crinoidenkalk  ohne  Weiteres  denselben  stratigraphischen  A 
beizulegen,  wie  einem  echten  Goniatitenkalk. 

Berlin,  den  31.  März  1901. 


lieber  Wallberge  auf  Blatt  Nangard. 

Von  Herrn  M.  Schmidt  in  Berlin. 


Die  von  Herrn  Dr.  WünSTORF  und  mir  im  vergangenen 
Sommer  auf  Blatt  Naugard  ausgeführten  Aufnahmen  gaben  Ge- 
legenheit zum  näheren  Studium  einer  Anzahl  von  wallartigen 
Hügeln,  die  mir  durch  ihr  unvermitteltes  Auftreten  in  der 
Landschaft  schon  bei  der  Betrachtung  des  topographischen  Bildes 
^<*s  Messtischblattes  aufgefallen  waren. 

Diese  Wallberge^)  steigen  mit  steilen  Böschungen  bis  etwa 
^O  Meter  Höhe  auf,  sind  oben  oft  nur  weuige  Meter  breit  und 
^ ^reichen  nur  selten  die  Länge  von  1  Kilometer;  doch  treten  sie 
*^^hrfach  zu  längeren  Zögen  von  mehreren  Kilometern  Länge  zu- 
^5^mmen.  Die  im  einzelnen  in  ihrer  Richtung  sehr  wechselnden 
^\'^älle  folgen  in  den  Zögen  stark  geschlängelten,  auch  sich  gabeln- 
^*^n  Linien,  die  mit  ähnlichen  Vorkommnissen  auf  einigen  Nachbar- 
*^lätteru  ein  grösseres  System  von  etwa  nordsödlicher  Haupt- 
Dichtung  zu  bilden  seheinen.  (Siehe  das  Uebersichtskärtchen  auf 
5^.   83). 

Fast  ausnahmslos  sind  die  Wallberge  flachen,  zum  Theil 
^ogar  vertieften  Abschnitten  des  Geländes  aufgesetzt.  Besondere, 
"^on  Alluvium  erfüllte,  schmale  Depressionen  begleiten  sie  oft  auf 
^iuer  oder  auch  auf  beiden  Seiten. 


')    Die  BezeichDQDg  ist  rein  morphologisch  yerstanden,  ohne  Beziehung  znm 
Begriff  der  Asar. 

Jahrbach  1900  Q 


lieber  ihr  Verhalten  gegenöber  den  eoastigea  charakteristischen 
Oltederu  dieser  Diluviallaudgchaft  sei  bemerkt,  dass  s!e  Kur  Ijfiug^- 
ricfatuDg  der  hier  so  verbreiteten  DnimlinbildungeD '),  sowie  dor 
mehrfach  vorhandenen  Schuielzwasserriünen  im  Grossen  undGan/eii 
parallel  verlaufen,  dagegen  auf  die  fast  ostwestliche  Ri(.-htuiig  der 
grossen  Eisraodth&ler,  vor  allem  des  auf  Blatt  Zickerke  sehr 
scharf  begrenzten  hinterpommerschen  Urstromthales^},  und  den 
ihnen  entsprechenden  Verlauf  der  spärlicbeu  Eudmoränenbildungen 
der  Gegend  von  Gülzow  und  Pribbernow^  etwa  rechtwinklich 
aufstosaen.  Die  Wallberge  liegen  also  in  der  Richtung  deg 
Eisfitromes  und  könnten  biemacb  zunächst  wohl  den  Glauben 
erwecken,  dase  wir   Asar  in  ihnen  zu  sehen  b&tten. 

Die  u&here  Untersuchung  der  Wfille  hat  indessen  fär  eine 
solche  Deutung  derselben  keine  Anhaltspunkte  ergeben.  In  keinem 
der  zahlreichen  und  zum  Theü  sehr  instructiven  AufschlfUse  auf 
Blatt  Naugard  hat  sich  der  Bau  typischer  Asar,  so  vfie  deren 
zeitweilig  etwas  scbwankpnder  Begriff  jetjit  in  der  deutschen 
Glaciallitteratur  gemeinhin  verstanden  wird,  feststellen  lassen,  d.  )i. 
eine  in  der  Hauptsache  horizontale  Auischichtung  ÜuvioglacialeqB 
Materials  auf  der  Grundmoräne,  oder  allenfalls  in  einer  Rinne  ihreH 
OberBäche.  ^ 

Dagegen  zeigten  verschiedene  gute  Aufschlüsse,  vor  Allem 
die  grosse  Sand-  und  Grandgrube  dicht  bei  NMigard,  auf  der 
flachen  Plateaninsel  des  »Werder«,  eine  in  ihrer  Symmetrie  wohl- 
erhaltene  Aufpressung  unteren  Diluviums,  die  so  tief  greift, 
dass  auch   die  Untere  Grundtnoräne^)  mit  erfasst  wurde  and  wie 


')  K.  Ekilhaoe.  Die  DmmliiilaQcUchsrt  io  Norddentadiluid,  DieMi  Jüv- 
bnch  für  1897,  S.  163—188. 

*)  K,  Ebiuiack.  Die  Stülstandslageii  des  letzten  Inluid^BW  und  di«  hjdro- 
graphische  Entwickelnng  des  pommerscheii  Eüstengebietaa.  Dieses  Jaluboek 
för  1898,  S.  114,  Tt  Vm. 

»)    K.  EULHAOK  1.  c.  S.   117. 

*)  Die  Znwsisiug  dieses  tteferen,  immer  durch  mindesteiis  änige  Hettr 
mftchtige,  geschichtet«  Flaviogluiialbildiuigea  von  dar  Oberen  Gmndmorine  gs- 
trennten  Geschiebemergels  xnm  Unteren  Dilaviiun  erfolgte  zonSchst  sos  practisehm 
Gründen,  nie  es  in  allen  fthnlichen,  infolge  mangelnder  Ansbildong  denüicher 
IntergUcialbildiingea  nicht  n&her  xn  beweisenden  Pillen  in  der  norddentscheo 
tlschisodskartirung  zu  geschehen  pflegt.     Für  die    in  vorliegendem  Anfsati  b«- 


IL  Schmidt,  Heber  Wallberge  anf  Blatt  Naogard. 


88 


W§Hbirj§ 


tndmorsnen 

1*200000, 


Drumlins. 


■iOKm. 


6* 


u 


M.  SoBMv  IMmt  WiMIml 


ein  Biff  oder  eiii  Gang  wdMnii  den  Kmoi  des  gumm'WiSkm 
bildet  (mhe  Profil  I>  Die  Ä»  der  AttArtMorngMi  i|td|A« 
in  der  Btditong  der  WiUe.  Die  nnteneldhettden  fräKUkitamm 
laeaeo  eine  eingehende  Beeohreibnng  der  einsdnen  AnfipriUBMe 
fiberflOseig  ereoheinen*  Sie  seigen  andi,  wie  dnige  Aiifbddtteee 
dnrch  das  Versteoktbleiben  des  Randes  der  (Mmubd  OmndmiiriUie 
unter  dem   der  Flanke  des  Walles  angelagerteB  Oberoi  Sande 


ProfiUkissen  der  WsUbergc 


I. 


li. 


III. 

weniger  deutlich  sind  (Profil  II,  linke  Seite),  bei  anderen  die 
Aufpressuug  nur  den  Unteren  Sand  ergriffen  hat.  Die  Obere 
Grundmoräne,  die  auch  stärker  aufgepresste  Wälle  hie  und  da 
ein  Stück  überkleidet,  bildet  bei  den  schwächeren  unter  Umständen 
eine  ziemlich  mächtige  Decke  (Profil  111).  Auf  Wallbildungen 
dieser  letzteren  Art  und  ihre  tektonische  Natur  habe  ich  vor 
Jahren^)  bei  der  Besprechung  der  geologischen  Verhältnisse  auf 
dem  nördlich  anstossenden  Blatt  Zickerke  hingewiesen.  Von 
ihnen    ist    nur    ein   Schritt  zu    den   von  K.   Keilhack  von   dem 


handelten  mehr  tektonischen  Fragen  ist  die  Zuweisung  der  die  Obere  Grand- 
moränen schiebt  unterlagernden  Diluvialschichten  zum  Unteren  Diluvium  an  sieb 
fast  ohne  Bedeutung. 

»)  Dieses  Jahrbuch  für  1898,  S.  CGI. 


M.  Schmidt,  üeber  Wallbergo  auf  Blatt  Naagard.  85 

Nordwestlich  von  Blatt  Naugard  gelegenen  Blatt  Moratz  be- 
^hriebenen^)  Wallbildungen  au8  Oberer  Grundmoräne,  die  ich 
in  dem  Uebersichtskärtchen  mit  verzeichnet  habe.  Auch  in  ihnen 
ist  übrigens  in  einem  Falle  ein  Kern  von  Unterem  Sande  be- 
obachtet. 

Es  ist  nun  nicht  unwahrscheinlich,  dass  die  vor  dem  end- 
göltigen  Abschmelzen  im  Eise  noch  vorhandene  »Innen moräne«, 
die  in  seinen  untersten  Regionen  streifig  vertheilten  Schuttmassen  ^), 
die  bis  zum  Abschmelzen  noch  suspendirt  geblieben  waren,  in 
dieser  Gegend,  wo  die  Obere  Gnindmoräne  im  Durchschnitt 
überhaupt  nur  wenige  Meter  mächtig  ist^  einem  nicht  unwesent- 
lichen Bruchtheil  derselben  entspricht.  Danach  könnte  man  zu 
der  Annahme  kommen,  die  fraglichen  Gebilde  seien  Asar,  die 
durch  Aufpressung  erhöht  und  zuletzt  durch  Sedimentation  der 
Innenmoräne  mit  einem  Mantel  aus  typischer  Grundmoräne  an 
vielen  Stellen  bekleidet  wurden.  Aus  welchen  Gründen  stellten 
dann  aber  die  subglacialen  Bodenströme,  in  deren  Wegen  die 
Aufschüttung  und  Aufpressung  dieser  Asar  stattfand,  gerade  in 
der  letzten  Periode  der  Abschmelzung  ihre  Thätigkeit  ein?  Denn, 
wenn  sie  bis  zuletzt  lebendig  waren,  hätten  sie  successive  das  in 
ihren  Bereich  gelangende  Material  der  Innenmoräne  mit  verarbeitet 
und  die  Ablagerung  typischer  Grundmoräne  nicht  geduldet. 
Femer  musste  aber  auch  eine,  an  sich  wohl  denkbare,  Asbildung 
in  älteren  Stadien  der  letzten  Vereisung  mit  den  tieferen  Schichten 
der  Oberen  Grundmoräne  in  gewisser  Lagerungsbeziehung  stehen, 
sodass  Spuren  einer  Auflagerung  auf  eventuelle  ältere,  oder 
wenigstens  einer  Verzahnung  oder  sonstigen  Verknüpfung  mit 
den  ihr  gleichaltrigen  Lagen  derselben  nachzuweisen  sein  müssten. 
Doch  ist  von  alledem  nichts  angetroffen.  Vielmehr  grenzt  der 
Sandkem  scharf  und  ohne  Uebergangsbildungen  an  die  ange- 
lagerte oder  den  Wall  überkleidende  Decke  von  Grundmoräne, 
wie  bei  normaler  Ueberlagerung,  nur  mit  dem  Unterschiede,  dass 
die  Begrenznngsfläche  durch  die  Aufpressung  aufgebogen  erscheint; 


1)  Dieses  Jahrbnch  f&r  1898,  S.  CXCY. 

^    Siehe  E.  v.  Drtqalski.    Grönland-ExpeditioD   der  Gesellschaft  für  Erd- 
kunde, 1897,  I,  S.  105,  Tf.  27  and  28  and  S.  530-31. 


M.  SoHHort,  UeUer  WiillbarKe  auf  Blatt  Nungurd. 


uud  die  G rund moräneu decke  selbst,  die  an  tiianchen  Stclleu  i-ei-hl 
mftcbtig  wird,  macht  ganz  den  Eindruck  einer  continuirlichei 
Fortsetzung  der  ganzen  Grundmoräue,  die  rechts  und  lioka  ii 
ungestörter  Lagerung  vorhanden  ist.  Was  schliesslich  die  Tie'i 
der  Ausbildung  der  Wallberge  betriÖl,  so  werden  wir  weitei 
unten  uoeh  einmal  auf  die  Gründe  zurflokkouimen,  die  (tborhaup 
dagegen  sprechen,  dass  sie  eher  als  in  der  letzteu  Abschmelzperii>dt 
des  Inlandeises  entstanden  sind. 

Wir  haben  es  also  in  den  Wallbergeu  von  Blatt  Naugan 
mit  reinen  Aufpressungen  zu  tbuu,  die  ohne  nachweisbare  vor 
berige  Asanlage  sich  empurwölhten.  Sie  entfallen  also  nach  Allem 
was  über  sie  bis  jetzt  bekannt  ist,  unter  den  Begriff  der  Durch 
ragungen,  und  zwar  zeigen  sie  mehrfach  einen  in  seiner  sym 
metrischen  Antiklinale  wohlerhalteneu  und  durch  die  sonst  oicbi 
hänSge  Betheiligung  Unterer  Grundmoräne  besonders  reicbci 
Typus  derselben. 

Solche  Durchragungen  mit  riffartigem  Kern  von  Geschiebe' 
mergel  beschrieb  z.  Ii,  G.  Berendt')  von  der  Mühle  bei  Dauer 
balbwegs  zwischen  Pasewalk  uud  Prenzlari,  und  zwar  als  Asar 
Auch  in  den  von  E.  GBinitz^  beschriebenen  »Wallbergen« 
Mecklenburgs,  die  er  ebenfalls  sämmtlicb  als  Asar  der  letzten 
Eiszeit  erklärt,  finden  sich  mehrfach  analoge  Erschein ungen. 
Ferner  sind  sie  von  H.  Sohrödbr^)  zwischen  Prenzlau  und 
BrOseow  und  von  L.  Bbdshausbh  Östlich  der  Randow  beobachtet 
In  diesem  klassischen  Gebiete  der  Durchragnngeu  ist  auch  die 
hier  so  verbreitete  Begleitung  der  Wälle  durch  von  Alluvium  er 
fUllte  Senken  keine  Seltenheit.  Auch  fQr  den  geschlängelten 
Verlauf  der  Wallbergreihen,  sowie  die  auffallenden  Gabelbildungen 
bietet  jene  Gegend,  wie  aus  den  genannten  Arbeiten  ku  ersehen 
ist,  Analoga.  Eine  andere,  dort  zuerst  durch  L.  BbdshadSen*) 
betonte  Eigenschaft  der  Durchragungen,  dass  sie  gern  von  Oberem 

■}   Zeitschr.  d.  Deatsch.  geol.  GenelUch.  Bd.  40,  1883   S.  485. 
*)  XTV.  Beitrag  zur  Geologie  Mecklenburgs.    ArahW  des  VermoB  der  Freunde 
der  Naturgeschichte  in  Mecklenburg,  47.  Jahr,  1895,  S.  1—34. 

>)    Zeitschr.  d.  Dentech.  geol.  GeseUach.   Bd.  46,  1894,  8.  295. 
*)    Diese«  Jahrbuch  für  1890,  S.  LXXXVIL 


IL  Schmidt,  üeber  Wallberge  aaf  Blatt  Naagard.  87 

Sande  an   ihrem  Fusse    umlagert   sind,    lässt  sich   wiederum  auf 
filatt  Naugard  ebenfalls  an  mehreren  Stellen  beobachten. 

Und  doch  möchte  ich  die  Wallgebilde  nicht  den  Durch- 
rsgungen  im  Sinne  Wahnsohaffe's  ^),  den  marginalen  Stau- 
morinenbildungen  zurechnen^).  Bei  diesen  ist  ein  Anschmiegen 
so  die  Richtung  des  Eisstromes,  die  sich  bei  BrQssow  und  Prenzlau 
ganz  gut  aus  dem  Verlauf  der  zahlreichen  Schmelzwasserrinnen 
erkeDDcn  lässt^,  der  Art  ihrer  Entstehung  nach  die  Ausnahme, 
weil  dieser  Fall  nicht  in  den  Bögen  der  Moräne,  sondern  nur  in 
den  Gabelstücken  derselben,  zwischen  den  einzelnen  Eiszungen, 
in  einiger  Ausdehnung  vorkommen  kann.  Hier  dagegen  fbgt 
sich  das  ganze  System,  soweit  es  sich  bisher  einigermaassen  Ober- 
^hen  l&sst,  mit  einigen  launenhaften  Abschweifungen  äsartig  der 
durch  Schmelzwasserrinnen  und  vor  Allem  durch  die  Drumlins 
wohl  bezeichneten  Eisstromrichtung  ein,  während  es  zu  dem  Zuge 
der  Moränen  und  grossen  Eisrandthäler,  wie  oben  erwähnt,  etwa 
rechtwinklich  verläuft. 

Dass  die  auf  dem  Uebersichtskärtchen  (S.  83)  dargestellten 
Wallstücke  sich  durch  Funde  in  weiterer  Nachbarschaft  zu  einem 
wichen  System  von  Staumoränenbögen,  wie  es  etwa  die  Brüssower 
hegend  zeigt,  einmal  werden  ergänzen  lassen,  ist  mit  Rücksicht 
^uf  Folgendes  nicht  eben  wahrscheinlich.  Ein  solches  System 
^rde  jedenfalls  ausserordentlich  stark  und  tief  geschwungene 
B^n  besitzen,  also  an  einem  ausserordentlich  zerschnittenen 
^isrande  entstanden  sein  müssen,  während  wir  fQr  diesen  Eis- 
^d,  wenigstens  in  der  Zeit  des  Abschmelzens,  nach  der  Richtung 
^«f  von  K.  Kbilhack*)  beschriebenen  Eisrandthäler  und  dem 
^ndmoränenstück    von    Gülzow-Pribbernow^)    ganz    andere,     viel 


^)  Zeitschr.  d.  Deatsch.  geol.  Gesellsch.  Bd.  34,  1882,  S.  598. 

^  Die  von  B.  Gehotz  neuerdings  (Grundzüge  der  Oberfl&chengestaltang 
Hecklenbargs;  Archiv  des  Vereios  der  Freunde  der  Naturgeschichte  in  Mecklon- 
borg,  53.  Jahr,  1899,  S.  126)  gegebene  Erklärung  des  Begriffes  »Durchragungen« 
entspricht  nicht  Wahnschakfe's  allgemein  angenommener  Deutung  derselben 

^  H.  ScHBÖDBB.  Endmoränen  in  der  nördlichen  Uckermark  und  Vor- 
pommern.   Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Gesellsch.  Bd.  46,  1894,  S.  294. 

*)   Dieses  Jahrbuch  für  1898,  S.  13'?  ff. 

5)   1,  c.  S.117, 


IL  ScawiDT,  UAet  VfaliUrgt  »a(  B1>U  Nao^ud. 

rahigere  Liuieu  Torau^setzeu  utiUtieu.     Und  ia  der  Ab&irfaiuelz'ei'^' 
den  lulandeUes    könoen  ilie   Wallberge    erst    eutstaodeu  ti«iii,    Hi   ^i 
wie  oben  betont,   »ncli  Di2cbti»e  Obere  Gruaduiütäue   bi«   utii)  da^K- 
mit    aufgow&lbt  erschoiut,    die    docb    beim    Voirfli-keu    des     EU«-^ 
uoch  gar  Dicht  uud  erst  gegea  deo  Sdiluss  der  Verei^uugtperiodc^ 
in  dieser  MSchtif^keit   da  sein  konnte.      Femer  ksnii  ich  aus  dpr~ 
Scliarfkantigkeil  vieler  WalUtfiL'ke  uod  der  Unverd  rückt heit  ihrr^ 
iooereu  Baues  wohl,  wie  e«  ebeus4>  II.  Scuri'iukr')  fbr  die  Uurv-b—  h 
rKgoD^en  der  Uckermark  getbau  bat,    darauf  »chliessen,    da^^  äi^^| 
nicht    wesentlich   unter  dae    KU  gekommen   sind,    also  uur   bfimä^B 
Koduuge  desselben  in  der  Raudregioo  dea  Kises  e»l«tAudeii. 

Weuu  mau  nun  da«  gegenseitige  Verbiltuisä  von  WnllbrrgeL» 
und  Druiulius    betrachtet,    muse    es    auffalleu,    dasa    div    erstvreuM 
aueh  da,    wo  sie  mit  den  Urumlios  nicht  g»ax  parallel  verlaufen.^ 
doch  mit   ihnen   sich   nirgends  etörend    durehkreuxeo.      Vielmeh  '^e~ 
tbeilen  »ich  beide  Typen  der  Diluviutl.tndschaft  friedlich  in  der««^::» 
Besitz,    indem    die   Drumlius    mehr    die  W'ölbiingen    des    i*Uteau^K~^ 
die  Wallberge  dagegen  die  flachen  Stellen,  mit  Vorliebe  ani_'b  dm.  ^f~ 
Tbalsenkungen   oder  deren  Runder   einuehmeu,    zum  Thetl  ()ire*_s4 
in  den  späteren  Sehmelzw.itjserrinnen    entlang  ziehen.      Au     i  m  i      i 
Stellen    des    bisher    aufgenommeneu   Gebietes    verwaeb&eu    WhK  1— 
und  Dmmlinbildung  mit  ganz  allmählicbeni  Uebergaug  zu  eige^EM  — 
artigen    Zwittergebilden.      Aus    diesem    ganzen    VerhSltoiss    (L^E~e 
Zusammen  auftrete  na  der  Wälle  und  Dnimlins  dOrtle  hervorgehe»», 
dass  sie  gleiehzeitii^e  Bildimgeu  sind,    beide  uUo  in  der  Raik  «i:!- 
zone  des  schmelzenden  lalaodeises  nebeneinander  entstuiden. 

Ehe  ich  auf  die  mögliche  Art  dieser  Entstehung  niher  ein- 
gehe, fähre  ich,  ohne  die  Litteratur  erschöpfend  ziiBamroenstellei 
zu  wollen,  einige  Aeusserungen  über  das  Zustandekommen  älin- 
liclier  VerhftltniBse  an,  die  iOr  den  vorliegenden  Fall  Interesse 
haben  könnten.  Nicht  in  Betracht  zu  kommen  scheint  mir  Ar 
denselben  die  ältere  HoLfT'sche  Ansicht,  die  z.  B.  G-.  BsitB)n>T 
bezfiglich  der  oben  (S.  86)  angefahrten  Widlberge  von  Dauer  ver- 
trat'), von  durcbragenden  Äs-Bilduugen  der  vorletzten  Vereisung, 

<)    Zeitsohr.  d.  Deutach.  geol.  Gea.  Bd.  46,  18»4,  ä  297. 
«)   L  c  S.  486. 


M.  ScHMim*,  Ueber  Wallborgc  auf  Blatt  Naagard.  89 

die  von  den  Producten  der  letzten  nur  unvollkommen  überkleidet 
wurden.  Sie  erscheint  mir  deshalb  hier  nicht  empfehlenswerth, 
weil  der  wohlerhaltene,  tiefgreifende  Anticlinalbau  der  Naugarder 
Wälle,  auch  der  ganz  schief  verlaufenden  Stücke,  ferner  die 
deutlich  mit  aufgesattelte  Obere  Grund moräne  sich  nicht  gut  mit 
ihr  in  Einklang  bringen  lassen. 

Dagegen  giebt  E.  Geinitz  in  seiner  oben  (S.  86)  citirten 
Arbeit  über  die  mecklenburgischen  Wallberge  ausdrücklich  die 
Möglichkeit  durchragungsartiger  Aufpressungen  des  Untergrundes 
unter  Spalten  und  Bodenströmen  durch  den  Eisdruck  zu  (S.  82)  ^). 

Ferner  möchte  ich  hinweisen  auf  eine  Aeusserung  v.  Dry- 
Galski's^  der  in  einer  Sitzung  der  Deutschen  geologischen  Gesell- 
schaft vor  einigen  Jahren  die  Entstehung  der  Asar  durch  Faltung 
des  Grundes  unter  der  Randzone  des  Eises  erklärte.  Dann  wies 
an  derselben  Stelle  bei  der  Discussion  über  Russel's  Beobachtungen 
am  Malaspina-Gletscher ^)  P.  KrüsCH*)  darauf  hin,  dass  in  den 
Kanälen  der  subglacialen  Eisbäche,  um  die  es  sich  dort  handelte, 
eine  weit  geringere  Belastung  des  Untergrundes  vorhanden  sei, 
als  in  der  vom  Eise  gedrückten  beiderseitigen  Nachbarschaft,  also 
leicht  an  solchen  Stellen  einmal  eine  Aufpressung  des  Unter- 
grundes eintreten  könne. 

Endlich  ist  von  Bedeutung  für  die  Beurtheilung  der  vor- 
legenden Verhältnisse  eine  Arbeit  von  R.  Klebs  über  dilu- 
viale Wälle  in  der  Umgegend  von  Nechlin  bei  Prenzlau  vom 
Mre  1896^).  Klebs  erklärt  darin  diese  Wälle  filr  äsähnlich 
radial  gerichtete  Aufpressungserscheinungen  des  Untergrundes, 
^le  in  mächtigen  Randspalten  der  Eismasse  entstanden  seien.  (Ich 
"arf  nicht  verschweigen,  dass  die  fraglichen  Bildungen  von  anderen 

gewöhnliche  Durchragungen  erklärt  werden.) 

Ich  selbst  habe   mich  in  einem  Bericht  über  Aufnahmen  auf 


0  S.  aach   6.  Beberdt   in    Zeitschr.  d.  Deatsch.  geol.   Ges.  Bd.  46,    1894, 
8.307. 

*)  Zeitschr.  d.  Deatsch.  geol.  Ges.  Bd.  50,  1898,  S.  9. 
3)    Xm.     Ann.  Report  of  the  United  States  Geological  Survey,    1891—02, 
S.  81  nnd  82. 

*)    Zeitschr.  d.  Deutech.  geol.  Ges.  Bd.  51,  1899,  S.  24. 
*)    Dieses  Jahrbach  für  1896,  S.  231-249. 


90  M.**ScHMiDT,  Ueber  Wallberge  auf  Blatt  Naugard. 

Blatt  Zickerke^)   Ober   die   kurzen,    mir  damals    aliein   bekannte 
Wallstücke  auf  diesem  Blatte  (siehe  Uebersichtskarte  S.  83)  dabi 
geäussert,  dass  sie  mir  in  radialen,  gegen  den  Eisrand  gerichteten: 
»Spalten«    durch    Aufpressung   in    Folge   localcr    Druckentlastun 
entstanden  zu  sein  schienen. 

Diese  Anschauung  scheint  mir,  mit  einer  gewissen  Modification^ 
auch  auf  das  ganze  seither  bekannt  gewordene  System  der  Wall — 
berge  zu  passen.  Man  wird  nämlich,  wenn  die  Annahme  radiale 
Stellung  der  Wälle  zum  Eisrande,  die  ich  nach  dem  oben  er 
örterten  empfehlen  muss,  sich  durch  die  weiteren  Aufnahme 
bestätigt,  zu  ihrer  Erklärung  jedenfalls  zu  den  Tunnels  der  sub 
glacialen  Bodenströme  im  Sinne  Strandmark's 2),  den  vielleich 
auch  mit  Spaltenbildungen  des  Eisrandes  ursprünglich  zusammen 
hängenden  Schmelzwasserkanälen  seine  Zuflucht  nehmen  müssen^ 
Vorhanden  sind  sie  vermuthlich  vielfach  am  Eisrande  gewesen^ 
Dass  sie  aus  besonderen  Gründen,  die  aber  vielleicht  niemals  auf- 
geklärt werden^  in  Norddeutschland  sehr  selten  der  BildungsheerA 
echter  Asar  geworden  sind,  ist  bekannt,  und  wir  haben  oben  (S.  85^ 
erörtert,  dass  sie  auch  in  unserem  Falle  nicht  der  Sehauplati^ 
einer  die  Entstehung  der  Wälle  vorbereitenden  Asbildung  gewesen- 
sind.  Sie  können  aber,  den  oben  mitgetheilten  Aeusserungen  in*. 
Allgemeinen  entsprechend,  bei  besonders  vermehrtem  Eisdruclc- 
sehr  wohl  als  loca  minoris  rosistentiae  Gelegenheit  zur  AnfpressuniC" 
des  nassen,  plastischen  Untergrundes  gegeben  haben. 

Besonders  vermehrt  war  der  Eisdruck  aber  jedenfalls  aiB. 
Stellen,  wo  sich  der  Eisstrom,  wie  hier,  gegen  eine  an  steigend  €3? 
Fläche  stauen  nuisste-^).  Wir  werden  vor  Allem  an  solcheii. 
Stellen  auch  in  späten  Stadien  der  Abschmelzung  noch  mit  ver- 
gleichsweise  grosser   Mächtigkeit   des    Eises   zu   rechnen    haben ^). 

')    Dieses  Jahrhiicli  für   1899,  S.  CGI. 

'^)  Siehe  die  Zusammenstellung  bei  F.  Wahsschaffk,  Die  Ursachen  der 
Obtjrflficheugestaltung   des   Norddeutsclu-n   Flachlandes      2.  Autl.    1901,   S.   IT'J. 

''^)  Vergl.  hierzu:  d.  Futii.  Die  Drumlins-Landschaft  mit  specieller  Berück- 
sichtigung de>  al])inen  Vorlandes.  Ber.  iihvr  d.  Thatigk.  d.  St.  Gallischen  Natarf. 
Gt.'St'Usch.  1894  95,  S.  394.  —  K.  Kkilhack,  Die  Drumlinlandßchaft  in  Nord- 
d«Hitschland.     Die^ses  Jahrbuch  für  1896,  S.  109. 

*)    Siehe  K  Klkbs,  1.  c.  S.  245. 


IL  Schmidt,  üeber  Wallbergo  aaf  Blatt  Naagard.  91 

de  Einwirkung  dieser  Eisstauung  auf  den  Ünterj]^rund  muss, 
tiacb  dem  heute  vorliegenden  Product  derselben  zu  urtheilen,  eine 
verschiedenartige  gewesen  sein.  An  ninnclien  Stellen  des  Plateaus 
fiiQssen  besonders  günstige  Bedingungen  zur  Entstehung  der 
Druinliu-Facies  der  Grundmoräne  vorhanden  gewesen  seini).  An 
anderen  Stellen,  den  flachen  und  eingesenkten  Abschnitten  der 
Bodenfläche,  liefen  die  Schmelzwasser  als  subglaciale  Bodenströme 
entlang.  Hier  quoll  in  günstigen  Momenten  gesteigerten  Druckes, 
also  vor  Allem  wohl  gelegentlich  positiver  Oscillations- 
beweguugen  des  Eisrandes,  der  bis  zu  grosser  Tiefe  nasse  Unter- 
grund zu  den  Wällen  auf,  die  dann  bald  vom  Eise  freigelassen 
wurden  und  so  zum  Theil  in  schönster  Erhaltung  auf  uns  kommen 
konnten. 

Die  vielfach  die  W alle  begleitenden  Alluvialriunen  möchte 
ich  nach  H.  Schröder's  Vorgang 2)  damit  erklären,  dass  eine 
positive  Faltung  so  plastischen  Materiales  leicht  von  zwei  schwachen 
negativen  begleitet  wird.  Doch  ist  natürlich  der  Fall  nicht  aus- 
geschlossen, dass  der  Bodenstrom  auch  erodirend  an  ihrer  Ent- 
stehung mitthätig  war,  oder  wenigstens,  wie  ich  oben  in  anderem 
Zusammenhange  berührte,  eine  normale  Sedimentation  der  noch 
vorhandenen  Innenmoräne  durch  seine  strömende  Kraft  auch  in 
seiner  nächsten  Nachbarschaft  verhinderte. 

Diejenigen  Wallstücke,  deren  Grundmoränendecke  sehr  spärlich 

')  Auch  za  unserer  KenntDiss  vom  inneren  Bau  der  Dramlins  dieser 
Gegend,  über  den  bbher  nur  spärliche  Beobachtungen  vorliegen,  haben  die 
Aafoahmearbeiten  des  vergangenen  Sommers  einige  Beiträge  ergeben. 

Es  ist  nach  den  Bohmngen  sowie  den  Abschnittsprofilen  an  den  Erosions- 
rändem  der  OW.-Tbäler  wahrscheinlich,  dass  der  Gleichmässigkeit  der  äusseren 
Modellirang  der  Dramlins  deren  innerer  Aufbau  nicht  ganz  entspricht.  An 
einigen  Stellen  zeigt  nämlich  die  ihre  Mächtigkeit  nicht  nennenswerth  ändernde 
Grundmoränendecke  eine  gewisse,  etwa  der  Tagesoberfläche  folgende  Aufwölbunpf. 
Hänfigcr  wurde  dagegen  eine  Verjüngung  dieser  Decke  an  den  Gehängen  der 
Drnmiins  beobachtet;  an  einer  Stelle  wurde  sogar  dnrch  Bohrungen  festgestellt, 
dass  die  Grundmoräne,  allerdings  unter  verhüllender  Thalsanddeckc,  über  dem 
sie  unterlagemden  Unteren  Diluvium  sich  gänzlich  auskeilt.  Diese  Beobachtungen 
scheinen  mir  indessen  noch  weiterer  Ergänzungen  zu  bedürfen,  ehe  sie  zu  einer 
genügend  begründeten  Siellongnahme  in  der  Gontroverse  über  die  Entstehung 
der  Dmmlins  berechtigen  können. 

^    Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  Bd.  46,  1894,  S.  300. 


-,  tTi<bur  Wullliarga  iwf  Blult  Nhij),iu'<1. 


entwickelt  ist,  sodius  oiaucht'  AtitscblAsHc  our  deu  geetört 
ttuturdilitvialBD  Kern  erkcntieu  lassen,  sind  oft  auch  reioh 
arobeia  Matcm)  uuti  Blöcken.  Es  ISöst  eich  daher  denk« 
dags  die  erodireuüe  StrÖuiuug  de»  ScbninlxwasBerbackee  das  il 
sein  Bett  verciigende  Iliaderuisä  noch  eine  Zeit  lang  zu  beitrbeil 
Gelegenheit  hatte.  Er  zerstörte  dabei  die  ohereu  Schichten  ( 
Walles  und  nabm  ihr  Material  bis  aiiT  die  gröbsten  Bestandth« 
in  seiner  StrOmiiug  mit  hinweg.  Mit  Rfluksielit  darniif  iniiss  n 
erwarten,  dass  Prodiicte  dieser  ZerstÖninirsarbeit  sich  auch  b 
und  da  in  den  Kanälen  selbst  einmal  wieder  ablagerten.  M 
könnte  also  im  Verlauf  der  Wälle  auch  einmal  echter  As-Bildai 
begegnen,  nicht  einer  dem  Aufquellen  der  Wälle  mehr  Oi 
minder  lange  vorausgehenden  (s.  oben  S.  85j,  sondern  einer  yi 
wiegend  iiacli  ihnen  und  anf  ihre  Kosteu  entstandenen,  i 
freilich  nicht  immer  leicht  von  den  tektonisch  entstandenen  Tbeil 
der  Wälle  zu  scheiden  sein  wird. 

Wenn  nun  die  weiteren  Untersuchungen  solcher  viellei« 
auch  au  anderen  Stellen  dieser  Drumlin-Laudschaft  vorhandeB 
Wallherge  meine  Annahme  ihrer  radialen,  siibglacialen  Entstcbu 
bestätigen,  so  mQssen  sie  den  marginalen  Durcbragungaformi 
den  Staumoränen,  als  eine  zweite  Gruppe  tod  Durchraguof 
ersuheinuugen  gegenübergestellt  werden,  die  in  den  Besonderheil 
ihrer  Entstehung  und  ihrem  äusseren  Habitus  viel  Beziehung 
zu  den  Äsar  erkennen  lassen  und  Wohl  passend  mit  dem  Nun 
Stauäear  belegt  werden  können. 


lieber  Endmoränen  in  Westprenssen  nnd 

angrenzenden  Gebieten. 

Von  Herrn  6.  Maas  in  Berlin. 
(Hierzu  Taf.  XVni— XXI.) 

In  meinem  ersten  Berichte  über  die  Aufnalime-Ergehnisso  in 
<ier  Gogond  von  Tuchel^)  hatte  ich  das  Vorkommen  bisher  nicht 
^^nauer  bekannter  Endmoränen %üge  in  Westprenssen  angedeutet 
^*nd  dort  bereits^  wie  auch  in  einem  späteren  Berichte  2),  den  Ver- 
■<*uf  einiger  Theilstöcke  tlieses  Systems  kurz  skizzirt.  Die  woitere 
Vorfolgung  dieser  Züge  Ober  die  Grenzen  meines  engeren  Arbeits- 
f?ebiete8  in  der  Tncheler  Haide  hinaus  bei  gelegentlichen  dienst- 
lichen und  ausserdienstlichen  Reisen  flihrte  zu  ganz  neuen  und 
^h  eil  weise  Oberraschenden  Ergebnissen.  In  Folge  dessen  will  ich 
■laeine  ursprQngliche  Absicht  einer  genaueren  Darstellung  der 
*^^iclmoränen  im  südlichen  Westprenssen  erst  nach  Unter- 
^•^•ohnng  des  ganzen  Gebietes  aufgeben,  obgleich  für  grosse 
'^^biete  eine  Specialkartirung  der  Endmoränenzüge  noch  fehlt, 
^*ncj  bereits  jetzt  eine  Uebersicht  über  den  Zug  der  westpreussischen 
*^^dmoränen  geben,  dem  die  der  südlichen  Tucheier  Haide  zuzu- 
^'^^hnen  sind. 

Endmoränenartige  Gebilde  ausser  der  sog.  grossen  haltischen 
^*^dmoräne  im  äussersten  N.  der  Provinz,  die  aus  genetischen 
^^•ündon   im  Allgemeinen    parallel  der   südlichen  Umrandung   des 

1)  Dieses  Jahrbuch  1898,  S.  CGXIII. 

^  Dieses  Jahrbach  1899,  S.  LXI— LXIII. 


6.  M*AS.  Vvhia  Bndmor&on  io  Wettpreaueo 


08t8petM?cki?ae  verlauff^n  soll,  äad  scboa  früber  beirusst  ddü  unbe- 
wuMit  HOB  Wfret[ireu88en  b«!6cbri<'beu  worden.  So  »agt  Keiljiacr  in 
seiner  Arh<;it  Qber  <Iie  grosse  balÜEche  EudoiorSDe^:  *AU  zweifel- 
haft mus»  ich  es  vor  der  Hand  hiDslelle»,  ob  die  weiter  im  S. 
im  Unfrlaufe  des  SohwarjEwasserQueses  nuAreteodeo  Geachiebe- 
anhäufuDgcn  zu  diesem  Zuge  (d.  i.  der  grossen  baltisohen  End- 
moräne) oder  bereits  zu  einem  weiter  sBdlit^'h  g;e]egeiieii  gehören.* 
Auf  diesen  Gedanken  weiter  südlich  gelegener  EDduiorineniflge 
in  der  sleidlioh  gut  bekannten«  westlichen  Hälfte  Westpreussens 
ist  Keilhacs  später  nicht  mehr  zurQckgekommeu.  Er  glaubte 
vielmehr  in  meinen  letzten  Arbeiten^,  die  Geschiebe  mausen  am 
Quteren  Schwarzwaaser  mit  einiger  Wahracheinliclikeit  als  Theile 
der  grossen  baltischen  Endmor&ne  im  Gebiete  seines  Weichsel- 
gletachers  ansprechen  xu  sollen.  Sonst  findet  sich  in  der  geologischen 
Litteratur  nichts  auf  andere  Endmoränen  Bez&gltcheä,  und  nur 
anderen  Untersuchungen  dienende  Schriften  cnthaJten  korze  Hin- 
weise auf  diesen  Gegenstand.  So  schreibt  SCHOTTE  in  si-iner 
l'iirstlichen  Schilderung  der  Tucheier  Haide').  dass  auf  ihn  die 
Ui^gestreokten,  gnutdigen  BodeawelleD  dei  BMefMetm  item 
Bindnu^  von  Endmoränen  Dordisjiher  Gletaoher  der  Smeit  msoheo. 
Feraer  berichtet  Wabnstorf*)  in  einer  Arbeit  Ober  die  Moor^ 
und  Moosvegetation  der  Tucbeler  Haide:  >An  eiozdnen  Punkten 
der  Haide  treten  fast  unvermittelt  in  der  Richtung  von  O.  tucb 
W.  höhere  Hägelzflge  auf,  welche  zahlreiche  erratJacbe  Blöcke  in 
jeder  Form  und  Grösse  als  Endmoränen  nordischer  Gletscher  aus 
der  Eiszeit  tragen;  die  meisten  derselben  sah  ich  in  den  böden 
grossen  Flussthilem  und  im  nördlichen  Theile  der  Haide  anf  den 
Feldmarken  von  Kl.  und  Gr.  Schliewitz,  woselbst  diese  Wander- 
blocke  auf  Feldrainen  zu  Mauern  »usammengehfiuft  sind.« 

Alle    diese  Angaben    etotzen    eich   indessen   lediglich  auf  die 

■)  Dieses  Jahrbuch  1889,  S.  177—178. 

■)  Varh.  Gee.  f.  Erdkunde  s.  Berlin  1899,  Taf.  8,  und  dies«  Jahibnch  ISilS, 
Taf.  7. 

*)  B.  ScuDm,  Die  Tncheler  Hude,  Tomehmlich  in  foretUclisr  Beiieliaiig. 
Abb.  z.  Landeskunde  d.  Prov.  Westpreossen,  Heft  V.     Daniif;  1893,  S.  5. 

<)  Sehr.  Nstnrf.  Gea.  Danzig.     N.  F.  IX,  Heft  S,  S.  115. 


nnd  angrenzenden  Gebieten.  95 

eine  besondere  Eigenthümlichkeit  der  Endmoräne,  das  Vorkommen 
zug-  und  wallartig  auftretender  Blockanhäufnngen  oder  zahlreicher 
grösserer  Geschiebe.  Keine  legt  Werth  auf  die  fflr  die  End- 
moriinengebiete  charakteristischen  Landschaftsformen,  wie  sie  von 
Wahnschaffe,  Keilhack,  Schröder,  Gagel  und  Anderen  oft- 
mals eingehend  geschildert  wurden,  auf  die  Bodenformen,  die 
eigentlich  erst  den  sichersten  Beweis  ftir  eine  Stillstandslage  des 
Eisrandes  liefern,  mag  man  sie  nun  als  Folgen  ungleichförmiger 
AafschQttungen  oder  Aufpressung  ansprechen. 

Wir  verfolgen  den  zunächst  in  Frage  kommenden  Haupt- 
cndmoränenzug  der  südlichen  Tucheier  Haide  von  dem  Punkte  an, 
^0  er  sich  im  W.  der  grossen  baltischen  Endmoräne  am  meisten 
nähert,  von  Dramburg  in  Pommern. 

»Die  Stadt  Dramburg  liegt,«   schreibt  Keilhack  ^),»  in   einer 
flachen,  von  der  Drage  durchflossenen  Sandebene.     Nördlich,  nord- 
'^esdich  und  westlich  von  der  Stadt  grenzt  dieser  als  Sandr  auf- 
zufassende Sandcomplex  an  typische  Moränenlandschaft;,    aber  der 
äussere  Rand   derselben  ist  hier   nicht  als  Endmoräne  entwickelt, 
"on  der  S--Seite  des   Sarranzig-Sees   bis   nach     Janikow  werden 
^rotz  der    allgemeinen   Lehmbedeckung    nirgends    nennenswerthe 
(^eschiebeanbäufungen   beobachtet.«      Dieselben  bilden   erst  weiter 
festlich  im  Verein  mit  Grandkuppen  einen  nach  N.  offenen  End- 
''aoränen bogen.     Der  Dramburger  Sandr  liegt  aber,  wie  die  Karte 
^«8  baltischen  Höhenrückens^)  zeigt,   innerhalb   der  Moränenland- 
Schaft,   und   der  eigentlich  zur  grossen  baltischen  Endmoräne  ge- 
hörige Sandr  liegt  hier,  in  der  Gegend  von  Falkenburg,  erst  etwa 
10  Kilometer  südlicher  ^).     Geht  man  nun  von  irgend  einem  Punkte 
am  S.-Rande    des  Dramburg-Falkenburger  Sandr,   etwa  von  Züls- 
klagen    oder    Birkholz,     nach    S.    zum    Gr.  Lübbe-See,     so  tritt 
8€hr  bald  an  die  Stelle   der  Ebene  mit  zahlreichen,    oft  weit  aus- 
gedehnten   Moorflächen     eine    typische     Grundmoränenlandschaft. 
Aus  dieser  hebt  sich  auffallend  ein  verhältnissmässig  schmaler  Zug 
von    Blockbestreuungen    und    Grandkuppen  hervor,    der,  bei  dem 

<)  Dieses  Jahrbach  1893,  S.  181. 
^  Dieses  Jahrbach  1889,  Taf.  26. 
^  Dieses  Jahrbach  1898,  S.   106. 


G«böft  HüDenbcrg  zwisoben  ZolshageD  und  Dnunburg  beginnead, 
sich  in  eiopin  nach  N.  offenen  Bog«n  Ober  Woltct^nrf  nach  d^ai 
Silbfrbprg  bei  StÖwen  erstreckt.  Besonder«  «wiscihcn  Woltersdori 
und  dem  Silberberg  reiht  sich  in  diesem  Xagt  Grmodknppe  wa 
{.irandkuppe,  sodass  hier  der  EodoioräDeiiobanücler  deMelbeo  nieJil 
xweifelhaft  »ein  kann.  Im  VorUade  des  Zuj{«&.  aiu  Gr.  Löblie^^ei', 
kann  man  vielerorts  die  Verbreitung  und  Lagerung  der  Butm>- 
glacialen  Sande  und  Schotter  beobachte^  die  sich  hier  etwa  30 
Meter  über  den  bei  95,5   Meter  liegenden  Seespiegel  erheben. 

Naeh  einer  UnlerbretJinng  durch  die  tiefe,  aber  rerhiltniss- 
roäsdg  schmale  Rinne  von  Stöwen-GOntbershagen.  eine  Anstrilt»- 
eu4le  der  Sc-hmeUwaeaer,  Tolgt  dio  FortsetKung  der  EndmoriDe. 
die  in  einem  früheren  Stadium  mit  dem  Woltersdorfer  Zage  Ober 
tiaiilheföbagen  in  unmittelbarer  VerbiodDog  stand,  im  Gasorienberg 
sitddsllicb  Ton  Stowen,  und  Ii66i  sich  Ober  den  lAä.^  M«ter  hoben 
Königsberg  und  die  Fucbsberge  fast  bis  tucb  KL  Sabin  *erfutg«B. 
In  diesem  nach  NNO.  geöBbeten  Bogen,  der  «iu  LabjrriDtb  run 
Kuppen  und  EteilwanditreD  nbfluesloeen  Keeaeln  dar^IrlU,  girbt  tt 
Oherbaopt  nur  invVi  Gmnd  iinii  Sletae,  oi\  xu  mäc(itii;i  n  hWk- 
Packungen  xnsammrag^Qrmt.  Am  acbfinaten  w^  aieh  dinef 
Churakter  in  den  Fuchsbei^n  (Taf.  XXI,  Fig.  1),  wo  der  Menscli 
TOrlSufig  den  Kampf  mit  und  uo)  den  sinnig«)  Boden  grössten- 
theils  aufgegeben  hat,  so  dass  sich  über  diese  Steinmeere  wüste 
Hatdelandschaft  ausbreitet. 

Nach  Norden  m  schwindet  dieser  EndoKMinendiaraktei 
sehr  bald.  In  der  Umgebung  des  Gutes  Vier  haben  wir  noch 
eine  geschiebe reiche  Gnindmormnenlandschaf^  die  aber  acboB  mm 
grö66ten  Theil  aus  Sand  und  Geschiebemeigel  besteht,  und  bei 
Friedricbsbof  verliert  sich  der  Geächiebereichthum  und  die  Knppen- 
Undecfaafl  in  der  GeschiebemergelBiche  noch  mehr.  AUerdingt 
treten  weiter  nördlich  in  den  Vossbergen  bei  Booin  and  xwisdien 
Wutzig  und  Falkenburg  abermals  einige  grandige  Kuf^ieo  auf. 
Aber  diesen  kann  mau  gegeoäber  den  Fm^tsbeigen  wohl  kaum 
eine  grössere  Bedeutung  beimesseD,  mögen  sie  ancfa  einer  spiterec 
kurzen  Stillstandslage  des  Eisrandes  entsprechen. 

Vor  den  B<^o    der  Fochsberge    legt  sich    am  SO.-Ende  de= 


and  angrenzenden  Gebieten.  97 

Gr.  LObbesees  und  bei  Jakobsdorf  ein  grosser  Sandr,  der  nach 
Mark.  Friedland  hin  entwässert  wird.  Nicht  ausgeschlossen 
ist  68,  dass  durch  sein  westliches  Randgebiet,  durch  die  Gegend 
▼onStödnitz  und  Gr.  Spiegel  mit  ihren  bis  190  Meter  aufragenden 
Höhen,  abermals  ein  südlicherer  Endmoränenzug  verläuft,  der  sich 
vielleicht  mit  dem  der  Fuchsberge  vereinigt.  Auch  hier  fehlt~es 
nicht  an  Blockbestreuungen  und  Grandkuppen;  dieselben  treten 
aber  nicht  sosehr  hervor,  und  ebensowenig  zeigen  die  Bodenformen 
den  auffallenden  Charakter  der  Endmoränengebiete.  Sicher  aber 
ist  das  Vorhandensein  eines  grossen  Sandr,  der  an  den  Gr.  Lübbe- 
see  anschliessend  sich  durch  die  Gegend  von  Köutopf,  Neu  Lobitz 
tind  Mittelfelde  erstreckt  und  durch  das  Dragetbal  entwässert 
wird.  Es  ist  dies  derselbe  Sandr,  den  Keilhack  i)  vor  der  Reetz- 
Norenberger  Endmoräne  fand. 

Bei  KI.  und  Gr.  Sabin  wird  die  Endmoräne  durch  eine  hier 
etwa  3  Kilometer  breite  Senke  unterbrochen,  durch  welche  jetzt 
^ie  Bisenbahn  von  Callies  nach  Falkenburg  führt.  Es  ist  eine 
breite,  hoch  mit  fluvioglacialen  Sedimenten  aufgefüllte  Schmelz- 
wasserrinne, welche  ehemals  das  weite  Staugebict  hinter  der  End- 
inoräne  mit  dem  Sandr  des  unteren  Dragethales  verband. 

Jenseits   dieser  Senke,    in    der    ihre    Fortsetzung   durch   eine 

abmale  Bestreuungszone    angedeutet  wird,    setzt    die    Endmoräne 

hinter  einer   kleineren   Vorstufe   zwischen    Neu-Laatzig  und    Her- 

oiannsfelde  in  den  185,2  Meter  hohen  Theerbreuuer  Borgen  südlich 

^onVirchow  wieder  ein,  und  lässt  sich  in  fast  ununterbrochenem 

Zuge  über  den  Wartsberg  (184  Meter),  Hohen  Berg  (198,7  Meter), 

Hochratzenberg    (211,2  Meter),     Gentenberg,     Streitberg    und 

Spitzenberg     bis     zum     Achtmorgen-     und    Windinühlenberge  bei 

w.  Linieben   verfolgen.      Besonders    im   westlichen  Theile    dieses 

Zuges  zeigen  sich  zahlreiche  Kuppen  und  Rücken  aus  Grand  und 

filockpackungen.     Sehr  schön  entwickelt  sind  dieselben  im  Hoheu 

Berg,    Hochratzenberg    und    Gentenberg.      Aufschlüsse    sind   sehr 

selten;     aber    die    mächtigen    Steinmauern     und    Steinpyramiden 

zwischen  und  auf  den  Bergfeldern,  in  denen  die  der  Boden wirth- 


>)  Dieses  Jahrbuch  1893,  S.  197-202  und  1898,  S.  106. 

Jmhrbach   IMO.  7 


0.  Haa^  Veht 


scbftft  ISatigeD  SteiuinaäHen  zusammengehäiift  sini],    um   im   Laufs 
der  Zeit    ab   B«n-    und    Pflastproiateriiil   Verwpudiing    zu    finden 
beweisen  neben   dein  Grand   der  beackerten   Berge,    dass  man  es 
hier  mit  bereits   mehr  oder  weniger  zerstörten  Geschiebe wä]leii  7.l. 
thon  hat.     Im  Waltie,  der  aus  Eichen,  Buchen.   Fichten,   Kiefer« 
in   theils  geschlossenen,    tbeils  gemischten    Beständen   xusammeik 
gesetzt  ist,  findet  sich  ein  schneller  Wechsel  von  Grand,  steiniget« 
Lehm  and  eben  solchem  Sande.   Dazu  kommen  die  charakterisli»clK-ii 
Bodenfonnen,  steilwamlige  Kessel  und  zahlreiche  tief,  nf>  schliidii- 
artig  eingeschnittea«   Troukenlbäler,    aus  denen    ein    vielfach   ge- 
wundener Pfad  auf  die  jäh  abgchassigeu    Bergkuppen  hinautTiliirl. 
Meist  «eigen  sieb  im   Walde  oder   an   seinem  Kande   einzelne  ge- 
trennte   Bergkegel    mit   starker    Geschiebebesuhnttung  (Taf  X^I. 
Flg.  2)  und  die  tiefen  Wegiinsiihuitte  lassen  die  ßlockpaukung  deul- 
lieh  erkennen.     An  audereu  Erbebungen,   wie   am  Streitberg  un<i 
Spitxen  Berg  fehlen  Aufsclilßsse    an    den    blockbedeckten   Holm; 
sonst  wire   auch   hier    wohl    die   Geschiebepaokung    nachwrishar. 
So  zieht  sich  die  Eodmorrme  bis  zu  dem  grandigen,  Hteiubeslrrut^n 
Achtmorgenbei^    nud    dem    steinigen    Windmflbtenberg    bei  Ot- 
Linieben,    um    liier    vor    einer    breiten,    sandigen   Senke   bei  f^- 
Dennewitz  abermals  eine  mehrere  Kilometer  breite  Unterbrechung 
zu  erfahren. 

Fast  mauerartig  tritt  dieser  Endmoränenbogen  aus  dem  flachen 
Gelände  in  seinem  Vor-  und  Hinterlande  hervor.  An  seine  «dd- 
liehe  Aussenseite  legt  sich  ein  grosser  Sandr,  der  sich  nach  W- 
zu  mit  dem  Jakobsdorfer  Saudr  und  über  MSrk.  Friedland  mit 
dem  Sandr  des  unteren  Dragethales  vereinigt,  sodass  hier  dw 
»stellenweise,  allerdings  sehr  schmale  Plateau«,  welches  dw 
Falkenburger  Sandr,  »mtch  SW.  hin  in  seiner  ganzen  Länge')' 
begrenzen    soll,    eine    mthrere  Kilometer    breite    Lücke   aufweist- 

Im  Hinterlande  des  H oc h ratzen- Böge us  zeigt  sich  bei  Heri' 
berg  und  Ncubof  ein  schmaler  Streifen  typisch  entwickelter  Grond- 
moränenlandschaft,  au  welche  sich  nach  N.  zu  die  weit« 
Ebene  des  Schloss  Falkenburger  Forstes  und  der  nördlichen  TlieÜ' 


■)  Dieses  Jahrbuch  1S9S,  S.  106. 


und  angrenzenden  Gebieten.  99 

Neuhofer  und  Gr.-Linichener  Forstes  auschliesst.     Diese  scrosse 
idebeue   mit   ihren  fast  überall  fein-    bis  mittelkörnigeu  Sauden 
Ite   ursprünglich    wohl    ein    weites  Staubecken  hinter  der  End- 
äne   dar,    das  allmählich   in   der    breiten  Senke  von  Dennewitz 
ch    die  Endmoräne    hindurch    mit    dem    Pilow-Sandr    in   Ver- 
loDg  trat.      Ein  Theil   des  Beckens    wurde  bei  einem  späteren 
Istande  des  Eisrandes  wieder  zum  Saudr,  und  diese  rückwärtige 
Istandslage  wird  durch  einen  Zug  von  Grandkuppen  bezeichnet, 
,    südlich    vom    Bahnhof  Tempelburg    beginnend,    sich   über 
Blocksberg    an  der  Tempelburg-Brotzener  Chaussee    und    die 
zahlreichen  Durchragungen    durchbrochene,    stellenweise    mit 
schieben  besäete   Grundmoränenlandschaft   von   Kl. -Schwarzsee, 
L>lin    und  Lubow    bis   zu   den   Blocksbergen    am   Ausflusse   des 
>wflu88e8  aus  dem  Gr.  Pielburger  See  verfolgen  lässt.     Nicht  un- 
brscheinlich  ist  es,  dass  mit  dieser  Eisrandslage  die  auffallenden 
ikeligen  Gestalten    der    Seen    dieser    Gegend    in    ursächlichem 
sammenhange  stehen.      An  den  S.-Kand  der  erwähnten  Grund- 
ränenlandschaft  schliesst  sich   die  Fortsetzung  des  Hochratzen- 
gens  der  Endmoräne  an,   deren  Lage   nördlich   der   Senke  von 
nnewitz  durch  den  Steinberg  bei  dem  gleichnamigen  Gute  und 
1   grandigen  Fichtberg  südwestlich  von  Milkow  bezeichnet  wird. 
Wieder  schiebt  sich  zwischen  die  Bogen  der  Endmoräne  eine 
*ite,  heute  von  der  Döberitz  und  Pilow   durchflossene  Sand- 
che  ein,  die  man  in  ihrem  oberen,  an  den  Gr.  Pielburger  See  an- 
iliessenden  Theile    als   Austrittsstelle    der    Schmelzwasser,    von 
charin  etwa  ab  als  Sandr  aufzufassen  hat,    der  vortheilhaft  viel- 
cht  als  Pilow-Sandr  bezeichnet  wird. 

Zwischen  diesem  und  der  nächsten  östlichen  Unterbrechung^ 
cn  breiten  Küddowthale  bei  Jastrow  und  Landeck,  zeigt  sich  die 
dpommersch-  westpreussische  Endmoräne,  wie  ich  den  in  Rede 
übenden  Zug  in  seiner  Gesammtheit  nennen  möchte,  in  zwei 
irallelzüge  aufgelöst,  die  durch  die  breite  Niederung  der  Teufels- 
kide  geschieden  sind. 

Der  südliche  Zug,  die  Zippnow-Jastrower  Endmoräne,  beginnt 
it  den  bis  175  Meter  aufragenden  Grandkuppen  der  Hunde- 
^rge    Südöstlich      von     Doderlage^      an      die     sich     durch     den 

7* 


100  (y-  Maas,  Ueber  Endmoränen  in  Westpreossen 

Buschsee  zwischeu  Neu  -  Zippnow  uod  Rederitz  bezeichDete 
scharfe  Grenze  zwischen  der  Grandmoränenlandscbaft  von 
Zippnow  und  dem  Pilow-Sandr  anschliesst.  Auf  diese  etwa 
5  Kilometer  lange  Strecke,  die  lediglich  durch  den  Anssenrand 
der  Grundmoränenlandschaft  bezeichnet  wird,  folgt  abermals  eio 
geschlossener  Endmoränenzug.  Derselbe  beginnt  dicht  beim  Fh. 
Rederitz  und  bildet,  zuerst  aus  einzelnen  aneinander  gereihten 
Grandkuppen,  dann  im  östlichen  Theile  aus  einem  mauerartig 
aufragenden,  von  zahlreichen  Grandkuppen  begleiteten  Walle  be- 
stehend, den  Bogen  der  Zippnower  Berge,  der  sich  sowohl  durch 
sein  Bodenmaterial  —  fast  ausschliesslich  Grand  und  Gerolle  — 
als  auch  durch  die  Bodeuformen  als  typische  Endmoräne  erweist. 
Bei  den  södöstlicheu  Abbauten  von  Zippnow  schaart  sich  mit 
diesem  Bogen  ein  zweiter,  der  hier  zwischen  zahlreichen  kleinen 
Wasserbecken  noch  sehr  schön  entwickelt  ist.  Nach  O.  aber  ver- 
schvTinden  in  diesem  Bogen  der  Buschehenberge  die  auffallenden 
Formen  der  Endmoräne.  Die  Höhen  werden  breiter  und  flacher 
lind  die  dazwischeu  liegenden  Senken  weiter.  Gleichzeitig  ver- 
ändert sich  auch  der  Bodencharakter  bis  zu  sandigem  Grand  und 
steinigem  Sand.  In  Folge  dessen  kann  man  diesen  Bogen  nicht 
mehr  für  eine  selbstständige  Endmoräne,  sondern  nur  noch  (dr  den 
grandigen  Aussenrand  der  Grund moränenlandschaft  ansprechen. 
Wesentlich  anders  werden  die  Verhältnisse  wieder  am  Wege 
Ilasentier-Brieseuitz,  wo  aus  der  Grundmoränenlandschaft  ein 
fichnialer  Sandstrom  hervortritt.  An  ihn  schliesst  sich  nach  0. 
hin  ein  wallartiger  Grandrücken  an,  der  oberhalb  Briesenitz  von 
der  cnizrn,  aber  tieten  Kinne  des  Zamborster  Fliesses  durchbrochen 
wii'd  und  weiter  nach  O.  sich  zu  einer  prächtigen  Kuppenland- 
schatt  verbreitert.  Dieser  Zug  der  Jastrower  Berge  kann 
gleichsam  als  Typus  <incr  Endmoräne  aufgefasst  werden.  Kuppe 
leiht  sich  an  Kii|)pe,  Wall  an  Wall,  und  zwischen  diesen  oft  nur 
siliwcr  zu  ersteigenden  Höhen  ein  Gewirr  von  steilwandigen 
Kesseln  und  l\innen  (Tat*.  XI X}.  Dazu  das  Bodenmaterial.  An  der 
()l)ernäihe  der  Höhen  sitht  man  nur  Grand  und  Gerolle.  Grössere 
Strinhlockr  fehlen  scheinbar,  da  dieselben  von  Alters  her  ab- 
•  rel.'>cn  und  ils  Hau-  und  Pflastersteine  zum  Theil  weithin  verschickt 


nod  angrenzenden  Gebieten.  101 

iferden.  Wo  aber  ein  Aiifschluss  den  inneren  Bau  dieser  Höhen 
zeigt,  wie  an  der  Chaussee  von  Jastrow  nach  Briesenitz  oder  an 
der  Eisenbabn^DÖrdlich  von  Jastrow,  erblickt  man  typische  Block- 
packung. Von  W.  nach  O.  nimmt  die  Breite  dieses  Endmoränen- 
Zuges  durch  Einschieben  immer  neuer  Rucken  beträchtlich  zu, 
um  dann  an  dem  tief  eingeschnittenen,  breiten  Küddowthale 
ziemlich  unvermittelt  abzubrechen.  Weithin  verfolgbare  Abschnitts- 
profile oberhalb  der  Thalterrassen  lassen  hier  den  Aufbau  des 
Geländes  deutlich  erkennen,  besonders  das  Fortstreichen  des  Ge- 
schiebemergels unter  den  Blockpackungen  und  Granden  der  End- 
moräne, das  sich  auch  in  dem  Schaarungsgebictc  des  Zippnower 
und  Buschehen  -  Bogens  nachweisen  lässt.  Die  auffallende  Ver- 
breiterung der  Endmoräne  bei  Jastrow,  deren  Kuppen  und  Rucken 
hier  eine  Fläche  von  mehreren  Quadratkilometern  bedecken,  ist 
ersichtlich  darauf  zurückzuführen,  dass  hier  bei  der  Umbiegung  aus 
der  NW.-  in  die  NO.-Richtung  am  Rande  der  breiten  Kttddow- 
senke  der  Eisrand  längere  Zeit  schwankte  und  dabei  durch  Auf- 
pressung und  Aufschüttung  dieses  Kuppen-  und  Kessellabyrinth 
schuf. 

Vor  diesen  Zippnow-Jastrower  Endmoränenzug  legt  sich  ein 
gewaltiger  Sandr,  den  man  passend  als  Plietnitz-Sandr  bezeichnen 
kann.  Dieser  Sandr,  dessen  SW.-Grenze  etwa  durch  die  lange 
Seen  kette  im  oberen  Rohrathaie  vor  der  diluvialen  Hochfläche  von 
Freudenfier  und  Klawittersdorf  bezeichnet  wird,  steht  nach  W. 
mit  dem  Pilow-Sandr  in  Verbindung  und  vereinigt  sich  im  O. 
mit  dem  Sandrgebiet,  in  welches  die  Kuddow  ihr  breites  Diluvial- 
thal gegraben  hat. 

Im  Hinterlande  des  Eadmoränenzuges  liegt  im  Gebiete  von 
Zippnow  und  Pinnow  eine  schwach  wellige  Grundmoränenland- 
schaft, deren  Aussenrand,  wie  erwähnt,  für  kurze  Strecken  den 
sonst  geschlossenen  Endmoränenzug  vertritt. 

Durch  die  als  Sandr  aufzufassende,  nach  W.  mit  dem  Pilow- 
Sandr  in  unmittelbarer  Verbindung  stehende  Sandebene  der 
Teufelshaide  von  dieser  Grundmoränenlandschaft  getrennt,  zieht 
sich  durch  die  S.-Hälfte  der  Messtischblätter  Gr.  Born  und  Barken- 
brOgge    der    nördliche    Zug    dieses    Theiles    der    südpommersch- 


102  G.  ÜAM,   Duher  ErnlronrkDon  in  W.istpr^nssen 

westpreuseiscbcn  Kntlujoriltie.  Dieser  Zug  bostcht  im  Wesent 
Hohen  aus  üwti  durch  di«  breite  SubmeliiwuHet'rrione  der  Plictnib 
getrennten  Bog^n,  deren  westlicher  baupleächlicli  als  dt-r  mit  ^tc{ 
anfragenden  Grandkuppen  besetzte  und  jäh  zum  Sandr  abfutk-nd 
S.-ltand  der  Grundmonlucnlaudechuft  von  Gr.  Born  utifxufaseen  iv 
Derselbe  steht  durch  (.Hoe  Ki'ihe  vereioEelter  Grandkuppen  »a 
Geschiebebestreuungen  durch  das  breite  obere  Pilowtbal  ßbl 
Pilowmtlhl  mit  der  Grund moräoeulandachafl  von  KI.  SuhwarzH 
uud  Lubow  in  allerdings  nur  loser  Verbindung.  Jenseits  di 
Plictnit^  -  Thaies  nimmt  dieser  nördliche  Zug  deutlicher  de 
Charakter  der  Endmoräne  an  und  zeigt  einen  den  Jaetrower  Berge 
last  völlig  analogen  Hau.  Auch  hier  tindet  eich  ein  dichte 
Gewirr  grandiger  und  steiniger  Kuppen  neben  zahlreichen  stai 
wandigen  Kesseln  und  in  den  Saudr  mimdenden  Trocken thälen 
als  deren  bedeutendstes  das  Thal  der  oberen  Zarne  bei  Barkea 
brflgge  aufzufaaspii  ist.  Die  Endmoräne  bildet  hier  mehrei 
Züge  ohne  jede  Regelmässigkeit;  bald  ist  dieser,  bald  je« 
deutlicher  und  typischer  entwickelt.  Im  Allgemeinen  gilt  a^ 
dass  sich  das  gröbste  Material  in  der  südlichsten,  dem  Sanc 
benachbarten  Kuppenreihe  findet,  die  indessen  nicht  immer  dl 
höchste  ist.  Es  gilt  flberbaupt  fQr  den  ganzen  Zug  der  sQt 
pommersch- baltischen  Endmoräne,  dass  dieselbe  nicht  immer  d: 
höchsten  Erhebungen  ihres  Verbreitungsgebietes  einnimmt,  dass  & 
vielmehr  oAmals  unabhängig  von  den  HöhenverhAltnissen  dahinzieh 
Zwischen  Nen-Hertzberg  und  dem  Vw.  Wilbelmsruh  biegt  die  En< 
moräne  nach  SO.  um  und  wird  hiervon  dem  verhältnissmässigjnnger« 
Thale  der  unteren  Zarne  durchbrochen,  so  dass  nunmehr  an  dies« 
Stelle  der  ursprCinglich  westwärts  entwässerte  Sandr  der  Tenfelshait 
durch  das  ehemalige  Hinterland  der  Endmoräne  entwässert  win 
Jenseits  dieses  Durchbrnches  set^.t  sich  die  Endmoräne  in  dt 
Scbweineseebergen  sfldlich  von  Ratze buhr  und  einem  breit* 
Zuge  von  Grandkuppen  bis  Wallachsee  um  Westrande  des  Koddov 
thales  fort.  Auch  in  diesem  östlichsten  Theile  des  Nordzuge 
der  grösstentheils  das  charakteristische  Gewirr  von  Grandkupp« 
und  -Rücken,  von  steilwandigen  Kesseln  und  Trocken tbälern  au 
weist,    zeigt    sich    die    nordöstliche    Umbiegung    am    Rande    d 


und  angrenzenden  Gebieten.  103 

K<iddowthaIes  und  eine  damit  in  Verbindung  stehende,  auffallende 

Verbreiterung    des  Kuppengebietes.      Es   besteht  also  ;uich  hierin 

<?ine    völlige   Uebereinstimmung     mit    dem    südlichen    Zuge,    den 

Jastrower  Bergen,    wenn    auch    bei    diesen    die    Erscheinung    der 

ümbiegung  in  viel  höherem  Grade  zur  Geltung  kommt. 

Im   Hinterlande  des   Barkenbrügger   Endmoränenzuges   findet 

sich    ebenfalls    ein  Gebiet   welliger  Grundmoränenlandschafl,    dem 

AUch    der    Tetzlafisberg    bei    Ratzebuhr    und    die    meist   sandigen 

Höhen    von    Bahrenbusch    und    Marienwalde    angehören.      Daran 

schliesst    sich  nach  N.  abermals   eine    weite  Sandebene,    die  Bux- 

liaide.      üeber  die  Natur  dieses   durch   die  Seenkette  des  oberen 

l^lietnitzthales   durchschnittenen   Sandgebietes    lässt   sich    vorläufig 

ein    Urtheil  noch   nicht  abgeben.     Möglicherweise    stellt  dasselbe 

^ioen  Sandr  von  einer  noch  nicht  festgestellten  Stillstandslage  des 

H^israndes    in    dem    Höhengebiete   von  Orangen    und   Hütten   dar, 

ftir    welche  auch    der  Seenreichthum   dieser   Gegend    zu  sprechen 

scheint,    vielleicht    auch    den    südlichsten    Theil    eines    Sandr   der 

grossen  baltischen  Endmoräne  Keilhacr's.     Ohne    den   Nachweis 

^iner  Beziehung  zu  einer  Eisrandlage  möchte  ich  aber  die  Sandr- 

Natur  der  Buxhaide  nicht  vertreten^). 

Jenseits  der  in  dieser  Gegend  etwa  7  Kilometer  breiten, 
^ohl  eines  Theils  als  Sandr,  anderen  Theils  als  Schmelzwasser- 
rinne  aufzufassenden  Küddowebene  ändern  sieh  die  Verhältnisse 
^v-esentlich.  Die  bis  zum  W. -Rande  dieser  Senke  deutlich  nach- 
w^eisbaren  beiden  Parallelzüge  der  Endmoräne  sind  verschwunden, 
u.ckd  nur  ein  schmaler,  aber  nicht  minder  deutlicher  Zug  ist  an 
ibire  Stelle  getreten,  der  Zug  des  Bauchberges  bei  Krummen- 
fli^tss. 

Bei    Jastrow    zeigte     sich    eine     deutliche    ümbiegung     der 
^  n^dmoräne ;    eine    Reihe    vereinzelter     Grandkuppen,    sowie    ein 


0  Ans  dieeem  Grande  kann  ich  aach  Keiliiack's  Angabo  (d.  Jahrb.  1808, 

^^      152)  nicht   zastimmen,    dass    in    der  Gegend   von  Posen   eine  Stillstands! ago 

**-^Ä  Eisrandes    durch  »die  Anfänge   mehrerer   grosser  Sandr   bewiesen«    wird. 

^'^   fehlt  jeder  Beweis  dafür,  dass  die  Sand  gebiete  der  Gegend  von  Posen  Sandr 

^^'^^d,  80  lange  nicht   eine  Stillstandslage   des  Eisrandes  in   dioseni  Gebiete  auf 

'vierer  Grundlage  nachgewiesen  ist. 


Strafen  srfar  t>1>-ini)^n  (ie»rhipbem^rgela  suf  der  Grenze  zwüclirn 
der  welHgFD  Grand  morflapalui(l6cbaft  und  dem  tjefliegendeo 
Kftddow-Suidr  und  Knddoirtba]  scheint  ihre  nordöstliche  Fort- 
■etgPng  Qb^r  TirfenrMl  und  Flederbom  cn  bilden,  wo  sie  sicli 
dann  mit  dem  nSrdlicfaen  P«r*iMzuge  rereinigen  würde.  War 
Uer  eine  geschlossene  Endmorilne  rorhiuideii,  so  wurde  dieselbe 
bSdiet  wabncheinlich  bei  der  Bildung  des  Küddowtbales,  an  de&sen 
Baad  aiL-h  schöne  Ab^ohnittsprofile  dorch  den  Grand,  Uberen 
Ocaditebemergel  und  Unteren  S«nd  zeigen,  mm  grossen  Theil 
wiedf^r  zer«tön,  ond  hierfiir  M-heint  der  Steinretcbthum  der  Tbal- 
Mnde  in  diewm  Gebiete  lu  sprechen.  Möglicher  Weise  eotfiprioht 
aber  auch  dem  Zage  der  Jastrower  Berge  eine  noch  nicht  nacb- 
gewieeene  SttlUtandslage  des  Eisrandes  in  der  Gegend  von  Platnw 
and  Zakrzewo,  deren  Vorbaaden^in  und  Lage  indessen  erst  durch 
eitle    SpeciaUufnahme    die&es   Gebietes    erwiesen    werden   konnte. 

Sicher  nachweisbar  ist  ösdich  der  Koddow  nur  der  Zug  des 
Baochberges.  der  bei  Knimmenflie^  mit  mehreren  Reihen  Ton 
Grandkappen  unmittelbar  am  Rande  der  Küddowsetike  beginnt 
und  seine  typischste  Entwickelang  in  dem  208  Meter  Itoben 
Massiv  des  Bauchberges  erreicht-  Hier  ist  besonders  der  west- 
liche Theil  in  Grandkuppen  entivickelt,  während  der  Östliche 
zwischen  seinen  charakteristischen  Kesseln  nnd  Rinnen  nur  Höben 
von  steinigem  Sand  und  die  Sanddecke  durchstossende  Lehm- 
kuppen  aufweist.  Södlicb  stÖsst  an  den  Bauchberg  eine  weite, 
vielfach  sandige  Verebnung,  die  fäglich  als  Sandr  aufzufassen  ist, 
während  sich  an  seine  N.-Seite  die  aus  äusserst  steinreichem 
Geschiebemergel  bestehende,  stark  wellige  Grund  morinenlandscbaß 
von  Ber^elau  anschliesst. 

An  der  Chaussee  von  Radawnitz  nach  Kölpin,  die  seinen 
0.-Fus9  berührt,  verflacht  sich  der  Zug  des  Baucbberges  ganz 
bedeutend  und  von  hier  ab  fehlt  auf  eiue  weite  Strecke  hin  jede 
Spur  einer  in  den  Bodenformen  deutlicher  ausgesprochenen  Still- 
standslage  des  Eisrandeg.  Auch  die  ausgeprägte  Grund m oränen - 
landschafl  von  Bergelau  verschwindet  nach  O.  zn,  nnd  för  lange 
Zeit  treten  an  dte  Stelle  der  Endmoräne  sowohl  als  der  Grund- 
I norän en  1a nd schaff  leichte  ostwestlich  streichende  Bodenwellen,  hin 


und  aDgrcDzenden  Gebieten.  105 

und  wieder  mit  deutlicher  Geschiebebestreuiing,  oder  aneinander 
gereihte  Bestreuongsgebiete,  die  oft  an  den  grossen  über  die  Felder 
verbreiteten  Haufen  zusammengelesener  Steine  sich  weithin  bemerk- 
bar machen.  Ein  solcher  Bestreuungszug  lässt  sich  vom  Bauch- 
berge aus  über  Poln.  Wisniewke,  Glumen  und  Kl.  Butzig  auf 
Wedelsbof  und  Grünau  zu  verfolgen,  während  sich  ein  zweiter, 
gleichsam  als  Fortsetzung  der  Grundmoränenlandschaft  aufzufassen- 
der Bestreuungsstreifen  über  Kölpin  und  Lanken  bis  in  die  Ge- 
gend von  Dobrin  und  Posenberg  südlich  bezw.  östlich  von  Preuss. 
Friedland   nachweisen  lässt. 

Auch  auf  dem  nördlichen  Ufer  des  Dobrinkathales  finden  sich 
in  der  fast  völlig  ebenen  Geschiebemergelfläche  nördlich  von 
Pr.  Friedland  zahlreiche,  wenn  auch  nicht  bedeutende  Bestreuungen. 
Trotzdem  kann  man  hier  von  einer  Stillstandslage  des  Bisrandes 
kaum  sprechen,  obgleich  das  sehr  tief  und  steil  eingeschnittene 
Oobrinkathal  auf  die  Erosion  ziemlich  beträchtlicher  Wassermassen 
zurückzuftkhren  ist.  Jedenfalls  erfolgte  hier  der  Rückzug  des 
Inlandeises  so  schnell,  dass  es  nicht  zur  Bildung  einer  Art  von 
Endmoräne  und  zur  Ablagerung  bedeutenderer  fluvioglacialer 
Sedimente  kam,  mit  Ausnahme  des  Schuttkegels  an  der  Einmün- 
dung des  Dobrinkathales  in  die  Küddowniederung  bei  Landeck. 

Schnell  mag  auch  der  Rückzug  des  Inlandeises  im  Gebiete 
der  als  Fortsetzung  der  südpommersch-westpreussischen  Endmoräne 
aufzufassenden  Bestreuungsgebiete  erfolgt  sein,  aber  immerhin  doch 
nieder  langsam  genug,  um  auch  die  Bildung  einiger  kleiner  Sandr, 
Wie  den  des  Forstes  Gresonse  bei  Poln.  Wisniewke,  des  oberen 
Glumiathales  bei  Königsdorf  und  Glumen  und  am  oberen  Stallunen- 
'liess  unterhalb  der  Butziger  Mühle,  zu  veranlassen. 

Das  umgekehrte  Bild,   wie  am  Bauchberge,   findet  sich  in  der 
Gegend  von  Grünau,  etwa  25  Kilometer  in  ostnordöstlicher  Richtung 
^on  diesem  letzten  typischen  Punkt  der  Endmoräne  entfernt.     Aus 
den  Geschiebebestreuungen    und    flachen   Bodenwellen   entwickeln 
Bwh  Grandkuppen,   die    an   Deutlichkeit   immer   mehr   zunehmen, 
und  zwischen  Grünau    und  Grunauermühl    setzt    ziemlich    unver- 
mittelt die  Endmoräne  in  schönster  Entvvickelung  wieder  ein.    Nach- 
dem man  soeben   noch   eine   ziemlich    ebene,   mit  Steinen    besäete 


106  C-  Maas,  üebcr  EndmoriUien  in  WestpreoiseD 

Fliehe  durchwandert,  sieht  man  bich  (»lötzlich  in  dem  charakte- 
ristischen Gewirr  von  grandigen  und  steinigen  Ku|>|»en  und  Kücken, 
die  durch  jäh  eingesenkte  Kessel  nnd  Rinnen  von  einander  getrennt 
werden,  und  an  die  Stelle  der  bebauten  Felder  ist  Haidelandschafl 
getreten,    hier  und   da   von  Stein-  nnd   Kiesgruben   unterbrochen. 

Der  Endmoränenzug  theilt  sich  hier.  Ein  Zug  von  Grand- 
kuppen am  äusseren  Rande  einer  welligen  Grundmoränenland- 
schaft verläuft  in  mehreren  aneinander  gereihten  Bogen  über 
Wittkau,  Antoniewo,  Philippshöhe  und  die  südlichen  Abbauten  zu 
Ploetzig  nach  Petznick  nördlich  von  Zempelburg.  Vor  diesen 
Zug  legt  sich  der  gewaltige,  jedenfalls  zu  diesem  ganzen  Theil 
der  Endmoräne  südlich  von  Linde  <;ehöri(i:e  Sandr  des  Lutauer 
Forstes  und  der  Kujaner  Haide,  der  durch  das  Thal  der  Lobsonka 
nach  S.  hin  entwässert  wird. 

Der  Ilauptzug  der  Endmoräne  überschreitet  zwischen  der 
Grünauer  und  Wittkauer  Mühle  das  tiefe  schluchtartige  Thal  der 
Kainionka,  die  hier  ihren  Namen  »<lie  Steinige«  mit  vollstem 
Recht  führt,  und  folgt,  immer  in  den  charakteristischen  Formen 
der  Grandkuppen,  fast  unmittelbar  dem  N.-Üfer  des  bei  der 
Wittkauer  Mühle  plöt/iich  aus  der  NS.- Richtung  nach  O,  umbie- 
i^onden  P^lussthales  bis  zu  der  wieder  jah  eingesenkten  breiten 
Kinne  des  Mochelsees  bei  Camiu.  Zahlreiche,  heut  meist  trockene 
Thalrinnen  münden  in  diesem  Theile  aus  der  Endmoräne  hervor- 
tretend in  das  als  Länjrsthal  vor  dem  Eisrande  aufzufassende  breite 
Kauiionkathal,  als  deren  bedeutendste  das  enge  Durehbruchsthal 
der  <>l)eren  Kaniionka  und  der  Mochelsee  mit  seinen  nördlichen 
von  Alluvionen  erfüllten   Ansätzen  anzusprechen  sind. 

Unbeeinflusst  von  der  tiefen  Senke  des  Mochelsees  setzt  sieh 
die  Hauptendnioriine,  in  deren  Hinterland  aus  der  Grundmoränen- 
landschaft  noch  ein  unbedeutender  Zug  von  Grandkuppen  etwa 
auf  der  Grenze  der  Kreise  Konitz  und  Flatow  hervortritt,  in  den 
Übkaser  Bergen  fort.  Fast  mauerartig  erhebt  sich  hier  die  Kette 
der  Grandkuppeu  zwischen  dem  zum  Kamionkathal  geneigten 
Sandr  und  der  schwach  welligen,  von  Durchragungen  mehrfach 
durchsetzten  Grund moränenlandschaft  hei  Obkas  und  Melanenhof, 
deren  Formen  nach  N.  zu  bei  gleichzeitigem  allgemeinem  Ansteigen 


and  angrenzenden  Gebieten.  107 

^  Geländes  immer  sanfter  werden.  Sein  nordöstliches  Ende 
'^'^eicht  der  Endmoränenzug  der  Obkaser  Berge  in  den  192  Meter 
^ben  Damerauer  Bergen. 

In  dem  ersten  Berichte  über  das  hier  beginnende  Endmoränen- 
biet der  Gegend  von  TucheH)  hatte  ich  die  Ansicht  ausge- 
rochen,  dass  der  Endmoränenzug  der  Obkaser  Berge  nach  N. 
(biege,  und  sich  in  der  Gegend  von  Neukirck  —  etwa  15  Kilo- 
ter  nördlicher  —  mit  dem  Zuge  der  Tucheier  Endmoräne 
aare.  Diese  Annahme  ist  in  dieser  Form  nicht  aufrecht  zu 
alten.  Es  findet  sich  zwar  in  der  genannten  Richtung  eine 
;  Scheide  zwischen  den  sanfter  geneigten  Abhängen  zum 
rauer  Stausee  im  O.  und  einer  welligen  Grundmoränenlandschaft 

zahlreichen  kleinen  Wasserflächen  im  W.  Trotzdem  aber 
in  man  von  Spuren  einer  dieser  Scheide  entsprechenden  Still- 
idslage  des  Eisrandes  nicht  sprechen.  Vielmehr  deuten  andere 
irichtige  Gründe,  wie  die  Lage  der  Jakobsdorfer  Seenkette, 
en  südlichen  Abfluss  das  obere  Kamionkathal  darstellt,  darauf 
,  dass  auch  durch  die  grosse,  fruchtbare  Geschiebemergelfläche 
i  Görsdorf,  Lichnau,  Osterwik  und  Schiagentin,  die  Koschneiderei, 

Stillstandslagen  des  Eisrandes  einen  westöstlichen  Verlauf 
ten,  wenngleich  sich  dieselben  durch  Grand  und  Geschiebe- 
läufungen  sowie  durch  deutliche  Sandr  nicht  kennzeichnen. 

In  den  Damerauer  Bergen  schaart  sich  der  Endmoränenzug 
•  Obkaser  Berge  mit  dem  bereits  früher 2)  eingehender  be- 
iriebenen  Bogen  der  Drausnitz-Mangehnühler  Endmoräne.  Der- 
be folgt  in  seinem  westlichen  Theile,  bis  Przyrowo,  völlig  dem 
Längsthal  aufzufassenden  Kamionkathale  und  besteht  hier  aus 
ilreichen  aneinander  gereihten  Grandkuppen,  die  besonders 
ischen  Ludwigsberg  undAdamkowo  die  charakteristische  Kuppen- 
d  Kessellandschail  der  Endmoräne  deutlich  erkennen  lassen. 
wa  da,  wo  der  Weg  von  Eichfelde  nach  Adamkowo  die  Tucheier 
laussee  kreuzt,  zeigt  ein  Aufschi uss  in  der  Endmoräne  Geschiebe- 
ckung  unter  mächtigen  Granden. 


«)  Diese«  Jahrbuch  f.  1898,  S.  CCXIII. 
»)  Dieses  Jahrbuch  f.  1898,  S.  CCXIV. 


lOS  G.  Maaj>,  D«ber  Endmcihuiun  in   W>!sl|>rcuäsrii 

Bei  dem  böchsteu  Punkte  dieses  ganzen  Theiles,  der  171 
Meter  hoben  Wilbelmsböbe,  verschwinden  die  Grandkuppen,  und 
die  Endmoräne  löst  sieb  nauh  O.  xu  in  mehrere  Züge  auf.  Die 
genaue  Verfolgung  derselben  wird  dadurcb  ausserordentlich  er- 
schwert, dasB  hier  offenbar  der  Eisrand  verbal tniss massig  lange 
IUI  regelmässig  oscillirte  und  dass  siish  die  dabei  gebildeten  End- 
niorüneiistQüke  vielfach  durtibkreuzeu,  sodass  es  ofl  der  grössten 
Mühe  bedarf,  den  Zusammenhang  der  einzelnen  StQcke  xa  er- 
kennen und  daraus  die  verschiedenen  Eisrandlagen  xa  reoon&truiren. 
Es  treten  hier  also  ähnliche  Vurbältnisse  auf,  wie  sie  MCllkb  und 
Gagel  aus  den  Kreisen  Orteisburg  und  Neidenburg  beacbrieben 
haben  •}. 

Der  sfldlichste  Zug  folgt  als  der  vielfach  block  best  reute 
Aussenrand  einer  stark  welligen  Grundmoränenlandachaft  mit 
xalilreicben  sogenannten  Dnrehragungen,  deren  grössere  Zahl  ich 
indessen  nU  mit  Grundmoräne  uberkleidete  Obere  S&nde  auffasse, 
Ober  Przyrowo  und  Liebenau  (Gostoczyn)  dem  Längstbai  der 
Kamionka,  um  dann  am  Steilrande  der  Tiicbeler  Ilaide  nach  einer 
kur;ien,  dem  Rsiderande  folgenden  nördlichen  Umbiegung,  in 
dieser  Gestalt  plötzlich  zu  verschwinden. 

Ein  r.weiter  Zug,  im  westlichen  Theile  aus  aneinander  ge- 
reihten Kuppen  steinigen  Sandes  bestehend,  verläuft  von  der 
Wilhelmshöhe  in  nordöstlicher  Richtung  nach  Gr.  MangelmCibl, 
umgeht  in  einem  Bogen  d:is  Staubecken  des  Gr.  Mangidmühler 
Sees  lind  folgt  von  Liükau  ab  in  Gestalt  einer  Staumoräne  dem 
steilen  W.-Kande  der  Tucbeler  Haide  nach  N.  Bei  Hochdorf 
vereinigt  sich  dieser  mit  einem  dritten  von  der  Wilhelmshöhe 
über  Brnchau  und  Kl.  Mangelmßhl  verlaufenden  Zuge,  der  theils 
als  Staumoräne,  theils  in  Grandkuppen  und  steinigen  Sanden  ent- 
wickelt ist  und  bei  Kl.  Mangelmtthl  mit  einem  von  NW.  kommen- 
den, zu  einem  anderen  System  gehörenden  Endmoränenbogen 
zusammentrifft.  Sein  nördliches  Ende  erreicht  dieser  immer  dem 
W,-Rande  der  Tucheier  Haide  folgende  Zug  der  sQdpoinmerscb- 
wcstpreussischen    Endmoräne,    der    hier    bauptsäclilicli    als   Stau~ 

>}  DiMw  Jahibnoh  f.  1896,  S.  251. 


and  angrenzenden  Gebieten.  109 

moräue  entwickelt  ist,  östlich  von  Tuchel,  wo  er  zwischen  Ueai 
MeloDeksee  und  der  Tucheier  Haide  einen  scharfen  südnördlioh 
streichenden  Rücken  bildet. 

Fast  überall  schliesst  sich  an  diesen  Endmoränenssug  im  N. 
hezw.  NW.  ein  Gebiet  stark  welliger  Grundmoränenlandschatt,  in 
welche  in  der  Gegend  von  Zwangsbruch,  Kensau,  Tucholka  und 
Abraa  ein  weites ,  heute  grösstentheils  mit  Alluvionen  erfülltes 
Becken  eingesenkt  ist.  Im  N.,  NW.  und  NO.  münden  mehrere 
zum  Tbeil  recht  breite  Rinnen  in  dasselbe  und  beweisen  durch 
eingelagerte  Terrassen,  dass  das  Abrauer  Becken  ein  Stausee 
hinter  der  südpomraersch-westpreussisehen  Endmoräne  war,  in 
dem  sich  die  Schmelzwasser  bei  einer  noch  genauer  zu  charakte- 
risirenden  Eisrandslage  sammelten.  Dieser  Natur  eines  Stau- 
beckens entspricht  auch  die  zwischen  130  und  135  Meter  gelegene 
Terrasse,  welche  das  Abrauer  Becken  fast  überall  umgiebt.  Kinen 
Abflugs  fand  dieser  Stausee,  wie  bereits  früher  genauer  erörtert 
^urde,  einmal  durch  die  vorgelagerte  Endmoräne  hindurch  über 
I^rausnitz  zum  Kamionkathale,  daneben  aber  in  Folge  rück- 
schreitender Erosion  durch  die  Rinne  des  Kitchthales  und  die 
Seenkette  von  Frankenhagen-Reetz. 

Der  Endmoränenzug,  dem  die  Zuflüsse  des  Abrauer  Stausees 
entströmten,  lässt  sich  gleichfalls  bis  weit  nach  W.  hin  verfolgen 
und  zeigt  grösstentheils  ebenso  charakteristische  Formen  wie  die 
südpommersch-westpreussische  Endmoräne. 

Die  westlichsten  sicher  und  im  Zusammenhange  beobachteten 
Gebilde    dieses    Endmoränenzuge«     sind     steinige     und     grandige 
Kuppen  der    charakteristischen    Form     zwischen    Förstenau     und 
Rittersberg  östlich  von  Hammerstein,   die  allem  Anschein  nach 
Einern   von  NW.    kommenden  Bogen    angehören    und    ihre    Fort- 
setzung in    Blockbestreuungen    und   Grandkuppen    bei   Gertzberg, 
auf  der  Halbinsel  im  Kramsker  See  und  bei  Stolzenfelde  zu  finden 
scheinen.     Bei  Rittersberg  und  Hütten  schliesst  sich  an  diesen  ein 
«ireiter,  nach  O.  offener  Bogen  an,  der  eines  der  typischsten  und 
charakteristischsten  Glieder  des  ganzen  Endmoränenzuges  darstellt. 
Fast  jede    Höhe    besteht    aus    Blockpackung  (Taf.  XX,  Fig.    1); 
zwischen  diesem  Labyrinth  steil  aufragender  Kuppen  und  Kücken 


HO 


G.  Mai 


Uehi-r  EndmorincD 


a  Weatprcnasüii 


lipgt  <:iu  Gi*wirr  tisf  eingesciifelcr  Kessel  und  Rinnen.  So  virläuf^r"  1 
dieser  Zug  nls  Scheide  zirtscheii  der  CiriindmoräDeDlandücIiat^  Toi^^i=n 
Elaeiiau,  in  deren  lliDtergriiDd  der  Gr.  Zietener  und  Kramsker-r^ 
See    sowie  der   Gr.  Zioii-See   liegen,    und   der   weiten    Ebene   de^^s 

Hämmerst  einer    Sfttidr')   von   Uittersberg   Über  Ixiosea    nacb  Glas 

Latte  Bäreowatde. 

Hier  sobliesst  sieb   ein    neuer  Bogen  an,   der   «wischen  Neu- 

bergen   und  Zebnruthen   von   der  /iemlicb  breiten  Scbmel^wasser — 

Rinne  des  Zierflusees  durcbbrocben  wird  und  liöcbst  waUrsebeinlicfa 
aus  einem  gegen  das  Zierthal  sich  scbaurenden  Doppelbogen  be- 
steht.     Der  östliche  Theühogen    würde  dann  aoi  Ziertlial   nestlich 

von   Bärenwalde     beginnen    und    zieht    sich,    durch   steinige    nnd  

grandige    Kup|»en    deutlich    gekennzeichnet    und    von    mehreren_^_ 

meist  engen   Schmelzwasserrinnen   durchbrochen,    über  Heinrichs 

walde    und  Burkenfelde    zum   Jammersberge   bei    Cbristf'elde.      Iw^m 

dieser   176   Meter  hohen,   ausschliesslich   aus    steinigem    Grand  he 

stehenden  Bergkuppo  vereinigt  sich  dieser  Zug  mit  einer  aus  zwe^^E 

Bogen    bestehenden    Guirlande,    die,    gleichfalls    am  Zierthal   be 

ginnend,  das  nördliche  Ende  des  Grossen  Sees  südlich  Bär e n w al d cr"^ 
umhiebt.  In  diesem  nördlichen  Zuge  zeigt  ein  Aufschluss  dich* —  ' 
an  der  Chaussee  bei  Bärenwalde  deutliche  Blockpackung,  währen( — *1 
sonst  die  Bergkuppen,    sofern   sie  nicht  aus  Grand  bestehen,    nucr  .r 


')  lonerbalb    dieses    Saudr    warde    in    der   Oberfüreterei  Hammeistön   < 
Bohrloch  gestossen,  das  folgende  SchicLUn  darchaank: 


Heier  Skodlger  Grand    b«ziT.    gran- 
diger  Sand  ( 

3,5— 1&         *      grsoer  Geschiebemergel  \ 

13 — 15,3      •      grauer,  sehr  sandiger  Mergel  / 
15,3—62         >      grauer  sandiger  Mergel  ) 

63—78  >       graner  Geschiebe  mergel  \ 

78—80         >      grauer,  sehr  saadiger  Mergel  ) 
»0-82         >      weisser  mittetkönliKcr  Späth-  ' 

8'2— 85  »       ftrandiger  Sand  bezw.  sandiger  ( 

Grand  ' 

Das   in   deo   tiefsten  Schichten   erschrotete  Waas« 


'  Tbalsaod    bei«.  01= 
Sand. 


=  Unt  Sand  n.  Graa.  -^ 


•lieg  bis  2  Meter  aat'C?'' 
Tage,    halte  also  einen  sehr  beträchtllcheD   relativen  Auftrieb.      Be  spricht  die» 
dafür,    daijS   auch   innerlialb    dieses  Sandr    bedeutende  Stauchungen    des  Unlur- 
grundea  atatlgefuudeu  Laben. 


QDcl  angreozenden  Gebieteo.  111 

eine  starke  Bestreuung  aufweisen.  Vom  Jamraersberg  aus  setzi 
sich  der  vereinigte  Zug,  hinter  dem  bei  Bischofswalde  eine  noch 
mit  mehreren  Grandkuppen  und  Bestreuungen  durchsetzte  wellige 
Grundmoränenlandschaft  liegt,  in  Grandkuppen  nach  NO.  fort  bis 
zum  Rande  des  Schlochauer  Stadtwaldes,  den  man  als  Beginn  des 
durch  den  Hakenbach  zur  KQddow  entwässerten  Sandrs  aufzu- 
fassen hat 

Im  O.    dieser  Sandfläche    beginnt    der  Bndmoränenzug,    dem 

südlich    eine    nur    schwach    angedeutete,    durch    den    Sandr    des 

Damnitzer  Waldes  und  die  Rinne  des  Mankauer  Sees  bezeichnete 

Sisrandslage  voraufgeht,   mit  der  Durchragung  des  Kaffkenberges 

am  S.-Ende  des  Arotssees  bei  Schlochau  und  lässt  sich  in  Block- 

bestreunngen  und  niederen  Grandkuppen  durch  die  Feldmark  von 

Kaldau   weiter  nach  NO.   verfolgen.      Seit  alten  Zeiten   sind  hier 

die  Steinroassen  des  Endmoränenzuges  ausgebeutet  worden,  worauf 

seine    geringe    Deutlichkeit    in    diesem    Theile    seines    Verlaufes 

zurfickzufbhren   ist.      Ein   Bild   von   dieser   Ausbeute  geben  noch 

die   lediglich   aus  Geschieben    erbauten   ruinenhaften   Mauern   und 

Thflrme     des    alten    Schlosses    Schlochau,    in    denen    noch    heute 

Tausende  von  Kubikmetern    oft    recht    gewaltiger    Blöcke    liegen. 

Die  Grösse    vieler    solcher   BaustQcke    aber  ist   der   beste  Beweis 

fiir   die    auch    durch    die  Chronik    verbürgte    nahe   Herkundb    der 

Geschiebemassen,    da    die  Erbauer    des    alten  Schlosses,    bei    der 

Nähe  guten  Ziegel materiales,    gewiss    keine   Steine    aus    grösserer 

Entfernung  geholt  hätten. 

In  seiner  nordöstlichen  Fortset/unor  wird  der  Endmoränenzu<r^ 
dessen  Schmelzwasser  durch  die  breite  Rinne  der  Schlochauer 
Seen  abgeleitet  werden,  zwischen  Richnau  und  Woltcrsdorf  wieder 
deutlicher  und  lässt  sich  in  seinen  charakteristischen  Laudschafts- 
formen,  Grandkuppen,  Kesseln  und  Rinnen,  über  Ottoshof  bis 
Bergelau  verfolgen.  In  seinem  Hinterlande  liegt  bei  Woltersdorf 
typische  Grundmoränenlundschaft,  die  über  Hasseln  nach  NW. 
zu  in  die  Sandebene  des  Forstes  Lindenberg  übergeht.  Ein  auf 
dem  Gute  Hasseln  angelegter  Brunnen  ergab  folgendes  Profil  : 
0 — 11   Meter  Sand,    an    dessen    Grunde    wenig    Wasser    floss 

=:  Oberer  Sand. 


» 


11 — b2  Meter  GescliKbeiDPrgel.  in  «erK-biedeaenSchiclitcn  Imiin 
Dnd  gram  geftrbt  uod  ziriadten  28  und  31  lllein 

wasserfähfvnd,  jcduch   ohne  Aoftrieii     ^    Oberf 
Ciesch  i  ebem  erge  I . 

52 — 55      >        Sand  niit  Ltgnitstückch^n  ^  Unterer  Suid. 

55 — 61  •  grober,  wasscrfDlirender  Graad  =  Unterer  Grand. 
Bei  Bergelau  scharrt  sicii  der  Scblocbaner  mit  eiDem  neuen, 
detn  Konitxer  Endinoräarn bogen,  der  dae  S.-EUide  di^  ^ro6S<-ii 
Mü^endorfer  Sees  uinscbliesst.  Dieser  Bugen  beginnt  in  dein 
typiscben  Kuppen-  und  Kesselgewirr  des  Konitser  Stadtwaldes.  in 
welchr-m  xwar  Graud  und  Ge^cbiebemassen  fast  gaU'-  liwräck- 
treten,  das  aber  durch  seine  üufTallendeu  Formen  und  sein  niauei- 
artigfs  Auftreten  zwUclicn  der  liefen  Senke  de«  UöskendorlVf 
Sees  und  der  Verel>nuni;  ron  Ki<-Iiunu  und  Scitünfeld  genugsam 
gekenoxeichnel  ist.  Am  S.-ßande  des  Waldgebieles  treten  Iwi 
Ueinridisthal  uueli  die  Graudkuppen  wieder  auf  und  in  i^raudigeu 
und  sleioigen  Höben  Is^t  sieb  die  Endmoräne  über  Niesewam 
bis  an  die  Zandersdorf-Konitxer-  Senke  rerfolgen,  die  sie  in  der 
((e.gend  des  Konitxer  ScbntzeubauGes  erreichU 

Am  O.-Rtinde  dieser  Senke  liegt  in  Vorlande  des  Endinoränen- 
zuges     das     von     Jbntzscii     angeführte    Bobrlodi     der    Konit«T 
Corrigeudenan&tült  mit  zwei  Unteren  Geschiebemergeln '),  atis  deii> 
für    die    dortige  Gegend    tin   Normalprofil    mit   3    Grundmoräu'^ii 
.•ibgeleitet   wurde.       Obwohl    nun   das    Auftreten    mehrerer  GruuJ- 
wirSneii    im    Kndmoränrn^ebiete   nicht   auSkllend   wäre,  weist   dir 
Lage    des  Bohrloches    doch    noch   auf   eine   andere   näberli^endi' 
Erklärung  bin.      Fasst   mau    uämiich   den   an   der  Olterfläche   er- 
bohrten, gelliliclieti.  feingrandigen  Sand,  der  sich   nach  Jentzsch's 
Angaben    lam  Tlialgehänge    deckenformig    weit   herabzieht«    und 
rotz   seines  oberdiliivialen  Habitus   nur  »we^en  seiner  liagerung« 
im  Tlial    »und    seiner    nach   O.    licdeutcnd   grösseren   M&chtigkeit  . 
als    untcrdiluvtal    aufzufassen    ist«,    als  eine  fluvioglaciale  Bildung: 
vor  der  Endmoräne  bezw.   in  der  Scbmele wasserrinne  auf,    so  er-  - 
hält  man  unter  Berrick&ichtigung  der  übrigen  JBNTZSCH^schen  l>eu- — 

')  Dieses  Jahrbuch  f.  ISS3,  S.  öM-äää;  1896,  S.  84. 


I 


/ 


und  angrenzenden  Gebieten.  1 1 3 

* 

^Ungen   für    das   Bohrloch    das    folgende    ganz    normale    Diluvial- 
P^'cfil: 

0—2  Meter  Oberer  Sand  bezw.  Thalsand. 
2 — 33       »       Oberer   Geschiebemergel,   identisch  mit  dem  Ge- 
schiebemergel der  Konit/er  Hochfläche  und  dem 
gelben    und   grauen  Diluvialmergel    der   Konitzcr 
Stadtbrunnen.     Dann  zwischen 
33  —  34       »       Unterer  Sand  von  sehr  geringer  Mächtigkeit,  doch 

mit  Wasseraufltrieb. 
34 — 35       »       Unterer  Geschiebemergel. 

Miocäner  Quarzsand. 

Berücksichtigt  man  indessen,  dass  die  Sandschicht  von  33  bis 
34  Meter  Tiefe  nur  in  dem  Bohrregister  erwähnt  war,  während 
die  eingesandten  Proben  heller  bis  weisslichgrauer  Geschiebemergel 
Waren,  und  dass  Jentzsch  selbst  die  tiefste  Schicht  erst  in  einer 
späteren  Arbeit  fftr  Tertiär  anspricht,  sie  aber  in  seinem  ersten 
Hericbt  folgendermaassen  charakterisirt:  »die  vorliegende  Probe  ist 
ein  reiner  mittelkörniger  Sand,  welcher  zwar  Braunkohlenkörnchen, 
die  für  Tertiär  charakteristischen  Quarze  und  relativ  reichliche 
Blättchen  von  weissem  Glimmer  enthält,  aber  durch  seinen  Kalk- 
gehalt und  durch  das  Vorkommen  von  rothen  Feldspathkörnern 
sich  als  diluvial  ausweist«,  so  liegt  die  Vermuthung  nahe,  das  Profil 

Os 
sUs    <)m    zu  deuten.     Diese  Auffassung  scheint  durch   zwei   Boh- 

"dT 

dingen   in  Krojanten,   einige  Kilometer  nordöstlich  von  Konitz,  be- 
stätigt zu  werden,  wo  sich  folgende  Profile  zeigten: 

Krojanten  I. 
0      —  1,5  Meter  humoser  Sand  =  Thalsand. 


Ob.    Geschiebemergel 
mit  Sandeinlagerun- 
gen. 


1,5  —  7          » 

gelber  sandiger  Lehm 

7          20          » 

grauer     sandiger     Ge- 

schiebemergel 

20     —21,25     » 

grandiger  kalkiger  Sand 

21,25—60          » 

grauer    sandiger     Ge- 

schiebemergel 

jahrlm«b  1900. 

8 


60     —63,25  Meter  kalkiger  Sand 
63,S5— 6G,^ 


70 


«""!'  "»'"r  ""  /  Ob.  G».bk 

66,8  -70  .       kükigr  S.»d  '     "''  ^""''"° 

»       grauer     saodigor     Ge-  i 

Bchifrhemergcl  | 

*  weis»«r  Quaivsand  mit  cinxplnrn  n 
Rf'RHiifben  uaä  wr'Dig  Fi>Ms|'wth,  s)e 
kalkig  ^  ?  Unterer  nilnTt.ilsaod. 

Krojanteo  II.  i 

MHrr  schwiK-li  liiimospr  grunJigtr  Sund  ^3 

*  Bcliwuch  lehmiger  san-  i 
diger  Grand 

"        graugrfiner        eaadiger 
Lehm  J 

>  graugrDner  sandiger  I 
Gescliiebemergel  l 

*  gmuer  sandiger  G<v  Ob.  GeEf.hiel 
schtebemergGl  mit  Sundeiiil 

"        feiner  knlkiger  Sand  gen. 

steiniger  Mergels^nd       1 
»        feinG»Hdiger  Geschiebe-  \ 

»        steiniger  Morgplsand        | 

»       feinsandiger  Geschiebe-  , 

mergel  / 

>  kalkiger   feiner  Spatb- 
sand  1 

1  kobliger  feiner  Sand,  / 
kalkhaltig  (viel  Ter-  [ 
tiär)  /      Unterer  Sa 

»       kalkiger     feiner    Sand,  1 
bei  50—53  Meter  und  I 
55 — 57  Meter  Lignit- 
gerölle,    bei     54    bis  / 


und  aogrenzeDdeij  Oebieten. 


115 


60 


71,8—  72 
72    -  73,5 


Unterer  Sand  mit 

einer  Tertiärscholle 

nahe  der  Basis. 


» 


73,5-   75,5  » 

75,5—  86,3  » 

86,3-  93,8  » 

93,8—100  » 

100    —107  » 


Unterer  Geschiebe- 
merj^el  mit  Einlage- 


ningen. 


107 
110 


-HO 
—  121 


» 


55  Meter  Geröüe  von  \ 
graugrünem   Geschie- 
mergel. 
—    7 1 ,8  Meter  kalkiger    feiner   Spath- 

sand 

sehr  kohliger  Sand 

grober       Quarzsand, 
schwach  kalkig 

kalkiger    feiner  Späth- 
sand 

grauer     sandiger     Ge- 
schiebemergel 

feiner  kalkiger  Sand 

Mergelsand 

feiner    Sand,    von    104 
Meter  an  kalkfrei 

kalkfreier  grauer  Thon 

grauer     sandiger     Ge- 
schiebemergel ' 

feiner  und  mittelkörniger  Sand,  dessen  Kalk- 
gehalt nach  der  Tiefe  zu  abnimmt,  mit  viel 
Tertiär  =  Umgelagertes  Tertiär. 

schwach  kalkiger  feiner  Sand,  mit  einigen 
Lt'ttougeröUen,   fast  nur  Tertiär  =  ?  Mioeän. 

Der  Endmoränenzug,  in  dessen  Vor-  und  Hinterland  diese  Bohr- 
löcher liegen,  tritt  bei  Gruusberg  wieder  in  seinen  charakteristischen 
fiodenformen,  wenn  auch  nur  als  steiniger  Saud  entwickelt  auf,  und 
sticht   sich   so  in  einem  nach  N.  offenen  Bogen    zwischen  Lipiuice 
^nd    dem  Sandkrug   durch   nach  JSeukirch.      Aus  einer  Lücke  am 
tödlichsten  Punkte    dieses    Bogens    tritt    einer    der   Zuflüsse    des 
Abrauer  Stausees,    eine    Schmelzwasserrinne,    die    bei    Krojanten 
beginnt   und   sich   in   südöstlicher  Richtung   über  Gr.  Paglau   und 
Granau  bis  Deutsch  Cekzin  am  Rande  des  Staubeckens  verfolgen 
lässt. 

Bei  Neukirch   setzt   ein   neuer  Bogen   ein,  der,   zunächst  nur 
als   Scheide  zwischen  einem  ebeneren    Vorlande   und    einem   stark 

8» 


121    —143,5     » 


143,5 


i 


«-elli^n  UintfrUiiJf.  (llipr  den  S<^Iui^nbpTg  und  Wmnibcig 
dtJB  VefUufr  <lrf  Granaucr  Hinnr  fblgmi)  hh  xur  FnnkmlMgMa 
S«eokette  &tcb  hinupkt,  die  rr  sAdlii;ti  njo  Ooetcendocf  prnn<:ht 
Aach  jcnwits  die&f«  Zaflassvs  snm  Abrauer  Staoberkeo  tritt  drr 
Endncifterticliarvktcr  euo&cIisI  Doob  weat^  berrnr,  bU  bei  <ldi 
Dfirdlicb'lt'n  P»tciiu«r  A^'baiitea  wn  Gl«mb»c<ek>r«,  dem  B^ino 
dtt  S«elvavf  S''btiirUua»«rniDtK-.  dir  Ornttdktii'pr-a  dr»  Eodmorinn)- 
ngr«  wieder  iu  dir-  Ersrbrtoutig  trrtea.  Im  O  dieter  Binnc 
sngt  Mcb  wieder  «-ine  Auflömng  des  Eudmnrmnratuge».  Der 
dtdliübstf  2m-^  schiebt  sieb  iwiscben  djte  Tbal  Ton  Sevlm  ouil 
iIms  dr«  KiUc-bS<[»»e9  ein.  AberKhreitet  das  letztere  etwa  bei 
Shifpi  ond  Tvrrini;^  sieb  mit  den  DArd[ii:t»ten  Zo;^  der  DnuisniU- 
Hsn^mablrr  KndmoHlne.     Im  Hinterlande  die»«»  Zuge*  lii^  i'f 

Rg.1- 


UB;«mB!U^ai>;>b  1 :  iäOOlX 


GriiDdotoriafDland^-baft  iwi^t-hen  Seelen  und  BUdAii  mit  dem 
SlaubtH-ken  de#  Bladauer  See>,  das  gleiobzeitig  einen  kleinen  Sandr 
de»  meiton  Tbeilzugeii^  bildet.  Dieser  beginnt  bei  Seeleu  ani 
Teiliuft  bei  den  üsUicben  Seeleuer  Abbauton  and  am  N.-Rau<i^ 
de?  Bladauer  Sees  Torbei ,  um  sieb  nördliob  von  Btadaii  vif<ler 
mit  dem  Haiiptxuge  lu  vereioigea.  Der  letztere  beginnt  mit  gr»»" 
digen  Kuppen  am  N.  -  Ende  des  Glemboczek-Sees  ond  U^  sich 
als  der  die  Höhen  beherr^-hende  Zug  einer  s«hr  aasgepr^tD 
Kup|>en-  uuti  KesseiLiiidsi.-faaA  zwischen  Bladao  und  Bialowien 
biDdar\.-h  bis  Kt>siiuk:t  liei  Tu<.-bel  rert'olgen.  In  dieä«m  inittteTen 
und  östlichen  Theile.  der  lU^Ieivb  ihre  bdoksten  EHiehni^en  in 
dieser  Gegeud  aiit'wei?l.  ist  die  Endaioräoe  Tv>rwi«^nd  als  Stau- 
mi>rine  eDlwi<.'keli  und  die  tn^>s;sen  Aufschlüsse  beim  Bau  di*r 
Chaussee  Tucbel-BI^Uowierz  zeigten  an  eingetieften  Mergelsanden 
deutlich   die  Auf(>iesäung  des  mit  kleineren  ScboO^  Oberen  üe- 


und  aDgrcnzendcn  Gobieton.  117 

Schiebeinergeis    oder   Grand    bedeckten   Unteren  Diluviums    durch 
lordsüdlich  wirkenden  Druck.    (Fig.  1.) 

Während  im  Vorlande  dieses  Endmoränensystems  vornehmlich 
lie  Tucheier  Seenrinne  und  die  Senke  des  Kitschflusses  den  Schmelz- 
Fassern  als  Abfluss  zum  Abrauer  See  dienten,  ohne  dass  es  zur 
Lu^bildung  eines  grösseren  Sandr  kam,  findet  sich  im  Hinterlande 
Q  der  Gegend  von  Kelpin,  Dombrowken  und  Komorze  eine  stark 
rellige  Grundmoränenlandschafl,  deren  N.-Rand  in  der  Umgebung 
ou  Dombrowken  und  Komorze  in  Grandkuppen,  Blockbestreuungen 
ind  Sandströmen  abermals  Spuren  einer  weniger  bedeutenden 
Itillstandslage  des  Eisrandes  aufweist. 

Ebenso  wie  die  Dransnitz-Mangelmühler,  biegt  auch  die 
ieukirch-Tucheler  Endmoräne  am  steilen  W.-Rande  der  Tucheier 
leide  scharf  nach  N.  um  und  fallt  auf  mehrere  Kilometer  Länge 
[lit  diesem  Rande  zusammen,  worauf  bereits  schon  früher  hin- 
;ewiesen  wurde  ^). 

Jäh  und  unvermittelt  fallt  auf  der  nordsüdlich  verlaufenden 
jinie  Kelpin -Liskau  die  diluviale  Hochfläche  zur  Tucheier  Haide 
,b  und  ebenso  unvermittelt  ist  der  Unterschied  der  Bodenverhält- 
lisse  und  damit  der  Bodennutzung.  Auf  der  Hochfläche  findet 
ich  hauptsächlich  Ackerbau  auf  meist  fruchtbarem  Geschiebe- 
nergel und  dicht  daneben  im  Haidegebiet  fast  ausschliesslich 
Waldungen  auf  vorwiegend  sandigen  Flächen.  Ebenso  schroff 
st  der  Wechsel  im  Aussehen  der  Endmoränenzüge,  die  dem 
laidegebiete  durchaus  nicht  fehlen.  Bis  zum  Haiderande  auf  über 
00  Kilometer  Länge  fast  immer  im  Zusammenhange  verfolgbar, 
9t  der  Hauptzug  der  südpommersdi-westpreussischen  Endmoräne 
owohl  als  die  anderen  Züge  plötzlich  scheinbar  verschwunden, 
nd  ohne  genauere  Untersuchung  kimn  man  das  grosse  scheinbar 
leichartige  Sandgebiet  für  einen  zusammenhängenden  gewaltigen 
landr  halten^.  Mit  Mühe  nur  lassen  sich  hier  im  W.  innerhalb 
es  Waldgebietes  die  Flächen  gröberen  Materiales  als  zusammen- 
ftngende   Züge  und  Theile  der   gesuchten  Endmoräne   erkennen, 

«)  Sehr,  naturf.  Ges.,  Danzig.     N.  F.  X,  Heft  1,  S.  2. 

•)  Sehr,  natarf.  Ges.,  DaDzig.     N.  F.  X,  Heft  1,  S.  4 — 5    und    dieses    Jahr- 
ach f.  1898,  S.  105-106. 


G.  Uui.  Dob^  Eadi 


docii  immer  darui  kraotlirk.  das»  sieb  unter  sokJien  Gescbi«! 
gtrcifcii  —  TWD   (t«^s  anderem  kann  man  bier  im  W.  des  Hm^ 

grbiete»  nicht  ij>i<'cb>'n  —  piu  grösserer  SieinrdchtLiim  Jcs  Snni 
oacfaweisen  lisit  au!  da»s  dieselben  weiter  nach  O.  in  dcntlicl 
rnlwiekelte  Emlmorioen  Übergehen. 

Eine  Brklämng  dieser  und  anderer  damit  tu  Verbindu 
atebc-nder  Er»cbeioai)gen  war  Ecbon  früher^)  rersucbt  worden  u 
halte  zu  dem  Ergf'boi&s  gefllhrL,  dass  die  abweichende  Auäbildii 
der  EodmoräneD  im  Berfißbe  des  Brahelhales  mit  der  Hölien-ti 
am  W.-Kande  dn  Haidi^gebietes  in  ur^&rh liebem  Zusammeitbuti 
elrltt.  Spätere  Lntersucbungen  dieses  Höhenrindes  gewübri 
danD  neue  uml  iinerwarleie  Einblicke  in  das  Alter  und  dit-  E 
etrhiiDi^  der  aufTallenden  II  oben  Verhältnisse  and  bestätigten  < 
Bichtigkeil  des  erwibnten  Erklärungsversuch e6. 

Ea  war  darauf  hingewiesen  worden*"^  dass  die  tieferen  Bohrung 
auf  der  die  Haide  begrenzenden  HoebQäcbe  überall  zwei  Ge&chiel 
mergel  aufweisen,  während  innerhalb  des  we&lücben  Haidegebie 
nur  der  Obere  Geßchieiiemergel  grössere  Verbreitung  besitzt  u 
der  Dntere  bis  auf  vereinieltc  Schollen  zerstört  wurde.  Dji 
intensive  Aufarbeitung  des  Unteren  Geschiebemergels  wui 
darauf  zurückgeführt,  dass  bereits  zur  Interglaciaizeit  das  Gel 
der  Tncheler  Haide  Höhenunterschiede  gegen  ihr  westliches  Kai 
gebiet  aufwies,  dass  man  es  hier  also  mit  einer  wenigstens  iut 
glacialen  Senke  zu  thun  hat.  Es  hat  sich  ferner  mehrfach  gezei 
dass  in  diesem  Gebiete  bereits  der  Posener  Flammentbon  die  vi 
fach  gefuheteii  und  gestaucbteu  braunkohtefnhrenden  Tertiärl 
düngen  discord^tnt  ilberlagert^),  ilass  man  hier  also  Spuren  verhi 
nissmässig  jugendlicher  Bdenbcweguugen  findet,  die  nicht  ; 
Eiedruck  zurückzuführen  simJ.  Verschiedene  Aufschlüsse  zei^ 
nun,  dass  solche  Bodenhowegnngen  in  noch  spaterer  Zeit, 
Diluvium,  stattfanden  und  dass  mit  ihnen  die  Tiefeulage  i 
Ilaidegebietes  und  alle  sich  tlaraus  ergebenden  Verhältnisse  in  i 
mittelbarem  Zusammenhange  stehen. 


')  Dies«  Jahrbuch  f.  I8<J8,  S.  CCXIU  ond  CCXV. 
»)  Diese«  Jahrbach  f.  ISUS,  S.  CCVIII-CCXIU. 
3)  Dieses  Jahrbuch  f.  1898,  S.  CCVI. 


nnd  angreozonden  Gebieten. 


119 


So  zeigten  zwei  in  neuerer  Zeit  in  Neu- 
Bohruugen,  die  in  südwestlicher  Richtung 
gende  Profile: 

I. 

0-3  Meter  Sand 

3   —  JO       »       gelbbrauner  Lehm  und     = 

Mergel 

10—13       »       grandiger  Sand  mit  we- 
nig Wasser  = 

13   —19,5    »       grauer  Mergel  = 

19,5-^21       »       bunter  Thon 


Tuchel  niedergebrachte 
zu  einander  lagen,  fol- 


21   -21,5    » 
2l,5--22,5    » 

22,5^29       > 


Braunkohle 

grober   weisser   Quarz- 
sand 
grauer  Mergel 


29 


30       »       Grand  mit  Wasser,  das 


Thalsand  da^-. 
Oberer      Geschiebe- 
mergel dm. 

Unterer  Sand  ds. 

Unterer  Geschiebe- 
mergel dm. 

Posener  Flammen- 
thon  bmi>. 

Braunkohlenbildung 
bmk. 

Unterer  Geschiebe- 
mergel dm. 


/ 


bis    8,7    Meter   unter  ;  =:  Unterer    Grand  dg2. 
Tage  stieg 


0 

i 

9 

23,r 
24 


•25 


II. 

-  4  Meter  brauner      Lehm      und 

Mergel 
•  9       »       gelbgrauer  Mergel 
•14,5    »       Sand  mit  wenig  Wasser 
^3)7    '       grauer  Mergel 


24 
25 


— 2G       » 
—27,5    » 
^1,5-35       » 


Grand 
bunter  Thon 

Braunkohle 
Quarzsand 
grauer  Mergel 


(  =  Oberer      Geschiebe- 
{  mergel  Bm. 

=  Unterer  Sand  ds. 
=  Unterer     Geschiebe- 
mergel dm. 
=  Unterer  Grand    dg2. 
=  Posener      Flammen- 
thon  bmiV^. 
I  =  Braunkohlenbildung 
^  bmk. 

=  Unterer     Geschiebe- 
mergel dm. 


Kn  Vergkiirli  der  durchsuokeoro  S«Airhbfti  niad  die  I^ 
der  BohHöcber  lu  r-iiiu)d*'r  wigty  dasa  niaa  es  bi«r  mit  «a 
Au&rbiebung  dr»  TfrtiArs  «uf  da»  DiluTium  I&n^  einer  in  StreJdl 
de«  Tertiirs  lirgeadeo  südweetüch  eiafkilendeii  Ueb«r>ciiit:but^ 
Bicbe  zu  tbun  bsL 

Aehnlicbe  DigloMtioaeo  im  Stmcben  der  TeTtuu»«.-hi<^bt 
Ussen  aicfa  bedoodcn  in  d«r  Gejiend  cwiscbeD  Stoplu  uod  Cn^ 
b.  Br.  beobacbiMi.  «o  rit-v^rbaupt  n^ben  natürlicbm,  «ahlrefa; 
kBn^licfaf  AnfscblOsse  etneo  Einblick  tD  den  AuHmu  dia 
G^irtes  gKvibrra. 

Etwa  851)  Meier  aat^rtulb  der  grossen  Scblacht,  welche  d 
Darf  OkoUn  im  S.  begmct,  «ad  tu  deo  bi>^  das  Sicilgeltii 
der  lulereii  DUnvialtemnM  des  rcditen  Bt^bmfen  bildend 
PoKci«r  Ftanui»eBtlioD,  der  ia  der  genuinien  Schlucbt  ein  Bnt 
kohhmflöb  uiD$«faItR$^  woU  gcscUcblele  DiluviaUuide  der 
finü'  bc-T^.  'i»>^  'J'?^  FliiDiüT-Dtfaon  öt.cr  d^n  DüuvtLU.aDd  girsobol 
eriu  Dinss.  Nordirestlicb  ron  dieecn  Aa&cUaas,  also  im  Streicb 
der  Tertiärsohl«: hten,  wurden  an  der  Kleinbahn  eädlicfa  der  Hai 
^elle  Okollo  wihlreicbe  liefere  Bohrlöcher  gestoesen,  deren  mehte 
wie  naehftehende  Profile  zeigen,  gleichfalls  die  Au&cbiebung  i 
Teniirs  auf  DilDTinm  erweisen. 

BohrltKh  1.     Höhe  aber  N.  N.  ^9.9  Meter. 

0    —  lä  Meter  Sand  =  Tbalsud. 

1.5 —  6       >       Lehm  und  Mergel  ^  Geschiebemerge 

ö    —  6.i    >       gelber  Suid  mit  Wasser  ^  Unterer  Sand. 

6.i— iti       >       Tboo  =  Pos.FUmmentb 

16    — ÜU    »       Sand  =  Unterer  Sand. 

fd.5— 4d.S5  >       Grand  mit  Wasser  =  Unterer  Grand 

Bohrloch  II.     H-M.^  über  N.  N.  8Ä.3  Meter. 
0    — 1,5  M«4er  lehmigor  SaaJ  and  Lehm     ^  Gescfaiebemerg^ 
1.5 — 1         >       g*iSer  Sand  =  Unterer  Sand. 


ond  aDgrcnzenden  Gebieten.  121 

4—14      »       bunter  Thon  =  Pos.  Flammenthon. 

14-15      »       Sand  mit  Wasser  =  Unterer  Sand. 
15—20,1    »       grauer,   schwach  sandiger 

Thon  =  Pos.  Flammenthon. 
30—50       »       Grand    mit   Wasser    und 

bei  39  Meter  Lignit  =  Unterer  Grand. 

Bohrloch  III.     Höhe  über  N.  N.  83,4  Meter. 

0  —1     Meter  Torf    \ 

1  _i^2      »      Thon    1  =  Alluvium. 
1,2-1,4      »      Sand    ^ 

1,4  —  2,7       »      unreine  Kohle. 

2,7 — 6         »      Thon  =  Pos.  Flammenthon. 

Sand  =  Unterer  Sand. 

Bohrloch  IV.     Höhe  über  N.  N.  85,2  Meter. 

0  —1     Meter  Moorerde)  ...     . 

1  .  ^  ^      ,  1  =  Alluvium. 
1  -1,8       »      Sand          ^ 

1)8-8,8       »      Thon   mit  3   Kohlenflötzen  =  Pos.   Flammenthon. 

Sand  =  Unterer  Sand. 

Bohrloch  V.     Höhe  über  N.  N.  8:J,5  Meter. 
^  —1     Meter  Moorerde 


1   -1,2 

» 

Thon 

—  Alluvium. 

1,2-1,4 

» 

Sand          ' 

1,4-2,1 

» 

unreine  Kohle. 

2,1-3,8 

» 

Brannkohle. 

3,8-6,5 

» 

Thon 

Pos.  Flammenthon. 

Sand 

Unterer  Sand. 

Eine  ähnliche  Beobachtung  machte  man  auch  bei  dem  Betriebe 
^^^  Moitke-Grube  bei  Stopka.  Hier  bilden  die  Tertiärschichten 
^"^en  nordwestlich  streichenden  Sattel,  der  sich  nach  W.  zu  aus 
^^^  ihn  überlagernden  Diluvium  heraushebt,  sodass  seine  höchste 
otelle  nur  wenige  Meter  unter  Tage  liegt.  Während  nun  der 
N.-FlQgel  des  Sattels  eine  ganz  regelmässige  Lagerung  aufweist, 
zeigte   sich   beim    Abbau    des   Hauptflötxes    —    die    oberen    dem 


Flainmentboii  eingelagerten  Flötze  werden  uiclit  aligfbuut,  somli- 
niir  das  an  der  Basis  des  Flamm Rtitbones  auftretende  von  Quac 
6an<Iei]  unterlagerte  Plötz  —  im  S.-Flbgcl  eine  bedeutende  Uebe 
BchiebuDg  auf  einer  im  Streicben  liegenden  Ueberscbiebungsfiäcb 
Mit  dieser  Oisloeiilioii  bäugt  die  auffallend  grosse  Mäcbtigkeit  dt 
HauptSötzes  in  einigen  iu>  Scbicbtsl  reichen  angesetzten  Bobrlöuber 
zusammen,  die  anfangs  die  Meinung  veranlasste'),  man  linbr  « 
hier  mit  einem  neuen,  sebr  mäcbtigen  Flötüe  r.ii  thun,  ilxs  W 
dem  bisher  abgebauten  Sattel  quer  vorlegt  und  naub  der  dem 
Sattel  abgeweudeteu  Seite  flach  eintallt.  Doeh  iils  man  danu  »u 
weiteren  Verfolgung  dii'ses  neuen  Flötzes  andere  Bobrlöclier  qu« 
zum  Streicben  stiess,  fand  man  in  grösserer  Tiefe  nur  das  tüte, 
lAngst  bekannte  Hauptflötz. 

Aber  nicht  nur  solche  streichenden  Dislocationeu,  mit  denen 
jedenfalls  auob  die  Umbieguug  des  Plateuurandes  und  des  Brahc- 
thales  bei  Komorze  nördlich  von  Tucbel  zusammenhängt,  las«ai 
eich  an  dem  steilen  W.-Kande  der  Tucbeler  Daide  nachweisen' 
Weit  wiL-btiger  för  die  ErkUriing  der  hier  auftretenden  Höhra- 
untergßhiede  sind  die  Spuren  von  Dislocationen,  die  unter  wi^ 
schieden  steilen  Winkeln  gegen  die  Streich  rieh  tuDij  der  Tertii^ 
schichten  verlaufen.  Solche  QuerbrOche,  die  wahrscheinlich  Jw 
aus  anderen  Theilen  Nord-  und  Mitteldeutschlands  bekaooten 
Systeme  der  N.-S.-Brücke  zuzurechnen  sind,  sind  wieder  am  deut- 
lichsten in  der  Uegend  zwischen  Stopka  und  Crooe  a.  Br.  '" 
beobachten. 

Der  nordwestlieh  streichende  Tertiärsattel  der  Moltkegrub« 
hebt  sich,  wie  erwähnt,  nach  W.  zu,  mit  der  Entfernung  «w 
Brahethale,  beträchtlich  heraus  und  ist  zuletzt  plötzlich  quer  »^' 
gerissen.  Dass  die  Senkung  der  Ablagerung  nach  dem  Brahethale 
zu  auf  ein  Staffel  förmiges  Absitzen  an  QuerbrQchen  zurück:suillbrei' 
ist,  bewiesen  die  Erscheinungen  in  einem  im  Streicben  geln^ 
benen  Entwässerungsstolln,  wo  vielfach  an  solchen  Quersptlt^" 
Wasser-  und  Sanddnrchbriiche  erfolgten  und  wo  man  das  stufeD- 
artige  Aufsteigen  der  Ablagerung  deutlich  beobachten  konnte. 

')  Z«itechr.  f.  prakt.  Gool.  18!>7,  S.  247—348.  Vei^l.  anoh  W*«!racH»fn 
UfMChen  der  OberflichoagestaUung  dee  noiddeutseheuFlaiihluidM,  3.  AnS.,  S.  ti 


nnd  angreozendcn  Gebieten.  123 

Eine  weitere  entsprechende  Lagerangsstör  im  g  zeigt  die  vom 
•I.-Ende  des  Dorfes  Okollo  zum  gleichnamigen  Vorwerke  fhhreode 
icblucht,  in  der  ein  in  Flammenthon  eingebettetes,  stark  ver- 
oetfichtes  Kohlenfiötz  den  Fundpunkt  einer  alten  Muthung  bildet. 
)a8  ganze  Terrassengehftnge  beim  Dorfe  Okollo  besteht  aus 
laromenthon,  nahe  dessen  oberen  Rande  sich  mehrere  sQd westlich 
iofallende  Bniunkohlenschmitze  zeigen.  Die  südliche  Ecke  zwischen 
em  Brahetbale  und  der  erwähnten  Schlucht  besteht  aber  aus 
reschiebemergol,  welcher  wohlgeschichtete  Diluvialsande  überlagert, 
nd  auf  der  Thalterrasse  iHsst  sich  sehr  deutlich  die  nordwestlich 
(reichende  Grenzlinie  zwischen  Flammenthon  und  Geschiebcmergel 
erfolgen.  Diose  Geschiebemergelscholle  ist  aber  auf  die  S.-Seite 
er  Schlucht  beschränkt,  deren  Mündung  gegen  den  übrigen 
^erlauf  scharf  nach  NO.  abgebogen  ist,  und  nördlich  der  Schlucht 
litt  bis  zum  Brahespiegel  hinunter  wieder  nur  Flammenthon  auf. 
4  ist  hier  also  eine  Diiuvialscholle  zwischen  zwei  sich  fast 
ecbtwinkelig  schneidenden  Brüchen  eingesunken.  Dass  es  sich 
ierbei  aber  nicht  um  eine  einfache  Abrutschung  handelt,  geht 
araus  hervor,  dass  hier  Geschiebemergel  sonst  erst  mehrere  hun- 
Iprt  Meter  vom  Uande  des  Brahethales  entfernt,  im  Abfall  der 
liluvialen  Hochfläche  und  der  oberen  Diluvialterrasse,  auftritt, 
»"ährend  die  eingesunkene  Scholle  den  Abhang  der  unteren  Ter- 
•"^sse  bildet,  deren  Oberfläche  neben  Flammenthon  ausschliesslich 
^U8  diluvialen  Sauden  und  Granden  besteht.  Die  Geschiebe- 
i^ergelscholle  muss  demnach  in  ihre  jetzige  Lage  gekommen  sein, 
ievor  in  diesem  Theile  des  Brahegebietes  die  Diluvialschichten  zu 
Terrassen  eingeebnet  wurden. 

Ein  ganz  entsprechendes  Bild  bietet  der  Hohlweg  am  N.-Ende 
*^  Grabinawäldchens,  der  Weg  von  Crone  a.  Br.  nach  Althof 
^^i  die  nördlich  von  diesem  gelegene  tiefe  Schlucht.  Im  Hohl- 
'''egc  beobachtet  man  wieder  Flammenthon,  der  von  Diluvialsanden 
^^d  Geschiebcmergel  überlagert  wird  und  an  dessen  Basis  weiter 
tödlich  ein  von  Quarzsanden  unterlagertes  Kohlenflötz  auftritt. 
'm  Streichen  dieses  Aufschlusses  zeigt  sich  aber  im  Innern  der 
Schlucht  unter  der  Diluvialdecke  ein  von  Flammenthon  überlagertes, 
on  Quar/sandtn  unterlagertes  Braunkohlonflötz,  dessen  Höhenlage 


nivbt  mit  dem  TertiimurKclilusse  im  Hohlwege  filiereinstioitiit;  p« 
tat  hier  an  einer  nordDord&stlich  6treicb«tiden  DisIocatJon  der  Ü.' 
Flüge)  um  etwa  20  Meter  abgesunken.  Für  eine  derartige  Senkuag 
8]im^bt  auch  die  Schichten fol;re  nahe  dem  Ausgange  der  Schlui-bU 
Am  Gebinge  iinterbalb  der  Si-bweden schanze,  aoi  S.-Ahbange  dflC 
Schlucht,  tritt  im  Saude  dicht  Aber  der  OUerkanle  des  GcsubifW 
Piergele  eine  nach  SW.  einfallende  sehr  fi«te  ConglonirnitbaolE  — 
durch  Ciäenoxydbydrat  Terkittete  Sande  und  Grande  —  »n(  u«J 
dieselbe  Bank  Keigl  sieb  ani  S.-Abhange  der  Schlucht  in  di'r»f!lKai 
Stellung  im  Profil  und  dem  gleichen  Einfalleu  etwa  2Ü  M«ter 
liAber.  Man  bat  es  hier  aberm^ils  mit  eitler  zwi&dien  x«d 
BOrdaordöetlicfa  becM^.  nordwestlich  Terlaurendea  DisIftcatioMB  i 
ctngesunkenen  Scholle  aa  tbun. 

Anf  ein  Absinken  an  einem  N.~S.-Bnicbe  ist  wobi  aocb  Ju 
aufTalli-nd  »teile  westlich«  Einfallen  der  Tertiirschicblen  lurQckz»- 
nihriM).  welches  in  zwei  Bohrlöchern  auf  dem  östlichen  Brahcurtr 
fretgrstrllt  wurde,  und  el-eoso  dürfte  di«-  »ersc-hredene  Ausbildung 
der  beiden  Brxheufer  weiter  unlrrfaalb.  bei  der  Ebenbuhubrllck* 
und  bei  Sanddurf  mit  der  ^laffelformiseu  tlin^nikuDg  deg  Bnili'^ 
tbales  in  Verbindong  m  bring«i  sein. 

Das   gleiche    staSelförmige  Absinken    ge^n    das   Gebiet  der 
Tueheler  Halde   zeigen    auch    die  Terliirschichlen    in  der  Gegi^ud 
von  Tuchel.       Es    liegt    nimlicb    die  Oberkante  der  braunkoblea- 
fithr«uden    TertiSrbddungen    bexw.    die    Unterkante    des  Poseüer 
Fhuumenthones   auf  einer,    dem    Sohichtst reichen  entaprecbendeo 
Linie  bei  Gr.  Mangelmithi  bei  rtwa    120-  130  Meter  Ober  N.  N-* 
bei  Liskau  bei  106  Meter,  am  W.-Cfer  des  Spitalsees  bei  89  Meter 
und  am  Brabeufer    bei  PillamObl  bei  S3  Meter    über  N.  N.      Fü«- 
eine  Quervlöniug  spricht  auch  das  Auftreten  tod  2  BraunknhleD' 
flötaeu  in  einem  Bob rloc he  am  NO.-Ende  des  Spitals«e$  in  TiefesT 
32-33  Meter  und  37—10  Meier  unter  Tage,  d- 1.  70—71  Mete«" 
bezw.  63 — 1>6  Meter  über  N.  N..  die  sich  einwaadslos  mit  keinei^^ 
der  im  Streichen  der  Schichten  anftretendon  Flötze  ron  Pülamül^J 
Tereinigen  Ussea'). 

*i  Sckr.  Kuarl  G«.  Daaiig.    X.  F.  X,  B«A  1,  ä  IS. 


und  angrenzenden  Gebieten.  125 

Wie  die  Bohrungen  in  Fh.  Döbelshaide  und  Poln.  Cekzin 
^.eigen,  hebt  sich  das  Tertiär  im  O.  des  Brahethales  wieder  heraus. 
[)a9  deutet  also  darauf  hin,  dass  das  im  Wesentlichen  nord-südlich 
rerlaofende  Brahethal  unterhalb  Komorze  in  seiner  Anlage  durch 
jinen  dem  Systeme  der  N.-S.-Brttche  zugehörigen  Graben  ver- 
inlasst  wurde. 

Ungleich  schwieriger  als  die  Feststellung  des  Vorliandenseins 
solcher  Dislocationen  im  westlichen  Randgebiete  der  Tucholor 
Ilaide  ist  eine  AltersbeMimmuni'  derselben.  Die  discordante  Uebcr- 
agerung  der  Braunkohlenbildungen  durch  den  Posener  Flammen- 
hon beweist  allerdings,  dass  der  Anfang  dieser  Bewegungen  bereits 
lerZeit  vor  der  Ablagerung  des  Flammenthones,  also  dem  Miocftn 
mgehört;  doch  erreichten  die  Dislocationen  ihre  Hauptbedeutung 
rst  im  Diluvium.  Mit  Ausnahme  des  zum  grossen  Theil  bereits 
ler  westlichen  Hochfläche  angehörenden  Gebietes  der  Moltkegrube 
ritt  auch  in  den  Gebirgsstörungen  von  Okollo  und  Crone  a.  Br. 
lur  ein  Geschiebemergel  in  die  Erscheinung,  ebenso  wie  in  der 
legeud  von  Tuchcl.  Während  aber  hier  genügend  Beweise  für 
as  oberdiluviale  Alter  des  Geschiebemergels  vorhanden  sind, 
?hlen  solche  für  das  südlichere  Gebiet  völlig,  ja  es  ist  hier  sogar 
lel  wahrscheinlicher,  dass  die  zum  Theil  von  mächtigen  Sauden  über- 
i^erten  Geschiebemergelschichten  dem  Unteren  Diluvium  ange- 
>ren.  Mit  einem  solchen  wahrscheinlich  interglacisilen,  z.  Th.  viel- 
'cht  noch  unterdiluvialen  Alter  der  Dislocationen  lässt  sich  auch 
^  besten  die  bereits  erwähnte  intensive  Aufarbeitung  des  Unteren 
^schiebemergels  im  westlichen  Haidegebiet  erklären,  der  nur 
*  ollenartig  noch  oder  in  Gestalt  von  Gerollen  im  Unteren  Sande 
fVrilt,  während  sich  das  Obere  Dihivium  deckenformig  über  die 
»locirten  Ablagerungen  hinzieht,  wie  auch  die  oben  angeführten 
Ijfungen  in  Neutuchel  sowie  die  früher  erwähnte  Bohrung  in 
if^bel,  Konitzer  Str.  ^),  zeigen. 

Indessen  scheinen  mit  dieser  unterdiluvialeii  bezw.  inter(;lacialen 
'►iiptperiode  die  Bodenbewegungen  in  unserem  Gebiete  noch  nicht 
»n  Abschluss  gelangt  zu  sein.     Jentzsch  erwähnt  aus  der  Bau- 


>)  Dieses  Jahrbach  f.  1898,  S.  CCIX. 


U'6 


G.   Ifjus,  Deber  Eodroriiidii  in  W»^p«!Ui>H 


grulic  der  BrOcke  zu  Plaskati  VerverfaDgen,  die  ilcii  I 
dnrckziph^D  und  bts  1  Meter  Sprungbölie  icei-^en'). 
aber  aii<:b  diese  VerwertuDgen  auf  A  bf utscbungen  am  Thalraucle 
^iirfiirkttlbren,  £0  zeigen  dnrb  zwei  AufscfalÜESe  in  gröeserer  Ent- 
tarnung vom  Brabelbale  ähnliche  aber  dcutltuhere  Erscbeianugen. 
So  «eigte  sich  in  der  Grube  der  alten  Neutudieler  Ziegelei 
unweit  Boc-hdorf  dos  in  Fig.  2  dargesteltte  Bild.  Im  laueren 
der  Grube  lagert  eine  etwa  1,5  Meter  et-irke  Bank  Oberen  dc- 
schiebeniergels  auf  deutlich   geschicbteteu,  3  —  4  Meter  niäcbtij^«ii 


Fig.  2. 


^^^i^       1?:?^^       r:är?\ 

Ob.  Sand.    Ob.  r.e8chiebemergel.    Uot  Sand. 
Hähe :  LiDge  ^1:1. 

Unleren  Sauden,  die  wieder  von  Thonmerget  unterlagert  weri^^ 
Nach  dem  östliclien  Grubenausgang  zu  tritt  Aber  dem  Geschi^^ 
mergel  Deoksand  auf,  dessen  Mächtigkeit  plfitzlich  an  einer 
gan^.eGrulienwand  durcb^.iebenden  und  mit  Kalk  infiltrirten  Sp^* 
bedeutend  zunimmt.  0,8  Meter  unter  seiner  frflberen  Unterki^ 
tritt  der  von  Sanden  unterlagertc  Gescbiebemergel  in  einer  MSch'' 
keit  von  etwa  3  Meter  wieder  a'if,  sodass  nunmehr  »eine  ün"* 
kante  britiabe  mit  der  Oberkiuite  des  Tbnnniergels  im  W.-Tb*' 
der  Grube  /usammenfUllt.  Die  Sprunghöhe  der  nordnordöst  1 " 
verlaufenden  Verwerfung,  die  sich-  im  Oberen  Sande  nicht  sits'"' 
testetellen  lässt,  beträgt  etwa  8,6  Meter.  Ein  ähnliches,  wenn  ai«'^ 
weniger  aullalleudes  Bild  zeigte  sich  auch  in  einer  Grube  ^m 
Steilhange  der  Hochfläche  östlich  von  Kelpin. 

>)  DieM  Jalirbuoh  f.  1896,  S.  78. 


and  angrcozcoden  Gebieten.  12? 

Zwei  Hauptsysteme  von  Dislocationen  lassen  sich  also  im 
östlichen  Randgebiete  der  Tucheier  Haide  feststellen,  deren  Streich- 
^htungen  im  grossen  Ganzen  NW.  bezw.  NNO.  ist.  Denselben 
chtungen  folgt  im  Wesentlichen  die  Anordnung  der  Thalrinnen 
diesem  Gebiete  und  vielfach  kann  man  beobachten,  wie  sich 
r  Obere  Geschiebemergel  den  Formen  dieser  oft  auffallend  grad- 
ig verlaufenden  Rinnen  anschmiegt.  Es  dürfte  daher  in  manchen 
Jlen  wohl  die  auch  in  Anlehnung  an  y.  Koenen  von  Jentzsch  *) 
ederholt  vertretene  Ansicht  von  der  tektonischen  Vorbildung 
r  Thalzüge  nicht  von  der  Hand  zu  weisen  sein.  In  wie  weit 
iD  es  dabei  aber  mit  postglacialen  Bodenbewegungen  zu  thun 
t,  wie  sie  die  zuletzt  genannten  Aufschlüsse  anzuzeigen  scheinen 
d  wie  sie  unter  Anderen  von  Müller 2),  BeüSHAüSEN®)  und 
eiLHACK'^)  angenommen  werden,  entzieht  sich  vorläufig  der  Beur- 
?ilung.  Doch  dürfte  die  grösste  Bedeutung  für  die  Ausbildung 
r  tektonischen  Verhältnisse  den  älteren,  interglacialen  Störungen 
izumessen  sein. 

Durch  die  geschilderten,  tektonischen  Verhältnisse  wurden  er- 
;htlich  (He  eigenartigen  Erscheinungen  veranlasst,  welche  sich  in 
T  Ausbildung  der  Endmoränen  sowohl  als  der  Grundmoräne  in 
m  Senkungsgebiete  der  Tucheier  Haide  zeigen.  In  dem  im  Ver- 
Itniss  zum  Inlandeise  äusserst  engen  Senkungsfelde,  dessen 
berfläche  in  sich  noch  zahlreiche  Höhenunterschiede  aufwies, 
isste  eine  Gletscherzunge  eine  sowohl  gegenüber  den  Hand- 
bieten  als  auch  in  ihren  einzelnen  Theilen  sehr  verschiedene 
^weglichkeit  besitzen,  wodurch  die  Auflösung  der  Endmoräne  in 
hlreiche,  oftmals  sich  durchkreuzende  Stafieln  hinreichend  er- 
Irt  wird.  Daneben  aber  mussten  hier  die  unter  dem  Eise 
'culirenden  Schmelzwasser  eine  viel  grössere  Wirkung  ausüben 
)  in  den  höher  gelegenen  Randgebieten.  Hierauf  ist  einmal  der 
osse  Reichthum  des  Haidegebietes  an  meist  engen,  oft  gerad- 
(igen  Thalfurchen  zurückzuführen,    die    ich    in    erster  Linie  mit 

»)  z.  B.  Sehr.  Natarf.  Ges.  Danzig.  N.F.  VII,  Heft  1,  S.  177-178. 
«)  Dieses  Jahrbuch  f.  1808,  S.  CXXXI— CXXXIL 
^  Dieses  Jahrbach  f.  1894,  S.  LVIII. 
*)  Dieses  Jahrbach  1898,  S.  146. 


I^g  G.  Mui,  Ceber  EadmoriDCD  in  WstpreaK^ 

JbmTiESCB*)    durcli    &ubjjUcisle    Erouon    leklouUcfaer    Lioieu    es — 
klAren  mAolite.      Weiter  mtiES  man  den  Budeboden   e«lbst  »h  d^i-^ 
Ergebnis«   solcher  AuswaschuDg  durch  siibgUciale  SchmeUwass^  r 
«oniisiea.     Meist  in  Gestallt  langgMtrccltter,  flach  gewölbter  Boden  — 
wellen,    oft    ein    unrerniinelt   auftreteoder  Höbenxug   in  iiDniittfS.  - 
harer  Nachbarschaft  ein««  Sees  oder  eintr  Bnichfl^be,  die  nirgetiA    t 
einen  Zu-    oder  AbQu^    erkennen    lisst,    bieten   die  BodeDforme-   rni 
des  TTaidegebietes  ein  ganz  andrrrs   Bild,    ala    mati    es    von   ciiwt^^jit 
Saudr,  dem  Circiilationsgebiete  Tfeier  SctuiieUwMsset   vor  deut  EImmb- 
ratide  erwarten    sollte.      Mei$l    bestehen    diese    H&faen    au6    Sasd^^^n 
nnd  Grandeu,     Tast    stets     mit     /ahlreiiben    kopfgrossen    und    vi  .^ael 
grösseren    scliarfkantigen    iiitd    et-kigeu    Blöcken,    die    ohne  jec^s^^e 
Gesetz mässigkeit    in  dem   feinoieu   M:iterial  nerstreut  liefen.       Z      •■ii- 
weili-ii  lässt  sich  auch  bcobachtou,   wie  solche  sandige  Bitdung^^^o. 
die  oll  grössere  oder  kti-inere  Linsen  und  Schollen  von  Gescliielnzizie- 
mergel  umschlJessen,   nach   den  Seiten  nnd  uHch  unten  durch  n     ^Ic 
Zwiscbenstudien    in    der  Striictiir   nach    völlig  gleiclicn  Ge&cUift=:^}e- 
mergel  Übergehen,    dem  sie    anch  oft  in    afironomisclier   Bc/.iehii         ng 
sehr     imhe    stehen.       Ich    bin    daher   der  Ue herze iigung,    daKS  i'" 

Gebiete  der  Tiulieler  Haide  der  Geschiebesaiid  vielfach  ledi^l^i'j 
eine  sandige  Faties  der  Griindmoräne*),  ein  völliges  Aeqnival^^iil 
des  Gi-ticbiebemergels  darstellt.  Dies  gilt  besonders  für  dii'jeni^^<'0 
Ttieile  der  Haide,  die,  im  Hinterlande  der  noch  /u  erwähnend  «n 
EndmoränenzOge  gelegen,  völlig  die  Landschaftsforuien  der  sl*»ri  J 
welligen  GrilodmoränenUndscIiaft  zeigen.  Daneben  finden  ^idi 
natOrlicli  anch  in  grosser  Verbreitung  flach  und  eben  gelagert 
sandige  Absätze  aus  freien  Seil meU wassern,  Sandr  mit  mehr  o<Jer 
weniger  tief  und  breit  eingegrabenen  Scbmclzwaseerrinnen  vor 
den  Endmoränenzfigen  und  Staubecken  hinter  denselben.  Bei  der 
noch  XU  erwähnenden  schnellen  Aufeinanderlulge  und  Durci)- 
krcuzuug  der  einzelnen  EniinioräneuzQge  kann  es  dann  kommeOi 
dasa  das  ursprüngliche  Hinterland    eines   Zuges    mit  Saudrsaudeti 

'}  ffiese«   Jahrbuch   f.    1898,   S.   561—564  und   Sehr.    Satnrf.  Ges.   Diiüi«- 

N.F.vn,  Heft  1,  s.  na 

*)  Vergl.  WAHssoHArri:,  Ursaohan  derOberflachengeetsItung  u.s.w.  (2.  iffl-' 
9.  1*6-127. 


/ 


and  angrenzenden  Gebieten.  129 

folgenden  hoch  aufgefüllt  wurde,  sodass  sich  dann  scheinbar 
^io  oft  nur  wenig  deutlicher  Eudmoräncnzug  aus  einer  Sandebene 
erbebt,  und  nur  zuweilen  gelingt  es,  durch  Feststellung  der  stark 
welligen  Unterkante  des  aufgeschütteten  Sandes  das  ursprüngliche 
I^ild  wieder  herzustellen^). 

In  unmittelbarem  Zusammenhange  mit  der  Grundmoriinen- 
Dutur  des  Geschiebesandes  in  vielen  Fällen  steht  das  Auftreten 
mehr  oder  weniger  weit  verbreiteter  jungdiluvialer  Tufifkalke,  die 
sich  lediglich  als  Ausscheidungen  aus  d(;m  Sande  in  gewissen 
Stadien  des  Wasserstandes  in  den  Schnielzwasserrinnen  erweisen. 
Solche  in  ihrer  Verbreitung  sich  stets  den  diluvialen  Thalterrassen 
anscliliessende  Tuffkalkmassen,  die  man  geradezu  als  Vertreter  der 
Terrassen  an  Steilgehängen  aufzufassen  hat,  finden  sich*  im  west- 
lichen Theile  der  Tucheier  Haide  am  Spitalsee,  bei  Plaskau  und 
oberhalb  Schüttenwalde  an  der  Bralie,  am  Okiersker  See  und  in 
der  Umgebung  des  Mukrz-Sees  bei  IJndenbusch.  Aus  dem  öst- 
lichen Haideucebiete  sind  dieselben  bisher  nur  vom  Gr.  Miedzno- 
See  bei  Adlershorst  und  dem  nördlich  daran  stossenden  Theile 
des  Sobbinthales  bekannt  geworden. 

Der  Verlauf  und  die  Ausbildung  der  Endmoränen  im  west- 
lichen Theile  der  Tucheier  Haide  ist  zum  grösst<m  Thoil  bereits 
in  meinen  früheren  Berichten  genauer  angegc'bcn  worden,  so  dass 
J^ih  mich  hier  auf  einige  kurze  Ergänzungen  leschränkfii  kann. 
Genauer  zu  erwähnen  ist  dagegen  ein  Endmoränenzug,  der  den 
S'idlichsten  Rand  des  Haidegebietes  berührt  und  einem  noch 
^«iter  südlich  gelegenen  Endmoränensysteme  angehört. 

Dieser  Endmoränenzug,  durch  welchen  der  Brahroder  See,  der 
Anfang  des  breiten  diluvialen  Brahethales^),  aufgestaut  wurde  und 
dem  weiter  westlich  die  Stau!)ecken  des  Glucza-Sees  bei  Wiskitno 
nnd  des  Dzidno-Sees  westlich  von  Monkowarsk  ihre  Entstehuni: 
verdanken,  erreicht  den  W.-Rand  des  Flaidegebietes  bei  Monkowarsk 
nnd  findet  eine  Fortsetzung  in  den  ül)crweht<*n  Grandkuppen  bei 
Ph.  Kuhbrück.  Hier  vereinigt  er  sich  mit  dem  östlichsten  Aus- 
'aufer  des  Grunau-Zempelburger  Endmoränenbogens,  der  andrerseits 

')  Vorgl.  dieses  Jahrbuch  f.  1899,  S.  LXI— LXn. 
^  Dicdes  Jahrbach  für  1S98,  S.  CCXVII. 

jAhrbach  1900.  9 


180  G.  Maa«,  ü^b'T  BDclaiuräuea  in  Weatpi 


ftucb  wieder  am  Huidernnd  nach  N.  einen  Zweig  Ober  Pmst  t 
8fldticlii>t«u  Bogen  der  Drauaniu-MaugfliuHhlor  Endiiinräne  | 
sendet.  Jenseits  des  Bmhetliales  bi'ginnt  der  sitdlichitt«  fii 
morinenzug  unseres  Gebietes  dünn  wieder  im  Wuldc  hei  i 
Scbünliolz  und  tagst  sieb  im  grossen  ßogi>u  nber  Suübnuer  Mal 
und  Suchau  nucb  Cul.  Koslinka  im  kÖDi^rlicbcn  Forst  Grfinfelde  u 
weiter  nach  SHlesuho  vertolgeii,  wo  er  seine  typtüubsto  Gestalt 
Grand-  und  Stiiiikiii)|ieu  umnimmt.  Bei  Sucbiiu  wird  der  Ziiif  i 
der  veriiältnisB massig  engen  Uiune  der  Sut:Ii;iiier  Seen  durclibrotshl 
dein  AbfliisäP  de«  grosüten  Staiibeokens  von  Urftckonuii  und  Trtilnn* 
und  hier  li<-f'(?rte  ein  bei  der  Föräterei  Suchiui  gestosscne«  Biihrk 
ein  sehr  beacbtenswerlhes  Profil.     Es  fanden  si<:b: 

0—    3  Meter  Sand  =  Tbalsand.  1 

S~   5        »        sehr  sandiger  Mergel  ^  Oberer  Gescbiebi'mrrgi 

t'  t      "      '"''"'    ,  ,■        ,     ,     I  =  Obe^^^  S„.J. 

6 —  8       »       schwach  grandiger  aanci     i  i 

8— ]0       »       eisenscbilasiger    grandiger    Sand,      vielTach    dtin 

Eisenoxydhyilriit    vorkittel     und    mit   zjihlficti 

Si-halbruchstfluken  von  Bivalven  und  Gastropode 

dabei    eine    Vahata  antiqua  SoW-,    zwei    K  » 

crostoma  SteenbüCH,  ein    Planorbü  albus  MOL 

lind   zwei  I'isidium  pusillum  Gmblin.   =  Jnle 

glacial. 

10—16       »       Sand  =  Unterer  Sand. 

16 — 16,5    »       grauer  Mergel  =5  Unterer  Geschiebeinergel. 

Am  interessantesten  ist  hierbei  jedenfalls  die  Schiebt  i 
8~  10  Meter  Tiefe,  die  einmal  durch  ihre  Sdss nasse rfau na,  dai 
aber  durch  die  als  Oberßächenbildung  und  Verwitterung  auft 
fassende  Oxydation  und  Verkittnng  als  Interglacial  cbaraktcris 
wirdi). 

Bei  Salesche  schaart  sich  der  Snchauer  EndmorSnenbog 
mit  einem  zweiten,  der,  von  seinem  stark  welligen  aber  fib' 
sandeten  Hinterlamle  durch  die  Hinne  des  Salescher  und  Schewie 


')  Vergl.  aacb  dieaes  Jahrbuch  t.  . 


und  angrenzenden  Gebieten  131 

koer  Sees  —  mit  einem  inselartig  hervorragenden  Riesen  block  2)  — 
und  des  Branitzer  Sees  getrennt,    sich    fiber  Steinberg,    Wyremki 
und  Bromke  weiter  nach  O.  verfolgen  lässt.     In  seinem  Vorlande 
entwickelten  sich  die  Sandr  des  Grünfelder  und  Buko witzer  Forstes 
und   die  Sclunclzwasserrinnen    des   Schwekatowoer  Sees    und    des 
Heiiirichsdorfer  Mühlenfliesses.      In    dem   durch   seine  Formen  als 
Tlicil  der  Endmoräne   genugsam   charakterisirten  und  durch  seine 
Höhe    sich    scharf   aus    der    Landschaft    abhebenden   Erhebungs- 
gebiete von  Pniewno  biegt   die  Kndmoräne  wieder  scharf  nach  N. 
um    und    findet    über  Eschendorf   und    das    besonders    auffallende 
Bestreiumgsgebiet   von   Eichenhorst,    wo   oft   auf  einer  Fläche  von 
wenigen  Hektar  Grösse    mehrere  Hundert    Cubikmeter     Bau-    und 
Pflastersteine    gewonnen     werden,    eine   Fortsetzung    bis    an    den 
westlichen  Steilrand    des    Schwarzwas^orlhales,    den    sie    zwischen 
r)ritschmin  und  Lubochin  erreicht. 

Der  südlichste  Zug   der  Drausnitz-Mangelmühler  Endmoräne, 
Jer    bei  Liebenau    den     W.-Rand    der   Tucheier    Ilaide    erreicht, 
setzt   i^ich  jenseits    des  Brahethales   in    zwei    recht   gut  als  Block- 
bestreuungen    und  Grandkuppen    in    stark   welligem    Gelände  ent- 
wickelten Bögen  fort,    die  die  Feldmark  von  Khftiowo   im  S.  und 
N.  umschliessen  und  sich  in  der  Gegend  von  Lubievvo  am  Rande 
des  Trutnowoer    Seebeckens    vereinigten.       Schön    ausgebildet    ist 
auch   der    zu  diesem  Endmoränenstück  gehörende  Sandr,    der  die 
Forstschutzbezirke  Kohli,    Schönholz    und  Seebruch  umfasst.      In 
t>estalt    von  Grandkuppen    und  Block|)ackungen    im  Schutzbezirk 
Brunstplatz  des  Kgl.  Forstes  Lindenbusch  findet  der  Endmoränen- 
^^*g   dann    seine    östliche  Fortsetzung,    die    das    Staubecken    des 
""Uvialen  Mukrz-Sees  veranlasste  und    sich  jenseits   des  Abflusses 
'^fies  Sees  in   vereinzelten    Grandkuppen    und  Hestreuungen  über 
^^Qtfin    und  Lubsee  nach   Dritschmin  verfolgen  lässt,  hier  im  O. 
''^'lich  sehr  an  Deutlichkeit  verlierend. 

Die  gleiche  Erscheinung   des  Undeutlichwerdens   nach  O    zu 
'st  auch  der  südliche  Zweig  der  Schwiedt-Bislawer  Endmoräne, 


.        ^  Aach  auf  dem  Messtisohblatt  Labiewo   (Gradabtheil ung  32,  No.  35)  als 
**^l  verzeichnet. 

9* 


in  Wcstpra 


der  in  gruudi^OD  und  steinigen  Knppfn  bis  zum  Rande  <]pb  dj 
vialen  Mnkrz-Seps  bei  Blondzmin  deutlich  eutwickpll,  im  O,  3U 
Beckens  uiir  noch  mit  Mnh<?  i1ber  Androaethnl  und  [Janno  a 
Fulketiharst  und  Scliiroslaw  zu  vcrrolgen  ist. 

Di(!se  au(Tallende  Erscheinung  hangt  abermals  damit 
summen,  dass  hior  im  westlichen  Uandgehict  des  hreiten  Schwi 
wasserlhiilea,  an  einer  besonders  weiter  nördlitih  sehr  deutlich  her* 
tretenden  Ilßhtn^tnfe,  ;in  der  sich  das  Golfintle  de§  preii»£,tfiij 
Höheiirftckens  nach  80.  absenkt,  alle  EiidniorauRnzOgc  eine  t 
füllende  Umbicgunj^  iiaeh  N.  erleiden,  wie  «ie  aunli  aus  dem  V 
laufe  der  EDdiTiiiriimn  drs  Itlatteg  Lindenbusch')  hervorgeht. 
Rejgie  sich  da,  dass  der  zunächst  im  Gebiete  von  Theo) 
Wclpin,  Ivfity.  und  Johannisth.tl  im  Wesentlichen  wcstösilich  i 
richtete  nördliche  Zwei;;  der  Scbwiedt-Bislawer  Endmorüne  4 
Wissnka  ab  niudi  N.  iiiit'Zielonka  '/u  umbiegt,  und  diese  lÜegt 
findet  sich  auch  bei  den  nördlicher  gelegenen  Staffeln,  die  &icb 
der  Gegend  von  Zielonka  vereinigen.  Im  O.  der  Linie  Wisscf 
Zielonka  finden  sioh  allerdings  vieUaiih  Spuren  wcstöstlich  « 
}au/ead«r  Eisrandlttgen,  besondci's  ausgeprägt  Ju  dem  Verlaufe 
Schmelzwasserrinnen;  aber  diese  Spuren  treten  gegenOber  ■ 
typisch  entwickelten  Endmoräne  bei  weitem  zurück. 

Diese  setzt  sich  von  Zielonka  in  typisch  entwickelten  Grai 
kuppen  und  Blockpackungon  (Taf.  XX,  Fig.  2)  nach  N.  fort,  i 
in  dem  vollendeten  Kuppen-  und  Kesselgewirr  von  Ludwigstli 
mit  1^4  Meter  ihre  höchsten  Punkte  zu  erreichen,  immer  i 
Scheide  zwischen  Grundmoränenlandschaft  und  Staubecken  i 
W.  und  Sandr  mit  oft  tief  eingeschnittenen  Schmelz wassrrrinoi 
im  O.  In  dem  Ilöhengebiete  von  Ludwigsthal  mit  seinen  Blöd 
Packungen  vereinigte  sich  mit  dem  Ilauptziige  der  südpomniersfi 
westpreussischen  Eudmoräne  die  östlichsten  Ausläufer  des  Hamme 
steiu-Neukirch-Tucheler  Zuges.  Dieselben  bilden  zwei  fast  paralte 
Bogen,  deren  südlicher  zunächst  durch  die  mehr  vereinzelt  a" 
tretenden  Grandkuppen,  Durchragungen  und  BlockliestrenuHi? 
von  Zamartc,  Summin   und  Poln.  Cekzin^)  gebildet,  sich  in  Griim 


i)  DicBos  Jshrbnch  f.  1899,  S.  LXI-LXIir. 
»)  Diwea  Jahrbneh  t.  1899,  S.  LXUL 


und  angreozenden  Gebieton.  133 

kupf)enreilien  zwischen  den  grossen  Staubecken  von  Louij>enthal 
und  Budziska  hindurch  über  Louisenthal  nach  Ludwigsthal  hin- 
zieht, während  sich  der  nördlichere  über  Zalesie  und  am  N.- 
Rande des  Budziska- Sees  hin  verfolgen  lässt. 

In  immer  gleicher  Ausbildung  und  vielfach  von  ostwärts  ge- 
richteten Scbmelzwasserrinnen  durchbrochen  setzt  sich  die  End- 
moräne nach  N.  über  Kamionka  fort  bis  zu  den  in  ihrer  End- 
moränennatur schon  früh  erkannten  Steingebieten  von  Gr.  und 
Kl.  Schliewitz. 

Die  Schmelzwasser  dieses  Endmoränenstückes  sammelten  sich 
in  einem  breiten  südöstlich  verlaufenden  Thale,  in  dem  sich  die 
verschiedenen  Ilückzugsstadien  in  deutlichen  Terrassen  mit  süd- 
Hcbem  Gefalle  kennzeichnen.  Diese  meist  mehrere  Kilometer 
hreite  Senke  wird  heute  von  der  Prussina  und  dem  unteren 
Schwarz wasserthale  benutzt,  während  das  Schwarzwasserthal  ober- 
halb der  Prussinamünduug  eine  tiefe,  aber  äusserst  enge  Rinne 
darstellt,  der  keinesfalls  die  Bedeutung  eines  irgendwie  nennens- 
werthen  Schmelzwasserzuflusses  zum  Thorn-Eberswalder  Haupt- 
thaP)  beigemessen  werden  kann,  ebenso  wenig  wie  dem  Brahe- 
thale  oberhalb  des  Brahroder  Stausees. 

Dieses   breite  Diluvialthal  bildet,    wie  erwähnt,    wiederum  die 

Grenze  zwischen  zwei  nach  O.  sich  senkenden  Staffeln  des  preussi- 

schen   Höhenrückens.      Es    besteht   also   hierin   zwischen   ihm  und 

dem  Brahethale  eine  gewisse  Uebereinstimmuiig,    die   auch    in  der 

'iördlichen    Umbiegung    der    Endmoränen    an    seinem    W.-Rande 

^**m  Ausdruck    kommt.       Unentschieden    aber    muss    es    bis  jetzt 

Weihen,    ob   auch    seine   Entstehung    in   ähnlicher  Weise    wie    die 

det$  Brahethales  auf  tektonische  Vorgänge  zurückzuführen  ist,  wenn 

^^lih  eine  derartige  Entstehung  sehr  wahrscheinlich  ist. 

Das   Gegenstück   zum    Wissoka-Schliewitzer  Endmoränenzuge 

^^^t  dem  als  Längsthal  zu  ihm  aufzufassenden  Prussina-Schwarz- 

^^^^serthale   als   ein   bald  mehr   bald  weniger  deutli(-h  entwickelter 

^tjtg  von  grandigen  und  steinigen  Kuppen   und  Rücken,   an  deren 

^^^Ic  in  der  Gegend  von  Osche  die  Grenze  von  Thal  und  Grund- 


')  Vergl.  dieses  Jahrbuch  f.   1898,    Taf.   7,  und  Verh.    Ges.   f.    Erdkunde, 
^«"lin  md,  Taf.  3. 


0    Uam.  Vrhnr  Hu 'Im  Orfin  <ii 

cnorfincnlHiiilM^linfV  tritt.     Mior  mttBa  man  ^Ptnifzii  anui-liniPD,  dsn 
bei   der  StillstamULt^K   >1&r  Bisrandes   daa    Rlr  di«  En(lmornn«>  W 
atiminte    MHteri.il    in    die    linroits    vorhandene    Hinno    ^enoiintlet  I 
wurde,    sodaas  liier  an    dip  Stelle    der  Tbulsande  Grande,    (irrOllt  < 
lind   KIScke  treten,  die  heute  vielfatrh  aiisgciteiitet  werden.       Aiidt  '[ 
sonst    ist    wegen    der   engen    Nnchbnrschaft    von   Thal    und   EnJ*  '' 
mnrfliic  eine  scharfe  Trennung  der  beiderseitigen  ßildun;;pn  knum  i 
durch  führ  bar.     Es  kann  dann  vorkommen,  dass  die  scheinbar  dni 
Thnllerraasen  iuifgeseluten  Kuppen  und  Rücken  den  Eindruck  eillifr 
Dilnciilandiicliafl    birvorrufcu,    und    dieser  Eindruck    verschwindet 
erst  bei  der  Untersiichtiiig  des   Bodcnmatcriitles.   beim  Anblick  dn 
Grande  und   Itiflt-ke.       Solche  Verbftltnisiie    bestehen   hei»[)iclMtreiM 
im    Gebiete    der   Wnifsschbicht   und    der  Zatokken   im  Kgl.  Forrt 
Üsche.     Diesem  Zuge  der  SchwBr*wasser-Endmor8ne  gehören  Jie 
von  Kbilhack  erwnlinten   »im  Unterlaufe  de»  Seh  warst  wasserfliiM« 
nuflretenden  Geschiebeauhäufungen«   an  und  der  in  der  Litterilur 
»chon  mehrfach  i)  genannte  -vTeufelstoin"  im  Schutzhezirk  Grodtink 
des  Kgl.  Forstes  Oschc    ein  Itiesenblock    von    23  Meter   Umfang 
und  -2,5  Mfl'-r  Höli..    fiber    der  Erde,    dessen    ihm    ati   Grö*^.  nur 
wenig  nachstehender  Nachbar  schon  frflhxeitig  der  SteittgewinituDg 
/um  Opfer  gefallen  ist. 

In  mehr  vereinzelten  Blockbestreu» ngen  ISsst  sich  der  Zug 
der  Sehwarüwasser-Endmorüne,  die  auch  als  Fortset/.ung  des  ^uubaii- 
Pniewnoer  Moranenzuges  anzusehen  ist,  bis  /.am  Steilrande  des 
Weicliseltbales  hei  Schweiz  verfolgen,  wo  als  seine  letzten  Spuren 
wohl  der  steinige  Geschiebcmergel  von  Sulnowo  anzusehen  ist- 

Auch  östlicli  des  breiten  WeicUselthales,  das  jedenfalls  während 
eines  grossen  Thoiles  der  Diliivialzeit  als  sAdwSrts  gcriuhlete 
Scbmelzwasserrinne  bestand,  lasst  sich  die  Endmorftne  mit  liiein' 
lieber  Sicherheit  weiter  vcrfnlgen,  wenn  auch  im  Wesentlichen  i" 
anderer  Gestalt  als  westlich  des  Weichselthaies. 

Es   liegt  hier  in  der  Gegend  von  Kulm  und  Kulmsee  eine 

I  z.  B.  Schütte,  Tucheler  Halde  S.  AO.  Die  an  dem  Block  sichtbifM 
•  küD^tlichen  Vcrticrungeni,  in  dunon  die  Sago  Eindrücke  einer  Ketl«  Bieht,  >° 
der  einst  der  Teufel  den  DIook  in  das  Scliwarzwaaser  schleppsD  wollt«,  sind 
diu  bekannten  scbüsselarligen  Aubwiltcrungsformeii. 


and  angrenzenden  Gebieten.  135 

flächcnh.ift  mit  Schwarzerde  bedeckte  Geschiebemergelebene, 
vekhe  sieb,  voo  unbedeutenden  Erhebungen  und  einzelnen  tiefer 
p/ngeschnittenen  Erosionsriuuen  abgesehen,  allmählich  von  N.  nach 
i  senkt.  Die  Ränder  des  Weichselthaies  sowohl  als  auch  die 
efen  Erosionsschluchten  lassen  vielfach  den  regelmässigen  Aufbau 
*$  Geländes  aus  Oberem  Geschiebemergel,  Unteren  Sauden  mit 
igelagerten  Thonmergeln  und  bei  Althausen  bei  Kulm  einer 
ink  von  Diluvialsandstein,  sowie  Unterem  Geschiebemergel  er- 
nnen,  ohne  jede  andere  Andeutung  einer  Eisrandlage  als  etwa 
Q  südöstlichen  oder  sudwestlichen  Verlauf  der  Thalzüge.  Eine 
Qz  entsprechend  aufgebaute  Geschiebemergelebene  liegt  östlich 
3  tief  eingesenkten  Beckens  von  Graudenz  in  der  Gegend  von 
[onin  und  Liuowo,  tief  durchschnitten  von  den  Thälern  der 
sa  und  Lutrine^). 

Zwischen  diese  beiden  Geschiebemergelebenen  schiebt  sich 
il  aufragend  ein  Streifen  stark  welliger  Grund moränenlandschaft 
t  zahlreichen  Kuppen  und  Kücken  aufgeschütteter  Sande  und 
ande  und  sog.  Durchragungen  meist  gröberer  und  feinerer 
ande,  dessen  Lage  ungefähr  mit  der  von  KeilhaCK  vermutheten 
srandlage  östlich  der  Weitjhsel  übereinstimmt.  Innerhalb  dieses 
rwiegend  aus  stellenweise  recht  steinigem  Geschiebemergel  und 
and  bestehenden  Höhengebietes,  dessen  Formen  in  gewissen 
teilen  auffallend  das  Gepräge  der  Endmoränen  mit  Sandrflächen 
Vorlande  und  Staubecken  im  Hinterlande  tragen,  kann  man 
t  ziemlicher  Sicherheit  drei  durch  tiefere  Senken  getrennte 
ippenzüge  unterscheiden.  Der  südlichste  derselben  beginnt  in 
r  Gegend  zwischen  Kornatowo  und  Malankowo  und  lässt  sich 
nn  in  vorwiegend  südöstlicher  Richtung  über  Linowo,  Szeroko- 
38,  Rynsk  und  Siegfriedsdorf  zur  Babie  Gora  nördlich  von 
ibönsee  und  weiter  über  Piontkovvo  nach  der  Sokblli  Gora  und 
m  Drewenzthale  dicht  oberhalb  Gollub  verfolgen,  während  sich 
ch  weiter  südlich  Spuren  einer  Vorstufe  finden.  In  seinem 
nterlande  liegen  die  grossen  Becken  des  Wieczno-Sees  und  des 
nilka-Bruches,  während  in   seinem  Vorlande   die  Schmelzwasser 


')  Dieses  Jahrbuch  f.  1898,  S.  CCXXIX-CCXXXI. 


l  -.ia  G.  Maa*.  Ücber  EatImoriDeD  in  Wettpi^UMcn 

durcli  zalilreicbr,   oft  tkf  eingcsohaitteno  Rinneu,   wie  diu  Schön  - 
Me-Oetrowitter  frnkc,    zur   Weichsel    und   DreweiiK,    bezw.     zuin 
Thorn-Ebi-rswiildiT   Ilauirtlb«!   gefohrt  wunioii.     Der  f:vnM<^   Zu^ 
ttctY.l   iu   der  (Jpgcnii   /.wisi-ln-n  Mulankowo   und  BlnDdaii   i-in   und 
xü'bt  sieb    KUDAcbttt   nach   0-   über   Kotttmwo.     Kl.  Czwpprln    iidcI 
Kgl.   Neudorf   nach    Arooldsdorf,    wo   i-r   nai-b   SO.  umbipgi,    uhvm 
ftlwr  Sittnn  Ucxvt.  Uriesen  und  Juworxe  in  ürand-  uud  SteiDwälleoA 
eine   ForlsrtÄiing    x\\    fiudea.      In    ecinem    Hinterlüiide    liegt    dpr     ' 
Mgowo-Sc«    und    fiiiigf    gleiuhfiilia    als   Staubecken    nulxtifa^cudo 
Bnti^liäächeD,    wfihreiid   mcbn-n*   /.iim    Dreweii/tbale  PDlwÄM-tTiid« 
Riniipu,    von    di>ueD    diis   oborbiilb   (.iolbib    mflndende    Slnigaiti&l 
l^ciiunnt  sei,  die  Schmelz wasspr  der  Sandr  im  Vorlandc  «uf'iiitbmeu- 
1>.T  tirirdbebslc  Zug  diese»   Syeteinea  besteht    aus    /,woi    steh    bc-i 
Uhcdcn    isuhaurcDdcn  Bo;;eri,    deren    westlieber    durch    dir    üric? 
Ulandau,  Goriiinen,  Mgowo  bt^/eicbnet  wird,  während  der  fiütlit^cs 
ober  den  Sclianzenberg  bei  LopMtken  im  SO.  Uohenkirch  er^ei(.■b•^H» 
wo  er  sCldlich  des  Ortes,  in  den  Kadick-Bergcn  hesiinder»  typisi-b«^ 
Kimneii  «eigt,  um  dann  ans«;heincnd  bei  Gr.  Druditaw  zu  cndigi-»»  - 
Au»  detii  Gebiete   dieses  EudmorSnenitiigee,    als    dcsEeo  Stai  »  — 
berki'M   mfin   den  grnsseo  Tbalkessel    von    GraudenK    aufzufiissc«» 
but,  der  sieb  wahrscheinlich  an  der  Stelle  einer  scbou  vordiluvralcr  »~» 
Senke    bildete'),    ist    hier    noch    eine    Tiefbohrung    au     erwähne- «*- 
Dieselbe    befindet    sieb    auf   dem    llabnbofo   Drusvbin    und    erg*»l* 
folgendes  Profil : 
0    —  5,5  Meter  brauner  Gescbiebemergel    )    =  Ob.  Gescbiet»^»— 

grauer  »  )  niergel. 

lehmiger  Grand  =  Oberer  Grand  (Og^)- 

grauer  Thonniergel  ^  ?  Interglaciul. 

kalkiger,  sandiger  Humus  ^^  Interglacial. 

graugrüner      Mergel      mit  1  .,  C^  e- 

hcD  Wurzelfasern  I 


5,5- 

'  ',5 

7,5- 

-   9,0 

9    - 

-1-2 

1-2    - 

-14,5 

14,5- 

-15,5 

15,5- 

2(i,5 

üti,5- 

-27 

.  «..hiebumergel  ■»•»* 

eraner  Gfschtebemergel        )  -       .             ..-     _ 

I  eingelagertenU.  er- 
grauer Merijeisand                 I  ,       , 

"                   ,1  gelsanden. 
grauer  Gesell  lebemergel        i 


■)  Sohr.  naturf.  Ges.  Daozig.      N.  F.  IX,  Heft  3    and  4,  S.   1S3    and   dies 
Jahrbuch  f.  ISüS,  S.  CUXIX-CCXX. 


und  aDgrenzoDcIeD  Gebieten.  137 

34-^37    Meter     Sand  =  Unterer  Sand  (djjg). 

o7— 40        »  grauer  Thonmergel  =  Unterer  Thonmergel. 

Wichtig  ist  hierbei  die  als  Interglacial  angesprochene  Moor- 
'"^•rgelschicht  aus  12 — 14,5  Meter  Tiefe,  deren  Bildung  auf  im 
L'Qteren  Geschiebeniergel  wurzelnde,  nicht  mehr  bestimmbare 
Pflanzen  zurückzuführen  ist. 

Der  von  Hünenberg  bei   Dramburg  bis   Hohenkirch   auf  etwa 

'00  Kilometer  nachi^ewiesene  Zug  der   südpommersch-westprcussi- 

sclien  Endmoräne    ist    aber    nicht    das    einzi«?e    derartige  Gebilde 

zwischen    der    groi^sen     baltischen    Endmoräne    und    dem    Thorn- 

Elierswalder  Hauptthal.     Allerdings  sind  die  übrigen  Endmoränen- 

zfige    Westpreussens    bisher   noch    nicht   in  ihrem  gan/en  Verlaufe 

festgelegt.        Doch    soll     schon     hier    dasjenige     bekannt    gegeben 

Werden,  was  sich  bislang  hat  feststellen  lassen. 

In  der  Gegend  von  Rose,  nördlich  von  Schönlankc  am  O.- 

liande    des    grossen    Waldgebietes    um    Schloppe,    tritt    zwischen 

einer    weiten   Sandebene    im  S.    und    einer    flacheren   Geschiebe- 

iiH'rgelfläche  im  N.  ein  Streifen  typischer  Grundmoränenlandschaft 

auf,  der  in  Kuppen   und   Kesseln    alle  Anzeichen  einer  Eisrandlage 

aufweist.     Nach  O.  zu  tritt  aus  dieser  verhältnissmässig  geschiebe- 

armen  Bildun^iC  ^in  Zug  durch  zunehmenden  Reichthum  an  iTjrösseren 

iiiul  kleineren  Geschieben  immer  deutlicher  hervor,  bis  sich  tchliess- 

lieh  diese  Kuppenlandschafl,  die  immer  die  Grenze  bildet  zwischen 

sandigen  Flächen    im   S.    und   Geschiebemergel   im  N.,    am   Dom- 

l>rowjiberge  und  den  Springbergen  nordwestlich  von  Schneidemühl 

m    ein  Gewirr    grandiger    und    steiniger   Kuppen    nnt  dazwischen 

^i<>gendeu  steilwandigen  Kesseln  und  Trockenthälern  auflöst.      Im 

^-    dieser  typisch   entwickelten  Endmoräne    breitet  sieh  ein  weiter 

oandr  aus,    der   sich   zum   Netzethal  hinabzieht,    während    sich   im 

»''«terlande    ein  Streifen    welliger    Geschiebemergellandschaft    ein- 

^*<*Iit.      Am   Rande    des  Küddowthales    zeigt    die  Endmoräne    eine 

***^tliche    kurze  Umbiegung  nach   N.,    woraus  hervorgeht,    dass  es 

^^^    hier    um    einen    Einschnitt    im    Eisrande,    ein    Gletscherthor, 

Oestlich  des  Küddowthales  ist  dieser  südlichste  Endmoränen- 
'   ö    im   N.    des   Thorn-Eberswalder    Uauptthales    noch    nicht    im 


0.  Maa 


Ui'bT  Bortmi 


1  Westpreiufe 


Audi  im  N.  der  sflcipoi 
ilir  VI' reinigten  Hammerstein- 
von  den  von  KbilhaCk^J  e 
logischen  Karte  der   Priivii 


Ziisamiiienlmnge  verfolgt.  E»  zeigten  sicti  inilessin  8pnren  Jensellii—  n 
mit  StHubeükpn,  Sniidr  und  Schmelxwasserrinneii  tn  verscliiedeiK — ^  u 
Gegenden  bei  Wissek,  Lohsens,  Vandshiirg')  und  MrotscIiei^Hii. 
Der  östlichste  Anslänfer  dieses  Ziigps  tritt  dünn  als  Pin-hm  -i- 
Pniewnoer  Endmorflne  in  das  Gebiet  der  Tnidielcr  Huide  ein  tin^^nil 
wurde  sia  solcher  ebenso  wie  seine  östliche  Fortset;(iing  herciw  ts 
bwoh  rieben. 

merseh-weetpreu heischen  »n<J  der  m^H-irl 
i-Tiicheler  Endinoritne  liegt,  iibgeseh^^^BD 

,  Preussen  IHOOOnO  (Itlnit  I>irsel.=i^O 
angedeutete»  eiidmorätieniirtigen  Bildungen  in  der  Gegend  vi  an 
PreuBsiinch  Stargard,  ein  einer  späteren  Phase  des  Iniandeis-RficÄ*- 
xuges  entsprechender  EndmoränenKiig,  der  sich  gleichfalle  a  « tf 
weite  Strecken  hin  verfolgen  läset. 

Genaner  festgestellt  wnrde  dieser  Zug.  der  sich  wiihrschei  »»  — 
lieh  Aber  Kamionna  nordöstlich  von  Czersk  weiter  nach  W.  bi«»  — 
xielit,  znnäch&t  im  Gebiete  der  grossen  Seen  am  0-Uand>-  d«*»" 
Tiicheler  Ilaide. 

Derselbe  beginnt  mit  Blockbestretiung  der  stark  wellig«*  ki 
Landschaft  bei  Ossiek  am  Gr.  Kalemba  See  und  zieht  sich  ■  *^ 
Gestalt  von  Grandklippen  nn'l  Rlickon  steinigen  Sandes  ostwil«"*=^ 
über  Jaszirek  und  durch  den  Lesiiianer  Wald,  um  von  der  Cn^^" 
wiusk-Rnlowshaider  Chaussee  an  den  steinbestreiiten  Aussenrai»" 
einer  gestauchten  GrundmorSnenlandschaft  um  Oissewo  und  R««^~ 
kowken  zu  bilden,  an  den  sich  nach  S.  ein  Sandr  bis  zum  U<^~ 
sohlt/-  und  Radsoe  anschlieset.  Von  W.  nach  O.  nimmt  dies^*" 
Zug  sowohl  im  ßodenmaterial  als  in  den  Formen  immer  me^'**' 
den  Charakter  der  echten  Endmoräne  an,  um  in  dem  bis  1^-' 
Meter  anfragenden  Höhengebiete  von  Adl.  Kamionken  sich  »■■* 
typisclie  Endmoräne  r.u  entwickeln. 

Hier  biegt  die  Endmoräne   ziemlich   scharf  nach  N.  um  isr»*' 


bildet  in  der  Gegend  von   Lalkai 


rwinsk,  Königswalde  i**^ 


')  Diese«  Jahrbuch  f.   1SD8,  S.  CCXIII. 

*)  DifiBes  Jahrbuch  f.  1889,  S.   117.      Vergl.    auch    LEPaiDs,  Geolog.    K»*"** 
1  DeaUcJiland,  Blatt  Bromberg. 


nnd  angrenzenH«  n  Go^aoteo.  189 

ierondziio  im  Gebiete  einer  im  Verhältniss  z!ir  Höhe  sehr 
malen  Staumoräne  den  O.-Rand  der  Grundinoranonlandschaft 
;en  die  Senke  des  Weichseithaies,  geilen  welches  sie  vereinzelte, 
rstufen  entsprechende  W(»Ilen  aussendet.  Echte  Blockpackungen 
len  hier  allerdings  vollkommen  und  auch  die  ßlockbestreuungen 
en  mehr  oder  weniger  zurück.  Trotzdem  aber  kann  die  End- 
räncnnatur  dieses  zuweilen  äsartigen  Rückens  keinen  Augen- 
L-k  z'weifelhaft  sein.  Seine  für  die  Endmoräne  charakteristischen 
rinen  wurden  bereits  von  Jentzsch  eingehend  beschrieben,  der 
ihm,  sowie  in  parallel  verlaufenden  Vorstufen  eine  erst  nach 
lajieruns:  des  Oberen  Diluviums  entstandene  tektonische^)  Fal- 
g  erblickte,  während  Wahnschaffe*-^)  in  diesen  Rücken  drum- 
irtige  Bildungen  vermuthet.  Diese  Vermuthimg  dürfte  für  eine 
s^ahl  kleiner,  nordsüdlich  gestreckter  Rücken  wohl  zutreffen, 
dann  in  der  Bewegungsrichtung  des  Eises  hinter  den  Zwischen- 
reii  der  Endmoräne  entstandene  Drumlins  darstellen  würden, 
r  die  aus  dem  Gelände  scharf  hervortretenden  HauptrOcken 
st  sich  aber  eine  solche  Erklärung  ebenso  wenig  aufrecht  er- 
Iten,  wie  etwa  die  Annahme,  dass  es  sich  um  Geschiebemergel- 
.r  handelt,  wie  deren  eines  Keilhack  aus  dem  westlichen 
nterpommern  beschreibt^). 

Jentzsch  sagt*):  »Der  höchste  Punkt  (d.  i.  des  Blattes  Mewe) 
50  Fnss)  bezeichnet  den  Gipfel  eines  höchst  auffälligen  Rückens, 
r  sich  150—  500  Meter  breit,  mehr  als  5  Kilometer  lang  von  N. 
ch  S.  vom  Jonkathale  bis  zum  Smarszewoer  See  (Section 
(Insterwalde)  hinzieht.  Die  eigenartige  Gestalt  dieses  Rückens 
nnert  an  die  eines  schwedischen  As  ...  .  So  erweist  sich 
»ger  Rücken,  dessen  Gestaltung^  Beziehunujen  zum  Verlauf  zahl- 
icher  benachbarter  Wellen  zeigt,  als  eine  Bodenfalte,  deren 
ter  jünger  als  das  des  Oberen   Diluvialmergels  sein  muss.      Die 


»)  Vergl.  Sehr,  naturh.  Ges.  Danzig.     N.  F.  VII,  Heft  1,  S.  178. 
*)  Ursachen     der    OberfiftcheogestaltuDg     des     Dorddeatfchen     FlachlaDÜes. 
.  Aufl.),  S.  77. 

»)  Dieses  Jahrbach  f.  18vm,  S.  CXCV. 

^)  Erläuteruugcn  za  Blatt  Muwe  d.  geol.  Spec- Karte  Ton  Preusscu  u.  s.  w., 
8—9. 


1 40  G.  M*A4,  Dobor  Bndmotilaeii  i 

N.— S.  bis  NW.— SO.  streicben.lon  Wellen  bei  Köuigswiildt-  tiij<] 
DKierond/uo  erscbeinen  als  Vorwellen  desselben  ROckens",  (lessea 
GcsUlt  HU  nii(U-rer  Htille')  lotgctKiermaHsecti  b^scliricbcQ  wird: 
»Dieser  Haiiil  verhält  sich  seiner  Nachbarschaft  gegeuüber  als 
aufgepressle  Welle,  liinter  welcher  unregeliij&smig  i^ealaltete  Ein- 
seiilcimgeu  liegf'ii.  In  di^r  NO.-Sirecke  (des  lil.  Mnnstcrwaldes)  tritt 
eine  solche  so  nahe  heran,  dass  die  Aiif|ires3iui^  uls  rriii,  den  schwe* 
discbeu  Xsar  ähnlicher,  nur  150 — 200  Meter  breiter  Ufickeu  siiA 
&  Kilometer  lang  nordwärts  -zieht.«  Zu  dieser  Staiiinoräne,  mit  dtMTD 
Eiitfitehiiiig  die  von  Jentzhcu  aus  der  Gegend  von  DxierondKno 
heechriehenen  Liigernngs Störungen^  iiimiittolbnr  /.ithaitimenhftngfn, 
gehören  al-j  Sandr  bcKw.  Schiiielzwasserrinneo  dos  unt<T(;  F<ts4>- 
thal  und  Jbntzscu'ö  MOnsterwalder  Thal  mit  seiner  nordwestlichen 
Fortsetzung.  Dase  diescrs  Sandgebict  iu  der  Thiit  als  Suiidr  auf- 
Kufassen  iät,  geht  auch  aus  folgender  Angabe  Jentzsch'b*)  Uervor- 
»Der  erwähnte  .Asar-ähnlii.he  Kücken  von  Köuigswttlde  sftat  durch 
diL'Sen  Sandstreifeu  quer  hindurch  und  kann  daher  erst  nach  Ab- 
lagerung des  Oberen  Diluviulsaudea  entataudeu  »eiu«.  E»  xeigt 
dies  ulso,  dastf  hier  an  der  Äustrittsstelle  der  SehmeUwasäer  die 
Endmoräne  nicht  als  Slautiioräne  entwickelt  ist,  uud  hier  tritt 
auch  die  GeiichiebebesuhüttuDg  deutlicher  hervor. 

Durch  die  Oscillationen  des  Eiarandes  be/w.  durch  ungleich- 
förmige Ablagerungen  im  Endinürauengebipie  lassen  -ich  auch  die 
ans  diesem  Xheile  des  Weichseithaies  mehrfach  erwähnten  zahl- 
reichen Geschiebemergelbäiike  mit  ?.  wischen  gelagerten  Sanden  und 
Thonen  sehr  gut  erklären. 

An  dem  breiten  Weichselthaie,  der  iu  einer  Lücke  des  Eis- 
randes südwärts  entströmenden  Schmel/wasserrinne,  schaaren  sich 
die  Bogen  der  nördlichen  Endmoräne  und  nur  untergeordnete 
Moränen  wälle,  die  bereits  von  JENTZ8CH  erwähnten  sQdöstlicl) 
beüw.  uiu'döstlich  verlaufenden  Geländewellen  der  Blätter  Mewe_ 
MOnstcrwalde,  Pcstlin,  Gr.  Khodau,   Gr.  Krebs,  Nieder/.ehreQ   udcH^ 

')  Erlluterangen  au  Bl.  Münatyrwalde,  S.  8. 

*!  Erläuterungen    zu    Blati  Mewe,    S.  2j— 29  und  dieses  Jahrbuch  f.  18S-— 4 
S.  447-450. 

^)  ErlftuteruDgeu  zu  Bl.  MüDstornalde,  S.   11. 


und  angrenzenden  Gebieten.  141 

Riesenburg  ^)    schieben   sich    innerhalb   dieser  LOcke    zwischen  die 

Haiiptzüge   ein.      Der   Verlauf  dieser   Zwischenbogen   fallt   im   O. 

^er  Weichsel,    wie   Jentzsch    angiebt,    mit    der     Streichrichtung 

^es  Sonon   im  Kreise    Pr.  Holland    zusammen,   weshalb  Jentzsch 

*^'nen  tektonischen  Zusammenhang  beider  vermuthet.     Es  ist  aller- 

^'ngs  durchaus  nicht  ausgeschlossen,  dass  diese  Uebereinstimmnng 

*^^ine  zufällige  ist,    wenngleich  man  von  jugendlichen  tektonischen 

Störungen 2)    in    diesem    Falle     jedenfalls    abzusehen    hat.       Aber 

^*Hleicht   hat  man  es  hier,    wenn    auch    nur  in  geringerem  Grade, 

'*^it  ähnlichen   Beziehungen    zwischen   der   Lage   der   Endmoränen 

'■od    den    Höhenverhältnissen    dos    vordiluvialen    Untergrundes   zu 

^•^im,    wie  sie  E.  Geinitz    aus  Mecklenburg   schildert 3)   und    wie 

^■t^  am   W -Rande  der  Tucheler  Haide  zwischen  Endmoränen  und 

^^n  Tertiärsätteln  angedeutet  scheinen,  dass  nämlich  die  Lage  von 

^  nfragungen   des   vordiluvialen  Untergrundes    die  Lage  der    End- 

'Ooräne,  hier  nur  der  kleineren  Vorstufen,  bedingte. 

Der  Verlauf  der  Hauptendmoräne  im  O.  der  Weichsel  lässt 
^^)er  solche  Beziehungen  nicht  entfernt  erkennen.  Als  fast  ge- 
^tuies  Spiegelbild  des  westlichen  Hauptbogens  zieht  sie,  meist  in 
Viestalt  eines  oder  mehrerer  paralleler  Züge  von  Staumoränen  und 
Ourchragungen,  nur  hier  und  dort  durch  stärkere  Bestreuungen 
^«Icr  ßlockanhäufungen  be/ei(thnet,  erst  in  nordsüdlicher,  dann  in 
^ridöstlicher  Richtung  durch  die  Gegend  von  Kiesenburg,  Frey- 
5^tadt  und  Lessen.  Ihr  Verlauf  zeijjt  im  Einzelnen  innerhalb 
Oieses,  als  Ganzes  betrachtet,  eine  /nsanunenhängende  Grund- 
'iioraneDlandschaft  darstellenden  Gebietes,  das  in  seinem  Aeussercn 
f^rosrsc  Aehnlichkeit  mit  dem  weiter  südlich  gelegenen  End- 
Hic)rrmengel)iet  von  Rheden  und  Schöusee  besitzt,  mannichfache 
-Abweichungen.  I^og(»n  reiht  sich  an  Bogen  und  oft  verfliessen 
<:^der    durchkreuzen    sich    die   dicht  gedrängten   Etappen  mit  ihrem 


*j  Vcrgl.  die  Erläuterungen  zu  diesen  Blättern. 

^  Erläuterungen  zu  Blatt  Postlin,  S.  3. 

^}  Die  wechselseitigen  Beziehungen  der  mecklenburgischen  Seenplatte,  der 
^iesohiebestndfen,  Endmoränen  und  des  Hötzgo'  iri^suntergnindes.  XYIIF.  Be.trag 
%..  Geol.  Mecklenburgs.  (Arcli.  Ver.  Freund,  d.  Naturgcsch.  in  Mecklcnb.,  Jahrg. 
^3  [1899],  Heft  1.). 


t43  G.  iUuL,  Ueb^  Bodmailsea  in  We^lpreoaKu 

Gewirr  von  Kiippeu  iiod  KOcken,  in  ilciieD  Jbktxscm  ')  u-klouiulic 
BildiiD^ii,  lloretr,  rrbliL-kt,  *tpni^t«?D$  li»  drn  t>un.-hr«gungn), 
Jmvq  [uikiii.-be  wohl  ul&  Obere  S«ude  mit  ^iti gelagert i-iu  Grauhiebr- 
tnergel,  iJä  saudigc  AusbiU ausformen  der  Eodmorflup,  BüfzU' 
fiiKKO  t»iui].  Grössere  Saodr  fehli-D  dir^u  Tbcile  der  Budmoräue, 
binter  dt^ren  Zagen  sicli  in  beiitigeu  S«eti  oder  AUuvi«lfl&i-beii 
»rOäSerp  oder  kleinere  SiKubecken  in  grosser  Zahl  Gnd<»i,  uuJ 
nur  hier  imd  dort  legen  eicit  vor  ihrr  Wellen  S»ndfli4:iieti,  uua 
deiH-u  ütb  nach  SW.  «ntftti Oineude  ScUmeUwKgserrinticD  eui- 
w!<-k(-In.  Ein  sicher  siliön  aiiA^bildeter  Sandr  legt  «idi  beUfkls- 
mriiti  an  die  Eadmorioe  U-i  Rieseobnig  nn,  dureli  da«  Tbal 
der  Liebe  entwässert;  «Iialie&e  Bildungen  iindeu  eicli  vielfu-h 
inoerbjüb  der  Messtisfhhlitt.'r  P.-etiin.  Gr.  R.ibd*n.  Gr.  Krebc. 
ßi«»enbuq;.  Nieder:reliri-n.  Frej>tadt,  Sti^iwrnleu  und  Gr.  Pliiwenic 
Oft  l<^l  sii^  BU(^  vor  die  Endmoräne  nur  ein  liugrres  oder 
kQnerea  LCi^stlud.  inweilrn  durch  Kro>ion  mrjir  oder  wei)i<;rr 
vertieft  oder  durt-fa  fia<riojrlaci«le  Sedimente^}  aufgelilllt,  ron  denru 
sich  duin  die  SckmeltwaaeerTinwn  «bzwei^ren.  Ah  »c>K-be  dem 
CndiiioräiieOi^eliieie  tut  ström  ende  Si-hin''liwjisaerrinneu  einJ  zu 
nennen;  das  untere  Liehethnl.  das  Przenxaw«tlial  und  untere 
Gardeukatlial  bei  Rf^^ieiibau^'u  und  d:is  Ossathal  uuterbalb  des 
Plowenxer  Sees.  Das  letztere  besteht  im  Weacntlichen  aus  durvli 
Qnertbiler  mit  einander  rerbuudeneu  L<äDgsthalsißcken  und  etelll 
so  den  Ueber^ng  d«r  la  den  erwihotm  Längstkälero  vor  der 
Endmoriue.  von  denen  hier  das  Frevstwlter  Thal,  die  durch  den 
Nogatsee  und  den  ebeniali^en  Krobeuestsee  bezeichnete  Rinne 
sowie  die  von  Gr.  Thiemau  zur  Ossa  sich  erstreckende  bn'ite 
AUurialniederuug  mit  ihrer  südöstlii-hea  Farts^zung  genaunt  seien. 
Ein    noch    weiter   luriivkl  legender   Zu^    dieses   Endrooräuen- 


**  Aaf  den  ^vok>$iK'bca  Kuwa  «t^aw  «ie  die  äaaiin«Bde  aad  viele  Sita- 
httktmsKtiit  ab  üntM«  Satie  4iixw««jh.  oltank  voU  »ar  mft»  ihrer 
Ibcfctigfccit;  hiMMC.  «>«>-  aaf  Üt  mi^tiadk  «rwikM««  AUagKaaitsverUmbs« 


und  aogrenzeDden  Gebieten.  143 

Gebietes,     welches    die    Geschiebeiuergelebeiie     von    Linowo    und 
Okonin  gegen  NO.  begrenzt    und    zu    ihr    in    dem    gleichen    Ver- 
hältniss   steht,    wie    die    Rheden-Schönseeer    Endmoränen    zu    der 
Cbeoe   von  Kulm  und  Kulmsee,  führt  nach  SO.  zu  dem  gewaltigen 
Ciidinoränenbezirke   der  Kernsdorf  er  Höhen^^.     Diesem   Zuge 
8itid  ^^rahrscheinlich  auch  die  Blockbestreuungen  und  Blockpackungen 
im    Kreise  Mehrungen  zuzurechnen,  die  sich  besonders  im  Besten- 
dorfer    Forst,    im    Reichertswalder   Fofst    und    am   Mariensee    be- 
merkbar machen^;.     Da  sich  an  die  Kernsdorfer  Höhen  die  Eud- 
iiioränenzöge  Ostpreussens  anschliessen,    so    wird   durch   die  nörd- 
liolisten   Endmoränen    des  östlich   der  Weichsel    gelegenen  Theiles 
von    MTestprcussen   eine  Verbindung  hergestellt   zwischen  den  ost- 
preussiscben    und   den   westpreussisch-pommerschen  Eudiuoränen- 
9!:ug«tu;     aber     diese     Verbindung     vollzieht    sich      anders,    als    es 
K.E:irjaACK  auf  seinen  mehrfach  erwähnten  Karten  andeutete. 

In  seiner  Abhandlung:    »Die   Stillstandslagen  des   letzten  In- 
l«t.ndeises  u.  s.  w.«^),   hat   Keilhack   die    von    ihm    bereits    früher 
ssiusgosprochene    Ansicht^)    näher   ausgeführt    und    zu    begründen 
Versucht,    dass    sich    jedes    der   norddeutschen    Urstromthäler    als 
ILiängstbal    auf   eine    bestimmte  Phase    im    Inlandeisrückzuge,    auf 
^iiie     längere  Stillstandslage    des  Eisrandes  beziehen    lasse.       Hin- 
sichtlich des  Thorn-EberswalJer  Hauptthaies  war  er  dabei  zu  dem 
l£rgebuiss  gelangt,  dass  die  diesem  Läugsthale  entsprechende  Eis- 
t'iindsiage    durch    die    in   ihren    verschiedenen  Theilen  gleichzeitig 
gebildete  sog.  grosse  baltische  Endmoräne  bezeichnet  werde.  Auflallend 
i^t  dabei    nur,    dass    sich    diese   in    dem   Gebiete   zwischen   Drage 
i^mil    Weichsel   so    weit   von   ihrem    Längsthaie    entfernt,    während 
^oDst    im   Allgemeinen    Thal    und   Eisrand    nahe   benachbart   sind. 
^A.ber    diese   Entfernung    wurde  auf  eine    hier  bereits  eingetretene 


0  Vergl.  A.  Jentzsch,  Nachweis  der  beachtenswertben  und  zu  scbützenden 
X3äame,  Sträacber  und  erratiscben  Blöcke  in  der  Provinz  Ostpreussen.  8.  Bei- 
t.rag  z.  Naturkund«"  Preossens,  S.  116 — 117. 

3)  Dieses  Jabrbacb  f.  18^8,  S.  BO  ff. 

^  z.  B.  dieses  Jabrbacb  f.  1897,  S.  95  und  113  ff.  Weitere  Literatur  s. 
^^ARKSOHAFPE,  Obeifläcbengestaltuug  (2.  Aufl.),  S.  17G. 

*)  Vergl.  JkuiTzsoH,  Nachweis  n.  s.  w.,  S.  111. 


Ditl'erenzirung  Urs  Eisranilc^s  üurflckg<?ßl)irt,  iudetn  bivr  eioa  gK 
wültigr  Hiniji-biinriing  den  Eiarand  ia  zwei  Lapiien,  deo  Odw 
lind  Wcirhsclhogi^n  verlegen  Hallte.  Die  Aunahmc  d«r  Zusttmmeii- 
gebdrigkoit  von  Tbal  und  Cmliiiorüne  sttitztc  sich  niiub  diirniif 
daas  Hn  Zusatnmciiliang  üwiKcbcn  den  unmitMbKr  vor  der  gtossn 
tiftttiach^n  Endmoräne  nachgcwipspncn  Sandrflä.hpn  und  d«'n  Sand 
gebieti-u  im  Mflndiingsgebieto  der  nördliubon  ZiiflOsso  dca  Netzc^ 
tbnirs  voriiii»g08(^ti-.t  «riirdo,  diiss  ulso  dioBP  ZiiflnAS«  gewalti^o  vi» 
der  Endmoräue  bitt  zum  Nel/.''tbul<<  reiuli'^iidt',  diiivb  nacli  N.  ^o) 
vcrjflngondp  r>ibivinl|iliitpini8  gplrennte  vind  zuweilen  dtirob  mei» 
klcinero   dibivialc  Inseln   iiiiterbrni^benp  Siuidr   entwAssera   sollten 

Uotpr  den  bii^raus  sieb  •'rgrbmdcii  ViirHiieBi't';inigeD  mnssl' 
man,  da  ja  die  grosse  balti^obi^  Eudiriorftnc  in  ibren  vcrscbiedfooi 
Theilen  in  der  Nciimark,  in  Ilintorponim^rn  und  West|>reuMei 
eine  gb'iuh/.eitige  Bildung  bciii  aoll,  in  den  bescbri ebenen,  wett^ 
sQdliub  geleg<>nen  Endmoränen xfigen  iiicbr  tintergeorduet«  llildniigen 
gleicbsiiiu  Vorstufen  der  grossen  baltischen  EndmorSue  ei  bücken 
Wer  aber  jemals  die  Formen  dieser  Züge,  besonder»  der  au 
fibcr  211(1  Kilometer  Lange  nindigewiesenm  sildp<iinmi'isfli- wt■^l 
prcussiüubeu  Endmoräne,  gesehen,  viv.r  je  die  Gescbiebemengei 
crbliekt,  von  denen  in  diesen  Zßgen  oft  viele  Hundert  Cubikmetei 
auf  wi'uigen  Hektar  Kläcbe  angebänft  sind,  wird  iiicbt  zweifeln 
dass  er  es  bier  niebt  mit  'Vorstnieu,  sondern  mit  vollweiibigei 
llau[>tendinorSnen  /.u  tbun  bat. 

Es  war  aucb  gezeigt  worden,  dass  man  keineswegs  das  gan/i 
Gebiet  der  Tuubeler  Haide  als  einen  zusaminenbüngendei),  ge 
waltigen  Sandr  aufzufassen  bat,  der  sieb  von  O.  uacli  W.  übei 
(i  Messtiscbblutter  erstreckt  und  naeb  S.  bin  alluiäblich  sicli  wiedei 
zu  zwei  Triübtern  vereu<rt,  die  durch  die  Brabc  und  das  Seliwarz- 
wasser  entwässert  werden.  Es  war  vielmebr  darauf  hingewieser 
worden,  dass  in  diesem  Gebiete  neben  /.abireichen  Sandrfläcbei 
aucb  Saudmasst'U  autireten,  die  man  als  Facies  der  GrundmorSni 
zu  erklären  bat.  Aebnlicbe  Verhältnisse  dürften  sich  vielleicbi 
bei  genauerer  Untersuibung  aucli  in  anderen  bisher  als  Saudi 
angcsproclieiien  Gebieten  nachweisen  lassen.  Neu  nachgewiesen 
wurde    dagegen    ein    grosser    Sandr    innerlialb    der    grossen    vou 


und  angrcnzendon  Gebieten.  145 

Bromberg  and  Schneidemühl  aus  nach  N.  bis  über  Konitz  hinaus 
sich  erstreckenden  Hochfläche,  in  deren  Mittelpunkte  Zeinpelburg 
UD(]  Vandsburg  liegen,  ein  Sandr,  der  nach  S.  durch  das  aller- 
dings nicht  sehr  breite  Thal  der  Lobsonka  mit  dem  Thorn- 
Eberswalder  Hauptthal  in  Verbindung  steht. 

An  verschiedenen  Stellen  war  ferner  bereits  auf  die  engen 
Beziehungen  zwischen  den  westpreussischen  Endmoränen  und  den 
nach  S.  entströmenden  Schmelzwasscrrinnen  hingewiesen  worden. 
Aber  diese  Beziehungen  bestehen  nicht  allein  darin,  dass  sich 
diese  Rinnen  als  Abflüsse  der  die  Endmoränen  begleitenden  Sandr 
erweisen  oder  dass  ihre  Lage  durch  Lücken  des  Eisrandes, 
Gletsoherthoro,  bedingt  wurde.  Vielmehr  besteht  auch  ein  so 
inniger  Zusammenhang  zwischen  den  Endmoränen  und  den  Thal- 
stufen innerhalb  der  Schmelzwasscrrinnen,  dass  man  auch  hier, 
^e  bereits  in  anderen  Gebieten,  die  einzelnen  Terrassen  unmittel- 
l>är  auf  die  verschiedenen  Eisrandlagen  beziehen  kann. 

Eine  genauere  Darstellung  der  hieraus  sich  ergebenden  Ent- 
'^ickelangsgeschichte  der  Hydrographie  im  südlichen  Westpreussen 
^örde  indessen  trotz  ihres  Interesses  hier  zu  weit  fnhren,  weshalb 
ich  mir  eine  solche  für  später  vorbehalte.  Es  soll  daher  nur  kurz 
^nf  die  entsprechenden  Verhältnisse  im  Gebiete  des  Weichsel- 
^hales  hingewiesen  werden.  Hier  sind  zwar  bei  dem  nördlichen 
^nrchbruche  der  Weichsel  und  der  damit  verbundenen  tiefen 
iJ-rosion  die  alten  südwärts  geneigten  Terrassen  fast  völlig  zerstört 
'Orden,  doch  gestatten  die  Reste  im  Verein  mit  den  in  den 
^itenthälern  erhaltenen  Thalstufen  die  früheren  Verhältnisse  noch 
""echt  gut  wieder  herzustellen.  Aus  einer  solchen  Wiederherstellung 
^^giebt  sich  nun,  dass  sich  innerhalb  des  in  seiner  Anlage  einen  nord- 
^Mlich  verlaufenden  Bruch  darstellenden  heutigen  Weichseithaies 
^^^  dem  Rückzuge  des  Inlandeises  über  Fordon  hinaus  beständig 
^*^e  südwärts  strömende  Schmelzwasserrinne  in  einer  Lücke  des 
'^'Brandes  befand.  Hieraus  folgt,  dass  man,  da  der  Eisrand  mit 
Aufnahme  dieses  Einschnittes  in  dieser  Gegend  im  Wesentlichen 
ß'nen  ost-westlichen  Verlauf  hatte,  füglich  nicht  mehr  von  einem 
"cich&elbogen  des  Eisrandes  im  Sinne  Keilhack's  wird  sprechen 
»önncD.     Es  ergiebt  sich  hieraus  ferner,   dass  sich  durch  das  immer 

•fabrbiub  1900  {Q 


146  ti.  UxAM,  Deb«r  Uadmortaeu  in  WeetpraBoMi 

tiefere  EinecbDeiden  der  ttndwärt»  strAm^ndeo  SdmielitwsEscr  he 
dem  Rftckr.iige  dt^  Inlaudcisps  dvr  sp&tpre  oörillichp  rigrcbbrud 
d«  Wcicbselthales  inaerLalb  einer  alten  Schmelz  wassern  nne  gm 
allniäblicb  vorbereitete.  \ 

Aus  diesen  bydrograpbiachen  VerhSltDissen  folgt  man  ni 
Sicherheit,  dass,  falls  wirldicb  zu  jedeat  der  norddentscben  Ur 
stromthMer  eine  bestimmte  Eisrandlage  gehört,  dies  f)ir  das  Thoro 
Eberswalder  Hauptlhnl  unrnSglieh  die  grosse  balliscbe  Endmoräii 
Keilhacks  facin  kann.  Die  im  O.  dt;r  Drage  an  das  Hauptiha 
nördlich  anätosgendeu  Sandr  lassen  sich  zunüchst  mit  dem  sQd 
liebsten  Endmoränenzuge  ini  nördlichen  Posen  und  gQdlicbei 
WestpreuBsea  in  unmittelbaren  Zusammenhang  briagen.  Dabe 
wird  man  zunächst  die  durch  diesen  Zug  bezeiubnele  Eisrand 
läge  zum  Netzetbale  in  Beziehung  zu  bringen  haben.  Wem 
übrigens  Keiluace  angiebt'),  dass  der  SQdrand  dieses  Tbalet 
allenthalben  von  Hochflächen  gebildet  wird,  die  nirgends  sandr 
artigen  Charakter  besitzen,  so  trißt  dies  mehrfach  /.  li.  Rir  da; 
Gebiet  zwischen  Cnarnikan  und  Kolmar  nirht  zu  Hier  ;£ei^i  siel 
nimlicb  im  Forste  Podanin  ein  deutlicher  sDdwftrts  geneigter  Sandr 
der  durch  das  Thal  der  Flinta  Aber  Ritechenwalde  zum  Welna- 
thale  entwässert  wird.  Zu  diesem  Sandr  gehört  eine  Eisrandlage 
die  in  der  Gegend  von  Schwerin  a.  Warthe  beginnt  und  sicli 
zunächst  ober  Birnbaum  nach  O.  und  dann  zwischen  Wronkt 
und  Samter  hindurch  nach  N.  zieht,  deren  Spuren  sich  ir 
den  Höben  von  C/aruikau,  Uscb,  Friedheim  a.  Netze  nnc 
Wirsitz  zeigen  und  zu  welcher  auch  der  von  Wahnschaffs 
beschriebene  Lubasch-As^)  in  Beziehung  zu  bringen  ist.  Fasi 
überall  zeigen  die  Gehänge  des  Netzethaies  oberhalb  der  Drage- 
mllndtmg  deutliche,  durch  Erosion  entstandene  Absehnittsproüle. 
und  der  dadurch  bewiesenen  Vertieriing  des  Hauptthaies  in 
ihren  einzelnen  Pbusen  entsprechen  die  bis  an  die  verschiedenen 
Endmoränenstaffeln  zurCickreichenden  Thalstufcn  in  den  nördlichen 
Nebenthäieru.       Hieraus  ergiebt  sich,     dass     wir     in     dem     bmgrn 

')  Dieses  Jahrbucli  f.   1898,  S.   107. 

')  Diesos   Jalirbiicii  f.    1891).   S.    -'77-28S    und    Ursaclie    der    Oberflichen- 
Beataitung  (-2.  Aufl.},  S.   170-171. 


Qod  aDgrenzenden  Gebieten.  147 

Stillstande  des  Eises  auf  der  Höhe  der  baltischen  Seenplatte  nicht 
die  erste  Ursache  für  die  Herausbildung  des  Längsthaies  ^)  zu 
suchen  haben,  sondern  dass  vielmehr  im  O.  der  Dragemündung 
die  durch  die  grosse  baltische  Endmoräne  Keilhack's  bezeichnete 
Eisrandlage,  abgesehen  von  dem  Durchbruche  der  Weichsel,  die 
äusserste  Grenze  einer  Beeinflussung  dieses  Thaies  von  N.  her 
bildete. 

Berlin,  den  21.  Januar  1901. 


^)  Dieses  Jahrbach  f.  1898,  S.  110. 


10' 


k 


r 


Faniia  aus  einer  Tiefbolirniig  in  jnngen 
Küsteubildangen  zu  Dar-es-Salüm. 

Vou  ITciTD  W.  Wolf  in  ßorlta. 

Ilinter  der  Borna  vou  Dar-cs-Salum  wurde  im  .lalire  ViOd 
ciiic  Tk'fboliniug  auf  Triukwusser  uie dargebracht,  welclie  eiu^ 
Tivfi)  von  162  Meter  unter  Terruin  erreicbte,  ohiiu  iltreu  Zw«k  '" 
erfttllen. 

Die  Stadt  Dttr-es-Salain  seihst  Hegt  auf  dorn  Voniemai 
piuor  10 — IJO  Meter  hoben  niariuen  Terraasei),  die  Boina  jwliwk ' 
beäeiitcud  niedriger,  und  ito  dQrfte  der  Ansatxpunicl  der  Tltl' ' 
bobrutig  auf  kaum  A  Meter  Meeresbühe  zu  scbstzeii  sciu;  J'' 
BohriiDg  würc  äIso  bis  <ra.  137  Mett>r  unter  den  Meeregspi'^gti 
vorgedniugeii.  Bis  xvt  dtosur  Tiefe  Btriieu  in  dem  Uobrloeb  ni" 
jugeudlicho  8chicbteu  von  ubwcciiecbid  lockerer  »ud  fcsttf  B^ 
scbaffenbeit  :ia,  dte  sieb  folgeudcrinaiiFseu  gliedern  lassen: 

1.  0  —  4  Meter  gelblicher  Qiiarzsaud,  mitlelkCriiig.  j 

2.  ;i— 1)        '       si:hwatli    biadiger,    weisser    QuarzsanJ   "''' 

ein>;ehieu  Feldüpäthcn,  ziemlich  grob. 

3.  9  —  17      '       thonigo,    zum  Tbeil   etwas  verfestigte  So.m 

uud  Siiudiger  Thon  (Lehm),  grau  uud  gel^i' 

4.  18  — ^S      '       «echsehide  Büuke    vou  Kalksandstein,   Kiff- 

kalk  uud  kalkhaltigem  Sand. 

5.  '21)  — o4      '       bellf^rauer,    auscheiueud    kalkfreicr,    zieniiicb 

feiuer  Saud. 
')  Navli  W.  lIiii;!iuAiiur,    Zur  OberOäclieitgesIulIUDg    und    Geologie  Deutsch 
Osurrik»».   (l>t!ulM-h'0»ufrikH,  liü.  Vll,  S.  l'Jä.    Ikrlin   190a    Diktricu  Kkihkr 


7. 

36    40 

» 

8. 

41—54 

» 

9. 

55     57 

» 

10. 

58-59 

» 

11. 

60—70 

» 

12. 

71     76 

» 

13. 

77     162 

» 

W.  WoLFF,  Fauna  aus  einer  Tiefbohraog  otc.  149 

6.      35  — 36  Meter  feinkörniger  Kalksandstein,    zum   Theil   fast 

reiner  Kalkstein. 

gelber  Thonmergel. 

dunkelgrauer  Thonmergel,  von  51  Meter  ab 
mit  Holzresten. 

kalkfreier,  dunkler  Tbon  mit  Holzresten. 

kalkfreier,  mittelkörniger,  thoniger  Sand,  er- 
härtet, grau. 

Kalksandstein,  kalkige  Sande  und  feste  Kalk- 
steine. 

braune  und  graue  Thonmergel. 

wechselnde  Schichten  von  Kalksandstein, 
Kalkmergel  und  Thonmergel  mit  marinen 
Fossilien. 

In  den  Tiefen  von  28  Meter,  57,5-58,5  Meter  und  124  Meter 
^urde  Wasser  angetroffen;  nach  Untersuchung  des  Gouvernements- 
Apothekers  SCHLÖRNIG  war  dasselbe  aus  28  Meter  schwefelwasser- 
^(offhaltig,  aus  124  Meter  (einem  concretionären  Kalksandstein 
^ütßtammend)  stark  salzig. 

Die  Schichten  1 — 3  sind  kalkfrei  und  fossilleer,  auffallender 
''eise  auch  der  Sand  5,  was  vielleicht  eine  Folge  von  Wasser- 
fthrung  ist.  Die  Schichtengruppe  8  enthält  eine  wahrscheinlich 
oraekische  Fauna,  die  kalkfreie  Schicht  9  scheint  sogar  eine 
Süsjjwasser- Ablagerung  zu  sein.  Dagegen  dürfte  Schicht  10  wohl 
^'^  sccundär  entkalktes  Hangendes  der  nun  folgenden  mächtigen 
Karinen  Gruppe  11  — 13  zu  betrachten  sein,  deren  Liegendes  die 
l^hrung  nicht  mehr  erreichte.  Es  ergiebt  sich  also  folgendes 
geologisches  Profil: 

1.  Horizont  des    gelben  \         =     »junge      Deckschichten« 

Sandes  J  Borniiardts. 

2.  Horizont  des  weissen  \    fossil-     ^ 

Sandes  [      leer      f  =  PMikindanischichten 

3.  Horizont     des     san- \  (  Bornhardt's. 

digen  Thons  '  ' 

4-    Obere  marine  Schichtengruppe. 


1 


5.    lirackische  Gruppe  (Cerithieiimergel). 

().    Ilolzführoude  Thonschiclit. 

7.    Untere  marine  Schiditongruppe. 

Was  ilen  paläolitolaKisulieu  Charakter  dieser  verscbiedenou 
Oriipppii  aiibelriÖ'l,  so  liegen  sicher  bestimmbare  Fossiliea  am 
der  oberen  rnariuen  Gruppe  nicht  vor.  Doch  zeigen  eiaKeioe 
Partien  des  lÜffkalkcs  aus  20  Meter  Tiefe  uudeutüclie  Korallen- 
stniotur.  Reichliche  fossile  Reste  finden  sich  dagegen  in  den 
Cerithieamergcln,  doch  gehören  dieselben  nur  wenigen  Arten 
au;  au<;b  sind  nur  kleine  Exemplare  leidHcb  erhalten,  alle  grösseren 
beim  Herausholen  des  plastischen  Thons  in  diesem  /erdrückt. 
Vorherrschend  ist  ein  win/Jges  Cerithium,  ähnlich  C.  (^Ih'ftium)  pu- 
sillutn,  aber  stärker  gewölbt,  mit  scharfer  Spiral-  und  Quersculptur. 
die  auf  der  Schlusswiudiiug  abnimmt.  Diese  Art  ist  besomicr» 
bei  44  Meter  reichlich  vertreten.  Mit  ihr  zueammeu  ündet  sich 
bereits  von  40  Meter  an  Area  granuhga  L.  in  kleineu  Exem- 
plaren. Diese  Art  ist  im  Kflstengebiet  des  indischen  Oceaos 
weit  verbreitet,     lieber  ihre  Staudorte  fand  ich  nur  bei  ANDERSf)S ')  4 

eine  Angabe,  wonach  sie  auf  Schlummbänken  im  Fluthnivt-na  j 
lebt.  In  Siam  kommt  sie,  wie  Herr  Geheimrath  v.  MarTBN'S  mir  — 
gütigst  mittheilte,  zusammen  mit  anderen  essbaren  Muscheln  von  .^ 
der  Meuam -Mündung  auf  den  Markt,  und  scbeiat  also  in's  -^ 
Brackwasser  hinauf/. u geben.  Ausser  diesen  Arten  fand  sich  im  Mn 
Mergel  ans  44  Meter  noch  eine  nicht  specifisch  bestimmbare  ^^ 
Landscbnccke,  zu  Coulboitiia  oder  Rumella  BoiiRG.  gehörig.     Nach  mt-M 

diesem  Befund   nehme   ich  an,  dass  die  Cerithieumergel  in  Land M 

nähe  wahrscheinlich  in  brackischem  Wasser  abgesetzt  wurden —  ^m 
Die  unter  ihnen  folgenden  Schiebten  enthalten  sehr  viel  organischem  «i' 
Substanz  und  Holxreste  und  sind  von  Ö5 — 57  Meter  kalkfrei  nn£»^' 
frei  von  Mollnskeuschalen.  Es  scheint,  dass  sie  einer  Süss—  .^■ 
Wasserbildung  angehören. 

Die    untere    marine   Gruppe    beginnt   in    58  Meter  Tief»^fc"  fe 
mit    thouigem  Sandstein    von    nicht     sehr   feinem  Koni,    den   icf-^^^'i 


pag.  207). 


'}  Liet  of  tlie  Shells  of  Hergui  (LinoeaD  SociAtf'g  Joamftl,  Zoology,  toI.  X^ 
2071. 


I 


in  jungen  Küsienbildungon  zu  Dar-es-Saläni.  151 

^U  sccuudär   entkalkte  Oberschicht   des  darunter  folgeudeu  Kalk- 
sandßteius   betrachte.     Die  Entkalkiiu«;  ist    wahrscheiulich   auf  die 
Einwirkung    der    humoseu     Stoffe    aus    den    Susswasserschichten 
zurückzuführen.      In      den     marinen     Sauden,     Kalksaudsteinen, 
Brcccien,  Thonmergeln    und  Riffkalken    bis    7ai    160  Meter    hinab 
(von    den    letzten    2  Metern   der   Bohrung  fehlen   Proben)   finden 
«ich     zahlreiche    Fossilien,    die    aber   meist   zur   Bestimmung  sehr 
schlecht    geeignet    waren.     Meist    sind    es   Fragmente    oder    nur 
winzige  Ganzsachen;  die  Bestimmung  der  letzteren  wird  besonders 
dadurch  erschwert,  dass  unsere  Kenntniss  der  recenten  Mikrofauna 
aus  jenem  Gebiet  noch  sehr  grosse  Lücken  hat.     Bei  den  Korallen- 
Resten  kommt  dazu  ihre  starke  Abrollung  und  secundäre  Structur- 
vcränderungen.     Die   meisten   der  im  Nachfolgenden  aufgefilhrten 
^Mollußkenschalen   stammen   aus   einem   mittelgroben  Sand,   der  in 
143  —  145  Meter   Tiefe    ansteht;   sie    gehören   winzigen   Arten   an 
oder   sind  junge  Exemplare  grösserer.     Die  Bestimmung  derselben 
wurde  von  mir  mit  Hülfe  des  recenten  Vergleichsmaterials  in  der 
Oonchyliensammlung  des  Berliner  Museums  für  Naturkunde  unter 
der  Leitung  des  Herrn  Geheimrath  v.  Marxens  ausgeführt.    Die 
Korallen  untersuchte  Herr  Dr.  W.  Weissermel,  der    mir  seine 
Aufzeichnungen  darüber  gütigst  zur  Verfügung  stellte. 

1.    Foraminiferen. 

Operculina  complanata  Defr.,   häufigste  Art,   aus  verschiedenen 
Tiefen. 

Amphistegina  Leasonii  d'Orb.,  131  Meter,  145  Meter. 

Alveolina  Boscii  Defr.,  145  Meter. 

Orbitolitea  complanata  Lam.,    Bruchstück    eines    massig    grossen 
Exemplares  aus  145  Meter. 

Ausserdem  eine  Anzahl  vorläufig  nicht  näher  untersuchter 
-tVrteu  (zu  Müiola^  Rotalia  u.  A.  gehörig).  Einzelne  Schichten, 
besonders  Thonmergelbänke  sind  wie  die  Foraminiferenmergel  von 
T)unga  auf  Sansibar  ganz  erfüllt  von  Operculinen  etc.  (so  iu  139 
\ind  154  Meter  Tiefe). 


\SS  W.  W...r.  FmM  IM  • 

i.   Korkllen. 
Kliflopkpra,   Thcil   eines  dit^km,   Ästigen  Sci>ck«i   mm  90  Mrter; 

i'vTQtT    eiu    gut   erluilieuM    Bradittfick    mit   eehr    kleiura 

KeU-h«'»  aiu  145  Meter. 
I^ptiutra-a,  zu   dieser  GallitO|j;  wahntciirinlieb  e'ut  kleines  StBck 

mit  «ehr  kleincD  filier  dos  CiMtAtcAiieochj-ui  bervorratf enden 

Kelches,  Hb  Meter. 
Gomiaitratn  (nder  Itritmattrata),  kleiites  BmchkUiek  einer  kloilt- 

xelligeo  Art,   145  Meter. 
farto,  eia  kleines  BravIistOck  aus    101  Meter. 
SiriatojMftvf,    x.a    dieser  Oattuag    gehöreu    Tielletclit  2   wjneige, 

gegnbelte  AeAtcheo  aus   1-lä  Meter. 
GatoMo  cf.  EUui  E.  a.  H.,  xu  dieser  «od  Ortmakh  lebend  auf 

deu  dortigen  Riffen   gcfandeoen  kleiaxelli|{eii  Art  dOrftm 

4  von  der  Cäneochym- Masse   abgebnicbene  Röbrcben  gr.- 

hörtrn,  143-144  Meter. 
Ffttgia,  Bnichstilck  eines  2  Zoll  ffnmeo  ESuHBplars,  104  Meter. 
Tn-ii»<'ri-},    HruihMrick    r-iüPj    fla,ben  Stockes,    älinücb    7".  mi- 

crottoma  EäRBKBG..  8»  Meter. 
l'orite»  cf.  luteum  £.  u.  II.,  -^  Bruchstücke  aiiä  89  Meter  und  ein 

abgerolltes  Bruchstück    aus   104  Meter  Tiefe    scheineu    zv 

dieser  Art  zu  gehören. 
Zur     (lallung     l'orites    sind    ferner     wahrscheinlich    2    kleine; 
liriiclistiicke  aus  1*2  Meter,    sowie    ein  paar    dick   lamellenforniig« 
Brnolütncke  aus   lOti  und    144  Meter  zu  rechnen. 

Mon'ipoia  cf.   ritlom   KuNZ ,    5    Bruchstücke    dilDD-lumelleDfÖr- 

niiirer  Stöcke  ülmclu  sehr  der  von  Klunzisger  gegebenen 

Abbildung  der  genanuten  Art.  89  «nd  93  Meter. 
Zu    Montipora  gehören  terrifr  3  sehr  schlecht  erhaltene  Bruch— 
btfickc  flacher  :Stöckp   aus  Il2  Meter    und    einige  Bmch&tQcke    au= 
144  Meter. 

Astiaeoi'ora    m^i-iop/tthalina    Lam.,    4   Verhältnis» massig    ansehn- 
liche Bnichstücke  dieser  leicht  kenntlichen,  auch  jetzt  be- 

Dar-es-Sal:\ui  lebenden  Art  sind  ziemlich  sicher  bestioim 

bar.   147  Meter. 


in  jangen  KnsteDbildungen  zu  Dar-es-Saläm.  153 

Madrepora^  6  Bruchstücke  dicker  Aestc  aus  89,  90  und  92  Meter; 
1  Stück  eines  flach  verbreiterten  .Astes  aus  92  Meter, 
I  kleiner,  flacher  Ast  aus  144  Meter.  1  kleiner,  knolliger 
Stock  mit  ästigen  Erhebungen  aus  95  Meter,  ein  flach 
knolliger  Stock  (Kelche  vorwiegend  auf  knolligen  Erhe- 
bungen der  Oberfläche)  aus  103  Meter.  Ausserdem 
4  Astbruchstücke  und  1  dünnes  Aestchen  aus  93  bezw. 
145  Meter. 

3.    Echinoiden. 
Unbestimmbare  Stachelfragmente  (144 — 145  Meter). 

4.    Bryozoen. 
'  Cupiilana  sp.  (145  Meter). 

5.    Pelecypoden. 

Aoicula  sp.,  ein  Bruchstück,   145  Meter. 

Pecten  cf  madreporarum  Petit,  ein  Bruchstück,   144  Meter. 

Ofivea  sp.,  zahlreiche,    ganz  junge  Schalen,    besonders  aus  144 

bis  145  Meter. 
Ana  tortuosa  Lam.,  144  Meter. 
^     ventncosa  Lam.,  kleines  Exemplar,  144  Meter. 
»     cf.    uropygimelana     BoRY,       ein     kleines     Exemplar    aus 

145  Meter  Tiefe  gehört    vielleicht  hierher,    hat    aber    auf- 
fällig weite  Zwischenräume  zwischen  den  Rippen. 

cf.  scap/ia  Chemn.,  144  Meter. 

sp.,   144  Meter. 
Pt'ctunrulus  j)e€tiniformi8  Lam.,  145  Meter,  kleines  Exemplar. 

»  cf.  pallium  Reeve,    14  j  Meter  (1  kleines  Exemplar). 

w//ia  sp.,  einige  winzige,  stark  gewölbte  Schalen  aus  143  bis 

145  Meter. 
^-ardita  difßciliö  Desii  ,  kleines  Exemplar,  144  Meter. 
^  irce  pectinata  Lam.,  2  Bruchstücke   einer  Varietät  mit  dünnem 

vorderen  Schlossrand   und  sehr  langer  vorderer  Zahngrube, 

145  Meter. 
Donax  sp.,   kleine,  ungleichseitige  Form  mit  innen  gezähneltem 

Rand  und  gewölbter  Ilinterseite,   145  Meter, 


1S4  W.  W<.Lrr.  l'Vuna  au*  oinei-  Tiafboliniop 

Tellina  cf.  obUquaiia  Desh.,  1  ExempUr  vou  gleitrher  Cieab 
wie  die  lebeiide  Art,  bei  welcher  »Iter  die  Streifuug  et« 
zurkrr  ist  «nd  die  UiubieRiiuysatelle  der  Streifen  dem  liaa 
näber  liegt-  T.  obliquülnata  Sow,  stiuuut  in  der  Sculpt 
bcöupr,  hat  «bcr  höhere,  mehr  dreieckige  Form,  144  Meii 

TilUna  sp,  glatte  Art,   144  Meter. 

Cylherea  (Cargatii)  sp.,  1  Bruchstück  eines  klciueu  Exemplil 
145  Meter. 

Di>sinia  gp.,  PmgiueDt,   145  Meter. 

Lutrariaf,  Fragment,  H5  Meter. 

6.  Suaphopoden. 

Mehrere  Bruihstücke  eines  kleiiien,  ^latteu  Deiitni'mm. 

7.  Oaetropoden. 

TfochuD  sp.,  1   Bnichstfluk    mit   querge falteten   obersti^ü  MitU 

wiudiiagcu  uud   nachfolgender  Spiralsculptnr,    145  Met( 
Natka  sp.,  iiuvoUkoniRienes,    sehr   kleines  Exemplar  einer  ni 

drigen  Art,  145  Meter. 
Neritina  afi'.  iialanen/ii  Less.,    ein  wegen    seiner  Kleinheit  nie 

sicher    bestimmbares  Exemplar    mit    erkennbarer   Farbe 

Zeichnung,   144  Meter. 
Ackatina  sp,,  unvollständiger  Steinkern  mit  Resten  der  dünnt 

Schale,  103  Meter. 
I*)/ramideUa  sp.,  winziges  Exemplar  mit  Querfalten,  144  Met( 
Ceritliiwm  roatratum  Sow.,  kleines  Exemplar,   145  Meter. 
»  ec/iinatum  Lah.,  kleines  Exemplar,  145  Meter. 

Columbella  (Mitfella)  cf.  li^ula  Dl'CLOS,  145  Meter. 
Marginella   cf.   acellana    Lam.  ,    1  Esemplar,    ohne    Wulst   (a 

gescheuert?)    uud    mit    etwas    stärkeren    Zähnen    an   d 

Aussenlippe,  sonst  mit  der  lebenden  Art  Überein stimmen 

145  Meter. 
Marginella  cf.  milUiri»  Lam.,   mehrere   winzige  Exemplare,  1 

bis  145  Meter. 
Cypraea  moneta  L,,  1   kleines  Exemplar  einer  extremen  Variet 

mit  abwechselnd   stärkeren   und   schwächeren  Zähnen  a 

der  Aussenlippe,  89  Meter. 


in  jangen  Küstenbildangen  zq  Dar-es-Salam.  155 

• 

Cypraea  {Trima)  oiyza  Lam.,    1  kleines  Exemplar,    144  Meter. 

Krato  sp.,  1  kleines  Exemplar  einer  anscheinend  neuen  Art  mit 

feinen    Spiralrippen,    die    sich    auf    die    obere    Ecke    der 

Aussenlippe     hinaufwenden ;     hierin     sich      der    Gattung 

Trioia  nähernd,   im  Uebrigen  typische  Erato^  145  Meter. 

Murex  sp.,  Fragment  einer  stachligen  Art,   145  Meter. 

Mitra  äff.  simplici  Dkr.,  glatte  Art;  einziges  Exemplar,  sehr 
klein,  anscheinend  jung  und  nicht  sicher  bestimmbar, 
145  Meter. 

Aiitra  sp.,  Fragment  einer  gerippten  Art,  145  Meter. 

Olica  sp, kleine,  unbestimmbare  Exemplare  aus  133  und  145  Meter. 

Ancillaria  fulva  Swainss  ,  sehr  kleine  Exemplare,  145  Meter. 
»  (Bari/spira)  sp.,  unvollständiges  Exemplar,   144  Meter. 

Conus  sp.,  Gewindekegel  einer  ziemlich  hohen  Art,    144  Meter. 

Cylichna  sp.,  kleines  Exemplar,   145  Meter. 

8.    Crustaceen. 

Aus    81   Meter   und    154 — 155  Meter    liegen    unbestimmbare 
Krebsreste  vor. 

Soweit  diese  reichhaltige  Fauna  sicher  bestimmt  ist,  entspricht 
^*e  der    heutigen    des    indischen    Oceans.     Die    unbestimmbaren 
^^-^ste   mögen    zu    einem    kleinen   Theil   noch    unbekannten   Arten 
^iigehören;  ob  unter  diesen  Arten  sich  auch  ausgestorbene  befinden, 
darüber  wage  ich  keine  Vermuthung   auszusprechen.     Von  dieser 
^^ite  lässt  sich   also  auch  kein   Ruckschhiss   auf  das  Alter  der 
^^nteren   marinen  Gruppe  ziehen.     Auffallig   ist   es  aber,  dass 
^Je  mit  lebenden  identificirten  Molluskenarten  meist  durch  gewisse 
*^<?ine  Abweichungen   ausgezeichnet  sind,  die  zwar  auch  heute  an 
^^nzelnen  Individuen  vorkommen,  aber  selten  so  scharf  ausgeprägt 
8>nd.  Dies  gilt  z.  B.  von  der  Cypraea  moneta  aus  89  Meter  Tiefe,  zu 
"ßrich  kaum  aus  50  recenten  Exemplaren  ein  Seitenstftck  heraus- 
fand, und  von  Tellina  obliquaria  aus  144  Meter.     Es  scheint  daher, 
öäss  diese  Fauna  ein  ziemlich  hohes,  etwa  pliocänes  Alter  hat. 
Darauf  deutet    auch    die   Thatsache,    dass    seit    ihrer  Einbettung 
mehrere    beträchtliche  negative  und  positive  Strandverschiebuugen 
istattgefunden    haben.      Die    erste  derselben,    eine   negative,    wird 


durch  die  Coritliiemnergel  imd  den  hnaioscu  Tlion  im  Hxngri 
der  Gruppe  aogeacigt.  ILr  folgte  eine  positive  Straiidrorei 
hung  und  die  Altlagerung  der  oberen  marinen  Grup]ie.  Li 
dieser  folgen  im  Ilohrprofil  die  fogeillceren  saudigen  Thoae,  we 
und  gelben  Sando,  deren  Entstehung  nicht  klar  ist.  Man  k^ 
ziiuüclist  verniHtlieu,  daus  sie  gleichfalls  innrin  und  erat  uach 
lieh  durch  Sickerwässer  ihres  Kalkgchalts  beraubt  wären. 
Dr.  E.  Wkrth,  der  Dar-ea-Saläni  uud  die  Geologie  der  Umgel 
kennt,  erklärte  den  gelben  Sand  des  Bohrprofils  fbr  ideo 
mit  Bornhardt's  »jungen  Deckschichten« '),  in  wel 
BoRNHARDT  noch  2 — 3  Kilometer  östlich  der  Stadt  recento  M« 
coDchylieu  fiind.  Die  Ablagerung  der  jungen  Deckschichten 
die  Ausbildung  der  Terrasse  von  Dar-es-Saläm  gehört  der  le 
grossen  Mecrestriinsgression  au,  uach  deren  Ahlauf  gegeow 
nach  BoRNiiARirr  das  Meer  von  Neuem  vordringt,  wih 
Ortmann^)  einen  Stillstand  oder  Rfickzug  auzunehmeu  geneig 
BORNtlARDT  berichtet  ferner,  dass  die  8  — Ti  Meter  tiefen  Bni 
in  Dar-es-Saläm  unter  den  ^jungen  Deck(;cliiohten'i  ztnn  ' 
»Mikiud»nischichteu«  augetroäen  zu  haben  schienen.  I 
Schichten  sind  in  der  Umgegend  weit  verbreitet  uud  treten 
an  den  Uferabhäugen  des  Dar-es-Saläiner  Krinks  mehrfach  he 
Sie  bestehen  aus  meist  röthlieh  gefärbten  sandigen  Lehmen  und 
migeu  Sauden.  Dauacb  durfte  es  augemessen  sein  anzunehmen, 
die  im  Bohrprofil  von  t) — 17  Meter  reichenden  gelben  sandigen  T 
zu  den  Mikindanischichten  gehören;  Herr  Dr.  E.  Werth  rei 
auch  den  weisseu  Sand  dazu.  Das  bisher  im  Kftstengebiet  u 
kannte  Liegende  der  Mikiudauischichten  wäre  dann  die  »< 
marine  Gruppe«.  Doch  hrdt  Bornhardt  auch  die  Mikini 
schiebten  ftir  eine  marine  Bildung,  erzeugt  durch  eine  gewa 
Meerestransgression,  so  dass,  zumal  zwischen  ihnen  und 
»obcrcu  marinen  Gruppe«  keine  extramariucn  Bildungen  li< 
beide  sehr  wohl  zusammengehören  könnten  und  erst  die  Ceritl 
mergel  uud  der  huniosc  Thon  als  Liegendes  der  Mik!ndaniscbi< 

')  W.  BoRNHARDT,  a.  tt.  0.,  S.  198  lind  470, 

*)  A,  Obtsuns,  Die  Korillenriffo   von  Dar-es-Saläm   und   Umgegend. 
Jahrbücbar  1892,  Bd.  VI,  S.  631. 


io  jangen  KüstODbUduDgen  zu  Dar-cs-Saläm.  157 

zu  gelten  hätten.  Diese  hätten  dann  in  unserem  Profil  eine  Mäch- 
tigkeit von  31  Meter. 

Andererseits  hat  aber  Bornhardt  einen  stricten  Beweis  für 
die  marine  Entstehung  der  Mikiudanischichten  nicht  geliefert; 
besonders  fällt  in  dieser  Hinsicht  ihr  gänzlicher  Mangel  an  Fossi- 
lien und  namentlich  auch  an  Kalksteinbäuken  in^s  Gewicht,  und 
noch  manches  andere  deutet  eher  darauf  hin,  dass  die  Mikiudani- 
schichten fluviatile  Bildungen  sein  könnten.  Dann  wäre  unsere 
obere  marine  Gruppe  von  ihnen  zu  trennen  und  wohl  besser  mit 
dem  von  Ortmann  beschriebenen  subrecenten  Korallenkalk  vom 
Ras  Chokir,  R.  Upanga  und  K.  Rongoni  bei  Dar-es-Salam  zu  ver- 
binden. Dieser  »ältere  Korallenkalk«  steigt  dort  bis  zum  Ni- 
veau der  Nippfluth,  also  noch  ca.  13  Meter  höher  als  die  oberste 
•n  der  Bohrung  angetroÖeue  Kalksandsteiubank  (18  Meter  unter 
Terrain).  Leider  ist  über  die  Fauna  dieses  Kalkes  nichts  bekannt 
und  geben  auch  die  Bohrproben  aus  der  oberen  marinen  Gruppe 
l^eiueu  Äufschluss  über  ihren  Charakter.  Ob  sie  also,  wie  ich 
betreflfs  der  unteren  marineu  Gruppe  vermutlie,  bereits  tertiär  ist, 
^er  wie  ich  zunächst  annehmen  möchte  noch  quartär,  müssen  zu- 
künftige Untersuchungen  klarstellen. 

Die  Horizontirung  der  unteren  marinen  Gruppe  ist  nach 
obeubio  ebenso  unsicher  wie  diejenige  der  von  mir  als  Jungtertiär 
^^gesprochenen  Ostreenschichten  auf  Sansibar  ^).  Andererseits  ist 
diese  Gruppe  jedenfalls  jünger  als  das  Miocän  von  Liudi;  denn  ob- 
'^ohl  petrographisch  gauz  gleiche  Kalksandsteine  hier  wie  dort 
Vorkommen,  fehlen  doch  im  Bohrprofil  von  Dar-es-Saläm  die  bei 
*^indi  in  diesen  Kalksandsteinen  aufgefundenen  Lepidocyclinen, 
die  nach  Verbekk^)  auf  das  Miocän  beschränkt  sind.  Ob  also 
^nter  den  jungen  Küstenbildungcn  von  Dar-es-Saläm  das  im 
S.  des  Schutzgebietes  auftretende  Miocän  oder  gar  das  Eocäu 
^flstehen,  bleibt  vorläufig  noch  dunkel. 

Berlin,  im  März  1901. 

*)  »Versteinerungen    des   Tertiärs«,    in  W.  Borshakdt's  angeführtem  Werk, 
S.574. 

"O  Vkhbkkk  et  Fksnema,  Descr.  gcol.  de  Java  et  Madoura. 


lieber  das  angebliche  Tertiär 
von  Angerbnrg  nnd  Lötzen  in  Ostprenssen. 


i 


Auf  der  Carte  geologique  intern atiouale  de  l'Europe,  sowie; 
iiuf  einer  Karte,  die  der  Arbeit  von  Herrn  Prof,  Dr.  A.  JentzscH;: 
»Der  vordiluviale  Uatei^riinJ  des  Nordoetdeutacheu  Flaehlaudes«: 
(dieses  Jahrbuch  1899,  S.  266  fi.)  beigegeben  ist,  fiudet  sich  beii 
den  Slädteu  Augerliurg  und  Lfttzen  io  Ostpreiissen  Tertiär  uudi 
zwar  Miocän  als  anstehend  verzeichnet  und  ebenso  wird  dieses 
Tertiär  kurz  erwähnt  in  einigen  andern  Arbeiten  von  Herrn  ProfJ" 
Dr.  Jentzsch  '). 

Das  thatsüchliche  Material,  worauf  sich  alle  diese  Angabeiz: 
GtQtzen,  besteht  in  einigen  Bobrprobcn,  die  bei  8  tiefen  Brunnen— 
bohrungeu  in  der  Feste  Boyen  bei  Lötzen  und  auf  dem  Mark^ 
zu  Angerburg  in  104— 127  Meter  Tiefe  erbohrt  sind  und  theil« 
im  Ostpreussiscben  Proviuzialmuseuni  zu  Königsberg  i.  Pr-,  theil= 
in  der  kgl.  geol.  Laudesanstalt  zu  Berliu  aufbewahrt  werden.  Ik 
deu  uuten  citirteu  Schrillen  werden  diese  Bobrproben  theils  kur=: 
als  Schiebten  der  Brauukohlenformation,  thetls  als  feine  kalk 
freie  Quarzsande  der  Braun kobleuforination  erwähnt^  die  Anger' 
burger  ßohrprobeu  ^us  dem  Ostpreussiscben  Provinzialmuseuc: 
tragen  ebenfalls  die  Aufschrift  »teiuer  Quarzsand«.  Da  ic 
seitens   der    Directiou  der  kgl.  geol.  Laiidesanstalt   mit   der  Ka^ 

')  KcBCs  Jahrbuch  f.  1884,  S.  CII  und  1890,  S.  73.  -  Schrifteo  der  Physi"« 
Ökonom.  Gesdlschan  zu  Königsberg  i.  Pr.,  1887,  S.  15:  1883,  S.  4.  —  Zeitecl» 
für  pract.  Geologie  1894,  Heft  7,  ü.  278—281. 


C.  Gaoei.,  lieber  das  angebliche  Tertifir  von  Angerbarg  etc.  159 

tirung  der  Blätter  Lötzen  und  Angerburg  beauftragt  war,  so  hatte 
ich  Veranlassung,  diese  Angaben  einer  nochmaligen  Prüfung  zu 
unterziehen  und  habe  dazu  nicht  nur  das  in  der  Sammlung  der 
Landesanstalt,  sondern  auch  das  bei  der  Fortification  der  Feste 
Boyen  befindliche  und  das  im  Ostpreussischen  Provinzialmuseum 
aufbewahrte  Material  —  also  alles  vorhandene  —  untersucht. 

Das  Resultat  meiner  ersten  Untersuchungen  der  in  der  kgl. 
Landesanstalt  aufbewahrten  Bohrproben  habe  ich  in  meinem  »Auf- 
uahmebericht  über  die  Blätter  Lötzen,  Steinort,  Kruglanken«^)  in 
folgenden  Worten  niedergelegt:  »Ausserdem  sind  in  2  Tief- 
bohrungen in  der  Feste  Boyen  in  110— 120  Meter  Tiefe  deutlich, 
2.  T.  sogar  ziemlich  stark  mit  nordischem  Material  vermischte 
Quarzsande  angetroffen . « 

»Ob  hier  nun  anstehendes  Tertiär  vorhanden  ist,  dessen  Pro- 
ben nur  durch  Nachfall  beim  Bohrverfahren  verunreinigt  sind, 
oder  ob  es  sich  um  diluvial  umgelagertes  Tertiärmaterial  handelt, 
läset  sich  aus  den  Bohrproben  nicht  mit  Sicherheit  entscheiden; 
fiir  die  letztere  Annahme  spricht  der  Umstand,  dass  die  Bei- 
mensfunoren  nordischen  Materials  in  den  tiefsten  Proben  am 
stärksten  sind«. 

Nach  den  von  mir  jetzt  erneut  vorgenommenen  Unter- 
suchungen des  gesammten  vorhandenen  Materials,  besonders  auch 
der  Proben  aus  dem  Ostpreussischen  Provinzialmuseum,  auf  denen 
die  Angaben  von  Herrn  Prof  Dr.  Jentzsch  beruhen,  bin  ich  zu 
der  sicheren  Ueberzeuguug  gekommen,  dass  das  Tertiär  an  diesen 
beiden  Punkten  nicht  existirt  und  daher  von  den  Karten  zu 
^reichen  ist. 

Der  thatsächliche  Befund  ist  folgender: 

I.   Brunnenbohrung  auf  dem  Markt  zu  Angerburg, 
ausgefiUirt  von  Bieske- Königsberg,  1886  —  1887. 

Die  Proben  liegen  im  Ostpreussischen  Provinzialmuseum  zu 
Königsberg  i.  Pr. 

Ausatzpunkt  der  Bohrung  etwa  -f-  318  Fuss  =  120  Meter 
ber  N.  N. 

«)  Dieses  Jahrbuch  f.  1890,  S.  CCLXXI. 


ig^  C.  0*"Bi-,  UcbiT  <Us  nngi'blicho  T^nlrir 

Di«  BohniDg  erga)): 
1  — 104  Meter  sweifelloee  DilumlscliichteQ;  Oberer  Geaoliieb*: 
morgcl,  Uuterer  (jraiid,  Unterfr  üesctiel>«i 
iiiürgel  (89  Meter),  mit  Eiiilugcrtingeu  vc»i 
Snnden,  Gruudcu  iinil  Tbounicrgeln  und  tlio 
aigo  Spatlisaudo  (durch  das  Bohrverfaliret 
verhinderte  (iescbiebemei^et??). 

104—106       "       aebr  beller,  Wasserfall  reu  der  Spat.hsand;  dieser 
viitbilt    M*)ir    viel    tertian'n    Qimrxüaiid,    aber 
auch    uif^bt   gerade    lijtürlii-b    Bnicbslßckrbec 
VOM    rolliciu    Orthoklas    mit    blauken    SpaU- 
flScIieti,  stPckDadelbopfgroste  Groekeii  grniiur 
uud     rother     uordUchcr    Gesteine,     Bnidt- 
etnckclieu  von  harter  Kreide,  ein  |)f*i;fri>rkoru- 
grut^ses  Strickcbeu  (Sihir?)  Kalk    und  «uthi'l 
eiiieu  sebwat-heu,  al)er  gl cichii lässig  vertlieiiKu 
Kulkgrludt. 

lOG — 107  >  wM6erfttbrcudr,  reine,  sehr  belle  Spatbunili 
mit  Brocken  eiuca  brfluulicb  -  ^^raueii.  gwt)- 
»andigeu,  kalkballigen  ThomnergeU.  Di' 
8pathsaude  sind  erheblich  feiner,  uU  die  i" 
vnrhergeheudeti  Pn^he,  und  fast  wcIm,  »'" 
halteu  aber  rbeii»A  unzweifelbaft  iiordi»^!»^ 
Malerial  and  sind  ebettblk  ecliwacb  y^' 
bahig.  Pie  Brocken  dea  bräunlich  -  ^<i^ 
TbfnniergeU  entbaltcn  Körut-r  von  grub«" 
8aiid,  aber  keine  erkennbarea  Geschi(l>'' 
)i«  bnusen  sehr  lebhaft  tuit  Salzsäure  -' 
ob  es  Tbountei^l  oder  steinfreier  Gescliii''^ 
ner^t  i^  Usst  sieh  bei  der  geringen  GrösK 
der  Brocken  nicht  eutscheiden:  jedenfalls  siui^ 
ue  «ÜK  diluTiale  Bildung,  uud  ebenso  uu- 
«wviMbafi  staiunien  sie  ans  dem  LiegeuilcD 
der  «t^eWi'-beii  TerliürsauJe,  da  böber  lie- 
jreude,  petrvigraphiscb  identische  Schichten, 
.tits     ilcneu     $ie     durch     Kachfall     bernuteT- 


yon  Angerbarg  und  Lötzen  in  Ostpreusseo.  161 

gekommeD    sein    könnteu,     in    den    Proben 
nicht  erkennbar  sind^). 

Da»8  die  Sandproben  so  schwach  kalkhaltig  sind,  erklärt  sich 
ungezwungen  aus  ihrer  starken  Wasserführung.  Die  Bohrung 
wurde  bei  107  Meter  eingestellt. 

Eine  später  ausgeführte,  etwa  400  Meter  südöstlich  in  der- 
belbeo  Meereshöhe  gelegene  Brunnen bohrung  auf  dem  Hofe  des 
Seminars  zu  Angerburg  ergab  150  Meter  zweifellose  Diluvial- 
^bichten,  und  als  tiefste  Schichten  10  Meter  kalkhaltige  Spath- 
saode  und  Grande. 


0  Dies  ist  der  Befand,   wie   er  sich   aus  der  Bestimmung   der  Bobrproben 
^ebt    Aof  der  Probe  von  101  — 104  Meter  stebt  die  Aufschrift:  »Feiner  Sand 
out  Tbonmergelb&nkcben«,  während  die  Probe  thatsächlich  ein  bellgraner,  sehr 
kalkhaltiger,  feiner  Sand,   mit  sehr  schwachem,   gleichmässig  vertheiltem  Thon- 
gehalt  and  wenig   nordischem  Material  ist;   die  »Thonmergelbänkchen«   sind  in 
der  Probe  nicht  vorhanden.    Im  Gegensatz  dazu  enthält  die  als  »tiefste  Probe« 
bezoehnete  Glasfällong  von  106—107  Meter  die  Aufschrift:  »Feiner  Quarzsand, 
vi88«rfährend« ;  in  der  Probe  befinden  sich  aber,  wie  oben  erw&hnt,  ausser  dem 
>^wach  kalkigen,  feinen,  thonfreien  Spathsand  auch  noch  Brocken  eines  sandigen 
Thonmergels,  von  dem  auf  der  Aufschrift  nichts  erwähnt  ist.    Es  wäre  ja  nun 
nicht  anmöglich,   dass   bei  dem  Einfüllen   der  Proben   diese  beiden  Gläser  ver- 
wechselt sind;    dies  ist  aber  nicht  wahrscheinlich,   weil  die  Probe  ans  »101  bis 
104  Meter«  Tiefe  offenbar  viel  kalkiger  ist,   als  die  »tiefste  Probe«    aus  106  bis 
10?  Meter,   und  eben  so  wenig,   oder   noch  weniger  »Quarzäand«  ist,    als    diese 
letztere,  da  sie  ausser  dem  höheren  Gebalt  an  Kalk  nnd  nordischen  Material  auch 
lioch  onen  schwachen,   gleichmässig   vertheilten  Thongehalt   besitzt  —  eben  so 
^e  die  vorhergehenden  Proben  von  96—101  Meter,   die  auch    grauer,   schwach 
thoniger,  stark  kalkiger  Spathsand  ist,  und  bis  auf  das  etwas  gröbere  Korn  und 
^  damit  zusammenhängenden,  grösseren  Gehalt  an  nordischem  Material  genau 
loit  der  Probe  aus  101— 104  Meter  übereinstimmt,    während   die   beiden    letzten 
»rohen  aus  104—107  Meter   ganz   anders   aussehen   und  vollkommen    rein  aus- 
gevischener,   thonfreier,  kalkarmer  Spathsand   sind.    Es   ist   nach   dem  ganzen 
fiefonde  ganz  offenbar,  dass   die  Tiefenangaben  der  Proben  thatsächlich  richtig 
ibid,  disi  die  Proben  dieselbe  Reihenfolge  haben,  wie  die  Aufschriften  der  Gläser 
ttieigen,  und  dass  nur  die  Aufschrift  »mit  Thonmergelbänkchen«  auf  das 
ftliche  Glas  geschrieben   ist,   denn    dass  die  Probe,   die   diese  Aufschrift  zeigt, 
touer  dem  gleichmässig  vertheilten  Thongehalt,  auch  noch  »Thonmergelbänkchen« 
enthalten   habe,   ist    wegen   ihrer  petrographischen  Uebereinstimmung   mit   den 
htngenden  Schichten  nicht  wahrscheinlich. 


Jahrbuch  1900.  1 1 


C  Gm»,  CaliCT  Au  a^MidM  Tortur 


IL    BraDncnbnbruugen   in  der  Feste  Dojea   bei  Lötzeu 

!•  Brnoaeo  Tor  der  Ksseme  ^Wenh.  Ansatxpunlc 
+■  IS2,4  Meter  Ober  N.  N.,  gebohrt  von  Rieskb  -  Königsberf;. 

Von  deo  ProbeD  liegt  eiue  A»rw  jin  <!>5tprriiseiscbeu  Pn»- 
viuxiiilitiuM>um,  ejur  Serie  iu  der  kgl.  grol.  Ltiadesftustalt  nuc 
eine  Serie  auf  der  kgl,  PortiBnüion  der  Feste  Boyeu  —  süiumb 
liehe  Proben  «od  roo  mir  untersucht-  ■ 

Die  Bohmng  ergab:  4 

I  — 116^  Meter  /.weifelloiic  Diiurialschichleii  (Obere  und  Unter« 
Siude  41  Meier;  Unterer  GescbieJjeinergel  mit  Einlogir 
runge»  von  Tbouniergeln  und  Simtbeanden  47  Melrr 
tliouige  SpAthtjaade  30  Meter^. 

bei  llCfS  Meter  ganz  reiuer,  heller,  sandiger  Gmud. 

bei  117  Meter  grauer,  echwacb  aber  deutlich  kalkluiltiger  Spatb 
Saud;  verbaltnissniääsig  viel  tertiären  Quanuaud,  ahe 
au<^li  nicht  wenig  Feldspath,  nordische  Geateiue  vm 
Erbsengrösse  etc.  enthaltend. 

hei  118  Meter  J unkelgrauer,  saudiger,  kalkfreier  Thon  (Tertiär 
thou?J.  Die  Thouproben  hilJeu  nicht  grosse  couipact> 
Klumpeu,  wie  die  Proben  der  da rQber liegenden  siehe 
dihivialeu  Thounierget,  souderu  kleine  Brocken,  dahe 
ist  ea  nicht  sicher,  oh  der  Tbou  als  Schicht  oder  al 
Gcrülle  im  Saud  vorliauden  ist. 

von  119  — 127  Meter  8  Proben  hellen,  fast  weissen  Spatfasaude»- 
bäiiiiiitlichc  Proheu  sind  schwach,  aber  deutlich  kullc 
haltig;  die  obersten  sind  sehr  feiukfiruig;  je  tiefer  desL 
grobküruiger  werden  die  Sande  und  desto  mehr  nor 
disches  Material,  rothe  Fcldspätbe  etc.,  enthalten  sie 
welcher  Unistaud  hauptsächlich  dafür  spricht,  daes  c 
Diluvialsaude  und  nicht  durch  die  Bohrungen  veruure  t 
uigte  Tertiärsande  sind;  es  wäre  doch  sehr  wuuderha  J 
dass  sich  der  vonuehrte  Nachfall  gerade  da  eiugcstel 
hätte,  wo  die  Sande  gnibkörniger  werden,  also  iiutr* 
Uiuntäudou,  >vu  iu  gcwöhulichcu  Diliivialsandeu  so  wr- 


von  Angerburg  und  Lötzen  in  Ostpreusscn.  163 

SO  der  Gehalt  au  nordischem  Material  zunimmt.  Die 
verhältuissmässig  starke  Beimengung  tertiärer  Sande  ist 
aber  unverkennbar. 

Die  oberste  Probe  enthält  vereinzelte  Glimmerblättehen  —  in 
itr  ist  ein  Theil  des  Sandes  zu  lockeren  Klumpen  zusammenge- 
backen. 

Der  Procentgehalt  an  Kalk  beträgt  nach  einigen  im  Labora- 

torium   der    kgl.  geol.  Landesanstalt    ausgeführten   Bestimmungen 

0,13— 0,77  pCt.  Ca  CO3;   der  Kalkgehalt  nimmt  ebenfalls  nach  der 

Tiefe  zu:  0,13  pCt.   in    122  Meter,    0,77  pCt.  in   124  —  125  Meter 

Tiefe. 

2.  Brunnen  vor  den  Baracken  (auf  der  »place  d'armcs«J,  ge- 
bohrt von  BiESKE  1884.  V^on  den  Proben  liegt  eine  Serie  im 
Ostpreussischen  Provinzialmuseum  in  Königsberg,  die  andere  in 
der  kgl.  geol.  Landesanstalt  zu  Berlin.  Ansatzpunkt  der  Bohrung 
-4-  119,5  Meter  über  N.  N. 

Die  Bohrung  ergab: 

Von  4—  107  Meter  zweifellose  Diluvialschichten:  Oberen  Ge- 
schiebemergel, Unteren  Thonmergel  27  Meter,  Unteren 
Geschiebemergel  mit  eingelagerten  Thonmergelbänken 
50  Meter,  thonige  grobe  Spathsande  2'6  Meter. 

Von  107 — 110  Meter  sehr  helle,  ziemlich  feine,  wasserreiche 
Spathsande;  sie  sind  sämmtlich  schwach  aber  deutlich 
kalkhaltig  und  enthalten  alle  zweifellos  nordisches  Material 
(rothe  Feldspathe  etc.).  Die  oberste  Probe  ist  am  fein- 
kömigsten  und  enthält  vereinzelte  Glimmerblättchen; 
die  unteren  Proben  sind  grobkörniger  und  enthalten 
etwas  mehr  nordisches  Material;  die  starke  Beimengung 
tertiären  Materials  ist  unverkennbar,  das  Wasser  steigt 
bis  75  Meter  unter  Tage. 

Dass  diese  Schichten  nicht  durch  die  Bohrung  verunreinigte 
* ^irtiärschichten    sind,    geht    ausser  anderem    auch  daraus  hervor, 

^s  sie  sehr  reichliches  Wasser  liefern,  welches  so  eisenhaltig  ist, 
^^5  es  zuerst  zum  Gebrauch  fiir  untauglich  befunden  wurde,  eine 

*^*genschaft,  die  sehr  viele  im  Diluvium  circulirende  Wasser  aus- 


scichtittL     Das  Wasser  konute  erst  durch  pio  atnsUDdlicbes  Eti^WK- 
etgeuiiDgsTprfnbren  brauchbar  geuiacbt  werden. 

Zwei  andere  in  der  Feste  Boyen,  in  unmitlelbar«r  Nacbbar-  ""■ 
Schaft  dieser  beiden  Bronuen  nteder^ebracble  Bobruogea  (die  Ent 
(eruiiug  twiscbea  den  vier  ßruDDeo  beträgt  nur  300  — 500  Meter  -~) 
trafen  wassertülireude  Schichten,  die  ganz  uazweifelliaft  zui^^b 
Diluvium  gehören  (nordische  Grande)  in  95  und  12ä  Metern  Tiefe? — =■ 
Das  Wasser  war  ebenfalls  sehr  eisenhaltig. 

Eine  Briinnenbohrung  tot  dem  Artilleriedepot  in  der  Stad  -^t 
Lötzeu  (etwa  1  Kilometer  östlich  Ton  diesen  Bohrungen  eotiemt).  Au —  -s- 
satzpunkt  -1-120  Meter,  ergab  bis  115  Meter  ebenfalls  zwetfellos^"— * 
Diluvialschicbten  (zu  nntersl  stark  kalkhaltigen  Thonmergei)  upl.  ^  d 
dann  bis  Til  Meter  was£«rfilbreDde  Sande  und  Grande  (ii^  faab^^-^ 
die  letzten  Proben  vor  Jahren  nur  gane  ßQchtig  und  unter  sehn  -^■l' 
UOgflnstigen  Cmetiiiden  gesehen,  habe  aber  nicht  den  Eindnii'IK^'^ 
von  leitilrrn  Samlen  gehabt ;  seitdem  sind  die  Proben  TertchoHenJCZ  )■ 
Das  Wasser  stief;  auf  0.5  Meter  Ober  Ta^. 

Eine  Brunuenbobmug    auf    dem    Bahnhof  Lfitzeo.   etwa  nre^^vei 
Kilomeier  i>*tlii-h  von  der  Feste  Boren,  Ansatzpunkt  -j-  li2,5  Mete  -^^r 
(annXhemd),  ergab  bis  178  Meter  nnzwcilenufte  Dthmakcbicbten  ^ki: 
Unterer   Grand.    Thonniergel.    von    2i — 112  Meter  Unterer  Ge-^-i-^ 
schiebeniergel  nnt  tahlreichen  Einlageniagen  von  Sandeo,  GrandeK    'D 
und    Tboumer^lu:    von    11 '2 — It>4   Meter  Tbonmer^l.    Merge^K'- 
saude.  Sjutbsaode.  alle  mehr  oder  minder  kalkhaltig;  die  Proben  vor      o 
164 — 166  Meter    eulhalten    wieder   viel    tertüivn  Qnarzsand  nn        ^ 
etwas  Glimmer,  sind  aber  auch  kalkhahig  und  feMspathfilbrend.  DiS^< 
dankuf   fol^nden  Proben    enthalten  missig  grosse,  Dordiscbe  Gt-J— ^ 
rolle  und  Brocken  ron  Geschiebe mergel. 

Die    letzten  Pruben   von    174 — 178  Meter  sind  dankelgrau^^^ 
iboDt^.  gn>be  Spathsande  mit  Kalkgehah. 

Der  I ha tsJicfa liebe  Befand  ist  abo  der,  dass  ao  keiner  dies^?^*~ 
Stelleu  ■weifello^'ei^  reines  Tertiir.  sonderB  aar  nehr  oder  roiDd*""^ * 
mit  Di>rdis«-hen)  Material  Termen^e.  rid  tettÜres  Material  en-  '^- ' 
hahende  Saude  rorliejien,  d&^s  an  einer  Stelle  (A^crlnug  Mark::r  *- ' 
unter  diesem  an^bli^-ben  Tentir  aller  Wahrsc^einlichkr^t  nac — ^^ 
diluvialer  Tbott-;Ge**-lwebe?*oiersrel  lioIgU  db»  die  ia  den  ftaglich«=^"     '" 


TOD  Angerburg  und  Lötzen  in  Ostpreossen.  165 

Schichten  circulirenden  Wasser    sehr   stark  eisenhaltig  sind,  dass 

die  in  unmittelbarer  Nachbarschaft  heruntergebrachten  Bohrungen 

in  derselben  bezw.   in  30—50  Meter  grösserer  Tiefe  nur  zweifel- 

Diluvialschichten    erbohrt   haben,    dass    also    das  Tertiär  an 

beiden  Stellen  zu  streichen  ist. 

Dass  tertiäre  Schichten  irgendwo  im  Untergrund  der  Gegend 
mhanden  oder  vorhanden  gewesen  sind,  ist  nach  den  Befunden 
zweifellos. 

Die  auffallend  hohe  Beimengung  tertiärer  Quarzsaude  findet 
sich  aber  nicht  nur  in  diesen  tiefen  Schichten,  sondern  auch  in 
ganz  hohen,  unmittelbar  durch  den  Oberen  Geschiebemergel 
durchstossenden  »Unteren«  Sauden  bei  Löt.zen^),  wo  der  Gehalt 
an  Tertiärmaterial  —  etwas  glimmerhaltige  Quarzsande  —  noch 
»uffallender  als  in  den  Tiefbohrproben  ist,  die  aber  von  diesen 
tiefen  Schichten  noch  durch  etwa  100  Meter  mächtige  Diluvial- 
schichten getrennt  sind.  Mit  dem  Auftreten  derartiger  Schichten 
an  der  Oberfläche  entfällt  die  letzte  Möglichkeit,  die  Bohrproben 
äIs  Tertiär  zu  deuten. 

Dass  diese  angeblichen  Tertiärschichten  so  schwach  kalkhaltig 
sind,  ist  in  Anbetracht  ihrer  starken  Wasserführung  auch  nicht 
verwunderlich  und  spricht  nicht  gegen  ihren  diluvialen  Ursprung. 
Woher  sollten  denn  die  in  ihnen  circulirenden  Gewässer  ihren 
Kalkgehalt  genommen  haben,  wenn  nicht  aus  den  Schichten,  in 
denen  sie  sich  bewegen,  und  wenn  die  Entkalkung  der  Diluvial- 
schichten an  der  Oberfläche,  durch  die  alles  Regenwasser  durch- 
sickert, eine  vollständige  ist,  weshalb  sollen  denn  nicht  auch 
^icferliegende  Schichten,  in  denen  ein  starker  Grundwasserstrom 
'^nft,  nicht  wenigstens  theil weise  entkalkt  werden? 

Die  gegentheilige  Annahme,  dass  der  fein  und  gleichniässig 
^crtheilte  Kalkgehalt  durch  das  Bohrverfahren  in  die  Proben  ge- 
kommen ist,  ist  noch  unwahrscheinlicher,  als  die  entsprechende 
Annahme  bei  den  nordischen  Orthoklasen. 

Im  Uebrigen  ist  es  nicht  nur  meine  Ansicht,  sondern  auch  die 
neioer  sämmtlichen    zahlreichen   CoUegen,    denen   ich  die  Proben 


0  V0.  dieses  Jahrbaoh  1898,  S.  GCLXXII. 


DilflyUbchiehtrn  nd. 

Die  Stowidiiuig  diocr  beMn  Tf^tÜrpankl*  bat  «ber 
■or  den  WtrA  jeder  iKrttTtKrhra  Berid«v>"c  Mtodcni 
«icb  die  CoDfeqoeoz  tuc^  ud^  dns  die  ■ai^artlicbe  Gm 

Rraiinkohl^nforntali'io  lUiutt  wieder  um  8£ — 1)0  KilntBctcr  w 
»irfldirtckt,  d«na  cowcit  wareo  diese  bndea  ieulirlea  T 
pnokte  TOD  dftn  Dorünvtlicholeii  Punkte  der  Brantikohleofon 
bei  Hnl*bcrg;  entfmit. 

Femer  !it  es  uich  der  Zweck  die«f%  AuEuUe»,  eütt 
vmrta  ixlaUab-ii  Beicpie)  nMbxuwnHm,  wms  man  bei  der 
ÜieiluDg  vnn  It^ihrgiroliea  neiaer  Ansiciit  lucb  nicht  auf 
niiD);  dp»  Nadtfaila  M-txen  d«rf. 

Wrnn  pin  «Jitrcli  *.'  Meter  mftchtige  Sdiiobten  gleiciu 
vertbeilliT  Knlkgehalt  Mif  Itechnune  dra  Nacbralls  gwetxt 
wenn  die  immer  grßwent  ZunAlime  de«  nordtücben  Material 
ilßa  Knlkgcbültea  mit  »teigeoder  Tiefe.  nltK)  niK  immer  un>;flnst 
VorbediDi;uDgeu  fßr  den  Nartifall.  ehrafnlls  auf  ItrchDiiDC 
Naihri.!!»  1-0-..-M  ^^\ni.  ^o  <.lieu<>iu  'irr  NacLrcJI  zum  Tlieil 
eininal  aus  deu  unmittelbar  im  Baogenden  der  FraglicbcD  F 
auftretenden  SchicIiteD  tstammeu  kuDD,  weil  diese  gamic 
jrrosse  Feld^patlie  fütircii  und  petrograpbiscb  ganz  andere 
üeheii,  souderu  aus  bchr  viel  liöhercn  Schiebten  stammen  m 
während  aus  den  sehr  charakteriütisclien  Scbicbteu  im  itnc 
harrn  Hangeuden  der  fraglicbeu  Proben  nichts  in  diese 
gefullcii  igt,  wenn  man  wie  gesagt  all'  dies  für  möglieb  ode 
wahrscbeiuiich  hält,  danu  suU  mau  überhaupt  auf  die  Be^ 
tiing  von  Bohrprofilen  verzichten,  weil  dauu  jedes  objective  i 
rium  fßr  die  Unterscheidung  von  Diluvial-  und  Tertiärschi 
aufhört. 


Uebep  drei  Anfschlttsse  im  vortertiäpen 
Untergrund  von  Berlin. 

Von  Herrn  C.  Gagel  in  Berlin. 

Während  das  den  tieferen  Untergrund  Berlins  bildende  Ter- 
tiär durch  die  ausserordentlich  zahlreichen  Bohrungen,  die  zum 
Theil  bis  300  Meter  Tiefe  erreichen,  sehr  gut  aufgeschlossen  und 
'n  seinen  beiden  Stufen  —  der  miocäuen  märkischen  Braun- 
kohlenbilduug  und  den  oligocänen  marinen  Bildungen  —  genau 
Wannt  ist,  wusste  man  bisher  von  den  vortertiären  Schichten  im 
l^^ntergrunde  von  Berlin  noch  gar  nichts,  wenn  man  von  der  Boh- 
'"UDg  Hermsdorf  etwas  nördlich  von  Berlin  absieht,  wo  unter 
^eptarienthon  und  unteroligocänen  Glimmersanden  die  Amalthoen- 
thone  des  mittleren  Lias  gefunden  waren  ^).  Dass  überhaupt  vor- 
^ertiäre  Schichten  an  mehreren  Stellen  im  Untergrund  von  Berlin 
schon  erbohrt  waren,  war  bereits  aus  der  Arbeit  von  G.  Berendt: 
Der  tiefere  Untergrund  von  Berlin  (Abhandlungen  der  kgl.  gcol. 
Landesanstalt,  Heft  28,  1897)  bekannt,  doch  war  eine  Bestimmung 
^^s  Alters  dieser  Schichten  nicht  erfolgt. 

Bei  der  Durchsicht  der  in  der  Sammlung  der  kgl.  geol. 
Landesaustalt  aufbewahrten  Tiefbohrproben  fielen  mir  bei  drei 
Tiefbohrungen  vortertiäre  Schichten  auf,  die  genügende  Anhalts- 
punkte zur  genaueren  Altersbestimmung  boten,  und  die  deshalb 
ifl  Folgendem  genauer  beschrieben  werden  sollen;  bei  zwei  audereu 

')    G.  Bekendt:     Erbohning   jurassischer    Schichten    unter    dem    Tertiär  in 
Hermsdorf.     Dieses  Jahrbach  1890,  S.  83  ff. 


tler   schon   von  G.  Berendt  erwähnten  vortertiären  Biidungen  •  * 
die  Altersbestimmung  docIi  nicht  gelungea. 


I.  Bohrung. 
Charlottenbnrg,    Leibuinstr. 


87. 


Die  Bohrnng  iat  1889  misgfl^hrt  und  ^uin  grüssten  The-ä 
schon  von  O.  Berendt  in  der  vorerwähnten  Abhandlung  fiberde  s 
tiefcrfu  Uutrrgrtmd  von  Berlin  (Tal".  I.)  publicirt;  ee  bedarf  »Is« 
nur  der  Beschreibung  der  tiefereu  SchiL^hlen.  Die  tiefste  tertiäi — ■ 
Schicht  ist  der  Septarieuthon,  der  bis  zu  einer  Tiefe  vou  212  Mpt^ 
reicht;  er  ist  zu  unterst  grau  und  sehr  saudig;  bei  etwa  'iJOOMete^ 
wurden  '^  Schaleubruchstflcke  gefunden,  dercu  eines  zu  einem  ut:a 
bestimiuliareu  Gastropod^  gehört,  das  andere  die  unverkennhas- 
üharakteristisehe  Sculptur  der  Numla  Vhantelti  Nyst.  aufweist 
6o  dass  trotz  des  etwas  abweichenden  petrograp bischen  Verhalte«3i 
die  Uorizontbcstimuinug  sicher  ist. 

Ä12-a4fi  Meter    folgen    nun    die    vortertiären     Schiclilen; 
nie   sind  durch   das   Bohrverfahren  (Sto&sbohrung)  sehr 
verändert  und  in  gini/  kleim?   Brucbstncke  zertri"iniiiiprf. 
trotzdem     aber    so    cbarakterietisch ,    dass    ihre    atrati- 
graphische  Stellung  sich  zweifellos  feststellen  läsat 
Von   21^— 216  Meter  sind   es    bräunliche,   gelblich -weisse  und 
dunkelblaugraue    Saudsteine,    sowie    kalkhaltige  Thone 
und  SchwefelkiesbrÖckchen ;  die  bräunlichen  SandsteiD^ 
enthalten  ein  kalkhaltiges  Bindemittel  und  zerfallen  bei>o 
Behandeln   mit  Salzsäure   in   lockeren   Sand;   der  TboD 
muss  ganz  dOnne  B&nkchen  oder  Zwischenlageo  zwiscb'" 
den   tieferen   Schichten   der  Sandsteine  gebildet  haben* 
denn   die  tiefereu   Proben   sind   sehr   unreiD  und  geben 
beim    Waschen    einen   gelbbraunen   kalkhaltigen  Tbou- 
scblamm    und    Saud  steinbrocken,    während    die    oberen 
Proben  ganz  saubere,   reine  Sandsteine  sind.     Die  ver- 
schieden   gefärbten    Saudsteine    sind    in    allen    Proben 
gleichmässig   vertreten    und  müssen  sehr  diluDschtclitige 
Wechsel lagcrungeu  gebildet  haben;    sie  sind  s&mmtlicb 


Untergrund  von  Beriio.  169 

in  kantige  Bruchstücke    von   höchstens  ö — 8  Millimeter 
Durchmesser  zertrümmert. 

Von  216—228  Meter  folgen  harte,  weinröthliche,  hellbläulich- 
grüne  und  gelbliche,  dolomitische  Mergelthone;  sie  sind 
ebenfalls  in  kleine  Brocken  zertrümmert,  deren  grösste 
5 — 7  Millimeter  Durchmesser  haben  und  die  durch  das 
Bohrverfahren  abgerundet  sind;  sie  brausen  ziemlich 
lebhaft  mit  Salzsäure;  die  einzelnen  Brocken  haben 
jeder  seine  verschiedene,  in  sich  aber  einheitliche  Farbe; 
die  Proben  sehen  also  sehr  bunt  aus. 

Von  228—246  Meter  endlich  folgen  harte,  röthliche  bis  gelb- 
liehe,  dolomitische  Mergelthone,  die  aber  in  viel  kleinere 
gerundete  Bruchstückchen  zertrümmert  sind,  deren 
grösste  höchstens  1 — 2  Millimeter  Durchmesser  haben; 
sie  brausen  sehr  lebhaft  mit  Salzsäure  und  weichen  im 
Wasser  etwas  auf,  ohne  aber  wirklich  plastisch  zu  wer- 
den ;  die  grünlichen  Farben  der  darüberliegenden  Schich- 
tenfolge fehlen  hier  vollständig,  die  Proben  machen  bei 
flüchtiger  Betrachtung  wegen  der  Kleinheit  der  einzelnen 
Brocken  und  dem  nicht  sehr  grossen  Farbenunterschied 
derselben   einen  gleichmässig  gelblich-rothen  Eindruck. 

Aus  der  Tiefe  von  230  Meter  sind  angeblich  einige  etwa 
erbsengrosse,  gerundete  Gypsstückchen  herausgekommen. 

Dass  diese  bunten  dolomitischen  Thone  zum  Keuper  gehören, 
'8t  schon  auf  den  ersten  Blick  einleuchtend;  durch  Vergleich  mit 
"CD  Proben  der  Rüdersdorfer  Tiefbohrungen  III  und  V,  die  eben- 
'^lls  in  der  königL  geol.  Landesanstalt  aufbewahrt  werden,  ist  es 
^ber  gelungen,  ihre  stratigraphische  Stellung  aul's  Genaueste  zu 
^stimmen;  sie  entsprechen  nämlich  bis  in  die  geringsten  £inzel- 
fleiten  den  Schichten,  die  dort  unmittelbar  Ober  der  Lettenkohle 
liegen.  (Vergl.  Erläuterungen  zur  geol.  Specialkarte  von  Preussen 
Qüd  den  Thüringischen  Staaten,  Lieferung  26,  Blatt  Küdersdorf, 
D.  Auflage,  Seite  41  und  44.)  Die  fraglichen  Schichten  sind  dort 
oaeb  dem  Bohrregister  beschrieben  als: 


170  C  OAaci,,  Uel'cr  tlrei  AufecbIGsae  im  TorUrtiareo 

llohriiug  V,  Seite  44:  Von  282,05-300  Met«r  bunte  miltJ' 
Sihieferletfen  mit  clwii»  Gips,  von  300—305  Meter  grau-grüuer 
(iHDuscbichtigcr,  sclir  mililrr  Snudötoin;  von  306 — 346,48  Metc^i 
rotbe,  btuiigrtlDc  udiI  gulbfjcköpcrtc  ScbicfeHctteD,  wechselnd  it»ii 
grüngraiicn,  glimmerreicbcn  Sandsteinen;  von  346,48 — 347,2$Metei 
Letteukohle. 

Die  ernte  und  dritte  dicöcr  Scbicbtenprobeu  sind  zum  Tbcil 
aocb  voHinuden;  die  * Sdiieferletten»  sind  doKiinitiKcb  und  ent- 
epreuheii  auf's  Geuiiticstc  drn  Cbarlotteubiirgcr  Probflo:  unter  den 
Sandsteinen  sind  iiiebt  nur  grQngritue,  sondern  auch  brSitnlicbe 
Proben  vorhanden,  kuiii  Theil  ebenfalls  mit  kiilkigom  Bindemittel, 
die  gjimmtliub  cbenfülls  den  Charlottenburger  Proben  durchaus 
cntspreuben. 

Bohrung  III,  Seite  41:  Von  210— 25'J  Meter  rother  und  blauer 
Schieferletten  eU:.  Von  259  —277,5  Meter  dtiukle  und  blaur,  r-im 
Theil  Gandige  Lettcu  und  Sniidsteine;  in  '^62  Meter  Atyopfioria pä 
anserüi,  in  264  Meter  Lette nkoblenflötz. 

Die  Proben  von  210—259  Meter  sind  ehenfxlls  dolomitlMb 
und  eutsjtrecbcn  ebenfalls,  »toweit  sie  vorhanden  tiind,  geuau  dm 
bütreffendeu   Proben  von  Cburlottenbiirg. 

Eine  aitsserordcotlich  grosse  Aehuticbkeit  mit  diesen  Sebichwn 
Migon  nicht  nur,  wie  m  erwarten,  die  Prolieu  ans  der  alten  Kuh- 
Hing  17,  von  Tasdorf  bei  Hödersdorf,  die  seiner  Zeit  von  Eck  he- 
echriebcn  sind  und  ebenfallä  im  Museum  derkgl.  geol.  Lande«iniit*l>  j 
aufbewahrt    werden'),     sondern    auch    die    tieferen    Proben  d«  1 
Bohrimg  ic  der  Citadelle  Spaudau,  die  seiner  Zeit  v.m  G.  ÜBREXDT    1 
beschrieben  wurden'),   wobei  es  dieser  uneutschiedcu  Hess,  ob  sie 
üiim    mittleren   Keuper  oder  zum  mittleren  Muschelkalk  gehörlen 
(Seite    Ifi  und    17). 

Dass    diese   letzte  Deutung  vollständig  ausgeschlossen  ist,  ist 

')  Eck:  Rüdcrsdorr  und  UiDgcf^end:  AbhandlungCD  tat  fteol.  Specialkirte 
VCQ  Preu.sHcn  uod  don  Thürint;.  Slauten,  Band  I,  Heft.  I,  Seit«  132.  Es  hftnddt 
sich  hier  um  die  lelztL'o  drei  der  boEcbriebenen  Schichten  TOn  13,95— 160,6  Fn» 
lind  von  173,4—210,4  Fiie»,  von  denen  besonder«  die  Proben  der  letiten  30  Fus 
eine  sehr  ^rosEC  UeberoinsiimmuDg  mIL  den  Charlotlen burger  Proben  leigen. 

')  G.  Bkhkniit:  Das  Turliär  im  Bereiche  der  Mark  Brandenbai^.  SiUunp- 
berichte  der  kgl.  preues.  Akademie  der  Wissenaehaften  1885,    Bind  XXXVIll. 


Untergrand  von  Berlin.  171 

Jafii  überciustiininende  Uftheil  aller  Collogen,  die  die  Proben  ge- 
iehen  Labeu;  eine  auch  nur  ähnliche  Entwicklung  des  mittleren 
kfiischelkalks  ist  nirgends  bekannt  geworden. 

Dagegen  ähnelt  die  von  ü.  Berendt  erwähnte  »Folge  von 
alkarmeu  Thonen  und  Letten  mit  grauen,  grün-grauen  und  rothen 
^ärbuDgeu«,  besonders  in  den  tieferen  Schichten,  sehr  den  Char- 
jttenburger  und  Rüdersdorfer  Schichten.  Von  422,0G  —  440,14 
ieter  finden  sich  dort  in  intacten  Kernen  rothe  und  grüne,  dolo- 
litiscbe  Thone  (mit  Einlagerungen  von  Gips),  von  462,13 — 477,04 
Ieter  graugrüne  und  !)räunlich  -  rothe  dolomitische  Thone  (mit 
Lnhydrit),  die  in  der  Farbe  und  petrographischen  Beschaffenheit 
ist  genau  mit  einem  Theil  der  Charlottenburger  und  Küders- 
orfer  Proben  übereiustimmon;  es  fehlen  hier  allerdings  die  gelb- 
ehcu  Farbentöue  und  die  einzelnen  Farben  vertheilen  sich  augen- 
cheinlich  meistens  schichtweise  auf  dünne,  gleichmässig  gefärbte 
(äoko,  doch  kommen  in  462 — 467  Meter  Tiefe  auch  roth  und 
rünlieh-grau  geflammte  und  gesprenkelte  Schichten  vor,  ferner 
ritt  hier  noch  Gips  auf,  der  in  Rüdersdorf  in  diesen  Schichten 
;ar  nicht  mehr,  in  Charlottenburg  nur  in  ein  paar  kleinen  Brocken 
eobachtet  ist,  woraus  der  Schluss  abzuleiten  ist,  dass  die  tiefsten 
?paudauer  Schichten  wohl  noch  einige  Meter  höher  im  Profil 
iogeii  (das  Lettenkohlenflötz  ist  ja  dort  auch  nicht  erreicht,  wenn 
uch  die  liegendste  Schicht  aus  4? 4,2  -  486,2  Meter  Tiefe  aus  bräun- 
ich-violettem  und  grün-grauem,  glimmerfuhrendem,  stark  thonigem 
Randstein  mit  Pflanzenresten  besteht).  Die  von  G.  Berendt  als 
:alkarm  beschriebenen  Schichten  sind  gar  nicht  so  kalkarm,  sondern 
lur  doloinitisch,  brausen  dem  zu  Folge  erst  lebhaft  mit  Salzsäure, 
venu  sie  pulverisirt  sind. 

Die  Analysen  der  Bohrproben  von  Charlotten  bürg,  Rüders- 
lorf  und  Spandau  ergaben  die  auf  S.  172  abgedruckten  Resultate. 

Es  ergiebt  sich  also  aus  allen  diesen  Vergleichen,  dass  die 
!^roben  der  Charlottenburger  Bohrung  aus  212 — 246  Meter  Tiefe  zu 
Jen  obersten  Schichten  des  Kohlenkeupers  an  der  Grenze  zum 
jipskeuper  gehören  und  dass  die  in  Spandau  erbohrten  Keuper- 
chichteu  zum  untersten  Gipskeuper  und  in  ihren  tiefsten  Schichten 
loch  zum  obersten  Kohleukeuper  gehören. 


C.  Gaciki.,  Uobor  dioi  AafBchliü 


oOooopPP 


8!  ff  'g   s  fe  a   S  *S  fe 


V 


Chkrlottanboig 
S20— 324  IIa!«' 


CbwloUenbiirg 
323  Meter 


RBdoredorf  V 

282—300  Meter 

greulich  o.rötUicl» 

Kaderedorf  V 
282-300  Uel« 
gräolich-gelbaacS 
rätblicli  geflamaifc 

Büdwadorf  V 

805 -34G  Meter 

gelb  und  rötblicta. 

gäflunml 

SpniidkD 

418-422  lldar 

p-äne  Probe 


Ja -429  Meter 

rolhe  Probe 


^  53—463  Meter 
rotbe  Probe 


Spuidiu 

453-4i;2  Meter 

graue  Probe 

Böderedorf  V 

282  -  300  Mfter 

du  nket  weinrolh  0 

Probe 


üntergmnd  tod  BerÜD.  173 

IL  Bohrung. 

lin,  Wedding  (Reinickendorfer  Str.  2a, 
Soolbohrung  Maria). 

hruug  ist  bereits  von  G.  Berendt  :  Der  tiefere  Unter- 
Berlin, Seite  50,  vollständig  publicirt;  sie  bat,  abge- 
den  hier  nicht  iuteressireuden  jüngeren  Schichten, 
u  getroffen,  der  bis  285  Meter  reicht;  er  ist  in  den 
lichten  hellgrünlich-grau,  schwach  kalkig  und  sehr 
ssUien  sind  nicht  darin  gefunden,  die  Bestimmung 
nithin  im  Wesentlichen  auf  die  Analogie  mit  dem  Profil 
sehr  zahlreichen  Berliner  Bohrungen,  die  bis  zu  ähn- 
D  Septarienthon  ergeben  haben. 

-289  Meter    folgen    harte,     hell-     bis     dunkelgraue, 

grünlich -graue  und  röthliche  Thone 
und  Schwefelkies.  Die  Thone  sind 
völlig  kalkfrei,  stark  verhärtet  und  beim 
Bohrverfahren  in  abgerundete  Brocken 
von  5  bis  höchstens  10  Millimeter 
Durchmesser  zertrümmert. 
-293       »       folgt  hellgrauer,  kalkfreier  Thon,  plastisch, 

fossilfrei  (auch  ohne  Mikrofauna). 
-297  »  harte,  grünlich  -  graue,  graue  und  röth- 
liche Thone  und  Schwefelkies.  Die 
Thone  sind  wieder  stark  verhärtet, 
kalkfrei  und  liegen  in  Form  von  ab- 
gerundeten, 3  —  10  Millimeter  grossen 
Brocken  vor. 
-300       »       bräunlich  -  grauer     bis     gelblich  -  grauer, 

sandiger,  ^schwach  kalkhaltiger  Thon 
mit  kleinen  Brocken  von  rothbraunem 
und  dunkelbraunem  Thone isenstein  und 
Schwefelkiesknöllchen.  Hinterlässt  beim 
Ausschlämmen  nur  Sandkörner  und 
Thoneisensteinbröckchen,  aber  nicht  die 
geringste  Fauna. 


VuD  3(^0—304  Meter  helignnrr,     pbsttscbcr    Xboa, 

(ihii€  jirdco  Fossiliolult.  I 

•       du[ikolgran«r  liu  brSunlicb-graner,  kill 

freier.    pUstisrIier  Tliftii  mit  gelMidu 

aml  dunkelbraun -rot beiiThoDeUenstefi 

brodien    von    3 — 5  Millimeter  Durs 

tiie«8er    iinil    einvni    Bnicb&tQck    ein 

dDuk(>lgraiieD  PlioEpboritknollp,  die  4 

deuUicbe  Lobenliuie   eines  Amuiottilt 

zeigt ;  sonst  völlig  fusttilfrei  (nncb  ubf 

Mikrofaima).  | 

Wohin  die  Schicfaten  »ii»  :>8.5-297  MoIt  Tiefe  gcbAron^  Wj 

eicl)  l>i«  jetzt  nicht  ermitteln,  dw  jeder  Fuc«iliob«]l  feblt  und  n 

fallende  petrographiacfae  Aebniicbkriten  atcbt  aosBadig  tu  nuu^ 

waren. 

Die  Schiebten  aws  297 — 306  Meter  Tiefe  mit  ihren  hrauoTOtht 
Thanei  Senate  in  brock  eben  und  grauen  Phosphoriten  r.eigen  hesoad« 
in  den  brnun-grauen  Proben  eine  »usserardentltcb  grosse  Aebniie 
keit  mit  den  AiiiallbeMitbuncn  von  II«-rii)si]r>rr  iiud  zwar  besoiide 
mit  den  Schichten,  die  dort  in  307— 308  Meter  Tiefe  erbohrt  sind 
und  ebenfalls  dieselben  brauu-rotbeu  Tboueiseusteine  und  di 
selben  Phosphorite  führen. 

Das  Bruchstück  der  Phosphorit  knoile  ist  leider  nur  erbse 
gross  und  lässt  eben  nur  erkennen,  dass  es  von  einer  ausgetüllt' 
AminoDiteiikainmer  stammt;  das  Bruchstück  ist  aber  zu  klein,  u 
auch  nur  eiue  gencrische  Begtimmuug  des  Ammoniten  zu  erm» 
liehen. 

Bei  der  geringen  Entfernung  —  etwa  12  Kilometer  südlich 
von  Hermsdorf  und  der  petrographischeu  Uebereinstimmimg  ir 
den  dort  in  gleicher  Tiefe  erbohrten  Schichten  ist  die  A. 
nähme  des  gleichen  Alterg  beider  Schichten  höchst  wahrscbein]i< 
doch  finden  sich  nach  einer  freundlichen  Mittbeilung  mein 
tJollegeu  Denckmann  im  uördlichen  Vorlande  des  Harzes  g 
wisse  Schichten  des  unteren  Lias  ebenfalls  in  einer  ausserordeutli< 

')  G.  BKitKüur;  Erbohrong  jurassischer  SuhiuLteu  unter  dem  Tcniär  ' 
llermsdorr  1>n  Berlin.     Die.-<ce  Jabrbucli   ISIK),  S.  8;i. 


Untergrund  von  Berlin.  ]75 

ähnlichen  petrographischeu  Ausbildung  mit  deuselbeu  Thoueisen- 
steinknollen  und  Phosphoriten,  so  dass  eventuell  auch  an  unter- 
liassisches  Alter  dieser  Schichten  zu  denken  wäre;  dass  die 
Schichten  aber  überhaupt  zum  Lias  gehören,  dürfte  nicht  dem 
geriogsteu  Zweifel  unterliegen. 

III.  Bohrung. 

Pankow  bei  Berlin,  (Kaiser  Friedrichstr.  21 — 29). 

In  diesem  nördlichen  Vorort  von  Berlin  ist  im  Laufe  der 
Jahre  1899—1901  für  eine  Brauerei  eine  Bohrung  auf  brauch- 
bares Wasser  ausgeführt  worden,  die  bis  zur  Tiefe  von  297  Metern 
'herunter  gebracht  werden  musste,  ehe  sie  diesen  Zweck  erreichte. 
♦  on  dieser,  wie  sich  allmählich  erwies  für  die  Kenntniss  des  vor- 
^^rtiären  Untergrundes  von  Berlin  ausserordentlich  wichtigen, 
Bohrung  sind  leider  nur  sehr  unvollständige  und  lückenhafte 
Proben,  zum  Theil  mit  sehr  weit  aus  einander  stehenden  Tiefen- 
Wahlen  in  den  Besitz  der  geol.  Landesanstalt  gelangt,  so  dass  das 
Profil  leider  sehr  unvollständig:  und  zum  Theil  noch  zweifelhaft 
Weiht.  Wichtig  ist  die  Bohrung  vor  allen  Dingen  deshalb,  weil 
Sie  zweifellose  Kreideschichten  mit  mindestens  80  Metern  Mächtior- 
keit  im  Untergründe  von  Berlin  nachgewiesen  hat  und  zweitens, 
"^eil  es  die  erste  und  einzige  sehr  tiefe  Bohrung  ist,  die  das 
Oligocän  in  Berlin  durchsunken,  und  keine  Soole,  sondern  süsses 
Wasser  ergeben  hat. 

Die  vorhandenen  Proben  ergeben  folnrendes  Profil: 
0—60     Meter  fehlen. 

^  oti     (;0 — 124       »       Miocän:  Braunkohlen, Kohlensande, Glimmer- 
sande,  Kohlenkies,  Kohlenletteu. 

^  <=^ii  124 — 135       »       helle  Glimmersande  (Oberoligocän?). 

^n   1.35—140       »       kalkfreier,     grauer,     sandiger     Thon     mit 

Schlieren  von  Glaukonitsand. 

^  ^n   140 — 146        »       kalkfreier,  grauer,  saudiger  Thon  mit  Pyrit. 

Bei  205  »       hellgrauer,  schwach  kalkhaltiger,  plastischer 

Thon. 


Von  21)0 
Diese  ergaben 


Meter  üuukelgrauer,   kalkfreier  Thon,   mtt   vieleiB| 
zum  Theil  zersetztem  Schwefelkies.    Dm 
Schichten    von     135  —  20li   Metern    eiit- 
halten  keine  makroskopische  Fauna;  auf 
Mikroi'auna  sind  die  kleinen  Proben  uocfa 
nicht  untersucht  —  ob  sie-  ziiiu  Septarien- 
thoo  geh&reu  oder  älter  sind,  niuss  dem- 
nach vorläufig  unentschieden  blcihen. 
"       fehtea  wieder  die  Proben. 
■       und  von  245— 'iGO  Meteru  lifgeu  zwei  Probeo 
vor.       Es    eiud    weiseliche    (mit 
Stich  iu's  Hellgraue),  zu  kleinen  ßroL-kro 
xertrOmmertc    Kalke,    die     durch    Kalk- 
schlamcii  lose  verkittet  sind.     Die  ProlwO 
machen  durchaus  den  Eindruck,  al«  wfna 
eine    Schichleufolge    von    hellrii    P\itn-T- 
kalken    und  weichen  Mergeln  durdi  ilw 
Bohrverfahren  zerlrfimmert,  die  wi-idii'n 
Mergel     in     Schlamm     verwandelt,    il'"" 
härteren     Bänke    in    kleine     Bruehsini'k'' 
zerstoseen   sind;     makroskopische  Fsuos 
ist  nicht  erkennbar. 

0  und  288—290  Meter  liegen  drei  kleine  Proben 
von  hellgrauem,  kalkhaltigem  Thon  vor, 
ohne  makroskopisch  erkennbare  Faun»; 
ausserdem  zwei  Proben  mit  der  Tief*"' 
angäbe  260-290  Meter  und  279-290 
Meter,  beides  dunkelgrflnhche,  sauJig^ 
Thone.  Die  letzte  Probe  ergab  beim 
Schlemmen  sehr  zahlreiche  grosse  Glauco- 
nitkörner,  viel  Quarzsand,  Brocken  ^oo 
hellem  Glaukonitsandstein,  kleine  diintfl' 
graue  Phosphoritknollen  und  klein? 
Fragmente  eines  sehr  kleinen  BelemniteU' 

-292  Meter  folgen   ebenfalls  grtine,    saudige  Thooe- 
heim  Schlemmen  ausser  den  Glaukouitkörnern,  den 


Üotergrand  von  Berlin.  177 

bellen  GlaakonitsandsteiDeu  und  kleineu  duokelgrauen  Phosphorit- 
knoUen  noch  flünf  minimale  Schalen  einer  ganz  jungen  TerebratuUna 
(chrjfsaliafy^  2  kleine  Haifischzähne,  1  Fischwirbel,  etwa  1  Dutzend 
Foraminiferen,  zwei  in  Phosphorit  verwandelte,  sehr  beschädigte 
Bivalven,  von  denen  eine  aber  mit  Sicherheit  als  Aucella  gry- 
pkaeoides  Sow.  zu  bestimmen  war,  ferner  sehr  zahlreiche,  ganz  zer- 
stossene  Bivalvenschalen,  die  sich  nicht  sicher  bestimmen  lassen 
und  etwa  ein  Dutzend  Belemnitenfragmente.  Diese  gehören  offen- 
bar zu  zwei  verschiedenen  Formen,  die  sich  durch  ihren  Erhaltungs- 
zustand und  die  structurelle  Beschaffenheit  des  Rostrums  deut- 
lich unterscheiden.  Die  eine  Form,  zu  der  das  grösste  Bruch- 
stück (Spitze)  von  12  Millimeter  Länge  und  5  Millimeter  grösstem 
Durchmesser  gehört,  hat  eine  schlanke  spindelförmige  Spitze  und 
einen  kreisrunden  Querschnitt,  ist  dunkelgraubraun,  hat  eine  rauhe, 
matte  Oberfläche  und  ist  durchweg  trübe  und  nicht  durchscheinend; 
sie  ähnelt  durchaus  den  jungen  Exemplaren  von  Belemnites  ultimus 
d'Orb.,  die  von  den  verschiedenen  Fundpunkten  aus  der  nördlichen 
Umgegend  des  Harzes  vorliegen. 

Die  anderen  BelemnitenbruchstQcke  sind  noch  kleiner,  sie 
sind  hell  und  durchscheinend,  von  dunkler  Bemsteinfarbe,  haben 
eine  glatte,  glänzende  Oberfläche,  ihre  Spitze  ist  ebenfalls  schlank 
spindelförmig,  ihr  Durchschnitt  ist  aber  nicht  genau  kreisrund, 
sondern  etwas  gerundet  viereckig  und  sie  gehören  offenbar  zu  ganz 
jungen  Thieren. 

Nach  den  Darlegungen  von  Strombeck  i)  über  die  Unter- 
schiede von  Belemnites  ultimus  d'Orb.  und  minimus  List.,  wonach 
letzterer  auch  in  jungen  Exemplaren  immer  die  charakteristische 
keulenförmige,  ganz  ausgewachsen  oft  die  attenuate  Spitze,  jener 
immer  die  spindelförmige  Spitze  haben  soll,  müssten  diese  Exem- 
plare ebenfalls  zu  Belemnites  ultimus  gehören.  In  der  That  habe 
ich  in  der  Sammlung  der  Landesanstalt  ganz  junge  Exemplare 
des  Belemnites  minimus  List,  von  verschiedenen  Fund  punkten  des 
Harzrandes  gefunden,  die  nicht  grösser  waren,  als  die  Belemniten 


0  Üeber  den  angoblichen  Gault  von  Lüoeborg,  Zeitschr.  cL  Deatsoh.  geol. 
6».  1893,  Bd.  XLY,  S.  489. 

JahrbaUi   1900.  12 


dieser  Bohrung  und  gauz  iinvcrlieiiubar  die  keulcnfönitigc  Spitze 
zeigtep. 

SchlCtkr  dagegen  •),  der  die  einzigen  guten  Abbüduiigea 
von  lieUm.  tätimu»  d'Orb.  gegeben  bat,  legt  den  Haitptwi.'iib  filr 
die  Uutersclieiduug  des  Belem.  tUtimus  d'Orb.  vom  Belem.  mitiivuit 
List,  auf  den  kreisrundea  Quersdinitt  des  ersteren  und  dea  qua- 
dratischeu  Qnerecbnitt  des  letzteren. 

Nun  verdanke  ich  der  Freiindlicbkeit  meines  C'oilegeu 
MCller  eiuige  junge  Exemplare  von  Belemuitee  minimtu  niis 
zweifellosen]  Ganit  von  Wallmoden,  die  nicht  die  keulenförmige, 
sondern  eine  schlank  spindelf5rniigp  Spitze  aufweisen,  aber  eben&o 
wie  die  anderen  Exemplare  des  Bdem.  mmimua  auch  nicht  genau 
kreisrund,  sondern  gcnindet  viereckig  sind  und  ebfuso  wie  die 
undern  mir  zugänglichen  Exemplare  des  Belevmitfa  mintmuti  die- 
eelhe  charakteristische,  btructurelle  IJescbafl'eubeil  des  Hostnims 
zeigten,  wie  die  kleinen  Brucbi^tQcke  unserer  Bohrung,  die 
MüLLEK  Dach  seinen  Erfahrungen  fltr  durchaus  charakte- 
ristisch für  Behmniten  minimu/i  hält,  weshalb  er  die  Pankower 
Form  auch  /.u  dieser  Art  zu  zäbleu  geneigt  ist.  Bei  der  Klein- 
heit der  Fragmente  und  der  Jugend  der  Exemplare  wird  sich 
eine  ganz  sichere  Bestimmung  nicht  treffen  lassen  —  jedenfalls 
kauu  die  Bestimmung  nur  zwischen  diesen  beiden  Arten  schwanken. 
Ich  halte  es  auch  nicht  ftlr  ausgeschlossen ,  sondern ,  bei  der 
Mangelhaftigkeit  aller  Proben  sogar  für  sehr  wahrscheinlich,  dass 
die  beiden  verschiedenartigen  Belemuiten  nicht  aus  derselben 
Schicht  stammen,  sondern  dass  die  drei  rauhen,  trOben,  im  Quer- 
schnitt kreisrunden  Rostra  aus  höheren  Schichten  nacbgefalten 
sind,  besonders  weil  gerade  in  diesen  Schichten  die  Bohrung  lange 
Zeit  stockte,  so  dass  damit  die  Möglichkeit,  dass  die  glatten, 
glänzenden,  im  Querschnitt  gerundet  viereckigen  Kostra  zu  BeUm- 
nites  miitiniwi  List,  gehörten,  erheblich  wahrscheinlicher  würde. 

In  dem  Bohrloch  Greifswald,  das  seiner  Zeit  von  DaukS 
beschriebeu  ist*),  sind,  wie  nachher  näher  bewiesen  werden  wird, 
fast  genau  diesctbeu  Schichten  wie   hier  in  Paukow  erbohrt;  dort 

')  PalaeoDtographica,  Band  ^4,  S.  IM  ff.,  Tftf.  ä2,  Fig.  1—5. 

')  Zduchr.  d.  Deubiuli.  gaol.  Gesetlsch.   1»U4,  Bd.  ZXIV,  S.  i)74  ff. 


f  Üntergrrund  von  Berlin.  179 

sind  auch  dieselben  BelemniteD  mit  denselben  cbarakteristischen 
stracturellen  Unterschieden  gefunden ,  allerdings  in  verschie- 
denen Schichten ;  die  von  Dames  als  Belemnites  ultimus  bestimmten 
ranhen,  matten  Fragmente  stimmen  mit  den  gleichartigen  Pan- 
kower Formen  überein;  die  Greifswalder  Exemplare  der  Belem- 
fdU9  minimua  zeigen  dieselbe  Beschaffenheit  der  nicht  genau  kreis- 
ronden,  glänzenden,  glatten,  durchschimmernden  Rostra,  wie  die 
anderen  Pankower  Formen;  sie  sind  aber  auch  zum  Theil  ganz 
tnsgewachsene  Exemplare  mit  der  charakteristischen  attenuaten 
Spitze  des  Alters,  die  zweifellos  bestimmbar  sind. 

Sollten  die  Fragmente  der  glatten,  glänzenden,  durchscheinen- 
den Belemniten  wirklich  zu  Belemnites  minituus  gehören,  so  würde 

scheinbare   Zusammenvorkommen   dieser  Gaultform    mit  dem 

inües  vltimus  sich  ungezwungen  durch  einen  ganz  gering- 
%igen  Nachfall  erklären  lassen,  da  in  Greifswald  die  glauko- 
oitischen  Thone,  die  Belemnitea  tdiimus  führen,  nur  2  Fuss  mächtig 
sind  and    dicht  über  den  Thonen  mit  Belemnites  mtntmus  liegen. 

Femer  erhielt  ich  noch  nachträglich  auf  dem  Bohrplatz 
«ine  kleine  grüne  Thonprobe  »aus  etwa  290  Meter  Tiefe«,  die 
l>€im  Schlemmen  ausser  den  kleinen  grauen  Phosphoritknollen  und 
den  ßlaukonitsandsteinbrocken  ein  grosses  vollständiges  Exemplar 
der  Aucella  gryphaeoidea  Sow.  lieferte,  welches  zwar  grössten- 
teils nur  als  Steinkern  erhalten  war,  an  beiden  Wirbeln  aber 
Qoeh  auf  5 — 10  Millimeter  Erstreckung  die  Schale  aufwies  und 
P^i  zweifellos  zu  bestimmen  war. 

In  292  Meter  Tiefe  folgte  dann  eine  Schicht  sehr  harter, 
dnnkelgraugrüner,  durch  Phosphorit  verkittete  Glaukonitsandstein- 
biollen  von  sehr  charakteristischer  Beschaffenheit. 

Der  Phosphorit  bildet  nicht  nur  das  zähe  Bindemittel  der 
^nzelnen  Quarzkörner,  sondern  durchzieht  auch  in  1 — 3  Milli- 
metern dicken,  grossen  reinen  Schlieren  und  annähernd  concen- 
trischeu  Lagen  die  ganzen  Knollen.  Genau  dieselben  Phosphorit- 
inollen  sind  auch  in  dem  Greifswalder  Bohrloch  in  470  520 
Fu88  Tiefe  gefunden. 

Aus  296,5  Meter  Tiefe  Hegt  dann  noch  eine  Probe  eines 
Juakelgrünen  sandigen  Thones  vor. 


Von  297  —  307  Meter  endlich  folgt  eiu  lockerer  lieller 
GlaukonitsaDt],  iu  dessen  Pioheu  ebenfallä  keine  Fauna  erkennbar 
ist,  der  aber  reichlich  süsses  Wasser  ftlhrt,  das  bis  7  Meter  unter 
Tage  luifsteigt 

Endlich  erhielt  ich  noch  auf  dem  ßohrplats  eine  Probe  eine« 
giiiiz  weicheu,  weieaea  KreideEchlamnies  ohne  Tiefcnaogabe  und 
ohne  makroskopisch  erkennbare  Fanna,  sowie  endlich  Proheu  eines 
eigeuthflmlich  Qeischrotbeu,  etwas  tbonigea  Kalke«,  ebenfallä  ohne 
Tiefenangabe  nur  mit  dem  IJeinerken,  daas  sie  schon  einige  Monate 
vor  Scbluss  der  Bohruug,  also  wenigstens  50 — GO  Meter  Ober  der 
tiefsti-a  Schicht  hern losgekommen  wäre. 

Dieser  rothe  thonige  Kalk  erinnert  seiner  petrograpbischen 
Besähaffeuheit  nach  sofort  au  den  Mytiloides  -  Planer,  stimmt 
iu  der  Farbe  genau  mit  den  "rothen  Kreidethoucuo  (Schicht  c) 
der  Bohrung  Greifswald  (362- 3C6  Fuss)  überein,  und  weicht  nur 
insofern  von  letzterer  Schicht  etwas  ah,  als  diese  mehr  tbonig 
eutwickelt  ist. 

Betrachtet  man  nun  die  fiQr  eine  Altersbestimmung  beautz- 
bareu  Daten  der  Bohrung,  so  beweist  diis  eine  grSeste  Rostrtun, 
das  wohl  ganz  sicher  zu  BeUmnitea  viümue  d'Orb.  gebSrt,  dass  big 
etwa  290  Meter  Tiefe  noch  Cenoman  vorhanden  ist 

Aucella  grijphaeoide»  kommt  am  Harzraude  besonders  häufig 
im  Gault  vor,  geht  aber  auch  stellenweise  ziemlich  hoch  iu'a  Ceno- 
mau  (LOneburg  cf  StrOmbecK  1.  c.)- 

Die  Terebratulinabrut  ist  so  jung,  dass  sie  uicht  sicher  be- 
stimmbar ist,  man  kann  nur  sagen,  dass  es  eine  Verhältnisse 
massig  grobrippige  Form  ist.  Die  Foraminifefen  sind  noch  nicht 
untersucht,  beweisen  ja  aber  auch  uicht  viel. 

Petrograp bisch  stimmen  die  Greifswalder  zweifellosen  Gault- 
schichten  —  glaukonitische  Thone  und  Sande  mit  den  charakte- 
ristischen Pbosphoritknollen  —  eo  genau  wie  nur  mSglich  mit  den 
Pankower  Schiebten  unter  290  Meter  überein,  so  dass  bei  dem 
relativ  häufigen  Vorkommen  der  Aucella  gryphaeoides  (3  Exemplare 
iu  2  kleinen  Proben)  und  der  Aebniichkeit  der  glatten,  gl&nzeudeu, 
iu  Querschnitt  gerundet  viereckigen  Belemniten  wohl  sicher  diese 
Schiebten  als  üault  auzusprecheu  sind. 


ÜDtergrand  von  Berlin.  181 

30  Meter  über  dieser  imgeföhren  Grenze  zwischen  Gault  und 

Cenoman   liegen    nun   die  weisslichen,   plänerähnlichen  Kalke  und 

Mergel    mit   einer  Mächtigkeit   von   angeblich  36  Metern  und  aus 

dieser  Gegend  müssen  auch  die  Proben  der  fleischrothen,  thonigen 

Kalke    stammen,    die    petrographisch    mit    dem    Mytüoides-Pläner 

übereinstimmen. 

Id    Greifswald     sind    über    dem     Cenoman     mit    Belemnites 

ultimus  24^2  Fuss   fleischrothe   Kreidethone   des  Unterturon    und 

darüber    188  Fuss    =    etwa    60   Meter    weissliche   Kreide-Thone 

des     Oberturon    gefunden;    ob    die    entsprechende    Deutung    der 

Pankower  Schichten   möglich   ist,    ist  mindestens  sehr  zweifelhaft, 

denn  in  Greifswald  ist  das  Ccnomau  anscheinend  nur  noch  2  Fuss 

Qiächtig,    was    auf    ganz    absonderlichen    Verhältnissen    beruhen 

tnuss;    in   Pankow    ist  es  aber   durchaus  zweifelhaft,  ob  die  rothe, 

dem    Mytäoidea  -  Pläner    ähnliche    Schicht    über    oder    unter    den 

'W-eissen    Kalken  und  Mergeln  liegt,  man  möchte  aus  Warschein- 

lichkeitsrücksichten   fast  das    erstere   annehmen,   da  sonst  für  das 

C3enoman  hier  ebenfalls  nur  eine  minimale  Mächtigkeit  übrig  bliebe, 

cioch  ist,  wie  gesagt,  darüber  absolut  nichts  Zuverlässiges  mehr  zu 

Ermitteln.     Die  Schichten  aus  279—290  Metern  müssen  sehr  ver- 

^t^einerungsreich  sein,  denn  die  ganz  kleine  erhaltene  Probe  lieferte 

^ine    unverhältnissmässig  grosse  Menge  von  Muschelbruchstücken, 

^S^oraminiferen  und  sonstigen  Resten;  ein  grosses  Glas  mit  Fossilien, 

cJas    von  den  Bohrarbeitern  aus  dieser  Schicht  gesammelt  war,   ist 

leider  in  Verlust  gerathen. 

Was  an  dem  Bohrloch  aber  besonders  interessant  ist,  ist  nicht 
Our  der  Beweis,  dass  derartige  Ausbildungen  der  Kreide  im  öst- 
lichen Norddeutschland  bis  in  die  Gegend  von  Berlin  herunter- 
Trieben,  sondern  auch  der  Umstand,  dass  unmittelbar  westlich  von 
diesem  Kreidevorkommen  eine  grössere  Verwerfung  durchgehen 
mu88. 

1 1  Kilometer  nordwestlich  von  Pankow  hat  das  Bohrloch 
Rermsdorf  in  236 — 323  Meter  Tiefe  Amaltheenthoue  gefunden, 
4  Kilometer  westsüdwestlich  von  Pankow  ist,  wie  oben  bewiesen, 
in  297  bis  306  Meter  Tiefe  ebenfalls  Lias  erbohrt;  bei  beiden  Boh- 
rungen  ist^   wie   bei   allen   andern   Berliner  Bohrungen,    die    deu 


■ 


Se{ilurieDthon  dui'ctieuukeii  babeu,  Soole  erschrotet;  hier  liegt  wecig 
östlich  vou  den  beiden  Lias vorkommen  \a  derselben  Tiefe  Kreide, 
die  süsses  Wasser  fahrt. 

Da  hei  Aufang  der  Bobriing  nicht  zu  Termiitheu  war,  diiss 
eie  bis  xu  so  grosser  Tiefe  heruutergebracht  werden  miieste,  so 
wurden  die  Robre,  die  voq  Anfang  an  etwas  enge  gewählt  waren, 
allmählig  so  eng  im  Durchmesser,  daes  sie  jetzt  nur  verhält- 
nismftssig  wenig  Wasser  liefern  können:  es  ist  daher  nicht 
ausgeschlossen,  dass  in  einiger  Zeit  daneben  noch  eine  zweite 
Bohrung  mit  weiteren  Röhren  heruntergebracht  wird,  bei  der 
dann  hotl'entlich  das  ganze  Profil  genau  festgestellt  wird. 


lieber  einen  nenen 
Anfschlnss  im  poinmerschen  Tertiär. 

Von  Herrn  C.  Gagel  lo  Berlin. 


In  der  Stadt  Rügenwalde  bei  der  Stuhlfabrik,  etwa  4  Meter 
^ber  N.  N.  ist  im  Sommer  1900  ein  94  Meter  tiefer  Brunnen  ge- 
bohrt worden,  der  zuerst  40,3  Meter  Diluvialschichten  und  darauf 
'^  Meter  Tertiärschichten  und  zwar  solche  des  Miocäns  durch- 
^nk.  Da  nun  in  unmittelbarer  Nachbarschaft  von  Kügenwalde 
überhaupt  kein  Miocän,  sondern  nur  glaukonitischer  Thon  des 
*^nteroligocän  vorhanden  ist,  die  Aufschlüsse  im  Miocän  auf  den 
^dlich  und  östlich  daranstossenden  Blättern  nur  sehr  klein  sind 
*^d  kein  Profil  von  irgendwie  erheblicher  Mächtigkeit  zeigen, 
^^sserdem  den  Verdacht  erwecken,  dass  es  sich  bei  allen  oder 
^^1  der  Mehrzahl  nur  um  losgerissene,  im  Diluvium  eingebettete 
^choUen  handelt^),  so  möge  das  Profil  der  Bohrung  hier  mit- 
i^theilt  werden. 

0—40    Meter  Geschiebemergel  ^)  mit  2  Grandbänken  bei  5  bis 

6,30  Meter  und  bei  9,50—10  Meter. 
40—40,3      »       Gerolle    und  Geschiebe    (nordische    und    creta- 

ceische). 

0  Siehe  Erl&ateraogen  zur  geol.  Specialkarte  von  Preassen,  Lieferang  83, 
Blatt  Laozig- Witte,  Saleske,  Gropenbageo. 

^  Die  beiden  ersten  Proben  sind  nur  feiner,  lehmiger  bezw.  kalkig -tho- 
niger  Sand  ohne  Grandkömer  und  Geschiebe;  die  geol.  Karte  giebt  aber  in  der 
guaea  Gegend  nur  Oberen  Geachiebemergel  an, 


Mnter  ilunkelhrauuer,  fetter,  kalkfreier  Thon,  etwas 
gliminerhaltig;  die  untersten  2  Meter  fein  ge- 
sctiichlct,  mit  piipierdflnneD,  hellgrauen,  san- 
digen Z  wische  nlagen. 

dunkelbrauner,  saudiger  Letten,  wenig  plastiech, 
ftlhlt  sich  rauh  an,  bis  46  Meter  mit  wenigen 
vereinz-eiten,  tou  46  Meter  ab  mit  zahlreichen 
bis  pfefierkorng rossen  QuarzkSrneru ;  zwischen 
46  —  48  Meter  ein  etwa  erbsengrosses  und 
2 — 3  etecknadelkopfgrosse  Kalkgerölle,  sonst 
ganz  kalk  frei. 

grauer,  niittelköruiger  Quarzsand. 

dunkelbraun  er,  sandiger  Letten  mit  vielen  Qu^ 
körnern  und  zahlreichen,  weissen  Gliniraer- 
blättcben,  bei  51  Meter  eine  ThoneieeDsteiu- 
concretion  in  Form  eines  abgeflachten  Ro- 
tationsellipsoides  mit  etwa  5  Ceotimeter 
grösütem  Durchmesser'). 
i       dunkelbrauner,  sehr  sandiger  Letten,  glimmer- 

hallig,  mit  feinen,  grfluen  Sandstreilcheu. 
>       hellgrauer,  sehr  feinsandiger  Letten  bis  thouiger 
Staubsand    mit   Schlieren    und    Streifen    von 
weissem  Staubsand;   fbblt  sich   eatnmetweich 


58— (!0  »  graubrauner,  sandiger  Letten,  glimmerhaltig, 
mit  dünnen,  feinsandigen  Zwiscbenlagen. 

60  —  64         »       hellgrauer,  thoniger  Staubsand. 

64 — 71  »       grauer,  feiner,  glimmerhaltiger  Quarzsand;  zwi- 

schen ßS  — 70  Meter  mehr  bräunlicli   geßlrht. 

71—77  »  hellgrauer,  saudiger,  glimmerhaltiger  Letten,  an 
einer  Stelle  eine  ganz  undeutliche,  verkohlte 
Pflanzenspur,  die  letzten  2  Meter  sehr  sandig. 

77 — 79         »       feiner,  grauer,  glimmerhaltiger  Quarzsand. 

')  Eine  im  Lshor&lorinni  der  kgl.  geol.  LandeiutBtklt  avegaführta  Äita\jm 
ergab  für  die  lussere  Schicht  einen  PhotphorsluregehBlt  toa  0,448  pCt.  P,0|' 
für  den  Kern  einen  solchen  von  0,425  pCU  PiO». 


G.  Gaobl,  üeber  einon  ocaen  Aufsolilass  im  pommerBcLen  Tertiär.        185 

I — 83     Meter  thoniger,  grauer,  feiner  Quarzsand  mit  GHinmer- 

blättchen;    zu   lockeren  Klumpen  zusammen- 
geballt. 
3—85         »       sehr  saudiger,  grauer  Letten,  flQhlt  sich  rauh  an. 
5<-88         »       dunkelgrauer,  thoniger  Quarzsand,  mit  einzelnen 

Glimmerblättchen,  zu  lockeren  Klumpen  zu- 
sammengeballt; in  einem  ist  eine  kleine, 
flache  Kalkausscheidung  von  etwa  5  Milli- 
meter Längen-  und  1  Millimeter  Dicken- 
durchmesser, enthalten. 
'8-91  »       weisser,  etwas  glimmerhaltiger  Quarzsand. 

1—92  »       dunkelbrauner,  ziemlich  fetter,  fein  geschichteter 

Thou,    mit   ganz    feinen  Sandstreifchen    und 
vereinzelten  pfefierkorngrossen  Quarzkörnern, 
5 — 6    bis    erbsengrosse  Markasitknollen    und 
]   Stecknadelknopfgrosses  KalkgeröUe  enthal- 
tend. 
i—dA         »       dunkelbrauner   Letten,    mit  zahlreichen  pfefier- 
korngrossen Quarzkörnern. 
Schluss  der  Bohrung. 
Das   ganze  Tertiär  -  Profil    ist    mit  Ausnahme    der    4—5   er- 
nten Kalkköruchen  vollständig  kalkfrei,  die  Proben  (eingesandt 
der  Westpreussischen  Bohrgesellschafl  in  Danzig)    sind    sehr 
er  und  frei  von  jedem  sonstigen  Nachfall;   nur   in  der  ersten 
iärprobe,  unmittelbar  unter  dem  Diluvium  (aus  40,3—42  Meter), 
in   sich    einige    Körner    von   Kalk    und    nordischem   Material 
en  an  die  Thonproben  angedrückt. 

Die  nächsten  Aufschlüsse  von  Miocän  liegen  auf  den  südlich 
östlich  anstossenden  Messtischblättern  imd  zwar  finden  sich 
ebenfalls  dunkelbraune,  fette,  kalkfreie,  glimmerhaltige  bis 
merreiche  Thone,  die  zum  Theil  durch  sehr  sandige  Thone  in 
igen  Glimmersand  übergehen  und  Quarz-  und  Glimmersand. 
Auf  Blatt  Rügenwalde  ist  das  Tertiär  nur  durch  glaukonitische 
Qe  mit  Phosphoritknollen  und  Glaukonitsand  vertreten  und  zwar 
n  diese  Uuteroligocänbildungen  3,5  Kilometer  nordöstlich  von 
mwalde  bei  Zizow.    Die  tiefe  Bohrung  in  Kügenwaldermüude, 


18«       C.  G« 


,  OvW  ei 


Q  Anriiuhtuu  tu  ponnDtnchen  Terlitr. 


3  Kilometer  uördlicli  «od  Kng^uwalde,  bat,  wie  bekaaat,  134  Meb 
Diluvinm  (tiauptBächlivb  Geecbiebt'mer^l),  vou  134 — 134,7  Meb 
;terstörtes  Tertiär,  mit  PboüphoritkaolIeD  und  daruDfer  Senotl 
Kreide  durchs u nke □ ;  toq  deuk  in  dieser  neuen  Bobruog  aogc 
trofieiieD  Miocän  i^t  dort  aber  nichts  geftmdeD;  umgekehrt  zeig 
dieüe  neue  Rogenwalder  Bohrung  keine  Spur  tob  den  gUukoni 
tischen  Schichten  und  Pbotiphoritkuollen,  steht  also  noch  vdU 
ständig  im  Miocän.  I 


^wei  nene  AnfschlüHse  von  marinem  Ober 
Oligocäti  im  nördlichen  Hannover. 

Von  Herrn  W.  Koert  in  Berlin. 


Von  der  Kalibohrung  bei  Rosentbal  unweit  Bleckede  a.  d. 
''Ibe  hat  bereits  Ochsenius  (Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges. 
^d.  51,  S.  183)  ein  Soolevorkommen  im  Unter-Oligoc&n  bekannt 
^macbt;  sodann  ist  von  G.  MOllbr  (dieses  Jahrbuch  fikr  1899, 
*•  LIII)  ein  Profil  der  durchbohrten  Diluvialschichten  geliefert. 

Auf  Grund  des  nicht  sehr  reichlichen  Probenmaterials,  welches 
urch  Herrn  Dr.  Ochsenius  in  die  Sammlung  der  geologischen 
^andesanstalt  gelangt  ist,  Hess  sich  feststellen,  dass  bei  106  Meter 
Qter  Flur  ein  mürber,  thonstreifiger,  glimmerreicher  Kalksandstein 
Qgetroffen  wurde  mit  Braunkohlestflckchen  und  einer  Fauna,  die 
ich  durch  Arten  wie  Ficula  simplea  Beyr.  und  Pleurotoma  ra- 
'so^a  Bast,  als  miocän  zu  erkennen  giebt.  Von  etwa  115  Meter 
ib  bis  mindestens  zu  141  Meter  durchbohrte  man  dann  eine  Folge 
^on  thonigen,  kalkhaltigen  Glimmersanden  mit  einer  Einlagerung 
'on  mürbem  Kalksandstein  (bei  11 9,5  Meter)  und  von  kalkig- 
sandigem,  dunklem  Glimmerthon  (121  —  122  Meter),  einen  Complex, 
den  man  auf  Grund  der  eingeschlossenen  Fauna  als  marines  Ober- 
Oligocän  deuten  muss.  Von  den  über  40  Arten,  die  sich  isoliren 
Viessen,  seien  hier  folgende  genannt: 

Äporrhaü  speciosa  Sohl.  sp.  var.  Margerini  Betr. 
Murex  Deahayen  Nyst. 
M,  Lamarekii  Grat. 
Tiphys  Schlotheimi  Betr. 


Trilo»iitm  ßaadritum  de  Kon. 
Fusu»  thiufahu  Ntst. 
Natta  SeUotArimi  BsTR. 
Voluta  Sinmeni  BoLU 
AnaÜaria  obtoUia  BbOOC. 
Ctutit  mfffapolitana  Betr. 
PtfvnXoina  rttftäaria  db  Koh. 
n.  Komnckii  Ntst. 
Fi.  latidana  BetR. 
PI.  DwJuutfiü  Ntst. 
/Y.  obeiitcv*   Desm. 
VanttUaria  eeuha  Sou  sp. 
C  Mitraej'ormi*  Bbocc 
CtnAium  triliiuatitm  PHO. 
C.  hüort/untum  PuiI.. 
\atifa  ackaUttfif  DB  KOK. 
TurriUtUt  Ga'ititM  Spbtbr. 
XfmopAorü  acrmfaria  PHIL. 
Calgptnxea  depretta  IaUL 
Btäla  cylmdracfa  Pbkk. 

Prttn  btiiAu  MCnst. 
P.  tfmidnffHlahu  MCkst. 
P.  Uo/wuatm  CiOLDF. 
P.  »tritttoOHtatH»  MCirST. 
tWtttnadiu  Phäippü  Desh. 
lÄmpptü  rrti/'frtt  SsMP. 

L.  pyymaea  MCtsst. 

C  nmurit/Mat  Broks. 
/.«ctM  SrA/«*»bafki  T.   KOBX. 
L.  ^tmcmIm*  r.  Kokk. 
rjrprnu  *ahtmd»t^  A.  Bb. 
ftaemrJi»  mttrwmMtrm  d'Owl 


Ober-Oligocän  im  ndrellichen  Hannover.  189 

Astarte  laeoigata  Mönst. 
A,  pygmaea  GOLDF. 
A,  Kidcxi  Ny8T. 
Ooodallia  Koeneni  Spetbr. 
Syndoamya  Bosqueti  Nyst. 
Saxicata  aretica  L. 
Caryophyllia  (?)  granulata  MÜNST. 
CaryophyUia  cf.  crassicoata  Kefst. 

Im  AllgemeineD  gleicht  diese  Fauna  der  des  bei  Malliss  au- 
telienden  Ober-Oligocäns,  wie  sie  durch  Geinitz  (Mecklenb. 
rchiv  Bd.  46,  S.  69)  bekanut  geworden  ist.  Beinerkenswerth  ist 
as  Vorkommen  von  CanceUaria  mitraeformis  Brocc,  einer  Art, 
ie  uach  der  bisherigen  Kenntniss  erst  in  dem  untermiocänen 
olsteiner  Gestein  von  Stolpe  und  Steinbeck  auftrat,  hier  in 
>senthal,  sowie  in  der  weiter  unten  zu  besprecheuden  Bohrung 
Q  Schmardau  indessen  bereits  im  Ober-Oligocän  sich  zeigt. 
ISS  hier  nicht  etwa  eine  Vermengung  mit  Fossilien  höherer, 
ocSner  Schichten  stattgefunden  hat,  geht  daraus  hervor,  dass 
h  diese  CanceUaria  zusammen  mit  dem  oligocänen  Fusus  elon- 
^  Nyst.  aus  Proben  des  Bohrkerns  von  128  und  129,5  Meter 
schlemmen  liess.  Es  handelt  sich  hierbei  um  diejenige  Form 
p  CanceUaria  mitraeformis^  welche  Beyrich  als  C,  parvula  be- 
irieb, von  der  jedoch  v.  Koenen^)  nachwies,  dass  sie  mit  der 
t  BROCCHf  8  zu  vereinigen  sei. 

Herr  Dr.  W.  Weissermel^   der   die  Bestimmung  der  beiden 
der  vorbtehenden  Liste  aufgeführten  Korallenarten  gütigst  über- 
Damen hatte,  bemerkt  dazu  Folgendes: 

Caryophyllia  (?)  grannlata  Münst. 

^onymik  bei  Rkus«:  Zar  Faana  des  deutschen  Ober-Oligocäns.    IL  Antbozoen. 

(Sitzongsber.  d.  k.  Acad.  d.  Wissensoh.  io  Wien,  Bd.  50, 
1864,  S.  615.) 

Diese  im  deutschen  Ober-Oligocän  weit  verbreitete  Art  dürfte 

i   dem  Fehlen   von  Pali  nicht  zu  CaryophyUia^   sondern  eher  zu 

trasmilia  gehören. 


*)  Das  Miocan  Norddeatschlands  und  seine  Mollusken fauna,  I,  S.  29. 


Daa  vorliegende,  recht  gut  erlialteue  Exeinphir  stiuiiiit  mit  de 
Abbilduug  und  BeEchreibuug  voxi  Keüss  (der  über  besseres  Ma 
terial  als  Keferstew  verfügte)  im  Weseotlicheu  überein,  zeigt  abe 
einige  Abweichnugen,  die  eine  unbedingte  Identification  nicb 
zulassen.  Uebereinetimuiuug  besteht  in  der  horaförmigen  Gestull 
der  kletneu  Anwachsstelle,  den  ailgeiiieineD  Dimensinnsverhältni 
(unser  Exemplar  ist  etwas  kleiner  und  schlanker  als  das  voi 
RSDSS  abgebildete),  deu  periodiscliuü  Einschui'iruugen  derfeingekör 
selten  Aussenseite,  dem  ovalen  Keleh,  der  allgemeiuen  Aiisbildunj 
des  Septal Apparates ,  den  bogig  granulirten  Seitenflächen  df 
Sepien  und  vor  Allem  in  deu  aufTaliend  breiten  und  scbmalei 
Pali.  Unterschiede  bestehen  darin,  dass  hei  dem  vorliegende: 
Exemplar  die  Sept«n  erster  und  zweiter  Ordnung  auf  dem  Kelch 
rande  wie  auf  der  Aussenseite  stärker  hervortreten  als  in  Rgpsj 
Figur,  wodurch  der  Kelch  einen  mehr  kautig-ovalen  Querschnit 
erhält,  ferner  in  der  etwas  grösseren  Zahl  der  Pali  (14,  nacl 
Rguss  1 2)  und  der  geringeren  Länge  der  Septen  der  ersten  beidei 
Ordnungen;  nach  Rbuss  reichen  dieselben  bis  zum  S&ulchen,  he 
dem  vorliegenden  Exemplar  nur  bis  zur  Mitte  der  Pali.  Das 
unser  Exemplar  etwas  zahlreichere  Septen  hat  (52  gegen  4S)  — 
dem  entsprechen  die  zahlreicheren  Pali  —  dflrfte  nicht  weiter  iu' 
Gewicht  fallen.  Das  Sänichen  des  vorliegenden  Exemplars  zeig 
einen  sehr  charakteristischen  Bau.  Es  besteht  aus  mehreren  (8 
stark  hin-  und  hergewuudeuen  Blättern.  Bei  den  von  Rgdss  unter 
suchten  Exemplaren  scheint  ea  schlecht  erhalten  gewesen  zu  sein 
es  wird  nur  angegeben:  »die  Axe  besteht  aus  wenigen  in  eine 
Reihe  stehenden  Stäbchen,  ist  aber  nicht  ganz  deutlich  zu  erkennen« 
In  diesem  Punkte  mnss  also  die  Vergleichnng  unvollständig  bleiben 
—  Ob  die  Unterschiede,  von  deueu  die  wichtigsten  die  äusserücl 
stärker  hervorragenden,  daför  aber  kürzeren  Septen  erster  um 
zweiler  Orduung  sind,  den  Werth  der  Übereinstimmenden  Merk 
male,    deren  aufTallendsles    die    breiteu   und   schmalen   Pah    sind 


Öber-Oligocin  im  nördlichen  äannoyer.  191 

i^rwiegen,  Iftsst  sich  nur  an  grosserem  Material  feststellen.  Die 
Zugehörigkeit   zur  Art  uiuss  daher    vorläufig  zweifelhaft  bleiben. 

Eine  der  vorliegenden  sehr  nahe  verwandte  Form  dürfte 
^' {Acanihocyatliui)  vindobonensia  ReüSS  sein  (Korallen  des  öster- 
'eichiseheu  Miocäns,  Denkschr.  d.  k.  Akad.  d.  Wissensch.,  Wien, 
M.  31,  1872,  S.  21,  Taf.  2,  Fig.  10,  11).  Durch  liebenswürdiges 
entgegenkommen  des  Wiener  Hofmuseums  konnte  ich  authentische 
Exemplare  dieser  Art  untersuchen.  Es  ergab  sich  dabei  an  klei- 
leren  Exemplaren  (die  Art  wird  erheblich  grösser,  als  die  vor- 
legende) eine  frappante  Aehnlichkeit  mit  unserer  Art.  Unter- 
chiede  bestehen  in  erster  Linie  in  den  dickeren  und  kürzeren 
Mi,  femer  in  den  stärker  hervortretenden  Sepien  erster  Ordnung, 
ler  stärkeren  Körnung  der  Seitenflächen  der  Septen  und  dem 
twas  dickeren  Säulchen,  das  sonst  denselben  Bau  aus  unregel- 
nUsig  hin-  und  hergewundenen,  gekräuselten  Blättern  zeigt, 
abgebrochene  Exemplare,  die  einen  Querschnitt  durch  tiefere 
Cbeile  des  Polypen  geben,  zeigen,  dass  die  Septen  des  ersten 
^yclns  mit  diesen  gekräuselten  Blättern  verschmelzen.  Endlich 
bestehen  Unterschiede  noch  in  dem  Fehlen  der  Anheftungsstelle 
ind  in  den  Stacheln  auf  der  Aussenseite,  die  sonst  dieselben  gekör- 
leltea  Rippen  zeigt.  Genügen  diese  Unterschiede  auch  sicher,  um 
lie  miocäne  Form .  specifisch  selbstständig  zu  machen,  so  glaube 
>ch  doch  nicht,  dass  man  sie  einer  anderen  Gattung  zuweisen 
larf.  Die  Gattung  AcarUhocyathua  unterscheidet  sich  von  Caryo- 
pkjfUia  nur  durch  das  Auftreten  von  Stacheln  auf  der  Aussenseite, 
em  zwar  leicht  in  die  Augen  fallendes ,  aber  morphologisch 
i^ht  nebensächliches  Merkmal,  und  die  vorliegenden  kleinen 
Exemplare  von  A.  vindobonensis  zeigen  die  Stacheln  auch  nur 
^hwach  ausgebildet.  Die  gestachelteu  Formen  dürften  also  kaum 
Diebr  als  den  Rang  einer  Untergattung  von  Caryophyllia  zu  bean- 
Bpmchen  haben. 

Einen  Fall  von  ziemlich  weitgehender  Couvergeuz-Aehnlich- 
^^it  zu  den  beiden  hier  besprochenen  Formen  dürfte  Ceratotrochus 
^crepans  ReU8S  (1.  c.  Kor.  d.  österr.-ungar.  Miocäus,  S.  224,  Taf.  20, 
ig.  14,  15)  bilden.  Im  äusseren  Habitus,  dem  oval -kantigen 
mriss,   den  stark  hervorragenden  Septen   des   ersten  Cyclus  und 


^ni  Bmi  des  Stulcbeati  etiaimt  er  mit  beidea  Arten  auffu 
Qberein,  mit  C  erasticotta  aii§»er<l<?m  io  deai  VorliaDdens^in 
Auheflungsstelle  (Qbngens  eiueiii  s«>br  uutergc^nltieUüi  Merk 
Er  unterscheidet  sich  von  IrUttcn-r  Art  nur  durch  d:i»  Fehlen 
Pali.  Ee  erscheint  mir  zweiMhufl,  üb  ilem  Vorkommeti  so 
Pali,  wie  Bie  hier  vorhandeu  sind,  die  iiur  durcb  eiue  tiefe 
kerbuDg  des  oberen  Randes  der  Septen,  wozu  eventuell  uocb 
Verdickung  des  abgeecbnarteu  Tbeils  kommt,  so  grosse  moi 
logiscbe  Bedeutung  zukommt,  dass  bie  die  ZuwqisuDg  von 
(besonders  auch  in  dem  charakteristischen  Bau  des  Säuld 
einander  sehr  nahe  stehenden  Formeu  ku  verschiedenen  Fan 
begrOudeu  kann. 

Der  zweite  Aufschluss  von  marinem  Ober-OligncJo  fud 
in  der  Kalibohruug  beim  Dorfe  Sclimunlnn  sfidwcstticli  voa  1 
acker  a.  d.  Elbe,  nier  traf  man  nacli  Angabe  des  Bohmae! 
in  192  Meter  Tiefe  unter  Flur  bis  zu  200  Meter  einen  feil 
nigen  QnarzglimmerBand  mit  prachtvoll  erhaltenen  Foss 
Leider  war  im  October  1900  bereits  der  ßrflsste  Theil  de» 
förderten  Materials  dieser  Scliieht  auf  die  Halde  cestflrzt,  d 
Hessen  sich  nur  etwa  24  Arten  feststellen,  nAotlich: 

f  Stenomphalus   WiecfiTnanni  v.  Koenkn. 

Terebra  ßei/ncki  Seuper. 

Conus  Sempeii  Speter. 

Na»ta   Meyni  Betr. 

N.  Schlotheimi  Bbyr. 

i  Valuta  ficulina  Lam. 

Andüaria  obuoUta  Brocc. 

OUva  fiammuiata  Lau. 

Cassia  Rondeletii  Bast. 

Natica  achuteiwü  de  Kon. 

N.  dUalata  Phil. 

TuiTttella  GeiniL:i  SPEYER. 

Ringicula  striata  Phil. 

Buüa  cylindraeea  Penn. 

Rüsoa  rimata    PHIL. 


Ober-Oligoc&o  im  nördlichen  Hannover.  193 

Cahjptraea  depressa  Lam. 
Pectunctdu8  PInlippn  Desh. 
Nucula  peregHna  Desh. 
Lucina  praecedena  v.  Koen. 
Cypnna  rotundata  A.  Br. 
Aatarte  laecigata  MOnst. 
Cytherea  splendida  Mer. 
C.   Beyriehi  Semper. 
Mactra  trinacria  Semper. 

?  Stenomphalns  Wiechmaiini  v.  Koenen. 

Von  den  vorliegenden  Exemplaren  stimmen  die  jüngeren  sehr 
gut  mit  der  Figur  10    auf  Tafel  I    bei  v.  Koenen  (Miocän  Nord- 
d^utschlands  I)  überein,  dagegen  weicht  ein  älteres,  sehr  gut  er- 
«alteues  Stück   von  25  Millimeter  Höhe  und  16  Millimeter  Breite 
6f lieblich  von  der  Figur  2  daselbst  ab,  vor  Allem  durch  das  stär- 
kere Hervortreten  des  zweiten  Spiralkiels  gegenüber  den  übrigen, 
Wodurch  die  Schlusswindung  z.  B.   erheblich   stärker  gewölbt  er- 
scheint, wie   ich  mich    überdies   beim  Vergleich  mit  einem  Exem- 
plar von  Stenomphalus   Wieehmanni   aus    dem  hiesigen  naturhisto- 
^>  sehen  Museum    überzeugen    konnte.     Nun   stellt  v.  Koenen  das 
^^iner  Figur  10    zu  Grunde    liegende  Stück    aus    dem  Holsteiner 
öestein  von  Stolpe  nur  als  fraglich  zu  Stenomphalus   Wieehmanni^ 
demnach  wäre  es  möglich,   dass  eine  Untersuchung,   die   sich  auf 
grösseres  Material  stützen  könnte,   ergäbe,   dass  die  Schmardauer 
Exemplare  zusammen    mit   denen    von  Stolpe    einer    anderen  Art 
^Ugehören. 

Erwähnt  sei  übrigens,  dass  Stenomphalus  Wieehmanni  Y,  Koenen 
Sowohl  von  KoCH^)  aus  dem  Sternberger  Gestein,  als  auch  von 
f^iENENKLAüS^)  aus  dem  Ober-Oligocän  des  Doberges  angeführt 
Wird. 

PYoluta  flcnlina  Lam. 

Es  liegt  ein  gut  erhaltenes,  jüngeres  Exemplar  von  G  Win- 
dungen (incl.  Embryonalende),  sowie  ein  beschädigtes,  etwa  gleich 

1)  Mecklenb.  Archiv  Bd.  30,  S.  141. 

*)  8.  Jahresber.  d.  naturw.  Vereins  zu  Osoabrfick  1891,  S.  71. 

Jahrboch  1900.  13 


grosses  StOck  vor.  iteide  stimmen  Gehr  gut  mit  Exemplareu  übe 
Pill,  die  im  liiesigeu  natLirbistoriscIicii  Museum  aus  dem  uute 
iniocftiieu  Gestein  von  Segeberg  liegen  uud  die  xii  i'oluta  ßcuHi 
Lam.  geböreü  könnten,  einer  Art,  wpicbe  v.  Kobnen  (Miod 
Norddcutschlnnds  I,  S.  12IJ  aus  dem  eboufoUs  untormiocSm 
Holsleiiier  Gestein  vom  Brotliener  Ufer  imfObrt.  W.  Wolff 
erwäbnt  Valuta  jicuHna  aus  der  vou  ihm  zum  Ober-Oligocän  gi 
recbneleu  »unteren  Meerosmolasse«  Oberbayerus. 

Obige  FuuQä  von  Scbmardau  mSilite  icli  schon  nis  obe 
oligocäu  deuten,  liHupIsilcblicb  auf  das  Vorkommen  des  nur  iititU 
und  oberoltgocän  ^)  bekannten  Conu«  Semperi  Sprteb  bin,  uud  k 
glaube,  an  dieser  Altersbeütinimung  trotz  des  Auflreteiis  der  tnii 
ciiueu  Naana  Meyni  Beyr.  festhalten  zu  müssen,  denn,  wie  gleit 
gezeigt  werden  soll,  ist  diese  Art  in  derselben  Bobruug  >iA\<i\\  i 
ganz  unz weife) halbem  Ober-Oligocan  Läufig. 

Wenige  Meter  tiefer  nämlicb,  um  203  Meter  unter  Flur,  tn 
man  in  der  Scbnmrdauer  Bohrung  eine  etwa  2  Meter  niScbtig 
Schaltrilnunersc-bicht,  die  bei  nur  spArlicbem  Gehalt  au  Quan 
glimniersanil  zum  grössteii  Tbeüe  aus  scharfkantigen  Bruchstücke 
von  Tw'nteüa  Getnitzi  Speyer  besteht,  andererseits  aber  auch  gi 
erhaltene  Schalen  anderer  Mollusken  in  nicht  geringer  ZaI 
eiuscbliesst.  Da  von  dieser  Schicht,  welche  auch  dem  Bohi 
meister  sehr  anfHillig  war,  das  ganze  zu  Tage  geförderte  Ha 
terial  aufgehoben  war  und  mir  zur  Verfügung  stand,  so  erga 
die  Untersucbuug  das  Vorliandenseiu  von  über  CO  bestimiiihare 
Arten,  nämlich: 

Murex  Kocht  Bbyr. 

M.  Deskayesi  Nyst.  jut. 

Tiphys  Scklolheimi  Beyr. 

Tntonium  ßandricutn  DE   KoN,  juv. 

f  Stenomphalus   Wiechmanni  v.  Koen. 

'}  Die  Fauna  der  aüdbajcrischen  Oligocünmolasse.  Palneonlogr,  Bd.  4- 
S.  4(W. 

')  V.  Küenkn:  Das  maTina  Uittel  -  Oligoc&n  Norddeutsch lands  und  M>iD 
MoUuakeufaUDä.     Palaeontogr.  Bd.  Ui,  S.  66. 


Ober-OligocAn  im  Dördlichen  HanDover.  195 

Ficula  reticulata  Lam. 

F,  eoncinna  Betr. 

husua  elongatu8  Nyst. 

Voluta  decora  Betr.  juv. 

Cassis  megapolitana  Beyr. 

Oliva  ßammulata  Lam. 

Ancülaria  obsoleta  Brocc. 

Cancellaria  mitraeformis  Brocc. 

Terebra  cincta  Schloth. 

T.  Beyrichi  Semp. 

Columbella  attenuata  Beyr. 

Naaaa  Schlotheimi  Beyr. 

N.  Meyni  Beyr* 

Pleurotoma  regvlaiHs  de  Kon. 

Fl,  laticlavia  Beyr. 

PL  Dnchaatelü  Nyst. 

PI.  turbida  SoL.  juv. 

Mangelia  obtuaangula  Brogg. 

Homotoma  Rappardi  v.  Koenen. 

Conus  Semperi  Speyer. 

Natica  achatensü  DE  KON. 

N.  däatata  Phil. 

Sigaretus  Philippii  Speyer. 

Turritella  Geinitzi  Speyer. 

Turbonüla  aubulata  MiR.  sp. 

Xenophara  acrtUaina  Phil. 

Adeorbia  carinata  Phil.  sp. 

Calyptraea  depreasa  Lam. 

TornateUa  punctato-aulcata  Phil.  sp. 

Ringicula  striata  Phil. 

Bulla  cylindracea  Penn. 

B,  utricuhia  Brogg. 

Anomia  Goldfussi  Desh. 

A,  aspereUa  Phil. 

Pecten  bißdus  Mönst.  juv. 

Dacrydium  pygmaeum  Phil.  sp. 

13* 


Homatoma  Rappardi  v.  Kognbn. 

Synonymik  bei  v.  Kokskn;  DasNonldeutacbe  Uoter-OligocäD  und  seino  Hollmli^i- 
fsuD8,  S.  506. 
Das  einzige  vorliegeude,  sehr  gut  erhaltene  Exemplar  is' 
4  Millimeter  lang  und  1,7  Millimeter  dick,  es  stimmt  im  Embrjnual' 
euile  und  in  der  eliarakteristi scheu  ZwischeDsculptur  gauz  fiberei" 
mit  deu  Beschreiliungeii  dieser  oligocäuen  Art  bei  Koch  un» 
WiECHMANN  (Meckleub.  Archiv  Bd.  25,  S.  78,  Abb.  Taf.  H, 
Fig.  3  b),  sowie  bei  v.  Koenen  (Nordd.  Uater-OIigocän,  S.  506)- 
Auch  die  Stärke  imd  die  Anordnung  der  Spiralen  auf  den  f"'' 
gendcu  Windungen  ist  ganz  dieselbe,  allein  es  unterscheidet  siih 
unser  Exemplar  von  dem  Typus  durch  das  gäu/.liche  Fehlen  tou 
Längsrippen,  sowie  durch  die  schlankere  Gestalt.  Homoto«'^ 
RajipaiiU  gehört  somit  auch    zu  den  Formen,    welche,  wie  F«"" 


Ober-OligocäD  im  nördlichen  Hannover.  197 

i'otatus  Beyr.  und  Cancellaria  mitrae/ormü  Brocc,  ihre  Längs- 
rippuog  gänzlich  verlieren  können,  so  dass  nur  eine  Spiralsculptur 
zurfickbleibt. 

An  der  soeben  aufgeführten  Fauna  der  Schmardauer  Bohrung 
lallt  auf,  dass  in  jener  2  Meter  starken  Schicht  die  kleinen  Mol- 
lusken,   zum    Tbeil    Jugendformen,    so   zahlreich    sind,    während 
grössere    fast   ganz  fehlen    oder  doch    nur    in  Bruchstücken    vor- 
handen sind.     PectunculuB  Phüippi  Desh.  z.  B.  erreicht    in  dieser 
Schiebt  nur  einen  Durchmesser  von  1  Centimeter,  während  wenige 
Meter  höher,  von  192 — 200  Meter,  die  Exemplare  fast  durchweg 
einen   solchen    von  3  Centimeter    aufweisen.     Daraus    darf    doch 
wohl  gefolgert  werden,  dass  viele  der  erwähnten  Mollusken  keines 
natürlichen  Todes  gestorben  sind.     Hält  man  diesen  Umstand  zu- 
sammen   mit    der    oben    geschilderten  Beschaffenheit    des    ganzen 
Sedimentes,  so  erscheint  nur  eine  Erklärung  möglich,  auf  die  ich 
hei  meinen    Stu'dien    Ober    Nordseemollusken    durch   Herrn  Prof. 
Hrincke  auf  Helgoland  geführt  bin.     Hbinckb  hat  nämlich  darauf 
hingewiesen,  dass  der  an  vielen  Stellen  der  Nordsee  sich  findende 
Bruchschill  herrühren  dürfte   von   den  Schollen,  dem  Seewolf  und 
den  Rochen,   welche   ihre  Molluskennahrung  zermalmen,  dass  da- 
gegen andere  schalthierfressonde  Fische,   wie  der  Schellfisch  und 
die  Seezunge,    die  kein    hinreichend   starkes    Gebiss    haben,    die 
Schalen   unversehrt  wieder  abscheiden^).     Ungefthr    in   derselben 
Weise  erklärt  Vekrill  die  sich   im  Bereiche   des  Golfstroms  an 
den  Küsten  von  Neu-England  findenden  Anhäufungen  todter,  so- 
wohl zerbrochener,    als  auch   unverletzter  Schalen,    nur    dass  sich 
öaeh  seiner  Ansicht  ausser  Fischen  noch  Seesterne  und  Krebse  an 
der  Sedimentbildung  betheiligt  haben 2).     Wir  werden  also  das  Se- 
diment aus    203    Meter    der   Schmardauer    Bohrung  mit    vollem 
fechte  in    der   Hauptsache    uns    auf  ähnliche   Weise    entstanden 
denken   dürfen,  denn  dann    erklärt    sich   einmal    die    massenhafte 
Aühäufung  von  Schaltrümmern,  andererseits  aber  auch    das  Vor- 
kommen von  ganz  unversehrten,  zarten  Schalen,  wie  die  der  Ano- 

')  Hkixcke:  Die  Mollasken  Helgolands.  Wisscnschaftl.  Me^resuntorsuchungeD. 
Wl,  Heft  1,  S.  Ul. 

*)  American  Joam.  of  Science,  BJ.  XX lY,  S.  450. 


198  W.  KuKnT,  Zwei  Dcae  Au^cblüMo  s 

mieo   oder  dor  Calyptraea,  in   dieecm  Briicliscliill.     Ger&de  diesei^K:  r 

letzte    Umstand   sclilieset   die   ErklfiruDg   aus,    dass   unser   Schal^ 

trüminersediinent    etwa   als  kOsteniiahe    Bildung    durch    die   Ein 

Wirkung  des  Wellenschlages  entstanden  sei,  ganz  abgesehen  vou-^^ 
den  anderen  hiergegen  noch  sprechenden  Gründen. 

An  dem  oberoligocänen  Älter  der  in  Rede  stehenden  Schmar 

dauer  Fauna   ist  wohl   nicht  zu  zweifeln.     Wir  gelangen  dann  /□ 

dem  Schlüsse,  dass  im  Ober-Oligocftn  der  Schmardaner  und  nuch 

der  Rosenthaler  Bohrung  bereits  miocäne  Formen  auftreten,  so  z.  B 

Na^sa   Mm/ni,    CanceUai-ia    mitrae/oi-mie   und    ('olumhella   otUnuata. 

Zu  dem  gleichen  Ergebnis  ist  W.  Wulff  för  Südbayeru  gelangt^gg^ 
denn  er  führt  (1.  c,  S.  2^9)  aus  der  oberoligocflneu  »nntereiHHa 
Meeres mo lasse«  mu,  dass  sich  von  ihren  58  sicher  bestimmt*^i^^ 
Art«a  12  (d.i.  '21  pCt.)  sonst  nur  miocäu  tinden. 

Wird  die    obere  Kaute    des  Über-Oligocäns    der    beiden    he 

sprocbenen  Bohrungen  auf  N.  N.  bezogen,  so  ergiebt  sich  für  sic^E^ 
in  Rasenthal  eine  Lage  in  etwa  —  105  Meter,  in  Scbmardau  einc-  "* 

solche   in  etwa  —  115  Meter,    Da  nun  im  benachbarten  Meckleu 

bürg  sich  das  Ober-Oligocäu  bei  Malliss  in  etwa  -f-40  Mete^^« 
heraushebt,  bei  Meierstorf  südlich  Parcliim  nach  üeinitz')  soga^^^ 
in  -J-  85  Meter  ansteht,  so  scheineu  die  tiefen  Lagen  des  Ober —  ■ 
Oligocäns  in  unseren  beiden  Bohniugen  ftlr  das  Vorhand engeii^^*' 
eines  Grabeneinhruches  im  Bereiche  des  Elbthales  von  Ilitzaeke  ' 
bis  Laueubnrg  /,»  sprechen.  Vielleicht  steht  die  nordöstlich^-  '^ 
Bruchlinie  dieses  Grabens  in  Verbindung  mit  der  von  Gottbche'^^) 
im  Geestrande  bei  Hamburg  vermutheten  Spalte,  die  südwestlich  ^ 
ist  zur  Zeit  noch  nicht  genauer  bekannt,  hängt  möglicher  Wei&— ^ 
aber  zusammen  mit  dem  Hervorragen  älteren  Gebirges  bei  Lün(=^ — - 
bürg. 

Durch  den  Nachweis  von  marinem  Ober  -  Oligoc&n  in  de-  x 
Bohrungen  von  Rosenthal  und  von  Scbmardau  ist  die  Gren^^ 
bis  zu  welcher  jene  Stufe  im  Gebiete  der  unteren  Elbe  bekaauf 
war,  erheblich  nach  W.  hinausgeschoben.  Das  neue  nachgewieseue 
Ober-Oligocän  ist  dadurch  bemerkenswerth,    dass    es  bereits  eiue 


i)  Mecklenb.  Archiv  Bd.  41,  S.  149. 

')  Die  Eodmoräaei]  und  das  mariDe  DiluTium  SchleBwig-Holsteiii'.  Th.H,  S.6I 


Ober-Oligoe&n  im  nördlichen  Hannover.  199 

Reihe  von  miocänen  Formen  aufweist,  so  dass  aller  Voraussicht 
nach  für  jene  Gegend  die  Grenze  zwischen  dem  marinen  Ober- 
Oligocän  und  dem  ebenfalls  marinen  Unter-Miocän  keine  sehr  scharfe 
sein  wird.  Leider  gestattete  gerade  der  Mangel  an  vollständigen 
Probenserien  nicht,  auf  diese  Frage  der  Grenzlegung  zwischen 
marinem  Ober-Oligocän  und  marinem  Unter-Miocän  näher  ein- 
zugehen. Ferner  gaben  die  beiden  neuen  Aufschlüsse  weitere 
Stützpunkte  ab  ftir  die  schon  seit  Langem  geäusserte  Ansicht,  dass 
die  erste  Anlage  zum  dortigen  Elbthal  auf  tektonische  Ursachen 
zurückzuführen  sei.  Endlich  lernten  wir  in  der  Schmardauer  Boh- 
rung ein  Sediment  kennen,  für  welches  wir  nach  Beobachtungen 
in  heutigen  Meeren  eine  eigenthümliche  Entstehungsweise  in  An- 
spruch nehmen  mussten^). 

*)  An  dieser  Stelle  scheint  es   mir   ganz  angebracht,    darauf  hinzuweisen, 
^^as  die  von  BeBEifDT  in  seinen  Arbeiten  über  das  Alter  der  märkischen  Braun- 
kohlenformation  (so  z.  B.  in:    »Die   bisherigen  Aufschlüsse   des  mftrkisch-pom- 
^erschen   Tertiärs   und    ihre    üebereinstimmung   mit   den    Tiefbohrergebnisscn 
dieser  Gegend«)    für   gewisse  Glimmersande   oberoligocänen    Alters  eingeführte 
Benennung  als  »Meeressande«  wohl  für  die  Lausitz  berechtigt  ist,    da   hier  ma- 
i^Qe  Fossilien  sich  in  jenen  Sauden  gefunden  haben.     Keineswegs    ist   aber  eine 
solche  Bezeichnnngsweise   für   die    oberoligocänen    Glimmersande   des   grössten 
Theils   der  Mark  anznnehmen,   so   lange   nicht   durch  Funde   mariner  Fossilien 
ihre  marine  Entstehung  unzweifelhaft  bekundet  wird. 


Unicr  dc-n  Eililn'Icbni  GcKlüebeD,  welche  wir  in  der  uunl 
dentedim  Ti«lrl"-Dc  lorttirut  TorfiitdeD,  brmaspnidiCD  die  ä» 
Trias  eatsUnmendeti  ria  bcsoadcres  Intereaee.  Einiual  gfbSrco 
aie  nt  den  «nergrOastca  Srlt^Dheiten  —  es  sind,  ■bgee«ben  von  rbl- 
tifcbrn  SADd^leinen,  aoter  d^o  T>aäeDde&  von  Geschicbm  kaiini 
awuizig  echte  Tri^^^^^^eb«  Wkauni  — .  «loduiD  aber  kpoDfii  ^"^ 
weaigstvnfi  wu  den  UnschelkaU  betrifft,  kfin  Vorfconiin«a  i**" 
«jlbi-n  Dfirllicb  der  Lini^-  HeI*oUod— Lflneburg  — Rftdirsdiirf 
OrrsJr  dic%«r  Iplzie  UuiMaou  bai  da«n  geiäbrt,  dass  zurril  <J"' 
Beobachtung  von  Mii$cbelkalk-Gc«chirbeD  Widerspruch  eriiilir, 
lag  dot.-b  eine  Verwechslung  mil  rerscUepptem  Roderedorfer  Kalk 
in  niauoheu  Fällen  recht  nahe,  zamal  da^  Absatzgebiet  desselbeu 
ein  recht  ausgedehulc:^  i^.  lodesä^n,  die  Funde  mehrtro  stcb, 
und  honte  ist  die  Exi^leBI  von  echten  Tri«sgeschiebeD  Ober  jedfH 
Zweifel  erhaben,  l^ass  tlutsächlich  Trias,  im  Specielleo  Musclid- 
kalt,  nördlich  der  angeluhrteo  Linie  Helgoland-  Lüneburg-  RüiieR- 
d»rl'  v<>rbaudea  sein  niitss.  lehrt  die  Betrachtung,  dk&s  wir  au  diese» 
drei  Punkten  not.-h  Bilduu^n  des  tieferen  Meeres  vor  uns  babeo, 
während  jedi^s  Auieiohen  einer  nahen  Strandbildung  fehlt.  Frei- 
lich 1i>i-i  sir'h  hierau>  nur  der  ^^hlu^S  rieben,  dsss  weiter  DÖrdlii'b 
von  dicx'u  Orten  Tri»s  vt-rhacden  sein  nioss:  die  Frage  nach  der 
iri'Uaih'reu  Heintat  unserer  t.ie#*-hielie  lisst  sich  daraus  nicht  be- 
antwortiu, 

.\»>  Jeui  lieV.vti   .11-*  iK^r.ideuiÄ'ben  Flachlandes  sind  Trias- 


V.  LiNSTow,  üeber  Triasgeschiebe.  201 

feschiebe  wiederholt  id  der  Literatur  erwähnt,  doch  haben  sich 
>ei  genauerer  Prüfung  nur  wenige  Vorkommnisse  als  echte  Trias- 
;e6chiebe  erwiesen,  da  in  manchen  Fällen  eine  Verwechslung  mit 
iluriscben  Kalk-Geschieben  oder  verschlepptem  Küdersdorfer  Ge- 
teine  vorlag.  Sieht  man  von  localen  Anhäufungen  (Rüdersdorf, 
lelgoland)  und  rhätischen  Sandsteinen  (von  Schonen)  ab,  so  be- 
cliräukt  sich  das  Vorkommen  auf  folgende  sichere  Beobachtungen. 

Meyn^)  erwähnt  drei  Bruchstücke  von  Ceratites  nodo9U8  aus 
er  Gegend  von  Stade.  Sie  stammen  aus  einer  Kiesgrube  im 
lugeren  Diluvium,  sind  deutlich  abgerollt  und  zum  Theil  mit 
isenscbüssigen  Sauden  des  jüngeren  Diluviums  erfüllt,  Kriterien, 
lurcb  die  ihre  Geschiebenatur  wohl  genügend  bewiesen  ist. 

Von  GoTTSCHE^)  wurde  ein  Stück  Muschelkalk  bei  Rixdorf 
iifgefunden,  welches  nicht  mit  Rüdersdorfer  Gestein  übereinstimmt. 
Cs  enthält  Gercillia,  Myophona  u.  s.  w.,  doch  fehlt  leider  eine 
Angabe  über  den  näheren  Horizont  des  Muschelkalkes.  Stolley^), 
ler  diesen  Fund  erwähnt  und  die  Richtigkeit  seiner  Bestimmung 
bestätigt,  führt  eine  Reihe  von  Muschelkai kgeschiebcn  an,  die 
heils  der  Ostküste  Holsteins  entstammen,  theils  an  der  Nordküste 
Viccklenburgs  gefunden  wurden.  Von  den  sieben  besprochenen 
jreschieben  wird  eines  (7),  ein  gelber  Sandstein,  als  fraglich  aus 
lein  Buntsandstein  angeführt,  die  übrigen  vertheilen  sich  auf  die 
bigenden  Horizonte:  Glaukonitischer  Kalk,  wohl  als  Aequivalent 
Jes  Trochitcnkalkcs  zu  deuten  (1),  höhere  Schichten  des  oberen 
Muschelkalkes  (2  und  4),  TrigonodusSQhxchieu  (6).  Ein  anderes 
Stück  (6)  wird  wegen  seiner  petrographischcn  Beschaffenheit  und 
wegen  seiner  Fossilführung  mit  dem  Lüueburger  »Lettenkohlen- 
mergel« verglichen.  Da  letzterer  nach  den  neusten  Untersuchun- 
▼en  des  Herrn  G.  Müller^)  don  TngonoduiSch\c\iieu  trotz  dos 
Fehlens  von  Triff onodus  Sandbergen  entspricht,  so  ist  auch  dieses 


«)  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gescllöcli.,  Bd.  XXIV,  187->,  S.  16. 

')  Goognostische  Beschreibung  der  UmgegeDd  von  Berlin.  Von  Bü^kendt  und 
Danks.     Abh.  z.  gcol.  Spccialkarto  v.  Preussen  u.  s.  w.,  VllI,  1,  1885,  S.  10-. 

5)  Schriften  d.  naturw.  Vereins  für  Schleswig-Holstein,  XI,  1898,  S.  77. 

^)  G.  Müller.  Oberer  Muschelkalk  auf  der  Schafweide  Lüneburg.  Dieses 
Jahrbuch  f.  1899. 


I 


202  *■  Limn-ow,  TTeb«'  Triksgesehiebe. 

Stück  tlemsi-llicn  Horizont  zu  siu  rech  neu.  Das  letzte  Geschiebe  (3J, 
ein  hellgrfluer  Kalk  mit  Notliosauridea-Resten  und  einer  T/ieeotfitra 
verweist  uacli  Stolley  auf  die  Contorta-Zone  und  nicht,  wie  er 
zu  gleicher  Zeit  annimmt,  auf  Oberen  Muschelkalk  oder  Lett^u- 
kolile.  Weiterhin  wird  vim  demselben  Antor  noch  ein  Geschiebe 
erwähnt'),  welches  wohl  dem  Unlereu  Muschelkalk  angehört.  Ks 
ualstammt  der  Gegend  vou  Wellingdorf  hei  Kiel  und  stimmt 
nicht  mit  Rüderedorfer  Gestein  dbereio. 

Sodann  M'urden  vou  Deeckb^)  nun  unterdiluvialem  Grand  der 
Gegend  von  Neubrandeuburg  zwei  Triasgeschiebe  eingehend  er- 
örtert, über  dereu  Geschiebenatur  kein  Zweifel  bestehen  kaniki 
Beide  gehörcü  nach  ihrer  Fauna  zum  Tj'i^onorf«*- Horizont,  Ebenso  * 
haben  wir  es  bei  einem  dritteu  Geschiebeblock  derselbeu  Gegend, 
welches  Deegke^}  ausflthrlich  beschreibt,  unzweifelhaft  mit  einem 
echten  Geschiebe  zu  thun.  Der  ITorixont  scheint  nach  den  Aus- 
ffthrungen  vou  Dbbcke  ein  etwas  tieferer  als  der  Tfiffonndut-Hon- 
zont  zu  sein,  aber  noch  zur  Lettenkohle  zu  gehören. 

Zu  diesen  wohl  sümintlich  echten  Trias-Geschieben  komm&V 
als  neu  hinzu  ein  von  Herrn  G.  MüLLBR  im  Jahre  I89il  ge- 1 
summeltes  Stflck,  Dasselbe,  welches  anstehendem  Unteren  Ui— 
Schiebemergel  vou  Basedow,  nördlich  Lauenburg,  entnomoien  wurde, 
zeigt  die  Form  eines  stark  abgeplatteten  Ellipsoides  vou  12  bezw, 
15  Centimeter  Durchmesser.  Die  Farbe  des  sehr  santligeu  nnd 
glimmerreichen  Kalksteins  ist  an  der  äusseren  Partie  eine  brSun- 
lichc,  im  Innern  dagegen  besitzt  das  uuzersetzte  Gesteia  eine 
graublaue  Farbe,  die  auf  deu  KluMäcben  in  eine  rothbrauae  über- 
geht, hervorgerufen  durch  reichliche  Ausscheidung  von  Eisenver- 
bindungen.  Auch  bemerkt  man  im  unzersetzteu  Gestein  kleine,  oft 
nur  1  Millimeter  grosse  rostbraune  Flecken  von  Eisenhydroxyden. 
Die  stellenweise  zahlreichen,  aber  stets  schlecht  erhaltenen  Petre- 
tactcn  bediugeu  infolge  grösserer  Widerstaudst^higkeit  ihrer  Schalen 

')  Schriften  d.  natunv.  Vereins  für  Scbleswig-HolBtoin,  XI,  1898,  S.  139. 

')  Dmcke,  MoBcheikalLgeschiebfi  von  Neu -Brandenburg  i.  11.  Mitthwl.  a.  d. 
DBtarw.  Vereio  f.  Nen -Vorpommern  und  Rägeu,  Bd.  XXIX,  S.  12. 

")  Deeckk.  Ein  drittea  Neubrandenbnrger  Triasgeschiebe.  UttheiL  ».  d. 
Datnrw.  Verein  f.  Neu- Vorpommern  und  Rügen,  Bd.  XXX,  S.  120. 


V.  LiNSTüw,  Ueber  Triasgeschiebe.  203 

^im  Verwittern  eine  zernagte  und  zerfressene  Oberfläche.  Die 
08siHen  selbst  sind  meist  mit  der  Schale  erhalten;  letztere  besteht 
IS  kleinen  bis  wenige  Millimeter  grossen  Körnern  von  Kalkspath, 
elcher  Erhaltungszustand  bewirkt,  dass  die  Schalen  beim  Heraus- 
seo  aus  dem  Gestein  sehr  häufig  zerbrechen.  Die  Steinkerue 
stehen  aus  dichtem  Kalk  und  beherbergen  oft  einen  TrQmmer- 
ufen  zerbrochener  Schalen. 

Durch  die  Freundlichkeit  des  Herrn  Prof.  Dr.  Dsbgke,  dem 
r  auch  an  dieser  Stelle  f^r  Uebersendung  von  Proben  seiner 
sn  erwähnten  Geschiebe  unsern  verbindlichsten  Dank  aus- 
rechen, waren  wir  in  der  Lage,  unser  Geschiebe  mit  den  bei 
tubrandenburg  gefundenen  zu  vergleichen.  Die  Vermuthung, 
»  das  vorliegende  Geschiebe  mit  jenen  demselben  Horizont  an- 
höre, bestätigte  sich  infolge  gänzlich  verschiedener  petrographischer 
«chaffenheit  nicht.  Während  das  zu  Block  I  und  II  gehörende 
^schiebe  ein  dichter^  grauer  Kalkstein  ist,  Block  III  dagegen 
8  hellem,  gelblich-braunen,  splittrigen  Kalkstein  besteht  mit 
hlreichen  Quarzkörnern  von  ^2 — *  Millimeter  Durchmesser, 
US8  unser  Geschiebe  als  ein  glimmerhaltiger  Kalksand- 
teiu  angesprochen  werden.  Die  Analyse  eines  Stückes,  welches 
sr  äusseren  Partie  des  Gesteines  entnommen  war,  ergab  an 
Rückstand  (unlöslich  in  heisser  HCl)  43,74  pCt;  derselbe  be- 
taud  grösstentheils  aus  Muscovit  und  Quarz.  Eine  mehr  dem 
nnem  entnommene  Probe  ergab  an  Rückstand  (wesentlich  Thon 
üd  kleine  Quarzkörner)  19,52  pCt.  Bedenkt  man,  dass  sich  bei 
ler  ersten  Analyse  noch  gegen  2  pCt.  Eisen  fanden,  dass  ferner 
urchdas  anhaltende  Glühen  des  Kaliglimmers  noch  etwa  1 — 2  pCt. 
Nasser  verloren  gegangen  sind,  so  bleibt  ftlr  den  reinen  kohlen- 
»uren  Kalk  nur  ungefähr  50  pCt.  übrig. 

An  Petrefacten  lieferte  vorliegendes  Stück  eine  GerviUia 
öcwi/i,  die  aber  leider  beim  Herauspräpariren  zersprang,  ferner 
^yophoria  vulgaris,  Natica  Gaillardoti^  eine  Schuppe  von  Gyrolepis 
^Iherti  und  noch  manche  Reste  unbestimmbarer  Gastropoden  und 
fyophorien. 

Obwohl  sich  aus  dieser  geringen  Anzahl  von  Fossilien  kein 
stiminter  Schluss  auf  einen   genauen  Horizont   ableiten  lässt,  so 


wird  iiiuu  dücli,  /iimiil  Diit  Küokäicht  auf  die  potrogni|ibis(;lie  Ue- 
BcliiiSi-uh^'it  des  Uost«ius,  nicht  rehtgelien,  w<.<u»  luau  dieses  St&ck 
jdDg^reo  Schiebten  des  Oberen  Miiscbelkalkee  zuweist. 

Bei  der  Dtircbarbeitung  der  sedimentären  Geschirbc  der  Kgl 
geologischen  Laudesanstalt  fnndon  sieb  nocb  zwei  weitere  StOeko 
von  TriasgeBchioben.  die  im  Folgenden  eingehend  besgirocheu 
werden  sollen. 

Das  eine  Sttlck,  welches  von  Herrn  H.  Sciirokdkk  im  Jahro 
1898  in  der  Ciegend  von  Stargard  (Pommern)  nufget'uudeu  wurde, 
stellt    einen   diüliten,    etwas    s]ilittrigen   grauen   oder   rostiurbenen 
Kalkstein  dar,  der  nach  dem  Hunde  hin  ia  Folge  Zersetzung  etwas 
liiuniger    wird  und   eine    gel  blich- weisse  Farbe  zeigt.     l)»is  ganze 
Uesteiu  besitzt  einen  schanmkalkähDliebeu  Cliarakter  und   ist  dem 
Schaumkalk  zuzurechnen,  ohne  duss  es  die  typisch  oolitbiscbc  oder 
poröse  Strnctnr  erkennen  liesse.    Es  ist  fast  ganz  erfflllt  von  zahl-      — 
reichen  Petiefacten,  die  indcss  sitaimtlieb  nur  aU  Steinkerne  vor-    — 
liegen,    die   Schalen    seihet    sind    entweder  gfiuzlich   zerstört  oiler  — a 
PS  ist  iin   ihre  Stolle  in    wenigen  Füllen  Kalkspatb  gelrelcn,    in  der  — :a 

Regel    sind    die   Abdrfleke    dnrch    eine   Anreicfaeruog  ron  Eisen 

hydroxyd  ausgezeichnet.   Ad  bestimmbaren  Petrefaclen  fanden  sich:^ 

Peiten  <li/scit''e, 

Gertilhu  GoUIßusi, 

Mi/oj  ifion'a  oi  bicultn  ■in, 

Acro<h/i  latertili«  (1  Zahn) 

Gyi-oleftia  AWi-rti  (1  Schuppe) 
und  vereinzelte  Stielglieder  eines  Crinoiden. 

Von  Ptrten  (liscites  liegt  nur  ein  etwas  abgeriebener  SteinWern^*^ 
vor  von  50  Millimeter  Länge  und  45  Millimeter  Breite.  Nach  dem^^ 
Rande  zu  bemerkt  man  schmale,  leistenförmige  Vertiefuugen  von^^ 
gleich  massiger  Stärke,  die  ziemlich  eng  gedrängt  stehen  und  nach^* 
dem  Rande  /n  schwach  divergiren.  GlEBBL  giebt  zwar*)  fili 
seineu  P.  tliscifes  eine  glatte  Oberfläche  au,  aber  schon  ».  See it ACH  ',^ 
vereinigt  den  gestreiften   /'.  Scfitot/ieiwt  mit  dem  glatten  P.  dincitf^^ 

*)  GiBuKL,  Ver^teiueraugen  im  Maschelkalk  tod  I.ieskan  bei  Halle,  S  ID. 
^  T.  Serbach,  CuDchjlieDrauna  der  Weimarer  Trias,  S.  28. 


I 


V.  LiüsTow,  Ueber  Triasgeschiebe.  205 

lind  fltthrt  die  feine  Radialstreifung  auf  die  Structur  der  Pecten- 
Schale  zurück.  Die  öfters  zu  beobachtende  zickzackartige  Streifung 
—  einige  in  der  Hauptsammlung  der  geologischen  Laudesanstalt 
Yorhandeue  Exemplare  zeigen  diese  Erscheinung  in  ganz  ausge- 
zeichneter Weise  —  ist  nach  den  Untersuchungen  von  v.  Strombeck 
und  Carpenter  nur  auf  den  innern  Theil  der  Schale  beschränkt. 
Da  das  vorliegende  Exemplar  die  oben  erwähnten  leistenförmigen 
Vertiefungen  zeigt,  die  nach  jenen  Untersuchungen  nur  der 
oberen  Hälfte  der  Schale  zukommen,  so  muss  die  innere  Partie 
schon  vor  der  Versteinerung  zerstört  worden  sein,  wie  auch 
V.  Seebach  i)  solche  Exemplare  erwähnt.  Die  Oberfläche 
lies  Steinkerns  ist  flach  gewölbt,  föUt  aber  zu  beiden  Seiten 
ziemlich  unvermittelt  ab,  wodurch  bei  Steinkernen  zwei  gerad- 
linig verlaufende  Rinnen  hervorgerufen  werden,  die  sich  unter 
60 — G50  am  Wirbel  trefifen.  Leider  war  der  Erhaltungszustand 
des  vorliegenden  Exemplares  zu  schlecht,  um  auch  die  zu 
beiden  Seiten  der  Ligamentgrube  vorhandenen  Leisten  erkennen 
zu  lassen,  welche  Philippi^)  von  unserer  Art  beschreibt.  An 
die  Seitentheile  schliessen  sich  die  nicht  sonderlich  scharf  ab- 
gesetzten Ohren  an,  die  wenig  deutlich  erhalten  sind. 

GervilUa  Gold/ussi  findet  sich  in  sehr  zahlreichen  Exemplaren 
in  dem  vorliegenden  Stücke.  Es  sind  ziemlich  stark  bauchig  auf- 
getriebene Formen  mit  kleinem  vorderen  Flügel,  die  auch  an  den 
Abdrücken  keinerlei  Anwachsstreifen  erkennen  lassen.  An  einem 
gut  erhaltenen  Steinkern  einer  linken  Schale  lassen  sich  deutlich 
zwei  durch  eine  Grube  getrennte  Schlosszähne  beobachten,  die 
ihrer  Lage  nach  den  beiden  von  Frantzen*^)  beschriebenen  und 
abgebildeten  Gruben  einer  rechten  Klap|.e  entsprechen.  Hand- 
fläche und  Ligamentgruben  waren  nicht  wahrnehmbar.  Wie 
Frantzen*)  hervorhebt,  fanden  sich  als  Begleiter  der  Gercillia 
Goldfussi  fast  nur  Myophoria  orbicularü  in    einer  solchen  Menge, 

*)  V.  Skkbach,  a.  a.  0.  S.  28  und  29. 

*)  E.  Philippi,  Beitr.  z.  Morphologie  u.  Phylogenie  d.  Lamellüiranchior. 
Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  52,  1900,  S.  79  u.  80. 

*)  W.  Frantzkn,  üeber  QerviUia  Qo/dfttssi  v.  Stromb.  Dieses  Jahrbuch  f. 
15^86,  S.  307. 

*)  W.  Fkantzüji,  a.  a.  0.  S.  307. 


V.  LwsTOw,  Uobor  Triasgiwibielie 

dass  einzelne  Bänke  des  (iesteiues  nur  »ne  diflsen  Heiden  Fossilien 
hestaod.  lotereseanter  Weiee  ist  SlinHcher  auch  het  unserem  G«- 
Bchietie  der  Fall;  das  einzige  Petrefakt,  welclies  sich  in  mehreren 
Kxemplaren  vorfindet,  ist  ebenfalls  Mi/ophofia  orbicularU.  Wie 
obeu  augeflllirt,  ist  uneer  Geschiebe  dem  Schaninkalk-IIortr.oDt  xn- 
Kurechnen;  in  Letzterem  fanden  sich  auch  die  zahlreichen  tou 
Fkantzbn  a.  ft.  O.  erwähnten  Exemplare,  ohne  dasa  jedoch  die^ 
Formen  auf  diesen  Horizont  beschränkt  wftren.  Wie  mir  nänilicb 
[lerr  Dr.  E.  J^immrrmann  gßtigat  mittheilte,  fand  er  dasselbe 
l'ctrefact,  und  zwar  ebenfalls  in  Begleitung  von  Afgojthoria  oriii- 
ctilarin  in  den  Tercbratelbänken  der  Gegend  von  Querfiirt.  E( 
ist  dieser  Fund  einmal  deswegen  bemerkenswerth,  weil  er  wie^ier 
auf  das  constante  Zusammen  vorkommen  von  G/vn'Uta  Gold/nmi  I 
lind  der  Myop/ioiia  orbiculai-ü  hinweiat,  alti  auch,  weil  Mtfophoria 
orbiculai-ü  in  einem  solchen  tiefen  Niveau  ziemlich  selten  uuftritt- 
ZiMMERMANN  wies  dabei  darauf  hin,  dass  diese  Terebratdhimlt 
von  Quorfnrt  eine  schaiimkalkähnliche  Ausbildung  hesitzCi 
jedoch  mit  Bestimmtheit  der  Terebratelbank  zuzurechnen  sei.  & 
k;iMu  demnach  scheinen,  als  ob  jene  petrographische  AusbiMimi,' 
eine  Bedingung  sei  (Üt  das  Zusammen  vorkommen  der  Ga'väHa 
Goldfusii  und  Afyophot'ta  orbicularia.  PeiLiPPi^)  kennt  Gemlii" 
GoU/ussi  auch  aus  dem  Trigonodus  -  Dolomit  von  Schwiebor- 
dingeu. 

Myophoria  orbicularis  liegt  in  einigen  wenigen,  zum  Theil 
gut  erhaltenen  Steinkerneu  vor,  die  die  typiscben  Merkmale  dieser 
Art  besitzen. 

Von  Acrodus  lateralis  fand  sich  ein  ziemlich  abgekauter 
einzelner  Zahn  vor,  der  nicht  der  typischen  Form'^  dieser  Art 
angehört,  sondern  eher  den  Vorderzähnen  zuzurechnen  ist,  J'f 
nuter  dem  Namen  Acrodus  acutus  beschrieben  worden  sind.  Diestr 
Fund    ist    bei    der   Seltenheit   des  Vorkommens    im  Schaumkalk' 

')  E.  Philiffi,  Die  Fauna  des  unteren  TrigoDodus- Dolomite  u.  e.  w.  Jahm- 
hefle  d.  Vereins  f.  vator).  Nstorkuode  in  Württemb.  1898,  S.  146. 

^  0.  Jaeckel,  Die  Sflachier  aus  dem  Oberen  Muschelkalk  Lothiing''!«- 
Abliandl.  z.  geol.  Speeialkurte  von  Eleass-Lotbrineen.  Bd.  HI,  Heft  IV.  1S8S. 
S.  314. 


▼.  LiNSTow,  Ueber  Triasgeschiebe.  207 

Torizont  immorhin  beachtenswerth,  so  häufig  sich  auch  sonst  in  der 
rias,  vor  allem  im  Obersten  Muschelkalk ,  Acrodus-ähnliche 
ormen  vorfinden.  Weder  Schmid^)  noch  v.  Seebach  2)  beob- 
^hteten  Zähne  dieser  Gattung  im  Schaumkalk  der  Gegend  von 
?na  und  Weimar,  dagegen  fahrt  sie  Eck  an  aus  dem  Schau m- 
ilk  und  dessen  Aequivalenten  von  Küdersdorf'^)  und  Ober- 
ihlesien*). 

Ein  drittes  fossilfreies  Geschiebe  wurde  von  Herrn  II. 
CHROEDRR  im  Jahre  1888  bei  Battin  in  der  Uckermark  (Blatt  Wall- 
ow)  in  einem  als  Endmoräne  gedeuteten  Geröllzuge  aufgefunden. 

Dasselbe  zeigt  einen  petrographisch  gänzlich  abweichenden 
harakter  im  Vergleich  mit  den  beiden  oben  beschriebenen 
unden.  Die  Hauptmasse  des  Gesteins  besteht  aus  einem  blass- 
*önlichen,  schwach  glimmertührenden  Steinmergel,  der  in  Folge 
ihlreicher  Einschlüsse  von  theilweise  lebhaft  rothen  Letten  eine 
rt  von  TrQmmerstructur  besitzt.  Diese  Einschlüsse  sind  von 
iregel massiger,  meist  rundlicher  oder  länglicher  Form,  deren 
urchmesser  auf  6 — 8  Millimeter  hinaufgehen  kann.  Ihre  Ver- 
teilung im  Gestein  ist  zwar  eine  unregelmässige,  doch  scheinen 
Dschlussärmere  Lagen  mit  solchen  zu  wechsellagern,  bei  denen 
ese  Einschlüsse  vorherrschen.  In  Folge  Verwitterung  oder 
oslösung  der  letzteren  nimmt  das  Gestein  stellenweise  einen 
)rösen  Charakter  an.  Untersucht  man  diese  kleinen  KnöUchen 
iher,  so  findet  man  zum  Theil,  besonders  bei  grösseren  Individuen, 
iss  sie  im  Innern  die  gleiche  Farbe  und  Zusammensetzung  he- 
tzen, wie  der  kalkig-dolomitische  Steinmergel,  in  dem  sie  einge- 
jttet  sind.  Nur  oberflächlich  sind  sie  mit  einer  rothen  Ver- 
ttterungsrinde  umgeben,  wodurch  ein  rostfleckiges  Aussehen 
jrvorgerufen  wird, .  welches  auf  eine  äusserliche  Anreicherung 
m  Eisenoxydverbindungen  zurückzuführen  sein  wird.    Bei  anderen 

*)  ScHMiD,  Die  Fischzähne  der  Trias  bei  Jena.    Verhandl.  d.  Kais.  Leopold. 

irolinischen  Deutschen  Akademie  d.  Natarforscher  1861. 

*)  ▼.  SEBBAcif,  Conchjrlienfauna  der  Weimarer  Trias.    1862. 

^  Eck,  Rudersdorf  und  Umgegend,  1872. 

*)  EcKy  Ueber  die  Formation  des  bunten   Sandsteins  u.  Muschelkalkes  von 

lerschlesien.    1865. 


LtaaTou-,  Uebor  Tria^ciMH'biebe. 


KiDSchlfl-rseii  beetelit  die  ganze  Masse  aus  rotlipo  Letten,  ilocli 
lassen  sich  im  Kerne  oft  noch  lichtere,  also  wohl  eiaeoärinm 
Partien  »interBcbeiiien.  Hieraus  dürfte  hervorgehen,  dase  wir  m 
nicht  mit  einem  Trümiiiergesteio  zu  thun  haben,  sondern  mit 
einem  solchen,  deäsen  oolithische  Struktur  auf  secundSre  Ein- 
wirkung zurflclczufnhren  ist. 

Geschiebe  von  dem  angefnhrtcn  Typus  sind  bisher  in  Deutsch- 
liuid  noch  nicht  beobachtet  worden,  dagegen  kennen  wir  sn- 
steheudes  Gestein,  welches  mit  dem  unsern  die  allergrösste  Aebor 
liciikeit  besitzt.  Es  sind  dieses  gewisse  etwa  1  Deciiueter  m&chtige 
Lagen  an  der  Basis  der  rothen  Zauclodou-Letten  (kmg),  welolw 
uns  durch  LoRETZ ')  bektiout  geworden  siud.  Derselbe  ervffihnt 
diese  Schichten  aus  der  Gegend  von  Coburg  und  audereu  Orien 
des  thOringisch  -  bayrischen  Grenzgebietes.  Dieses  Gestein,  tod 
dem  ein  Huudstück  in  der  Sammlung  der  Kgl.  geolog.  Ltiaies- 
anstatt  zn  Berlin  aufbewahrt  ist,  zeigt  die  gleichen,  oben  aiigc- 
frihrteu  Merkmale,  und  die  Uebereinstimiiuiug  beider  Gesteine  ist 
eine  so  grosse,  dass  man  das  anstehend  gefundene  Stftik  von  d«n 
Geschiebe  kaum  zu  unterscheiden  vormag,  nur  ist  ersteres  flvus 
frischer.  Diese  Uebereinstimmnng  erstreckt  sich  nicht  nnr  lu* 
die  petrographische  Beschaffen  hei  t,  die  sich  unter  anderen  in  dem 
Auftreten  der  lichter  gefärbten  Einschlösse  zu  erkennen  giebt, 
sondern  auch  auf  die  chemische  Zusanimensetzung.  Eiue  Analyse 
des  Steiumergels,  welche  Herr  Schdcht  die  Freundlichkeit  batif 
aiiszuftihreu,  ergab  bei  dem  anstehenden  Stück  von  Blatt  Coburg- 
41,68  pCt.  CaCOs  und  16,41  pCt.  MgCO,,.  bei  dem  als  Geschiebe 
gefundenen:  35,76  pCt.  CaCOg  und   15,72  pCt.  MgCOg. 

Ein  besonderes  Interesse  gewinnt  iiuser  Geschiebe  dadurth, 
dass  gleiche  Gesteine  auch  in  Schweden  beobachtet  wurden.  W« 
uns  nämlich  Herr  Prof.  Mobeug  aus  Lund  schreibt,  dem  wir  unser 
Stflck  zum  Vergleich  geschickt  hatten  und  dem  wir  fllr  die  bereit- 
willigst ertheilte  Auskunft  zu  ganz  besonderem  Danke  verpflicMe' 
siud,  sind  Geschiebe,  welche  in  jeder  Hinsicht  dem  unsern  gleiche». 
bei    Knallarehyttan    am    Skäralid  und   bei  Ralhite  (Sectinn  Trolle- 

')  Erläuteruugen  z.  gool.  Specialkurtc  v.  Preussen  u.  d  thürinR.  Stiit^i 
LiuferuDg  li. 


▼.  LiirflTow,  üeber  Triaageechiebe.  209 

bolm),  f)  Meilen  nördlich  Malmö,  aufgefunden  worden  und  zwar 
im  Geschiebelehm  des  ältesten  baltischen  Eisstromes.  Das  An- 
rtehende  ist  unbekannt,  ebensowenig  finden  sich  ähnliche  Gesteine 
n  den  Kageröd-Bildungen  Schwedens  und  Bornholms,  welche 
:.  Th.  unserer  Keuperformation  entsprechen. 

So  wenig  man  im  Allgemeinen  berechtigt  ist,  bei  dem  Mangel 
eder  Versteinerung  Geschiebe  nur  nach  ihrer  petrographischen 
Gleichartigkeit  mit  anstehendem  Gestein  zu  identificiren,  so  ist 
loch  in  diesem  Falle  die  Uebereinstimmung  eine  zu  grosse,  um 
licht  wenigstens  die  Möglichkeit  einer  Identität  zuzugeben.  Ob- 
wohl gegen  diese  Auffassung  die  Thatsache  zu  sprechen  scheint, 
lass  petrographisch  gleiche  oder  ähnliche  Gesteine  weder  in 
Schweden  noch  in  Bornholm  anstehend  bekannt  sind,  so  muss  dem 
loch  entgegengehalten  werden,  dass  unser  Geschiebe  dieses  Ver- 
lalten  mit  sämmtlichen  oben  angeführten  theilt  Wir  kennen  wohl 
kDstehendes  Rhät  ^)  im  Nordwesten  von  Schonen  und  auf  Bomholm, 
kber  kein  einziger  von  den  verschiedenen  Horizonten,  auf  die  sich 
insere  triadischen  Geschiebe  vertheilen,  ist  anstehend  bekannt. 
Schliesslich  mag  nicht  unerwähnt  bleiben,  dass  diese  Geschiebe  in 
nancher  Hinsicht  Aehnlichkeit  besitzt  mit  gewissen  rostfleckigen 
Dolomiten  des  Devons,  obwohl  die  Uebereinstimmung  mit  letzterem 
nne  bei  weitem  geringere  ist,  als  mit  dem  bei  Coburg  anstehend 
gefundenen  Stücke. 

Ein  recht  gut  erhaltenes  Exemplar  von  Ceratites  nodosus  ent- 
leckte ich  Ostern  lUOl  in  Arkona  auf  Rügen  unter  den  zahl- 
*eichen  Schätzen,  die  der  dortige  Gasthausbesitzer  Schilling  auf- 
>ewahrt  hat.  Dasselbe  ist  nach  der  wiederholt  mit  aller  Bestimmtheit 
abgegebenen  Versicherung  des  Herrn  Schilling  etwa  in  den  Jahren 
1870 — 75  von  seinem  jetzt  in  Wiek  auf  Wittow  lebenden  Vater  am 
t4.-0.-Strande  von  Arkona  aufgefunden  worden.  War  einmal  der 
Pund  eines  ganzen  Ceratiten  in  dieser  Gegend  auffallend,  so  wurde 
der  Zweifel  an  der  Echtheit  dieses  Stückes  als  Geschiebe  noch  ver- 
mehrt durch  die  relativ  gute  Erhaltung  dieses  Exemplares.  Auf  der 
einen  Seite,  auf  welcher  die  älteren  Windungen  durch  anhaftendes 

')  GoTTscHB,  SedimentftrgdBchiebe  y.  Schleswig-Holstein.  Yokohama  1883. 
3.31. 

JaihTboeh  1900  14 


Gestein  Terbflllt  sinil,  zeigt  sich  eine  nur  echwacbe  A6i 
währeud  die  nndere  Seite  völlig  frei  von  Nebeugestdl 
wohlaDsgebitdete  Lobeu  sowie  gut  erbalteoe  Kippen  niiürrär 
muBS  iiidessen  berücksicbtigen,  dasa  sieb  eriahruagsgem 
Ceratites  leicbt  von  anhafteadeiii  Gestein  trennen  lässt;  es-M 
wohl  denkbar,  dass  dieses  Stllck  als  Geschiebe  anf  beiden 
mit  Nebengestein  behaftet  war  und  dass  letzteres  mechaaiHl 
die  Gewalt  der  Mcerpsbniiidung  oder  durch  Menschenband  ([i 
tlieils  entfernt  worden  ist.  Bedenkt  man  ferner,  das»  anf^ 
Geechiebemergcl  selbst  in  grosser  Mächtigkeit  und  Voril 
ansteht,  so  ist  es  sehr  wohl  möglich,  dass  das  StQck  diev 
schiebemergel  entstammt  und  anf  die  oben  angedeutete  Wi 
beutiges  Aussehen  erbaiten  hat.  j| 

Das  vorliegende  Exemplar,  welches  durch  das  bcaj 
Entgegcnkonimen  des  Herrn  Schilling  in  den  Besitz  dM 
gischen  Landesanstalt  und  liergakadeniie  flbergangeu  iBt^jf 
Merkmale  des  Ceratites  eoolutu«  PiiILIPPl').  Die  Wohi^ 
zieren  4  starke,  sich  plötzlich  vom  Nabel  erhebende  IU|^ 
fast  geradlinig  und  in  gleichmässiger  Stärke  verlaufen.  ,) 
Externkante  hören  die  Rippen  sowohl  der  Wohukamui^ 
gekammerten  Thoiles  plötzlich  und  unvermittelt  auf,  ohq^^, 
zu  einer  eigentlichen  Dornbildnng  kommt,  wie  sie  der  tf 
wandte  Cer.  spinosui  Phil.  /.etgt.  Die  angeführten  lf^ 
sowie  die  ziemlich  geringe  luvolubilität  unterscheiden  a|| 
von  dem  typischen   Cer.  nodoaiLs.  II 

Verfolgt  [nan  die  geographische  Verbreitung  der  Triaam 
auf  der  beiliegenden  Karte^),  so  fällt  dereu  räumliche  Be^ 
einigermaaasen  in  die  Augen,  im  Vergleich  hiermit  sei  nni 
äusserst  extensive  Verbreitung  z,  B.  der  obersilurischet 
von  Gotland  erinnert,  die  sich  (Gottschk,  a.  a.  O.  Tai 
Hondsrug  bei  Groningen  in  Holland  bis  Lyck  in  Os^ 
finden.     Trotzdem  einzelne  Gebiete  des  norddentschen  FI«(| 

■)  E.  pHiLipri,  Die  Ceratiten  des  Oberen  DeutEchen  UDBchclk»l]c«8.  3 
logiEche  AbhajKiluQgen.     Nene  Fdige  IV,  4.     Jena   1901.  , 

')  Die  Anzahl  der  UnterstreicImogeD  Jer  Fundorte  antsprichl  d«i 
dort  gefundeiien  TriMgeecLiebe. 


( 


V.  LiBfSTOw,  üeber  Triasgeschiebe.  211 

einer  sehr  eingeheuden  geologischen  Durchforschung  unterzogen 
worden  sind,  haben  die  Provinzen  Ost-  und  Westpreussen  über- 
haupt kein  Triasgeschiebe,  die  gerade  auf  Geschiebe  hin  ziemlich 
intensiv  untersuchte  Mark  nur  deren  zwei  geliefert,  die  meisten 
Qbrigen  vertheilen  sich  auf  das  mecklenburg-pommersche  Küsten- 
gebiet. Nun  ist  es  einleuchtend,  dass  ein  Gestein  eine  um  so 
extensivere  Verbreitung  im  norddeutschen  Flachland  besitzt,  in  je 
höheren  Breitegraden  sein  Anstehendes  vorhanden  ist  und  umge- 
kehrt weist  ein  geographisch  beschränktes  Auftreten  nothwendiger 
Weise  auf  ein  nicht  allzufernes  Anstehendes  hin.  Dabei  ist  natür- 
lich vorausgesetzt,  dass  das  ganze  Gebiet,  in  dem  Geschiebe  ge- 
troffen werden,  —  oder  wenigstens  einige  Theile  desselben,  — 
auf  solche  Funde  hin  gut  durchforscht  sind.  Aus  diesem  Grunde 
im  Verein  mit  der  Thatsache,  dass  schon  auf  Bornholm  keine 
Trias  mehr  vorhanden  ist  —  abgesehen  von  dem  oben  erwähnten 
Rhät,  —  wird  man  das  Anstehende  unserer  Triasgeschiebe  wohl 
in  der  Gegend  zwischen  der  mecklenburg-pommerschen  Küste  und 
der  Insel  Bomholm  zu  suchen  haben.  Stollet  (a.  a.  O.  S.  80) 
gelangt  zu  einem  ähnlichen  Resultat  und  f&hrt  noch  an,  dass 
wegen  der  petrographischen  Uebereinstimmung  der  Triasgeschiebe 
mit  norddeutschem  Triasgestein  das  Anstehende  in  entlegeneren 
Gebieten  nicht  zu  suchen  sei.  Ganz  abgesehen  davon,  dass  sich 
diese  Identität  auf  einzelne  Stücke  beschränkt,  ist  dem  entgegen- 
zuhalten, dass  gewisse  Gesteine,  z.  B.  die  Nummulitenkalke,  eine 
fast  an  »Ubiquität«  grenzende  Verbreitung  bei  durchgehends 
gleicher  petrographischer  Beschaffenheit  besitzen.  Bei  der  Orts- 
bestimmung des  Anstehenden  müssen  wir  selbstverständlich  ab- 
sehen von  dem  zuletzt  beschriebenen  Keupergestein,  welches  ja 
aoch  wegen  des  viel  jüngeren  Horizontes  eine  isolirte  Stellung  vor 
den  übrigen  Triasgeschieben  einnimmt.  Aus  der  Richtung  des 
Eisstromes  einen  Rückschluss  auf  den  Ort  des  Anstehenden  zu 
ziehen,  ist  aus  mehreren  Gründen  unmöglich.  Einmal  hat,  wie 
unter  andern  Gottsche  (a.  a.  O.  Taf.  I  u.  II)  gezeigt  hat,  die 
Richtung  der  Eisströme  sehr  gewechselt,  sodann  wissen  wir  nicht 
immer,  in  welcher  Grandmoräne  die  einzelnen  Geschiebe  zu  uns 
gelangt  sind.     Das  fragliche  Keupergeschiebe  ist  in  Schweden  in 

14* 


V.  LinTOw,  Deber  Triugtt^chiebe. 

der  GruDdmoriiie  der  ersten  Vereisung,  iioeer  norddeutschps  8lfidi 
in  der  EndmorSDe  der  jüngsten,    hier  aläo  dritten  Eiszeit  &uf^ 
funden    worden,    ein   Umstand,    der    den    Ursprungsort   nur  nn<i  f 
mehr  verschleiert.    Indessen  wird  man  wohl  uicfat  fehlgehen,  wem   j 
wir  das  Anstehende  dieser  Gesti^iuc  bedeutend  weiter  nördlich  n 
suchen  haben,  etwa  westlich  oder  sQdlich  der  Insel  Gotland. 

Die  Iblgeade  Tabelle  giebt  eine  ZiisamnieRstelluDg  der  bisher 
gemachten  Funde  von  sicher  erkannten  Triasireschieben,  nach  ihren 
Horizonten  geordnet.  Die  Bedeutung  der  geologischen  Zeiih«ii 
ist  die  nilliche,  su  und  sin  bezeichnet  Unteren  bezw.  Mittleren 
Buntsaud  stein,  mii|  deu  iiuteren  Tbeil  des  Wellenkalkes  bis  zu 
den  Schau inkalkbänken,  miij  umfasst  den  Schaunikalkhorizont  udiI 
seine  Aequivalente,  mus  wdrde  den  OrbicuUris -PI alten  entsprechen. 
moi  ^Trochileukalk  uud  seine  glaukouitischeu  Aetiuivaleutei 
inoj  ^Thonplatten  oder  Nodosiis-Schichten.  Unter  ku]  ist  hiW 
ausschliestülicb  der  Trigonodus-Horizont  zu  verstehen,  der  ja  *"* 
manchen  Autoren  noch  dem  Muschelkalk  zugerechnet  wird;  ItOH 
endlich  entspricht  den  Zanclodon-Letten. 


FanJori 


Winterbek  b.  Ki«I 

Wellingdorf  b.  Kiel 
Sttt^rd  i.  Pommera 
Bolteabagen  i.  MecklsDbiirg  I 

Rijtdorf  b.  Berlin 
Stade 

Arcona  a.  Rügen 
Gründe  b,  Kid 

Wicbmunnsdorf  i.  Mecklenburg 
BaEedow  b.  Laaenburg 
Friedrichsort  b.  Kiel 
Weiaaenbaiis  i.  HoUteia 
Ncubrandenbur^  i.  Mecklenburg 


Bolt«nhag«i  i.  Mecklenburg  II 
?  Bkttin  i.  d.  Dokennark 


?  ?   an  od-   am.     iGelbea    SMidst«**^*' 

schiebe* 
mni  oder  mnj 

DIU),  Aequivalente  drs  Schaum ka llc  *'' 
wie     Glaokonitkalli      von      RfidereJ*"''' 

Muschelkalk,  nach  Stoli-kt  wohl  tpOt 
Nodofui  Schichten,  moi 

wohl  ThonpUlten,  iaa% 

moi  tdie  jüngsten  Schiebten] 
mot  oder  kui 
Trigonodtis-\ki\iim\l  (kii|) 


lie  Lüaebnri^er   'LattenkohleDoierg?!'. 

also  ku] 


▼.  LmsTOw,  üeber  Triasgescbiebe.  218 

Wie  aus  dieser  Tabelle  hervorgeht,  haben  eine  ganze  Reihe 
von  Triashorizonten  Geschiebe-Material  geliefert.  Dieser  Umstand 
lässt  in  Verbindung  mit  ihrer  geographischen  Verbreitung  ver- 
muthen,  dass  das  anstehende,  heute  von  der  Ostsee  bedeckte  Trias- 
Tebiet  wohl  kein  einheitliches  ist,  sondern  sich  auf  mehrere  isolirte 
V^orkommnisse  vertheilen  wird,  die  vielleicht  gleich  Helgoland 
Sorste  im  tektonischen  Sinne  bilden  mögen. 


Nachtrag. 

Während  des  Druckes  theilt  mir  Herr  Schroeder  mit,  dass 
!r  soeben  im  Unteren  Grande  der  Kiesgrube  bei  Göritz  (Oder) 
nn  Geschiebe  angefunden  hat,  welches  dem  fraglichen  Keuper- 
jeschiebe  (S.  207)  petrographisch  sehr  ähnlich  ist.  Da  dasselbe 
levoniscke  Brachiopoden  und  Crinoiden  enthält,  so  gewinnt  die 
ITermuthung,  dass  jenes  oben  beschriebene  Gestein  dem  Devon 
mgehört,  sehr  an  Wahrscheinlichkeit  Andererseits  ist  die  petro- 
^raphische  und  vor  allem  die  chemische  Uebereinstimmung  jenes 
jreschiebes  mit  dem  im  Keuper  Thüringens  gefundenen  eine 
lochst  auffallende. 


Die  Lagern  ngSTerhältoisse  des 

Oberdevon  nnd  Cnlm  am  Kalkberge  bei 

Eberadorf  in  Soblesien. 

Vou  Herrn  E.  Dath«  m  Berlin. 

Der  Kalkberg  bei  Ebersdorf  zählt  zu  den  ciassisclieu  Puuklen 
in  der  eclilesiachen  Geologie;  er  ist  uameutlicli  durch  eelneu  tly- 
munieukttlk  von  Alters  her  berühmt,  wie  er  auch  seit  LeokiLü 
V.  Bücn  uicht  nur  von  vielen  Geologen  besucht,  sondern  »«ob  ' 
iu  der  Literatur  vielfach  erwähnt  iiud  namentlich  nach  seinfO 
VersteinerungeD  öfters  behandelt  worden  ist.  Wenn  man  sudi 
den  Lagern ugsverhältDissen  der  am  Kalkbei^e  vorhandeoen  G«- 
birgssch lebten,  nftmlich  dem  OberdevoD,  dem  Culm  nnd  dem 
an  seiner  W.  -  Seite  auftretendeD  Rothliegenden  in  den  äo- 
schlägigen  Schrillen  mehr  oder  minder  BerQcksicbtigung  g^ 
schenkt  bat,  so  waren  dieselben  doch  beim  Beginne  atemur 
geologischen  Aufnahmen  noch  nicht  vollst&ndig  gekltrt.  In  if^ 
kurz  zuvor  erschienenen  geoguoetischen  Darstellung  des  Nieder- 
soblesi&cb- Böhmischen  Steinkohlenbeckens  von  A.  SchCtzb  tm 
wichtige  Fortschritte  über  die  Lagerung  des  Oberdevon  und  Culm 
bei  Ebersdorf  enthalten.  Sie  finden  aber  in  den  in  den  letzten  beiden 
Jahren  den  gleichen  Gegenstand  betreffenden  Puhlicatiouen  von 
F.  Frech  und  G.  GGrich  weder  BerQcksicbtigung  noch  Erwidi- 
uung.  In  den  noch  anzufOhrenden  VeröffentlichuDgen  der  beiden 
letzteren  Autoren  begegnet  man  somit  entweder  noch  den  mit  den 
Darstellungen  Slterer  Autoreu  Ober  einstimmenden  Ansichten,  oder 


E.  Datbs,  Die  LagenmgSTerh&ltnisse  des  Oberdeyon  nnd^Giilin  etc.       215 

>  scheinbar  neue  Resultate  zur  Mittheilung  gelangen,  waren 
sselben  bereits  publicirt^  oder  endlich  haben  sich  in  denselben 
bebliche  Irrthümer  eingeschlichen,  die  man  selbst  bei  den  älteren 
itoren  nicht  antrifit.  Aus  diesen  Gründen  erschien  es  mir  an- 
zeigt, die  Lagerung  des  Oberdevon  und  Culm  am  Kalkbergo 
e  ich  dieselben  seit  langer  Zeit  kenne,  in  der  diesjährigen  Juni- 
tzung  der  Deutschen  geologischen  Gesellschaft  zu  besprechen 
id  hier  nun  zu  veröffentlichen. 

In  den  folgenden  Zeilen  werde  ich  demnach  die  Tektonik 
8  Kalkberges  nach  den  älteren  Autoren  bis  zur  SOHOTZE^schen 
iblication  behandeln,  sodann  dieselbe  nach  meinen  eigenen  Beob- 
htungen  zur  Darstellung  bringen  und  schliesslich  die  jüngsten 
iblicationen  über  diesen  Gegenstand  einer  kritischen  Beleuch- 
Qg  unterziehen.  — 

Die  Kalkbrüche  von  Ebersdorf  werden  bereits  1797  von 
SOPOLD  VON  Buch  in  seinem  »Versuch  einer  mineralogischen 
(Schreibung  von  Landeck«  kurz  erwähnt,  indem  er  darin  schreibt, 
88  Versteinerungen  daselbst  selten  vorkommen.  Nachdem  Carl 
Raumer  1819  in  seiner  »Geognostischen  Darstellung  Nieder- 
hlesiens,  der  Grafschaft  Glatz  und  eines  Theiles  von  Böhmen« 
sselbe  Oertlichkeit  als  Fundstelle  »eines  Ammonititen  und  Fun- 
ben« hervorgehoben  hat,  beschäftigen  sich  Zobel  und  v.Carnall^) 
131  in  ihrer  ausgezeichneten  »Geognostischen  Beschreibung  von 
lem  Theile  des  Niederschlesischeu,  Glätzischen  und  Böhmischen 
sbirges«  mit  den  Lagerungsverhältnissen  dieser  Localität;  denn 
i  weisen  nach,  dass  der  Silberberg -Waldgrunder  Kalkzug  und 
r  Ebersdorfer  Kalkstein  zu  einer  Mulde  gehören,  wiewohl  sie 
letzterem  Falle  augenscheinlich  nur  den  devonischen  Kalk 
3inen  und  nicht  den  au  der  O.-Seite  des  Kalkberges  gleichfalls 
stehenden,  mit  jenem  gleichaltrigen  Kohlenkalk.  Sie  schreiben  : 
)a8  entgegengesetzte  Einschiessen  der  beiden  Kalksteinmassen, 
>ran  die  zunächst  im  Hangenden  liegenden  Gesteine  gleichfär- 
gen  Antheil   nehmen,    führt   zu  dem  Begriff  einer  Mulde,   die 


>)  Kar8t«ii'8  Archiv  Bd.  lü,  S.  77—78. 


2Ifi 


B.  Djtiib,  Die  LtgerapgBTerh&ltniBw  de»  Oberd«Ton 


sich  gegen  SO.  ku  öffnen  scheint.     Nordwestlich  aber,  wo  sie  sic:::^" 
im  Bogen  scblirssen  sollte,    wurde    sie    entweder    später   hinwe^^^* 
gerissen,    oder    «ic  konnte  sich    hier  gar  nicht  ausbilden,    weil  g=^ 
ihr  an  der  xum  Absatz  ci-rorde Hieben  Grundlage  fehlte,    und    d^^as 
letztere  möchte  wohl  das  Wahrscheinlichere  sein>r.  Wir  wissen  jetz      1. 
daas  nicht  die  letxtere,  sondern  die  crsterevon  ihnen  ausgesprochei^^e 
Ansicht   diu   richtige  ist;    denn   vor  Ablagerung  der  dort   in   d^Ke 
Culm-Mulde  ungleichförmig  übei^reifenden  Waldenburger  Scbicht^&^  n 
fand  Erosion  und  Denudation  in  der  jetzigen  Muldenspitze  zum  ThE^II 
statt.  —   lieber  die  Lngemug  tinden  wir  noch  folgende  AugabeKzs: 
«Der  Bbersdorfer  Kalkslein  hat  sein  Streichen  tn  Stunde  10  bis  7M.\ 
und    stßrzt   mit    steiler  Neigung    nach   NO.   ein.     Im  Hangend  ^d 
eieht    msu    »m    uord  westlichen  Einhange    des  Berges  Lagen    v  «dq 
feinkörniger    Grnuwncke    und    grauem    Conglomerat.      Sein    I^äe- 
gendes  wird  aber  durch  rotbeu  Sandstein  und  Porphyr  verdect«.« 

Nachdem  von  Leopold  v.  Bi'Ch  alsdann  die  wichtige  Arbc^ii: 
»Ueber    Clymenieu    und    Goniatiten    iu    Schlesien   (Berlin   1839J' 
erechienen  war,  in  der  die  Gleichstelluug  des  Ebersdorfer  Kallcee 
mit   dem    Clymenienkalke    des   Ficlitetgebirges    erfolgte,    ergäazie 
E.  BktriciiI)  die  Kenutniss    der  Ktiersdorfer  Cepliulopodeii    nicfii 
nur,  sondern  suchte  auch  die  LageningsTerh&ltnisse  daselbst  weiter 
m  klären.     W&hrend  er  das  Silberberg- Waldgniader  Kohlenkalt- 
lager  mit  den  unterlagernden  Conglomeraten  zur  unteren  Abtbei- 
Inng  der  Stein  kohl  enformation  stellte,  glaubte  er,  »dass  die  Haupt- 
masse jener  Sandsteiue    und  schiefrig  tbonigea   Gesteine  mit  dem 
Clymeuienkalk  verbunden  ein  devonisches  Uebei^angsgebirge  mid 
mQsse.« 

Die  späteren  Beobachtungen  E.  Betbich*«^)  baben  jedoch 
letztere  Auffassung  dahin  berichtigt,  »dass  die  Gesammtmasse  du 
Warthaer  Grauwackengebirges  gebildet  wird  theils  durch  ein  sehr 
mftchtiges  Schichtensyetem  vom  Alter  des  Kohlensandsteins,  theils 
durch  eiu  älteres  Scbicfatensystem,  dessen  Alter  als  siluriscb  dis 
jtlagst  durch   Krug  ton   Nidda   bekannt  gewordene  VorkooiineD 


')  TTeber   die    Entwickeloog    da    FIötxgB^ii'geB    i°    Schlauen.      Kutn'* 
ArchiT  Bd.  XVllI,  1844,  S.  4. 

*)  J.  RoTH:ErliuteruiigeQiur|;eogDoetiBclieti  KuteTOnNi«denclileiieii,S.31& 


and  Cnlm  am  Kalkberge  bei  Bbersdorf  in  Schlesien.  217 

Ton  Graptolithen  festgestellt  hat.«  —  Ueber  die  Lagerungs- 
Verhältnisse  am  Kalkberge  finden  wir  nachstehende,  von  £.  Beyrigh  ^) 
gemachte  Angaben:  »Die  Schichten,  welche  am  Ebersdorfer  Kalk- 
berge die  Clymenien  einschliessen,  sind  die  obersten  Bänke  eines 
Kalklagers  von  ansehnlicher  Mächtigkeit,  welches  h.  1 1  streicht 
und  50  —  60®  ß<*gen  O.  einfällt  Die  Unterlage  dieses  Kalklagers 
kommt  nicht  zu  Tage,  indem  sich  unmittelbar  an  den  Kalk  die 
Formation  des  Rothliegenden  anlegt.  .  .  Die  Clymenienschichten 
werden  bedeckt  von  glimmerreichen  Grauwacken  und  Conglome- 
rateu,  die  an  der  O.-Seite  des  Kalkberges  ein  anderes 
Kalksteinlager  einschliessen,  welches  ebenso  im  Ge- 
stein wie  in  seinen  Einschlüssen  ident  ist  dem  am  Rande 
des  Eulengebirges  hinziehenden  Kohlenkalke.  Dieselben 
grossen  Producten  und  Spiriferen,  welche  das  Älter  des  Kalksteines 
bei  Neudorf  und  Silberberg  bestimmen^   sind  auch  hier  gefunden. 

Die  Zwischenlager,   welche  den  Clymenienkalk   vom  Kohlenkalke 

■»  

trennen,  dürften  die  Mächtigkeit  von  80  Fuss  nicht  übersteigen.« 
Diese  ausgezeichneten  Beobachtungen  und  die  daraus  gezo- 
genen Schlussfolgerungen  sind  von  E.  Beyrich  auf  dem  Blatte 
Streblen  der  geologischen  Karte  vom  Niederschlesischen  Gebirge 
zur  kartographischen  Darstellung  (1867)  in  durchaus  zutreffender 
Weise  gelangt 

Auf  den  durch  E.  Bbtrich  so  geförderten  Kenntnissen  fusst 
E.  Tebtze,  welcher  im  folgenden  Jahre  (1868)  den  devonischen 
Kalk  von  Ebersdorf  und  seine  Fauna  studirte.  —  Die  Ergebnisse 
seiner  Studien  legte  er  in  einer  geognostisch  -  paläontologischen 
Monographie:  »Ueber  die  devonischen  Schichten  von  Ebersdorf« ^) 
nieder,  in  welcher  er  hinsichtlich  der  Lagerungsverhältnisse  im 
Allgemeinen  sich  seinem  letzten  Vorgänger  vollkommen  anschliesst, 
jedoch  den  devonischen  Kalk  selbst  eingehender  gliedert. 

E.  TiBTZE  unterscheidet  zwei  petrographisch  und  auch 
paläontologisch  streng  geschiedene  Horizonte  oder  Abtheilungen 
in  dem  oberdevonischen  Kalke. 


<)  1.  c.,  S.  316. 

^  Palaeontographica  1870,  Bd.  XIX,  S.  103-158. 


Site» 
""1 


1.  Der   untere,   oder   Hauptkalk  ist  ein  dunkler,  lueiti 
jd's  Bltiugraiie,    mitunter  in'e  Grünliche    spielender  Kalkstein; 
ist  dick  geschichtet    und    von    zahlreichen  TrOmeru  eines  weissen 
Kalktipathes  durchzogen ;  i>s  ist  mit  kehligen  Bnichflächen  bedeckt;   i 
er  ist  versteiueruugsarm  und  er  wird  gegen  40  Meter  mächtig. 

2.  Der  Clyinenienkalk  i»t  nber  3  Meter  mächtig. 
TiETZE  unterscheidet  duHn   7  Schichten;  nämlich: 

a)  eine    dünne    Lage    von     dunklen    Schiefern,     auf 
deren  Schichtflächen  Po»idonia  eenvsta  vorkommt; 

b)  eine  rÖthlichgr;iue  Kalkbank; 

c)  eine  dünne  Schieferlage; 

d)  den  ersteu  rothen  Cly  menien  kalk;  nitch  oben  mer* 
gelig  und  in  Folge  quer  durchsetzender  SchieferlameII&  > 
in  Nierenkalk  übergehend; 

e)  einen   schwarzen,   ächten,    stellenweis   flaeer 
Kalkstein  (Gouiatiteukalk); 

f)den    zweiten    rothen    Clymenienkalk,     der     nac 
oben  in  Nierenkfllk  (Knotenkalk)   Dhergeht;   lebs^ 
tere  nehmen  eine  hellblangraue  Farbe  au; 

g)  den    kieseligen    Kalk,    der  jedoch    nicht    durchs 
gehend  anzuhalten  scheint. 

Da»  Streichen  der  Kalke  giebt  Tietze  in  h.  lO'/s  bei  50 — 6C^ 
Fallen  nach  NO. 

Der  Culm  lagert  nach  ihm  dem  oberdevonischen  Kalkstei 
concordant  auf,  er  betont  aber  die  (iberaus  scharfe  Grenze  zwische 
beiden  Formationen.  —  Die  Graiiwacke  wird  25  Meter  mächti  j 
geschätzt.  Der  Porphyr  nnd  Felsitporphyr  soll  den  deTonische  * 
Kalk,  an  den  er  am  Kalkberge  an  einigen  Stellen  grenzt,  iiu*£ 
der  Tiefe  gehoben  haben;  auch  deutet  er')  kurz  die  Sattelbildun^ 
an,  wie  wir  ep;iter  noch  erörtern  werden. 

In  der  Auffassung  der  Lageningsverhiltnisse  des  Oberdevon 
von  Kbersdorf  ist  12  Jahre  nach  der  TiETZE'schen  Publicatioa 
ein  wesentlicher  Fortschritt  in  der  ScHÜTZB'schen  Abhandlung^: 

'j  I.  c,  S.  1 13. 
')  Abhandlungen    : 
S.  52—53. 


'    geol.  Spei:ial  karte    ' 


1  PreuBMQ  etc.,  Bd.  Ol, 


nod  Golin  am  Balkberge  bei  Ebendorf  in  Sohleeien.  219 

>6e<^ostiBcbe  Darstellung  des  Diederschlesiech-bahmiscben  Steio- 
kohlenbeokenB«  zu  TerzeichueD.  Er  erwftbat  zuD&chst  den 
Gftbbro,  ao  der  SW.-Waud  des  Kalkbruchee,  zweitens 
die  Sattelbildnng  des  Oberdevon,  namentlich  an  dem 
nordwestlichen  Ende  des  Bruches,  und  drittens  das 
Torkommen  <ron  rotbem  Clymenienkalk  Ober  Gabbro. 

Bald  oaoh  der  ScHOTZE'Gchen  Veröffentlichung  habe  ich  die 
LageruDgsTerbiltnisse  gleichfalls  eingehend  untersucht  und  seine 
Angaben  im  Allgemeinen  bestätigt  gefunden;  in  mancher  Hinsicht 
konnte  ich  jedoch  dieselben  ergänzen  und  erweitern. 

1.  Vor  allen  Dingen  ist  die  Tbatsache  hervor  xu  heben,  dass 
die  Sattelbildung  nicht  nur  auf  den  ftussersten  nordwestlicben 
Theil  des  Oberdevonkalkes  beschränkt  ist,  sondern  auch  der  ober- 
devonische  Kalk   im  ganzen  Aufschlüsse   von  ihr  ergriffen  wurde. 

2.  Au  der  Sattelbildnng  betheiligten  sich  auch  die  über  dem 
Clymenienkalk  folgenden  Gneisssandsteine  des  Culm. 

lieber  diese  Verhältnisse  giebt  zunächst  das  von  mir  1883  aufge- 
nommene Profil  im  nordwestlichen  Ende  des  Kalkbmches  Aufschluss. 


tUäu  dee  Cnlm;   b)  Ci^enieukalk;    c)  Hanptkalk  des  Oberdevon. 


Cabcr  dnaariboi  erscbräit  gfekUtll»  auf  beidcD  Skttetfi&f;dft 
der  F«>MwehB  Gmmmaaiaum,  der  aaf  d«  eadwcMficbeB  Flisgd 
itt  2—3  Heter  Ulchl%keit  oWten  gcUiebes  ■(,  alier  mT  di«: 
NO^nOg«!  in  Mincr  gwcs  Uidfatl^et  von  35-30  Siel 
F(«hL 

Zwei  S«ttcl»palten  nnd  tm  Profile  sichtbar;  sie  Terwfrfen 
dra  CljTDmirakalk  nod  d«a  cnltnisi^D  Gneisssandstetn  um  bö' 
nabe  3  Uef«r  ge^vaeinaiider.  sodaas  d«r  Goeiea&aodsteia  im  NO.' 
FlB^l  an  ClymeuienluLlk  und  dieser  au  den  tiaupücalk  drs  SW.- 
KlBgi-U  atwtAsat;  er  i«t  ä»oiii  der  gtsunkeue  Tbeil  deg  Sattelt' 

Die  FortselzuDg  des  Goeist^sandstein»  im  SW.-FlOgel  war  iu 
«Adöstliclier  HiofatuDg  ehemals  noch  aof  160  Meter  zu  verfolgsn; 
jrtxt  i(t  dieser  Tbeil  des  Bruubes  mit  Abraum  bedeckt. 

Die  SatteldilduDg  der  beiden  oberdeTonischea  Kalke  uud  des 
culmiBchea  Gneiessandsteias  ist  auch  au  dem  SO.-Eude  des 
Bruches  allerdings  in  ziemlich  gestörter  Lagerung  und  jetst  nicht 
mehr  so  deutlich  wie  früher  zu  beobachten. 


Prafil  I 


*.)  Goeuuandateio ;  -b)  CI;metii«nkftIki^o)  Haaptkatk. 


and  Cnliii  am  Kalkberge  bei  Ebersdorf  in  Schlesien .  221 

An  der  nordöstlichen  Bruchwand  beobachtet  man  zu  oberst 
neisBsandstein  (a)  in  ziemlich  flacher  Lagerung  mit  20 — 300  betra- 
*ndem  Fallen  gegen  NO.  —  In  derselben  Stellung  befindet  sich 
ir  durch  seine  rothe  Farbe  in  einzelnen  Bänken  leicht  kenntliche 
lymenienkalk  (b),  welcher  unter  ihm  lagert.  In  der  Mitte  des 
rofils  und  Sattels  fehlt  der  Gneisssandstein  und  dort  sind  nur 
irk  verschobene  und  gefaltete  Bänke  des  Clymenienkalkes  in 
^mlich  horizontaler  Lagerung  sichtbar. 

Unter  dem  Clymenienkalke  au  der  unteren  Bruchwand  sieht 
in  den  stark  gefalteten  und  durch  Verwerfungen  stark  zerrissenen 
bwarzen  Hauptkalk. 

Derselbe  erhebt  sich  nach  SW.  in  das  Niveau  des  Clymenien- 
Ikes,  sodass  letzterer  im  Profile  an  dieser  Stelle  fehlt.  Der 
auptkalk  (c)  bildet  hier  den  Sattelkern  eines  Luft- 
ttels;  denn  nach  SW.  erscheint  zunächst  wieder  Clymenienkalk 
id  Gneisssandstein,  also  im  Liegenden  des  ersteren.  Beide  fallen 
5ht  nach  SW.,  wie  es  die  normale  Sattelstellung  verlangt,  son- 
rn  gleichfalls  nach  NO.  mit  50—60®  ein.  Wir  haben  es  also 
der  SO.  -  Seite  des  Kalkbruches  mit  einem  in  beiden  Flügeln 
nchsinnig  nach  NO.  geneigten  Sattel  zu  thun. 

Diese  Stellung  kommt  der  ganzen  devonischen  Kalkablagerung 
i  auf  ungefähr  das  letzte  NW.-Ende  des  Kalkbruches  zu,  wo 
Bkfeter  südöstlich  von  der  nordwestlichen  Bruchwand  eine  NO.- 
^.-Verwerfting  den  normalen  von  dem  liegenden  Sattel  trennt. 
ie  Sattelbildung  erstreckt  sich  auf  den  in  der  Mitte  des  Kalk- 
uches  anstossenden  Hauptkalk  in  seiner  ganzen  Längserstreckung, 
e  in  unserem  Profil  (IV,  2)  S.  231  zur  Darstellung  gebracht 
>rden  ist.  Der  Gneisssandstein  ist  im  liegenden  Flügel  des 
ttels  bis  60  Meter  nach  NW.  von  dein  gegenwärtigen  SO.-Ende 
8  Bmches  noch  zu  beobachten. 

In  demselben  Flügel  ist  der  Clymenienkalk,  namentlich  der 
:he,  nach  NW.  noch  oben  im  Bruche  bei  75  Meter  anstehend^ 
khrend  er  bei  115  Meter  in  der  gegenwärtigen  Bruchsohle,  als 
Mier  nud  rother  Clymenienkalk  mit  4 — 5  Meter  Mächtigkeit  den 
mptkalk    unterteuft;    er    ist   stark    gefaltet,    was    man    an    den 


222  S-  Dathr,  Die  LHgerangBTprhittDiBS«  des  OberdevoD 

dArmeu,  1 — 2  ßecimeter  starken  ibni  eingeJagerIeD  Mergel scbiefera 
deutlich  wahmehnien  kann. 

Bei  105  Meter  vom  SO.-Eode  des  Bruches  Bteht  an  seiner 
SW.-Waüd  in  einzeluen,  schollenartigea  Felsen  stark  verwitterter, 
mittelkörniger  Gabbro  auf  eine  Lauge  tou  80  Meter,  aber  theil- 
weise  verdeckt  von  Abraum  an.  Das  Ausgeheode  des  Gabbro  ist 
ungefähr  4 — 5  Meter  breit,  der  Gabbro  wird  durchzogen  von  bis 
l  Docimeter  starken  TrÖmern  eines  rothen,  dichten  Kalkes,  der 
dem  rotheu  Clymenienkalke  voltkonimeu  gleicht;  andere  Trflmer 
stellen  einen  fein  gebänderten,  grauweiBslicheu  Faserkalk,  dessen 
Fasern  senkrecht  zur  Kluft  stehen,  dar. 

Mit  dem  Gabbro  ist  in  einer  Stärke  von  0,5 — 2  Meter  rother 
Clymenienkalk  fest  verwachsen;  er  zeigt  aber  Qberall  starke  Quet- 
schung und  ist  in  Folge  dessen  von  zahlreichen  klelukrystallinen 
Caldtäderchen  durchzogen.  In  der  Grenzschicht  zum  Gabbro 
enthält  der  Clymenienkalk  an  manchen  Stellen  kleine,  haselnuss-, 
wallnuss-  bis  eigrosse  rundliche  Gabbrofragmente,  die  man  wohl 
als  GeröUe  ansprechen  muss.  Den  Eindruck  einer  aus  rothem 
Kalkstein  und  Gabbro  eutstaudeueu  Reibungsbreccie  erhält  man 
von  der  betreffenden,  oft  1 — 2  Decrmcttr  starken  Kalkschicht 
nicht;  es  können  demnach  diese  geröllartigen  Gebilde  nicht  in 
Folge  von  Gebirgsbewegung  losgesprengte  und  in  den  Kalkstein 
eingeknetete  Gabbrofragmente  sein.  Fflr  ihre  Geröllaatur  spricht 
auch  der  Umstand,  dass  an  einigen  Stellen  in  den  Gabbroklippen 
neben  resp.  zwischen  dem  mittelkSrnigen  Gabbro  auch  grobkiystal- 
linische  Gabbromassen  mit  gangartigen,  fast  Pyroxen-freien  Aus- 
scheidungen sich  einstellen,  sodass  man  den  Eindruck  erhftlt,  dass 
die  ganze  Gabbropartie  grösstentheils  aus  einzelnen  rieaengrosseu 
GabbrobiQcken  bestehe.  Indese  der  allzustark  verwittert«,  meist 
sogar  grusartige  Zustand  derselben  Iflsst  eine  ganz  sichere  Deu- 
tung nicht  zu. 

Der  Umstand,  dase  der  dichte  rothe  Kalk  von  der  Beschaffen- 
heit des  rothen  Clynienienkalkes  zwischen  den  Gabbroschollen 
gangförmig  eingedrungen  Ist  und  der  Gabbro  unter  dem  rothen 
Clymenienkalk  an  der  SW.-Seite  des  Kalkbrucbea  lagert,  erweist, 
dass  die  Gabbro-Äblagerung  jOnger  als  der  letztere  ist. 


und  Cnlm  am  Ealkberge  bei  Bbersdorf  in  Schlesien.  223 

Diese  Thatsache  ist  feststeheud;  ob  aber  ein  riesenhaftes 
Gabbroconglomerat  oder  nur  ein  Gabbrolager,  das  in  Folge  der 
ci^enthQmlichen  Sattelbildung  jetzt  unter  dem  Clyuienienkalk  la- 
gert, hier  vorliegt,  muss  unentschieden  bleiben.  Wenn  die  Geröll- 
natur des  »Gabbro«  sicher  erwiesen  werden  könnte,  so  wäre  selbst- 
verständlich der  Gabbro,  dem  die  Gerolle  entstammen,  höheren 
Alters  als  der  Clymenienkalk.  In  beiden  Fällen  ist  aber  die 
Gabhroablflgerung  im  Kalkbruche  —  gleichviel,  ob  Gabbrocon- 
glomerat oder  Gabbrolager  —  junger  als  der  Clymenienkalk  und 
eben  diese  oben  erwähnten  dichten,  rothen  Kalkgänge,  die  zuweilen 
sine  schichtige  oder  strei6ge  Anordnung  zeigen,  also  parallel  zur 
Begrenzungsfläche  gestreift  sind,  geben  der  Vermuthung  Raum,  dass 
der  Gabbro  auf  dem  Clymenienkalk  abgelagert  wurde,  als  letzterer 
noch  nicht  verfestigt  war,  also  noch  eine  schlammartige  Beschaffen- 
beit  besass.  Der  »Gabbro«  ist  somit  auch  relativ  älter,  als  die 
Gneisssandsteine  des  Culm,  die  im  Aufschluss  des  Kalkberges  den 
Clymenienkalk  überlagern.  Die  ersteren  müssen  sogar  auf  dem- 
selben noch  zum  Absatz  gelangt  sein,  sodass  sie  jetzt,  freilich 
aicht  mehr  sichtbar,  unter  ihm  lagern  müssten,  wie  unser  Profil 
§.  231  zur  Darstellung  bringt.  P^emer  muss  der  Gabbro  auch  an 
ier  Auffaltung  des  Oberdevon  theilgenommen  haben,  da  er  jetzt 
loter  dem  Clymenienkalk  am  SW.-Flügel  des  Sattels  auftritt.  — 
Die  Adern  von  Faserkalk  im  Gabbro  sind  selbstverständlich  erst 
iHch  vollendeter  Sattelbilduug  entstanden;  ihr  Material  ist  aus 
iem  durch  diesen  Vorgang  danach  über  dem  Gabbro  gelagerten 
Devonkalken  zugeführt  worden. 

Im  Folgenden  ist  das  Lagerungsverhältniss  zwischen  Culm 
and  Clymenienkalk  noch  zu  erörtern.  Es  ist  die  Frage  zu 
beantworten,  ob  der  über  dem  Clymenienkalk  folgende  Gneisssaud- 
stein des  Culm  den  ersteren  gleichförmig  oder  ungleichförmig 
überlagere.  Ist  die  erstere  Art  der  Lagerung  richtig,  wie  man 
jis  jetzt  angenommen  und  F.  Frech  ^)  noch  neuerdings  betont 
Hat,  so  würde  der  anderwärts  über  dem  Clymenienkalk  folgende 
Cypridinenschiefer    hier    nicht    zur    Ausbildung  gelangt   sein  und 


>)  Lethaea  palaeozoica  Bd.  II,  1,  S.  177—179. 


224  6.  Dathk.  Die  LageroDgaTpriiällniBse  des  Oberdevon 

il^r  ClymeDieokalk  wflrdc  hier  in  der  Tliat  <jas  obi^rst«  Glied  d« 
Ebersdorfer  Uberdevou  darstellen.  Umgekehrt  muss  man  aber 
gerade  aus  dem  FeUleu  der  OypridinenBchiefer  ober  dem  Clymenieo- 
kalk  in  Ebersdorf  schlieeseo,  da^s  erstlich  eine  Unterbrechung  in 
den  Abf^atzverhältoissen  vor  Ablagerung  d^r  Oneisssandsteine  des — M 
Cnim  stattgefunden  habe,  und  dass  zweitens  die  Cypndiuenschiefer,  .^ 
wenn  sie  zur  Ausbildung  gelangt  waren,  was  nach  der  Eotwioke-  — 
luu^  des  Oberdevon  anderer  Gegend  höchst  wahrscheinlich  ist,  .^^ 
vor  dem  Absätze  der  tiefsten  Cutmschichten  wieder  abgetr^en  .^ 
vTurdeu;    daraus    würde    sich    aber  folgerichtig    ergeben,    dass  die  ä^ 

scheinbar   concordante    Auflagerung   der    letzteren    über   dem  Cl)" 

menienkalke  nicht  besteht,  sondern  dass  eine  Unterbrechung  in  .^ki 
den  Absatzverhältuissen  stattgefunden  hat  und  somit  eine  uo gleich-      — 

förmige    Ueberlagerung    vorhanden    sei.      Wenn    für   letztere    Anf- ^ 

tassung  von  vornherein  vorstehende  KrwSgungen  sprechen,  die-"^^ 
auch  L.  Bbushausen^)  letzthin  berflhrte,  so  fragt  es  sich,  ob  die^^w 
geologischen  Verhältnisse  bei  Ebersdorf  diese  Ansicht  unterelAtzen-^  -*■ 
Dies  ist  in  der  That  der  Fall. 

Vor  allen  Dingen  wird  eine  discordante  Auflagerung  de^^^is 
Culm  Aber  den  Climen ienkalk  durch  die  scharfe,  fast  haarschai-f^^ ^^^ 
Grenze,  die  überall  sich  geltend  macht,  soweit  die  G renz verhält— -^* 
nisse  der  dtrecten  Beobachtung  an  den  wenigen  Funkten  über — ~'^' 
haupt  noch  zugängig  sind,  wahrscheinlich  gemacht.  Dies  Ver— ''^*' 
hfiltniss  ist  bereits  der  scharfen  Beobachtung  E.  Tibtze's*^^^) 
nicht  entgangen ;  denn  er  schildert  dasselbe  in  den  folgendec^  -u 
Worten:  »Vorher  kaum  einige  Spuren  von  Glimmer  nnc^ -*'' 
höchst  spärliche  Reste  von  Pflanzen  in  den  ^lymfnirnlfnlkrn  ■""**- 
und  nun  anf  einmal  diese  Masse  nur  grob  verarbeiteten  Mkterial^^  -^ 
der  GlimmerreicUthum  und  die  Menge  der,  wenn  auch  nur  undeat.::^'-'^ 
lieh  erhaltenen  Pflanzen reste.«  Die  eingetretene  Aendemog  ir  .^eid 
den  Absatzbedingungen  sucht  er  in  folgender  Weise  i 
»Der  Einfluss    sehr   bewegter  Wasser,    vielleicht    verbnndeD   m' 


')  Dm  DevoD  dea  DÖrdJichen  Oberharzes.     AbhaudL  d.  königi.  ] 
Landesuut.  ete.    Neue  Folge,  H.  30,  S.  178. 
>;  PalMODtognipkica,  Bd.  XIX,  S  122. 


y 


and  Cnlm  am  Kalkbergc  bei  Ehersdorf  in  Schlesien.  225 

einer  neuen  Strömlingsrichtung  derselben,  erscheint  in  solchem 
Falle  als  eine  unwillkürlich  sich  aufdrängende  Annahme.« 

Für  eine  Unterbrechung  im  Absätze  der  Sedimente  mit  vor- 
beigehender theilweiser  Abtragung  der  obersten  Oberdevon- 
sehichten,  namentlich  der  Cypridinenschiefer  und  des  Kalkes  bis 
auf  die  oberste  Schicht  des  rothen  Clymenienkalkes  herab,  scheinen 
folgende    Beobachtungen  hinzudeuten. 

E.  TiETZE^)  dessen  specielle  Gliederung  des  Clymenienkalkes 
im  ersten  Abschnitt  angeführt  wurde,  erwähnt,  dass  der  von  ihm 
als  oberste  Schicht  aufgefasste  kieselige  Kalk  »nicht  durch- 
scehends  anzuhalten  scheint«.    • 

Wenn  nun  auch  die  betreffenden  Stellen  von  ihm  nicht  be- 
sonders namhaft  gemacht  worden  sind,  so  lässt  sich  vermuthen, 
dass  diese  Beobachtungen  an  der  südlichen  Hälfte  der  N.-Wand 
des  jetzigen  Bruches  angestellt  worden  sind,  wie  ja  auch  die  Angaben 
Tietze's  über  das  Vorhandensein  von  zwei  rothen,  durch  den  schwar- 
zen Goniatitenkalk  getrennte  Clymenienkalke,  wie  überhaupt  seine 
Gliederung  der  Clymenienkalke  auf  diesen  jetzt  durchaus  unzu- 
gänglichen Bnichtheil  verweisen.  Hält  aber  der  oben  erwähnte  kiese- 
lige Kalk  nicht  überall  aus,  so  darf  man  wohl  weniger  an  ein  Aus- 
keilen desselben  —  da  ja  der  Gneisssandstein  des  Culm  darüber 
folgt  —  denken,  sondern  muss  annehmen,  dass  er  an  diesen 
Stellen  weggeführt  wurde  und  nun  der  rothe  Clymenienkalk  dort 
direct,  aber  ungleichförmig  vom  culmischen  Gneisssandstein  über- 
lagert wird. 

Ein  gleiches  Abschneiden  von  dem  grauen,  über  dem  rothen 
Clymenienkalke  auftretenden  Kalkstein  am  Gueisssandstein  des 
Culm  beobachtete  ich  an  der  NO.- Wand  des  Bruches  40  Meter 
nach  SO.  von  dem  NW.-Ende  des  letzteren  entfernt.  An  der 
betreffenden,  ungefähr  2  Meter  langen  Aufschlussstelle  —  links  und 
rechts  waren  Schutthalden  —  grenzte  auf  0,75  Meter  Länge 
eine  bis  0,1  Meter  starke  graugrünliche  Mergelschieferlage  an 
Gneisssandstein  an,  sie  verschmälerte  sich  nach  SO.  zu  und  keilte 
sich    aus,    sodass    die    djirunter    liegende    graue    Kalksteiuschicht 

»)  I.  c.  S.  122. 

Jahrbmh   1900.  15 


326 


E.  DjiTin,  [He  LtgemugsTcttill  nint»  iW  Ob«nleniti 


U 


niinmelir  an  die  t'tilmgrenze  berantnit,  währeDd  von  NW.  iier^  't 
ober  deu  Mergelscbiofcru  sich  eio*  0,1  — 0,i!  Met^r  starke  Ijiige  von^:^  * 
grftiii'ai  Kalkstein  kgto.  dl«  eich  bald  Ober  dem  «retercn  aaskei]te— ^^^ 

Wif  «n  difiwr  Stelle  eine  Mergel&cbieferlage  und  xwfi  ver — —mx- 
Bchiedenc  l<iigeti  di->  (iS«reii  gniiirCthlicIien  Kalkei*  an  deo  <.iil — £' mV 
mischen  Gocisssaadstein  grenzten,  »o  l>eob«(rhlrlen  A.  DBNCKHAXiJS'f^^A'^ 
und  ich  bei  einem  die»j&bHgeD  Betiiidie  ( I  »01 )  des  Kber«<lorfer  Kalk—  3<  k 
braches,  das^  dem  N.-Knde  des  Gabbro  Kiemticb  direct  ge{ceuQbera.-S ^^ 
nur  noch  35  Mi-lcr  weiler  uacb  NW.,  an  der  NO.-Wand  de&*-^^Jf 
Uniches  eiu  Ahuliclie«  .Vbm^neiden  des  grauen  (Wockluner)  Kalke» -^.» 
ani  GueieÄs^ndslein  stattfindet  D«&n  die  »oost  bis  1  Metermich— «^=li 
tige  Schicht  verschwäclit  sich  nach  SO.  bald  so  weit,  das*  nu«  ä»  'U 
Doch  eiur  L.inse  von  5  Ccntitiieter  gtAuteni  Dnrcliniesser  flhrtj^  i  ", 
bleibt.  Das  hier  tu  be<>bacbtende  Pmtil  im  C);mBnieBkalk  wir.^B'^' 
Folgendes. 

Die  theils  liu^nfönuig,  tbeiU  iilatlig  «l^^e^ouderlea,  dieblend^^™ 
grauen  Kalke  t^iod  durchschnittlich  t;ege»  I  Meter  tu&'Jitig;  dur-'^^i*'' 
unter  folgen  1-  2  l>e<'imeter  starke,  gnuigrflnlii'lir,  oft  ^rOurAthlicW^^^ 
Mer^lschiefer,  die  von  0,75 — 1,0  Meter  mScbtigcu  Schichten  toi»  *'^'*' 
rotbeiii  Clvmenienkalk  mit  etwas  km^lliger  Stniciur,  der  sich  iia  «  " 
den  obersten  Lagen  zu  eigentlichem  Knollenkalk  herausbildet:*'^*^' 
unterteuft  werden.  lu  letzteren  Lagen  ftihren  sie  Clymenien  ausK-"" 
der  Verwandtschaft  der  '  li/menia  »peeio^a  Mt'NST.  —  Unter  den**  '^'^ 
rotben  ClyuieuieukalLe  folgt  wieder  grauer  bis  schwärzlichgraner^^*'* 
C'Iymenieukalk  von  uugeßhr  1  Meter  Mächtigkeit.  Von  hier  nacH';^*''^' 
abwärts  rerdeckten  Schutthalden  die  Fortsetzung  des  Profils^s  ■  '■' 
Nach  A.  Dknckmaw  wilnle  der  in  der  Mitte  des  Profils  gelegen»'* "' 
rothe  Clvmenienkalk  dem  Dasbprger  Kalke  de«  Kellerwalde=  ^^ ■^■' 
und  Sanerlandes  entsprechen. 

Das    von    F.  Frkch')    gegebene    Profil   des   Ojineuienkalkes:^'^"'" 
stimmt  so  ziemlich  mit  dem  Tor^^leheuden  itberein  and  dürfte  uogeAh  ^—^f 
an  derselben  Stelle  beobachtet  sein.    Zugleich  mag  hier  die  Beob«^^^^^^" 
achtung  eingeschaltet  werden,  dass  in  den  schiefrigen  Gneiassanf-— '' 
steinen,  welche  an  der  vorgedachteu  Beobachtungsatelle  den  Clvm^^^ 


.  p.1^.. 


nnd  Calm  am  Kalkberge  bei  Ebersdorf  in  Sohlesien.  227 

c  überlagern,  ein  fast  eigrosses  KalkgeröUe  1  Decimeter 
r  Formationsgrenze  von  A.  Denckmann  au%efunden  wurde; 
I  anderen  Stellen  habe  ich  früher  kleine  KalkgeröUe  im 
andstein  an  seiner  unteren  Grenze  mehrfach  beobachtet, 
ese  Beobachtungen  über  die  Greuzverhältnisse  zwischen 
ienkalk  und  Culm  an  dem  O.-Flügel  des  Ebersdorfer  Sattels 
ergänzt  durch  einige  Beobachtungen  an  dessen  W.-Flügel. 
rwähnt,  ist  rother  Clymenieukalk  mit  dem  Gabbro  ver- 
i;  der  graue,  im  O.-Flügel  über  jenem  folgende  Kalk  fehlt 
iweis;  auch  daraus  und  mit  Berücksichtigung  der  bereits  ge- 
ten  Verhältnisse  wird  man  folgern  können,  dass  auch  hier 
lagerung  der  obersten  Oberdevouschichten,  nämlich  des  Cy- 
ischiefers  und  des  grauen  (Wocklumer)  Kalkes,  die  später 
ise  wieder  weggeführt  wurden,  stattgefunden  habe.  Be- 
btigt  man  ferner  das  Auftreten  von  Gabbro  —  gleichviel, 
denselben  als  Gabbrolager  oder  als  ein  Lager  von  Gabbrocon- 
iten  aufzufassen  hat  —  zwischen  dem  Clymenienkalk  und  den 
hichten,  so  scheint  auch  dies  für  eine  ungleichförmige  Auf- 
g  der  letzteren  Schichten  über  den  ersteren  zu  sprechen, 
e  vorstehend  zusammengestellten  Beobachtungen  erklären 
icht  nur  die  scharfe  Grenze  zwischen  Oberdevon  und  Culm, 
I  sie  dürften  mit  Recht  auch  die  Ansicht  stützen,  dass 
ts  eine  Unterbrechung  in  den  Absatzverhältnissen  nach  der 
r  des  Oberdevon  und  andererseits  dabei  eine  theilweise 
ung  desselben  stattgefunden  habe,  und  dass  ferner  eine 
hförmige  Auflagerung  des  Culm  auf  jenen  oberdevonischeu 
,en  vorhanden  sei. 

ie  Bildung  des  Sattels  am  Kalkberge  und  die  der  nach  O. 
i  anschliessenden  Culmmulde  fallt,  wie  überhaupt  die  Fal- 
)6  altpaläozoischen  Schiefergebirges  mit  Einschluss  des  Culm, 
Zeit  vor  Absatz  der  obercarbonischen  Waldenburger 
,en.  Eine  spätere  Herausbildung  desselben  zur  Zeit  des 
genden  ist  vollständig  ausgeschlossen,  obwohl  E.  TiETZE 
.  Schutze    dies    annehmen.     Ersterer^)    schreibt    nämlich: 

c.  S.  113. 

15* 


E.  Dat 


B  des  ObtrdfT 


^Ersichtlich  ist  es  der  Porjihyr  geweseu,  weither,  indem  er  UDter 
der  K&hen  Kulkmnase  nicht  miin  Diirchbrnch  gelangt,  daa  aaf  ihm 
lastende  SchichtpQByHtem  währPiid  eeiner  EniptioD  gehohen  «nd 
dttinit  »null  die  devonischeu  AbsSl/e  tum  der  Tiefi^  hervurßrijrncht 
hat,  die  beim  Fehlen  einer  »ok-hen  Ur»^(iohe  an  anderen  Stellen 
uatflrlidi  vcratet-kt  blieben.«  .  .  .  »Augenfiillig  war  der  Umstand,  ,^ 
dass  dit'  in  dem  Kalkbriich  ungefähr  ihrer  SlreichnugsUnic  gemas»        j^ 

au%eBchlossent'ii    de  voniMrlicii  Seblclilen  in  dirtaem   Durch-      

schnitte  da»  Bild  eines  Sattel»  abgeben,  dessen  höchster  ~mx 
Punkt  sich  fast  genau  ftlter  der  Stolle  befindet,  welche  unterhalb  des  ^^  » 
Kalkes  von  dem  I'<ir|ihyr  eiugeuummen  wird.«  Bei  A.  Schötzk'j  C^-*) 
lesen  wir  aber:  i  [)x  alisn  an  der  »tldwe.stlichen  Bniehwanil  Gahhm  «^v-u 
die  Unterlage  des  riithen  Clymeuienkalkes  bildet,  sn  miis»  ninii  ^z^M 
daraus  den  Schliieü  stehen,  dtm»  er  Alter  als  jener  ist,  und  »elbxl.  .-^^at 
wenn  man  den  Porphyr  des  Kalkberges  nur  als  Tuff  gelten  lassen  «-«■■^r 
will,  so  fehlt  keineswegs  die  Ursache  für  das  idötüliche  Zutage' —  -^^ 
treten  des  Devonkalkes,  da  der  Poriihyrtuff  auf  einen  im —  «m 
mittelbar  darunter  anstehenden  Feldspath  -  Porphyr*  ^^y 
Bcblieasen  lässl.  welchem  man  die  Helmng  des  Kalkes«  -^ 
und  des  Gabbro  zuschreihen  darf.« 

Die  Schlnssfi)lgerniig  von  A.  Schützr  hczflglich  des  in  dew-^»** 
Tiefe  voriinsgeset/ten  Porphyrs  ist  selbstverständlich  verfehlt,  wi^«"^! 
auch  die  Hebung  durch  Porphyr  Oberhaupt  nicht  in  Betracht  kommt.  *"  «"«n 
weil  eben  dieses  Porpliyrgestein  kein  Porphyr,  sondern  nuB  «-»  " 
ein  Porphyrtuf'f  ist.  Letzterer  hat  bei  seinem  Absätze  ein  vie -=^  ■ ''' 
höheres  Niveau  eingenommen,  er  grenzte  somit  zunächst  nicht  ai*-«»  ' 
das  überdevou,  sondern  ist  nur  in  Folge  von  Verwerfungen  später^»*'* 
in  die  Nachbarschaft  des  Klahbro«  und  des  devonischen  Kalke:  ■*»  ^^^^' 
gelangt,  wie  wir  noch  besonders  nachweisen  werden. 

Obwohl  Schütze*)  ganz  richtig  daa  Porphyrgestein  mit  deir»  ^»en 
Porphyrtnffe  von  Wniditz  vergleicht,  so  gelangt  er  hinsichtlich^:»  «ic'i 
seiner  wahren  Natur    doch  zu    keiner    bestimmten  Ansicht.     WTW^lle 


')  l.  c,  S.  53. 

0  I.  c,  s.  r)3. 


und  Colm  un  Kalkberge  bei  Ebersdorf  in  Sclilct<ien.  229 

Autoreu  vor  und  nach  ihm  —  ueuerdiugs  auch  F.  Frech  ^)  und 
G.  GuRiCH^)  —  haben  die  Tufiuatur  des  Gesteins  nicht  erkannt. 
Es  ist  nicht  schwierig,  bei  sorgfältiger  Beobachtung  in  der  licht- 
röthlichen  bis  schniutzigrotben,  feinkörnigen  Hauptmasse  des  Por- 
pbyrtuffs,  der  die  feinkörnigen  Aschenmassen  darstellt,  hasel-  bis 
wallnussgrosse  Lapilli  von  Porphyren,  z.  B.  im  Steinbruch  am 
Kalkberge  in  ziemlicher  Menge  nachzuweisen,  ei-  bis  faustgrosse 
Porphyrbomben  kommen  aber  häufig  im  Porphyrtuffe  am  Stein- 
berge vor. 

Der  Porphyrtuff  am  Kalkberge  erweist  sich  als  ein  Lager 
auf  der  Grenze  zwischen  Unteren  und  Oberen  Cuseler  Schichten ; 
dasselbe  wird  begleitet  von  einem  1,0  — 1,5  Meter  mächtigen 
und  '  röthlichgrau  gefärbten  Plattenkalke,  der  ihn  in  10  Meter 
Tiefe  unterteufl  und  von  ihm  durch  rothe  Letten  mit  einge- 
schalteten, dQnnen,  rothen  Sandsteinbänken  getrennt  wird.  Aehn- 
lich  ausgebildete  Schichten  des  Kothliegenden  bedecken  das 
Lager  des  Porphyrtuffes  auf  seiner  ganzen  Erstreckung.  Wie  die 
Kartirung  des  Rothliegendeü  zwischen  Volpersdorf  und  Ebersdorf 
einerseits  und  Ebersdorf  und  llothwaltersdorf  andererseits  ergeben 
bat,  sind  die  dort  entwickelten  Cuseler  Schichten  grabenartig  ein- 
gesunken, sodass  sie  von  einer  bedeutenden  Verwerfung  an  ihrer 
O.-Seite,  wo  sie  an  Culm,  Oberdevon  und  obercarbonische  Wal- 
denburger  Schichten  anstossen,  begrenzt  werden,  wie  sie  auch 
westlich  durch  die  grosse,  über  1000  Meter  Sprunghöhe  besitzende 
Haupt- Verwerfung  am  Gabbrozuge  abgesunken  sind.  Im  Profil 
S.  231  ist  die  Anlagerung  des  gesunkenen  Rothliegenden  (IV,  10) 
mit  seinem  Plattenkalke  (IV,  10c)  und  dem  Porphyrtuff  (IV,  10b) 
am  Devon  und  Culm  des  Kalkberges  zur  DarsteHung  gebracht 
wofden.  —  Die  Verwerfung  ist  selbst  nicht  direct  zu  beobachten. 


0  Jahresber.  d.  Schles.  Ges.  für  vatorl.  Cultur  1900,  S.  17  und  18.  —  Ne- 
benbei bemerke  ich,  dass  der  Angabe  FuiicH^s,  der  Porphyr  dos  Kalkbcrgcs  finde 
seine  Fortsetzung  am  Bauerberge,  ein  starker  Irrthum  zu  Grunde  lie^t;  dorn» 
dort  steht  überhaupt  kein  Porphyrgestein  an:  der  PorphyrtufiP  des  Kalkberges 
bireicht  vielmehr  zum  Steinberge  hin,  der  fast  l  Kilometer  westlich  vom  Bauer- 
^"'Tge  liegt, 

2)  Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Gesellsch.  lOOO,  S.  162. 


230  ^-  Daiiik,  Die  LHgrTunysvrrhilltiii^ae  d«^  OI'erdcvoD 

soDdem    ergiebt   sich   aus  der  Kaitiniug  der  gesHinititon  dortigen 
GebirgBSchichtcD. 

Zum  ScUuBs  babeii  wir  uns,  wie  in  der  Einleitiiuir  scboa 
bemerkt  wurde,  mit  den  ueuerdinga  Ober  deu  Kalkberg  veröfient- 
liehteu  Publicationen  von  F.  Frech  und  G.  GOhich  noch  näher  zu 
befassen. 

Von  ersterem  Autor  liegen  darüber  zwei  Arbeiten  vor;  die 
erslere')  fuhrt  den  Titel:  »Geologische  ExciirEiouen  in  Sublesien" 
und  eutbält  den  Bericht  Ober  ^Excnrsioneu,  die  er  seit  mehreren 
Jahren  mit  den  Studirendeu  der  Breelauer  Hochschule  nach  Sübc-r- 
herg  und  Ebersdorf  unternommen  hat'v;  derselbe  wurde  nach  sctneu 
Angaben  von  einem  Theilnebmer  der  ExourBiou  gleichzeitig 
niedergeschrieben.  Die  zweite  hierher  gehörige  Veröffent- 
lichung Fhkch's')  ist  in  seiner  Letbaeii  palaeoKoica  ganz  gleich- 
lautend enthalten.  Seine  Aufrussungeu  der  LagerungsverhJtltDi:$so 
werden  durch  ein  grosses,  iu  der  letzteren  Schrift  beigegcbeuus 
Profil  erläutert;  dasselbe  führt  die  Ueberschrift:  >.Scheniatis(.'her 
Durchschnitt  durch  dus  Carbon  von  Silberberg  und  Neurode  (Graf- 
schaft Glatz).« 

Dieses  Profil  bringe  ich  zum  gröesten  Theile,  soweit  es  ftlr 
uusero  Besprechung  nothwendig  ist,  nfimlich  von  Silberber^  bis  west- 
lich des  EbersdorferKalkbruches,  in  genanerCoi)ie(ProfiI  III,  S.231) 
nochmals  zur  Abbildung;  ich  setze  ein  von  mir  nach  den  thatsäch- 
licben  VerbÄitnisseu  entworfenes  Profil  (Profil  IV)  darunter,  indem 
absichtlich  dieselben  Signaturen  und  Bezeichnungen,  wie  in  dem 
FRECH'scheu  Profil,  gewählt  worden  sind;  selbstverständlich  kann 
deshalb  auch  das  nieinige  nur  schemntisch  gehalten  sein,  um  dadurch^ 
den  Vergleich  beider  bildlichen  Darstellungen  zu  erleichtern"). 

Seit  den  früher  erwähnten  ausgezeichneten  ForschungetiM 
E.  Bkyhichs  wissen  wir,  dass  der  Culm  zwischen  Silberberg  untt 
Ebersdorf  eine    normale  Mulde  bildet    und    dass    der  KohIenki<ll== 


')  Jfctircsber.  d.  Schles.  Gosdlsoh.  für  vntcri.  Gultur  laOO,  II,  S 

'j  Bd.  H,  2,  S.  302-30y, 

^  Die  Eiitfernuni;!  a-b  ist  in  bcidwi   Profilen  gleicli  gross. 


nnd  Calm  km  Kalkber^ro  bei  Bborsilorf  in  Sclilcsion.  231 

"Von  Silberberg- Waldgruiid  und  der  an  der  O. -Seite  des  Kalkberges 
auftretende  dieser  Mulde  augehöreu.     Wie  das  FRECH'ache  Profil 


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o  g  i>- 


gt,    ist    die    filierst  von  BuRlcii    Ic 
u  E.  TiETZE,  A.  Schütze  uud  \ou  nii 

i)  Dieses  Jahrbuch  f.  1884,  S.  5C3-.J(;i. 


;i(iiid(.ti     lind    später  auch 
')  iiKligeuiesPiic  iiorm»Ie 


•i 


Muldcabilduug  des  Kohleukalkcs  in  dieser  (jegcnd  iliui 
uubcknuiit  geblieben;  er  uiiiiiiit  an,  wie  »ein  Profil  xoigt,  und 
spricht  aus,  dasa  der  Silberberg- Wal dgruuder  Kohteukulk  (Prutil 
III,  5)  sieb  in  der  Mitte  der  Mulde  auskeile;  er  s^igt  wörtlich  au  der 
znerat  citirten  Stolle:  Ju  gnuz  geringer  Entfernnug  (1  Kiluuictcr) 
keilen  Gneiüsconglonierate  und  Kalkzoue  gänzlich  aus,  Hodass  im 
iCalkbrucb  bei  Eberedorf  das  Oberdevon  toueurdaut  Obcrlagtil 
wird  von  Grauwacken  mit  eingelagerten  Schiefern  und  Cougktutc- 
raten')  (letztere  mit  gerundeten  Kollet einen).«  Dieser  Satz  knl 
wörtlich  in  seiner  Lcthitea  palaeozoica *)  wieder. 

Man  nuiss  gestehen,  dase  die  Darstellung  des  Auskrileus  doi 
Kubleukalkes  von  Silberberg -Waldgrund  in  den»  Muldenliefslen, 
wofflr  irgeud  welche  Beobachtungen  au  Auffschlüiisen  durrh  IVrg> 
hau  uiebt  vorliegen,  geradezu  vorblflüend  wirkt;  leider  ist  das  Itild 
nicht  richtig;  der  Kohlen  kiilk  ersieh  eint,  v/'iv  gesagt  und  h'tugst 
hekaunt  war,  als  Gegenflügel  an  der  \V. -Seite  der  Mulde 
am  Ostllcheu  Abfall  den  Kalkberges  vou  Khei-Hd»rl 
wieder,  wie  auch  mein  Profil  lehrt. 

Wenn  im  FRicru'seheü  Profile  flbur  der  Schiebt  4!i,  die  f.iu- 
glomerate  mit  runden  Geschieben  bezeichnen  soll,  nnd  Qber  der 
Schiebt  mit  Schiefersiguatur,  die  erstere  im  Niveau  des  Kohlen- 
kalkes am  W. -Flügel  auftritt,  uocb  Schieferlagen  eingezeichnet 
worden  sind  statt  des  vorhandenen  Kohlenkalkes,  so  beridit  dies, 
wie  eben  jene  vorerwähnte  SchieferschiL-lit  (111,5)  auf  etwas  zn  freier 
wiöseuschaftlicber  Behandlung  der  Natur.  Auch  diese  Schiefer- 
lage hat  uocb  nicht  ihre  Diiseiusberechtignng  erlangt;  denn  wirk- 
liehe culmische  Thonschiefer  stellen  sich  erst  über  dem  Kobleukalk 
sowohl  auf  dem  hei  Khersdorf  gelegenen  W.-Flügel  als  auch  über 
dem  O.-FIfigel  ■'),  also  fiber  dem  Silberberg -Waldgruuder  Kohlen- 
kalke, ein. 

')  l.c  S.  15.  *)  S.303. 

>)  Wenn  F.  Fkech  vun  der  Vtrhreitung  i)e=  Kohleukaltes  diesi'ä  O.-Flügals 
sclireibt,  es  sei  >eiTi  langes  Band  von  wccliseloder  MSchtigk''!t  aus  der  Gegeod 
von  Silberberg  bis  Neudorf  Titrfolgbur",  eo  ist  das  nicht  richtig;  denn  der  KoblcJi' 
kalk  setzt  TOD  letzterem  Orli:  uo^h  über  2  Kilometer  weit  bis  zur  Colonic  Wald- 
grand, also  fa^t  bis  nach  \'olpei'ädorf  fort,  sodass  man,  will  dikd  überhaufiU 
Aofaeg  und  Bndi'  des  Kohlenkalke.'i  von  diosem  Flügel  bestimmen,  die  TOm. 
mir  gebrauchte  Beieichnuag  vrfthlen  muss. 


und  Culm  am  Kalkbergo  bei  Ebersdorf  in  Schlesien.  233 

Der    Kohleukalk    des    Kalkberges    bildet    uicht    ein    einziges 
Lager,   sondern    in  demselben  Niveau,    Ober  Gneissconglonieraten 
gelagert,  erscheinen  drei  sich  nicht    ganz   berührende  Lager,    von 
welchem    das  mittlere    das  grössere,    nämlich  0,55  Kilometer  lang 
i^t;  das  südliche  Lager  ist  durch  einen  50  Meter  breiten  Zwischen- 
raum von  dem  mittleren  getrennt,  während  der  nördliche  entfernter, 
nämlich  zu  beiden  Seiten  des  Baches  und   am  Ende  des  dorti(;en 
Culmvorsprunges  liegt.  —  Der  mehrfach  erwähnte  Gneisssandsteiii 
(siehe  Profil  IV,  4  c)    erreicht  von  seiner  unteren,    über  dem  Cly- 
nienieukalke    gelegenen  Grenze    eine  Mächtigkeit    von    30  Meter, 
über  ihm  folgen  auf  eine  Länge  von  160  Meter  Gneissconglonieratc 
mit  bis  über  Faust  grossen  Gneissgeröllen;  über  diesen  kommt  man 
Ju  das  Niveau  des  Kohlenkalkes  (Profil  IV,  5),  der  von  Thonschiefcrn 
bedeckt    wird.     Sodann  stellt    sich  in  den  Schiefern    ein  Gabbro- 
^onglomerat  ein,  in  dem  bis  faustgrosse  Gerolle  von  Gabbro.  Diabas 
und  Gneiss  in  fast  gleicher  Menge  vorhanden  sind  (Profil  IV,  6  a). 
lu  den  in  der  Muldenmitte  entwickelten  Thonschiefern  (IV,  6)  sind 
^üuue,   1 — 2  Meter,  höchstens  aber  10—15  Meter  mächtige  Bänke 
(i  V'',  7)  von  ächten,  feinkörnigen  Grauwacken  eingelagert  und  seltener 
^*nnue    Lagen    und    Linsen    von  Kalkstein,    Kieselschiefern    und 
-^^<iiüolen  eingeschaltet. 

Nach  der  Faltun<j  und  Bilduu^r  der  Culmmulde  fand  eine 
*^^>trajTun«c  ihrer  Schichten  östlich  des  Kalkberjjes  im  Gebiete  der 
-■■  Tonschiefer  und  Grauwacken  statt,  und  in  der  so  entstandenen 
*^-»'osionsrinne  kamen  die  obercarbonischen  Waldeuburger  Schichten 
^^  >  ,  8),  aus  Quarzconglomeraten,  grauen  (^uarz  -  Saudsteinen, 
•^  ^hieferthonen  und  Steinkohlenflötzen  bestehend,  zum  Absatz  und 
'^gerten  sich  ungleichförmig  Ober  den  Culmsehichten  ab.  Später 
^''*itten  auch  diese  Schichten  eine  Zusammenschiebung  zu  einer 
^*^ulde,  deren  Flügel  in  Folge  von  Verwerfungen  eine  ziemlich 
^^^ile  Stellung  (30—600)  angenommen  haben. 

Nachdem  wir  einen  sehr  wesentlichen  Irrthum  der  FREcuschen 

'""^'hriftlichen  und  bildlichen  Darstellung  berichtigt  haben,  benutzen 

*^     hier    die   Gelegenheit,    um    bezüglich   der  Stellung  der  zwei 

^^'schiedenaltrigen  Horizonte  des  Kohlenkalks  in  diesem   Gebiete 

*'^<^m   früheren  Autor  sein  Eifirenthumsrccht  zu  wahren. 


2:J4  E.  Daiitk,  Dil!  l-uyerungsyerlifiltnisse  (Im  ObL-rdcvon 

FuEOii')  stellt  näutlich  die  UutersclieiduDg  des  Kohleiikalks  in  cJuc^  - 
ältere»  und  jöngerou  Horizout  alg  eiue  ueue  wisseiiGi'bnftlivhe  Erm^^"^ 
geoschaft  aeiucrseits  liiu.  die  nuerst  von  GÜRICH  in  seinen  Krläut^^^ 

rungen  zu  der  geolofjisclien  Uebersichtskarte  von  Schlesien  (189t f 

«iiiigedeutet-  worden  sei.  Aber  weder  Herrn  G.  GÜIUCH  uoiih  Heiu  'i 
F.  Frech  gebfthrt  das  Verdienst,  diese  Gliederung  und  Unterscbe  ~ä- 
düng  zuerst  >:  angedeutet «  oder  aufgestellt  zu  babe:^K=s 
Bereits  im  Jiibre  1882  iiaf  A.  SchPtze^)  dieee  Gliederung  «  u 
seiner ;  » Geognosliüehc  Darstelliin;;  des  N  iodersebleslscIi-Böhni  ?- 
scheu  Steiukohleubecken» '.  durchgeführt;  er  schreibt:  »Es  »ii^  (i 
deuiuaoh  zwei  vprsi'hiedenalterige  Kohlenkulk- Vorkoni  uieu  zu  uule^r- 
scheiden  nud  als  «-Kiilk  und  ,':^-Kalk  kii  verzeichnen.  Zum  a-KnB  k 
gehört  der  ältere  Kohleukalk  von  Waldgrund,  Neudorf  iiud  .Silbe  ^r- 
berg  und  sfiu  üegenflügel  bei  Ebersdorf,  zu  den  i-IZ-Kalkon  d  ic 
Kalklager  au  der  Vogelkippe,  von  Hauedorf,  GlAtzisch-Knlkeuber-^;- 
das  haugende  Lager  von  Waldgi-nnd  und  dos  von  Uoth-Waltei — «- 
dorf.  Die  Verschiedeuheil  der  «-  und  (^-Kalke  documentit-t  si^cnli 
nicht  nur  lu  der  g&uzlich  verschieden eu  petrograi)hiBchpu  Au»b  ü- 
dung,  sondern  auch  iu  dem  verschiedenen  Charakter  der  Fani^  n~ 
indem,  wie  aus  der  weiter  unten  aufgettlhrten  Zusaninien«tella^~3<^ 
der  Niederschlesischen  Kohlenkalk  -  Fauna  nach  den  einzeln  ^cf«« 
Luc.ilitäten  hervorgeht,  NiMidorf- Silberberg  mit  Altwasser-Hai^  *" 
dorf  vou   120  Geeammt-Species  uur  \'l  gemeinsam  besitzen.' 

Die  Nichtberlli^ksichtignng  der  vorhandenen  Literatur  hat  t^^' 
Fhkch  auch  die  irrthfluiiicbc  AufTHssung  der  Lager ungsverhSltnii!^  *" 
der  devonischen  und  culniischeu  Schichten  am  Kalkberge  verit  ■*■" 
lasst.  Wie  sein  Profil  und  seine  Darsteihmg  in  seinen  beid  -^o 
bereits  augefilhrtcii  Schriften  lehren,  kennt  er  die  Satte?  *' 
bildung,  au  der,  wie  wir  noclimals  ausführlich  auseiuaudergese*^^* 
haben,  das  Oberdevon  und  derCnlni  tbeiluehmen,  uicl"^  *' 
obwohl  dioöe  Lagerungsfonii  vou  E.  TiETZE  schon  kurz  augedeu*-*^ 
und  vou  A.  Schütze  ausführlich  erwähnt  wurde. 

Ferner  ist  ihm  das  Vorkouimeu  von  »Gabbro«  iui  Kai    »^  " 

I)  JaLreeber.  d.  Sclileo.  Ges.  f.  vaterl.  Cultur  1900,  II,  S.  15  und  Letlt^^^'" 
palaeowica  II,  2,  S.  310. 

^  Allhandlungen  d.  kgl.  prcu^s.  )reul.  LandesaiiBt.,  Bd.  111,  H.  4,  S.  50. 


und  Gulm  am  Kalkborgc  bei  Ebci*sdorf  in  Schlosion.  235 

iche,  obwohl  A.  Schutze  dies  scbou  eingehend  beschrieben 
,  unbekannt    geblieben,    obwohl  er    seit  mehreren  Jahren 

den  Studirenden  der  Breslauer  Hochschule  jährlich  geolo- 
ihe  Excursionen  dahin   unternommen  hat. 

Das  Vorkommen  »des  vollkommen  verwitterteu,  rothen  Quarz- 
•phyrs,  der  unmittelbar  an  das  Devon  grenzt«  (siehe  Profil  III, 
,  beruht  auf  einer  ungenügenden  Bestimmung  Frech's  ^),  denn 
3  Porphyrgestein  ist,  wie  von  mir  erwähnt  wurde,  ein  Porphyr- 
'f.    Es    braucht    wohl    kaum    die   Aufmerksamkeit    des  Lesers 

den  Unterschied  der  beiden  Profile  hinsichtlich  der  Darstellung 
'  Rothliegenden  hingelenkt  zu  werden.  F.  Frech  giebt  ledig- 
^  »Quarzporphyr«  (111,10)  an,  wo  nach  meinem  Profile 
i  in  der  Natur  Porphyrtuff  (IV,  10  b)  Sandsteine  und  Schiefer- 
en der  Cuseler  Schichten  (IV,  lO)  und  Kalkstein  der  Cuseler 
hichten  (IV,  10  c)  zur  Ausbildung  gelangt  sind  2). 

In  zwei  kleinen  Mittheil unoren  und  in  seinem  Führer  in  das 
esengebirge  befasst  sich  G.  GÜRICH  mit  dem  Ebersdorfer  Kalk- 
fge.  Von  den  ersteren  fühii  die  eine^)  den  Titel:  »Das  geolo- 
«he  Profil  von  Ebersdorf  in  der  Grafschaft  Glatz«,  die  andere*) 
sitzt  die  Ueberschrift:  »Ueber  Gabbro  im  Liegenden  des  ober- 
vonischen  Kalkes  von  Ebersdorf  in  der  Grafschaft  Glatz.« 


')  Jahresber.  d.  Schles.  Gesellsch.  f.  vaterl.  Cultur  11,  S.  18. 

^  Aehnlicho  Irrthumer,  wie  die  hier  erwähnten,  enthält  die  FiiKCH'scho 
•haea  geognostica  nnd  sein  Bericht  über  *  Geologische  Excursionen  in  Schlc- 
^'^  über  das  Niederschleslsche  Palaeozoiciim,  namentlich  auch  über  das  Ober- 
bon und  Rothlicgende  noch  recht  viele.  Dasselbe  gilt  vou  seiner  brieflichen 
ttheiioDg  im  Centralblatt  für  Mineralogie  etc.  1900,  S.  337— 311,  über  das 
^Miegende  an  der  schlesisch-böhmischen  Grenze.  Es  blüht  mir  also  die  nicht 
feuliche  Aufgabe,  diese  Irrthumer  gelegentlich  berichtigen  zu  müssen.  Die 
nogischen  Verhältnisse  dieses  Gebietes  sind  bekanntlich  sehr  complicirt  und 
^'fierig';  Herr  Frech  und  mancher  Andere  werden  wohl  nun  verstehen,  weshalb 
diese  so  interessante,  aber  schwierige  Gegend  recht  gründlich  untersuchen 
d  aof  eine  vorzeitige  Publication  meiner  geologischen  Aufnahmen  in  Nieder- 
ilesien  —  abgesehen  von  anderen  amtlichen  Gründen  —  verzichten  musste. 
6  unpassende  Bemerkung  Fbech's  darüber  in  seiner  Lethaea  II,  2,  S.  311, 
'*lt  nun  durch  ihn  selbst  nämlich,  durch  seine  doch  mindestens  flüchtige 
Handlung  der  geologischen  Verhältnisse  von  Ebijrsdorf  etc.  die  genügende 
leuchtung  und  hier  die  verdiente  Abweisung. 

^  Jahresber.  d.  Schles.  Gesellsch.  f.  vaterl.  Cultur  11,  S.  65. 

*)  Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Gesellsch.  1900,  S.  IGl. 


Nacll  Widcu  letztereu  AlittLeilimgcii  glutlbt  U.  UCkIUB 
mehrere  ucur  Entdeckungen  geumclit  üii  hnbcii ;  erstlich  m  d(t 
i>Gabhrot  im  Kalklruebo  Kiierst  von  ihm  aufgefunden  worden, 
flcuu  er')  schreibt :  Pfingsten  1^02  ronchto  It-h  in  dem  geiiauu'ai 
Hntchß  ttine  Ileohachtuug,  die,  soweit  ich  mhcIi  dt^n  vurliegeadrii 
Augabtfu  iirtheilen  niii.«ä,  von  anderer  Seilu  nuch  nicht  gcmacbt  j 
wurden  ist  .  .  .  An  der  Mitte  der  W. -Seite  des  Itrucheü  sieb« 
.  .  .  Klt]>peu  vuti  Ciiibbro  hr.«  Zweitens  ersi;heint  ihm  al«  neue 
lleobuehtuug  die  Suttclbilduug  im  Kalkhriiche,  eigfutlich  mir  in 
di-'ui  N.-Ende  defeselben,  den»  es  lieisat^);  »Im  ninter|;riiii(le 
niiiiercr  «diematiaehen  Zeichnung,  giiux  nui  N.-Ende  des  Bfucbif 
int  eine  deutliche  Autikliue  blossgoiegt,  iu  welcher  dt«  übt'r«leii 
l'Iyiueuien -Hauke  und  die  uuteraten  Culmgrauwackeo  iincli  0.  nuJ 
W.  ciut'alIeD;  zugleich  ist  der  westliche  Flfl^l  um  kuHiii  1  Mctir 
gegen  den  Östlichen  abgesunken." 

Zunftchet  ist  fOr  letzteres  L'ilat  eine  Berichtigung  boIIi- 
wcudig.  Es  ist  nämlich  uicht  der  westliehe,  sondern  der  Sit' 
liehe  Flügel  des  Sattels  an  dieser  Stelle  ge^uukeu.  Man  vergleiii« 
darüber  meine  Bescbreibnug  und  Abbildung  auf  S.  219.  Au  (is 
Siittelbitdiuig  betheiligeu  sich  iiiclit  nur  der  Culni  und  i>-' 
Clymcuienkidk,  sondern  auch  der  ll»uptkdk.  Ferner  siuJ  ilif  «^^ 
E.  TiETXE  und  A.  SchCtzf.  Über  die  Sattelbildung  gemMthlen 
Mittheilnngen  und  die  von  letzterem  Autor  bekannt  gegcbfO' 
Heschreihung  über  das  Auftreten  des  vdabbro«  ihm  Iremi' 
geblieben;  es  tritt  also  auch  hei  G.  tlCRiCH  eiu  bedfluerlicli" 
l'ebersehen  der  xeiuschlSgigen«  Literatur^)  zu  Tage- 
Ferner  ist  iiodi  hervorzuheben,  dass  G.  GCrich  auob  i^ 
l'oriihyrtuff  nicht  erkannt  hat;  weshalb  er  immer  nur  vom  Ktfi*" 
dorler  Porphyr  spricht 

Den  .ScLIusöfolgeruugeii,  dh  ii.  LiüuiCH  ül^ec  die  Kütittltii^ii! 
und  das  Alter  des    »Gabbro«    von  Ebersdorf  anknüpft,  kann  icli 


>)  I.  t.  S.  Uli. 
')  I.e.  S.  l6-.>. 

')  Diese»  ücbersulico  dvr  eiuBulilä^gen  Literatur  macht  «ich  auut  bei  smdcs 
linir  iu  das  Riesengel  >irgo  oft  bemerklich,  worübw  ich  im  anderer  Stelle  W 


und  Culm  am  Kalkborgo  W\  Eberstlorf  in  Schlesien.  237 

iiielit   beipflichten.     Er    fusst    dies  Gabbro- Vorkommen    als    eine, 

sclion    zur    Devonzeit    hervorragende    Klippe    auf,    auf  dem    der 

Korallen- fahrende  Hauptkalk  zum  Absatz  gelangt  sei,  und  betrachtet 

sie    als  ehemals  mit  dem  Gabbro  von  Neurode  in  Zusammenhang 

stehend.    Der  Letztere  soll  ein  Tiefengestein  von  archäischem  Alter 

sein,  und  das  gleiche  Alter  soll  auch  dem  Gabbro  von  Zobten  und 

1?^ rankenstein    nach   ihm   zukommen.     Wenn   sich   auch    das   Alter 

des  G.ibbro  von  Neurode  nicht  ganz  sicher  als  devonisch  bestimmen 

lasst,  so  gehört  er  jedenfalls  nicht  zu  den  archäischen  Tiefengesteinen; 

denn,  wenn  er  auch  kein  Ergussgestciu  ist,  wie  G.  GÜRICH  richtig 

bemerkt,  was  aber  meines  Wissens   auch  Niemand  behauptet  hat, 

so   ist  doch  das  massivartige  Auftreten  eines  Eruptivgesteins  noch 

kein  Beweis  für   sein   archäisches  Alter.     Wäre  diese  Lagerungs- 

form    für    das   Alter    eruptiver  Massen   entscheidend,   so  mflssteu 

beispielsweise  alle  stockfbrmigen  Granite  Schlesiens,  so  namentlich 

des  Riesengebirges,  von  Striegau,  Strehlen  und  dem  Zobten  archäisch 

sein.     Ist    denn  der  Granit  des   Brockenmassivs  archäisch?     Ich 

^»nterlasse,    die    Beispiele    Ober    das    massivartige    Auftreten    von 

Eruptivgesteinen,   da   ich   das  als   allgemein   bekannt   voraussetze, 

"ier  zu  vermehren.     Giebt    es  überhaupt  archäische  Massive    von 

Eruptivgesteinen  in  dem  GöRiCH'schen  Sinne?     Die  Sedrrholm'- 

s^hen  Angaben  dan*\ber  aus  Finland  halte  ich  für  nicht  genügend 

begründet. 

Die  Gesteine  des  Gabbrozuges  von  Neurode  sind  nach  Zu- 
sammensetzung und  Structur  sehr  wechselnd  und  namentlich  das 
durchaus  diabasartige  Gefüge  des  »Gesteins  der  Schlegler  Berge«, 
das  wiederum  von  gleichstruirtem  Diabas  gangförmig  durchsetzt 
^''rd,  lassen  eben  wegen  ihres  Gefüges  vermuthen,  dass  sie  zu  den 
^*toren  paläolithischen  Eruptivgesteinen  zählen.  Der  Unterschied 
^^'ischen  dem  Neuroder  Gabbro  einerseits  und  dem  vom  Zobten 
Uud  Frankenstein  andererseits  ist  auffällig  genug;  aber  auch  von 
^t^teren  lässt  sich  nicht  erweisen,  dass  sie  archäisch  sind,  wenn 
*^*^    auch  in  krystallinischen  Schiefern  zum  Durchbnuh  gelaugten. 

Berlin,   im  Üctober  1901. 


Abhandlungen 


von 


erhalb  der  Königl.  geologischen  Landesanstalt 

stehenden  Personen. 


Die  Fauna  des  Senons  von  Biewende  bei 

Wolfenbttttel. 

Von  Herrn  A.  Wollemann  in  Braunschweig. 


Südöstlich  von  Wolfenbüttel  zwischen  den  Dörfern  Kissen- 
'^Uck,  Gr.  und  Kl.  Biewende,  Remmlingen,  Wittmar  und  Sottmar 
teht  ein  bald  mehr  weisslicher,  bald  mehr  gelblichgrauer,  stark 
^^Ikhaltiger  Mergel  an,  welcher  auf  der  bekannten  geologischen 
^arte  Ewald's  mit  dem  Buchstaben  »f«  bezeichnet  und  zu  den 
^genannten  llsenburgmergeln  gerechnet  ist,  unter  welchem  Namen 
^Wald  bekanntlich  Senonschichten  verschiedenen  Alters  zusammen- 
^sst,  wie  die  Quadraten-  und  Mucronatenschichten  der  Umgegend 
'^on  Königslutter,  die  senonen  Thone  und  Sandmergel  von  Querum 
^^i  Brauuschweig  u.  s.  w.  Da  die  Fauna  der  Mergel  der  Um- 
fügend  von  Ilsenburg,  welche  besonders  gut  bei  Veckenstädt, 
^tapelburg,  Bettingerode  und  Lochtum  aufgeschlossen  sind,  nicht 
'^^erheblich  von  der  Fauna  des  Biewender  Senons  abweicht,  so 
^bien  es  mir  gut,  hier  eine  kurze  Uebersicht  der  Fauna  von 
-^terem  Fundorte  gesondert  zu  geben,  ähnlich  wie  dieses  bereits 
"Qher  durch  Griepbnkerl  ^)  hinsichtlich  der  Fauna  des  Senons 
^»^  Umgegend  von  Königslutter  geschehen  ist. 

Der  Biewender  Mergel  hat  eine  ziemlich  grosse  Festigkeit, 
^    lange  er  im  Boden  liegt,  zerföllt  aber  an  der  Luft  sehr  schnell 


')  Die  YersteineroDgen  der  senoDen  Kreide  yon  Königslatter  im  Herzogthum 
'^«mschweig.   Palaeontologische  AbbandluDgen  herausgegeben  von  W.  Damks  u. 
Kaysbb  Bd.  IV,  S.  10,  1889. 

Jahrbncb  1900.  1 


I,  Die  Fbuos  äc.»  SenoDS  tod  Bievonde  bei  Wolfimbüll«!. 


in  kleine  Stöckcbco,  besonders  dflnii,  wenn  er  nach  eioem  R>>goi  -~ 

von  der  Sonne  beschienen  wird;  mit  ihm  zerfallen  aiiuh  die  mpintpi — 
der  darin  entbalteueu  Versteinerungen  volktändig,   mit  AuEnahm^^^^ 
der    verkieselten   Spongien,    von    welchen    nach    dein   2erfit))   Je^^e^^ 
Gesteins    grössere    und    kleinere,    meist   stark    verwitterte    Bnitb —       — 
Stücke  zurOi;ki)leiben.     Hieraus  erklärt  es  sich,  dass  in  den  Samm-     —  — 
lungen    nur    wenige   Versteinerungen    von    Bicwende    aufbewahr — awi 
werden,  deren  Liste  kein  voUetSndiges  Bild  der  Biewender  Seuon   ^  n 
fauua  liefern  würde. 

Besser  eriialtene  Versteinerungen  habe  ich  erst  durch  ein  m=mJfi 
grössere  systeniatisclie  Ausgrabung  bekommen,  zn  welcher  niii  «rsiir 
die  Gemeinde  Gr.  Biewende  nicht  nur  bereitwilligst  die  Erlaubnisse  £  li^ 
erthettte,  sondern  auch  die  geeigneten  Arbeitskräfte  zur  V^ert^guu;  kis  ao^ 
stellte. 

Es  ergab  sich  hierbei,  dass  die  meisten  Versteinerungen  durc  ;L»-»rel 
die  ganze  Ablagerung,  soweit  dieselbe  anfgeschlossen  werde ^»tde 
konnte,  gleichmässig  verbreitet  waren.  Inoeeramm  Cripsi  fan  m:*-»^' 
sich  in  dem  Steinbruch  hei  Gr.  Biewende  be&onders  häufig  un«^>'^^' 
in  grösseren  Exemplaren  nahe  der  Oberfläche:  sie  wurde  nac'rj».^*>C 
unten  zu  seltener.  An  demselben  Orte  fand  ich  auch  neben  ders  ^»  ■*" 
häufig  auftretenden  und  durch  die  ganze  Ablagerung  hindurcIrJ  i^^''-''' 
gehenden  Actinocamax  quadrutu»  von  der  Mitte  des  Aufschlüsse»  ^*ä^ 
an  bis  nach  oben  einzelne  Eseniplare  der  typischen  Form  df^fc^de 
Belemniteüa  mueronata,  ähnlich  wie  GrikpenhERL ')  und  StoLLBY*  T^"!" 
beide  Arten  bei  Königslutter  zusommen  gefunden  haben.  Beleiik.'^'^  "^stu- 
niteüa  mucronata  habe  ich  dagegen  in  dem  Kl.  Bieweiider  Stein»  »  ■^'i'- 
bruch,  wo  Actinocamox  quadratu»  noch  häufiger  ist,  als  in  G -i^ZÄJr. 
Biewende,  nicht  beobachtet,  während  im  übrigen  die  Fauna  d^  fc»er 
beiden  erwähnten  Fundorte  grosse  Uebe reinstimm ung  zeigt.  Wenr«  -^oü 
ich  im  Folgenden   eine  grössere  .Anzahl  Arten  von  Gr.  Biewen»-» -^''^ 

')  Die  VersteineruDgen  der  seronen  Kreide  von  Königslutter  im  Heraogtbc^''  ""' 
Br>DiiBchweJg.  talaeonto logische  Abhandl.  herausgegeben  von  W.  Dami«  d — ^^uiö 
E.  Kav.bii  Bd.  IV,  S.  10,  1899. 

^  Ueber  die  GliederuDg  des  uorddciitschea  und  ballischen  Senoo  sowie  ^— — <l>f 
dasselbe  charakterisireadeii  BeleDDiten.  Archiv  für  Aothropologie  nad  Geolo  ^S*' 
3chkswig-Hol>tciDs,  Bd.  2,  EIeft2,  S.  229,  1897. 


A.  WoLLBMAim,  1)16  Panna  des  Seoons  von  Biewende  bei  WolfeDbfittel.         3 

^uffikbren  kann,  als  von  Kl.  Biewende,  so  bat  das  bauptsäcblicb 
»«inen  Grund  in  der  geringen  Grösse  des  Steinbruebs  bei  letzterem 
IDrte,  in  dem  icb  nur  Ausgrabungen  in  geringerem  Umfange  an- 
^^tellen  konnte. 

Fast  alle  von  mir  gefundenen  Versteinerungen  sind  scblecbt 
erhalten,  besonders  die  Spongien,   welche  deshalb  wenig  zu  einer 
xionograpbiscben   Bearbeitung    einladen;    die    letzteren    sind   zum 
^rössten  Theil  in  fast  structurlose,  stark  eisenhaltige  Kieselmassen 
imgewandelt,  welche  später  theil  weise   zersetzt  sind  und  oft  nur 
sinen   mürben  bis  erdigen  Brauneisenstein  hinterlassen  haben,  wes- 
halb   sich   brauchbare  mikroskopische  Präparate  aus  dem  grössten 
Dbeil  des  mir  vorliegenden  Materials  nicht  herstellen  lassen.    Wenn 
lIso    Zittbl^)  Biewende   mit  unter  den  Fundorten  fQr  besonders 
^ut    erhaltene  Spongien  aufRlhrt,  so  gilt  dieses  nach  meinen  Be- 
obachtungen nur  von  einem  geringen  Theil  der  dort  vorkommenden 
ahl reichen  Arten.     Einige  Hexactinelliden,  wie  Coeloptychium  und 
^o&cinosporay  sind   recht  gut  erhalten  und  liefern  gutes  Material 
\v     mikroskopische    Untersuchungen;    bei    der    Bestimmung   der 
eisten  Species  ist  man  dagegen  vorwiegend  auf  die  schwankende 
ssere  Gestalt  und  auf  kleine  Reste  der  noch  die  feinere  Structur 
'«renden   Oberflächenschicht    angewiesen.     Die  folgenden   Arten 
ren   mit  einiger  Sicherheit  zu  bestimmen. 

1.   cf.  Seiiseothon  gigantens  A.  Roemer  sp. 

..     Cupulotpongia  gigantea  A.  Roemkh,    Die  SpoDgitarien   des  norddeatschen 

Kreidegebirges.        Palaeontographica 
Bd.  13,  S.  51,  Taf.  18,  Fig.  1. 

Grosse,  dickwandige,  ziemlich  regelmässig  gestaltete  Trichter 

abgerundetem  Rande  stimmen  zwar  gut  mit  der  angezogenen 

ies  in   der   äusseren  Form   überein,   sind  aber  vielleicht  lang 

)lt    gewesen,    wie    die  Gestalt    einer   am    unteren   Ende    der 

ter  vorhandenen    Bruchfläche   vermuthen   lässt.     Der  Durch- 

r  beträgt  am  oberen  Rande  110  Millimeter  uud  mehr. 

und  Kl.  Biewende  zs.  ^). 

laadbuch  der  Palaeontologie  Bd.  1,  S   140. 
=  h&ufig,  zh.  =  ziemlich  häufig,  s.  ^-  selten,  zs.  =  ziemlich  «m»!*'»- 


4  A.  Wuki-cHANN,  Die  FiQiia  de*.  Senons  »on  Bieitende  bei  Wolfenbütul 

2.    SeliscothoB  margisatas  A.  Roeuer  sp. 

1841     Sci/pliia    marginala   A.   Kokxcr,    Die    Versteineraogen   <1m  norddealscbeK^ 
Eroidegebirge»  S.  6,  Taf.  3,  Fig.  7 

Bald  mehr  rege Idiöss ige,  bald  mehr  schiefe,  dickwandig«^ 
Trichter,  welche  unteu  in  einen  kurzen,  fingerdicken  Stiel  auslaufen  — 
Der  liaud  wird  auf  beiden  Seilen  von  einer  scharfen  ICante  be — 
grenzt,  fällt  mehr  oder  weniger  eehräg  uach  ausseu  ab  und  Keig£^ 
bei  den  besser  erlialteneu  Exemplaren  runzelige,  imregelmäs«!^- 
radial  verlaufeude  Furchen.  Der  Durchmesser  beträgt  bei  den» 
grösEten  vollständigen  StCtck  105  Miilimetor,  doch  liegt  mir  eii^ 
BmchstÖck  eines  Eseiiiplares  vor,  welches  wahrecheinlicb  beträcbt — 
lieh  grösser  gewesen  ist.  Die  Dicke  der  Wand  schwaukt  am  oberfi:^^ 
Rande  zwischen  10  titid  21  Millimeter  und  ist  von  der  ür&as^s:' 
des  Scbwainmes  ziemlich  nnabhftugig. 

Gr.   und  Kl.  Biewende  zs. 

3.    Selfscothon  Roemeri  Pomel  sp. 

ltli>4.     Cupuloipoiu/ia   Mtintelli  GoLDFusa   bei   A.   Roeuek,   Die  SpongitAricu   ili  ■ 

DorddeatBcheo    KreidegebirgM.     PkU» 

onlographic«   Bd.  13,   S.  50,    Taf.  \-r'  - 
Fig.  6  (doh  GoLDrou). 

Mir   liegen  zwei    BrucbstQcke   eines   trichterförmigen,    dDnu 

wandigen  Schwammes  von  Ur.  Biewende  vor,  welche  noch  Kest^^ 
der  feineren  3tructur   zeigen    und   in  dieser  Hinsicht  gut  mit  der^H 
Abbildung    bei    A.    Roemer  a.  a.  O.    Obereinetimmen.      Von    A_ 
Robher   iet  diese  Art   zu   Scyphia   MantelU  Goldfcss  1)  gestellK^^^ 
welche  jedoch  niedriger  und  bedeutend  dickwandiger  ist,  nberhau|^ 
eine  wesentlich  andere  Gestalt  bat. 

Gr.  Biewende  s. 

4.  Verrncnlina  marginata  Phillips  sp. 

1829.   Spongia  mor^inala  Phillips,  Illu&tntioDe  of  ihe  geology  of  Yoi^hire,  187^^^ 

3.  Aufl.,  S.  322,  Tar.  I,  Pig.  5  (HhiodI. 

Von   dieser  Art  liegt  mir  nur  ein    52  Millimeter  hohes  ua^   -^ 

57  Millimeter  breites,  kreiselfärmiges  Exemplar  vor,  welches  eii^^» 

massig    tiefe,     trichterförmige    Einsenkung     des    Scheitels    "ig^  "* 


1 


■)  P«trerBcU  GArmaaiae  I,  S.  219,  Taf.  65,  Fig.  5. 


A.  WoLiiBMANN,  Die  Fanna  des  Senons  Yon  Biewende  bei  Wolfenbüttel.         5 

tztere  ist  mit  zerstreut  stehenden,  warzenförmigen  Ostien  besetzt, 
lebe   sich   auch   einzeln    au   der  Aussenseite   befinden,   dagegen 
1  Rand  fast  ganz  frei  lassen. 
Kl.  Biewende  s. 

5.  Yerrnenlina  anrita  A.  Roemer  sp. 

4.    Chenendopora  aurita   A.   Robmkr,   Die  Spongitarien    des   norddeatsohen 

Kreidegebirges  S.  43,  Taf.  16,  Fig.  2. 

Mehrere  unvollständige  ohr-  bis  trichterförmige  Stücke  scheinen 
dieser  Art  zu  gehören.     Sic  zeigen  die  warzenförmig  hervor- 
;enden  Ostien^   welche   auf  die  Innenseite  beschränkt  sind  und 
:^h  den  abgerundeten  Rand  frei  lassen,  sehr  gut. 
Gr.  Biewende  zs.,  Kl.  Biewende  s. 

6.  cf.  Amphithelion  miliaris  Reuss  sp. 

6.    Alanon  miliare  Rbuss,  Die  VersteiDerangen  der  böhmischen  Kreide formation 

ir,  S.  78,  Taf.  19,  Fig.  10—13;  Taf.  20,  Fig.  3. 

Ein  verbogen  ohrförmiger  Schwamm  von  Gr.  Biewende  hat 
>S8e  Aehnlichkeit  mit  der  angezogenen  Species,  doch  ist  die 
össe  der  Ostien  der  Innen-  und  Aussenseite  fast  gleich.  Be- 
iders  ähnlich  ist  die  Figur  12  bei  Reüss,  welche  ebenso  eigen- 
kmlich  in  einander  geschlungene  Ostienreihen  zeigt  wie  das 
emplar  von  Biewende. 

Gr.  Biewende  s. 

7.  Scytalia  annulata  A.  Roemer  sp. 

»4.    Eudea  annulata  A.  Roemeb,  Die  Spongitarien  des  norddeutschen  Kreide- 
gebirges S.  26,  Taf.  11,  Fig.  2. 

Meistens  findet  sich  dieser  Schwamm  der  RoEMER^schen  Ab- 
düng  entsprechend,  in  einzelnen  Walzen;  nur  in  einem  Falle 
id  zwei  Exemplare  am  unteren  £nde  zusammengewachsen.  Die 
bhe  beträgt  etwa  90  Millimeter,  der  Durchmesser  30  —  35 
iliimeter. 

Gr.  und  Kl.  Biewende  zs. 

8.  Doryderma  ramosnm  Mantell  sp. 

22.    Spongia  ramosa  Maittell,  The  fossils  of  the  South  Downs  or  illustrations 

of  the  geologj  of  Sossex  S.  162,  Taf.  15,  Fig.  1 1. 


A.  W01.LEUAHK,  Die  FsuQA  des  Sodoos  van  Biewende  bei  WtilfeDbütt«!. 


Diese  Art  erreiclit  eine  beträchtliche  LäDgp,  kommt  aber  meit? 
nur  in  BruchatOckeu  vor.  Diis  volJetändigste  Stück  ist  210  Mills 
meter  lang  und  hat  unten  20  Millimeter,  weiter  oben  iin  ilew~- 
Gabeliiugen  30  Millimeter  Durchmesser;  es  ist  baumartig  ver/.weig-i 
niid  hat  .'i  Hauptäste,  von  denen  zahlreiche  dünnere  NebeiiA«t« 
uuslaufeu.  Die  filr  die  (iattung  charakteristischen,  darch  eine 
netzförmige  Lagerung  der  Skeicttkörper  gebildeten  maschenartigetj 
Oeffoungen  sind  nur  an  einem  Brucbstflck  erhalten  tmd  stiniinoc_~ 
am  besten  mit  der  Älibildimg  bei  Reüss ')  flberein.  Das  vo» 
Maktell  a.  a.  O.  abgebildete  StCtck  ist  etwas  schlanker  als  mein-« 
Biewender  Exemplare. 

Or.  und  Kl.  Biegende  h. 


y.    Doryderma  cyliiidricuin  Zittbl. 

187S.    hoTijdeTma  ci/liniirituni  Ziirei-,  Stiidi.-D  über  fossile  SpODgien  Ablli.  2,  S.  6- 

Diese    Art   soll    nach    ZiTTKL   bei    Bie wende    vorkommen 
selbet  habe  sie  dort  nicht  geiimden. 

10.    Phymatella  bnlbosa  Zittgl. 
187?.    Phgmatdla  bulboia  Zn-nn.,  ».  a.  0.,  S.  74,  T«r.  3.  Fig.  1. 

Ebenso  wie  die  vorige  Art  von  mir  nicht  gefunden. 

II.   Änlaxinia  sulcifera  A.  Koehbr  sp. 

186-1.  Siphonocoelia  tulcifera  A.  Rokmer,  Die  SpoDgilarien  des  norddenttclH 
KreidegebirgM  S.  SO,  Taf.  1 1,  Pig. 

Von  dieser  Art  liegen  mir  nur  zwei  Kxemplare  vor,  vou  den* 
das  eine  sehr  regelmässig  keulenförmig  ist,  also  auch  hineichtli« 
der  äusseren  Gestalt  der  Abbildung  bei  A.  Robhbr  s.  a.  O.  er3 
spricht,  während  das  andere  schief  birnenförmig  ist. 

Zwischen  ür.  Biewende  und  Sottmar  s. 

lä.    SJphonift  coronata  Gribpenkbrl. 
1889.    Siphoaia   coronata  GKiEPE.tHERL,   Senon  von  Königilntter  S,  19,    Tmf — 
Fig.  1-3. 

')  Die  VerttrineniQgei]  der  b&hmigeheii  Kreide rormatiOD  II,  S.  79,  Tftf. 
Fig.  7  und  8. 


^ 

n 


A.  WoLLJBMAN2(,  Dio  Faaoa  des  SeooDS  von  Biewende  bei  Wolfenbüttel.         7 

Zu  dieser  Species  scheint  eiu  etwa  90  Millimeter  hohes  Stück, 
eelchos  oben  einen  Durchmesser  von  67  Millimeter  hat,  zu  gehören; 
iosichtlich  der  Gestalt  zeigt  es  grosse  Uebereinstimmung  mit  der 
ibbildung  Fig.  3  bei  Griepekkerl  a.  a.  O. 

Gr.  Biewende  s. 

13.   Astrocladia  yerrncosa  A.  Koembr. 

^64.    SteUiipongia  verrucosa  A.  Rokmer,  Die  SpoDgitarien  des   norddeutschen 

Kreidegebirges  S.  50,  Taf.  17,  Fig.  5. 

Das  einzige  mir  bekannt  gewordene  Exemplar,  ein  55  Milli- 
leter  langes  und  ungefähr  19  Millimeter  im  Durchmesser  dickes 
(ruchstück,  befindet  sich  in  der  Sammlung  der  Königl.  geologischen 
^andesanstalt  in  Berlin;  es  zeigt  gut  den  elliptischen  Querschnitt 
md  die  wenig  hervorragenden,  von  strahlenförmig  gestellten 
''ureben  umgebenen  Oscula. 

Sottmar  s. 

14.  Leptophragma  Hurchisoni  Goldfuss  sp. 

826 — 33.    Scyphia  Murcküonü  Goldfuss,  Petrefacta  Germania«  I,  S.  219,  Taf.  65, 

Fig.  8. 

Bildet  flache,  dünnwandige,  längliche  Trichter,  welche  auf 
iner  Seite  oder  auf  zwei  Seiten  eingedrückt  oder  eingebuchtet 
ind  und  unten  in  einen  kurzen,  dünnen  Stiel  auslaufen.  Die 
^änge  beträgt  bis  90  Millimeter,  die  Breite  bis  70  Millimeter,  die 
^anddicke  nur  2 — 3  Millimeter.  Die  feinere  Structur  der  Ober- 
läche  ist  an  alleu  Exemplaren  nur  undeutlich  erhalten. 

Gr.  und  Kl.  Biewende  s. 

15.  Coscinopora  infandibnliformis  Goldfuss. 

826 — 33.    Coscinopora  tn/undibuliformis  GoLDFVsa,  Petrefacta  Germ aniae  I,  S.  30, 

Taf.  9,  Fig.  16;  Taf.  30,  Fig. 
10. 

Dieser  Schwamm  kommt  verhältnissmässig  gut  erhalten  vor; 
illerdings  sind  die  Becher  über  der  Wurzel  stets  abgebrochen  und 
^uch  sonst  nie  ganz  vollständiji^,  lassen  aber  immer  gut  die  im 
^uincunx  stehenden  Ostieu  und  die  feineren  Poren  in  den  Wan- 
lungen   zwischen   denselben   erkennen,   so   dass  auch  noch  klein? 


A  Wo..u. 


\,  Dia  Paana  des  San 


a  Biewosde  hei  WoIfeDbüUol. 


ßrnchstßckc  sicher  zu  bestimmen  sind.  Die  Höhe  beträgt  im  Mitt«*=~' 
etwa  100  Millimeter,  das  grösste  meiner  Exemplare  scheint  f»s*-  ^ 
doppelt  so  hoch  geweseu  zu  sein.  Die  Waiid  ist  bei  siimtntlich«*^^* 
Stocken  etwn  3  Millimeter  dick. 
Or.  und  Kl.  Riewende  h. 

16.  Aplirocallisfes  alveolites  .\.  Uoembr  »p. 

1841.    SiypIiHi   aheolüei    A.   RoEtiKH,    Dia    VereteinaraDtten    dei  norddentöcliei 
Kreidpgebirges  S.  8,  Tat.  S,  Flg.  6. 

Mir   liegt   ein  Stflck   eines   dicfaotomen  Astes  mit  ziisammeii—   , 
l^drflckt  elliptischem   Quersehuitt   vor,  dessen   einer  Zweig   toII- 
ständig  erhalten  ist  und  mit  abgerundeter  Kaute  in  ein  flach  t 
caves  Bcckeu   endigt;   die  Durchmesser   betragen   am  Scheitel   22  * 
Millimeter   und    17  Millimeter.      Die  Oberfläche  zeigt   überall    die 
sechsseitigen,   durch   eine  dünne,   poröse  Scheidewand  getreauten^^ 
Üstien   der  Radialkanäle,   welche   besonders  an  einer  verwitterte iz^n 
Stelle  scharf  hervortreten  und  hier  ganz  das  Aussehen  sehr  klein^^^ 
Bienenwaben  haben. 

Kl.   Btewende  s. 

17.  ?«iitricDtit«i  Btriatu  Toülkik  SifiTtii). 

1648.    VentfkuUta  itriala»  Touluin  Smith,   Od   the  Veotricalidae   of  th«  Ch*K-^^; 
their  claasiGcation.     The  uinalB  n  •— '^  ^ 
maguiiia  of  natoral  histoij  S«n^      '^S, 
Bd.  1,  No.  3,  S.  212,  T»f.  13,  Tis—      * 
und  13. 
Kommt  meist   in   zusammengedrückten  Stücken   vor,   weleÄ-»^ 
die  fhr  die  Art   charakteristische  Becherform  vollständig  verloi-^E^' " 
haben,  aber  die  Strnctur  noch  eiuigermaaesen  gut  zeigen.     Au.^t^^'' 
einige  andere,   noch   becherförmige  Exemplare  mit  undeutlich  ^^^' 
haltcuer  Strnctur  scheinen  hierher  zu  gehören. 
ür.  Biewende  zs.,  Kl.  Biewende  s. 

18.   Bflcksla  SoekeUndi  SohlCter. 

1866.    Becttia  Soekelandi  Schl^tbii,  SitznD|;ab«r.  der  uiederrhrnniacheD  Gu»  ^*"" 
Bcbaft  iD  BoDD  S.  92. 

'}  Die  BeBtimmDDg  dicssr  Art  verdanke  ich  Herrn  0«li.  Bergrstb  Profa^»^*^'' 
Pr.  TOM  ZmcL  in  USnchen. 


A.  WoLLBMAMH,  Die  Fauna  des  Senons  yon  Biewende  bei  Wolfenbattel.         9 

Diese  von  SchlOtSR  zum  Leitfossil  erhobene  Spongie  kommt 
i  Biewende  selten  und  meist  nur  in  Bruchstücken  vor;  besonders 
den  sich  Theile  der  wurzelähnlichen  Anhänge.  Das  einzige 
ligermaassen  vollständige  Exemplar,  welches  ich  kennen  gelernt 
be,  befindet  sich  in  der  Sammlung  der  Königl.  geologischen 
ndesanstalt  in  Berlin;  sein  Durchmesser  beträgt  am  oberen 
nde  etwa  80  Millimeter. 

Gr.  Biewende  s. 

19.   Coeloptychinm  agaricoides  Goldfuss. 

'6 — 33.    Coeloptychium  agaricoides  Goldfuss,  Petrefacta  Germaoiae  I,  S  31, 

Taf.  9,  Fig.  20. 

Die  Biewender  Coeloptychien  sind  verhältnissmässig  gut  er- 
ten;  ganz  vollständige  Exemplare  sind  allerdings  selten.  Sie 
eichen  nicht  ganz  die  Grösse  wie  an  anderen  Fundorten. 
ITTKL.  ^)  erwähnt  z.  B.  ein  C\  agaricoides  von  Haldem,  dessen 
tiirni  am  unteren  Rande  einen  Durchmesser  von  120  Millimeter 
:,  während  bei  den  Biewender  Exemplaren  dieselbe  Dimension 
VB.  80 — 90  Millimeter  beträgt;  besonders  ist  der  Stiel  verhältniss- 
.ssig  dünner.  Die  schmalen,  spaltfbrmigen  Ostien  der  Uuter- 
te,  an  denen  man  die  Art  leicht  von  anderen  Coeloptychien 
terscbeiden  kann,  sind  meist  deutlich  sichtbar. 

Gr.  und  El.  Biewende  zh. 

20.   Coeloptyehinm  lobatnm  Goldfuss. 

26  —  33.    Coeloptychium  lohatum  Goldfuss,  Petrefacta  Germaniae  I,  S.  220,  Taf. 

65,  Fig.  11. 

Seltener  als  die  vorige  Art.  Ich  selbst  habe  nur  zwei  stiel- 
se  Exemplare  bei  Biewende  gefunden,  deren  Schirm  einiger- 
aassen  gut  erhalten  ist  Hinsichtlich  der  ganzen  Gestalt  stehen 
3  etwa  zwischen  dem  von  Roemer  und  dem  von  Goldfuss  ab- 
^lildeten  Stück  in  der  Mitte;  hinsichtlich  der  Weite  des  Trichters 
Lliem  sie  sich  mehr  dem  letzteren. 

Gr.  Biewende  zs. 
0  üeber  Coeloptychiom  S.  61. 


10        A..  Wi».i.KM>»H,  Di«  Fimnft  <lcf  Senon»  tod  Biew<>i«lc  bei  W»l  rt^Dbüllcl. 

21.    Coeloiitychinm  sp. 
Eine  dritte  Coeloptychiumart  ist  bei  Gr.  Biewpnde  diiroli  t"  i 
Bruchtttnck    eines    diukpu    gefaltoten    Stiels    imgcdpiitf^t ,     welch« 
({rosee  Aehnliulikeit   mit  dem  Stiel  vou  6'.  dcciminam  A.  Rokubic  ^ 
«der  C.  Sefbacki  ZiTTEL  ')  liat 

22.    Panumilia  cylindi-lcft  M.  Edwards  ti.  Haihb. 

1830.  Paratmilia  nittm/rka  M.  Gii'vaiidh  u.  Haime,  A.  moDottrapb  al  tbobritiih 
foaral  conls  Th^l  1 ,  S.  5U, 
T»f.  8.  Fig.  5. 

Diese  Art,  die  eia/.ige  Korallcnspecies.  welche  ich  bei  ßiewenilL' 
nachweisen  koDute,  wird  bereits  dureh  BöLSCHB ')  von  Sottmr 
erwähnt.  Ilie  wenigen  Exemplare,  wclehe  ich  gefunden  habe,  iiud 
klein,  zeigen  aber  den  Keleh,  die  achwammige  Coluinella,  <lii^ 
Septea,  die  gekörnten  Intercostalfurchen  und  die  fiir  die  An 
cha rskler ist i scheu  esothekaleu  Querleisten  in  gutem  Erhaitunge- 
sustAnde. 

KI.  Biewende  ze. 

23.   Porosphaera  globnUris  Phillips  sp. 

1831».  MiUeporn  y/oMam  PniLL.f«,  Gwlogj  of  Torkshire  I,  S.  155,  T»f.* 
Fig.  5. 

iianr,  regelmässig  kugelförmif^e  oder  etwas  eckige  Kdrp^'- 
deren  niir.dnneaser  (i  — 24  Millimeter  belr.igt;  AnbeftTingsiiiiiikl'" 
sind  nirgends  mit  Sicherheit  zu  sehen.  Die  Oberflfiche  ist  ""^ 
feinen  Poren  dicht  bedeckt,  welche  «her  nur  an  wenigen  Ptöck^" 
deutlich  sichtbar  sind,  da  die  Oberfläche  verwittert  ist. 

Gr.  und  Kl.  Biewende  h. 

Die  regulären  Seeigel  sind  nur  angedeutet  durch  nicht  gf 
naner  bestimmbare  Stacheln.  Von  den  irregulären  habe  ich  i*>^ 
mehrere  Arten  gefunden,  doch  kommen  leider  fast  nur  verdrückte 
Exemplare  mit  nur  theilweise  erhaltener  Schale  vor,  deren  Bf- 
stimmung  in   den  meisten  Fällen  unmOglicb  oder  wenigstens  sehT 

')  ZiiTEL,  Ueber  Coeloptjchium,  Tat.  2. 

*)  Die  Korallen  des  norddeuUclien  Jura-  und  Kr«idegebii^es  S.  Mf, 


k.  VoLMDUKK,  Dia  FaDDA  des  Senona  von  Biewenda  bei  Wolfenbütt^       21 

Der  Schtoftsraqd  ist  gerade,  mit  ihm  bildet  der  schwach  ge- 
^ene  Vorderrand  eiDeo  fast  rechten   und  der  stArker  gebogene 


Fig.  4». 
F^g.  4  and  4t.    Gr.  Biewende.    Woi.t.uu«a'Belie  SunmloDg. 

interrand  einen  stampfen  Winkel.  Der  Unterrand  ist  fast  ge- 
de  und  unter  dem  Wirbel  ganz  schwach  nach  innen  gebogen, 
ie  Klappen  sind  nur  in  der  Gegend  des  Wirbels  stärker  gewölbt, 
nst  abgeflacht  und  zeigen  auf  dem  Rflcken,  besonders  in  der 
Ute  der  Unterseite,  eine  ganz  seichte  Einbuchtung,  deren  Stärke 
i  den  verschiedenen  Exemplaren  schwankt,  z.  B.  bei  dem  abge- 
deten  Stflck  nur  ganz  wenig  wahrzunehmen  ist.  Die  Wirbel 
id  weit  nach  vorn  gerQckt,  breit,  stumpf  und  ragen  nur  wenig 
rvor;  hinter  ihnen  entspringt  ein  stumpfer,  wenig  markirter  Kiel, 
ilcber  nach  unten  zu  bald  verschwindet  und  deshalb  eine  Area 
.r  undeutlich  abgrenzt. 

Die  ganze  Oberfläche  ist  mit  feinen,  mehr  oder  weniger  schräg 
rlaufenden  Radialrippen  tou  verschiedener  Stärke  dicht  bedeckt, 
ilche  durch  schmälere  Furchen  getrennt  werden.  Auf  der  Area 
id  die  Furchen  etwas  breiter.  Die  Radialrippen  werden  von 
neo,  concentrisoben  Linien  so  geschnitten,  dass  an  den  Schnitt- 
inkten  Knoten  entstehen  und   die  Oberfläche  gegittert  aussieht. 

Die  angeblich  zu  Area  radiata  MONSTER  gehörenden  Exem- 
are,  welche  bei  Gsimitz  a.  a.  O.  abgebildet  sind,  sollen  nach 
BOSS  zu  unserer  Art  zu  rechnen  sein.  Die  Sculptur  ist  auf  den 
'Uecbten  Figuren  nicht  zu  erkennen;  auf  Fig.  13  ist  ein  stftrker^r 


12        A.  W<>i.i-E»*^N,  Die  FftUBa  dns  SoDons  TOD  Blowendo  bei  Wolfenb&ttel. 

Einige  Exemplare  mit  nur  theilweise  erhalteoer  Suhäle  stiinio^-  ^^i 
hinHichtlioIi  der  Gestalt  gut  mit  der  angezogenen  Spec-tes  abereli=^B, 
zu  ihr  geli6ren  wahrscbeinlicli  auch  die  meisteu  der  mir  vorlieget».  - 
deu  zahlreichen  Bruchstücke,  während  einige  der  letzteren  k^kj 
einer  anderen  Micraste-r-hvt  zu  gehören  scheinen. 

Gr.  Bicwende  h.  ^fl 

28,    Serpala  cf.  ampntlaeea  8owbrb¥.  ^. 

182!).  Serpula  ainpullacea  Sowekkt,  Mineral  Conahologr  V(,  S.  199,  Taf.  6»~7'. 
Fig.  1-5. 

Ein  spiralförmig  gebogenes  und  der  ganzen  Länge  nach  a.«.m  f 
einen  Schwamm  aufgewachsenes  Exemplar  ohne  Mündung,  dessen  aa 
Spirale  einen  Durchmesser  von  21  Millimeter  hat,  nnd  ein  16  Mill  «- 
meter  langes,  nicht  aufgewachsenes  MfludungsstÜck,  welches  sor-Mi 
stielrund  ist,  alier  bald  einen  Kiel  ansetzt,  gehören  wahrscheinlic^li 
zu  der  angezogenen  Species. 

Gr.  und  Kl.  Biewende  s.  ^^H 

29.   CranU  PariBiensis  Dbfranob.  ^^V 

1818.    Crania  PariiiensU  Defrance,  Dictionaire  dm  ecicnces  naturelles  II,  8.  3lS. 

Von  dieser  Art  brsitze  ich  nur  eine  auf  einem  Schwamm  fest- 
gewachsene Klappe,  welche  am  besten  mit  der  Abbildung  Fig.  )  *^ 
bei  d'Orbignt  ')  flbe  rein  stimmt,  die  Kfirner  des  verticalen  Randes 
greifen  auf  den  concaven  Theil  etwas  Über,  wie  dieses  such  a"' 
der  D'OfiBiGNY'scben  Figur  angedeutet  ist.  Nur  die  Grösse  »«• 
geringer,  da  die  Länge  nur  14  Millimeter  nnd  die  Breite  16  Mü''" 
meter  beträgt. 

Gr.  Biewende  s. 

30.  RliyiiekoD«lla  plieatilis  Sowerbt  sp. 

1818.    Terebratula  pHeatil!»  Sowebbv,  Mineral  Cooebologj  II,  S.  37,  Taf.    H^ 
Fig.  1. 
Gr.  und  Kl.  Biewende  s. 

31.  BhjnckoMlla  CuTieri  d'Obbignt  sp. 

1847.     Terebrahila   Cuvieri   d'Oebiony,    Pal.   fr.   Tm.  miL  IV,    S.  S9,   T»f-  4'^« 
Kg.  12—16. 

')  Pal.  fr.  Terr.  orft.  IV,  S.  139,  Tif.  524. 


A.  WoitLEMAN»,  Die  FauDa  des  SenoDB  Yon  Biewende  bei  Wolfenbfittel.       1 3 

Diese  kleine  Rhynchanella  ist  bereits  voo  Schlönbach  ^)  im 
^Qon  von  Biewende  gefunden;  von  den  mir  vorliegenden  zahl- 
icben  Exemplaren  aus  unseren  Turonschichten  ist  die  senone 
>rm  absolut  nicht  zu  unterscheiden. 

Gr.  und  El.  Biewende  zs. 

32.   Terebniolina  ehrysalis  v.  Schlothbim  sp. 

13.     Terebratu&tei  ckryidtU  v.  Schlothbim,  Leonrabd's  Taschenbach  VII,  S.  113. 

Einreicht  nur  eine  geringe  Grösse;  auch  ein  ganz  kleines 
cemplar,  welches  nur  10  Millimeter  lang,  7  Millimeter  breit  und 
Kfillimeter  dick  ist  und  die  Jugendform  zu  sein  scheint,  habe 
1  gefunden.  Es  hat  auf  der  undurchbohrten  Klappe  einen 
b wachen  Sinus  und  am  Stirn rande  eine  verhältnissmässig  starke 
nbnchtung.  Ein  ähnliches  Exemplar  ist  durch  Schlönbach 
m  Fleischerkamp  bei  Salzgitter  abgebildet^).  Die  Oberfläche 
er  Stocke  ist  feiu,  aber  scharf  gekörnt,  während  nach  Grispbn- 
XKL, ')  die  Exemplare  aus  dem  Senon  von  Königslutter  ungekörnte 
ppen  haben  sollen. 

Gr.  und  Kl.  Biewende  s. 

33.   Terebratnla  earnea  Sowerbt. 

12.    Terebrahda  camea  Sowbrby,  Mineral  Conchology  I,  S.  47,  Taf.  15,  Fig.  5 

und  6. 

Diese  bekannte  Species  ist  nur  durch  ein  unvollständiges 
Keroplar  von  KI.  Biewende  vertreten. 

34.   Ostrea  semiplana  Sowerbt. 

25.    Ostrea  temiplana  Sowbbbt,  Mineral  Conchology  V,  S.  144,  Taf.  489,  Fig.  1 

and  2. 

Ausser  einigen  Bruchstücken  liegt  mir  eine  vollständige  Klappe 
►o  Gr.  Biewende  vor,  welche  genau  der  Abbildung  bei  Coqüand*) 
i£  28,    Fig.  7    entspricht,    in    der  Mitte   einen   über  die  ganze 


')  Ueber  die  norddeatechen  Galcritenschichten  und  ihre  Brachiopodenfaana, 
:iingsber.  der  K.  Akad.  d.  Wies,  in  Wien.     Bd.  57,  S.  33. 
^  Ebenda  S.  18,  Taf.  1,  Fig.  3. 
^  Senon  von  Königslutter  S.  31. 
^)  Monographie  du  genre  Ostrea. 


24        A.  Woi.i.Ksu>,  Di«  Fnana  de«  Senons  tod  Btcwrnd«  b«i  WoIfenbaUel. 

G.  MCU.KR  a.  a.  O.,   schfirfer  tooi   Hanpttheil   der  Muschel  al^cz3- 
gesetzt  ist.      Die   FeineD   concentrischeu   Rippen   sind   zwar  eliiu  ^i' 
at>gmeben,  aber  ooch  deutlicli  sicUtliar.    Die  Höhe  beträgt  IS  Milli^^äirit* 
meter,  die  uicht  ganz  vollständige  Lange  29  Millimeter.  ^M 

54.    Dentaliani  altoraass  J.  Müller. 

1S51.     UaUaliaiH    altemaiu    J.   MCt.LEn,     Petrefact«!!    der    Aachener    Kr«ilef(T~^Ki 'r- 
nution  11,  8.  5. 


'£.a  dieser  Art  gehört  ein  33  Millimeter  langes  Brnchstflck:: 
welches  ich  bei  Gr.  Kiewende  gefunden  habe.  Es  zeigt  denllieH  ^^^b 
die  abwechselnd  schwächeren  und  stärkeren  Rippen;  besonder«"^'» 
gut  stimmt  ei;  mit  Fig.  9  bei  Holzapfel  ■)  Qberein.  ^jl 

55.    Plenrotomaria  regalii  A.  Robmb»  sp.  ^^ 

tSil.     TVocAua  regalU  A.  Ruemek,  Die  Venli^meriiiigeii  des  DorddeDtBcben  Kreide-r^  S*' 
gftbirgaa  S.  81.  T»f.  13,  Fig.  7. 
Kl.  Biewende  s. 

56.    Plearotomaria  plana  MOnstbr. 

1844.     Plairolomaria  pkma  MüsmB   bei   Gold^ss,    Petrefacta    GermsnJM   IIIW  Ä  0 
S.  7e,  Taf.  187.  Fig  4. 
Gr.  und  Kl.  Biewende  zs. 

57.    PleurotoHaria  Cl<«ptoBiaria)  graanlifera  MGnster. 

1841—44.  Plearotomaria  granuli/era  MOitbtkb  bei  öot-oroa»,  P«trefaeta  Ger--^^"*"^ 
muia«  III,  S.  76.  Taf.  187,  Fig.  J^S-  1 
Zu  dieser  Art  scheinen  zwei  BnichatQcke  von  Kl.  Biewende -•^ 
zu  gehören ,  welche  deutlich  die  gekörnten  Rippen  zeigen.  Hin —  ^■'" 
sichtlich  der  Gestalt  stimmen  sie  am  besten  mit  der  Abbildun^^frS 
bei  GoLDFUSS  Qberein;  sie  haben  unten  einen  schSrferen  Rand  al»  '^ 
die  TOn  G.  MOllkr'J  abgebildeten  Stöcke. 

58.   Tnrbo  BoiastorfeDsis  Griepbnkbrl. 

1889.     Turbo  Boimlor/aiai  Griepshkebl,   Seaoa  toq  Rönigsliitt«r  S.  73,  Taf.  ^^S, 
Fig.  13. 
Diese  Species  kommt   zwar  ziemlich   hSufig   vor,    doch  sii»^  d 
die   Exemplare   alle  stark    verdrflckt;    manche  sind  durch  Druc^si 


')  P»lMontogr«phic»  Bd.  34,  S.  178,  T»f.  20. 

*)  Die  Molliukenfamia  des  ünterMDOn  von  Braanacliwcäg  and  ÜMda  S.  ^3f, 
Taf.  II,  Fig.  10—13. 


A.  WoluhanH,  Die  Fmim  de«  Swona  von  Bieveode  bei  WotfenbOttol.       25 

D  oben  abgeflacht  und  Pleurotomarien-JihDlich,  andere  sind  durch 
tlichea  Druck  Scalarien-Shnlich  geworden.     Der  tiefe  Nabel  ist 
tistens  sichtbar  und  zeigt  bei  einem  Stflck  auch  die  von  G.  MOller 
s.   O.  S.  88  erwähnten  Querwfllet«. 
Gr.  Biewende  zh. 

5V.    Delpbinnlft  triearinata  A.  Robhbr. 

11.   D^hütuia  triearmata  A.  Sobhbb,  Die  VeTBt«ineniiigen  des  oorddentscheii 

KradegebirgeiS.  81,  Taf.  12,  Fig.8— G. 

Die    Gestalt    dee    Gebftuses    und    die    Sculptur    dieser    Art 

bwanken  so  sehr,  dass  es  schwer  ist,  eine  allgemeine  ßeschrei- 

Pig.  6.  Fig.  64. 


Fig.  S  tind  6a.  Kl.  Biewende.  Woi.LBHAHn'sche  SMnmlang. 
Dg  derselben  zu  liefern.  Die  wichtigsten  Varict&teu  sind  in 
rzflglicher  Weise  durch  G,  Müller  a.  a.  O.  Taf.  12  dargestellt, 
f  dessen  Beschreibung  und  Abbildungen  ich  deshalb  besonders 
rweise.  Im  Senon  von  Biewende  scheint  die  Art  nicht  so  stark 
varitren,  soweit  eich  dieses  nach  den  wenigen  von  dort  vor- 
gendea  StQcken  beurtheilen  l&sst.  Das  vollständigste  Exemplar, 
I  von  mir  in  Kl,  Biewende  gefundener  Sculptureteinkero,  ist 
l^ebildet;  auf  ihn  bezieht  sich  die  folgende  Beschreibung. 

Das  46  Millimeter  hohe  Gehäuse  ist  treppenförmig,  die  Höhe 
r  vier  durch  eine  tief  einschneidende  Naht  getrennten  Umgänge 
mfpt  schnell  zu.  Etwa  auf  der  Mitte  der  letzteren  beBndet  sich 
1  ziemlich  starker  und  am  unteren  Rande  dicht  Qber  der  Naht 
1  etwas  schwächerer  Kiel ;  zwischen  beiden  liegt  ein  ganz  feiner 


16       A-  WoLLKMASH,  Dii^  FflUött  des  Senons  tod  Biew«nde  bei  Wolfen bflttoL 

ausserdem    mein   grösete»   Biewender  StUck    an  Grösse    ganz   be- 
deutend. 

Gr.  Bieweude  za. 

40.   Lima  grannlata  Nilsson  sp. 

1827.  Plagiomotna  granulatum  NrLasos,  Pelri6calJi  Suecana  S.  2G,  Tftf.  9,  Fig.  L 
Von  dieser  Art  kotumeu  fast  nur  Steinkerne  vor;  ich  besitze 
nur  wenige  Exemplare  mit  theilweise  erhaltener  Schale,  derea 
Sculptur  gut  sichtbar  ist.  Im  Gegensatz  zu  den  meisten  anderen 
ßivalven  erreicht  diese  Art  au  unserem  Fundorte  eine  beträchtliche 
Grösse;  das  gvögste  Exemplar,  welches  durch  Uebergänge  mit  dem 
kleinsten  verbunden  ist,  hat  eine  Höhe  von  etwa  24  Millimeter. 
Ob  die  Art  zur  Gattung  Lima  oder  Limea  gehört,  kann  ich 
nicht  entscheiden,  da  au  meinem  Material  nirgends  ein  Schloss  vor- 
handen ist. 

Gr.  uud  Kl.  Biewende  zh. 

41.   Lims  (Litnstnla)  semisalcata  Nilsson  sp. 

1827.    Plagioiloma  »eiaüukatum  Nh.shon,  PelrificaU  Suecana  S.  25,  T»f.  9,  Fig.S, 
Vou  dieser  Art  betinden  sich  einige  Stficke  von  Kl.  Biewende 
in  der  Sammlung  der  Königl.  geologischen  Landesanstalt;  ich  selbst 
habe  sie  nicht  gefunden. 

42.   Pectea  cretasDS  Dbfrancb. 

1832.  Pecten  cretottit  Dedunce,  BBononiABT  und  CovnB,  Geologie  dea  environs 
de  Parifl  S.  383,  Taf.  3,  Fig.  7. 

Die  Sculptur  variirt  nicht  unbeträchtlich;  ich  besitze  z.  B. 
eine  Klappe,  welche  auf  einem  Theil  die  Sculptur  der  Fig.  6  bei 
d'Orbignt  ')  zeigt,  also  fast  glatte  Radialrippen,  zwischen  denen 
die  concentrische  Streifung  scharf  hervortritt,  bis  plötzlich  in  einer 
Entfernung  von  4  Miltimeteru  vom  Unterraude  nach  einem  deutlich 
hervortretenden  Anwachsringe  nach  unten  zu  die  Rippen  Körnelong 
zeigen  und  mehr  der  Fig.  4  bei  d'Orbigny  gleichen.  Auch  ein 
Exemplar,  dessen  Klappen  noch  in  natflrlichem  Zusammenhange 
waren,  habe  ich  gefunden. 

Crr.  und  Kl,  Biewende  h. 


l 


')  Pal.  fr.  Tarr.  creL  III,  S.  617,  Taf.  440. 


Ä.  Woi 


DiePaiuift  dN  SenoD*  von  Biewenda  bei  WoHenbütte].       17 

43.  Peetn  Barth!  d.  sp. 

VoD  dieser  Art  habe  ich  Dur  zwei  unTollBtändige  Exemplare 
gefiiDdeD,  doch   zeigt  die   Gestult  nod  Sculptur  so   viele  Eigen- 


Fig.  1. 


Fig.  Ib. 


FiRi«. 
Fig.  1     Dod   1«.     Re<^te  EUppe;   Fig.  Ib   der   c 
desMlbeu  Exemplara.    Gr.  Biewrnde.    W< 


1  Theil  der  linken  Klappe 
lAHN'sche  Sammlung. 


thOmlichkeiten,  dass  ich  kein  Bedenken  trage,  auf  dieses  geringe 
JVlAtCTial  eine  neue  Art  zu  begrandeti.  Der  Umriss  ist  langge- 
streckt oval;  Vorder-,  Unter-  und  Hinterrand  bilden  einen  ziemlich 
regelmfissig  elliptischen  Bogen.  Die  Schenkel  des  ziemlich  spitzen 
SchlosskanteDwinkels  betonen  erst  etwa  mit  dem  oberen  Drittel. 
Die  Klappen  sind  flach  gewölbt  und  ungleich.  Das  vordere  rechte 
Obr  zeigt  einen  ziemlich  tiefen  Byssueausschnitt  und  deutlich  her- 
vortretende S>fl>rmig  gebogene  Anwachestreifen.  Die  rechte  Klappe 
ist  mit  breiten,  flachen,  nur  wenig  hin  und  her  gebogenen  Radial- 
rippen, zwischen  denen  in  ud  rege  Im  Sseiger  Folge  schmälere  liegen, 
ciicht  bedeckt.  Die  Radialrippen  werden  durch  schmale  Furchen 
getrennt,  in  welchen  eine  feine,  eoucentrische  Streifung  scharf  her- 

JibrDub  IMO.  [2] 


16       A.  WovLKHJtBa,  Die  Fanim  dee  Secona  tod  Biewende  bei  WolKeabfittal. 

vortritt,  die  auf  dem  Rdcken  der  Rippen  Terschfrindet.  Daneb^^Bn 
fallen  ficharf  abgesetzte,  im  Mittel  5  Millimeter  breite  Anwacb  -s- 
ringe  auf,  unter  denen  die  Radialrippen  mit  schwacher  Biegung  foi  U 
laufen.  Die  Rippen  der  linken  Klappe  verlaufen  fast  ganz  geratK.  e, 
sind  schmäler,  stArker  gewölbt  und  durch  etwas  breitere  Furch^^»n 
getrennt  als  die  der  rechten  Klappe. 

Einige  Aehnlichkeit  hat  Pecten  ManUUtanua  d^Obb.  ')  ii~^it 
unserer  Art,  doch  sind  die  hervortretenden  conceutrischen  Anwacb»  s- 
ringe  bei  ihm  mehr  am  unteren  Rande  gchüuft  und  die  RadiE^I- 
rippen  viel  schmaler  und  weiter  von  einander  entfernt,  als  bei  -J*. 
Barthi;  auch  ist  die  Sciilptut  iu  den  Farcben  eine  andere.  H^ie 
Soulptur  von  P.  Barthi  ist  der  gewisser  Lttna-Arteo  nicht  ga^maz 
tuShnlicb.  ^m 

Gr.  and  Kl.  Biewende  s.  ^H 

44.  PMten  cf.  spathulatus  A.  Roembr.  ' 

1841.  Pecien  ipaüiulatu»  A.  Roekeb,  Die  VeraMineruDgeD  de«  oorddeotsc^*«» 
Kreidegebirgea  S.  50,  Taf,  8,  Fig.  5. 

Ich  besitze  einige  unvollständige  Exemplare  eines  glatte", 
dOnuschaligen,  flachen  Pesten  mit  Andeutung  einer  Radialstreifursgr 
welcher  der  angezogenen  Species  jedenfalls  sehr  nahe  verwais  «Jt 
ist,  doch  infolge  seines  ungünstigen  Krhaltiingszustandes  nicht  sieb 'i" 
bestimmt  werden  konnte. 

Gr.  und  Kl.  Biewende  s. 

45.  Vola  itriatoeostals  Goldfdss  sp. 

1834—40.  Pecteit  OritUo-cottatut  GoLoruBs,  PetrefacU  GermMiae  tl,  8. 55,  Tmt-  ^ 
Pig.  2,  0,  d,  e. 
Gr.  und  Kl.  Biewende  s. 

46.   Inoeerainns  Cripri  Mamtbll. 

1822.   Jmceramui  Oripii  Uamtkli.,  Geologj  of  Siuaex  S.  188,  TaL  27,  Fig.        ''' 

Keben  der  typischen,  langgestreckten,  schief  ovalen  l^^of" 
kommen  Exemplare  vor,  welche  stärker  gewölbt  und  höber  ^^>^^ 
auch  etwas  entfernter  stehende  Rippen  haben.  An  eine  speci^B^^ 
Trennung  dieser  Varietfiten,  welche  mit  der  typischen  Form  X-  d*™ 

0  VtX,  h.  Tut.  erit.  UI,  S.  619,  Taf.  440,  Fig.  8-11. 


A«  WoLLSMARN,  Die  Fauna  des  SeDons  von  Biewende  bei  WolfenbütteL      1 9 

^ebergäDge  verbundeD  sind,  ist  meiner  Ansicht  nach  nicht  zu 
mken;  auch  SchlOter  ^)  und  Griepbnkbrl  ^)  haben  ähnlichd 
arietäten  aus  dem  Senon  von  Königslutter  bei  /.  CripH  gelassen. 
den  obersten  Schichten  des  Gr.  Biewender  Steinbruchs  habe 
1  ein  auffallend  grosses,  leider  stark  verdrücktes  Exemplar 
serer  Art  unmittelbar  zusammen  mit  Belemnitella  mucronata  ge- 
üden,  welches  etwa  die  Grösse  von  /.  planus  MOnstrr  bei 
>r.DFCSS^  besitzt,  welche  Art  nach  SchlOter  a.  a.  O.  mit  /. 
ipsi  zu  vereinigen  ist.  Einige  der  Steinkerne  sind  auch  dicht 
deckt  mit  den  bereits  von  Goldfuss  a.  a.  O.  auf  Taf.  112, 
^.  4  d  abgebildeten  rundlichen  oder  ovalen  Gruben,  welche  nach 
iiKPENKERL  ^)  »als  Ezeugnissc  eines  in  den  Lamellen  der  inneren 
halenschicht  wuchernden  Schwammes,  einer  Cliona^  zu  deuten 
id«. 

Gr.  Biewende  h..  Kl.  Biewende  s. 

47.  Area  Jostinae  n.  sp. 

Länge  22  Millimeter,  grösste  Höhe  (am  Hinterrande)  lOMilli- 
5ter  (0,45),  Hinterseite  15  Millimeter  (0,68). 

Der  Schlossrand  ist  gerade ;  mit  ihm  bildet  der  schräge  Hinter- 
:id  einen  stumpfen  Winkel;  der  Unterrand  ist  wenig  gebogen, 
iigt  nach  vorn  auf  und  geht  allmählich  in  den  stärker  ge- 
Qmmten  Vorderrand  über;  letzterer  bildet  mit  dem  Schlossrande 
le  vorspringende,  scharfe  Ecke.  Die  Klappen  sind  in  der 
frend  ziemlich  flach,  später  stärker  und  sehr  gleichmässig  ge- 
^Ibt.  Die  Wirbel  sind  weit  nach  vorn  gerflckt  und  ragen  wenig 
rvor;  hinter  ihnen  entspringt  ein  scharfer  Kiel,  welcher  sehr 
bräg  zur  Grenze  zwischen  Unter-  und  Hinterrand  läuft  und  eine 
issig  vertiefte  Area  abgrenzt. 

Die  Sculptur  besteht  aus  scharfen,  schmalen,  durch  breitere 
ler  schmälere  Furchen  getrennten  Radialrippeu,  welche  vom 
^irbel  ausgehen,  auf  der  Hinterseite  sehr  schräg  nach  hinten,  un- 


^)  Zar  Gattung  Inoceramus,  Palaeontographica  Bd.  24,  S.  277. 

*)  SenoD  von  Königslutter  S.  50. 

^  PetrefacU  Germaniaeil,  Taf.  113,  Fig.  Ib. 

^  A.  a.  0.  S.  277. 


30      A.  WoLLuiAXü,  Die  F»Di>  des  SeDons  tod  Bi«««i>(k  bä  WolEmUttd. 

den  AbbilduDgen  bei   ScblÖtbr  &.  a.  O.   und   mit  den   mir  ro^^ — • 

liegeDdeo  Gbiepekkerl  sehen  OrigioalcD  voa  Boimstorf  votlstAad^K.^^ 

flberein.  ^h 

69.    AeÜBoeanax  fudratu  Blaintiixs.  4P 

18i7.     Bdemmtr*  qaadraJut  Bi-(»Tit.i.s.  Ueaoire  «at  Xm  beiemnitcs  S.  6%  Tal         -V  * 

R«. .". 
Dieses    bekannte    Leitfoesi)    kommt    in    Kl.    Biew^nde    004==^^ 
fa&u&ger  vor  als  in  Gr.  Btewende  und  efreicht  an  ereterem  Fun<^V' 
orte  durchschnittlich  eine  bedeutendere  Dicke;  die  Exemplare  rn-       o 
letzterem  Fundorte  sind  zwar  ebenso  taug  oder  länger,  haben  ab^?^'' 
einen    kleineren    Durchmesser   und   erscheinen   deshalb   scblaakei^  '■ 
Das    längste  Exemplar,    welches    ich    Oberhaupt    besitze   (Gr.  Bie^^* 
wende),  ist  88  Millimeter  lang  und   misst  nur   14  Millimeter  in— •rm 
Durchmesser.     Die  Tiefe   der  Alveole  schwankt  etwas,  entspriehK:^^^ 
aber  ebenso   wie   die  I^age   der  Apicallinie   im  allgemeinen   etw     ^^* 
der  Abbildung  Fig.  ic  auf  Taf.  54  bei  ScHLerRR  a.  a.  O.:  Fig.  c        -* 
auf  derselben   Tafel    stellt  ein   veHtrüppeltes   Exemplar  von  Bie^^  1^ 
wende  dar. 

70.  AelinMUux  sp. 
Bei  Kl.  Biewende  habe  ich  einen  62  Millimeter  langen,  keulen  keil- 
förmigen, fast  glatten  Betemniten  gefunden,  welcher  also  etwa  di»  £  ''^ 
Grösse  des  Actmocamax  pleniu  Blaiktillb  bei  ScqlOtbb  a.  a.  OtH— ?■ 
Taf.  52,  Fig.  16  hat,  von  welcher  Art  er  sich  besonders  durcV^^'' 
schärfer  abgesetzte  Spitze  unterscheidet 

71.   BelflHiitolb  ■lenute  t.  Schlothsih. 

1818.     BeltmittUi  mbctomAu  t.  Scelotseim,  TuchoibiKh  for  HiDeraloftie  Bd.  7tf~  ?• 
S.  lU. 
Wie  ich  schon  eingangs  erwähnt  habe,  findeo  sich. etwa  vol^w^'" 
der  Mitt«   Ober  der  Sohle  des  Gr.  Biewender  Steinbruchs  an  biv-^"^ 
zu  den  obersten  Schichten  einzelne  kräftige  Exemplare  der  typiscbe^K^^i 
Form  dieser  Speciee,  welche  bis  oben  hin  von  Acttnocanuuc  qtta^^^' 
drattu  begleitet  werden.     Im  ganzen  liegen  mir  drei  Bmchstflck:^^^ 
und   vier  ziemlich   vollstäadige  Exemplare  der  B.  mucrowxta  vo^^n 
Gr.  Biewende  vor,  von  denen  das  grösste  120  Millimeter  lang  i^^=t 
In  Kl.  Biewende  habe  ich  Beiemmteüa  mmeronata  nicht  gefiuideK^^it- 


A.  WoLLnuBH,  DieFaDD»  dw  Senou  vod  Bieweade  bei  Wolfenbfittol.       21 

Der  Schtoesraqd  ist  gerade,   mit  ibm  bildet  der  schwach  ge- 
bogeue  Vorderrand  einen  fast  rechten  und  der  sUrker  gebogene 


Fig.  4». 
Rg,  4  and  4  a.    Gr.  Biewende.    Woi.Lii«AB«'sdie  Sammlaiig. 

^Iinterrfuid  einen  stumpfen  Winkel.  Der  Unterrand  ist  fast  ge- 
*^de  und  unter  dem  Wirbel  ganz  schwach  nach  innen  gebogen. 
'-'■e  Klappen  sind  nur  in  der  Gegend  des  Wirbels  stSrker  gewQlbt, 
^^Ost  abgeflacht  und  zeigen  auf  dem  Rücken,  besonders  in  der 
-^Ahe  der  Unterseite,  eine  ganz  seichte  Einbuchtung,  deren  Stärke 
bei  den  verschiedenen  Exemplaren  schwankt,  z.  B.  bei  dem  abge- 
bildeten Stack  nur  ganz  wenig  wahrzunehmen  ist.  Die  Wirbel 
^Utd  weit  nach  vorn  gerückt,  breit,  stumpf  und  ragen  nur  wenig 
"Crvor;  hinter  ihnen  entspringt  ein  stumpfer,  wenig  markirter  Ktel, 
Welcher  nach  anten  zu  bald  verschwindet  und  deshalb  eine  Area 
■Mir  undeutlich  abgrenzt. 

Die  ganze  Oberflftche  ist  mit  feinen,  mehr  oder  weniger  schr&g 
^^Hanfenden  Radialrippen  von  Tcrscbiedener  Stärke  dicht  bedeckt, 
*elche  durch  schmälere  Furchen  getrennt  werden.     Auf  der  Area 
**(id   die   Furchen  etwas   breiter.     Die  Radialrippen   werden  von 
''bitten,  concentrischen  Linien  so  geschnitten,  dass  an  den  Schnitt- 
Punkten  Knoten  entstehen  und  die  Oberfläche  gegittert  aussiebt. 
Die   angeblich  zu  Area  radiata  MONSTER  gehörenden  Exem- 
VWe,   welche  bei  Geinitz  a.  a.  O.  abgebildet  sind,   sollen  nach 
**Oae  «u  unserer  Art  an  rechnen  sein.     Die  Scnlptur  ist  auf  den 
fechten  Figuren  nicht  zu  erkennen;  auf  Fig.  13  ist  ein  st^rker^r 


A.  Wau.EiuBn,  Dia  Fauna  dea  Senons  tod  Biewsnda  bai  Wolfeabfitbl,      23 

53.    Nsaera  eudftta  Nilsson  sp. 

S27.    Corhtla  cmidata  Kti^aon,  PetrifioaU  Saecana  S.  16,  Tat  8,  Yi%.  18. 
)S4— 40.  *  ■  >        GoLoruis,    Petrafacta    6«niiaiiiaa  Ü,    S.  251, 

Taf.  151,  Kg.  17. 
)46.  •  >  »         RiDsa ,    Die   VenteinarangBii    der    böhmiacheD 

Ereidefonnatioii  S.  20,  Taf.  86,  Fig.  23. 
)C9.    Neaera       >  *        Patbe,  UollnBqaea  fouilea  de  la  craie  des  en- 

Tirona    de    Lemberg  S.  102,   Taf.  U, 
Fig.  8. 
)89.         >  >  >        GsiRiiraKBL,  Senon  von  Königalntter  S.  69. 

)9{L         >  >  >        6.  UBllib,  Die  Molluahenfauna  des  UntereenoD 

von  Brannaohweig  nod  Ilsede  S.  77, 
Taf.  10,  Fig.  10  n.  II. 
Diese  Species  ▼ariirt  stArk,  wie  die  verschiedenen  Äbbildungeo 
>ei  dea  citirten  Autoren  zeigen,  besonders  hiosichtlich  der  LAnge 

Fig.  5. 


Fig.  5.     Gr.  Biewende.    Sammlnn^dss  Eerra  Khoop  in  Börwnni. 

ind  Gestalt'  des  Scbnabels.  Den  kflrzesten  Schnabel  sehen  wir 
™f  der  Abbildung  bei  Goldfdss  a.  a.  O.,  welche  EigenthQmlich- 
[^it  nach  G.  MOiXBR  auf  deu  Erhaltungszustand  zurCckzuftihren 
'^in  soll.  Auch  das  VerhftltDiss  zwischen  Höhe  und  Lftnge  des 
>reiten  Xbeils  der  Muschel  ist  nicht  constant,  weshalb  nuDche 
^emplare  sehr  schUnk,  manche  plump  aussehen.  Die  letztere 
-■'t^Dscbaft  tritt  besonders  bei  dem  tod  Knbr  abgebildeten  Stücke 
•error,  welches  deshalb  vom  Autor  nur  frageweise  zu  unserer  Art 
iWtflilt  wird. 

loh  kenne  nur  das  eine,  abgebildete  Exemplar  von  Gr.  Bie- 
gende, welches  sich  in  der  Sammlung  des  Herrn  Knoop  in  Börssum 
^findet;  es  gleicht  am  besten  der  Abbildung  bei  Favrb  a.  a.  O., 
^^f  breite  Tbeil  geht  ebenso  wie  dort  mehr  allmählich  in  den 
^*^Wbel    ober,    während   er  auf  anderen   Abbildungen,    wie   bei 


34     I^'  Mi:uxiEn,  üeber  einlgi>  Cn!eoplnrt<n-F]figeIdecki!ii  Kua  der  prüftlBi-ialiin 

V(T8i:biedeDe  Autoren  habeu  siub  Bchoti  mit  dem  Studium 
quartärrn  losectenreste  beschäftigt.  In  einer  tmgeuieiD  fieii 
und  gewisseuhaft  durchgcfllhrten  Abliandlniig  mit  naturgelre 
Zeicliniiugeu,  bearbeitete  K.  Flach  ')  die  Coleopteren-Faimi» 
dem  PIcistocän  von  Hösbach  in  Bayern;  H,  J.  Kolbe  ^)  beseht 
einige  Käferreete  von  Gr.  Rüsulien  in  der  Nieder- Lausitz  i 
S.  SCDDDKR^)  einige  Fossilien  von  Scarboro'  Ileights  in   Can» 

Des  Weiteren  haben  wir  einige  Aufzeichnungen  von  Db 
HarPE*)  und  P-  FUCHE  *),  8cbät?.enfiwertli  vor  Allt-ni,  «lü 
Inaectcnreste  behandeln,  deren  Alter  von  den  StrKtigrapbrn 
Sicherheit  bestimmt  werden  konnte. 

Uneere  Kenntnisse  der  qimrtjiren  Fauna  sind  jedoch  immer 
noch  reuht  ungenflgend,  sodass  eit  verfrüht  wftre,  jetzt  schon  p 
logcnetische  Vergleiche  zwisi-hen  unserer  euroffSisoben  Fauna  i 
jener  Ämerika's  anstellen   zu  wollen. 

lu  der  präglacialen  Braunkohle  von  Lauenburg  konnte 
folgende  Arten  vorfinden: 

1.  Domicia  (H^coloj-   Pz,        12  RtHck. 

2.  »        bicohra  Zett.     4      » 


')  Flacjh,  K.  Die  KSfer  dor  unterpleistocänen  AbUneruDgen  bei  Hijsb 
unweit  Asthuffenbarg.Verh.d.ph ja.  med.  Gesellschaft,  Würaburg  18S4.  Bd.  XV 

ä)  KoLUE,  H.  J.  Ueber  fossile  Reste  von  Coleopteren  aus  einem  alten  T 
la^er  (Schmierkohle)  bei  Gi.  Raschen  in  der  Nieder-Lausitz.  Berlin,  Natnrfon 
Frennde.  Silzungsb.  18!H.    S.  ^36-238. 

')  ScutiDEii,  S.  Deacription  of  two  spccies  of  Carabidae  Tound  in  Üie  in 
glacial  deposits  of  Scarboro'  Heigbts  near  Toronto  (Cnaada).  Hüll,  of  tho  D 
Geolog,  »od  geoKr.  Survej.    Washington   1877.    Bd.  III,  S.  763— 76*. 

^')  ScuDUBR,  S.  The  Coloojjtera  hithorto  found  fossil  in  Canad».  Gei 
gicBl  Surver  ot  Canada.     Ottawa  1895,  vol.  11,  Part  I,  S.  27.^56  mit  9  Taf. 

— ,  The  effect  of  gladation  and  die  glacial  Period  on  the  present  Faun* 
North  America.  Americ  Journ.  of  science,  Serie  III,  vol.  SLVIII,  No.S 
Sept.  1891. 

*)  De  La  EiRFK,  Ph.  Sur  an  gisemi'nt  de  tourbe  glacjairo  troave  a  L 
UDDe.  Bull.  Soc.  Vandoisc  des  scicnces  naturelles  Lausanne  1877.  Bd.  Xi 
S.  45e-<53. 

^]  Ft.icHK,  P.  Sur  les  lignites  <juaternaires  de  Janille  pres  de  Nu 
Comptes-Rendus  de  Tlnstitut.     Paris  1S75.     Bd.  LXXX,  S.   1233—1236. 

— ,  Faane  et  Flore  des  lourbÜTes  de  la  Champagne.  Compt«E- Rendns 
l'lnstitut.     Paria  1S7G.     Bd.  8i',  S.  979—932. 


Braunkohle  und  dem  interglacialen  Torflager  von  Laaenburg  (Elbe).      35 

3.  Donacia  f  Eine,  beim  Entnehmen  aus  der  Braunkohle  zu- 
erst bronzefarbene,  nachher  dunkelblau  gewordene  Flögeldecke,  die 
der  Gattung  Donacia  anzugehören  scheint,   sich  jedoch  von  jeder 
der  Arten  discolor,  bicolora^  fennica^  thalasaina  und  obacura  unter- 
scheidet.   Länge  des  Deckschildes  11  Millimeter.  Breite  2  Millimeter. 
Ich    zähle    9  Längsstreifen   und   erscheint  die    dieselben  formende 
Punktirung  gegen   die    Flögelmitte    zu   schwach    und    undeutlich, 
gegen  die  Schulter  zu  werden  die  Punkte  jedoch  bedeutend  grösser 
und  deutlicher.     Die  Querstreifung  des  ganzen  Flügels  ist  gleich- 
massig  fein  und  zart.     Am  meisten  Aehnlichkeit  besitzt  diese  Art 
noch  mit  Donacia  bicolora  Zett. 

4.  Deckschild  einer  von  Flach  bereits  beschriebenen  Hydro- 
philiden-Art.  Flach  nähert  diese  Art  dem  Cyclonotum  orbiculare 
LiNNife,  und  bemerkt  hierzu,  dass  die  Punktirung  des  von  ihm 
gefundenen  Fossils  viel  stärker  und  dichter  ist  als  bei  den  leben- 
den Arten.  Das  Gleiche  ist  bei  dem  von  mir  gesehenen  Exem- 
P'ar  aus  der  Lauenburger  Braunkohle  der  Fall  und  benenne  ich 
daher  diese  neue  Art  Cyclonotum  Muelleri^  Flerrn  Dr.  Müller, 
^ein  umsichtigen  Entdecker  der  Lauenburger  Fauna,  zu  Ehren.  In 
*^^r  ersten  Sendung  von  präglacialer  Braunkohle  kam  mir  das  ab- 
S^hrochene  Stock  einer  Flögeldecke,  wahrscheinlich  auch  dieser 
-^rt  angehörend,  vor. 

5.  Carabidae,  Ein  einziges  noch  dazu  durch  die  Fossilisation 
Verkrüppeltes  Deckschild  mit  anscheinend  sieben  nicht  punktirten 
-*^^ng88treifen.  Es  ist  unmöglich,  die  Gattung,  der  es  angehören 
^^onte,  zu  bestimmen.  Länge  der  Flögeldecke  4  Millimeter.  Breite 
1  Millimeter. 

Das  interglaciale  Torflager  ist  reicher  au  Arten  als  die  prä- 
Slaciale  Braunkohle. 

Ich  fand  folgende  Arten: 

1.  Donacia  discolor  Pz.       6  Stück. 

2.  »        bicolora  Zett.  1     » 

3.  EJrycus  acridulus  Linke.  Die  Charaktermerkmale  dieser 
^^fztiglich  erhaltenen  Flögeldecke  habe  ich  durch  Vergleich  mit 
^^.^    lebenden   Art    controUirt.     In    der    Abhandlung  von  Flach, 

[3*] 


3(!      F.  UniJMiEa,  Ucber  finigi-  Coleoptwea-Flflgeldecken  ans  der  prlgtaciülm 

Tai'.  II,  Fig.  8  a,  findet  Bich  eine  aitsgezeicliuete  Wiedergalip  dies» 
DeoksGhildes. 

4.  Amarui  Eti  ist  mir  noch  zweifelhaft,  ob  die  zwei  Flüge 
decken  mit  deutlich  von  einander  getrennten  Längsstroifpti  der  (i^ 
toDg  Amara  angehören;  die  oben  genaunten  Kennzeichen  nahes 
diese  Art  dem  Carabites  laeHcoüü  Heer  '),  Da  die  Flil^eldi-cli« 
jedoch  zerknittert  eind,  ist  unmöglich  ku  erkennen,  ob  die  Zwi»chi!e 
räume  glatt  sind.  Länge  der  un  der  Spitze  etwas  abgehrochen« 
Decken  3Va  Millimeter.  (Die  ganze  LSnge  dürfte  wohl  4  Millimet- 
betragen   haben.)     Breite   I'/j  Millimeter. 

5.  Carabidae.  Uarpahmf  aeneus.  Eine  schleeht  erlialtcH 
FlDgeldecke.  die  einige  Aehnliehkeit  mit  der  erwähnen  Art  b 
sitzt,  doch  ist  nicht  möglich  xa  coustatiren,  ob  neun 
streifen  vorbanden  sind.  Es  ist  nur  7.u  sehen,  da«8  dieselh^^v^^a 
ziemlich  weit  von  einander  entlerut  sind,  wie  es  bei  H.  aenetr-^siu 
und  JJ.  pubencens  der  Fall  zu  sein  pflegt.  Da  die  Zwi&cheK^  ■^^n- 
räume  jedoch  keinerlei  Punktirung  aufweisen,  gehörte  das  Tbl*  ^mvi 
wohl  eher  der  erstgenannten  dieser  Arten  an.  Unsrr  Fossil  i^t  itt 
von  kleinerer  Gestalt  als  Fi»'o/)ia  mela»,  deren  Kör perläuge  20MilH  J''- 
meter  beträgt,  doch  nilliert  es  sich,  was  die  Grösse  betrifft,  d-  Ä" 
Feronia  antfii-acina,  mit  der  es  aber  wieder  andererseits  nicht  zu  ve  -^^r- 
gleichen  ist,  da  die  feine  Punktirung  der  Längsstreifen  fehlt.  Of  ^^- 
wohl  die  Decke  schlecht  erhalten  ist,  kann  man  doch  mit  Sicherhe— ^«'t 
feststellen,  dass  sie  sich  durch  ihre  Gesammtbildung  von  Ptatygtf^^^"' 
obtongopunctata  sowohl  als  von  Feronia  rnetalUca,  faedatopunctat  —Sta. 
foasulata  und  cuprea  unterscheidet.  Die  Gattungen  der  quartSr^^^^'' 
Käfer  sind  nur  mit  allergrösster  Voreicht  zu  bestimmen.  Ausse^^r- 
dem  liegen  mir  noch  eine  Anzahl  Thorax-Reste  von  Carabid^-  ^" 
vor,  doch  alle  in  so  schlechtem  Erhaltungszustande  und  so  unvo  ^«H- 
fit&ndige  Bruchstücke,  dass  ich  mich  leider  gezwungen  sehe,  v^^  oo 
irgend  welcher  Galtungsbestimmung  abzusehen. 

6.     Zwei  grosse  abgeplattete  Stücke  Flügeldecken  von  10  MiL^W'* 
meter  Länge  und   10  Millimeter  Breite.    Diese  metallisch  grün-gl^^S"' 


')  Beiträge     xat     In  Beeten  fauna     Oeningena.       Natnrk.     Verhandl.    no 
Hollandecke  Uaatschsppij.    Hsarlem  1S63,  S.  35,  Tafel  I,  Fig.  28. 


de 

I 


Brauokohle  und  dem  interglaculen  Torflager  Ton  Lauenburg  (Eibe).      37 

2eoden  Decken  haben,  ausser  dem  Thoraxtheil,  wovon  ein  dicht 
punktirter  Ansatz  vorhanden  ist,  weder  Streifung  noch  Punktirung. 
Das  Insect  gehörte  wahrscheinlich  zu  den  Chrysomeliden  und 
hatte  eine  ursprüngliche  Länge  von  ungefähr  15  Millimeter. 

7.  Das  Stück  einer  röthlichbraunen  Flügeldecke  mit  groben 
abgeplatteten  Punkten,  welche  die  ganze  Oberfläche  bedecken. 
Zwischen  diesen  anregelmässig  vertheilten  Punkten  sind  glatte 
glänzende  Zwischenräume.  Das  Stück  ist  zu  unvollständig,  um  es 
näher  bestimmen  zu  können. 

8.  Eine  sehr  eigenthümliche  Decke  von  glänzend  schwarzer 
Farbe  und  wenig  deutlichen  Längsstreifen  durchlaufen,  zwischen 
welchen  sich  eine  Punktirung  befindet,  die  der  Decke  eher  den 
Anschein  von  fein  gekerbt  als  gestreift  giebt.  Länge  10  Milli- 
meter.    Breite  1^2  Millimeter. 

9.  Flügelrest,  von  3  Millimeter  Länge  und  ungefähr  1  Milli- 
meter Breite,  mit  groben,  dichten  Punkten  versehen.  Die  Flügel- 
basis   ist   deutlich  quadratisch. 

10.  Eine  Käferflügeldecke  mit  Längsstreifen,  deren  Zahl  jedoch 
nicht  anzugeben  ist,  die  sich  der  Carabiden -Gattung  Badüter  zu 
nähern  scheint.  Wie  bei  Badister  fragUis  Heer  ^)  scheinen  sich 
die  Längsstreifen  immer  je  zwei  zu  zwei  zu  vereinigen,  doch  ist 
es  mir  selbst  noch  zweifelhaft,  ob  dieses  Fossil  wirklich  obiger 
Gattung  einzureihen  ist.  Länge  des  Stückes  4  Millimeter.  Breite 
1  ^4  Millimeter. 

11.  Ein  Wirbelknochen  von  Mus  rattus  LiNNifc.  Kendall^) 
zeigte  schon  früher  die  Auffindung  einer  Wirbelsäule  dieser  Nage- 
tbiere  in  einer  Bildung  West-Cumberlands  an. 

Weder  in  dem  interglacialen  Torf  noch  in  dem  neueren  mir 
«sugetheilten  Material  der  präglacialen  Braunkohle  habe  ich  weitere 
Flügeldecken  von  Bembidium  Berendti,  die  ich  früher  aus  letzterer 
Bildung  beschrieben,  wieder  vorgefunden. 


J)  loc.  cit.  S.  21. 

*)  Kendall,  J.  D.  Interglacial  deposits  of  West-Cumberland  and  North- 
X^ancashire.  The  qaarterlj  Journal  of  the  Geolog.  Society.  Vol.  XXXVII. 
London  1881,  S.  35. 


38 


P.  Mkc 


RH,  Unbnr  »inigo  Colcopt«r<>n-Flneetdr>ckeD  et«. 


Um  den  Werth  meiner  BestimmaDgen  zu  sichern,  habe  >c=sh 
alle  typiscben  Formen  mit  den  Arten  unserer  lebenden  Fauna  v^^  w- 
glichiau.  Was  die  anderen  zu  geblecht  erhaltenen  Esi^niplare  a^sm- 
bftriffl,  so  habe  iub  mich  darauf  beschränkt,  sie  nur  im  Allge- 
meinen /.n  hinschreiben  und  ist  dies  sowohl  iür  Stratigraphen  simie 
auch  Paläontologen  nßtzlicher,  als  wenn  ich  eie  nach  kaum  zu  l-»^- 
urtheilenden  Cliaraktermerkmalen  mit  einer  Anzahl  neuer  Art^  mh- 
Mamen  belegt  hätte.  Zu  eineiu  cylinderförmigen  Loch  eines  To«-^- 
stOckes,  das  sich  höchst  wahrscheinlich  an  der  Oberfläche  befund  crn 
haben  mag,  entdeckte  ich  eine  ganze  Colonic  Dipteren  wie  (.'km—j/~ 
$otoaum  arcuatum  LiNN-,  Melükrsptus  Löw.,  zu  vertrocknet,  u»  m 
die  Arten  zu  bestimmen,  und  Syrpkm  balteatus  DeBGBB  und  «S- 
riöeisü  Lnm. 

Erst  wenn  die  quartüren  Inaecten  einmal  besser  gekannt  s»-^«"' 
werden,  wird  es  möglieb,  sie  phylr>){enetisob  mit  den  verschiede»  ^» 
Arten  der  arktischen  nnd  nearktiscben  (holarktische  Region)  IC^' 
gionen  zu  vergleichen. 

Nach  dem  mir  von  Herrn  Dr.  MÜLLER  aus  den  beiden  I^  »■- 
diingen  zur  Veriiiguug  gestellten  Material  ist  es  mir  heute  m^^' 
lieh,  folgende  Schlussfolgerungcn  zn  ziehen: 

1.  Mehrere  gleiche  fossile  Arten  finden  sich  sowohl  in  Lau^n- 
bnrg  als  auch  iti  Uösbacb,  Jarville  und  Lausanne. 

2.  Mit  Ansnülinie  von  Cydonotum  Muelkri  sp.  n.  begeg»:»«?' 
man  den  meisten  präglacialen  Arteu  auch  im  Interglacial. 

3.  Vom  stratigraphischen  Standtpnnkte  ans  glaube  ich  %>e- 
haupten  zu  können,  daes  die  Fauna  von  Lanenburg  wenig  ocier 
keinen  Auf^chluss  zur  Bpurtbeilung  der  verschiedenen  Glat^i»'- 
Perioden  des  nördlichen  Deutschlands  zu  geben  vermag. 


Der  Sandstein  von  Kieslingswalde  in  der 
Grafschaft  Glatz  nnd  seine  Fanna. 

Von  Herrn  Friedrich  Sturin  in  Breslau. 

(Hierzu  Taf.  II— XL) 


Einleitung. 

Die  Anregung  zu  vorliegender  Arbeit  verdanke  ich  Herrn 
^fessor  Dr.  Frech,  der  mir  im  Frühjahr  1898  die  Bearbeitung 
•  lektonischen  und  stratigraphischen  Verhältnisse  der  Kreide- 
mation  im  südlichen  Theile  der  Grafschaft  Glatz  empfahl. 

Im  Frühjahr  und  Herbst  1898  beschäftigte  ich  mich  mit  der 
>logisch  -  kartographischen  Aufnahme  jener  Gegend  unter  Zu- 
mdelegung  der  betreflTenden  Messtischblätter. 

Hierbei  wurde  indessen  die  Feststellung  dos  Alters  der  ein- 
nen  Kreidehorizonte  und  deren  gegenseitige  Abgrenzung  wesent- 
b  erschwert  durch  den  grossen  Mangel  an  Versteinerungen  und 
rch  das  Fehlen  eingehender  Bearbeitungen,  die  die  geologische 
^llung  wenigstens  eines  Theiles  der  Kreideschichten  in  diesem 
biete  festgestellt  hätten.  Selbst  die  Schichten  und  die  fossile 
una  des  altberühmten  Fundortes  Kieslingswalde  bei  Habel- 
iwerdt  hatten  noch  keine  genaue,  ihr  Alter  feststellende  Bear- 
tung  erfahren,  obwohl  gerade  sie  am  geeignetsten  dazu  gewesen 
ren. 

War  an  der  Hand  der  zahlreichen  Fossilien  des  Kieslingswalder 
ndsteins  dessen  Alter  einmal  festgestellt,  dann  konnte  man,  von  ihm 
^gehend,  auch  den  paläontologischen  und  stratigraphischen  Cha- 
rter der  übrigen  Kreideschichten  leicht  beurtheilen.    Deshalb  be* 


Bchränktf  ich  mich  darauf,  die  Fauna  des  Kieslingswalder  Saii«3- 
Bteins  vom  palAontologischen  und  stratigraphiGchen  Geeichtspunlc 4e 
aus  eingehend  /.u  bearbeiten,  und  nur,  soweit  es  zum  beeser^zn 
Verständniss  nöthig  ist,  einen  Iturzen  Ueberbück  Ober  die  sonslin^sn 
et rati graphischen  und  tektoniäcJieu  Verhältnisse  der  Gegend  v^izao 
Hiibelschwerdt  und  Mitlelwalde  zu  geben. 

Im  Herbst  1899  hielt  ich  mich  wieder  2  Monate  in  der  Ki^^^s- 
lingswalder  Gegend  auf,  um  Material  zu  sammeln  und  Aufnahm  ^^n 
zu  machen. 

Den  Herren  Professoren  [>r.  Frech